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letzter Beitrag von Beorn am

Das Eschentriebsterben und die Zukunft der Speisemorchel


  • Hallo liebe Pilzfreunde,


    wir sind ja jetzt doch schon einige Jahre unterwegs und was uns vor allem im Zeitraum April / Mai 2019 bis jetzt aufgefallen ist, ist der immer schneller fortschreitende Verfall aller Eschenbestände in unserer gesamten Region (Landkreis Mühldorf / Altötting in Oberbayern).


    Egal ob am Straßenrand, am Feldweg oder direkt im Auwald - überall sterben uns die Eschen in einem wirklich rasanten Tempo weg. Alleine in unserem Lieblings-Morchelwald sind insgesamt sicher 60-70% aller Eschen in den letzten zwei Jahren umgestürzt oder sicherheitshalber gefällt worden und von den restlichen 30-40% sind sicher mehr als 70-80% sterbenskrank.


    Da wir bei uns in der Region in den letzten Jahren die Speisemorcheln (Morchella esculenta & Morchella vulgaris) ausschließlich am Fuße alter Eschen gefunden haben, fragen wir uns, ob die beiden Morchelarten ohne Eschen überhaupt noch eine Chance haben in unserer Region zu überleben. Wie seht Ihr das?


    Glaub Ihr die Eschen schaffen es sich in den nächst 50-100-150 Jahren nochmal zu erholen, oder ist es wahrscheinlicher, dass sie durch andere Arten verdrängt werden?


    Wir sind gespannt auf eure Ansichten zum Thema.


    Veiel Grüße


    Melanie, Julian, Leon und Michael


  • Hallo Ihr Drei edit: Ihr Vier!

    Hmm, wie es sich mit den Morcheln und den Eschen genau verhält, weiß ich leider nicht. Also, ob sie auch noch andere Partner in diesem Ausmaß mögen.


    Also die einzigen Morcheln in ansprechender Zahl die ich jemals hatte habe ich auf einer Streuobstwiese bei Apfelbäumen gefunden, weitab der nächsten Esche.


    Es wird vielleicht eine Verschiebung der Vorkommen geben, von einem Wirt zu einem anderen?

    Die gleiche Frag wie Ihr sie zu den Morcheln stellt stellen Andere ja auch zu den Steinpilzen im sterbenden oder gefällten Fichtenwald...


    Ich denke, mal ganz im großen Maßstab gesehen, werden die Pilze, die es schon seit Urzeiten gibt, es auch über diese Kathastrophe schaffen und sich andere Lebensräume bzw. -partner erschließen.

    So ein „kleines Bäumesterben“ ist gegen andere Unbilden der Natur, wie Mega-Vulkanausbrüche oder Meteoriteneinschläge, die dann die Welt völlig verändern, ein eher vorübergehendes kleines Problem.


    Für uns als Pilzsammler sind das aber Zeiträume, in denen wir nicht denken. Naturgeschichtlich jedoch nur ein Wimpernschlag, so ein Menschenalter von z. B. 80 Jahren....

  • Hallo, da das Eschensterben ja aus dem Baltikum gekommen sein soll - wenigstens hat es hier früher angefangen - sind wir im Verlauf natürlich auch weiter. Ja, es sind viele Eschen umgefallen, aber in den wenigsten Beständen alle. Und man sieht neben dem, was übergeblieben ist, überall jede Menge junge Eschen, zum Teil an völlig verqueren Stellen, z.B. mitten zwischen den Pionierkiefern auf Sand. Man sieht auch von diesen jungen Eschen welche, die schon umliegen, und wo es so aussieht, als wären die Wurzeln genauso weggefault - was allerdings nicht wirklich verwundert, wenn die sich anmaßen auf Sand wachsen zu wollen. Ich sehe keinen Grund zur Panik, die wachsen schon wieder.

    LG, Bernd

  • Hallo Ihr drei,

    ich sehe das so ähnlich wie Tuppie. Sie scheinen ja nicht zwingend an Esche gebunden zu sein. Ob sie nun eine Mykhorizza eingehen, saprob oder gar parasitisch leben ist ja auch nicht zu 100% geklärt. Oder alles drei? Z.B. geistern auf youtube Videos aus Amerika herum, in denen die esculenta im Garten auf Holzschnitt gezüchtet wird.

