Beiträge von Oehrling

    Hallo,

    Nr. 1 sehe ich wie du.

    Nr. 2 könnte zur Scaurus-Gruppe gehören. Da müsste man Lugol oder Melzers Reagenz auf das angeschnittene Fleisch schmieren und auf die Verfärbung achten. Die Stielbasis sollte knollig verdickt gewesen sein.

    Nr. 3 sieht eher wie ein Raukopf als wie ein Schleimkopf aus, aber auf deinen Fotos ist die Hutoberfläche unscharf, so dass man nicht erkennen kann, ob sie rau, glatt oder gar schleimig ist. C. percomis hätte einen schmierig-schleimigen Hut.

    Nr. 4 dein Vorschlag ist gut möglich, allerdings sind die Pilze noch sehr jung, und ich sehe nicht deutlich, ob der Hut rosa Flecken hat, was er als Lactarius controversus haben sollte.


    FG

    Oehrling

    Hmmm, und wo sind die purpurnen Flecken?


    Rein optisch würde ich den (du schriebst ja von trockener Huthaut) bei den Dickfüßen einsortieren.


    Wenn du Lugol oder Melzers Reagenz hast, schmier doch mal was davon auf das angeschnittene Fleisch, das müsste sich dann brombeersaftrot verfärben, wenn der zu den Purpurascentes bzw. Scauri gehören sollte..


    FG

    Oehrling

    Bei den über 10.000 Pilzarten Mitteleuropas wundere ich mich immer wieder über Personen, die sich mit jeder Gattung beschäftigen und den Anspruch haben in jeder Gattung nahezu alle Arten zu kennen.

    Ich bin mir nicht sicher, ob es solche Leute überhaupt gibt. Niemand, auch nicht die allergrößten Experten, beschäftigt sich mit jeder Gattung oder gar mit 10.000 Pilzarten, und niemand hat den Anspruch, in jeder Gattung nahezu alle Arten zu kennen. Im Gegenteil: die besten Pilzauskenner sind meistens Gattungsspezialisten, die jenseits ihren Spezialgattungen nur "normales" Pilzwissen haben, manchmal sogar überhaupt kein Pilzwissen, weil sie immer nur "ihre" Gattung anschauen. Ich selber habe meine vier, fünf Gattungen, in denen ich mich gut auszukennen glaube, in anderen Gattungen koche ich sprichwörtlich nur mit Wasser, und in manchen Gattungen (z. B. Baumpilze, Boviste, ...) kenne ich mich überhaupt nicht aus. Solche Gattungen interessieren mich schließlich auch gar nicht.


    Dann noch zur Frage, wie man sich ein gutes Pilzwissen erwirbt: in erster Linie durch eigene Aktivität. Dein Wissen ist das Spiegelbild davon, ob du wirklich geistig aktiv warst und viel Mühe und Aufwand reinzustecken bereit warst. Ob du nerdigerweise jeden Tag im Wald warst, so dass andere Leute schon über dich den Kopf geschüttelt haben. Oder ob du nur so getan hast als ob. Oder ob du immer nur zugehört, rumtheoretisiert und nachgeplappert hast. Wie man dann zu seinem Wissen kommt, ist individuell höchst verschieden. Gegenüberstellungstabellen sind eine gute Sache, noch besser sind sie, wenn sie wirklich nur die unterscheidungsrelevanten Merkmale beinhalten, also z. B. bei Perlpilz vs. Grauer Wulstling vs. Pantherpilz das irgendwo rötende vs. das nur undeutlich bräunende oder weiß bleibende Fleisch. Dagegen gibt es auch Graue Wulstlinge mit gerieftem/geripptem Hutrand oder Pantherpilze mit leicht geriefter Manschette und ohne Bergsteigersöckchen, so dass man anzweifeln kann, ob all das wirklich bestimmungsrelevant ist. Mit der Zeit, wenn dein Wissen gewachsen ist, und du die Relevanz von Unterscheidungsmerkmalen besser einschätzen kannst, musst du deine Gegenüberstellungstabellen erneuern und anpassen. Und natürlich allgemein dein Wissen aktuell halten. Also z. B. deine Nase in immer neue Pilzbücher stecken.


