Beiträge von Mreul

    Hallo Sandra,


    kann es sein, dass deine Flechte vielsporige Asci hat? Ich meine oben links 13 Sporen in einem Ascus zu zählen. Wenn sie vielsporig ist sollte das Lecanora (Polyozosia) sambuci sein. Wenn 8-sporig bin ich raus, da ist die Gattung ziemlich kompliziert und man bräuchte wohl auch Chemie dafür.

    So sieht das bei meiner L. sambuci aus dem Garten aus, bis 32 Sporen pro Ascus, aber man sollte nicht zu stark quetschen um die Sporen nicht rauszudrücken.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Thorben,


    spannende Sache. Habe kürzlich von Torsten eine albocincta zugeschickt bekommen, da war sowas natürlich nicht drauf.


    Torsten hat den Beitrag hier auch gesehen und lässt fragen, ob denn die Bestimmung von albocincta sicher ist, da das Wirtsmoos Atrichum auf den Bildern nicht zu sehen ist. Kann natürlich auch nebenan gewachsen sein.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Bernd,


    schöne Funde, ein bisschen was kann ich noch beitragen:


    1. sicher meliigena, solche Farben hat kein anderer der kleinen Rindenhelmlinge.

    2. so schwer was konkretes zu sagen, sofern weder Schneiden gefärbt noch milchend, vergleiche Mycena metata

    3. Das sind Zapfenrüblinge, die haben gerne auch mal weiße Hüte. Durch den schön ins orangebraun übergehenden Stiel aber gut zu erkennen.

    4. Da würde ich einen Rindenpilz sehen, z.B. Peniophora, das ist nicht so mein Gebiet. Jedenfalls kein Pyreno.

    5. sehe ich auch so

    6. Das ist Glyphium elatum, durch die typische Form unverkennbar, wenn man die Art einmal kennt. Finde ich hier öfters mal, v.a. an Weide, wächst aber an allem möglichen Laubholz.

    12 ist eine Mollisia.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hi Sandra,


    wobei Spegazzinia ja gar nicht auf Dung spezialisiert ist und bei uns wird der sowieso nicht zu finden sein.


    Wenn Du gerne schöne Mikrostrukturen anschaust, schau im Frühjahr mal an Fichtenzapfen, Phragmotrichum chailletii ist ein super Objekt für Mikro-Fans und sehr häufig, falls du den noch nicht kennst. Da brauchst auch keinen Dung dafür.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hi zusammen,

    Wenn man überlegt, dass die Köttel mindesten 14 Monate alt sind und ich die wirklich knochentrocken eingesammelt habe. Wasser drauf und es blüht. Und vor allem, wie kommen die Sporen in die Giraffe? Die fressen ja ganz oben. Wasserloch? Ich glaube, Paul Mungai diskutiert das auch in seinen Veröffentlichungen aus Kenia, der hatte auch überraschend viel an Giraffe.

    Da hatte ich schon befürchtet, dass die Artenzahl nicht mehr so üppig sein würde, aber da wächst mehr als auf der ersten Ladung, besonders was die Menge angeht. Neun Arten auf Giraffe aktuell. Und dazu noch undefinierbares Coelo-Gedöns mit Mikrokonidien. Wo die Sporen überall herkommen wird wohl deren Geheimnis bleiben, effektiv sind sie auf alle Fälle.


    Hallo Sandra,

    ich freue mich schon auf weitere Beiträge von dir und der namibianischen Giraffe

    :grofl: Hehe... das klingt fast schon unanständig!

    Wird noch unanständiger, denn es kommt jetzt noch eine weitere Giraffe dazu. :D
    Hagen hat mir ja Proben von verschiedenen Gebieten geschickt, Springbock ist nun auch noch angesetzt, den hatte ich noch gar nicht in Bearbeitung.


