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letzter Beitrag von kleinerpfifferling98 am

Sporenpulver bestimmen –“ Kurzanleitung

  • Hallo liebes Forum,

    hier eine Anleitung, wie man die Farbe des Sporenpulvers gefundener Pilze herausfinden kann. Die Anleitung bezieht sich im Wesentlichen auf die Untersuchung des Sporenpulvers von den "klassischen" Pilzen mit Stiel, Hut und Lamellen, ist aber zum Teil auch auf andere Pilze übertragbar.


    Dies ist die überarbeitete Fassung, in die die Ideen und Infos aus den Kommentaren mit eingearbeitet wurden. Danke noch einmal für die Ideen an Joli, Mausmann, Ingo, Mario, Marcus, Toffel und Günter.


    Warum Sporenpulver?


    Die Farbe des Sporenpulvers kann einen entscheidenden Hinweis bei der Pilzbestimmung liefern. So lässt sich die teilweise die Gattungszugehörigkeit herausfinden, bzw. Vermutungen zu Pilzbestimmungen erhärten / widerlegen. Das Sporenpulver steht nicht umsonst in dem Leitfaden zur Pilzbestimmung. In dieser Tabelle findet man eine Übersicht der Gattungen mit der jeweiligen Sporenpulverfarbe!


    Schritt 1 - Der Fund


    Natürlich braucht ihr zunächst einen Pilz, dessen Sporenpulverfarbe ihr herausfinden wollt. Ich nahm mir diese beiden Kollegen aus dem Wald mit.



    Schritt 2 - Das Blatt


    Zunächst nehmt ein bei Paint erstelltes Blatt mit schwarzen Streifen. Alternativ sind allerdings auch die Nutzung z. B. eines zweifarbigen Bretts oder eines schwarzen Stücks Pappe mit draufgeklebtem weißen Blatt möglich. Zudem ist es natürlich auch möglich, das Papier in eine Klarsichthülle zu schweißen, um es mehrfach verwenden zu können. Auch Küchenrolle erfüllt bei nicht zu hellem Sporenpulver seinen Zweck. Falls ihr ohnehin anschließend mikroskopieren wollt, könnt ihr auch direkt auf einen Objektträger aussporen lassen und anschließend zur Begutachtung verschiedenfarbige Zettel darunterlegen.
    Die Zweifarbigkeit dient dem einfachen Zweck, bei vorheriger Unkenntnis der ungefähren Sporenpulverfarbe das ganze Spektrum abdecken zu können, denn von weiß über rosa bis hin zu sehr dunklem Pulver ist alles möglich. Obwohl man oft an der Lamellenfarbe bereits die mögliche Sporenpulverfarbe erkennen kann, ist das natürlich kein Beweis und so ist man, bevor man am Ende ohne Ergebnis da steht, mit dem Schwarz-Weiß-Muster auf der sicheren Seite.
    Für Paint-Unbewanderte stelle ich ein Sporenabdrucksmuster als Druckvorlage in den Thread (Rechtsklick + "Bild speichern unter..." zum Herunterladen).


    Achtung! Als Entwurf drucken reicht. Damit spart man Farbe und hat kein stundenlang triefendes Blatt in der Hand.



    Schritt 3 - Nur der Hut


    Anschließend nehmt den zu untersuchenden Pilz. Nachdem ihr alle bestimmungsrelevanten Informationen zusammenhabt (Geruch, Geschmack und genaue Betrachtung von Hut / Fruchtschicht und Stiel), lasst den Pilz seinen letzten Weg gehen. Entfernt dafür den Stiel und legt den Hut mit der Fruchtschicht nach unten auf das Blatt, und zwar so, dass er gleichmäßig auf der weißen und der schwarzen Seite verteilt ist.



    Schritt 4 - Das Glas


    Im nächsten Schritt stülpt ein Glas über einen oder mehrere Exemplare. Das hat den Effekt, dass er nicht so leicht austrocknet, denn von einem schnell vertrockneten Pilz das Sporenpulver zu ermitteln, ist nicht immer möglich. Zudem scheint der Absporprozess dadurch schneller abzulaufen und es hält die gesammelten Sporen beisammen, sodass sie nicht verweht werden können.



