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letzter Beitrag von Oehrling am

Pilze vom Markt

  • Hallo alle zusammen!


    Ich war heute in Münster auf dem Wochenmarkt und war begeistert, welche Vielfalt an Pilzen dort angeboten wurde.

    pilzforum.eu/attachment/307912/

    Hier meine Ausbeute;)



    Bei einigen bin ich mir allerdings nicht ganz sicher, um welche Pilzarten es sich genau handelt:


    Pilz 1:

    Angeboten als „Goldener Pilz“, gezüchtet




    Pilz 2:

    „Chestnut Pilz“




    Pilz 3:

    ?


    Pilz 4:

    „Anis-Pilz“




    Pilz 5:

    Angeblich ein schwarzer Steinpilz??





    Bin sehr gespannt, was ihr dazu sagt!


    Viele Grüße,

    Lena

  • Hallo Lena,


    Wow, ich muss nach Münster! Das ist eine Wahnsinns-Auswahl, insbesondere in Anbetracht der Jahreszeit. Besonders erstaunlich finde ich die Röhrlinge.


    Als "chestnut mushrooms" werden manchmal die braunen Zuchtchampignons verkauft, aber zum Bild passt das nicht. Vielleicht müsstest du da wirklich eine komplette Beschreibung machen, mit Schnittbild, Beschreibung des Geruchs etc.


    Beim "Anispilz" tippe ich auf einen der gilbenden Champignons, aber wenn sie gezüchtet sind, vielleicht auch eine hier nicht natürlich vorkommende Art.


    Berichte uns gern auch, wie sie dir geschmeckt haben!


    LG, Craterelle

  • Ahoj,


    Pilz3 sollte der Ästige Stachelbart sein.


    LG

    Malone

  • Hallo,

    da ich aus Münster komme, kenne ich den Stand auch. Den Chestnut Pilz habe ich vor einigen Wochen auch mal probiert. Er ist recht festfleischig und nussig-aromatisch. Ich mochte ihn sehr gerne. Mein Bekannter war nicht ganz so begeistert. Im Internet habe ich diese Seite mit Infos über ihn gefunden:


    Chestnut Royale Pilze - Deutsch


    Vielleicht findest Du die anderen Zuchtpilze dort auch.

    Am Stand gibt es auch einige getrocknete Pilze. Die Morcheln habe ich mal probiert aber die fand ich etwas enttäuschend.


    Grüsse

    Plejades

  • Hi.


    Die "schwarzen Steinpilze" könnten irgendeine Neoboletus - Art sein. Sieht aber nicht aus, wie unser europäischer Flocki (Neoboletus erythropus = Neoboletus praestigiator). Die stammen auch sicher nicht aus Europa, denn da dürfte man selbst mediterran momentan Schwierigkeiten haben, solche Mykorrhizapilze einzusammeln. Ich denke eher Afrika, Südamerika, Indonesien, Australien... Irgendwo da könnte die Quelle liegen, und da könnte es auch noch Neoboletus - Arten geben, die hierzu besser passen als erythropus.
    Wenn das dahin gehört, dürfte es jedenfalls kein Zuchtpilz sein.

    Die gelben Gehirne sehen auch witzig aus. Auch das ist nichts Heimisches, Tremella als Gattung wäre eine Option, aber dann auch eher kein Zuchtpilz - weil man dann ja auch den Wirtspilz mitzüchten müsste.



    LG; Pablo.

  • Hallo Lena,


    danke für diesen wunderbaren Einblick auf den Pilzmarkt zu Münster!

    Das sieht schon sehr bizarr und sehr abenteuerlich aus!

    Aber muss man alles essen, nur weil es essbar ist? Bei einigen dieser Pilze hätte ich da schon leichte Bedenken.


    Jedenfalls werde ich meine Freunde aus Münster bitten, mich mit auf diesen Markt zu nehmen, wenn ich sie wieder besuche.

    Das möchte ich doch gern einmal mit eigenen Augen sehen!


    Liebe Grüße

    Nobi

    Hier geht es zu meinen Themen.

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  • Hallo Nobi,

    der Wochenmarkt in Münster ist immer einen Besuch wert. Er ist immer Mittwochs und Samstags am Vormittag. Es ist allerdings nur ein einziger Stand der so ein tolles Sortiment an Zuchtpilzen hat. Die anderen Gemüsestände haben zwar auch Pilze im Sortiment aber nur die üblichen Sachen die man überall findet.