    Problematischer finde ich, dass bei uns die Eschen im Akkord geschlagen werden, weil man ja jetzt eine Begründung hat ;( Allerdigs verhält es sich auch so, dass wohl 10% der Eschen eine natürliche Resistenz haben sollen. Es gibt auch Züchtungsprogramme dahingehend, genau ebendiese resistenten Eschen gezielt zu vermehren. Aber das wird noch ein bisschen dauern, bis wir davon was merken.

    LG, Andreas

  • Ahoi zusammen!


    Morchella esculenta s.l. (Speisemorchel) ist ja nicht nur eine Art. Das ist eine Gruppe von morphologisch teils nicht wirklcih trennbaren Arten. Kann sein, daß die eine oder andere aus der gruppe auch eine ziemlich spezifische Bindung an Gewächse der Gattung Fraxinus hat.

    Die wäre dann vermutlich weg, falls es Hymenoscyphus pseudoalbidus (mit tatkräftiger Unterstützung von eifrig durch die Holzlobby als Umweltschutz umgelogenem Eschenfällen) tasächlich schaffen würde, die Eschenbestände in Mitteleuropa so zu schwächen, daß sie aussterben würden.

    Was selbstverständlich nicht passieren wird, wenn man die verbliebenen Eschen einfach stehen ließe (abgesehen von Fällungen, wo abgestorbene und absterbende Bäume tatsächlich unmittelbar die Wegesicherheit bedrohen).



    LG, Pablo.

  • Griaß eich,


    Steuobstwiesen gibt es auch bei uns. Die ähneln gut gepflegten Golfplätzen, so sauber bewirtschaften die Bauern ihre Nutzflächen. Macht also wenig Sinn, darin Speisemorcheln nachzustellen.


    Wenn ich zur Morchelernte losziehe nehme ich einen Weidekorb mit und durchstreife auch bislang unbekannte Gebiete. So trage ich zur Verbreitung der Sporen bei, mit Erfolg! Dauert 3 - 4 Jahre, dann hat man mit etwas Glück einen neuen Hotspot.

    Mitten im Wald, abseits von überlaufenen Auen, sterbenden Eschen,


    LG

    Peter

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    Es reicht ein Hut aus Zunderschwamm als Statussymbol. Brennt nur der Kopf, wenn der Blitz einschlägt.

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  • Hallo,


    es gibt bei den Morcheln viele Arten und es gibt Arten die an Bäume gebunden sind, andere die reine Zersetzer sind (und sich auch recht problemlos züchten lassen) und es gibt selbst pyrophile Arten die an Waldbrände gebunden sind.


    Mehr als das Eschentriebsterben selbst wird aber durch die "Bekämpfung" dessen zerstört. Kaum ein Eschenbestand wäre komplett dahingerafft worden, aber wenn die Forstwirtschaft ja jetzt unter dem Deckmäntelchen der Schädlingsbekämpfung möglichst viel Holz retten will, dann werden halt Eschenbestände platt gemacht wo immer möglich. DAS ist der wirklich schadende Eingriff in das System, nicht der Befall selbst. Auch wenn der zugegebenermaßen viele Biotope verändert, dann doch in einem Rahmen dass die Esche darauf reagieren könnte im Laufe der Jahre/Jahrzehnte. Aber da geht der Forstwirtschaft halt zuviel gutes Holz dabei verloren ....


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo zusammen,


    ein sehr interessantes Thema. Hoch spannend für mich die Beiträge erfahrener Forumsmitglieder zu diesem Zu lesen. Eine persönliche Einschätzung kann ich leider nicht geben. Ich beschäftige mich noch nicht so lange intensiv mit Pilzen, habe mir aber aufgrund ähnlicher Beobachtungen, die gleiche Frage schon oft gestellt. Wird es die Speisemorcheln in einigen Jahrzehnten in meiner Region noch geben? Auch ich habe Speisemorcheln bis jetzt ausschließlich in Begleitung von Eschen finden können. Ich finde es immer wieder erschreckend wenn ich sehe wie viele Eschen im Wald liegen.

    Bernd spricht von Eschen bei denen es aussähe als wären die Wurzeln abgefault. Kann jemand von euch die Ursache dieses Phänomens genauer erläutern? Bei den Eschen, die in meiner Umgebung in den Auwälder liegen, kann ich genau das beschriebene beobachten, es sieht aus als wären die Wurzeln alle in der Nähe des Stamms abgebrochen.

