Beiträge von Tricholomopsis

    Servus Sandra,


    schöner Fund! Wenn du nur im Kühlschrank nachreifen lässt, ist aber nie ganz klar, ob die Sporenmaße passen. Lorcheln haben eben die für uns unangenehmne Angewohnheit, erst sehr alt richtig reif zu sein. Da gibt es schöne Untersuchungen aus Alaska, bei denen regelmäßig von Fruchtkörpern, die man stehen ließ, kleine Stücke entfernte, um die Sporen zu messen und zu dokumentieren, wie sich die Maße im Lauf des Reifens verändern.


    Ich selber habe in den letzten beiden Jahren "nur" Gyromitra bubaci bzw. Gyromitra esculenta var. bubaci gefunden. Deren Sporen sind bis 34 µm lang, nach Literatur teils bis 38 oder 40 µm. Leider werden Frühjahrslorcheln zu selten gut mikroskopiert.


    Langsam fängt man an, den Frühjahrslorchelkomplex etwas aufzudröseln. Es verstecken sich da mehrere Arten. Ich habe heute erst eine Gyromitra bubaci zum Sequenzieren verschickt. Mal schauen, ob es klappt und ne Sequenz zu machen ist.


    Deine Lorchel hat sehr kurze Sporen, was vielleicht am Nachreifen liegt. Mit dem Schneiden habe ich eigentlich gerade bei Lorcheln wenig Probleme. Du brauchst halt eine frische, unbenutze Rasierklinge, dann sollte es eigentlich gut gehen. Meist sind zu stumpfe Klingen schuld, wenn's mit dem Schneiden nicht klappt. Und dann die Klinge etwas ziehen, nicht nur durchdrücken. Du müsstest im Mikroskop die Kerne gut sehen können (mit Nucleoli) - man kann manche schon auf deinen Fotos erahnen. Ich würde nur die Blende etwas weiter öffnen. Schau's dir mal live im Mikroskop an. Du müsstest pro Sporen vier kleine Spiegeleier finden können (Kern mit Nucleolus).


    Im BMG-Forum habe ich einen Lorchelschlüssel, aber noch ohne Gyromitra inflata (aus dem G.-esculenta-Formenkreis - die Art murr ich bei Gelegenheit ergänzen). Den Link zu den Schlüsseln findest du in meiner Signatur.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Mimi,


    da kann ich Nobi nur beipflichten. Nur, dass Georgsritterlinge/Maipilze für mich ungnießbar sind. Mich schüttelts bei deren Geschmack ==20

    Geschmäcker sind verschieden ==8


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Bernd,


    für mich ist das auch eine recht typische Datronia mollis. Das Schwärzen im Alter kenne ich bei Datronia. Neben dem zarten Aprikosenduft ist ein leichter nachprüfbares Bestimungsmerkmal, dass man den Porling recht leicht und gut vom Substrat runterziehen kann. Der Fruchtkörper ist nicht fest mit dem Substrat verwachsen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Stefan,


    exakt - für mich war das bisher "Psathyrella marcessibilis". Makroskopisch wird es auch dabei bleiben, dass es eben ein "Faserling" ist, der dann doch zu Corpinopsis gehört. Genauso wie ja die "Feuerschwämme" für viele erstmal "Phellinus" bleiben und man dann nachschaut, welche Kleingattung für die spezielle Art gerade Heimstätte ist.


    Man wird halt immer mehr Ausnahmen lernen müssen. Oder lässt es auf deutsch bei Faserling i.w.S.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Matthias,


    hinsichtlich deiner Pseudoplectania episphagnum bin ich skeptisch. Ich kenne die Art aus dem Bernrieder Filz ( Felli: würde sich für dich lohnen) - aus einem Schwingrasen, Sphagnum über Wasser. Andere bayerische Funde sind auch aus Hochmooren.

    Ich kann diesbezüglich mal wieder die Mycologia Bavarica empfehlen:


    Bauer G. (1999): Pseudoplectania sphagnophila (Pers.: Fr.) Kreisel (Ascomycota, Pezizales, Sarcoscyphaceae) erstmals in Bayern nachgewiesen. Mycologia Bavarica 3: 44-49.


