Beiträge von Mreul

    Hallo Bernd,


    der erste sollte an einer (vergrabenen) Kiefernnadel gewachsen sein - Heyderia pusilla, finde ich hier ziemlich häufig bei gezielter Suche. Hat keine Lamellen, ist ein Ascomycet.

    Und für Nr. 2 such mal nach Calyptella capula.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Bernd,


    das ist auf alle Fälle was besseres, das kannst Du gerne trocknen und mir später mal mit schicken.

    Scheint sehr intensives violettes Pigment zu haben, makroskopisch kannst Du mit den Gattungen Smardaea und Marcelleina vergleichen, die einzelnen Arten lassen sich aber wie bei den Becherchen üblich wieder nur anhand der Sporen auseinanderhalten.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Matthias,


    also urania kenn ich nicht aus eigener Anschauung, würde aber mir eine eher mehr ins Graue gehende Art vorstellen und die Sporengröße wäre auch schon einiges zu groß, also insofern mag ich hier nicht wirklich an urania glauben.

    Die Farben sind etwas schwer zu beurteilen, kurz dachte ich noch an eine Mycena chlorantha, falls das Gebiet Dünen-artig wäre, aber makroskopisch wäre die schon einiges zu arg daneben. Andere wie flavescens sind wiederum mikroskopisch raus.

    Bleibt für meine Begriffe wieder nur die extrem variable filopes übrig, die würde ich hier auch favorisieren. Farblich würde mich bei der nichts mehr wundern, nur die Cheilos sind schon teils etwas daneben, sofern die Cheilos aber recht nahe am Hutrand waren würde das passen, zum Rand hin werden die viel variabler.

    Robich beschreibt im Band 2 von Mycena d'Europa auch noch einige filopes nahestehende Arten, aber da müsste mal genetisch aufgeräumt werden was da wie abgrenzbar ist.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Ditte,


    vielen Dank für Deine Einschätzung, den kleinen habe ich schon mal für Dich zurückgelegt. Ich warte noch etwas mit dem Schicken, falls noch was dazu käme.

    Und Du hast Recht, ich meine jetzt auch, der Stiel ist nicht ganz bereift, war mir anfangs unsicher aber nun fand ich unten nichts mehr. Spannend.


    I. virgatula ist bisher eine für mich noch nicht ganz begreifbare Art, das ändert sich hoffentlich jetzt, wo ich mal einen halbwegs sicheren Fund habe. Bin leider immer noch nicht zum ausführlicheren Vermessen der Sporen gekommen, aber hole ich nach.


    Die Nr. 3 lasse ich mal bei Inocybe sp und untersuche vielleicht nochmal wenn Zeit ist.


    Danke nochmals,

    Matthias

    Hallo zusammen, hallo Ditte,


    was Risspilze angeht geht es hier gerade richtig zur Sache, man weiß gar nicht, welchen man zuerst bearbeiten soll. Viele sind mir zwar mittlerweile bekannt, aber immer wieder gibt es welche, da komme ich nicht weiter oder zumindest nicht zu einem halbwegs sicheren Ergebnis. Statistische Messungen hab ich noch nicht immer gemacht, v.a. nicht bei den Zystiden, aber wenn das relevant wird kann ich das jederzeit nachliefern.


    Nr. 1. Diese sehr kleine, bis 2 cm Durchmesser und 2,5 cm Länge erreichende Inocybe fand ich auf einem Friedhof unter Linden zwischen Schotter. So rein makroskopisch und auch wegen der Sporen dachte ich erst an javorkae. Jedenfalls bis ich die Sporen gemessen habe, weil mit einer Durchschnittslänge von gerade mal 9,6 µm (8,5-10,5(11) x 5,5-6(6,5) µm) ist das schon arg klein für javorkae und dann fehlt auch noch der schwarze Rand an der Stielknolle im Schnitt, bisschen viel auf einmal. Ansonsten würde die ja ganz gut passen, schuppiger Hut, sehr klein, mind. bis zur Mitte bereifter Stiel (wobei teils schwer erkannbar, nach unten fand ich meist nur noch haarartige Elemente), Geruch spermatisch, sonst keine Auffälligkeiten bei Farbe oder Verfärbungen.

