Beiträge von Wolfgang P.

    Hallo Du der sich nicht einmal Zeit für Anrede und Grußformel nimmt,


    ein Champignon (Agaricus) ist das sicherlich, aber ebenso sicher ist es kein Wiesenchampignon. In Frage kämen z.B. der Anis-C. (A. arvensis) oder der Großsporige C. (A. urinascens). Der Geruch würde sie unterscheiden.


    Eine Bildbestimmung ist keine Essensfreigabe, und es gibt auch giftige Champignons.


    Viele Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Harald,


    wenn Du nicht diese Gelegenheit nutzen willst, Deine Laborausrüstung zu vervollständigen, kannst Du auch im Supermarkt in der Backabteilung ein Tütchen Hirschhornsalz kaufen und auf einen halben Teelöffel jeweils ein paar Tropfen hochprozentige KOH (das hast Du doch sicherlich?) drauftropfen. Damit treibst Du den Ammoniak aus dem Ammoniumcarbonat.


    Die Grünfärbung an den Lamellen ist wirklich spektakulär, daran erinnere ich mich jetzt noch - viele Jahre später.

    Ob das am Exsikkat auch noch klappt, weiß ich aber nicht.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Steffen,


    zu solchen Tabellen gibt es ganze Bücher.

    Es ergibt nur so herum keinen Sinn.


    Für uns Freizeitmykologen geht es meist um eine Artbestimmung, und chemische Reaktionen interessieren nur als ein Bestimmungsmerkmal, eines unter vielen.


    Deswegen ist es nützlicher, von der Gattung her zu kommen, und innerhalb einer Artengruppe zu lernen, welche Arten z.B. mit KOH stark gelb oder rot färben, und welche schwach. Und ob die Reaktion eine echte Zusatzinformation liefert oder z.B. mit der Sporenform oder der Hutfarbe korreliert.


    Was unter einer starken und was unter einer schwachen Reaktion zu verstehen ist, und welche Konzentration an KOH optimal ist, ist ebenfalls abhängig von der Artengruppe.

    Deswegen sind die chemischen Reaktionen in die jeweiligen Bestimmungsschlüssel integriert.


    Aber Du musst Dich in jeder Artengruppe an die genaue Verfahrensanleitung halten, sonst kommst Du zu falschen Ergebnissen. Guajak wird z.B. an der Luft immer irgendwann blau. Diese Information ist also wertlos. Es gibt aber Täublingsarten mit einer hohen Konzentration an Oxidasen, an deren Fleisch wird Guajac in Bruchteilen einer Sekunde tintenblau. Das ist dann relevant.


    Wie müsste jetzt Deine Tabelle aussehen, die das alles berücksichtigt?


    Grüße,


    Wolfgang

    Könnte ich mein Leben lang keine Pilze mehr sammeln?

    Hi Finalforce,

    na, wenn Dein Leben dann nicht so kurz wird, dass Du bis zuletzt Pilze sammeln konntest

    ;)


    Mal im Ernst: bei einem AKW sind die Hauptgefährdungen durch Strontium-90 und Caesium-137 mit jeweils etwa 30 Jahren Halbwertszeit (übrigens noch mehr bei den neuen, jetzt öfter mal als "ungefährlicher" bezeichneten Reaktortypen). Diese Stoffe sind eben genau wegen der mittleren Lebensdauern ein großes Problem, wenn man die ersten paar Tage mit radioktivem Jod irgendwie überbrücken konnte.


    Bei dem Fallout einer Atombombe hast Du es überwiegend mit sehr viel kurzlebigeren Isotopen zu tun (Minuten, Stunden), andererseits auch mit ganz langlebigen und dafür weniger stark strahlenden Isotopen wie von Uran und Plutonium (da auch bei einer "schmutzigen Bombe"). Uran und Plutonium verhalten sich in der Natur total anders als Caesium, werden fester im Boden gebunden, von anderen Organismen angereichert.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Klaus,

    wenn Du ein Judasohr unter dem Mikroskop betrachtest, kannst Du eigentlich immer die ganze Bandbreite an Mikroben bewundern: Bakterien, Algen, sonstige Einzeller. Eigentlich ist ein Judasohr ein freilebender Agar-Nährboden.


