Beiträge von Oehrling

    Hallo Frank,

    zunächst wünsche ich dir viel Glück mit deiner Trüffelplantage. Das oberflächliche Ausbringen von Kalk hat allerdings nur sehr überschaubare Wirkung, stattdessen sollte der Boden selber bis in die Tiefe kalkig-lehmig sein. Ob es in der Gießener Gegend einen solchen Boden gibt weiß ich nicht, wahrscheinlich muss man sehr lange danach suchen. Die auf deinen Fotos gezeigte Landschaft sieht so was von überhaupt nicht trüffelträchtig aus, ich war schon öfters Trüffeln kratzen, aber da würde ich einfach vorbeilaufen.

    Wusstest du eigentlich schon, dass die allermeisten in Deutschland wachsenden Trüffeln (z. B. Tuber aestivum oder Tuber rufum) gar nicht "nach Trüffel", sondern banal nussig oder auch nach gar nichts schmecken, für kommerzielle Zwecke ziemlich ungeeignet sind und höchstens die potenzielle Kundschaft enttäuschen und verärgern? Darauf bezog sich wohl Peters Frage. Die kommerziellen Arten Tuber magnatum und Tuber melanosporum (die aromatischen) jedenfalls hat in Deutschland bisher noch niemand geschafft, erfolgreich zu kultivieren.

    FG

    Oehrling

    Hallo Martin,

    der gehört schon in das Pluteus-cervinus-Aggregat. Wegen des Geruchs des Pilzes: könntest du mit etwas gutem Willen Rettich oder Radieschen assoziieren? Das wäre sozusagen der Vorschrift entsprechend.

    Innerhalb des P.c.-Aggregates muss man sich anscheinend mit einer sehr unerquicklichen Schnallenzählerei in der Huthaut weiterbewegen. Den ähnlich aussehenden Schwarzschneidigen Dachpilz kann man dagegen wohl ausschließen.

    FG

    Oehrling

    Es ist gut, dass solche Fässer aufgemacht werden. Hoffentlich lesen das hier alle, die gerne im Internet bzw. in Communities Pilze zum Essen anfragen. Denn das machen wirklich viele.

    Umgekehrt wäre es auch eine gute Sache, wenn der Anfrager von sich aus sagen würde, dass die angefragten Pilze nicht gegessen werden sollen. Dann müsste das der Antwortende nicht immerzu dazusagen, das ist schließlich auch für den Antwortenden sehr nervig.

    FG

    Oehrling

    die Konsequenz, die ich daraus für mich ziehen würde ist, dass es nicht erstrebenswert ist jemals PSV zu werden.

    Genau deswegen hat ein geprüfter PSV eine spezielle Haftpflichtversicherung über seinen Verband (die DGfM hat darauf übrigens kein Monopol; ich bin nicht in der DGfM, aber dennoch über meinen Verband haftpflichtversichert). Aber wie bei jeder Versicherung gilt natürlich ein Leistungsausschluss bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit. Grob fahrlässig ist z. B., die vorgeschriebenen Fortbildungs- und Auffrischungsveranstaltungen des Verbandes nicht wahrzunehmen. Grob fahrlässig ist es auch, Pilze nach Ansicht von Internetfotos zum Essen freizugeben. Möglicherweise ist es schon grob fahrlässig, im Internetforum auf eine entsprechende Anfrage euphorisch zu antworten: "lass Sie dir schmecken", "die sehen aber wirklich lecker aus", "die hier sind garantiert essbar" oder auf andere Weise, aus der vom Anfrager eine Essfreigabe hergeleitet werden könnte.

    Aber auf jeden Fall hast du recht, dass die aktive Pilzberatungstätigkeit nichts für Leute ist, die sich nicht auf ihr Fachwissen zu 100 % verlassen mögen oder generell die damit verbundene Verantwortung scheuen. Pilzberatung ist insofern kein Spaß - so kommen viele meiner Beiträge spaßbefreit daher, obschon ich eigentlich ein recht spaßiger Typ bin.

    FG

    Oehrling

    Hallo Stefan,

    verbindliche Rechtsberatung kann ich nicht geben, da mir die rechtliche Fachkenntnis fehlt. Als praktizierender Pilzsachverständiger habe ich mir aber selbstverständlich Gedanken über Vertrauensschutz und Haftungsfragen gemacht.