    Hymenoscyphus fraxineus greift ja nicht nur die Wurzeln an. Ich frag mich warum die umliegenden Bäume (für mich, kann natürlich sein, dass mir einfach der richtige Blick fehlt) noch relativ gesund aussehen.


    Was mir diesen Winter auch besonders aufgefallen ist, ich fand Samtfußrüblinge fast ausschließlich und wenn, dann oft auch in großen Mengen, an noch stehenden Eschen. Diese sahen zumindest für mich als Laie auch teilweise noch gesund aus. So eine ausgesprochene Affinität der Samtfüße zur Esche ist mir nicht bekannt. Im Auwald bei mir kommen auch die anderen Gehölze vor, die laut Literatur vom Samtfußrübling bevorzugt werden. Neben der Esche konnte ich nur einzelne Exemplare auf Holunder finden. Auch das ein Zeichen wie schlecht es den Eschenbeständen geht?
    Auffällig fand ich auch, dass die Samtfüße an den noch stehenden und nicht an den liegenden toten Eschen zu finden waren.

    Hat diesbezüglich jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht?:/


    Liebe Grüße

    Luca

  • Hallo, Luca!


    Die meisten Samtfuß - Arten (Flammulina spec.) dürften Schwächeparasiten und Folgezersetzer sein. An komplett gesunden Bäumen wirst du von denen keine Fruchtkörper finden. Wenn du also an stehenden Bäumen (Eschen oder nicht) Samtfüßchen vorfindest, kannst du davon ausgehen, daß diese Bäume bereits angegriffen / krank / gestresst sind. Egal ob man es ihnen ansonsten ansieht oder nicht.

    Die Wurzelfäule ist ein Prozess, der bei vielen absterbenden Bäumen irgendendwann einsetzt. Dafür verantwortlich sind unter anderem auch Pilze, meistens mehrere Arten, die den Baum von den Wurzeln her angreifen. Das Absterben eines Baumes ist ja immer ein Prozess von vielen Faktoren, natürlich spielen Pilze dabei eine große Rolle. Und zwar viele Pilze. Hymenoscyphus pseudoalbidus / fraxineus ist ein Faktor von Vielen. Ich finde bei mir in der Gegend an befallenen Eschen auch ab einem gewissen Stadium gerne mal Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta), und / oder Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) die den Bäumen wesentlich mehr und schneller schaden, als das Becherchen. Auch in der Folge oft zu finden sind Arten wie Fomes fomentarius, Perenniporia fraxinea, Ganoderma applanatum und australe und weitere. Diese ganzen Schwächeparasiten haben natürlich bei einem gestressten / kranken Baum viel bessere Angriffsschancen. Nur: Die grundsätzliche Ursache ist eben nicht Hymenoscyphus fraxineus / pseudoalbidus, sondern die Schwächung der Bäume an sich. Also reduzierten Wiederstandskräfte - und natürlich die Dezimierung der Bestände durch Fällen gesunder wie kranker Bäume im Unverstand (Reduzierung des Genpools = Abnahme der Wiederstandskraft und Regenerationsfähigkeit der Bestände). Veränderungen in der Bodenökologie (und ja, dazu gehört eben auch das im Boden lebende Spektrum an Pilzarten!) haben auf die Wieerstandskraft von einem Baumbestand auch immense Auswirkungen.

    Erkennbar werden diese veränderungen und ihre Auswirkungen da, wo man ein Mißverhältnis beobachten kann.
    ZB das massenhafte Auftreten einer einzelnen Pilzart, das Ausbleiben von Fruchtkörpern anderer Arten. Dazu muss man allerdings wissen, wie ein einigermaßen gesunder, ökologisch vergleichbarer Wald aussieht. Und gesund beutet nicht, daß nicht auch da Bäume umfallen können, auch mit ausgefaultem Wurzelballen - das ist ebenso normal wie das Austreiben junger Bäume. Das eine geht ohne des andere nicht. Erst wenn eines massenhaft zu beobachten ist, dann stimmt was nicht.


    Achja, und wenn die Baumstämme nicht mit ausgebrochenem Wurzelballen im Wald, sondern in Reih und Glied massenhaft abgesägt am Wegrand liegen, es aber alles kaum geschädigte Stämme einer einzigen, gefährdeten Art (Esche!) sind, dann ist das ein besorgniserregender Mißstand, nicht die paar umgekippten Stämme im Wald.



