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letzter Beitrag von Beorn am

Mal ganz was Anderes

  • Nachdem ich letztes Jahr in Botsuana vergeblich auf der Jagd nach !nabbas (Kalari-Trüffel / Terfezia pfeilii) war, suchte ich dieses Frühjahr in Nordnamibia ebenso vergeblich Omajovas (Termitenpilze / Termitomyces reticulatis). Nachfragen ergaben, dass sie sich schon seit drei Jahren nicht mehr gezeigt hatten.

    Dennoch sind wir mykologisch nicht völlig mit leeren Händen wiedergekommen. Ein Zufallsfund am Straßenrand, der beim Vorbeifahren vorschnell in die Tintlingsecke gestellt wurde, erwies sich als Wüsten-Tintlingsstäubling / False InkCap / Podaxis pistillaris. Der scheinbare Hut ist tatsächlich eine Peridie. Im Innern fand sich bei meinem Exemplar die bereits ziemlich reife dunkelbraune Gleba (bzw. „Glibber“, wie meine ungeduldigen Mitreisenden meinten). Insgesamt eher Stielbovist als Tintling.


    Schönen Gruß,
    Hans aus Bremen
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    "Es gibt Gottsucher, Ichsucher und Schwammerlsucher" (G. Polt)


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  • Hallo Irmtraud,

    der Pilz hatte die Größe eines mittelgroßen Schopftintlings.

    Schönen Gruß,
    Hans aus Bremen
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  • Hallo Hans!

    Na, das ist doch was! Pilze aus Afrika... da hast Du mehr gefunden, als ich im vergangenen Urlaub in der Bretagne. ==Pilz25

    Wieder so etwas, das ich ohne Dich, ohne dieses Forum vermutlich nie zu Gesicht bekommen hätte, danke!

  • Hallo Thomas, es tut mir wirklich Leid!

    Aber meine Reisebegleiter (die besten Reisebegleiter, die ich mir vorstellen kann und die ich unbedingt dabei haben möchte) haben auch ihre Schwächen. Das hört sich dann so an: "Bist Du bald mal fertig mit Deinem Pilz da, wir haben 45 Grad!" oder "Schmeiss doch mal den Glibber weg da, der ist eklig und interessiert doch keine ¥*##@ "


    Hart ist das Leben in der Wüste!

    Schönen Gruß,
    Hans aus Bremen
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  • Hallo, Hans!


    Toller Fund. Und absolut hilfreich, denn das ist ja nun auch unsere pilzkundliche Zukunft. :thumbup:

    Was anderes werden wir ja bald auch nicht mehr zu sehen bekommen, nachdem das Land sich bald in eine Wüste verwandelt haben wird.


    Ok, Sarkasmus aus: Gefällt mir wirklich, ein faszinierender PIlz, von dem ich noch nie gehört habe. Danke, daß du das Team da hast warten lassen, um für uns ein Bildchen bereitzustellen.
    Hat sich gelohnt!



    LG, Pablo.

  • Servus Hans,


    schöner Fund! Podaxis ist in Namibia ziemlich häufig und es fasziniert immer wieder, wie sich Pilze an arides Klima anpassen können. Podaxis gehört zu den Agaricaceae, die Ähnlichkeit mit Coprinus comatus ist daher nicht zufällig. Allerdings muss man (wie so oft heutzutage) ein s.l. oder ein agg. hinter den Namen stellen. In Südafrika/Namibia kommen mehrere Podaxis-Arten vor, die aber meines Wissens noch nicht bschrieben wurden. Sie heißen im Moment "Clade A, Clade B, Clade C" usw.


    Falls es von Interesse ist: The genus Podaxis in arid regions of Mexico: preliminary ITS phylogeny and ethnomycological use


    Podaxis pistillaris s.l. gilt übrigens als essbar (kann man auch in dem oben verlinkten Artikel nachlesen - darüber gibt es aber eh einige Publikationen).


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo nochn Pilz,

    danke für das Vorstellen dieser spannenden Gattung!


    # Christoph,

    merci für den Link. Als überzeugter Mykophage freue ich mich natürlich besonders, dass auch die kulinarische Seite in der Studie nicht zu kurz kommt.


    Grüßle

    RudiS

  • Alles was recht ist...


    ...aber den hätte ich nicht gegessen!!!


    Danke für die freundlichen Rückmeldungen und auch für den spannenden link. g:-):gnicken:

    Schönen Gruß,
    Hans aus Bremen
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  • Hallo Hans,

    wir haben Deinen Bericht voller Verwunderung gelesen.

    Aber............jetzt haben wohl auch unsere "Wüstenpilze" einen Namen, zumindest schauen sie so aus wie auf Deinem Foto:



    Dieser brach sich gerade durch den trockenen Wüstensand............



