Trotzdem ist es doch so, dass man Naturschutz nur gemeinsam betreiben kann, nicht gegen die Landwirte.
Servus Bernd,
ich denke, das bestreitet hier niemand. Die Rechtslage ist etwas, was wir nur sehr indirekt ändern können. Was die individuelle Vergütung angeht, wenn man als Landwirt eine wertvolle Fläche besitzt und sie deshalb wertvoll ist, weil man sie entweder selbst aus der Nutzug genommen hat oder die Nutzung so betreibt, dass sie schützenswert wurde oder zumindest blieb, kann man sicher vieles Verbessern. Da verstehe ich deinen Punkt selbstredend.
Es gibt Subventionen, wenn man Intensiväcker mal für ein oder zwei Jahre brach fallen lässt, um sie später dann doch wieder intensiv zu nutzen. Andernorts fehlt Geld, um Besitzer wertvoller Flächen zu belohnen. Das ist aber alles höhere Politik und die in einem Pilzforum zu diskutieren, führt oft genug zu politischen Lagerkämpfen. Wir haben eine starke Landwirtschaftslobby. Dass sich die in erster Linie für Großbetriebe einsetzt, ist eben auch unabhängig von dem akuten Problem hier mit dem kleinen Wiesenfleckerl im Dorf.
Nein, es wird getan, als käme die Art vom Himmel, der Bauer doof und jetzt kommt der Fachmann (oft genug nur bambiökologischer Ornithologe) und erklärt die Welt.
Unabhängig von deinen persönlichen Erfahrungen ist diese Verallgemeinrung – sorry – polemisch. Wenn man es allgemeiner formuliert, ohne eine Seite herabzuwürdigen, verstehe ich deinen Punkt ebenfalls. Es ist der immer wieder autretende Konflikt zwischen Praxis und akademischer Meinung. Oft gibt es hier einfach nur Kommunikationsprobleme, die beiden Seiten verstehen sich nicht. Wir leben zudem in einer Gesellschaft, in der ein "Studierter" abgewertet wird, weil man es selber immer besser weiß. Auf der anderen Seite gibt es auch unglaublich sture Landwirte. Meine Erfahrung ist aber, dass, wenn man miteinander redet, manche Sturheit nur ein Abblocken war. Wirklich "stur" sind wohl eher große Betriebe, die rein betriebswirtschaftlich denken und denen der Wert einer Fläche egal ist. Wie auch immer, hier kann man viele Gemeinplätze austauschen, ohne dass es viel bringen wird. Sowas muss man direkt an einem gemütlichen Abend besprechen und nicht in einem Forum schriftlich machen. Bringt meist wenig, ist meine Erfahrung.
Christoph, wie oft hast du dich bisher mit dem Besitzer/Nutzer beraten, bevor du eine Entscheidung getroffen hast, ob "publik oder unter dem Radar"? Das dürfte bei 0 liegen.
Da du mich konkret ansprichst und gleich eine Antwort selbst gibst... Du hast vielleicht ein falsches Bild von mir. Ich bin Biologe, bin Vorstand der BMG und engagiere mich seit vielen Jahren für die Pilzkunde. Ich habe im Bereich Pilzökologie promoviert und habe meine Dissertation über den Einfluss verschiedener Waldnutzungsformen auf die Funga im Bayerischen Wald geschrieben. Durch meine Ausbildung sehe ich mich in der Lage, auch im Namen der BMG, Gutachten zu erstellen, wenn es um Naturschutz geht. Oft passiert das nicht, da Pilzschutz wenig im Fokus steht.
Beispiel: Nationalkpark Bayerischer Wald – Interessenskonflikt Loipen durch ein Urwaldgebiet (Tourismus) und Erhalt des Urwaldgebiets (Nazurschutz). Ist einige Jahre her. Es war angedacht, im Urwald Wegesicherung auszuführen (Bäume zu fällen, Totholz zu entfernen), damit die Loipe weiter genutzt werden kann. Alternative: Verlegung der Loipe. Ergebnis: die Loipe wurde verlegt.
Oder das Beispiel der Stromtrasse durch einen wertvollen Waldbestand. Ich kann in so einem Fall das Pilzvorkommen bewerten und meine Meinung äußern. Die Entscheidung kommt dann vom Eigentümer und/oder einem Gericht, falls jemand klagt.
Ich bin aber niemand, der auf privaten Flächen gezielt nach Rote-Liste-Arten sucht, um dann dem Besitzer seine Fläche zu "entwerten". Ich habe einen Vollzeitjob, ich bestimme gerne Pilze, ich bin Präsident der BMG, ich habe gar nicht die Zeit. Aber ja, ich rede gerne mit Grundbesitzern, wenn ich sie denn treffe. Sonst erfahre ich es ja nicht. Mich hat mal ein Waldbesitzer "verfolgt", als ich mit Stativ und Kamera in seinen Wald ging. War nach erster Unfreundlichkeit seinerseits (Verdacht, ich wolle sonstwas tun) ein sehr nettes Gespräch. Ich habe ihm seltene Arten genannt, die dort vorkommen und er fand das toll. Er nutzt auch nur extensiv, weil er den Betsand eh schützen will. Ideal sowas.
Was mein Beispiel mit "unter dem Radar" betrifft, ging es um einen potentiellen Flächenankauf. Und da berät man sich erst unter der Hand, kennt wer den Beitzer, wie ist der so drauf? Lohnt es sich zu fragen oder nicht? In dem Fall haben wir uns entschieden, es unter dem Radar laufen zu lassen. Mit "publik" machen, meinte ich, mit dem Besitzer verhandeln, abkaufen und dann die Fläche zu schützen und das dann publik zu machen.
Mein Eindruck ist, dass die Agrarlobby weit mehr Einfluss hat als die Umweltschutzlobby. Aber das ist erstmal völlig unabhängig von solchen Einzelfällen. Polemik hilft aber nicht weiter. Weder auf der einen Seite noch auf der anderen. Besser wäre es, es gäbe keine Seiten, aber die Welt ist nicht ideal. Wenn es um Geld vs. Schutz geht, hat man immer einen Interessenskonflikt und damit zwei Seiten. Und das meine ich wertneutral. Es ist halt so. Hier konkret bin ich für den Erhalt der kleinen Wiese, bin aber nicht direkt involviert.
Liebe Grüße,
Christoph