    Schritt 5 - Die Nacht


    Lasst diese Konstruktion einfach über Nacht auf der Fensterbank stehen. Erfahrungsberichte haben gezeigt, dass eine kühlere Lagerung (draußen oder im Keller) sich als gewinnbringend erwiesen hat. Zwar ist es von Pilz zu Pilz sowie von Gattung zu Gattung und außerdem vom Stadium abhängig unterschiedlich, wie lange die Pilze zum Absporen brauchen, doch nach einer Nacht sollte das Sporenpulver in jedem Fall erkennbar sein.


    Optional: Schritt 6 - Der Objektträger


    Wenn die Pilze über Nacht abgesport haben, kann (zur wirklich korrekten Auswertung) das gesammelte Sporenpulver aufgekratzt und auf einen durchsichtigen Objektträger gelegt werden, da der jeweils schwarze oder weiße Hintergrund die eigentliche Farbe durchaus leicht verfälschen kann. Wie es bei diesem Rehbraunen Dachpilz z. B. einmal der Fall war. Das Pulver erscheint links rötlich und rechts bräunlich:



    Schritt 7 - Das Ergebnis


    Ich hoffe, ich konnte euch mit dieser Kurzanleitung und den wenigen Bildern zeigen, wie ihr die Farbe des Sporenpulvers als bestimmungsrelevantes Merkmal herausfinden könnt. Der Rotstich in den Lamellen hatte zwar bereits auf einen Rötling (Entoloma spec.) hingewiesen, aber den Verdacht konnte ich durch die Farbe des Sporenpulvers noch einmal erhärten. Nun wäre es Zeit, ein Mikroskop für die genauere Bestimmung zu nutzen.



    Achtung! Nicht immer klappt es! Wenn die gefundenen Exemplare zu alt, zu jung oder missgebildet sind, wartet man vergeblich auf das Sporenpulver. Entweder die Pilze hätten noch reifen müssen oder sie haben bereits ausgesport.


    Wenn ihr noch weitere Tipps und Tricks habt, könnt ihr mich gerne darauf hinweisen und ich werde sie noch mit einfließen lassen.


    Und nun: Viel Spaß und Erfolg bei der Sporenpulverbestimmung!


    Jan-Arne

                                                                               
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  • Hallo Jan-Arne,


    vielen Dank für die tolle Beschreibung, wie man die Pilze aussporen lässt !



    Zunächst nehme ich mir ein bei Paint erstelltes Blatt mit schwarzen Streifen.


    Statt dessen kann man auch ein schwarzes Blatt Papier kaufen und auf dem weissen drauf kleben/legen. So spart man ggf. dann die Tinte. ;)


    LG
    Joli

    LG
    Joli

    Alles ist miteinander verbunden, und hat einen Sinn. Obwohl dieser Sinn meist verborgen bleibt, wissen wir, daß wir unserer wahren Mission auf Erden nah sind, wenn unser Tun von der Energie der Begeisterung durchdrungen ist.
    - Paulo Coelho, Der Zahir -

  • Prima Arbeit !
    Sehr nützlich! :alright: :alright: :alright:


    Mit Glas geht ein Absporen zudem deutlich schneller, wenn ich nicht irre.





    Für Wiederholungstäter noch den Rat ein solches Papier zu folieren oder in Klarsicht einzuschlagen. So kann man das immer wieder verwenden. :freebsd:

  • Super, Jan-Arne!
    Könnte der Beitrag vielleicht von den Admins als "wichtiges Thema" markiert werden, damit er immer oben in der Liste bleibt? In den nächsten Monaten werden sicher Hunderte von Fragen zum Sporenpulver-Abdruck-Erstellen kommen, und so kann man dann schnell drauf verlinken!


  • Für Wiederholungstäter noch den Rat ein solches Papier zu folieren oder in Klarsicht einzuschlagen. So kann man das immer wieder verwenden. :freebsd:


    Gute Idee, Mausmann! :alright:
    So kann man auch die Tinte sparen.


    LG
    Joli

    LG
    Joli

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  • Hallo zusammen,


    danke für die positive Rückmeldung. Die Tipps habe ich ergänzt.