    (Die Familienzuordnung stimmt natürlich nicht mehr, mittlerweile bei den Sarcosomataceae) Günter Bauer beschrieb schön, wie sich die Paraphysen unterscheiden. So sind sie bei Ps. episphagnum (damals lief sie noch unter anderem Namen) sehr stark miteinander durch eine dunkelbraune Masse verkittet und in Wasser kaum auseinanderzubringen. Günter hat sie in Kalilauge erhitzt und dann mit Wasser ausgewaschen, um sie einzeln zu trennen und dann die teils bizarre Form der Paraphysen herauszuarbeiten. So kann man die Arten gut trennen.

    Dass Ps. nigrella mal kurze Stiel hat, wenn sie in tieferem Moos steht, ist eigentlich nicht so ungewöhnlich.


    Schau dir den Artikel von Günter mal an - er wurde auch von Carbone et al. (2014) zitiert. Pseudoplectania episphagnum ist für mich eine typische Hochmoorart offener Sphagnum-Flächen, z. B. an Sphagnum magellanicum. In normalen Wälder an kleinen Sphagnum-Pölsterchen würde es mich sehr wundern, wenn es diese Art wäre - da kenne ich nur Ps. nigrella. Günter hatte auch gezeigt und abgebildet, wie die Hyphen in die Hyalozyten des Sphagnums eindringen, was Ps. nigrella auch nicht macht.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Raphael,


    die Aufgabe von MycoBank, IndexFungorum (etc.) ist nicht, die aktuelle Systematik anzuzeigen, auch wenn es als "BonBon" teils versucht wird. Ebenso sind die Angaben der heterotypischen Synonyme nicht belastbar. Zum eine sind es ja Interpretationen, also Meinungen (oftmal eben nicht geklärt) und zum anderen ist manchmal Zufall, welche Publikation gerade verwendet wird.


    Da sich gerade in der Systematik der Agaricales fast täglich was tut, wirst du kein Glück haben, eine aktuelle Datenbank zu finden, die einen möglichen, jetzigen Stand abbildet. Man muss dafür die aktuelle Fachliteratur recherchieren und nachlesen. Oder man schaut in die besagten Datenbanken und verwendet die dortigen Vorschläge mit dem Hintergrundwissen, dass das nicht in Stein gemeißelt ist.


    Konkret zu Hebeloma - die Abgrenzung der Hymenogastraceae von den Strophariaceae ist ein bisserl wackelig. So ist Psilocybe s.str. im Moment Teil der Hymenogastraceae, während Deconica bei den Strophariaceae steht (war früher eine gemeinsame Gattung). Aber diese Zuordnung ist auch nicht restlos klar. Die Stammbäume hängen von der Wahl der Taxa des Baums, von den verwendeten Genen und der Auswertemehtode ab.


    Der Wust der ehemaligen Tricholomataceae ist besonders komplex. Da ist man ja gerade noch dabei, überhaupt Klarheit zu bekommen. Schon die Frage, in wie viele Familien die ehemalige Gattung Clitocybe aufgetrennt wird, ist nicht klar. Und im Moment ist es Mode, sehr viele, sehr kleine Familien zu erzeugen.


    Ob man z. B. Crepidotaceae und Inocybaceae in eine Familie mit zwei Unterfamilien oder in zwei Familen trennt, ist Geschmackssache...


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Bernd,


    ich kenne die KOH-Reaktion von Coriolopsis gallica nur sehr dunkel schwarzbraun (habe ich mehrfach getestet), violett habe ich das noch nie gesehen. Coriolopsis trogii hat viel helleres Fleisch und wird mit KOH nur blass braun. Für mich ist das, was du da hast, eine Coriolopsis gallica, aber mit deutlich abweichender KOH-Reaktion. Spannend!


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    habe den Thread erst eben entdeckt ;-).