    Die echten Pilzexperten machen ihr Leben lang tagein, tagaus nichts anderes, als sich mit Pilzen zu beschäftigen. Wer das nicht macht, weil ihm das zu mühsam ist oder er/sie zu wenig Zeit hat (so sagt man das ja heutzutage), wird halt kein Experte. Oder halt Experte für was anderes. Man kennt das ja auch von Musikvirtuosen - die machen in ihrem Leben nichts anderes als ihr Instrument zu spielen, die leben förmlich für ihr Spezialgebiet. Die sind unglücklich, wenn sie gerade nicht ihr Instrument spielen dürfen. Und ein gewisses Talent sollte halt auch vorhanden sein, da beißt die Maus keinen Faden ab. Vielleicht hat man ja für etwas anderes mehr Talent.


    FG

    Oehrling

    Vom Wuchs, Erscheinungsbild ein Steineichen Raufuß, der jedoch laut Kosmos Handbuch Pilze nur unter immergrünen Eichen, meist im Mittelmeerraum vorkommt. ...

    Gibt es weitere makroskopische Merkmale zur Unterscheidung?

    Hallo Made60,

    das angeschnittene Fleisch beim Steineichen-Raufuß (falls du damit Leccinum lepidum meinst, den ich aus Istrien kenne), rötet im Anschnitt erst, bevor es graut/schwärzt. Bei Leccinum crocipodium graut/schwärzt es gleich. Die Huthaut ist bei L. l. auch braun und nicht beige-orange.

    FG

    Oehrling

    Typisch für Russula solaris sind das Vorkommen im Buchenwald, der scharfe Geschmack und der "Spiegelei-Hut" (außen weißlich, mittig dottergelb). Außerdem das Sporenpulver, das gelb ist und nicht weiß wie bei den anderen Speitäublingen.

    warum muss man solche Sachen, welche nicht einmal gut schmecken, unbedingt essen?

    Das werde ich wohl nie verstehen.

    Hmmm, vielleicht zu Forschungszwecken? Woher will man sonst wissen, wie ein Pilz schmeckt, wenn man ihn nicht probiert? Der Erdigriechende Schleimkopf ist so häufig, dass sich das Probieren lohnt.

    Wir kommen vielleicht mal in eine allgemeine Lage, in der es plötzlich wichtig zu wissen ist, wie Pilze jenseits der einschlägigen Arten schmecken.


    Übrigens hätte ich Thiemos lila Cortinarius aus #717 rein optisch nicht für den Erdigriechenden Schleimkopf, sondern den Bocksdickfuß gehalten.


    FG

    Oehrling

    Hallo Markus,

    Russula camarophyllus, den ich schon im Schwarzwald im Nadelwald gesehen habe, sieht optisch wie ein gelber Schneckling aus. Man denkt erst, dass es ein Schneckling ist (falls es ein sehr junger ist: manche vielleicht sogar, dass es ein Eierschwammerl ist), bis einem der brüchige Stiel und die splitternden Lamellen auffallen. Und diesen Verdacht hat man bei deinem Fund wohl nicht.

    FG

    Oehrling

    Hallo Thiemo,


    ein weiteres Problem liegt bei deinem vermeintlichen trivialis-Fund in der Schmächtigkeit der gezeigten Pilze. L. trivialis ist ein sehr großer, dicker Milchling, der voll ausgewachsen auch mal 15 bis 18 cm Hutdurchmesser haben kann.


    L. flexuosus ist meines Wissens ein Pilz unter Weide, das hier sind aber Nadelwaldpilze. Daher denke ich erstmal nicht an L. flexuosus.


    FG

    Oehrling

    Hallo Funghizzel,

    dein Fund gehört auf jeden Fall zu der Gattung Phlegmacium, so viel kann man sagen. In dieser Gattung gibt es mehrere Hundert Arten. Man könnte anhand von Fotos schon ein bisschen was machen, aber man bräuchte die wirklich exakten Farben des Pilzes. Da aber deine Fotos farbstichig (magentastichig) sind, lässt sich leider gar nichts machen. Wenn du KOH-Lösung hättest, könntest du einen Tropfen davon auf die Schnittfläche schmieren, bei solchen Arten wie P. balteato... müsste sich eine leuchtend chromgelbe Verfärbung oder zumindest ein bräunlicher Fleck mit gelber Umrandung ergeben. Dann wüsstest du zumindest, in welche Sektion der mehreren hundert Arten dein Fund gehört. Wie gesagt, auf Basis deiner gelieferten Informationen lässt sich nur sagen, dass es ein Phlegmacium ist. Mit einer Schleiereule hat dein Fund jedenfalls keine Ähnlichkeit, und eine solche ist an dem von dir geschilderten Fundort (Weihnachtsbaumplantage) auch nicht zu erwarten.