    Und das Mikro ist ein Zeiss Axio Lab A1, billig ist was anderes.;)


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Nobi,


    eine Publikation dessen, was Hagen alles aus Namibia mitgebracht ist durchaus angedacht, da weiß ich jetzt allerdings nicht wie Hagens aktueller Zeitplan aussieht. Jedenfalls hab ich noch einiges aus Namibia, was noch zu kultivieren wäre.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hi zusammen,


    Hier ein Exot von einer Dungprobe aus Namibia: Spegazzinia tessarthra.

    Die Art bildet zwei Typen von Konidien aus, einmal sehr dunkle in Form von vierblättrigen Kleeblättern und dann nochmals pigmentierte mit langen Stacheln. Die Größe der Kleeblatt-Konidien beträgt hier ca. 14-17µm, was die beiden morphologisch ähnlichen Arten S. sundara (deutlich größere Konidien) und neosundara (kleinere Konidien) ausschließt. Nachzulesen hier:

    (PDF) Mycosphere notes 1-50: Grass (Poaceae) inhabiting Dothideomycetes


    Ich hatte nur eine einzige Stelle mit dieser Art und das nur zufällig, daher gibt es nicht so viele Bilder, aber die Merkmale sind deutlich zu erkennen:


    Makroskopisch wäre das ein unscheinbares schwarzes Pünktchen gewesen, aus mehr als den Konidien mit ein paar Hyphen dran besteht der Pilz ja nicht.

    Von Dung scheint die Art nicht bekannt, nur an allem möglichen Gehölz, Gräsern und Boden. Dung ist ja auch nix anderes, insofern ist das Vorkommen daran wenig verwunderlich. Wahrscheinlich kam die Art an dem Pflanzenmaterial vor der Verdauung schon vor oder hat eben nachträglich den Weg auf den Dung gefunden.

    Aus Namibia hab ich auch noch keinen Bericht gefunden. Bekannt ist S. tessarthra aber nach Literatur (v.a. Ellis, Dematiaceous Hyphomycetes) von etlichen afrikanischen Ländern, außerdem Australien, Indien, USA, Venezuela, usw. also in warmen Gefilden weiter verbreitet und sicherlich nicht selten.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hi zusammen,


    Winterzeit ist bekanntlich Dungpilzzeit und so habe ich einige der noch zahlreich bei mir lagernden Dungproben aus Namibia wiederbelebt, die mir Hagen vor längerer Zeit geschickt hat.

    Konkret ist es hier Giraffendung.

    Im Moment sind sechs Arten dran, es kommen aber weitere dazu.


    Eine der ersten die kam und immer noch üppig wächst ist Ascobolus amoenus, den ich auch auf den Proben vor einem Jahr hatte, aber weit nicht so viele wie jetzt. Es sind hunderte Exemplare, die alle Dungproben überziehen. Auf den älteren Stücken gehen sie wieder zurück, auch auf den frischeren Kötteln ist das Maximum inzwischen nach 3 Wochen in Kultur überschritten.


    Hier kommen Mengen an Jungexemplaren:


    Hier ausgereift mit den auffällig hervorstehenden Asci ähnlich unserem heimischen Ascobolus immersus:


    Die Asci und Sporen sind groß genug um sie auch im Auflicht gut darzustellen:


    Asci:


    Sporen (36)37-42(43) x 21-22,5 µm, mit sehr feinem Ornament


    Sporen mit einer einseitig angewachsenen Schleimhülle. Die ist klebrig, was man auch daran sieht, dass die Tuschepartikel daran haften bleiben und eine schwarze Ummantelung bilden:


    Paraphysen am Ende nicht verdickt, zur Basis hin sind aber einige Segmente der Paraphysen deutlich verdickt, besonders bei älteren Exemplaren, aber nicht immer:


    Ectal-Excipulum:


    Die Reaktion in Lugol ist ähnlich zu anderen Arten von Ascobolus und Saccobolus, junge Asci reagieren konstant deutlich blau, ältere Stadien können nahezu alle Farben haben.