    Sporen:

    Pleuros:

    Cheilos:

    links 3x Pleuro, rechts 2x Cheilozystide:

    Noch mehr Pleuros:

    Kaulos relativ spärlich vorhanden:


    Dann Nr. 2, eine glattsporige Art aus einem Mischwald, unter verschiedenen Weiden, Birke und Fichte. Bis ca. 4 cm Hutdurchmesser bei sehr alten Exemplaren.

    Stiel nur oben mit Kaulozystiden, Geruch normal spermatisch, Sporen (8,3)8,5-9,5(10,5) x 4,7-5,5 µm. Vielleicht I. fuscidula, aber da scheinen mir die Zystiden zu wenig dick. Zystiden in KOH nicht verfärbend, ansonsten wenig auffälliges, was wahrscheinlich das Problem ist wieso ich auf nix sicheres komme.

    Sporen:

    Cheilos:

    Pleuros:

    Kaulos von ganz oben am Stiel:


    Nr. 3 ist schließlich noch ein Einzelexemplar unter Linde und Hainbuche, 4 cm Hutdurchmesser, Geruch spermatisch, Stiel nur im oberen Drittel bereift, Kaulos dort aber sehr zahlreich. Dachte makroskopisch wiederum erst an fuscidula wegen des gestreifen Huts, aber die Sporen sind in den allermeisten Fällen über 10 µm lang: 9,5-11,5 (5)5,3-5,7(6) µm, was da ein bisschen groß wäre. Dafür sind die Zystiden breiter als bei der vorherigen Art. Vielleicht lässt sich was dazu sagen, Einzelexemplar sind sowieso immer so ne Sache.

    Sporen:

    Cheilos:

    Pleuros:

    Kaulos:


    Danke im Voraus und viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Bernd,


    was mir ein bisschen dazu einfällt:

    1. Ist eine Laccaria. Wäre mit L. tortilis zu vergleichen

    2. Sieht mir eher nicht nach latifolia aus. Kann es nicht genau erkennen, aber die nicht angefressenen Lamellen könnten einen Hauch Farbe haben, zumindest auf dem dritten Bild, die oberen scheinen eher ungefärbt. Kann es sein, dass das dritte Bild eine andere Art zeigt? Scheint keines der ersten zwei Exemplare zu sein.

    3. Wird eine Psathyrella sein

    4. concica s.l., ja, was man da wie noch genauer aufsplitten kann ist mir noch nicht so ganz klar

    5. Genau, Coprinopsis sp,

    7. Der "Risspilz" schaut mir eher auch nach nem Saftling aus dem conica-Umfeld aus

    8. Wäre mal mit Tubaria minutalis zu vergleichen, auf alle Fälle was mit dunkleren Sporen

    9. Conocybe sp ist klar


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hi zusammen,


    das würde ich Ascocoryne sp. nennen. Die sehen ganz jung gerne so aus.

    Hab mal einen alten, solche Formen zeigenden Schnappschuss von mir rausgekramt, sogar auch mit Orbilia xanthostigma s.l. zusammen wie auch oben zu sehen:


    Finde ich so sehr häufig an alten Stümpfen, sehe jung sehen die ganz interessant aus.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hi Bernd,


    bei 8 und 11 seh ich jeweils eine Mycena, hier wäre es interessant zu sehen, wie die Lamellen aussehen, bzw. ob und wie die Schneide gefärbt ist. Bin mir unsicher, ob es die selbe Art ist.

    Ich würde hier von Farbgebung und Standort für die 8 Mycena olivaceomarginata favorisieren, wobei die auf dem Bild teils recht blass daherkommen würden, aber die Art ist sehr variabel. Alternative könnte ansonsten noch M. flavescens sein, die 11 sieht eher nach dieser aus.

    M. olivaceomarginata kann verschiedene Farben an der Schneide haben, aber wenn da was bräunlich oder grünlich wäre, wäre der Fall klar. M. flavescens hat oft eine sehr schwach gelbliche Schneide, meist nur bei starker Vergrößerung sichtbar, aber sollte mit guten Fotos kein Thema sein. Natürlich können beide auch mal fies sein und ohne gefärbte Schneide daherkommen, aber meistens ist was gefärbtes dabei.