    Guten Appetit (wer's mag...)!


    Grüße,

    Wolfgang

    Ich wurde schon von vielen Seiten gefragt, ob ich nicht PSV werden möchte. Meine Antwort ist nein. Wenn ein PSV der DGfM selbst entscheiden kann, ob es Heilpilze gibt. dann läuft etwas schief!

    Hallo Uwe,


    wenn die PSV bezahlte Angestelle einer Organisation wären, könnte ich dieser Ansicht vielleicht mehr abgewinnen. Tatsächlich sind es Vereinsmitglieder, die sich ehrenamtlich engagieren, und zwar zu einem anderen Themenkomplex, nämlich Gift- und Speisepilze.


    Würde ein PSV eine Knollenblätterpilz-Therapie empfehlen, wäre er seine Listung als PSV und damit den Versicherungsschutz sicher los (geprüfter PSV der DGfM dürfte er sich vermutlich immer noch nennen, denn die Prüfungsurkunde verliert dadurch nicht die Gültigkeit, und PSV ist kein geschützter Begriff).


    Aber schon bei Speise- und Giftpilzen gibt es allerlei Grauzonen, die "die DGfM" (gemeint sind hier vermutlich die Mitglieder des zuständigen Fachausschusses Toxikologie) gar nicht verbindlich regeln KANN, weil es zuwenig belegbare Fakten zur Essbarkeit einzelner Arten gibt.


    Zu dem Beispiel oben:

    Die Aussage, dass Birkenporling bei Heliobacter-Infektion hilft, würde vermutlich beim FA Tox noch wenig Widerspruch erzeugen. Das Problem ist eher, dass weder die Dosierung noch die Nebenwirkungen und damit mögliche Kontra-Indikationen bekannt sind. Denn "wenn ein Stoff keine Nebenwirkungen hat, sollte man an seiner Hauptwirkung zweifeln" (leider weiß ich nicht mehr, wen ich da gerade zitiere).


    Zurück zu Deinem Punkt: wenn Du Dich als PSV engagierst, tust Du das für Dich und für die Gesellschaft. Die DGfM kann Dich dabei nur ein wenig unterstützen, sollte Dich m.E. aber nicht unnötig maßregeln.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Martin,

    in Bild 11 zeigst Du nicht nur 1 Basidie, sondern es ragen rechts oberhalb auch die beiden Sterigmen einer zweiten 2-sporigen Basidie in die Schärfenebene. Die Zweisporigkeit ist also wahrscheinlich, normalerweise hätte ich das Präparat aber gründlich nach 4-sporigen Basidien abgesucht. Rechts unten in Bild 11 könnte übrigens eine Spore sein.


    Dass Hohenbuehelien verzweigte Cheilos mit mehreren Köpfchen machen, ist normal und wohl kein Unterscheidungsmerkmal zwischen den in Frage kommenden Arten.


    Wenn Du nächste Woche nochmal reifere Exemplare nachsammelst und mir zusendest, würde ich mir den sehr gerne angucken.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hi Martin,

    Passt Hohenbuehelia approximans zu den Bildern?

    naja, ich finde es passt nur so mittelmäßig, Dein Pilz hat anders geformte Metuloide, und wir wissen immer noch nicht, wie bei Deinem Pilz die Sporen aussehen.

    Außerdem zeigst Du eine 2-sporige Basidie, aber approximans soll 4-sporig sein.


    Man müsste dann doch mal genauer in die Monographie gucken, und/oder eine Gensequenz machen, denn immerhin wäre das ein Erstfund für Deutschland.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Martin,

    Auf dem letzten Bild zeigst Du dunkel inkrustierte Hyphen (also Farbstoff-tragende Auflagerungen auf den Zellen) - stammen die vom Stiel oder aus der Huthaut?

    Die Pigmentierung ist auf jeden Fall ein wichtiges Merkmal.