    In den Paraphysen finden sich kleine Glykogen-Ablagerungen, die man in Lugol als orange Kügelchen sieht:


    In KOH löst sich das violette Pigment am Episporium komplett auf und es bleibt maximal eine leicht gelbliche Färbung in der Umgebung. Da das ganze sehr schnell geht hab ich es nicht geschafft ein Foto zu machen bei dem man den Übergang sehen würde. Diese Sporen waren mal violett:


    Zur Bestimmung bleibt noch zu sagen, dass die Sporengrößen sehr mit denen übereinstimmen, die ich vor einem Jahr ermittelt habe. Für amoenus schon ziemlich groß und eigentlich etwas zu breit. Allerdings findet sich hier auch die gleiche Sporenbreite beschrieben wie sie hier auf den Proben vorkommt. Der Name amoenus sollte also nach heutigem Verständnis auf jeden Fall passen, wobei es aber aber gut ein Artenaggregat sein könnte bei den unterschiedlichen Sporengrößen die man in der Literatur findet.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo zusammen,


    für alle, die es interessiert: Klaus hat sich bei mir gemeldet. Anlässlich weiterer Funde, z.B. der oben verlinkte auf Ascofrance, hat er schon bei vielen Spezialisten zu dieser Art angefragt. Jedoch gibt es dafür offenbar noch keinen Namen oder niemand kennt ihn, die beste Annäherung bisher scheint Chaetomidium sp.

    Bei anderen Funden gibt es folgende Abweichungen: Die Asci können offenbar auch konstant 4-sporig sein, auch gibt es Kollektionen bei denen nicht alle Sporen zwei Keimporen zu haben scheinen. In wie weit das alles das Gleiche ist wird nur die Genetik künftig zeigen können. Für den Fall einer Sequenzierung habe ich in jedem Fall alles aufgehoben, was ich von dem Pilz hatte (> 20 Exemplare).


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Thorben,


    Du hast Recht, das muss Sambucus sein. Es war zwar eine Hainbuchenhecke, aber da scheint dazwischen früher unbemerkt auch etwas Holunder gewachsen zu sein. Jedenfalls ein paar Stängel und der an dem die Pilzchen wuschen gehören dazu. Da war ich wohl zu betriebsblind, weil ich da allenfalls noch mit Ahorn gerechnet hätte, aber nicht mit Holunder. Das passt aber mikroskopisch auch noch besser als Carpinus.

    Danke für den Hinweis, ich bin gespannt, ob Klaus mehr dazu weiß.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hi Mikropilzfans,


    habe vor ein paar Tagen wieder einmal eine mir komplett unbekannte Art gefunden, was das Ganze natürlich nur umso spannender macht. Noch bin ich auf der Recherche, noch nicht einmal die Gattung ist mir klar.

    Gefunden an einer vor ein paar Jahren in einem Garten gefällten Hainbuchenhecke. An den Stümpfen davon hab ich an der Seite eines dünneren Triebs kleine schwarze Punkte gesehen.

    Edit: Das Substrat stellte sich als Holunder heraus, danke für ddn Hinweis, Thorben.


    Der Standort:


    Bei starker Vergrößerung sieht man dann, dass die Fruchtkörper fein haarig sind. Ein Ostiolum haben sie nicht, bei Reife platzen sie auf und legen die Sporenmasse frei.


    Die Innereien sind dann ziemlich spannend, kurze meist nur bis 75 µm (selten 100 µm) lange, helle, dickwandige Haare verteilen sich an den Fruchtkörpern:


    Einen Dünnschnitt der Außenwand zu bekommen ist bei diesen weichen Dingern unmöglich, also habe ich sie im Präparat so zum Platzen gebracht, dass man die Zellstruktur der Wand im Schnitt dennoch sehen kann:


    Die Asci erinnern mit ihrer Zerbrechlichkeit und den dünnen Stielen an Chaetomium bzw. Chaetomidium, weshalb ich denke, dass die gut zu den Chaetomiaceae gehören könnten.