    Interessant bei Mycena auf Wiesen (und auch generell) ist immer Geruch (v.a. ob nitrös/Chlor oder nicht) und eben die Lamellenschneide.

    Graue oder weiße Arten gehen zwar meist nur mit Mikro, aber der Rest lässt sich oft gut auch ohne bestimmen.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hi,


    Jacques hat sich zur X. bulbosa noch geäußert:

    Zitat

    cette récolte de X. bulbosa est très intéressante aussi et mériterait d’être cultivée et séquencée. En culture on peut souvent obtenir le stade asexué des xylaires, qui peut donner des indications supplémentaires sur ses affinités. Il est peut-être présent sur les stromas gris observés en Juin.

    Werd mal schauen, wenn jemand die andere sequenzieren will, kann die bestimmt auch gleich mit gemacht werden.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Möglich natürlich, dass das wegen der guten Nährstoffversorgung ein besonders großes Exemplar ist. Aber am Ende wissen wir es einfach nicht, die hat ja offenbar noch nie jemand vorher gesehen. Macht aber sicher Sinn vorsichtshalber nach was kleinerem zu suchen, dann sollten größere Exemplare ja auch mit auffindbar sein.

    Dass es oft krass ist, was ich selbst nach langer Erfahrung in einer bekannten Wiese nicht finde seh ich im eigenen Garten, was ich da schon alles erst bei längerem Verweilen wegen eines anderen Funds zusätzlich gesehen habe. Und die Wiese ist ja auch noch gemäht, selbst da ist das oft schwierig genug. Meistens wird man dann fündig, wenn man am wenigsten damit rechnet.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Bernd,


    ja, die bulbosa habe ich in meiner Antwort auf die Anfrage noch mit erwähnt, die interessiert ihn natürlich sicher auch. Wenn er dazu noch was sagt, bekommst Du natürlich Bescheid.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo zusammen,


    habe unverzüglich eine Antwort von Jacques bekommen:

    Zitat

    Je suis d’accord avec toi, une telle combinaison de caractères remarquables devrait permettre une identification facile si l’espèce était déjà décrite. Ce n’est pas le cas, et je ne vois même pas d’espèce proche.

    D.h. es handelt sich tatsächlich um eine neue, unbeschriebene Art.

    Jacques schlug mir noch vor mich an Yu-Ming Ju (Taiwan) zu wenden, er könnte die kultivieren und sequenzieren. Da man allerdings für eine Kultur reife Sporen braucht und hier sehr wenige vollreif waren, würde ich erst mal warten, ob die Art vielleicht nochmal auftaucht, am besten etwas reifer.

    Ne Sequenz müsste sich ja auch ohne Versand nach Taiwan bekommen lassen.


    Und falls sowas nochmal auftauchen sollte wäre natürlich wieder auch die Ökologie besonders interessant, die findet Jacques nämlich auch absolut ungewöhnlich.

    Also in jeder Hinsicht ein richtiger Knallerfund!


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Bernd,


    denke, dass diese buchstäbliche Stecknadel im Heuhaufen früher oder später wieder auftauchen wird, wünsche auf alle Fälle viel Erfolg beim Suchen. :)

    Sicher wird da auch noch das ein oder andere interessante Pilzchen dazu kommen.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Bernd und alle Interessierten,


    hier kann ich mikroskopisch die erwartete Xylaria bulbosa bestätigen.

    Das Exsikkat ist in exzellentem Zustand und von optimalem Reifegrad.

    Eine komplette Dokumentationstafel reiche ich noch nach, hier aber schon mal die Infos zum Fund:


    Sporen (9,7)10-11,6(12,7)x (3,7)4-4,2(4,4) µm, Keimspalte gerade und durchgängig, denke der Rest ist auf den Fotos zu sehen.

    Interessant, dass die Sporen wie auch bei Peters Fund auf Ascofrance etwas kleiner sind als im Schlüssel von Fournier genannten Maße.