    LG; Pablo.

  • Hey Pablo,


    vielen Dank für deine Antwort. Das war mir gar nicht so bewusst, dass der Mensch mit dem rücksichtslosen Fällen den größten oder zumindest entscheidenden Beitrag zur Gefährdung der Esche leistet. In meiner Umgebung ist mir bis jetzt nur das stellenweise immense Ausmaß an abgestorbenen Eschen aufgefallen. Der Kahlschlag erfolgte (noch) nicht. Da bleibt wohl nur zu hoffen, dass nicht auch bei mir alle Eschen abgeschlagen werden und sich einige resistente oder weniger anfällige Individuen durchsetzen können.


    Gruß

    Luca

  • Hallo, Luca!


    So wie das bei dir läuft, sollte es eiegntlich überall sein. Dann haben die Bäume eine Chance, daß sich resistente Individuen durchsetzen und fortpflanzen. Weil eben ohne tiefgreifenden Kahlschlag auch die Bodenökologie weitgehend unangetastet bleibt.
    In einigen gegenden bei mir sieht man die Eschen übrigens durchaus im Kampf, aber die sind nicht immer chancenlos. Manche Bäume scheinen erfolgreich gegen die Pilzinfektion ankämpfen zu können, jedenfalls kenne ich einige ältere Eschen, die noch vor drei Jahren elend aussahen, und mittlerweile wieder deutlich mehr Blätter austreiben können.



    LG; Pablo.


  • Servus Andreas,


    könntest du bitte dazu ausführlicher schreiben? Reine Zersetzer sind für mich RiMuMo. Wodurch unterscheiden sich die von pyrophilen Arten?

    Spannender ist aber die Frage, welche Arten an welche Bäume gebunden sind,


    LG

    Peter

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  • Hallo liebe Pilzfreunde,,

    was ihr so schreibt ist höchst interessant.

    Diese Zusammenhänge zwischen dem Eschensterben, der gierigen Holzwirtschaft und unserem gemeinsamen Interesse an den Pilzen.

    So ein Thema wäre etwas für die öffentlichen Medien wie Fernsehen, Zeitungen und so.

    Dann würden mit etwas Glück auch mal an den richtigen Stellen die Augen auf gehen.

    Aber so lange das liebe Geld die Welt regiert wird sich wohl nichts ändern.

    Gruß André

  • Hallo Peter,


    es gibt mittlerweile reichlich Literatur zu Morcheln. Weiterführend ist z.B. (nach Erscheinungsjahr sortiert):


    Buscot F, Roux J (1987) Association between living roots and ascocarps of Morchella rotunda. Transactions of the British Mycological Society 89(2): 249-252.

    Buscot F, Kottke L (1992) The association of Morchella rotunda (Pers.) Boudier with roots of Picea abies (L.) Karst. New Phytologist 116: 425-430.

    Clowez P (1997) Les morilles de stratégie pérenne et colonisatrice: relations avec certaines arbres et plants mellifères d'apparition spontenée en France. Etude comportementale. Documents mycologiques 27(107): 15-29.

    Kellner H, Renker C, Buscot F (2005) Species diversity within the Morchella esculenta group (Ascomycota: Morchellaceae) in Germany and France. Organism, Diversity and Evolution 5: 101-107.

    Masaphy S et al. (2010) The Complexity of Morchella systematics: A case of the yellow morel from Israel. Fungi 3(2): 14-18.

    O'Donnell et al. (2011) Phylogeny and historical biogeographie of true morels (Morchella) reveals an early Cretaceous origin and high continental endemism and provincialism in the Holarctic. Fungal Gentics and Biology 48: 252-265.

    Clowez P (2012 "2010") Les morilles. Une nouvelle approche mondiale du gerne Morchella. Bulletin de la Société mycologique de France 126: 199-376.

    Du X-H et al. (2012) How well do ITS rDNA sequnces differenciate species of true morels (Morchella)? Mycologia 104: 351-1368.

    Kuo M et al. (2012) Taxonomic revision of true morels (Morchella) in Canada and the United States. Mycologia 104: 1159-1177.

    Richard F et al. (2015) True Morels (Morchella, Pezizakes) of Europe and North America: Evolutinary relationships inferred from multilocus data and a unified taxonomy. Mycologia 107(2): 359-382.

    Li Q, Xiong C, Huang W, Li X (2017) Controlled surface fire for improving yields of Morchella importuna. Mycological Progress 16: 1057-1063.