    @ Sarah: Das hängt wohl von Andreas ab. Wenn er den Thread findet, wird er das ggf. tun. Als möglicher Thread zur Verlinkung bei Nachfragen war er ja auch von Ingo gedacht.


    lg,


    Jan-Arne

                                                                               
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  • Hallo Jan-Arne!


    Sehr schön!
    Vielleicht als kleine Ergänzung noch, wenn man es ganz professionell auswerten will.


    Wie ihr seht, erscheint das Sporenpulver, je nachdem welche Farbe als Untergrund des Sporenabwurfes dient, leicht verschieden. Eine durchsichtige Glasplatte oder Folie macht sich also auch nicht schlecht und würde dem entgegen wirken.
    Auch ändert sich logischerweise die Farbeischätzung, um so dicker das Sporenpulver aufeinanderliegt (dick = immer dunkler als dünn).


    Will man es also ganz perfekt machen, kratzt man das gesammelte Sporenpulver zusammen und überträgt es auf einen (durchsichtigen) gläsernen Objektträger. Oben drauf kommt dann noch einer. Wenn zwischen den beiden Objektträgern kein sichtbarer Spalt mehr zu sehen ist, hat man ungefähr die richtige Sporenpulver-Stärke zum Vergleichen mit Farbtabellen.


    VG Ingo W

    ________________________________________________________________
    "Pilz nur von oben ist wie Käfer nur von unten"
    oder wie sogar die Gnolme wissen:
    "Pilzis ne bloß von o'm anguck!! Unt'n auch wichtich is!" ==Gnolm2


    137-15 (Gebühr APR 2018) = 122+12 (APR 2018 Platz 4) = 134+1 (Segmentwette APR 2018) = 135+2 (schöner Falsch-Phal APR 2018 = 137+9 (3.Platz schöner Phal APR 2018) = 146-15 (Gebühr APR 2019) =131+9 (APR-Schnell-Joker-Bonus) = 140+4 (APR2019-Platzierungswette) = 144+3 vom Gnemil-APR-Nachrätsel = 147+9 (Phalplatzierungs-PCs) = 156 - 20 (Gebühr APR 2020) = 136+3 (Einlaufwette APR2020) = 139 + 6(3x2) für gute Phäle APR2020 = 145



    Link: Nanzplan APÄ-2020

    Link: Gnolmengalerie

    Link: die schönsten Phäle zu APR-2020



    Einmal editiert, zuletzt von Ingo W ()

  • Hallo Jan-Arne, hast du sehr schön gemacht und sehr gut erklärt,



    Wenn ich morgen den Thread zur Sporenabdruckerstellung reinstelle, kannst du sicher noch den ein oder anderen Tipp hinzugeben.


    ich weiss nicht ob ich da noch mehr Tip habe du hast alles schon gesagt, ich kann aber meine Metode erklären und zwar ich nehme ein Blatt küchenrolle Papier feuchte ich sie ganz wenig an, lege ich sie in ein meiner Plastik becher rein Pilz rein mit Lamellen nach unten, mit den Papier zu decken und dann warten, und am ende kommt sowas raus.



    Das war aber viell. auch Glück.

    Gruß Mario
    Ein Gruß aus den Bergischen Land


    Pilzchips 40 / 13 PC fürs APR.


    Bei Geschmackprobe bitte nicht runter schlucken.

    Einmal editiert, zuletzt von Trino ()

  • Huhu,


    schöne Erklärung, danke dafür !
    Eine kleine Ergänzung: das Glas hat den zusätzlichen Effekt, dass die Sporen nicht quer durch's Zimmer verteilt werden. Ohne Glas findet man oft nur heraus, dass die Fenster-Dichtungen erneuert werden sollten ;)
    (Selbstmurmelnd lässt man die Fenster geschlossen, falls da noch wer unsicher war...)


    Viel Spaß noch,
    Marcus

  • Hallo Jan-Arne,


    schöner Beitrag.
    Aber das mit dem Beschweren leuchtet mir noch nicht ein. Dabei können die Lamellen doch gequetscht und verbogen werden. Außerdem liegen sie eher auf dem Papier auf. Das sollte die Sporenausbeute doch deutlich verringern?