    Aber die Sporenzahl in den Asci ist spannend: Meist 4-sporig, bzw. mit 4 gut ausgebildeten Sporen, vermutlich wurden da weitere zurückgebildet, aber es kommen auch solche mit 2 bis 6 reifen Sporen vor. Mit 8 erkennbaren Sporen war aber kein einziger Ascus zu sehen. Gut möglich aber, dass die alle 8-sporig sind und nur eine unterschiedliche Zahl zurückgebildet wird. Bei manchen offenbar geschädigten Asci hat man im Inneren eine Vielzahl kleiner sporenartiger Elemente, auch deutlich mehr als 8 (viertes Teilbild von links). Entsprechend der unterschiedlichen Sporenzahl sind die Sporen sehr variabel in der Größe. Alle Strukturen IKI-.


    Sporen beidseitig mit Keimporus, (5)7-8(10) x (3,5)5-5,7(7,5) µm, wobei die in Klammern angegebenen Größen durchaus regelmäßig vorkommen, aber sicher auf die unterschiedliche Anzahl in den Asci zurückzuführen sind.:


    Etwa 1 cm neben diesem Pilz fand ich möglicherweise die zugehörige Anamorphe. Die Konidien waren aber schon etwas überständig, so konnte ich auch die genaue Konidiogenese nicht beobachten. Dennoch würden sie morphologisch gut zur Teleomorphe passen:


    Und hier nochmal zur Übersicht:


    Wenn jemand Ideen hat, dann nur zu, ist aber jetzt nicht als Bestimmungsanfrage gedacht. Ich will hauptsächlich zeigen, was in unserer direkten Umgebung so alles wächst und keiner sonst mitbekommt. Namen lässt sich bestimmt mal einer finden, bei Zeiten frage ich bei Ascofrance, wenn ich selbst nicht weiterkommen sollte.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Freunde der Mikropilze und alle, die es noch werden wollen,


    anlässlich des kürzlichen Erscheinens der Orbilia-Monografie von Zotto und Mitwirkenden möchte ich hier ein paar Funde von diesem Jahr vorstellen.

    Vor allem aber möchte ich einmal zeigen, in welchen Habitaten man suchen muss, um Arten zu finden, die zwar relativ verbreitet oder sogar recht häufig sind, aber kaum gefunden werden, weil sich kaum jemand solche Standorte ansieht.


    Es geht dabei primär um Trockenstandorte, die regelmäßig austrocknen und daher von Mykologen wesentlich seltener beachtet werden als "herkömmliche", also feuchte Habitate. Primär fündig wird man an ansitzenden, toten Ästen und Stämmen jeglicher Dicke, berindet oder unberindet. Auch halb abgebrochene, frei hängende Pflanzenteile sind hier sehr ergiebige Substrate. Fündig werden kann man hier ganzjährig, auch wenn es in Trockenphasen bei bestimmten Arten schwierig wird diese zu sehen, selbst mit Lupe, da sie so klein und unscheinbar im Trockenzustand sind. Neben holzigen Substraten sind genauso alte, ca. zweijährige Krautstängel, die ebenfalls gerne auch mal gänzlich trocken fallen dürfen, interessant. Für Orbilien muss man da allerdings etwas Zeit investieren, bis man fündig wird.


    An sämtlichen dieser Standorte findet man freilich auch andere Arten, die zwar mitunter recht verbreitet, aber eben mangels Nachsuche kaum bekannt sind. Beispiele wären etwa Triblidiopsis pinastri an abgestorbenen, dünnen Fichtenästen, Exarmidium inclusum an entrindetem Laubholz, etliche Capronia-Arten und die bei gezielter Suche hier bei mir omnipräsente Durella connivens.