    FG

    Oehrling

    Hallo zusammen,


    auch ich glaube nicht, dass Thiemos letztes Foto Lactarius trivialis zeigt. Das scheint mir stattdessen was aus der Sektion der Rotbraunen zu sein, z. B. L. tabidus

    L. trivialis hat in der Tat einen cremeorangenen und schleimigen Stiel, im Gegensatz zu L. flexuosus, dessen Stiel trocken und kälter grauweiß gefärbt ist.


    FG

    Oehrling

    Hallo Nikky,

    außerdem gibt es noch den Egerlingsschirmling (Gattung Leucoagaricus). Der sieht einem Champignon äußerst ähnlich und kommt auch an vergleichbaren Standorten vor, hat aber im Jungzustand in der Tat weiße Lamellen. Champignons nehmen gerne Schadstoffe, z. B. Schwermetallionen auf und lagern sie in ihren Fruchtkörpern ab. Über giftige Champignonarten wurde ja schon geschrieben.

    Was ist aus alldem das Fazit? Wenn du Champignons essen willst, kauf sie am besten im Supermarkt. Überall gibt es sie, und für wenig Geld.

    FG

    Oehrling

    Bei Maculatinae und anderen scharfen Dottersporern bringen Makro-Reagenzien leider nichts. Stattdessen muss man mikroskopieren und z. B. die Sporengröße feststellen, die bei einigen Arten enorm hoch ist, und an den Dermatozystiden die Septen zählen (kein Witz!).

    FG

    Oehrling

    Hallo zusammen,

    an den Vorschlag mit dem Nordischen Milchling (L. trivialis) habe ich mich mit einem Like drangehängt. @ matthias War es vielleicht so, dass die Stieloberfläche des Milchlings klebrig oder sogar schleimig war?

    FG

    Oehrling

    Hallo zusammen,


    dass Satansröhrling und Wurzelnder Bitterröhrling gerne miteinander vergesellschaftet auftreten, ist mir auch schon aufgefallen. Daher schaue ich an jedem Wubi-Standort mich immer noch ein bisschen um, ob es da nicht auch Satane gibt. Seitdem ich das mache, habe ich für mich schon etliche Satan-Standorte neu entdeckt.


    Der verzögert scharfe Täubling könnte mit seinem rot-gelb-orange gescheckten und in anderen Exemplaren krass gelb ausblassendem Hut Russula maculata oder eine andere Maculatinae sein. Voraussetzung dafür ist natürlich dottergelbes Sporenpulver.


    FG

    Oehrling

    Genau, gestern war ich im Wald bei Spraitbach, mal kurz schauen, was los ist. Der Waldboden war ziemlich trocken, auf den Wegen keinerlei Pfützen zu sehen. Innerhalb von zwei Stunden sah ich vier Flockies, zwei gammlige Rotfußröhrlinge, einen liegenden Baumstamm mit Hallimasch, und ein paar Ockerbraune Trichterlinge (I. gibba). Und das wars. Paradies ist anders. Ich habe mich im Nachhinein über das verfahrene Benzin geärgert. Mit deinem Wald hattest du anscheinend mehr Glück.


    FG

    Oehrling

    Hallo Schrumz,


    bei Nr. 12 kommt mir die Hutfarbe sehr seltsam für einen Butterpilz vor. Ich würde das eher für den Moor-Röhrling (Suillus flavidus) halten. Dazu passt der Baumpartner auch wesentlich besser. Fernab jeder Kiefer, wie du schreibst, weiß ich auch nicht, ich meine auf deinem Foto ein paar Kiefernnadeln zu sehen. Nr. 20 kommt mir rein optisch eher wie ein Risspilz (Mallocybe terrigena?) als wie ein Schüppling vor. Und der Täubling Nr. 14 könnte was besseres als R. integra sein, vielleicht einer der Nadelwald-Heringe, aber ohne Sporenpulverfarbe...?


    Der Schwäbische Wald erwacht jedenfalls gerade, tolle Fundstrecke!