    Noch eine Frage: Hat mal jemand versucht, wie es Bon vorschlägt, in die Unterlage ein Loch zu schneiden, den Stiel durchzustecken und in ein Wasserglas zu hängen? Bringt das was oder reicht es, ein Glas überzustülpen?


    Viele Grüße
    Toffel

  • Hallo Jan-Arne,


    noch vor einem guten halben Jahr als absoluter Newbie dachte ich, das aussporen lassen nur was für Fachleute und bestimmt sehr kompliziert sei. :hmmm:
    Dein toller Beitrag hätte mir bestimmt meine Unsicherheit genommen und ich hätte es viel früher schon ausprobiert. :alright:


    Als ich mich dann damit befasst habe, war ich erstaunt, wie einfach es eigentlich ist.


    Irgendwo habe ich dabei auch gelesen, dass man den Pilz, der aussporen soll, kühl stellen sollte. 10 ° bis 12 ° Grad wurden als ideal genannt. Leider finde ich die Quelle nicht mehr.
    Kann das jemand bestätigen? Ich halte mich nämlich nicht unbedingt daran und habe trotzdem ganz gute Ergebnisse.

  • Hi,


    Aber das mit dem Beschweren leuchtet mir noch nicht ein. Dabei können die Lamellen doch gequetscht und verbogen werden. Außerdem liegen sie eher auf dem Papier auf. Das sollte die Sporenausbeute doch deutlich verringern?


    Ich habe es von Anfang an so gemacht. Vermutlich ändert es nicht viel. Mich hat es nur immer gestört, wenn bei ganz kegeligen Hüten nur der Rand des Pilzes das Blatt berührte, was für das Absporen letztlich aber keinen Unterschied macht. Wie gesagt: Vermutlich dient der Seeigel dann nur der Optik, weil ich glaube, dass so die Sporen eher die Lamellenstruktur annehmen.


    Noch eine Frage: Hat mal jemand versucht, wie es Bon vorschlägt, in die Unterlage ein Loch zu schneiden, den Stiel durchzustecken und in ein Wasserglas zu hängen? Bringt das was oder reicht es, ein Glas überzustülpen?


    Das hört sich irgendwie nach großem Aufwand an. Ich weiß nicht, ob es die Ausbeute maximiert, aber ich kam mit der einfacheren Version bisher eigentlich gut klar.




    Hallo Rübezahl,


    Irgendwo habe ich dabei auch gelesen, dass man den Pilz, der aussporen soll, kühl stellen sollte. 10 ° bis 12 ° Grad wurden als ideal genannt. Leider finde ich die Quelle nicht mehr.
    Kann das jemand bestätigen? Ich halte mich nämlich nicht unbedingt daran und habe trotzdem ganz gute Ergebnisse.


    Das würde mich auch mal interessieren. Mal gucken, ob jemand anders auch mal was davon gehört hat.


    lg,


    Jan-Arne

                                                                               
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  • Hallo!


    Kann sein, dass ich mal sowas geschrieben habe.
    Zumindest geht ´s bei mir im Keller ganz gut. Allerdings gebe ich zu, dass ich wohl noch keine 10 Fruchtkörper habe aussporen lassen.


    VG Ingo W

    ________________________________________________________________
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  • Hallo zusammen,


    ich lasse meine Pilze immer draußen über die Nachts auf dem Tisch auf der Terasse liegen, damit sie dort aussporen. Es geht immer wunderbar! Ich denke, dass dieser Prozess gelingt besser, wenn es dunkel, nicht trocken/leicht feucht (d.h. keine strahlende Sonne) und etwas kühler ist. Das ist aber nur mein Gefühl bzw. Erfahrung, die ich bis jetzt gemacht habe.


    LG
    Joli

    LG
    Joli

    Alles ist miteinander verbunden, und hat einen Sinn. Obwohl dieser Sinn meist verborgen bleibt, wissen wir, daß wir unserer wahren Mission auf Erden nah sind, wenn unser Tun von der Energie der Begeisterung durchdrungen ist.
    - Paulo Coelho, Der Zahir -

  • Hallo zusammen


    ich beschwere die Pilze nicht und lasse sie direkt auf einem Objektträger aussporen den ich dann nach Bedarf schwarz oder weiß unterlege. Wenn ich die Sporen mikroskopieren möchte stören manchmal die Lamellenreste, die zwangsläufig an der Unterlage kleben bleiben.