    .............wo sich immerhin ein "Wash" befand, in dem wenigstens ab und zu mal Wasser fließt.

    Aufgenommen im "Red Rock Canyon State Park" in Süd-Kalifornien.






    Diesen hier fanden wir aber mitten in der Wüste...........




    ..........wo von Wasser weit und breit nix zu sehen war.:gzwinkern:


    "Anza Borrego Desert State Park", Süd-Kalifornien.



    Liebe Grüße


    Doris und Helmut

  • Hallo Doris und Helmut,

    wirklich verblüffend.... das scheint der gleiche Pilz zu sein. g:-):gzwinkern:


    Schönen Gruß,
    Hans aus Bremen
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    "Es gibt Gottsucher, Ichsucher und Schwammerlsucher" (G. Polt)


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  • Ahoi!


    Wenn denn die Nord- und Mittelamerikanischen sippen und die Afrikanischen einigermaßen gleich sind...
    Aber schon in mexiko scheint man ja daran zu arbeiten, unterschiedliche Arten unterscheiden zu wollen (Siehe Kommentar und Literaturlink von Christoph).

    Aber was auch immer nachher für ein Artname drangeschrieben gehört: Das sind sehr bemerkenswerte Pilze!


    Ich könnte mir vorstellen, daß die (ja auch in Europa auftretenden) Stielboviste (=Tulostoma), da einigermaßen nahe verwand sein könnten; sind ja auch Agaricaceae.



    LG, Pablo.

  • Servus Pablo,


    der von mir zitierte Artikel zeigt, dass es mindestens sechs Arten in der Gattung gibt. In Mexico wurde aber bisher nur eine Podaxis-Art festgestellt: "Clade E" - alle anderen Arten ("Clades") kommen in Südafrika (geographisch, nicht als Land gemeint) vor bzw. "Clade D" auch in Indien und in Ostafrika, "Clade C" auch in Äthiopien...


    Die Umformung von agaricoides Fruchtkörpern in secotioide bzw. komplett in Stäublinge/Boviste ist in den Agaicaceae mehrfach passiert. Ob Tulostoma und Podaxis näher verwandt sind oder konvergent entstanden sind, weiß ich nicht - es gibt aber sicher detailliertere Stammbäume der Agaricaceae an sich - inklusive Lycoperdon und Bovista, die auch da hinein gehören.


    Der kalifornische, der hier gezeigt wird, dürfte aber nach jetzigen Kenntnissen nicht genau der gleiche Pilz sein, sondern eine eigene Art, die wohl nur in der "Neuen Welt" vorkommt und nicht in Afrika. Die Gattung Podaxis ist aber klar. Bestimmbar sind die Arten im Moment für uns Normalsterblichen aber nicht. Podaxis pistillaris agg. ist aber immer richtig (also mit "agg.") - bezieht sich nicht auf dich, Pablo, es lesen aber ja viele andere mit.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo, Christoph!


    Wenn sich abzeichnet, daß man früher oder später mehrere Arten trennen wird, würde ich persönlich sogar "Podaxis spec." dran schreiben.
    Ist aber nicht mein Fund, und was nun Hans und Doris und Helmut an ihre Bilder schreiben, mag ich nicht vorschreiben. An den Funden habe ich so oder so schon genug Spaß. g:-)


    Wenn ich aber noch ein wenig wild rumspekulieren darf:
    Der Fund von Hans aus Afrika sieht schon ein wenig anders aus als der von Doris und Helmut aus den US: Manches wird man wohl auf unterschiedliche Reifung zurückführen können, aber ins Auge springen doch vor allem die Stielanatomie, die bei dem US - Fund ziemlcih grob verdreht wirkt. Rippen wie ein Schraubengewinde, und die ziehen sich auch etwas in den oberen Teil hinein.
    Beim aafrikanischen ist auch so eine etwas gedrehte Stieltextur zu sehen, aber viel feiner und sie endet abrupt am Ansatz der oberen Peridie.

    Bei dem Afrikanischen und der Nordamerikanischen Fruchtkörper ifndet sich ganz oben jeweils sowas wie ein Peristom, also eine Öffnung, da scheint auch schon braunes Sporenpulver rauszukommen. Allerdings ist die Textur der Peridie sehr unterschiedlich, das ganz grob abblätternde hat der Afrikanische nicht. Vielleicht hat er's mal gehabt, aber: Siehe Peridienöffnung die bei beiden schon vorhanden ist.
    Solche Unterschiede müsste man halt an etlichen Kollektionen mal nachvollziehen und mit den genetischen Bäumchen abgleichen, eventuell wäre es da gar nicht so schwer, zumindest mal ein paar der genetisch erkennbaren Arten auch morphologisch zu fixieren.



    LG, Pablo.

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