    1) Wer geprüfter PSV ist und zu einer Präsenz-Pilzberatung konsultiert wird, haftet für die von ihm gemachten Aussagen. Genau darin besteht ja der Zweck der Konsultation - der Anfragende versucht sich durch die Konsultation eine größtmögliche Sicherheit zu verschaffen, dass der Konsum der angefragten Pilze körperlich folgenlos bleibt. Es kommt somit zu einem vertragsähnlichen Zustand zwischen PSV und Anfrager (wenn nicht gar zu einem Dienstleistungsvertrag), aus dem aus den getätigten Aussagen und Ratschlägen, nämlich die Pilze folgenlos essen zu können, eine Haftung erwächst.

    2) Aus im Internetforum von einem geprüften PSV getätigten Aussagen entsteht durch den allgemeinen Vertrauensschutz, den der Anfrager genießt, höchstwahrscheinlich ebenfalls eine solche Haftung, sonst müsste die Dachorganisation der PSVer ihren PSV nicht untersagen, Fernberatung (telefonisch oder digital) zu betreiben. Ein Anfrager im Forum darf somit wohl auch im Internet oder per Telefon bei Beratung durch einen PSV darauf bauen, dass ein Vertrauensschutz besteht.

    3) Wohl kein Vertrauensschutz entsteht dagegen, wenn der Beratende kein geprüfter PSV ist - weder in Präsenz noch bei Fernberatung. Ein Nicht-PSV kann über Pilze den größten Unfug erzählen, ohne dafür zu haften (dazu zählen auch die im Internetforum oder auf Facebook vertretenen ungeprüften Pseudoexperten, die Pilze zum Essen empfehlen, auch wenn sie nur glauben, den Fotopilz richtig zu erkennen). Kommt es später zu körperlichen Folgen, kann er nicht zur Rechenschaft gezogen werden, da kein Vertrauensschutz und infolgedessen keine Haftung besteht. Der Anfrager hätte im Gegenteil am Fehlen der PSV-Eigenschaft erkennen müssen, dass der Beratende nicht über formale Fachkompetenz verfügt, und hätte den Ratschlag verwerfen und sich von kompetenterer Seite zusätzlich Rat einholen müssen.


    Fazit:

    1) wer als geprüfter PSV Aussagen und Ratschläge tätigt, egal wo, haftet dafür, es sei denn er schließt die Haftung (z. B. per Disclaimer) gleichzeitig aus. Wenn er befürchten muss, dass der Disclaimer nicht richtig wahrgenommen oder verstanden wird, sollte er den Haftungsausschluss explizit in die Antwort aufnehmen.

    2) wer sich auf eine Pilzberatung einlässt, sollte nach der formalen Fachkompetenz des Beraters fragen - z. B. darf man sich ruhig mal den Prüfausweis zeigen lassen, in dem Prüfungsdatum und alle notwendigen Fortbildungsaktualisierungen verzeichnet sind. Unterlässt man das bzw. verzichtet darauf, kann man später nicht auf Vertrauensschutz pochen.


    FG

    Oehrling

    Hallo Conny,

    die feinen Körnchen auf dem Hut sind vermutlich Blütenstaub und gehören nicht zum Pilz. Agrocybe praecox hat eine glatte, schuppenlose Hutoberfläche.

    FG

    Oehrling

    Ich sehe beim Essen immer eine eigene Verantwortung, es sei denn man bekommt es z.b. im Restaurant vorgesetzt. Außerdem gilt doch automatisch eine Auskunft eines PSV (oder nicht PSV) nicht als sicher, sofern die Pilze nicht direkt vorgelegt werden?

    Ja, du siehst die eigene Verantwortung, aber was ist mit den vielen anderen? Der Anfrager warst halt nicht du.


    Und automatisch gilt hier schon mal gar nix, es kommt immer auf die einzelne Sichtweise an. Wenn einer hier in der Userleiste behauptet, PSV zu sein, und bekräftigt die Mairitterlings-Diagnose, kombiniert der Anfrager eventuell daraus: "juchhu, das sind von einem PSV bestätigte Mairitterlinge, die esse ich jetzt". Und später, nach dem Essen der Pilze, die leider dann doch keine Mairitterlinge waren: "jetzt habe ich Ranzenweh, irgendjemand muss mir dafür zahlen".