    Liu Q, Ma H, Zhang Y, Dong C (2017) Artificial cultivation of true morels: current state, issues and perspectives. Critical reviews in Biotechnology 32(8): 259-271.

    usw. usw.


    Gerade frisch erschienen ist ein Buch über Morcheln:

    Clowez P, Moreau P-A (2020) Morilles de France et d'Europe. Verlag Cap Régions Éditions, Noyon, 370 S.

    Dort ist natürlich auch die gesamte wichtige Literatur gelistet.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Ich denke, mal ganz im großen Maßstab gesehen, werden die Pilze, die es schon seit Urzeiten gibt, es auch über diese Kathastrophe schaffen und sich andere Lebensräume bzw. -partner erschließen.

    So ein „kleines Bäumesterben“ ist gegen andere Unbilden der Natur, wie Mega-Vulkanausbrüche oder Meteoriteneinschläge, die dann die Welt völlig verändern, ein eher vorübergehendes kleines Problem.

    Hallo an alle,

    ich sehe es tatsächlich nicht so gelassen wie Tuppie.


    Sicher stimmt es, dass das Eschentriebsterben im Vergleich zu einem Meteoriteneinschlag oder dem aktuellen, menschgemachten Klimawandel nur einen geringeren Schaden verursachen kann, schon weil Eschen nur 2% des Baumbestandes in DE ausmachen. Das ändert aber nichts daran, dass durch die plötzliche Dreifach-Kalamität (Stängelbecherling, Eschenprachtkäfer, Förster) dieser Art auch Ihre Symbiosepartner vom Aussterben gefährdet sind, und laut Wikipedia sind mit Eschen immerhin rund 1000 Arten vergesellschaftet (meist Insekten, Pilze, Flechten). "Die Pilze, die es schon seit Urzeiten gibt" werden natürlich auch in einem neuen, anderen Wald an diesem Standort leben, aber eben nicht mehr die gleichen Arten - die sind dann einfach ausgestorben.


    Dass sich ein an die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) gebundener Pilz mal eben "einen anderen Lebenspartner erschließt", so funktionioniert die Evolution einfach nicht. Es sei denn, die Forstwirtschaft käme auf die Idee, asiatische Eschenarten als Ersatz anzupflanzen, weil die Züchtung resistenter Fraxinus excelsior zu lange dauert. Ich persönlich würde davon nichts halten, denn die ökologischen Folgen sind nicht abzuschätzen. Tatsächlich wird vom Forst aber ganz im Ernst mit dem amerikanischen Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) eine Magnoliacee als Ersatz für Eschen-Standorte ins Spiel gebracht. Siehe 180201steckbrief.pdf , Seite 60

    Davon hat die heimische Funga (vielleicht bis auf ein paar Glomerales, also Arbusculäre Bodenpilze) ziemlich sicher gar nichts.


    Gruß,


    Wolfgang



  • Servus Andreas,


    danke für deine Literaturhinweise. Das Buch Morilles de France et d'Europe ist in deinem Myko-Service gelistet, ich werde es aber mangels Französischkenntnissen nicht bestellen.

    Morchella esculenta s.l. finde ich auch bei Fichte und Hasel, im Umkreis bis zu 20 m stand bisher immer eine Esche. Meine Amateurfrage lief darauf hinaus, ob für M. esculenta eine Mykorrhiza mit Esche oder anderen Bäumen (zB in Streuobstwiesen) dokumentiert wurde.


    Wolle mit Pilzen zu färben traue ich mir zu, Färben - Andreas Gminder, danach wird's zappenduster. 'Zwei glatt, zwei verkehrt, eine fallen lassen' habe ich meine Mutter sel. noch im Ohr,


    LG

    Peter

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  • Hallo Peter,


    von den "Morilles de France et d'Europe" soll es im Laufe dieses Jahres auch eine englische Übersetzungen geben.


    Björn



    Servus Björn,


    danke für deinen Hinweis & Link. Die Originalausgabe könnte ich mir leisten, 79 Euronen zzgl. Versandkosten.

    € 240,00 für die englische Übersetzung ist mir meine laienhafte, simple Frage nicht wert.

    Die wird mir zum Nulltarif beantwortet werden, blöderweise habe ich hier an der falschen Tür angeklopft.