    Gruß
    Günter

  • Hallo, zusammen,


    Meine Erfahrungen mit Absporen:


    Unterlage:
    - Es gibt keinen vernünftigen Grund, auf Papier absporen zu lassen.
    (ausser man möchte es als Bild an die Wand hängen. Dann mit Haarspray fixieren).
    Das Papier saugt Feuchtigkeit aus den Sporen, was die Farbe verfälscht (darum klebt es!).
    Beim Zusammenkratzen hat man nachher unsichtbare Papierfasern unter dem Mikroskop,
    was bei der Arbeit mit Reagenzien nicht unbedingt wünschenswert ist.
    Ideal sind Objektträger.
    (Behelfsmässig Taschenspiegel, gläserne Backform, weisser Teller, usw.)
    Vorsicht: Wer gewohnt ist, auf Papier absporen zu lassen,
    muss vorsichtig sein mit Atmen - der Abwurf klebt nicht und weht fort!
    Objektträger haben den Vorteil, dass man zum Fixieren gleich einen
    zweiten darüberlegen und mit zwei Fitzelchen Klebband befestigen kann.


    Betrachten:
    Eine Schwierigkeit: Wenn man den Objektträger hochhebt beim Betrachten,
    ergibt sich eine völlig andere Farbe, als wenn er liegt (ausprobieren!)
    Beim Hochheben hat man Durchlicht von unten, wie beim Mikroskop.
    Allerdings: Durch die Dicke des Objektträgers hat man jedoch beim Liegen
    auf weissem Papier durch die Reflexion auch schon ein wenig Durchlicht.
    (aus diesem Grund hat Walter Pätzold in den Täublingskursen
    eine gigantische Rolle mit glatter, weisser Kunststoff-Folie gehabt
    und uns daraus immer wieder Stücke als Abspor-Unterlage geschnitten.
    Die Methode ist ungewohnt - die meisten Mykologen bevorzugen Objektträger).


    Beleuchtung:
    Ein fast unlösbares Problem.
    Die Farbe des Sporenpulvers kann völlig anders wirken,
    wenn bei Kunstlicht oder am Fenster bei Tageslicht betrachtet wird.
    An späten Herbsttagen haben wir aber kein Tageslicht mehr.
    Zwar kann man mit verschiedenen Lichtquellen
    (LED, Tageslichtlampen usw.) experimentieren.
    Nur: Die Autoren, die den jeweiligen Pilz beschrieben,
    hatten beim Betrachten des Abwurfs sicher nicht diese Lichtquelle.


    Zusammenkratzen:
    Eine Glaubenssache.
    Bei schwachen Abwürfen kann ein Hauch Sporenpulver,
    auf dem Objektträger verteilt, unter Umständen einen besseren Eindruck
    der Farbe vermitteln, als ein zusammengekratzter, fast unsichtbarer Punkt,
    bei dem man bestenfalls noch zwischen "dunkel" und "hell" unterscheiden kann.
    Walter Pätzold riet, die Sporen von Täublingen auf keinen Fall zusammenzukratzen,
    wenn wenig Sporenpulver vorhanden sei, da die Autoren der Täublings-Schlüssel
    (Romagnesi, usw.) auch nicht zusammengekratzt hätten.
    Ausnahme seien die (allerdings oft falschen) Farbtabellen in "Pilze der Schweiz",
    da diese Autoren zusammengekratzt hätten.
    Andreas Gminder hat allerdings Pätzolds Auffassung widersprochen.
    Er findet, es sei sinnlos, aus einem Hauch Lamellenstruktur die Farbe sehen zu wollen.
    Er rät dazu, auf jeden Fall den Abwurf zusammenzuschieben.


    - Temperatur und Feuchtigkeit:
    Grundregel:
    Trockene Pilze sporen schlechter ab und kalte Pilze sporen schlechter ab.
    Feuchte Pilze sporen besser, ab, warme Pilze sporen besser ab.