    Die Master-Arbeit ist eine hilfreiche Literaturstelle. Damit wäre man bei einer Genanalyse zumindest nicht ganz am Anfang.

    Auf meinen ersten Blick scheint Deine Art aber dort nicht enthalten zu sein.


    Auf dem Foto zeigst Du ja einige Fruchtkörper - wieviel Material hast Du mitgenommen? Kannst Du ggf. am Standort noch 'was einsammeln? Zumindest sollte man diesen Fund in einem Herbar hinterlegen, da sind ein paar Fruchtkörper mehr schon nützlich..


    Übrigens noch ein großes Lob für Deine erstklassigen Mikro- und Makrobilder!


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Raphael,


    leider habe ich den Consiglio/Setti nicht, so dass ich da nicht mitreden kann.


    Hohenbuehelia cyphelliformis wird aber von verschiedenen Autoren unterschiedlich interpretiert - Jörg Albers (2005) hat sich damit länger in der ZfM beschäftigt, er nennt so eine Art ohne Metuloide (kristallbesetzte dickwandige Zystiden). Ich finde, das wird immer spannender...


    Artikelarchiv / DGfM


    Gruß,

    Wolfgang

    Mit Exsikkat, meinst du die Probe zu trocknen, damit sie nicht vergammeln kann, oder?

    Hi Martin,


    genau, zumindest einen Teil der Kollektion auf einem Papierchen auf die Heizung legen. Davon kann man dann auch eine Gen-Sequenzierung machen, falls sich der Fund als etwas Außergewöhnliches oder gar Neues herausstellt.


    Reife Sporen wären für eine Bestimmung aber sehr wichtig. Hast Du auch einen der größeren Fruchtkörper eingesammelt, den Du über Nacht auf einen Objektträger legen könntest zum Aussporen? Natürlich gut abgedeckt, vielleicht sogar ein feuchtes Zewa dabeilegen, damit er nicht vorher wegtrocknet.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hi Martin,


    ich hab' mal kurz recherchiert, von den Mikros kommt Hohenbuehelia fluxilis (Zweisporiger Muscheling) in die Nähe. Dazu würde auch die 2-sporige Basidie passen, und die Cheilozystide mit nematodenfangendem Köpfchen in Bild 12.


    Aber weder in der Flora Neerlandica, noch im Pilzkompendium, oder in der British Fungus Flora 6 sind nur annähernd die bekannten 25-30 Arten aufgelistet.

    Mehr gibt's hier, aber da hab' ich nicht tief reingeguckt:

    Thorn&Barron (1986)

    (PDF) Nematoctonus and the tribe Resupinateae in Ontario, Canada


    Auf jeden Fall 'was Spannendes, besser mal ein Exsikkat machen!


    Glückwunsch!


    Wolfgang

    Zum Erkennen des Geschmacks von Pilzen taugt das bloße Anlecken nicht.

    Es gibt durchaus einige sehr bittere Arten, die man bereits durch Anlecken erkennen kann, z.B. Hygrocybe mucronella oder Cortinarius infractus.

    Bei denen würde ich mir das längere 'rumkauen auch lieber ersparen.


    Aber da sind wir wieder beim Ausgangspunkt: wenn man ein klares Ziel vor Augen hat, kann man auch die geeignete Maßnahme wählen. Wahllos in alles 'reinbeißen, das wie ein Pilz aussieht, beschreibt ungefähr das entgegengesetzte Vorgehen.


    Gruß,

    Wolfgang

    Hi Claudia,

    dieses Jahr soll von Noordeloos ein weiterer Band der Fungi Europaei erscheinen, mit vielen neuen Arten und einem neuen Schlüssel. Nach dem was man so hört, bleibt gerade bei den "Blauen" (Entoloma Sekt. Cyanula) aber auch für nachfolgende Mykologen-Generationen noch genug zu forschen übrig.


    Sehen wir mal, wie für Deinen Fund dann die Aktien stehen. Ingos Beobachtung, dass es mindestens eine Art gibt, die jung schwarz ist und bald porphyrbraun wird, kann ich aber aus eigener Beobachtung bestätigen.