    LG

    Peter

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    + 5 ausm APR = 42

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    27 -10 für APR 2020 = 17 + ein Kerzenstummel

  • Hallo Peter,

    ich glaube, die Frage der Mykorhizza kann man werder mit einem eindeutigen "ja" noch einem kompletten "nein" beantworten.


    Zitat aus Die Speisemorchel und ihre Verwandtschaft:

    "Ein primärer Laubwaldbewohner, hat die Speise-Morchel eine deutliche Vorliebe für Eschen. Den Grund für diese Affinität betreffend, ist die Fachwelt geteilter Meinung. Einige vermuten

    eine Symbiose zwischen Pilz und Baum (Mykorrhiza), andere wiederum machen das kaliumreiche Bodenmilieu unter Eschen geltend. Hierfür spräche auch das relativ häufige Auftreten in alten Obstgärten, denn Fallobst zeitigt nach Jahrzehnten gleichfalls ein kaliumreiches Milieu. Die Wahrheit dürfte, wie so oft, in der Mitte liegen. Tatsächlich scheint es sich um einen

    sogenannten fakultativen Mykorrhizabildner zu handeln, einen Pilz also, der es sich quasi aussuchen kann, ob er sein Dasein lieber mit oder ohne Partner fristet."


    Oder aus Ecology and management of morels harvested from the forests of western North America:


    "Hobbie and others (2001) provided additional circumstantial evidence that morels might use both saprobic and mycorrhizal nutritional strategies. They studied isotope ratios in a variety of fungi noting that: “In general mycorrhizal fungi are enriched in 15N and depleted in 13C relative to saprobic fungi.” The Morchella specimens they sampled yielded intermediate values.

    A not-yet-tested hypothesis is that morels, by forming mycorrhizae, might also be positioning themselves to rapidly decompose the fine root tips of trees when these roots senesce or the tree dies. Abundant morel fruiting following tree death could be facilitated by such a flush of nutrients (Dahlstrom and others 2000, Pilz and others 2004, Vrålstad and others 1998)."


    Grüße, Andreas

  • Servus Björn,


    aus deinem Link werde ich nicht schlau. Insbesondere bei 240 € Euro ______ 5 Unterstützer.

    Lässt sich nicht anklicken,



    Eine Übersetzung ins Deutsche ist nicht angedacht?


    @Liebe Alle,


    eine einfache Antwort auf meine Frage ist nicht möglich, o.k. Mit dieser vereinfachten Version kann ich gut leben,


    Andere Erklärungen für das häufige Vorkommen von Morcheln in Verbindung mit einem Wirt sind die Bereitstellung eines günstigen organischen Substrats durch die Zersetzung von Blättern oder Wurzeln.

    Es kann auch vorgeschlagen werden, dass Morcheln kohlenstoffhaltige Verbindungen aus der Rhizosphäre von Begleitpflanzen nutzen. Diese Hypothese stimmt eher mit den saprotrophen Eigenschaften der beiden entschlüsselten Morchelgenome überein als mit einer symbiotischen oder pathogenen Assoziation. Die Verwirrung, die derzeit über den trophischen Status von Morcheln besteht, ist hauptsächlich auf die fehlende molekulare Bestätigung der ältesten Studien zurückzuführen.

    Quelle: "Morilles de France et d'Europe"


    LG

    Peter

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    47 - 10 für APR 2019 = 37,000

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    22. Ingo mag nicht, = 27.

    27 -10 für APR 2020 = 17 + ein Kerzenstummel

  • Hallo Peter,


    das folgende Zitat ist aus der ersten Datei: "Ein primärer Laubwaldbewohner, hat die Speise-Morchel eine deutliche Vorliebe für Eschen. Den Grund für diese Affinität betreffend, ist die Fachwelt geteilter Meinung. Einige vermuten eine Symbiose zwischen Pilz und Baum (Mykorrhiza), andere wiederum machen das kaliumreiche Bodenmilieu unter Eschen geltend. Hierfür spräche auch das relativ häufige Auftreten in alten Obstgärten, denn Fallobst zeitigt nach Jahrzehnten gleichfalls ein kaliumreiches Milieu. Die Wahrheit dürfte, wie so oft, in der Mitte liegen. Tatsächlich scheint es sich um einen sogenannten fakultativen Mykorrhizabildner zu handeln, einen Pilz also, der es sich quasi aussuchen kann, ob er sein Dasein lieber mit oder ohne Partner fristet."


