Beiträge von Wolfgang P.

    Hallo Albus,

    Emil hat ja schon sehr gut geantwortet.


    Man muss sich ja darüber klar sein, dass die gezielte Verbreitung von guten Speisepilzen kein Naturschutz-Thema ist, sondern ein Waldnutzungs-Thema.

    Da die meisten Waldbesitzer Pilzsammler nicht unbedingt lieben, müsste man da noch einige Überzeugungsarbeit leisten.


    Grundsätzlich funktionieren würde das wohl schon. Wenn ich das Projekt angehen würde, würde ich aber wahrscheinlich anders vorgehen, und an einem Kaiserlings-Standort junge Eichen heranziehen und dann mit etwas Erde an die neuen Standorte verpflanzen. Oder die Eichen auf sterilem Substrat mit Kaiserlingssporen behandeln und dann auspflanzen, wie man das bei Hasel und Trüffeln macht. Man sieht die Mykorrhiza ja unter dem Bino, kann also die Erfolgsquote schnell kontrollieren. Ich würde die Eichensetzlinge vielleicht auch in Kroatien oder so vorziehen, wo der Kaiserling klimatisch zu Hause ist und nicht geschützt.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Bläuling,


    mit dem kegelförmigen Hut und dem längsgestreiften Stiel wäre mein Tipp die acutoconica-Gruppe. Die kommen auch gerne auf so schwach bewachsenen Flächen.

    Grüntöne passen da aber nicht wirklich dazu.


    Ein schmächtiges Exemplar von chlorophana wäre auch noch im Rennen. Für ceracea passt der Lamellenansatz nicht (fast frei, sofern auf dem Bild richtig interpretiert).


    Viele Saftlinge muss man mikroskopieren, zumindest mal die Sporenform.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Bernd,

    nach coccinea sieht mir das nicht aus mit den roten, herablaufenden Lamellen und der Hutoberfläche.

    Du kannst mal mit phaeococcinea vergleichen wegen der schwärzlichen Hutmitte.

    Hygrocybe phaeococcinea


    Zur klassischen Bestimmung wirst Du aber auf jeden Fall ein paar mehr reife Sporen brauchen - am besten aus einem Abwurfpräparat . Die eine Spore an der Basidie sagt nicht viel.


    H. marchii (wird wohl gerade als neomarchii neu beschrieben) wäre schleimig am Hut.

    #WaxcapWatch Surveyors | Edit: H.neomarchii | Facebook
    Edit: H.neomarchii Hygrocybe coccinea? Or not? Hello. Can someone help me with ID of that Hygrocybe, please? When I found them I was sure it's H.coccinea,…
    www.facebook.com


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo,

    im westlichen Rhein-Main-Gebiet sind zwei Fundstellen bekannt, eine auf hessischer und eine auf rheinland-pfälzischer Seite.


    Auf letzerer weiß ich, dass es letzes Jahr auch Funde gab.


    Leider werden gerade beim Kaiserling die Naturschutz-Gesetze nicht nur nicht eingehalten, sondern geradezu verhöhnt.

    In anderen Pilzforen schmücken sich Sammler mit vollen Kaiserlings-Körben. Kaum ein Fruchtkörper erreicht die Sporenreife.


    Das ist schade, denn die Art wäre ja eigentlich in Ausbreitung begriffen (zur Ursache halte ich mal den Mund).


    Daher ist wohl gerade bei dieser Art große Zurückhaltung bei der Nennung von Fundstellen angebracht.


    Wolfgang

    weil Geld nur in eine Richtung verteilt wird und üble Angriffe und Diffamierungskampagnen gegen Wissenschaftler gefahren werden, die in eine andere Richtung gehen.

    kannst Du diese These bitte belegen? Warum hätte Exxon Wissenschaftler damit beauftragen sollen, den menschgemachten Klimawandel zu belegen, nur um ihn danach in Werbekampagnen zu leugnen?


    Meine Sicht:

    Die meisten Wissenschaftler dieser Erde arbeiten mit staatlichen Mitteln, und die meisten Regierungen dieser Erde hatten gar kein Interesse daran, dass der Mensch als Ursache bewiesen wird (denn dann müssten sie ja vielleicht was tun).