    Ein Experiment dazu:
    Man nehme zwei Exemplare eines Dunkelsporers mit noch jung hellen Lamellen
    (zum Beispiel einen Faserling)
    und lege einen Pilz in den Kühlschrank und den anderen auf den Tisch.
    Am nächsten Tag hat der Hut auf dem Tisch dunkle Lamellen,
    der im Kühlschrank ist hell oder zumindest heller geblieben.
    Der Reifeprozess ist in der Kälte verlangsamt.


    Wenig feuchte oder schon angetrocknete Pilze:
    Sporen häufig schlecht ab.
    Unbedingt zudecken beim Absporen, möglichst mit sehr kleinem Behälter,
    um ein feuchtes Mikroklima zu erzeugen.
    Notfalls die Methode mit dem Wasserglas anwenden:
    Glas unten mit wenig Wasser füllen, zwei Objektträger darauflegen, mit etwas Abstand,
    Stiel zwischen den Objektträgern ins Glas hängen lassen,
    die ganze Konstruktion, inkl. Glas mit einem Behälter abdecken.
    Gute Zimmertemperatur, nicht zu kühl, hilft.
    (diese Methode hat den Vorteil, dass der Stiel dran bleibt,
    und man nicht schon vor dem Bestimmen den Pilz zerstört hat,
    sie kann also, auch ohne Wasser und Zudecken, generell verwendet werden.)


    Feuchte Pilze:
    Sporen generell sehr willig ab.
    Aber Vorsicht!
    Wir hatten im Täublingskurs bei Pätzold schon hübsche Überraschungen.
    Die regendurchweichten Pilzhüte lagen im warmen Raum auf Objektträgern, zugedeckt mit Wassergläsern.
    Nach ein paar Stunden hoben wir die Gläser hoch.
    Jeder Pilzhut war zu einem hübschen, wattigen Häufchen Schimmel geworden.
    Abhilfe:
    Entweder weniger eng zudecken, damit nicht so eine dichte Dampfglocke entsteht,
    (statt eines Glases einen grösseren Behälter verwenden zum Zudecken)
    und/oder ganz einfach in weniger warmem Klima absporen lassen.
    (wenn man bloss voraus wüsste, was im jeweiligen Fall ideal ist...)


    Generell:
    Es gibt Pilze, die möchten einfach nicht absporen.
    Nicht persönlich nehmen!


    Eure Harald Andres


  • Meine Erfahrungen mit Absporen.


    Großartig, dass Du hier Deine Erfahrungen mit dem Absporen niederschreibst, Harald Andres!
    Sehr interessante Aspekte, die jeder, der Sporenpulver gewinnen möchte, unbedingt lesen sollte.
    Ich halte das für eine äußerst gelungene Ergänzung dieses interessanten Threads, und wünsche Deinen Ausführungen viele Leser!


    LG Nobi

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  • also, da bin ich ja ganz schön naiv an die Sache rangegangen :) Ich habe gestern einen der Pilze aus meinem Garten (den ich noch hier zur Bestimmung einstellen wollte, aber heute sind keine mehr da) geholt, den Stiel abgetrennt, den Hut auf eine weiße Postkarte gelegt, eine Kaffeetasse drübergestülpt und nach ein paar Stunden nachgesehen (das ganze stand im Wintergarten). Ergebnis, wunderschöner Sporenabdruck, ganz schwarz. Ich weiß nun zwar nicht, was ich damit anfangen soll (liegt seit gestern neben meinem Computer, aber vielleicht bring ich ihn doch lieber nach draußen....

    Man verzeihe mir, ich bin eben noch blutiger Anfänger :)

  • Sehr schön, dass Du diesen alten Thread wieder ausgegraben hast!

    Wollte ich mir schon immer mal abspeichern, nun werde ich es endlich tun!


    Liebe Grüße

    Nobi

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  • Hallo Pilzfreunde, die Sporenbestmmung wie beschrieben mache ich schon seit vielen Jahren. Mit dem Glas überstülpen war mir neu. Ohne Glas hat man, wenn ein Luftzug geht, manchmal mystische Gebilde. Vorsichtig rate ich beim Einstecken in Folie. Man darf dann nicht über die Folie streichen, da diese sich elektrisch auflädt und alle Sporen befinden sich an der Folie. Soweit meine Erwartungen. Gruß PF RB

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