    Das Personal an diesem Stand scheint allerdings auch nur aus Aushilfen zu bestehen die nur verkaufen. Fachfragen konnten mir die Leute die mich dort bedient haben jedenfalls nicht beantworten. Wahrscheinlich ist das auch der Grund warum Lena hier im Forum die Pilze bestimmen lässt.


    Grüsse

    Plejades

  • Danke für eure Antworten!


    Der Link mit den Zuchtpilzen war sehr hilfreich und die Chestnuts habe ich da als Xerula furfuacea vermutlich wieder erkannt.

    Ich habe die Pilze vor allem aus Neugier gekauft, da ich eine solche Vielfalt noch nie auf einem Haufen (im wahrsten Sinne;)) auf einem Markt gesehen habe. Sie sind noch nicht „geputzt“ und aussortiert. Bin mal gespannt, wie sie schmecken werden.


    Leider konnten mir die Verkäufer, wie Plejades auch schreibt, kaum Fragen zu den Pilzen beantworten, aber jetzt bin ich schon ein wenig schlauer.

    Habe mir vorgenommen im Herbst noch mal nach Münster zu fahren; mal sehen, was es dann dort alles zu sehen gibt.


    Vielen Dank euch für die Tipps!

  • Hallo,


    das ist ja wahnsinnig viel Auswahl, die dieser Händler in Münster bietet.Wirklich beeindruckend! 8|


    Die "schwarzen Steinpilze" könnten irgendeine Neoboletus - Art sein. Sieht aber nicht aus, wie unser europäischer Flocki (Neoboletus erythropus = Neoboletus praestigiator).


    Das scheint logisch, da man doch Parallelen sieht. Was ich mich schon lange frage: Durch welche Merkmale ist Neoboletus eigentlich von den anderen (Hexen)-Röhrlingen abgegrenzt? Die flockig erscheinende Steiloberfläche? Die fehlenden Rottöne im Stielfleisch?


    LG Thiemo

    Bestimmungen anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Sichere Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben!

  • Hallo Leute,


    ich mag nicht wirklich glauben, was ich hier lese. Man geht auf den Markt, kauft sich Pilze aus fernen Landen, die man selber und auch das Verkaufspersonal nicht benennen kann, dann fragt man sie hier im Forum an, bekommt auch da nichts Verlässliches über die Pilze gesagt ("könnte, müsste, sollte..."), und verzehrt sie schließlich, nach dem Motto "was auf dem Markt für Geld zu kaufen ist, kann ja gar nicht giftig sein"??

    Zumindest die gilbende Agaricus-Art (Agaricus essettei?) dürfte aufgrund des hohen Cadmium-Gehaltes gar nicht angeboten werden, vom PSV freigegeben werden sollte sie jedenfalls nicht. Dass in fernen Landen etliche giftige Röhrlingsarten vorkommen, sollte sich bis hier auch herumgesprochen haben. Auf mich wirkt der ganze Stand hochgradig unseriös, vor allem da mit einlullenden, beschönigenden Begriffen wie "Steinpilz", "Goldener Pilz" usw. gearbeitet wird, damit nur bloß kein Kunde verunsichert oder abgeschreckt wird.

    Also dann wohl bekomms, und einen schönen Gruß von der Spaßbremse


    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

    Einmal editiert, zuletzt von Oehrling ()

  • Hallo Oehrling,


    vielleicht hast du mich falsch verstanden. Ich habe die Pilze gekauft um sie näher kennenzulernen und etwas über sie zu erfahren, weil ich einen Großteil der Pilze noch nie gesehen habe.


    Einige, wie die Kräuterseitlinge, den Igelstachelbart und die Austernseitlinge, kenne ich und habe daher kein Problem damit, sie zuzubereiten. Die „Chestnut-Pilze“ hat mir ein Bekannter empfohlen, der die Pilze, wenn auch nicht beim richtigen Namen, kennt.


    Ich dachte, das Forum wäre dazu da um Fragen beantwortet zu bekommen, bzw. sich sachlich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dass ich mir hier Unvernunft und Ähnliches vorwerfen lassen muss, finde ich nicht gut!


