Meine Annahme, das diesen FK'er als Pluteus einzuschätzen ist, habe ich der Lamellenfärbung des Schnittbildes entnommen.
Fast frei Lamellen und einen Stiel der sich gemeinerweise auch leicht vom Hut trennen lässt, hat mich fehl geleitet.
Servus Rainer,
noch ein paar Tipps von mir anhand dieses Beispiels... Lamellen fast frei bedeutet nicht, dass sie frei sind. Bei Dachpilzen sind sie frei (bei Rüblingen und Schwindlingen können sie aber auch mal frei sein). Stiel vom Hut trennbar bedeutet, dass eine Sollbruchstelle angelegt ist. Das kannst du dir bei Zuchtchampignons sehr gut anschauen. Bei deinem Foto sehe ich nur, dass der Stiel mitsamt dem gesamten Hutfleisch oberhalb des Stiels abgetrennt wurde, also eben nicht der Stiel vom Hut getrennt wurde.
Zum Sporenpulver und der Lamellenfarbe... Sind die Lamellen jung weiß und später gefärbt, kann das durch das Sporenpulver bedingt sein, muss es aber nicht. Es gibt Ritterlinge mit rein weißem Sporenpulver, die alt braune Lamellen haben. Auch der Hallimasch hat Lamellen, die alt dunkler sind als jung, ist aber auch rein weißsporig.
Auf dem Foto sehe ich auf dem Stiel eine helle, weiße Bereifung, keine braune. Ob am Stiel Sporenpulver zu sehen ist oder eine Bereifung, ist auch Erfahrungssache.
Dass es eine Melanoleuca ist, wie von Raphael vorgeschlagen, glaube ich auch nicht. Unabhängig davon kann deine Gegenfrage
Hallo Raphael, von einer Melanoleuca mit braunem Sporenpulver habe ich noch nie gehört. Kennst Du eine?
etwas abschrecken, zu helfen. Nein, natürlich gibt es keine Melanoleuca mit braunem Sporenpulver. Dein Pilz hat aber auch kein braunes Sporenpulver ;-). Man sollte immer ergebnisoffen sein bei der Pilzbestimmung. Deshalb schreibe ich auch lieber sowas wie "An Melanoleuca glauben nicht nicht, weil...". Jetzt hast du hier braunes Sporenpulver eingeworfen, ohne einen Abdruck zu haben. Ist nicht schlimm, kann passieren und so lernt man auch dazu. Wenn man aber selber vorsichtiger formuliert, fängt man oft auch an, vorsichtiger zu denken und Alternativen zuzulassen.
Nochmal zur Sporenpulverfarbe des Abwurfs. Auch das ist nicht trivial. Es ist ein Unterschied, ob es ein noch feuchter, frischer Abwurf ist oder ob er schon getrocknet ist (verändert oft den Farbton). Wurde auf rein weißem Papier ausgesport? Manche lassen auf schwarzem Papier aussporen, was wenig bringt, denn der große Kontrast vermadet unserem Gehirn den Farbeindruck. Da ist dann alles Mögliche "weiß". Es ist auch ein Unterschied, ob ich den Abdruck bei Kunstlicht oder Naturlicht anschaue. Abwurf auf rein weißem Papier sollte man flach, also mit den Augen fast auf Papierhöhe streifend ansehen und das in neutralem Naturlicht im Schatten oder bei bedecktem grauen Himmel. Im Sonnenlicht wird alles warm gelblich, daher im Schatten, aber nicht unter grünem Blätterdach, da da alles etwas grünlich ausschaut.
Manchmal wird man feststellen, dass bei richtigem Licht und richtigem Blickwinkel aus creme auch schwach rosalich creme werden kann. So richtig Rosa ist das Sporenpulver bei Rhodocollybia butyracea und B. asema nicht. Man schaut es aber auch zu selten an, da man die Arten ja makroskopisch erkennt (es gibt dann zwar noch Rhodocollybia filamentosa oder Rhodocollybia giselae mit aufgeblasener Stielbasis Bläuling – aber als Butterrübling i.w.S. kann man die Artengruppe am längsgerillten Stiel mit aufgeblasener Stielbasis erkennen).
Man kann auch auf Glas (Objektträger) aussporen lassen. Da kann man dann aus dem Sporenpulver ein kleines Häufchen machen, das zwischen zwei Objektträgern etwas plattdrücken und sieht Farbtöne gut.
Generell hängt die Farbe auch von der Dicke des Abwurfs ab – deshalb bei Papier der streifende Blick.
Kurz gesagt: bei Hellsporern braucht es auch Erfahrung, die genauen Farbnuancen zu erkennen.
Fun Fact: die Sporen bei Rhodocollybia reifen erst nach dem Abwurf richtig aus. Sie werden dann dickwandig und dextrinoid und sind dann kräftiger gefärbt (wegen der dickeren Sporenwand). Man findet solche Sporen gerne auf dem Hut, wenn einer auf den anderen absport. Man kann den Abwurf auch noch ein oder zwei Tage feucht halten, dann reifen die Sporen auch so nach. Das macht es nicht einfacher, eine Farbe anzugeben. Sind ausgereifte Sporen gemeint oder nicht?
Und ja, cremerosalich ist ganz was anderes als Mykologenrosa, denn letzteres ist ein Braun mit Rosa drin.
Zum Glück ist Pilzbestimmung und -beschreibung recht komplex, sonst wär's ja schnell langweilig 
Liebe Grüße,
Christoph