    Schnitt durch Stroma mit Perithezien:


    Sporen und Asci:


    IKI:


    Das separate Stück auf dem letzten Bild von Bernd stellte sich in der Tat als letztjährig heraus, das hatte keine verwertbaren Mikrosktrukturen mehr.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo zusammen,


    die Xylaria ist angekommen und ich hab sie untersucht. Etwas Glück war dabei, denn die war gerade so reif, die ersten Asci mit dunklen Sporen waren gerade entwickelt.


    Die Art hat es in sich, die Sporen messen (19)19,5-22,5 x 6,7-8(8,6) µm, natürlich nur reife gemessen. Dazu kommt noch eine an beiden Polen verdickte Gelhülle um die Sporen und eine gerade Keimspalte, die meist ganz durchgängig ist, mindestens aber 3/4 der Sporenlänge umfasst. Der langgezogene, sehr große Apikalapparat der Asci ist auch auffällig.

    So wie es sich an dem Exsikkat darstellt könnte die Keule den Grasresten an der Basis entspringen, diese sind von bräunlichen Hyphen umgeben und nicht ohne Weiteres von der Basis trennbar. Will aber nicht ganz ausschließen, dass die am Boden wuchs und das Gras einfach eingeschlossen hat. Jedefalls ist die Basis voll ausgegraben, es gibt keine Bruchstelle, auch bei starker Vergrößerung keine sichtbar.


    Habe die Merkmale makroskopisch und mikroskopisch hier kurz zusammengefasst:


    Hier die Gelhüllen in Tusche, die Tuschepartikel blieben hier arg dran kleben, das kenne ich sonst nur von z.B. Podospora mit klebrigen Anhängseln, normalerweise bleiben die Gelhüllen als weiße Bereiche ohne Partikel sichtbar. Kann aber auch am Präparieren des Exsikkats gelegen haben, keine Ahnung. Jedenfalls sieht man, dass die Hülle größer ist und nicht nur an den Polen die zwei Knubbel existieren:


    Und noch ein paar Asci mit Sporen etwas größer:


    Was die Bestimmung angeht, ich habe keine Ahnung. Könnte wirklich gut was komplett Neues sein, wenn seit dem Schlüssel von Fournier nicht schon sowas beschrieben wurde, was mir entgangen wäre. Mit diese Sporengröße allein sind jedenfalls sämtliche makroskopisch in Betracht gezogenen Arten wie X. delitschii, X. oxyacanthae und X. bulbosa raus, ganz zu schweigen von der Hülle und dem Rest.


    Sehr spannender Fund, war und ist mir eine Freude sowas untersuchen zu können. Wenn sowas nochmal auftaucht mache ich gerne wieder eine Mikro-Dokumentation dazu.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo zusammen,


    das ist schon Rickenella fibula - wenn man das letzte Bild aus dem ersten Post vergrößert sieht man feine Härchen am Hut - Pileozystiden, die typisch für Rickenella sind und Lichenomphalia und co ausschließen.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Bernd und alle die es interessiert,


    habe den Fund untersucht. Mit den länglichen Sporen von (6,4)7,5-8,8(9) x (4)4,2-4,5(4,7) µm ist es dann tatsächlich die vermutete Art Melanogaster broomeanus:


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hi Stefan,


    also galericulata mal mit wirklich erkennbar rosa Lamellen zu sehen, da muss man schon Glück haben, oft ist da gar nix zu sehen oder nur ein Hauch, kommt wenn dann auch eher im Alter. Büscheliges Wachstum ist möglich, aber da gibt es andere Arten, die viel strikter in Büscheln auftreten (z.B. inclinata, renati, etc.), galericulata kommt auch gern mal nur vereinzelt vor. Der Geruch ist oft auch nur schwach oder gar nicht ausgeprägt.


    Falls du die Seite hier noch nicht kennst, hier ist für Mycena alles sehr gut aufbereitet:

    Mycena galericulata


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Nobi,


    dachte ich mir fast, echt krass, was er so alles auftreibt und immer wieder was offenbar Unbeschriebenes. Hatte ja auch schon vermutet, dass es was Neues sein könnte. Diesmal ist auch genug für eine eventuelle spätere Sequenzierung da.

    Danke Dir fürs Prüfen der Literatur.


    Viele Grüße,

    Matthias