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letzter Beitrag von Craterelle am

Kostexperiment mit dem Gelbstieligen Muschelseitling

  • Liebe Pilzler!


    Da ich heute eher zufällig meinen Erstfund mit den Gelbstieligen Muschelseitlingen hatte und die sowohl als "essbar", als auch "ungenießbar" kenne (ja auch ein Giftverdacht geistert durchs Netz), wollte ich zumindest den Speisewert wenigstens einmal selbst bewerten.
    Beim Kuhröhrling habe ich bereits die Erfahrung gemacht, dass Speisepilze besser sein können als ihr Ruf. Obwohl mir kulinarisch davon abgeraten wurde, ihn zu sammeln, würde ich ihn jederzeit wieder in eine Mischpilzpfanne geben. (Konsistenz top, Geschmack unauffällig und die Farbe ein echter Hingucker)


    Nun zum GSM: Gefunden auf einer toten Buche, habe ich einige nicht zu große Exemplare mit nach Hause genommen, sie gut geputzt, in Streifen geschnitten, angebraten und noch einige Zeit in der Pfanne geschwenkt, anschließend mit Salz und Pfeffer gewürzt.


    Der erste Biss: fest, wenn auch nicht unangenehm zäh. Die Konsistenz zuerstmal eher angenehm...


    ...doch dann der Geschmack: scheußlich bitter!


    Habe noch versucht, den bitteren Geschmack zu überwürzen. Aber da ist nichts zu machen. Nach einigen weiteren Bissen hängt mir der bittere bis seifige Geschmack auch Minuten später noch im Mundraum und will nicht so recht verschwinden.


    Mein Fazit: Ein optisch wunderschöner Pilz, den ich für mich definitiv als ungenießbar einstufe. Den werde ich in Zukunft guten Gewissens gerne betrachten und einfach hängen lassen.


    Gibt es Forianer, die ihn auch schon probiert haben oder sogar (gerne) essen?


    Grüße

  • Hallo,


    wir hatten uns zum Moderatoren-Treffen den auch mal probiert. Deine Einschätzung konnten wir durchaus bestätigen. ;)


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo Suillus B. ,
    ähnlich hatte mich auch schon ein Gallenröhrling verarscht.
    Mitten im Wald, noch minimum zwei Kilometer von meiner Wohnung fand ich ihn. Das Netz war so gut wie nicht ausgeprägt, auch war an den Röhren noch kein rosa Ton zu sehen. Erst dachte ich es wäre ein Sommersteinpilz, aber nach der Kostprobe wünschte ich mir einen Schnapps oder Mundwasser um den Geschmack los zu werden. So kann es gehen!


    VG,Ulli

  • Ich Hatte diesen vor drei Tagen roh im Wald gekostet ...da war der Geschmack äußerst angenehm pilzig. Das gleiche heute in einem anderen Wald, wenn auch das Exemplar heute etwas wässrig war. Werden die erst beim Braten bzw Dünsten bitter ?!

  • Hallo Suillus B.,
    da der gelbstielige Muschelseitling als bitter gilt, habe ich ihn bei meinem Kostversuchen (vor einem Jahr) vor der Zubereitung abgekocht; verwendet habe ich junge Exemplare mit nicht mehr als 4 cm Hutdurchmesser. Er verliert dadurch komplett seine Farbe und man hat formschöne, reinweiße Muschelchen vor sich - und tatsächlich gehen auch die Bitterstoffe komplett heraus.
    Allerdings sind die Pilze dann auch völlig geschmacklos und von der Konsistenz grauenvoll widerstandslos und schleimig wie ein Mund voll Bronchialschleim bei heftiger Bronchitis... Also, trotz des netten Anblicks kein Bedarf zur Wiederholung.
    Viele Grüße, Birki

  • Hallo,
    wer mag, kann auch diesen Thread hier lesen:
    http://www.pilzforum.eu/board/…ng-gelber-muschelseitling?