    Hier eine Zusammenstellung von Fundorten an denen mich dieses Jahr fündig wurde:


    So, nun aber mal zu den im Titel angekündigten Orbilien selbst. Hier zeige ich exemplarisch ein paar recht selten gezeigte Arten, die ich dieses Jahr gefunden habe.


    Orbilia aurantiorubra, hier an einem dünnen, abgestorbenen, noch am Stamm ansitzenden Ästchen (Weide) mit zahlreichen Flechten und Crepidotus cesatii. Hier in der Dokumentationstafel sieht man, dass der Ast von mehreren Orbilien besiedelt wird, die wesentlich kleinere O. aristata wächst zahlreich neben den vergleichsweise riesigen Apothezien von aurantiorubra.

    Das Substrat war hier nach längeren Niederschlägen gut durchfeuchtet. Solche Standorte bieten viele interessante Arten, zählt man Flechten und deren oft noch vorhandene pilzliche Parasiten mit, so kann man an so einem Ästchen durchaus mal 10-15 Arten auf einmal haben, auch wenn es meist freilich nicht so viele sind.


    Orbilia euonymi, eine der vier aus Deutschland bekannten vielsporigen Orbilien. Die Art ist sehr klein, oft noch kleiner als die oben zu sehende O. aristata. O. euonymi ist, wie alle vielsporigen Orbilien, ein Bewohner von Trockenstandorten. Wer also welche finden will, der muss an solchem Substrat suchen. O. euonymi hat 32-sporige Asci und ist die mit Abstand häufigste vielsporige Art bei uns, besiedelt alle möglichen Substrate, z.B. Weide wie hier, Ahorn, Holunder oder sogar Nadelhölzer. In ariden Regionen der Welt gibt es eine irre Vielfalt an vielsporigen Arten, wie Zottos Monografie eindrucksvoll präsentiert.


    Als Beispiel für eine Art an Krautstängeln habe ich mir Orbilia cardui ausgesucht. Ich habe davon mehrere Kollektionen untersucht, leider konnten die keinen Einzug mehr in die Monografie finden, die nur wenige Funde der Art enthält. Mir wurde die Art erstmals von Torsten Richter zugesandt, an Brennnesselstängeln. Keine zwei Wochen später fand ich sie selbst, an Springkraut. Beide Kollektionen hatten etwas längere Sporen als in Zottos Referenz. Farblich weicht meine von Torstens Fund durch kräftigere Orangetöne ab, aber das ist bei Orbilien häufig sehr variabel. Ich werde versuchen davon noch eine Sequenz zu bekommen.


    Damit es nicht zu viel wird, soll es das für heute gewesen sein, es werden weitere Gattungen und Arten solcher Standorte folgen. :)


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo zusammen,


    na, ich wenn geahnt hätte, was mein Beitrag für Spuren hinterlässt... dann hätt ich noch viel mehr eingestellt. ;)

    Und das habe ich in nächster Zeit auch wieder vor. Ich sage nur: Orbilien, Flechten, usw.


    Die Thielaviopsis hab ich seither bestimmt 10x gefunden, beide Arten, aber ich muss feststellen so eine neue Dokumentation komplett wäre mal wieder fällig.

    Immerhin von basicola hab ich ein paar "neuere" Fotos (das ist auch schon wieder über 2 Jahre alt):


    Regelmäßig hab ich übrigens beide Arten auch auf einer einzigen Karotte, also mehrere Stellen zu mikroskopieren kann sich durchaus lohnen. Manchmal ist dann aber auch alles identisch.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Björn,

    Was S. minimus angeht, werde ich mal die Augen offen halten, so lange er nicht viel kleiner ist als S. citrinus....der ist ja auch schon nicht groß.