    Mir scheint das ein recht plausibles Szenario.

    Weil es sein kann, dass der Anfrager genau das mit den Anfragepilzen vorhat (und den vielen anderen ähnlich aussehenden, die er vielleicht noch in der Hinterhand hat, aber nicht auf Fotos zeigt), obwohl er es nicht ausdrücklich hinschreibt. Oder warum sollte jemand Mahlzeitmengen einsammeln, sauber putzen und auf einem Küchentisch auslegen? Und auch wenn es bisher zu keiner Klage kam: ich habe keine Lust, der erste zu sein, der angegangen wird. Ich hoffe auf Verständnis.

    FG

    Oehrling

    Hallo Ahemi,

    solche fernab jeder Bäume mitten auf Freiflächen wachsende Sippen werden mW aktuell Morchella steppicola genannt. Sie zeichnen sich durch besonders irreguläre Waben und im Alter rötende Rippen aus.

    FG

    Oehrling

    Du scheinst dir recht sicher zu sein, woran machst du den hier fest?

    Hallo Schrumz,

    festmachen kann man den angesichts der rudimentären Datenlage eher nicht. Zumindest Geruch, Sporenpulverfarbe oder vielleicht ein Schnittbild hättest du durchaus mitliefern können. So bleibt es ein "little brown mushroom", zu dem (durchaus plausible) Vermutungen und Denkanstöße gegeben werden. Gelbbrauner Birkenritterling (T. fulvum) ist hier eine sehr gute Idee, aber mit Festmachen hat das nur wenig zu tun. Einen abgepflückten Pilz im Forum zeigen und dann einen sicheren Namen dazu bekommen funktioniert halt meistens nicht. Dazu braucht es stattdessen eigene Bestimmungsarbeit, und das ist mehr als der Ähnlichkeitsvergleich durch Bilderblättern.

    FG

    Oehrling

    Man kann nicht jede Pilzart in einen Topf werfen. Daher kann man nicht schreiben: "Pilze wie z. B. Morcheln". Was bei Morcheln stimmen mag, stimmt bei anderen Arten nicht.

    Die Überzeugung, dass Pilze generell nicht mehr giftig und unschädlich sind, kommt in vielen Fällen daher, dass nach dem Genuss keine Körperkomplikationen bekannt bzw. dokumentiert sind. Man kann daran glauben, aber muss es nicht. Wenn du dich freiwillig als Versuchskarnickel zur Verfügung stellst, erntest du möglicherweise Dankbarkeit.

    FG

    Oehrling

    Hallo Frank,

    auf deinen Bildern glaube ich auch Junikäfer zu sehen (rundliche, wenig langgezogene Körperform; keine Schwarzweiß-Kontraste an der Seite). Ich kann mich natürlich auch täuschen, die Bilder sind nicht so aussagekräftig.

    FG

    Oehrling

    Hallo Lorena,

    optisch gesehen ja, jetzt müsste noch der typische Mehlgeruch vorhanden sein.

    Wie immer: essen auf eigene Verantwortung (oder halt nicht)!

    FG

    Oehrling

    Genau! In der Oberrheinischen Tiefebene fressen Maikäfer öfters mal ganze Wälder kahl, und die Engerlinge sind die Schrecken der Ackerbauern. Dort hat man schon alte Schallplatten mit dem Song von Reinhard Mey: "Es gibt keine Maikäfer mehr" in kalter Wut zerstampft.

    Und Habicht : ja, Steinpilze und Pfifferlinge gab es in den letzten Jahren bei euch wirklich relativ selten. Aber warte ab, bis mal wieder die Witterungsbedingungen stimmen, dann sind sie alle wieder da.

    FG

    Oehrling

    Hallo KaMaMa,

    meinen persönlichen Beobachtungen zufolge hat die Artenanzahl der Pilze in vitalen, "gesunden" Wäldern zumindest in den letzten Jahrzehnten nicht abgenommen. Ein Vergleich mit den Jahren vor den Weltkriegen vermag wohl niemand zu ziehen, da damals keinerlei Pilzinventarisierung oder -kartierung vorgenommen wurde.

