Beiträge von Wolfgang P.

    Hallo Bente,

    aus labortechnischer Sicht sind die Farbreaktionen ziemlich unspektakulär: man schmiert einen Tropfen KOH oder FeSO4-Lösung oder Iodlösung oder ... auf einen Pilz und guckt sich die Farbe an.


    Meixner hat in den 1970'ern mal systematisch massenhaft Reagenzien auf massenhaft Pilze geschmiert, aber das Buch ist schwer zu kriegen.


    Normalerweise kommt man eher von der Pilzgattung und liest, was an Chemie da Sinn ergibt. Z.B. KOH bei Schleierlingen, Guajak bei Täublingen und so weiter.


    Wolfgang

    Hallo Frank,

    anstatt weiter mit der Gattung rumzuraten, solltest Du als erstes

    - einen Sporenabdruck machen

    - den Rest vom Beleg trocknen, um ggf. zu sequenzieren


    Hebeloma sollte man an der Sporenpulverfarbe von Leucocortinarius und Cortinarius unterscheiden können.

    Wenn sich der Fund als was besonderes herausstellt, solltest Du einen Beleg haben.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Peter,

    Deine Pilze sind nicht ringlos, sondern der Ring ist spinnwebartig, und hier noch mit dem Hutrand verwachsen.

    Zusammen mit den gelben Gürteln am Stiel tippe ich auf Armillaria gallica, den Wandelbaren Hallimasch.

    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Achim,

    schöne und aussagekräftige Bilder!


    Ich denke, Du liegst mit dem Zitzenschirmlings-Aggregat richtig.

    Für die meisten kleinen Schirmlinge wäre Dein Pilz schon viel zu groß. Außerdem kenne ich keine echte Lepiota, bei der sich die Hutdeckschicht in Fetzen ablöst.

    Dazu der Ring, der vielleicht nicht richtig doppelt, aber eben doch eher dick ist - damit sind ja schon alle Schirmlinge mit spinnwebartigem Ring 'raus.


    Gruß,



    Wolfgang

    Hallo Frank,

    orangerote Saftlinge muss man mikroskopieren. In der Nähe von Herkuleskeulen würde ich aber mal mit H.calciphila als Arbeitsname ins Rennen gehen.

    Interessant wäre, ob am Standort wirklich nur Eichen und Hainbuchen waren, oder ob sich vielleicht eine Esche dazwischengemogelt hat.


    Übrigens sind auch in Nordamerika die arktisch-alpinen Ödländer Saftlings-Habitate. Die kontinentalen Steppen sind zu trocken für Saftlinge, die wenigen gemäßigten Offenlandgebiete sind heute Weizenfelder.

    Und dann hat Nordamerika auch tropische Wälder, die weltweit wenig Ektomykorrhiza und daher mehr andere Symbiosen beherbergen.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hi Frank,

    hübsche Kollektion!


    Leider bin ich bei Champis keine große Hilfe. A. porphyrizon (oder brunneolus wie er jetzt bei Parra heißt) ist zwar ein großer unter den kleinen (Sekt. Minores), aber nicht so ein kompakter Pilz wie Deiner. Auch fehlt das Violett im Hut und das Gilben in der Stielbasis fällt schon recht schwach aus für die Art.


    Bei Standort und Foto ist mir als erstes der Kompostegerling A. vaporarius (oder subperonatus wie er jetzt bei Parra heißt) heißt in den Sinn gekommen, aber das leichte Gilben im Stielfleisch schließt den wohl ebenso aus wie einen normalen Zuchtchampignon A. bisporus. Bleibt also rätselhaft, wieso oft bei Agaricus.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Nordland,

    der erste wäre mir für malicorius nicht freudig genug gefärbt. Hautköpfe würden ihr Pigment in Spiritus aus einem Taschentuch ausfärben.

    Alternativ kann das auch irgendeine namenlose Telamonie sein, oder eine Tubaria, ein LBM halt... mikroskopierpflichtig!


    Wolfgang

    Hallo an alle,

    ich hab mir den 21.11. reserviert.


    Die 35l heute Nacht haben bestimmt geholfen, dass sich noch was entwickeln kann. Wie stark die Mycelien von der Dürre geschädigt wurden, kann natürlich niemand abschätzen.

    Aber in 3-4 Wochen ab jetzt könnte was kommen, Frost ist noch nicht in Sicht.


    Für den 31.: wenn auf der Wiese nix los ist, kannst Du ja im Wald gucken.


    Gruß,

    Wolfgang

    Hi Chris,

    ich wäre dafür, den Termin am 31. ausfallen zu lassen, und mal abzuwarten, wann und wie sich die Saftlinge entwickeln.

    Vielleicht wird ja Ende November besser, ich habe auch im Dezember schon Saftlinge gefunden.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo sigisaga,


    als erstes müsstest Du klären, was Dein genaues Ziel ist, und mit welcher Literatur das zu erreichen ist. In den Büchern herrscht nämlich Chaos.


    Dann müsstest Du sicher sein, dass Du die Gattung der Safranschirmlinge (4 Arten) von der Gattung der Riesenschirmlinge (auch 4 Arten) trennen kannst.