    Zu S. minimus hab ich natürlich auch schon ein Portrait erstellt, sogar neuer als das von citrinus: Saccobolus minimus

    Bei den letzten Bildern unten siehst du den direkten Größenvergleich mit citrinus, also der ist schon noch etwas kleiner, aber wer citrinus findet, kriegt minimus auch. Da ist dilutellus z.B. deutlich härter zu finden, da noch kleiner und nicht gelb gefärbt. Zudem durfte ich den von Mausdung runterpulen.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo zusammen,


    da es gerade um die Sichtbarkeit der rauen Oberfläche von R. subtilis geht, ich hab da vor kurzem einige Bilder gemacht, da ich die Art im eigenen Garten gefunden habe. Insgesamt ist die hier nicht allzu selten in mageren Rasenflächen. Jedenfalls hab ich frische Sporen aus einem Abdruck fotografiert und wie oben von Björn aus der Literatur zitiert sind die meisten Sporen im Lichtmikroskop komplett glatt, aber bei einigen sieht man, dass die v.a. im Umriss nicht ganz eben sind. Beim Durchfokussieren ist das noch etwas deutlicher als auf dem Bild, in dem ich mal ein paar der irgendwie rau scheinenden zusammengestellt habe:


    Viele Grüße,

    Matthias

    Servus,


    auch ohne Mikro, der Helmling ist eine typische Mycena cinerella. Wenn man die mal kennt, bekommt man die außer bei sehr atypischen Exemplaren eigentlich ohne größere Probleme hin. Im Zweifel kann man dran riechen, der mehlige Geruch enttarnt die Art dann normalerweise sehr schnell. Ansonsten sind herablaufende Lamellen (halbwegs im zweiten Bild zu erahnen), die starke Streifung, weder Hut noch Stiel schleimig und oft (aber nicht immer) eine leicht weißliche Bereifung am Hut (hier nicht klar zu sehen) typisch.

    Könnte man am ehesten mit M. vulgaris, die zur gleichen Zeit am gleichen Standort erscheint verwechseln, die wäre aber komplett schleimig.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Claus,


    da bin ich schon mal beruhigt, dass ich offenbar nicht total daneben lag.


    Zu den Fragen und Anmerkungen:

    - Eisensulfat: Kann gut sein, dass mein Reagenz da zu lange steht und nicht mehr recht funktioniert, das steht schon ein paar Jahre praktisch ungenutzt. Die Spatel im Fläschchen ist auch orange und es ist gut möglich, dass ich das einfach auf den Pilz geschmiert habe, aber eigentlich überhaupt keine eigentliche Reaktion ist, sondern nur die Farbe der Flüssigkeit. Denke es wird auch so sein.

    - Geschmack, das lief so ab: Kauprobe in den Mund, erst tut sich gar nix, dachte der wäre mild, nach einigen Sekunden dann stellenweise ein Stechen auf der Zuge (deshalb schrieb ich stechend), deutlich, aber nicht heftig, damit war er eindeutig als scharfe Art festgelegt. Das Stechen verschwand auch wieder, also insgesamt vergleichsweise wenig bis mäßig scharf würd ich sagen.

    - Hutbuckel: Klar und deutlich ist der da, nur auf dem Foto kommt er schlecht raus.

    - SV und Guajak hab ich leider nicht, da ich nur sehr selten Täublinge bearbeite. Wenn die Bestimmung daran scheitert, dann ist das eben so. Wenn ich mich mal entschließe tiefer in Russula einzusteigen, würde ich mir das natürlich anschaffen.

    Die fetten Dermatozystiden, kann ich die auch ohne Anfärben finden, bzw. als solche erkennen? Wenn ja, würd ich es mal probieren.


    Danke für die Antwort und viele Grüße,

    Matthias

    Hi zusammen,


    habe mich, da ich im Urlaub gerade etwas mehr Zeit habe, wieder einmal an einen Täubling gewagt.

    Hier meine notierten Daten:


    Standort: Bei Betula, auch Picea abies als Mykorrhizapartner denkbar

    Größe: 4 cm Hutdurchmesser; 3,5 cm Höhe; Wird sicher größer, ein total zerfressenes Exemplar wäre bestimmt 6 cm im Durchmesser gewesen,

    wenn nicht mehr nur die Hälfte übrig gewesen wäre (kein Foto). Stielbasis bei allen recht zerfressen, ein Wunder, dass die noch standen.