    Das sehr dunkle Sporenpulver und das brüchige Fleisch führen auch für mich zu Psathyrella. Das Problem ist, wie hier schon erwähnt wurde, dass es besonders schwierig ist, wenn man wenige, alte, ausgeblasste Pilze vor sich hat. Um einen wirklich unbekannten Pilz, bei dem man die Gattung auch nicht direkt erkennt, bestimmen zu können, sollte man eine Kollektion von jung bis alt haben. Bei jungen Fruchtkörpern wäre sicher ein Velum aufgefallen. Ich denke auch, dass der Pilz stark hygrophan ist, also feucht dunkler, schön braun sein wird, trocken aber sehr blass.

    All das ist an einem Einzelfruchtkörper oder nur an älteren Fruchtkörpern nicht erkennbar. Ergo wird man dann auch mit Schlüsseln kaum oder nur sehr schwer in der richtigen Ecke landen.

    Meine erste Assoziation bei den Fotos im Eingangsthread war Agrocybe praecox s.l., was aber nicht sein kann (fehlender Ring, zu dunkles Sporenpulver). So tricky ist es, wenn man versucht, Farben zu interpretieren.

    Aber auch wenn man bei sowas in der falschen Ecke landet - wenn man sich mit diesen alten Exemplaren eingehend beschäftigt hat, sie sehr genau mit Lupe von Kopf bis Fuß analysiert hat und dann per Forum auch noch Tipps bekommt, dann ist man nun auf die Gattung Psathyrella ein bisserl aufmerksam geworden. Und wenn man dann mal eine frische Kollektion sieht, macht's vielleicht Klick und man gewinnt ein Gefühl für die Gattung. Später kann man dann vielleicht auch untypische Exemplare erkennen und bestimmen.


    Liebe Grüße,

    Christoph


    P.S.: PDPAP - Korrekturliste ist gut angekommen (via Kletterfreak), danke dir!

    Servus Mona,


    prinzipiell kann man auf alles mögliche allergisch reagieren. Austernpilze produzieren aber Unmengen an Sporen und sie sind zudem dafür bekannt, heftige Allergien auszulösen. Vor Shiitake hätte ich indoors auch großen Respekt. Zu Egerlingen fehlen mir da Informationen. In den großen Zuchtbetrieben werden sie ja meist vor der Sporulation geerntet. Jedenfalls sind meines Wissens keine Fälle in Bezug auf Egerlinge publiziert worden, was Sporenbelastung angeht.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    beim dritten Lorchelbild hätte ich auch eher Gyromitra gigas s.l. gedacht. Wobei sich das (bei Sporenreife) eh sehr leicht per Mikroskop sagen lässt (ich schaue mir die Lorcheln sehr gerne an). Der Stiel ist bei den Lorcheln nicht unwichtig - falls es was aus dem gyromitra esculenta-Aggregat sein sollte, spielen hier Merkmale wie z. B. Farbhauch eine nicht unwichtige Rolle.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    kann ich da auch dabei sein?

    Ich habe allerdings im Moment weder Kamera und noch Mikro.

    Servus Peter,


    wie Grüni schon schrieb, klar. Bist dann halt versteckt dabei (Symbol statt dich zu sehen) und du kannst keine mündlichen Fragen stellen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    vorletzten Mittwoch hatte ich es ja mündlich im Stream angeboten, selber einen Vortrag zu halten. Ich hatte diesen Mittewoch genannt. Von meiner Seite aus bleibt es dabei.


    Ich werde einfach schöne oder zumindest interessante Pilze vorstellen und dabei insbesondere auf makroskopisch erkennbare Gattungs- und Artmerkmale eingehen. Zudem zeige ich aber auch ein paar Mikrofotos - auch der Ästethik wegen (aber nicht nur, manches ist zudem auch interessant, denke ich).


    Start ist um 20 Uhr.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Ich "kenne" diese Art aus dem Bayerischen Wald, wo ich sie zwei Mal in aufeinanderfolgenden Jahren am selben Stamm gefunden bzw. vom Heinz Holzer gezeigt bekommen habe - Christoph kennt diesen Fundort vermutlich: T4-28, direkt vor der Deffernik-Brücke rechts rein vom Schwellhäusel-Parkplatz her gesehen.