    Ich hatte da probiert (hat eine Diskussion ausgelöst), meine Exemplare (von beginnend morschen Buchenholz) waren überhaupt nicht bitter.
    Von jedem Pilz hatte ich vorher ein Stückchen probiert (vor allem vom größten Pilz) - es waren allg. sehr kleine Pilze.
    Der Geschmack war o.k aber nicht besonders aromatisch.
    Ich würde sie nochmal probieren - finde z.Zt. aber keine.


  • Allerdings sind die Pilze dann auch völlig geschmacklos und von der Konsistenz grauenvoll widerstandslos und schleimig wie ein Mund voll Bronchialschleim bei heftiger Bronchitis...


    Oh, Birki, eben noch hatte ich den zitronenartigen Duft aus dem Holunder-Thread in der Nase, jetzt krieg ich diesen letzten Vergleich von dir nicht mehr aus dem Kopf und muss sehen, wie ich ihn vor dem Bettgehen wieder loswerde... :sick:;)


    Schönen Gruß, Bernd

  • abeja : Sollte es ein unerfüllter Herzenswunsch von dir sein, diese Gallseif'linge zu essen, würde ich dir den gerne erfüllen. Da ich längst nicht alle mitgenommen habe, könnte ich nochmal gehen und dir den Rest gerne zuschicken.


    Kann es mir nur wirklich nicht vorstellen, möchte sie selbst bestimmt nicht wieder und würde sie auch niemandem empfehlen wollen, der sie noch nicht gekostet hat....

  • Hallo Suillus
    :D :D :D - nee, nee, deine Bitterlinge mag ich auch nicht!


    Leider haben diese Pilze ja jetzt im Forum einen unauslöschbar schlechten Ruf bekommen - dabei sind sie doch in Japan (als "Mukitake" ) begehrte Speisepilze - d.h. wir werden hier nicht mehr statistisch auswertbaren Zahlen kommen ....



    WIE OFT SIND SIE BITTER - UND WIE OFT SIND SIE ANGENEHM PILZIG??


    Denn auch wenn die Bilder/Rezepte aus den jap. Küchenblogs nicht nach meinem pers. Geschmack sind - so kann ich mir nicht vorstellen, dass die Leute da mit Begeisterung abscheulich bittere Pilze essen.


    Also meine Pilze von 2013 (siehe oben in meinem Beitrag im Link, inkl. Bilder der Zubereitung) waren völlig in Ordnung (sowohl roh - unabgekocht, als auch gebraten)
    Auch der Schleim hatte sich verflüchtigt , nach Verdampfen der Flüssigkeit konnte man sie sogar etwas kross braten.


    Wenn sich die weiteren Finder dazu überwinden könnten, jeweils ein winziges Stück roh zu kosten - und hier den Geschmack zu posten, das fände ich gut - um einschätzen zu können, ob die vielleicht hier in D (Wetter? Substrat?) selten/oft/fast immer bitter sind.

  • ...naaaa gut, bei meinem Nächsten Fund (letztes Mal war der Wald voll davon) werde ich ihn verkosten, um der Statistik auf die Beine zu helfen...

  • Wir werden uns auch beteiligen. Dieses Jahr haben wir aber noch gar keine gefunden und die Funde des letzten Jahres luden absolut nicht zu einer Verköstigung ein (sie waren irgendwie schon über den Punkt drüber)- so richtig schöne Exemplare haben wir noch nie gefunden (immer Fund zur falschen Zeit)

  • Hallo zusammen,


    ich habe letzten Herbst gar keine gesichtet, dabei sind sie hier eigentlich nicht so selten. Wie sieht's bei euch aus?


    Die Frage nach der Bitterkeit finde ich tatsächlich höchst interessant, weil der Artikel, welcher die Abgrenzung von Panellus serotinus / Sarcomyxa serotina vs. Panellus edulis vorschlägt, die Bitterkeit als wesentliches Abgrenzungsmerkmal herausstellt:


    http://www.sekj.org/PDF/anbf40/anbf40-107.pdf


    Wenn die aber nicht immer vorhanden ist, taugt das Merkmal wohl nicht zur Artabgrenzung. Die weiteren genannten makroskopischen Kriterien erscheinen mir auch eher weich/unscharf. Interessant wäre, ob die beschriebenen mikroskopischen Unterschiede eine sichere Abgrenzung der Arten zulassen? Vielleicht liest das ja zufällig ein Mikroskopierer und kann eine Einschätzung geben.