    Was man aber auf jeden Fall konstatieren muss: es gibt von Jahr zu Jahr immer weniger dieser vitalen Wälder. Stattdessen verarmen viele Parzellen ökologisch oder sterben ganz ab. Läuft man durch einen Wald in warmer Gegend (etwa die Oberrheinebene), zieht es einem die Schuhe aus, wie es da mittlerweile aussieht. Oder auch in diesen bekannten Fichtenforsten der Mittelgebirge - da tun sich buchstäblich großflächige Lücken und Abgründe auf.

    Die Frage nach dem Artensterben trifft das eigentliche Problem nicht. Man sollte eher die Frage nach dem Biotopsterben bzw. nach der aktiven Biotopvernichtung durch Land- und Forstwirtschaft aus kommerziellen Gründen (z. B. Kalkdüngung der Forsten, Kahlschlag wegen Windräderbau, Anpassung der Landwirtschaft an Massenproduktion...) stellen, was aber in Zeiten der Rohstoffknappheit niemand macht.

    FG

    Oehrling

    Hallo Miralu,

    mein Monitor zeigt Scheidenstreiflinge, die nicht grau (also schon gar nicht silbergrau) sind, sondern blass haselbraun. Sie scheinen in einer parkähnlichen Anlage zu stehen. Wenn du jetzt noch eine Größenangabe machst - etwas, das man bei Scheidenstreiflingen nie unterlassen sollte, denn zum Bestimmen von Scheidenstreiflingen ist die ungefähre Fruchtkörpergröße sehr relevant - und die Hutbreite über 8 cm Durchmesser haben sollte, wäre für mich Amanita lividopallescens der Arbeitstitel.

    Auf jeden Fall ist ganz hervorragend, dass du bei diesen Amanitas die Geschmacksprobe weggelassen hast, ich weiß auch gar nicht, wie man bei zu bestimmenden Amanitas auf die Idee einer Geschmacksprobe kommen kann.

    FG

    Oehrling

    Du wirst irgendwelche Fremdsporen, z. B. von Schimmelpilzen, mit drin haben. Möglicherweise hast du nicht sauber genug gearbeitet. Auch kommt mir seltsam vor, dass du anarerob arbeitest und das Myzel von der Luftzufuhr abschneidest - ist das so Regel der Kunst? Die Beutel mit den schönen Fruchtkörpern sind ja auch nicht von der Luftzufuhr abgeschlossen.

    Edit: außerdem ist mir der Austernseitling nicht als ausgewiesen nitrophiler Pilz bekannt, so dass etwa Hühnermist zur Ertragssteigerung beitragen könnte. Die auf Baumstämmen (unter ständiger Luftzufuhr?) wild wachsenden Austernseitlinge brauchen eigentlich nur Zellulose oder vielleicht noch Zuckerstoffe.

    FG

    Oehrling

    Die eine dunkelgraue auf 2 Uhr könnte eventuell Morchella steppicola (sehr verschlungene, irreguläre Waben mit Rippen, die bei Alterung rotbräunlich werden; Hymenium jung schwarzgrau) sein, bei allen anderen denke ich an Morchella esculenta.

    FG

    Oehrling

    Hallo zusammen,

    so lange man nicht genau weiß, welche Stoffe alles von einer Pilzart als Giftcocktail bereitgestellt werden, ist es eine ziemlich akademische Übung, sich über das Austreiben einzelner Giftstoffe Gedanken zu machen. Z. B. ist nicht klar, ob es nur den (einen) Giftstoff in hierzulande wachsenden Frühjahrslorcheln, nämlich das Gyromitrin gibt, oder ob es darin nicht noch weitere Giftstoffe gibt. Der/die Giftstoff/e, der/die für das Morchella-Syndrom verantwortlich ist/sind, konnte/n meines Wissens auch noch nicht konkret benannt werden, so dass man folglich keine Aussage treffen kann, ob er/sie durch Trocknen ausgetrieben werden kann.

    Generell würde ich solche Aussagen vermeiden, durch die unbedarfte Pilzkonsumenten eventuell dazu getrieben werden könnten, bestimmte Sachen einfach mal auszuprobieren, also etwa Frühjahrslorcheln zu trocknen und dann zu konsumieren.

    FG

    Oehrling