    Servus Andreas,


    ja, den Fundort kenne ich :-). Da war ich sehr oft mit Heinz unterwegs (und auch ohne Heinz). Da hat er ja auch Cyphella digitalis gefunden (in der Nähe).


    Ich kenne Kuehneromyces lignicola auch aus den Alpen - im richtigen Biotop ist die Art nicht so selten, nur schwer zu erkennen. Ideal sind totholzreiche Wälder mit viel Totholz in der Finalphase, also "bessere" Wälder mit gewisser Habitattradition.


    Ich habe auch mal das Glück gehabt, einen Massenaspekt in Raitenhaslach auf Sägemehl gesehen zu haben. Till Lohmeyer und Josef Christan haben das gemeinsam publiziert - ich war bei der Exkursion dabei und habe sogar noch uralte Dias davon (war Ende der 80er Jahre). Und ja, witzigerweise habe ich bisher alle Funde, die ich mitgenommen habe, als Galerina cf. autumnalis bestimmt (wegen der gelatiösen HDS) - sie haben sich dann jeweils als Kuehneromyces herausgestellt. Vermutlich kommt bei der Mikroskopie, wenn ich einen Fund im Gelände als Kuehneromyces lignicola bestimme, dann aber Galerina marginata s.l. bzw. Galerina autumnalis heraus ^^. Oder letztere gibt es doch nur im Herbst, dann ist "die Galerina autumnalis des Frühjahrs" in Wirklichkeit Kuehneromyces?!


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Ja, jeder weiß, dass Sprüche über Lehrer cool sind:rolleyes:. Nun ist es aber so, dass es zur Lehrerausbildung gehört, Prüfungsfragen zu formulieren. Lehrer sind sozusagen die Handwerker im Formulieren von Prüfungsfragen.

    Servus Oehrling, servus beinand,


    ich bin ja selber Lehrer - und ja, bei der Formulierung der Fragen sieht man direkt Defizite in der Grundstruktur - ich dürfte solche Fragen nicht stellen, da bekäme ich schulintern richtig Ärger.


    Das Problem, wenn man Fragen "einfach so" formuliert, ist meist ein unklarer Erwartungshorizont. Da helfen sogenannte Operatoren wie "erläutern Sie, weshalb..." oder "benennen Sie...". Ersteres erfordert Ausführlichkeit, letzteres ist nur das Nennen eines Begriffs.

    Satt "Wie erkennt man einen Saftling?" (da kann man antworten, "indem man ihn anschaut") besser "Nennen Sie drei Merkmale, anhand derer man Vertreter der Gattung Saftlinge i.w.S. von anderen Lamellenpilzen abgrenzen kann". Statt einer Frage eine Aufforderung (also ohne Fragezeichen am Ende). Ich darf keine echten "Fragen" stellen, wenn ich Prüfungen ausarbeite. Ich muss Handlungsanweisungen geben, um dadurch zu definieren, wie tiefgehend die Antwort sein soll. Sonst wird die Korrektur willkürlich.


    Das ist einfach Fragetechnik - und das ist Teil der Lehrerausbildung (bei mir im Referendariat, da ich nicht Lehramt studiert hatte). Solche formellen Dinge wie der Einsatz von Operatoren sollte auch wertneutral und konstruktiv diskutiert werden können. Dachte ich... Ich hatte nämlich, als die Prüfungsfragen veröffentlicht wurden, mehrfach Fragestellungen als Beispiele herausgegriffen, um die Problematik zu zeigen. Das war aber nicht erwünscht (Kritik von außen ist da immer so ne Sache) bzw. es wurde nicht darauf eingegangen. Daraufhin habe ich mir dann jeden weiteren Kommentar erspart.