    LG, Craterelle

  • Hallo, Craterelle!


    Um dazu eine Meinung zu haben, die auch belastbar ist, müsste man wohl erstmal einige Funde untersucht haben (mikroskopisch).
    Es gibt Gattungen und Artengruppen, da sind solche eher geringen Abweichungen bei Zystidenform und Sporengrößen relevant und auch konstant bei den entsprechenden Arten ausgeprägt. Bei anderen Artengruppen wären solche Unterschiede irrelevant, da liegt das schlichtweg in der Variationsbreite einer einzelnen Art.
    Bei manchen Arten variieren Sporengrößen und Zystidenformen sogar noch wesentlich stärker als in dem Artikel zwischen Panellus serotinus und Panellus edulis.
    Prinzipiell wäre ich erstmal skeptisch und müsste versuchen, das an eigenen Funden nachzuvollziehen. Und dann wäre eben noch darauf zu achten, wie weit das mit den weiteren genannten Merkmalen (Geschmack, Größe der Fruchtkörper dürfte ohnehin irrelevant sein) korrliert.



    LG, Pablo.


  • Prinzipiell wäre ich erstmal skeptisch und müsste versuchen, das an eigenen Funden nachzuvollziehen. Und dann wäre eben noch darauf zu achten, wie weit das mit den weiteren genannten Merkmalen (Geschmack, Größe der Fruchtkörper dürfte ohnehin irrelevant sein) korrliert.


    Hallo Pablo,


    danke für deine Antwort. An Kollektionen aus beiden Verbreitungsgebieten zu kommen wird wohl ziemlich schwierig. Aber beim einheimischen gelbstieligen Muschelseitling darauf zu achten, was für eine Variationsbreite es gibt, könnte auch schon hilfreich sein. Vielleicht fange ich ja irgendwann an zu mikroskopieren :hmmnmz:


    LG, Craterelle


  • Hallo Suillus B.,
    da der gelbstielige Muschelseitling als bitter gilt, habe ich ihn bei meinem Kostversuchen (vor einem Jahr) vor der Zubereitung abgekocht; verwendet habe ich junge Exemplare mit nicht mehr als 4 cm Hutdurchmesser. Er verliert dadurch komplett seine Farbe und man hat formschöne, reinweiße Muschelchen vor sich - und tatsächlich gehen auch die Bitterstoffe komplett heraus.
    Allerdings sind die Pilze dann auch völlig geschmacklos und von der Konsistenz grauenvoll widerstandslos und schleimig wie ein Mund voll Bronchialschleim bei heftiger Bronchitis... Also, trotz des netten Anblicks kein Bedarf zur Wiederholung.
    Viele Grüße, Birki


    :eek:


    Wie abstrakt formuliert, da hat man sofort Bilder im Kopf :giggle:

  • Hallo Craterelle,
    interessanter Artikel.
    Ich war ja damals diejenige, die unbittere Pilze gekostet hatte ... leider habe ich in der letzten Saison auch keine weiteren Funde machen können. Aber s.o. - so eine "Bitter-Nichtbitter-Statistik" fände ich auch weiterhin interessant.

  • Hallo zusammen,


    bei mir hat es Ewigkeiten gedauert, bis ich endlich mal wieder ein paar für eine Kostprobe entdeckt habe. 3 kleine Muschelchen, wohl noch nicht sehr alt, aber wetterbedingt ziemlich feuchtigkeitsgesättigt. Die habe ich dann auch ausnahmsweise mal gewaschen, weil ich dachte: schlimmer wird's nimmer.


    Sie machten keinen so sehr vertrauenserweckenden Eindruck, die Saftgummibärchen-Konsistenz war mir eher suspekt.