    Aber die meisten Wissenschaftler betreiben eben echte Wissenschaft, also ergebnisoffen. Und die Beweise für die menschlichen Ursachen sind so eindeutig, dass kein Klimatologe Gründe hat zu zweifeln.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo an alle,

    ich bin immer wieder überrascht und entsetzt, dass in einem Forum, in dem zu mykologischen Themen auf höchstem wissenschaftlichen Niveau diskutiert wird, zu diesem Punkt das Niveau eher einem AfD-TikTok-Video gleicht.


    Natürlich gab es in der Erdgeschichte immer wieder Klimawandel, und der hatte auch immer eine naturwissenschaftlich gut erforschte Ursache, z.B. Vulkanismus, Sonnenaktivität, Kontinentalverschiebung, geänderte Neigung der Erdachse. All diese Parameter werden untersucht und erklären NICHT den aktuellen Klimawandel.

    Im IPCC-Bericht steht klip und klar: "Es ist eindeutig, dass der Einfluss des Menschen die Atmosphäre, den Ozean und die Landflächen erwärmt hat.

    [...] Die seit etwa 1750 beobachteten Konzentrationszunahmen gut durchmischter Treibhausgase (THG) sind eindeutig durch menschliche Aktivitäten verursacht."

    https://www.de-ipcc.de/media/content/AR6-WGI-SPM_deutsch_barrierefrei.pdf


    In Südwestdeutschland (BaWü, Hessen, RLP) ist der Sommer 2026 der heißeste seit Wetteraufzeichnung (https://www.dwd.de/DE/presse/p…tschlandwetter_sommer.pdf), und Temperaturen über 40°C sind nicht im Rahmen der statistischen Schwankungen, sondern eine neue Dimension. Wobei ja das größere Problem nicht die Hitze, sondern die Dürre ist.


    Grönland war auch zu Zeiten der Wikinger nicht grün, der Eisschild ist 400.000 Jahre alt.

    Fakt ist: Dass Grönland im Mittelalter grüner und wärmer war als heute, sagt wenig über den gegenwärtigen weltweiten Klimawandel | klimafakten.de


    Wenn man einer Seite in dieser Diskussion "nur Geldverdienen" vorwirft, kann man ja mal vergleichen: Die Öl und Gasindustrie hat weitweit einen täglichen Reingewinn von über einer Milliarde $, während z.B. die Herstellung von Solarzellen in China subventioniert wird. Exxon wusste schon seit den 1970'ern (als es noch keine Wind- und Solarindustrie gab) vom bevorstehenden Klimawandel und hat diesen gezielt geleugnet.

    Ölkonzern Exxon kannte Klimawirkung ganz genau: neue Studie in 'Science'
    12.01.2023 - Klimaszenarien des Ölkonzerns ExxonMobil haben bereits sehr früh die globale Erwärmung als Folge des Verfeuerns fossiler Brennstoffe genau…
    www.pik-potsdam.de


    "Wunschdenken" ist meines Erachtens nur der Glaube, man könne so weitermachen wie früher.


    So, jetzt aber genug davon.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Mario,


    in einem deutschen Forum wirst Du wenig Leute finden, die bellinii richtig einschätzen können, aber ob die Italiener granulatus in allen Hutfarben und Stieloberflächen kennen?

    Ob die 3 Fundpunkte auf pilze-deutschland korrekt bestimmt wurden, weiß auch niemand.


    Vielleicht solltest Du für einen Erstfund in NRW einfach die 25 EUR investieren und den Pilz sequenzieren lassen.


    Einerseits: wann sollen denn mediterrane Pilze in DE fruchten, wenn nicht nach einem so heißen Sommer?

    Andererseits: was ist wahrscheinlicher - ein untypischer Fund eines banalen Pilzes oder ein regulärer Fund eines extrem seltenen Pilzes?


    Gruß,


    Wolfgang

    Hi Karl,


    ja Du hast Recht, der rotspitzige Stiel ist ein Indiz für (insipida oder garajonayensis). Aber gegen die anderen Optionen.

    Ob es auch von garajonayensis rein rothütige Formen gibt, ist derzeit nicht bekannt.