    FG

    Oehrling

    Hallo Violsax,

    ein kleiner Hering unter Eiche im Park, da liegst du mit R. graveolens bestimmt nicht falsch. Die Hutfarbe ist bei R. graveolens in der Tat sehr variabel, die Art kann wohl auch mal weinrot (bis hin zu bordeauxrot) daherkommen, aber die hier gezeigte Hutfarbe ist ebenfalls möglich. Für andere Arten unter Eiche (cicatricata, barlae, schaefferi...) fehlen hier olivgrüne Töne in der Hutfarbe. Also: nenne sie erstml graveolens, da soll dir erstmal jemand das Gegenteil beweisen.

    FG

    Oehrling

    Hallo Felli,

    in der sylvaticus-Sektion bist du vermutlich richtig. Aber welche Arten innerhalb dieser Sektion momentan so herumschwirren, gehen die Meinungen stark auseinander. Sowohl A. sylvaticus s. str. als auch A. langei sollen meines Wissens Nadelwaldpilze sein. Nach welchen Autor gehst du denn vor?

    FG

    Oehrling

    Hallo Grafei,


    meiner Meinung nach sind das noch "normale" Suillus viscidus. Auch das Blauen des Fleisches habe ich bei denen schon mehrfach beobachtet. Wo genau soll denn der Unterschied zwischen S. viscidus und S. brunneolus sein?


    In diesem Formenkreis gibt es auch beispielsweise welche mit richtig braunem Hut, hier

    würde ich die Hutfarbe dagegen als gelbgrau bezeichnen, so wie das eben bei S. viscidus der Fall sein kann.


    In den alpinen Lärchenwäldern sind die farblichen Übergänge zwischen S. viscidus und grevillei ohnehin verwischt oder gar fließend, ebenso wie das Blauen oder Nicht-Blauen des Fleisches.


    FG

    Oehrling

    Hallo zusammen,

    nun noch mein Senf dazu. Es kommt auf den Zustand der Glucke an. Ist sie nahezu perfekt sauber (was zum Trocknen gedachte Pilze ohnehin sein sollten), stellt sich die Frage nach dem Blanchieren gar nicht, und die Pilze können sofort zum Trocknen. Ist die Glucke dagegen stark verdreckt bzw. sandig, und sitzen Schnecken, Asseln oder andere Tierchen drin, ist Garen und anschließendes Eingefrieren die bessere Wahl. Wegen dem Platz im Gefrierfach - da muss jeder selber entscheiden, ob er den Platz dem Agrarfrost, den einschlägigen Knusperolinos oder eben der Glucke geben will. Ebenso, ob die mit viel Mühe konservierte Ware später tatsächlich den Kochtopf zu sehen bekommt oder nach einigen Jahren Lagerung verschämt entsorgt wird. Verdreckte Glucken erst aufwändig (mithilfe heißen Wassers) zu säubern, um sie hernach zu trocknen, halte ich jedenfalls generell für suboptimal.

    FG

    Oehrling

    Hallo larchbolete,


    ohne Sporenpulverarbe und Geruch (!!) wird man hier nicht weiterkommen. Little White Mushrooms halt. In Frage kommt auch eine der Mehlräslingsarten oder auch der Weiße Büschelrasling, selbstverständlich auch viele Trichterlingsarten. Dein Bekannter will ja sicherlich auch nicht wissen, welche Pilzart es sein könnte (das macht ja hier nicht wirklich Sinn), sondern welche Pilzart es ist.


    Die Pilze auf dem Foto von Konstantin Plump in Beitrag #5 haben mMn keine Ähnlichkeit mit den angefragten Pilzen. Als der Vorschlag mit dem Schwefelkopf kam, habe ich mich unwillkürlich gefragt, ob vielleicht eine Threadverwechselung vorliegt. Der Schwefelkopf ist ein grüngelber Pilz mit etwas Orange, der manchmal auch einfach nur gelb sein kann, aber jedenfalls kein weißer Pilz.


    FG

    Oehrling

    Hallo zusammmen,

    mMn passt das Längsschnittbild am besten zu Xerocomellus pruinatus, dem Bereiften Rotfußröhrling. Für eine Ziegenlippe ist mir die Porenfarbe zu wenig gelb und die Stielbekleidung zu rot. Für andere Rotfußröhrlinge fehlen komplett die Fleischfärbungen auf der Stielinnenseite (weinrot, schmutziggrau...).

    Also X. pruinatus, nur damit wir noch eine weitere Art in der Verlosung haben.

    FG

    Oehrling