    Grüße, Lena

  • Hallo Oehrling,

    seinen gesunden Menschenverstand sollte man auf jeden Fall nicht zu Hause lassen wenn man Pilze auf dem Markt kauft. Ich würde dort auch nur Pilze kaufen, die eindeutig aus Zucht stammen und keine undefinierbaren Wildpilze die ich nicht kenne. Vor allem nicht, wenn die Verkäufer nicht unbedingt mit Kompetenz glänzen.


    Zumindest die Zuchtpilze an dem Stand sehen sehr frisch aus und wenn sie auf kontrollierem Substrat gezüchtet wurden, sollte es auch keine Probleme mit Schwermetallen geben. Ich denke daher, das man dort zumindest die Zuchtpilze bedenkenlos kaufen kann.


    Wenn ich sehe, wie gammelig an anderen Gemüseständen die Wildpilze teilweise aussehen, kann man die eigentlich auch nicht als besonders seriös ansehen. Und auch dort arbeitet nicht unbedingt der Chef sondern eher Studenten die dort ihren Nebenjob machen und nicht viel Ahnung von der Materie haben.


    Bisher habe ich dort auch sonst nur Shitake und die Chestnut Pilze gekauft da mir der Verkäufer die als besonders aromatisch empfohlen hatte (womit er recht hatte).
    Eigentlich wollte ich mal den Stachelbart holen da ich ihn noch nie probiert habe aber der war als Einzelware nie erhältlich als ich dort war.


    Grüsse

    Plejades

  • Servus!

    Durch welche Merkmale ist Neoboletus eigentlich von den anderen (Hexen)-Röhrlingen abgegrenzt? Die flockig erscheinende Steiloberfläche? Die fehlenden Rottöne im Stielfleisch?


    LG Thiemo

    Weder - noch. :gzwinkern:
    Rote Stielbeflockung gibt's auch bei Suillellus, rotes Stielfleisch auch bei Neoboletus (beim Flocki schon selbst des öfteren so beobachtet).
    Außer, daß man da genetisch eine mehr oder weniger solide Grenze ziehen kann, ist Neoboletus vor allem wie folgt definiert: Stark blauend, rotporig, Fleisch sehr fest, stabil, vor allem in Stielbasis zunehmend fester werdend, Hyphen der Stieltrama inamyloid. Die beiden unterstrichenen Merkmale sind die wesentlichen morphologischen merkmale zur Unterscheidung von allen Suillellus - Arten.


    Was die Esoten an dem Stand betrifft: Ein gültiger, botanischer Name auf den Schildchen wäre halt professionell (im Sinne eines Händlers), dann könnte man auch bei solchen Exoten nachvollziehen, was man da kauft / isst.
    Ansonsten: Warum nicht mal Pilze probieren, die hier als Marktpilze unüblich sind, aber auf anderen Märkten in Asien, Afrika oder Amerika gängige Handelsware?
    Wobei ich persönlich schon gerne wissen würde, was ich angeboten bekomme (also einen botanischen Namen lesen will).
    Weil ein wenig aufpassen sollte man schon: In manchen Ländern werden halt auch PIlze gehandelt, die im grunde eher nicht auf den Teller gehören, bzw. äußerst kritisch zu bewerten sind (Stichwort: Gyromitra esculenta).



    LG, Pablo.

  • Hallo Lena,


    mein Kommentar war nicht dazu gedacht, dich als unvernünftig zu beleidigen oder rundzumachen. Ich wollte nur angesichts der möglichen Vielzahl der unerfahrenen Mitleser darauf hinweisen, dass man grundsätzlich Pilze, die man nicht mal namentlich kennt, nicht essen sollte. Und der Bezug zum Essen namentlich unbekannter Pilze ist mMn in diesem Thread durchaus vorhanden.

    Also bitte nicht zu sehr ärgern, weil die Spaßbremse mal wieder den Spaß abbremsen wollte, mit deiner Person hat das nichts zu tun. So wie du es machst finde ich es genau richtig: die dir bekannten oder von einem Kenner empfohlenen Pilze isst du, die anderen nicht.

    Aber einer gehört hier mMn durchaus rundgemacht: der Händler, der an seine Röhrlinge unbekannter Art "Steinpilze" schreibt. Das finde ich unverantwortlich.