    Bis auf weiteres lassen sich die beiden wohl nur genetisch sicher unterscheiden.


    Gruß,


    Wolfgang

    Leider kann ich die Winzlinge nicht trocknen werde aber morgen zur Pilzausstellung mal fragen ob das jemand machen würde.

    Hallo Jörg,

    leider kann ein Tag ohne Trocknung für die klassische DNA schon zu lang sein.

    Auch die Mikroskopie leidet, wenn der Pilz vor dem Trocknen schon eine Nacht so herumgelegen hat.


    Ich persönlich tue bei spannenden Kollektionen mindestens ein Exemplar direkt nach dem Sammeln in einem Glas mit Silicagel in die Gefriertruhe (in einer Teefilter-Tüte, um den direkten Kontakt von Pilz und Silicagel zu vermeiden und trotzdem sehr guten Luftaustausch für die Trocknung zu haben). Das ist die beste Methode, in einem normalen Haushalt einen Pilz zu konservieren.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Jörg,


    ich fürchte, ohne Mikroskopie wird sich das nicht aufklären lassen, und selbst dann wird es Zweifel geben und man bräuchte eine Sequenz.


    Zuerst sollte man beim ersten auf calciphila testen (runde Sporen).

    Der erste könnte sonst in den miniata-Komplex gehören, auch mal ohne Schüppchen.

    Auch gibt es von phaeococcinea Kollektionen ganz ohne schwarze Elemente in der Hutdeckschicht - die sehen dann auch so aus wie Dein erster Fund. Das findet man dann erst mit einer Sequenz heraus.


    insipida hat mit garajonayensis inzwischen einen Zwillingsbruder in Deutschland. Beide hätten aber einen klebrigen Stiel, von dem Du beim ersten nichts schreibst.

    Dafür würde der klebrige Hut und Stiel beim zweiten auf die seltene rote Form von insipida deuten, die ich aber noch nie selbst gesehen habe.

    Es scheint so, dass der Stiel unten gelber und oben röter ist? Das wäre ein Indiz für insipida.

    Wenn Du bei "klebrig" untertreibst, und der Hut und Stiel schleimig ist, käme auch glutinipes hin, der hätte aber eine andere Hut-trama.


    Leider ist beim zweiten auf keinem Foto die Hutoberfläche und der ganze Stiel von oben bis unten scharf.

    Mit vernünftigen Kollektionen, schonend getrocknetem Beleg und guten Fotos würde ich beide nehmen und bei der nächsten Sequenzierung mitlaufen lassen.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo an alle,

    beim heiteren Milchlings-Raten wäre ich in der trivialis-Fraktion.


    Ich sehe auf einigen Bildern einen Violett-stich in der Huthaut, Gilben der Milch, und laut Beschreibung gab es eine Verzögerung bei der Schärfe der Milch.

    L. hysginus kenne ich aber nicht - und Werner hat meistens Recht ;)


    Im Schlüssel in der FNE2 ist die Unterscheidung in der Farbe der Huthaut - eher zimtbraun bis ziegelrot oder eher grau-violett bis violettbraun?



    Wolfgang

    wenn man bedenkt, dass die ITS bei Pilzen auch mal nicht als Lokus geeignet ist, verwundert mich das nicht.

    Hi Stefan,


    gerade bei Macrolepiota wurden allerlei Loci probiert, aber alle liefern die gleichen Ergebnisse.


    Daher könnte es in diesem Fall auch mal so sein, dass es tatsächlich innerhalb einer Art regionale und morphologische Gruppen gibt, so wie auch z.B. bei Homo sapiens.


    Was helfen würde wäre, von ein paar mehr Funden das Komplett-Genom zu analysieren, aber das ist leider immer noch zu teuer für die rein akademische Frage, wieviele Parasole es gibt.


    Gruß,


    Wolfgang

    Ich nenne nur noch solche Funde M. rhodosperma, die tatsächlich rosafarbenes Sporenpulver aufweisen.

    ... und auch dieses Merkmal ist leider variabel.

    Und unterscheidet ihn auch nicht von procera, der auch rosa SPP haben kann (siehe Pilze der Schweiz, Bd4, Nr. 254).