    Den folgenden Text habe ich aus der zweiten Datei auf die Schnelle rauskopiert:

    "Morels were originally thought to be saprobic (decomposing dead organic matter) because tested cultures grow rapidly in pure culture on simple nutrients such as starches, sugars, and nitrates (Robbins and Hervey 1959) and can be induced to fruit without association with plant hosts. Mycorrhizal fungi, by contrast, grow more slowly in pure culture and do not fruit without forming a symbiosis with their host plants. Moser (1949) suggested that some morels might have the ability to form mycorrhizal symbioses with trees or at least to form mycorrhiza-like structures. Assuming that this relationship is optional for morels that also have saprobic abilities, this form of symbiosis has been called a “facultatively mycorrhizal” nutritional strategy.

    Trappe (1996) discussed the nature of mycorrhizal symbioses and noted that both the structure and function of mycorrhizae are important characteristics. Each can vary with such factors as the species involved, their developmental stage, the nutrient status of each partner, seasonal shifts in their nutrient allocation patterns, and the specific soil environment. These factors create a shifting spectrum of relative advantages and disadvantages to the fungus and plant symbionts. Johnson and others (1997) provided a chart of relative benefits and costs to both fungus

    and host along a spectrum from mutualism to parasitism, but recognized that net benefits and costs can change over time as circumstances change for each symbiont. Not only is it inappropriate to assume that both partners benefit equally, but the observable structure of a mycorrhiza does not necessarily correspond to its functions. We note these caveats because most tested morels have the saprobic abilities noted above, morel mycorrhizae sometimes exhibit weakly developed structural features,16 few studies have examined benefits to the trees, and some morels form a different type of association with the larger roots of some plants (see the following section on muffs). Buscot and Kottke (1990) and Buscot (1992a, 1992c) described ectomycorrhizae17 on Norway spruce associated with M. rotunda, M. esculenta, and M. elata. Subsequently, Buscot (1994) described seven types of morel mycorrhizae with Norway spruce. In these descriptions, Buscot noted that M. esculenta mycorrhizae featured minimal development of a Hartig net18 and suggested that other bacteria and fungi might be involved in facilitating the symbiosis (Buscot 1992c). With M. elata, Buscot (1992a) reported that morel mycorrhizae only formed as a “secondary” mycorrhizae after replacing previous mycorrhizae formed by other fungi. Harbin and Volk (1999) reported that M. esculenta and M. elata were facultatively mycorrhizal with apples, elms, and black spruces. They reported formation of typical ectomycorrhizae and noted that inoculated seedlings grew more than noninoculated control seedlings. Although apples and elms are not common hosts of ectomycorrhizal fungi, they can be (Molina and others 1992), and morels certainly fruit in proximity to these trees. Dahlstrom and others (2000) reported that mountain blond morels and natural black morels from the Pacific Northwest formed several typical mycorrhizal structures (ecto- and ectendomycorrhizal) with ponderosa pine, Douglas-fir, western larch, and lodgepole pine. To date, we know of no reports of

    fire morels being tested for their ability to form mycorrhizae. Hobbie and others (2001) provided additional circumstantial evidence that morels might use both saprobic and mycorrhizal nutritional strategies. They studied isotope ratios in a variety of fungi noting that: “In general mycorrhizal fungi are enriched in 15N and depleted in 13C relative to saprobic fungi.” The Morchella
    specimens they sampled yielded intermediate values. A not-yet-tested hypothesis is that morels, by forming mycorrhizae, might also be positioning themselves to rapidly decompose the fine root tips of trees when these roots senesce or the tree dies. Abundant morel fruiting following tree death could be facilitated by such a flush of nutrients (Dahlstrom and others 2000, Pilz

    and others 2004, Vrålstad and others 1998)."

    Grüße, Andreas

  • Hallo, Andreas!


    Ich vermute mal, daß du >diesem Bug< zum Opfer gefallen bist. Darum habe ich deine legtzten drei Beiträge wieder hergestellt (einer war doppelt, das Duplikat natürlich nicht).
    Sind ja gute und wichtige Beiträge von dir, die sollten schon auch gelesen werden, denke ich.
    Falls dir das nochmal passiert, bitte wie im Link auch beschrieben per PN bei mir, Climbingfreak oder JanMen melden (am besten alle drei gleichzeitig antexten), damit wir das korrigieren können.



    LG, Pablo.

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