    Ich finde es gut, wenn es eine aussagekräftige, faire, gute PSV-Prüfung der DGfM gibt, denn wir brauchen unbedingt mehr PilzberaterInnen (oder Pilzsachverständige - wie man das auch immer nennen mag). Da ist es egal, welcher Verein dahinter steht (also über wen die Versicherung läuft), wenn die Qualität von Ausbildung und Prüfung passt. Deshalb (und nur deshalb) hatte ich versucht, die Probleme aufzuzeigen. Ist schon ziemlich her, seit eben die Fragen veröffentlicht wurden. Aber ich habe, was sowas angeht, ohnehin resigniert.


    Wir arbeiten daran. Es ist übrigens auch so, dass von den "Lehrern" in der DGfM bisher bei der Fragenerstellung, bzw. im FA PSV-Wesen niemand mitgearbeitet hat.

    Nichts für ungut, Stefan, aber wann war damals die Diskussion um die Formulierung der Prüfungsfragen? Und wurde denn überhaupt versucht, Lehrer mit einzubeziehen und die Fragen formell prüfen zu lassen bzw. sie zu optimieren? Bei vielen Fragen wäre es so einfach - Kleinigkeiten verändern und gut ist.

    Ich verstehe da das vereinsinterne Vorgehen einfach nicht. Was gut ist: muss ich auch nicht. Schade finde ich es trotzdem.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Sebastian,


    ich habe nur die Giemsa-Färbung mal gemacht - im Studium, war Teil eines Mikroskopierpraktikums.


    Das Problem der Karminessigsäurefärbung ist, dass sich auch andere Strukturen damit anfärben. Bei den großen Kernen der Dumontinia sollte es aber gehen - wie ja auch der Artikel schreibt. Ich habe bisher Karminessigsäure nur für den Nachweis siderophiler Granulation verwendet.

    In unserer Arbeitsgruppe an der Uni (ist lange her) hieß es damals schon, dass nur Fluroeszensfarbstoffe an Lebendmaterial wirklich zuverlässig seien, also Farbstoffe, die an die DNA anbinden und dann durch UV nachgewiesen werden. Da man dafür aber ein Fluoreszenzmikroskop braucht, was ich damals nicht zur Verfügung hatte (und heute auch nicht), habe ich da keine Eigenerfahrung.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    FoTE haben recht - in beiden Punkten ;-)


    Die Gattungen Rigidoporus und Oxyporus wurden molekular eingehend untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass einige Rigidoporus-Arten – wie die selten, aber sehr bekannte Art "Rigidoporus" crocatus in Wirklichkeit ein Physisporinus ist und zu den Polyporales gehört (was irgendwie auch makroskopisch passt, das Röten auf Druck, die jung wachsartige Haptik) – während der Rest von Rigidoporus und die klassische Gattung Oxyporus zusammenfallen und in den Hymenochaetales stehen.

    Deshalb heißt der Pilz mittlerweile Rigidoporus populinus.


    Der Name Oxyporus populinus hat sich nur so eingebürgert, da die betreffenden Arten häufiger als die "klassischen" Rigidoporus-Arten sind, sodass es dauern wird, bis es allgmein übernommen wird (Bildernücher, Foren).


    Und ja, Rigidoporus populinus ist wirklich häufig, wird m.E. nur wenig beachtet - wer schneidet schon dicke Trameten durch?


    Das Paper, falls es jemanden interessiert:

    Fang Wu, Jia-Jia Chen, Xiao-Hong Ji, Josef Vlasák, Yu-Cheng Dai (2017): Phylogeny and diversity of the morphologically similar polypore genera Rigidoporus, Physisporinus, Oxyporus, and Leucophellinus. Mycologia 109(5): 749–765. 00275514.2017.1405215


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    was ich gar nicht verneine: kurz mal Sporen einzuatmen ist sicher nicht tragisch (es sei denn, man hat sich bereits sensibilisiert). Ich denke aber, wenn ich in meiner Wohnung Austernpilze züchte, dann wohne ich ja da, wo die Pilze wachsen und sporulieren. Dann bin ichsogar länger als Profis den Sporen ausgesetzt. Erntet man die jungen Fruchtkörper, bevor sie zu sporulieren anfangen, dann passiert natürlich eh nichts, mangels Sporen. Weiß ich aber, dass Austernpilze potentiell problematisch sind, dann werde ich sie zum Beispiel ganz sicher nicht im Schlafzimmer züchten. Oder im Wohnzimmer. Oder im Badezimmer, weil es da so schön feucht ist. Im Keller, getrennt von der Wohnung, warum nicht? Aber falls sie stark sporulieren, dann ist eine Atemschutzmaske auch kein Problem.