    Grüße,

    Wolfgang

    Hallo,


    das ist, wie Pablo schreibt, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Art um sericeum.


    Der Geruch schwankt irgendwo zwischen altem Mehl, Gurke und Lebertran. Das wird auch individuell verschieden wahrgenommen.


    Wenn er nicht gerochen hat, war es zu kalt (der Pilz oder die Nase). Mal etwas darauf 'rumkauen, dann kann sich das Aroma entfalten (und danach ausspucken!).


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo PilzPeter,

    eine Geschmacksprobe bei unbekannten Braunsporern ist ja ziemlich mutig.

    So unterschiedlich von Gifthäublingen sieht der Pilz ja nicht aus.


    In diesem Fall halte ich den Winter-Trompetenschnitzling aber für wahrscheinlicher.


    Gruß,

    Wolfgang


    Edit: Andreas war schneller...

    Hallo Holzkeule,


    für Gifthäublinge wirst Du ohnehin keine Essensfreigabe bekommen, auch nicht beim PSV vor Ort ;)


    Tatsächlich haben die Lamellen auf meinem Display eine seltsame Farbe für Häublinge.


    Auch die Art, wie der Stiel überfasert ist, lässt mich eher an Natternstielige Schwefelköpfe als an Häublinge denken.


    Die Sporenpulverfarbe wäre hilfreich...


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo Stropharia,


    ich habe keine direkte Erfahrung mit Sammeln in Skandinavien, aber wenn ich mal bei den Gattungen, wo ich das überblicken kann, in die Funga Nordica blicke:


    Besonders in den deutschen Mittelgebirgen kommt man mit skandinavischen Artkonzepten gut zurecht. Wobei es weit im Norden noch die ganzen arktisch-alpinen Arten gibt, die in Deutschland kaum auftreten (aber in der Schweiz wieder). Umgekehrt komme ich in der Rheinebene mit den italienischen Schlüsseln besser zurecht. Bei meinem letzten Besuch in Dänemark ist mir kein Unterschied zur deutschen Funga aufgefallen. Es hängt m.E. eher an der Verbreitung der Begleitbäume, und die sind ja grundsätzlich die gleichen.


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo an alle,

    wenn eine Art als "wärmeliebend" bezeichnet wird, bezieht sich das im Allgemeinen nicht auf den Zeitpunkt der Fruchtkörperbildung, sondern darauf, dass das Mycel in Gegenden mit wärmerem Klima stärker verbreitet ist. Gerade im Mediterranen sind November und Dezember die wichtigsten Monate der Fruchtkörperbildung, denn auch italienische Pilze brauchen Wasser, und das ist im August halt oft knapp.


    Welche der Pilzarten wirklich Wärme "lieben", und welche nur "wärmetolerant" sind, und dadurch in warmem Klima einen Standortvorteil gegenüber wärmeempfindlichen Arten haben, ist wohl nicht klar zu trennen.


    Jedenfalls können wir uns durch den Klimawandel auf die weitere Verbreitung dieser Arten einstellen - in diesem Fall würde ich mich sehr freuen, so eine wunderschöne Art auch mal zu finden. Danke für's Zeigen!


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo PDPAP,

    Von Nummer 3 (nicht 2, das war ein Fehler in meinem ersten Post) hast Du nicht zufällig noch ein Exsikkat oder zumindest einen Sporenabwurf?


    Früher wurde olivieri und rhacodes gar nicht unterschieden, inzwischen gibt es eine Gegenbewegung, dass alles mögliche olivieri genannt wird.

    Ich habe schon einige Kollektionen bei mir aus der Region mikroskopiert, und die echten olivieri die ich hatte, waren immer mit olivgrauen Tönen, die ich bei dem Fund hier vermisse. C. rhacodes ist im Rhein-Main die deutlich häufigere Art, und würde m.E. von der Variationsbreite Bild 3 mit abdecken.


    Aber ich bin ja lernfähig, am Ende entscheiden Zystiden und/oder Sporen.


    Grüße,


    Wolfgang