    FG

    Oehrling

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  • Hallo Lena,

    nach kurzer Recherche fand ich heraus, dass der Stand anscheinend von ,,paris direkt" betrieben wird. Auf deren Homepage sind Kontaktdaten angegeben. Vielleicht fragst du mal direkt beim Unternehmen nach, um was es sich bei deinen Arten handelt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass niemand weiß, was genau verkauft wird.

    Wäre sehr interessant, was zu diesem Thema als Antwort kommt.


    LG Phillip

  • Hi,


    das ist lebensmittelrechtlich nicht vorgesehen; ein Pflückdatum schon mal gar nicht. Klar wäre es toll, wichtig und richtig, wenn zu den auch wiss. Artnamen genannt werden würden. Bei den Fischen ist das rechtlich verankert. Bei Obst, Gemüse und Pilzen aber nicht.


    Ansonsten ist das wirklich ein sehr interessanter Thread. Zu Rechtlichkeiten bezüglich Marktpilzen haben Harry Andersson und ich zur letzten DGfM-Tagung je einen Vortrag gehalten.


    Bei solchen unklar bezeichneten Pilzen/Waren wäre durchaus mal eine Anzeige beim zuständigen Lebensmittelüberwachungsamt der Stadt Münster und wenn am Stand auch noch Handelsklassen ausgewiesen wären, auch noch bei der Stelle für die Überwachung der Vermarktungsnormen im Land NRW angebracht, denn nur bei Zuchtchampis ist die Angabe einer Vermakrtungsnorm zulässig.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo zusammen,


    ich war mir garnicht bewusst, was dieser Thread alles so beinhaltet, als ich ihn verfasst habe... finde es allerdings auch sehr spannend eure Meinungen zum Thema Marktpilze zu hören.

    Ich habe das Team von paris-direkt gerade angeschrieben und melde mich, sobald ich eine Antwort bekommen habe.


    Viele Grüße

    Lena

  • Also das ging wirklich schnell! Hier die Antwort vom Markthändler:


    „Hallo Lena,


    hier einmal die lateinische Namen;



    Black boletus = Boletus aereus


    Anispilze= Agaricus arvensis


    Goldener Pilz= Tremella aurantia


    Royal Chestnut= Xerula furfuacea



    Ich hoffe die munden alle Ihnen.


    Lg Latif Gülnar


    Paris Direkt“

  • Danke auch von mir für die, zumindest teilweise, Aufklärung, Lena!:thumbup:

    Was in der Antwort aussen vor ist, ist der "Raupenpilz"/Cordiceps? Die haben mich am meisten erstaunt. Waren die frisch? Hast Du die schon probiert.

    Genau das würde mich auch am meisten interessieren.

    Ausgewiesen ist er ja als "Raupenpilz", Cordycep, für nur 3,90 / 100 gr.

    Übrigens findet man auf der HP des Händlers schon viele Angaben zu den Pilzen, aber eben nicht alle.


    LG, Nobi

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  • MoinMoin!


    Eine Angabe des Händlers ist definitiv falsch.

    Die schwarzen, fetten Röhrlinge sind mit absoluter Sicherheit nicht Boletus aereus.
    Das ist gar keine Art der Gattung Boletus s.str.: Weil beflockte (nicht genetzte) Stieloberfläche, Kontext nicht weiß (sondern gelblich) und Röhren bei so jungen fruchtkörpern ebenfalls nicht weiß. Ergo: Kein Boletus s.str. Darum übrigens auch nicht "Boletus quercicola" (was ein zwar diffuses Taxon ist, aber wohl nichts anderes als Boletus edulis).


    Es sei denn, die wären total vermodert und verschimmelt, so daß durch Verwesungsprozesse solche morphologischen veränderungen passiert wären - aber so sehen die ja auch nicht wirklich aus.



    LG; Pablo.

  • Hallo zusammen,


    hier hab ich noch einen interessanten Artikel zu den Xerulas gefunden:

    (PDF) What is the radicate Oudemansiella cultivated in China?


    Demnach sind zumindest die in China angebauten Pilze, die so aussehen eigentlich Hymenopellis (=Xerula/Oudemansiella) raphanipes, auch wenn sie meist als furfuracea bezeichnet wurden. Wäre auch echt mal interessant sowas zu mikroskopieren.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.

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