    Gruß,


    Wolfgang


    P.S.: den initialen Fund von Bläuling hätte ich recht sicher als rhodosperma bezeichnet.

    Ich habe inzwischen einige meiner Funde genetisch bestätigt, um bei der Benennung nicht nur meine eigenen Vorurteile als Maßstab zu nehmen.

    Hallo Bernd,

    herzlichen Glückwunsch und Danke für's Zeigen!


    Entolomen ohne Mikro werden halt namenlos bleiben - selbst incanum muss man heutzutage mikroskopieren.


    Wieviele violette Ramariopsis-Arten es gibt und wieviele gelbe Clavulinopsis, muss sich wohl erst noch zeigen.


    Gruß,

    Wolfgang

    Procera aber schon im weiteren Sinne mit mastoidea und affinis und konradii. Wie steht rhodosperma dbzgl.?

    Hi Maronisto,


    In diesem Thread leider etwas off-topic, und daher ganz in Kürze:

    Die Gattung Macrolepiota hat in Europa 4 genetisch trennbare Arten:

    - procera (Parasol)

    - mastoidea (Zitzenschirmling)

    - excoriata (Ackerschirmling)

    - rhodosperma (Grobscholliger Riesenschirmling, Kleiner Wald-Parasol; hieß in Pilze der Schweiz oder Pilze BaWü fälschlich "konradii" und in der Flora Neerlandica fälschlich "fuliginosa")


    mastoidea ist eine formenreiche Sammel(?)-Art, die auch affinis und die "echte konradii" mit einschließt. Genetisch gibt es bei den üblichen Loci wie ITS oder LSU zwischen affinis, mastoidea und konradii nur 1-2 Basenpaare Unterschied, das aber konstant über alle Kollektionen.


    rhodosperma ist ein Massenpilz, und über den bevorzugten Standort in Laubwäldern, die Art der Hutschuppung, den im Mittel kleineren Hutdurchmesser und die feinere Stiel-Natterung von procera meist gut zu unterscheiden. Zu den mastoidea-Formen, die die "echte konradii" bilden, ist die Unterscheidung manchmal schwer, und am ehesten über die Sporenpulverfarbe möglich.


    Gruß,


    Wolfgang

    Du schreibst das mit Fragezeichen, Wolfgang. Schade.

    es gäbe ja noch andere Erklärungen.

    Wie wären z.B. folgende Hypothesen, die jeweils eine botanische Doktorarbeit wert wären:


    "Der Phlox benötigt zusätzliche Energie, den pH-Wert so abzusenken, dass die Blüten rosa werden. Nachts ist dieser Energieaufwand nicht erforderlich, weil Phlox von tagaktiven Insekten bestäubt wird".


    Oder


    "Nachts kann der Phlox diesen Energieaufwand nicht aufbringen, weil keine Sonne scheint".


    Ob die Insekten überhaupt vom sichtbaren Licht-Anteil angelockt werden, oder der Farbunterschied im Infrarot viel stärker ausgeprägt ist, könnte dann gleich mit untersucht werden.


    Gruß,


    Wolfgang

    Genau das ist die 100-Punkte-Frage und warum tun das nur einzelne Phloxsorten und andere wiederum nicht? Vielleicht ist die Antwort ja ebenso trivial, wie bei den Pilzen: -weil sie es können-?

    Hallo Claudia,

    andere Pflanzen wie das Lungenkraut verfärben die Blüten von rosa zu blau, um den Bestäuber-Insekten das Signal zu geben, welche Blüten bitteschön noch angeflogen werden müssen und welche nicht mehr.

    Die Phlox-Sorten im Garten wurden schon durch einen jahrhundertelangen Zuchtprozess selektiert. Da können sich Merkmale, die ursprünglich mal einen evolutionären Vorteil hatten, schon verselbständigen. Vielleicht fanden auch irgendwelche Züchter blauen Phlox besonders interessant, so dass blaue Blüten tatsächlich zu einem evolutionären Vorteil geworden sind, auch wenn die Farbstoffe bei Zell-pH-Wert sehr nah am Umschlagpunkt zu rosa liegen? Es gibt meines Wissens nicht so viele Insekten, die auf blau fliegen, im Gegensatz zu rosa-lila.


    Gruß,


    Wolfgang