    Was Peter aber leider verschweigt (oder er liest einfach keine Antworten auf seine Beiträge): die zwei Fälle, die in dem medizinischen Artikel als Fallstudien erwähnt wurden, waren genau das: Hobbyzüchter,. Insofern verstehe ich das Zitat nicht ganz:

    Das Risiko an den Sporen zu erkranken ist sehr(!) gering. Ich weiß nicht, wieviele Hobbykulturen alleine in Deutschland verkauft und in der Wohnung zum Fruktifizieren gebracht werden. Mir ist kein einziger Fall bekannt, dass von denen jemand an den Sporen erkrankt ist. Insofern halte ich Panikmache für überzogen.

    Kein einziger Fall bezieht sich dann wohl auf Deutschland, denn dann wäre die Aussage ja stimmig. Ich kenne auch keinen Fall aus Deutschland. Ich habe aber auch keinen Zugang zu den medizinischen Akten aller Deutschen. Ich habe eigentlich gar keinen Zugang zu medizinischen Akten. Insofern kann ich gar nicht einschätzen, wieviele Fälle es in Deutschland gibt.


    Sollte Peter Zugang zu den medizinischen Akten deutschlandweit haben, fände ich das hingegen sehr bedenklich. Da das aber eben nicht sein kann, ist seine Aussage für mich kein wirkliches Argument.


    Ich finde es völlig legitim, die Meinung zu vertreten, dass man von keinem nennenswertem Risiko ausgeht. Aber bei der Begründung sollte man m.E. auf solche Scheinargumente verzichten. Nicht legitim finde ich, ohne Argumente einfach mit Keulen wie "Panikmache" anzukommen oder (wie im anderen Thread geschehen) das Thema lächerlich zu machen. Ich glaube nicht, dass Peter am Verkauf von Austernpilzzuchtsets Geld verdient und deshalb so argumentiert. Daher verstehe ich die Motivation eh nicht.


    Mir ging es eigentlich auch vor allem darum, dass man sich bewusst sein sollte, dass es Probleme geben kann (Konjunktiv). Ich selber habe beispielsweise allergisches Asthma durch Pollen. Trotzdem habe ich keine panische Angst vor Pollen. Aber ich weiß, dass ich daheim im Haus weder Wildgräser noch Erlen züchten sollte und sie eben wenn, dann nicht zum blühen bringen sollte. Und was z. B. Ambrosia angeht, kenne ich die fatale Wirkung. Vor Ambrosia würde ich auch warnen.


    Ich als Asthma-Patient sollte daher sicher auch keine Austernpilze indoors züchten. Man kennt die Antigene der Austernpilzsporen und mein Immunsystem reagiert bereits gegen mehrere Naturstoffe, die Antigene enthalten. Insofern besteht bei mir eher die Gefahr, dass ich mir noch eine Allergie zuziehen würde. Jetzt lese ich zum Glück Fachartikel und interessiere mich recht intensiv für die Materie. Deshalb würde ich keine Austern daheim züchten. Andere, die allergisches Asthma haben, wissen es aber vielleicht nicht. Auf den Zuchtsets ist auch kein Hinweis, keine Erklärung, gar nichts... Und das finde ich eben ein bisserl fahrlässig.


    Wenn ich also davor warne, dass da etwas bekannt ist, dass es belegte Fälle gibt, damit jeder selber entscheiden kann, wie er oder sie Austernpilze züchtet und das durch Argumente versuche zu begründen, dann finde ich Aussagen wie "Panikmache" einfach keine feine englische Art. Ich wollte nur informieren und nicht Panik verbreiten.