    Aber, Überraschung: im Pfännchen mit wenig Öl und längerer Bratzeit bei wenig Temperatur wurden sie tatsächlich knusprig. Die Konsistenz fand ich dann gar nicht so verkehrt, in etwa, wie ich gebratenen Speck in Erinnerung habe. Kross, aber die dickeren Stücke innendrin noch etwas zäh.


    Kaum Eigengeschmack, aber auch keineswegs ausgeprägte Bitterkeit. Vielleicht eine winzige bitter-harzige Note im Nachgeschmack, aber deutlich weniger, als ich es bei rotbraunen Scheidenstreifling empfunden habe (den ich aber auch nicht mehr unbedingt mitnehmen würde, nachdem meine kulinarische Neugier befriedigt ist).


    LG, Craterelle

  • Hallo ihr Lieben,


    Ich habe die Muschelseilinge auch schon gegessen, und mir haben Sie geschmeckt. Allerdings habe ich diese nur auf Buche oder Birke gesammelt. Bei Eiche wurde mir abgeraten, diese sollen bitter sein.


    Vielleicht lag es ja am Substrat?

  • Servus Craterelle,


    vielen Dank - die Beschreibung von Panellus edulis hatte ich gar nicht mitbekommen. Gut zu wissen ;-). Ob die Art aber überhaupt bei uns auftaucht, ist halt die Frage - müsste mal genetisch geprüft werden.


    Ich hatte übrigens ein einziges Mal selber die Sarcomyxa selbst probiert (von Buche) - wir waren zu viert und alle haben die Bitterkeit wahrgenommen. Für mich war sie viel zu groß (bin bitterempfindlich), für zwei andere zwar nicht schlimm, aber klar genug, dass er nicht schmeckt und ein "Proband" fand die "leicht bittere Note im Abgang" angenehm. Geschmäcker eben...


    Was die Giftigkeit angeht - da wurde ein bisserl was in der Vergangenheit verwechselt. Ich hatte bei einem Gespräch während einer gemeinsamen Exkursion eben mit Prof. Steglich (damals der "Inhaltsstoffpapst" - insbesondere hinsichtlich der Pigmente) über Sarcomyxa geplaudert. Ich erzählte ihm von den Bitterstoffen, woraufhin er mich warnte, ich solle den Pilz lieber nicht essen. Ich hatte den Inhalt des Gesprächs dann in kurzer Form ins PilzePilze-Forum gestellt, denn wenn ein namhafter Chemiker abrät, einen Pilz zu verspeisen, weil er die Inhaltsstoffe (die er selbst untersucht hat) als zu problematisch ansieht, finde ich die Information nicht gerade unwichtig.


    Leider wurde dann anlässlich dieses Forenbeitrags ein Artikel im Tintling geschrieben, in dem eine abstruse Story erfunden wurde (ich würde ein Gespräch zwischen Steglich und einem anderen Pilzkundler zitieren, bei dem ich nicht anwesend gewesen wäre und hätte da dass stille Post draus gemacht und ähnlicher Nonsens, der einfach nur gelogen war), um mich hier zu verunglimpfen.


    Ich bleibe aber für mich dabei - unabhängig vom Geschmack ist für mich der Muschelseitling kein Speisepilz. Ich vertraue da den Aussagen der Pilzchemiker. Gleiches gilt für Anisegerlinge (extreme Cadmium-Werte und der gilbende Farbstoff ist problematisch) und auch für Arten aus der Elfenbeinschnecklingsgruppe (chlorierte Aromaten - das hat im Essen nix zu suchen).


    Gut, dass der Muschelseitling meist so grauslig schmeckt, dass es eh irrelevant ist. ;-) Von milde Ausnahmen abgesehen - ich fand auch die Konsistenz gewöhnungsbedürftig.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo zusammen,

    da gebe ich jetzt mal auch noch meinen Senf dazu. Ich habe die Muschelseitlinge letzten Herbst probiert. Sie wuchsen an Birke, waren jung und hatten keinerlei Bitternote. Ich bin da empfindlich. Aber mir hat die Konsistenz überhaupt nicht zugesagt. Irgendwie glupschig war das Ganze. Mein Fazit war - vielleicht kann man die ja essen, aber ich muss die nicht noch einmal haben.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

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