    Und in der Gattung der Riesenschirmlinge musst Du verstehen, dass sich weder ganz junge (wie Dein zweiter) noch ganz alte Exemplare bestimmen lassen.


    Und dann müsstest Du hier im Forum die letzten 3 oder 4 Riesenschirmlings-Threads durchlesen, um die Komplexität Deines Vorhabens zu begreifen.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hi Andreas,

    Was ist denn ein Individuum?

    Wenn Du ein großes Pilzmycel mit dem Spaten in zwei Teile teilst und beide weiterleben, wird dann aus einem Individuum zwei? Und wenn sie später wieder zusammenwachsen, wird es wieder eines?

    Wie kann man überhaupt herausfinden, ob bei einem hektargroßen Mycel zwischendrin mal ein Stück abgestorben ist, und ob sich die Lücke wieder geschlossen hat?


    Das gleiche bei einem Strauch: Du machst Stecklinge von einer Mutterpflanze, setzt alle im Meterabstand zu einer Hecke und wartest, bis alle wieder zu einem großen Verbund zusammengewachsen sind. Wieviele Individuen zählst Du dann?


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo an alle,

    ich fürchte auch dass der 31.10. dieses Jahr zu früh ist, oder die Saftlinge hier komplett ausfallen.

    Diese Woche soll es zwar etwas regnen, aber ob das nicht zu knapp ist?

    Leider sind die zwei darauf folgenden Samstage verplant.


    Wolfgang

    Hallo an alle,

    ich schreibe das immer wieder mal an verschiedenen Stellen, vielleicht kann ein Mod so einen Thread mal oben anheften?



    Ich schicke meine Proben an Pablo Alvarado nach Spanien (http://www.alvalab.es).

    Pablo ist sehr verständnisvoll zu Freizeitmykologen mit kleiner Probenzahl.

    Eine Probe kostet knapp 25 EUR.


    Dazu reicht ein erbsengroßes Stück, oder besser ein Scheibchen (trocknet schneller und lässt sich besser in einen Briefumschlag stecken). Theoretisch reicht auch ein Stecknadelkopf-großes Stück oder noch weniger, aber das geht dann leicht verloren.

    Jede Probe kommt in einen Druckverschlussbeutel 40x60mm mit Deinen Initialen und einer laufenden Nummer.


    Wichtig ist, dass die Probe nach dem Sammeln möglichst schnell, aber unter 40° getrocknet wurde. Nach einer Nacht im Kühlschrank ist die DNA oft schon zerfallen.

    Also auf einen Dörrex mit Lüftung und Temperaturregelung, oder in ein Glas mit Silicagel und gefriertrocknen im Tiefkühlschrank (ca. 1 Woche).


    Schick' parallel zum Brief eine E-Mail (auf englisch) an Pablo, wo Du Deine Proben ankündigst.

    Pablo schickt Dir dann eine Rechnung und die Messdaten, aber auch gleich einen schnellen Blast gegen die Genbank mit dem Artnamen.


    Du bekommst eine .ab1-Datei, was letztlich ein Diagramm von gefundener Base gegen Position auf der DNA ist.

    Die muss man in einem Programm, z.B. MEGA 11 bearbeiten. Die "unsauberen" Bereiche wie hier links in grau muss man wegschneiden.



    Das Ergebnis kannst Du in einen Buchstabensalat CGGTCCAGCGAAG... umwandeln und speichern, was man eine "Fasta-Datei" .fas nennt.

    Die kann man in der Genbank einfügen und mit Referenzdaten vergleichen ("blasten").


    Code
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/nuccore/


    Gruß,



    Wolfgang

    Hallo an alle,

    das Problem in dieser Gattung ist selbst nach 30 Jahren Sequenzierung, dass die "Arten" in den meisten Pilzbüchern nicht mit den Erkenntnissen der Genetik übereinstimmen.


    Dazu kommt, dass in den Büchern auch die wissenschaftlichen Namen nicht immer korrekt angewendet werden.


    Und die Variationsbreite der optischen Merkmale innerhalb einer Art ist nicht gut bekannt und zu Nachbar-arten überlappend.


    Und dann könnte es noch sein, dass die meist-benutzte Gen-Loci ITS, LSU, rpb2 hier allein noch nicht ausreichen, um eng verwandte aber gut abgrenzbare Arten zu trennen. Genetisch leicht trennbar sind nur vier Clades (die Artkomplexe procera, rhodosperma, mastoidea, excoriata).


    Weil mich das auch alles ärgert, sammle ich seit 2 Jahren Proben aus dem Grenzbereich rhodosperma - mastoidea und lasse sie sequenzieren, als ganz privates Forschungsprojekt. Wenn ich das Gefühl habe, sichere Erkenntnisse zu haben, werde ich das publizieren.


    Aktuell kann ich schon sagen, dass sowohl ein fein genatterter Stiel, ein doppelter Ring als auch eine ablösende Hutdeckschicht in beiden genannten Artengruppen vorkommen. Aktuell kann also ein normaler Pilzfreund solche Grenzfälle nicht auf Art-Ebene bestimmen.


    Gruß,


    Wolfgang