    Anderes Beispiel:

    Ich warne seit vielen Jahren vor dem Verzehr von Kahlen Kremplingen. Lange war da auch das Argument, dass auch in Deutschland noch Kremplinge gegessen würden, aber es seien doch keine aktuellen Fälle bekannt, bei denen was passiert sei, üblich. Und schaut man sich die Statistik an (die man sich denken muss, denn es gibt keine erhobenen Daten), dann scheint es zu stimmen - es passiert nur sehr selten was. O.k., vor kurzem in Nürnberg... sollte hinlänglich bekannt sein.

    Aber auch da haben mich, das gebe ich erhlich zu, argumentarme Zwischenrufe über Panikmache durchaus genervt. Man wolle nur armen Pilzsammlern Speisepilze madig machen. Ähnliches passiert, wenn man vor Schwermetallen in Pilzen warnt (Stichwort Agaricus, vor allem gilbende Arten). Auch da kenne ich den selben Tenor. Zu Studien, Inhaltsstoffanalysen, Wirkung von Cadmiumionen im Körper kein Wort, nur "wäre es gefährlich, wüsste man es, weil ja was passieren müsste". Und ich verstehe es ehrlich gesagt nicht. Auch da sollte es möglich sein, zu informieren, damit jeder sich selbst Gedanken machen kann. Und wenn man beispielsweise Pilzberater ist, sollte man auch wissen, welche Arten stark caesium- oder cadmiumbelastet sind (ersteres wg. Radioaktivität, letzteres wegen der unterschwelligen Toxizität). Ich kenne aber den Gegenwind, wenn man aus Fachliteratur zitiert.


    Diese - sorry - Unkultur, statt zu diskutieren immer die gleiche Scheinargumentation zu bringen, findet man eben bei vielen Themen. Und wenn sich dann mal rausstellt, dass sich ein Risiko, das man früher annahm, als doch harmlos heraustellt, kommt dann "habe ich doch gesagt, habe ich schon immer gewusst, den Wissenschaftlern/Medizinern (beliebig ersetzbar) kann man nicht trauen, immer jagen sie eine neue Sau durchs Dorf".


    Das bezieht sich alles nicht auf Peter, er hat hier ja nur auf die Austern reagiert. Verstehen kann ich seine Rhetorik dennoch nicht. Muss ich auch nicht. Es ausdrücken, dass mich sowas durchaus verstört, aber schon. Und ich denke, er hält das auch aus bzw. hoffe es. Ich meine es nicht böse und ich will ihm auch nichts Böses unterstellen.


    Naja, wie auch immer. Ich gönne jedem die Zucht bei sich daheim. Und ich weiß, wie gut die Austern schmecken. Und ich kenne im Freundeskreis jemanden, der die Austernzucht aufgegeben hat, weil so viel wuchs, dass er / seine Familie gar nicht so viel essen konnten und sie irgendwann nicht mehr sehen konnten. Ach ja, das war im Garten, outdoor, wo sich die Sporen völlig ausdünnen und war auf Strohballen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servis Ingo,


    oh, das ist ja interessant. Ich habe bisher nur die reinen Nostoc-Glibberkolonien mikroskopiert - und da sehen die Nostoc-Ketten völlig anders aus, fast farblos (dafür mit schönen Heterocysten). Ich dachte auch, auf den Fotos an einer Stelle Chloroplasten gesehen zu haben. Dann ist das nur ein Unterschied in der Chlorophyllmenge, was man bei der Kette, die du rausvergrößerst zeigst, auch sieht - diese "grüne Klumpung". Dass Nostoc auch so stark durchgefärbt sein kann (als Zellen), war mir nicht klar. So lernt man dazu, cool.


    Das heißt, ich muss unbedingt mal ein paar Peltigeras selber mikroskopieren und mir das mal anschauen.


    Liebe Grüße,

    Christoph