    Habe an der Basis keine Auffälligkeiten gesehen. Stiel ansonsten nach unten mit rosalichen Tönen.

    Huthaut etwa bis 1/4, maximal 1/3 abziehbar

    Geruch: neutral

    Sporenpulver: 2b

    Geschmack kurz mild, dann stechend scharf, aber nicht übermäßig, gibt schärferes

    KOH-Reaktion (Stiel; Fleisch): überall keine

    Einsensulfat (Stiel; Fleisch): leicht orange im Fleisch, noch schwächer am Stiel außen

    Sporen: (7,8) 8-9 (-11) x 6-7,5 (7,8)µm

    Höhe des Sporenornaments: < 1µm

    Pileozystiden sehr zahlreich (siehe Fotos)


    Ein Schlüsselversuch mit Gröger führt mich zu den Sardoninae. Beim weiteren Schlüsseln kommt dann halbwegs gut Russula gracillima raus (cavipes und sardonia einzeln ausgeschlossen, da keinen Ammoniak-Test gemacht). Kann das hinkommen?



    Sporen:




    HDS:







    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo zusammen,


    wollte schon länger antworten, bin erst jetzt dazu gekommen, hier also mein Senf:


    Ich denke, dass scirpicola hier tatsächlich die beste Bestimmung ist. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich die Art auch nur aus der Literatur kenne.

    Man sieht ja schön sehr häufige, sehr lange Kaulozystiden, die einen verdickten Basalteil mit erkennbar verdickter Wand haben. Sowas ist für die Art absolut typisch. Die Cheilozystiden auf dem ersten Bild wirken etwas anders als bei den gängigen Zeichnungen wie bei Aronsen (A key to Norwegian Mycenas), da stimme ich Jan-Arne zu, abramsii mit solchen Kaulozystiden kann ich mir aber nicht vorstellen, die hat normalerweise nur kurze Auswüchse, also eher das Gegenteil von dem hier gezeigten. Auch einen Befall schließe ich aus, man erkennt gut, dass die aus den Stielhyphen entspringen, makroskopisch deutet nichts auf einen Befall hin und dass der dann genau aussehen soll wie scirpicola-Kaulos kann ich mir absolut nicht vorstellen.

    Und nochmal zu den Cheilos: Die sind auch bei Aronsen (Link oben) sehr variabel gezeichnet und auch bei dem Fund hier sieht man sowohl solche, die oben spitz zulaufen, aber ebenso auch stumpfe, also im Groben passt das schon, nur stellenweise wieder eingeschnürte sehe ich nirgends gezeichnet. Aber die sind sicher sehr variabel und variabler als in der Literatur wiedergegeben.


    Und dann kann ich nur unterstreichen, was Du, Chris, noch geschrieben hast, das ist eine sehr interessante Kollektion, die sich für zukünftige genetische Untersuchungen auf jeden Fall aufzubewahren lohnt. In dem Umfeld der leptocephala-artigen Mycenas ist noch längst nicht alles geklärt. Robich beschreibt in seinem Band auch noch einige weitere Arten, die wird man zu einem guten Teil erst bestimmen können, wenn da genetisch Klarheit herrscht, was hier wozu gehört (gilt nicht nur für das leptocephala-Umfeld).

    Schließlich noch zu cretata, da sollte der Basalteil mit verdickten Wänden an den Kaulos, den man hier schön sieht, fehlen.


    Zusammengefasst also, ich würde den Fund nach heutigem Stand scirpicola nennen und natürlich im Hinterkopf haben, dass da das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.


    Viele Grüße,

    Matthias


    PS: Ich denke, dass an so einem Fund bestimmt auch Arne Aronsen, etc. interessiert wäre, vielleicht wäre da auch eine Sequenzierung möglich.

    Hallo zusammen,


    gerade schrieb mir Peter Püwert dazu, dass auch er nicht an Birke glaubt, sondern eher an Eiche. Dem würde ich mich anschließen wollen, habe das erwähnte Birkenholz oben auch zunächst überlesen.

    Die Rutstroemia firma kann theoretisch sogar an beidem wachsen, jedenfalls hat Zotto in seinem Archiv auch Kollektionen an Birke drin. Selbst gefunden habe ich die Art bisher aber nur an Eiche. An einem Querschnitt kann man Eichenholz und Birkenholz auch leicht unterscheiden, Eiche ist ringporig, Birke nicht.

    Rutstroemia sydowiana wächst an Blattstielen von Eichenblättern, kann man demnach vom Substrat her ausschließen.


    Es gibt schon noch ähnliche Arten, aber wie gesagt, das sieht hier schon typisch aus. Mikroskopisch kann man immer mal überrascht werden, das ist klar, aber mit einer Bestimmung als wahrscheinlich Rutstroemia firma mit Hinweis, dass die nicht mikroskopiert wurden hätte ich zumindest kein Problem.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Christoph,


    hast Recht, wie ich das schrieb könnte man das als Aufforderung sehen, dass man nicht mehr explizit darauf achtet. War aber so keinesfalls gemeint.

    Ich wollt es hier im Forum für alle schnell und einfach formulieren und dabei kam es missverständlich raus.


    Wollte damit nur sagen, dass das eben zu Mycena pura als Aggregat, hätte ich besser explizit schreiben sollen, gehört. Dass sich da noch was tun wird ist schon klar, ich bin sogar sehr gespannt, wie sich das noch weiter entwickelt. Wie ich schrieb, ich such sie aber bisher vergebens.

    Und "ITS identisch", ist eigentlich falsch ich hätte korrekterweise schreiben müssen "fällt gemäß Untersuchungen der ITS zusammen mit den anderen Farbformen in das Mycena-pura-Aggregat, dessen einzelne Arten noch nicht beschrieben und deren Abgrenzung zueinander noch nicht abschließend geklärt ist".


    Daher hier nochmal explizit der Aufruf: Natürlich auf diese Farbvariante achten, wer weiß, was sich da in Zukunft noch tun wird und schön ist sie ja sowieso. :)


    Viele Grüße,

    Matthias

    Hallo Thorben, hallo Raphael,


    offenbar gehöre ich zur seltenen Subspezies von Pilzinteressierten, die gerne Hebelomas bearbeitet. Also mir machen die schon Spaß, gerade weil man was zu knabbern hat.

    Denke auch wie Raphael, dass das auf velutipes inauslaufen wird. Jedenfalls nicht das crustuliniforme-Aggregat.


    Mit unregelmäßigen Cheilos ist die Form gemeint, die wäre beim crustuliniforme-Komplex besonders apikal deutlich verdickt, hier z.B. Hebeloma aanenii:


    Dem gegenüber hat velutipes recht charakteristische, gleichmäßige Cheilos, die von oben und unten im Mittel nicht sehr viel verdickt sind:


    Zudem ist velutipes bei mir und auch in Fungi Europaei eine der häufigsten Arten, was natürlich nix heißen muss.


    Wenn Du Fungi Europaei nicht hast, es gibt auch online einen Schlüssel für den crustuliniforme-Komlpex, das sollte ziemlich genau der aus dem Buch sein:

    (PDF) Decrypting the Hebeloma crustuliniforme complex: European species of Hebeloma section Denudata subsect. Denudata (Agaricales)


    Wobei Du wie gesagt hier was anderes hast, aber nur für den Fall, dass Du das noch nicht kennst. Da werden dann im Schlüssel auch die ganzen Mittelwerte abgefragt, die Raphael eingangs schon genannt hat.


    Viele Grüße,

    Matthias