Beiträge von Harald Andres Schmid

    Hallo, zusammen,

    Ja, C. delibutus, der Blaublättrige Schleimfuss,

    kann, untypisch für eine Myxacie,

    geradezu riesige Fruchtkörper bilden.

    Die können einen dann narren,

    besonders bei älteren Exemplaren.

    Typisch sind die subglobosen Sporen.

    Verwechslungen mit C. varius wären nicht tragisch,

    da beide Arten essbar sind.

    Hier nochmals zwei Fotos von C. delibutus:

    Cortinarius delibutus



    Ähnlich, und an ähnlichen Standorten,

    aber sehr bitter,

    und ohne subglobose Sporen

    ist C. vibratilis

    Cortinarius vibratilis


    Lieben Gruss, Harald Andres

    Hallo, Thomas,

    Super!
    Das ist richtig!

    Damit wäre das Rätsel doch noch gelöst.

    Die beiden Pilze sind sich sehr ähnlich.

    C. varius ist ein Schleimkopf,

    C. delibutus ein Schleimfuss.

    Beides recht häufige Arten im Bergnadelwald.

    Lieben Gruss, Harald Andres

    Hallo,

    Ich wollte nicht sagen, das C. collinitus

    mit C. stillatitius zusammengelegt wurde.

    Soweit ich es verstanden habe,

    ist C. collinitus zu C. muscigenus gestellt.

    Aber vielleicht ist das ja schon wieder veraltet...


    Lieben Gruss, Harald Andres

    Hallo, zusammen,

    Danke, für die vielen Rückmeldungen.

    Schön, dass es gefällt!


    Ich denke, irgend jemand wird das Rätsel

    auf dem letzten Bild doch noch lösen können?

    Kleine Hilfe:

    Die Falle besteht darin, dass zwei verschiedene Arten auf dem Bild sind.

    Keiner hat eine gerandete Knolle.

    C. varius ist drauf. Aber welcher von denen?


    Lieben Gruss, Harald

    ...denn wenn ich Dich richtig verstanden habe, sind das jetzt nur die, die Du nicht bereits ausführlich vorgestellt hattest.


    Eine sehr laienhafte Frage habe ich zur Sequenzierung. Wenn Ihr ein Ergebnis habt, müsst ihr das ja einer Pilzart zuweisen. Das funktioniert doch nur, wenn die Art bereits sequenziert und irgendwo in einer Datenbank hinterlegt ist, richtig? Wenn ihr nicht Übereinstimmendes findet, hilft die Sequenzierug bei der Artbestimmung auch nicht hundertprozentig, oder? Es könnte ja sein, dass die Art zwar bekannt aber noch nicht sequenziert isr. Was tut man mit solchen Ergebnissen? Warten, bis andere, ähnliche Funde dieselben Sequenzierungsergebnisse produzieren und dann einen Namen dran schreiben?

    Hallo,

    Schön, dass es gefällt! Ja, ich habe hauptsächlich die Arten genauer besprochen, die in den vergangenen Jahren etwas zu kurz kamen, oder die nicht da waren. Natürlich gibt es "Doppelspurigkeiten". C. corrosus und C. barbarorum hatte ich schon letztes Jahr gezeigt, aber hier beim Erklären in einen anderen Zusammenhang gestellt. Andere Pilze, die wir öfters gezeigt hatten, wie C. venetus, habe ich dieses Mal weggelassen.

    Bei den Fragen zur Sequenzierung hast Du ja selber schon die Antworten gegeben, was Schwierig an der Sache ist. Ich verstehe selbst nicht viel davon, vielleicht kann Uwe da noch ein wenig mehr dazu sagen, wie er in da vorgeht.

    Lieben Gruss, Harald Andres

    Lieber Uwe,

    Wenn da jemand vielen Dank sagen darf, dann wir!

    Ohne Dich wären wir nie so weit gekommen, mit den Cortinarien.

    Du bist schlicht unglaublich...

    Dankbaren Gruss aus der Schweiz, Dein Harald Andres

    Hallo, zusammen,


    Nach der Cortinarienwoche 2016

    und der Cortinarienwoche 2017

    und der Cortinarienwoche 2018

    nun den Bericht der

    Cortinarienwoche 2019


    Aus dem berüchtigten "Trio Infernale" auf der Bank

    ist mittlerweile ein Quartett geworden...



    Von links nach rechts:

    Uwe (im Forum: "Cortinarius"), Ingrid, Harald Andres, Anna Maria


    Unser "Basislager" war diesmal in Schiers, im Prättigau.

    Unterwegs waren wir in:

    Brambrüesch, Heuberge Friedrig, Buchwald Malans,

    St. Antönien, Conters, Schuders.

    Zu Beginn ein Rätsel:

    Wie viele Arten liegen in diesem Schälchen?



    (Auflösung des Rätsels weiter unten)


    Als Rätselhilfe hier zur Einstimmung ein paar blaue Pilze:


    Der untenstehende Pilz hatte uns beim Aufnehmen genarrt.

    Er war wegen der feuchten Witterung von oben bis unten

    mit einer Schleimschicht bedeckt, wie ein Schleimfuss,

    was er als brave Telamonie überhaupt nicht dürfte.

    Es gibt jedoch keine Myxacie mit solchen Velumgürteln.

    Beim Trocknen im Schälchen bestätigte sich dann seine Identität:

    Cortinarius alboviolaceus


    Dieser hier darf als Myxacie jedoch schleimig sein.

    Er ist von oben bis unten von stahlblauer Färbung.

    Das macht ihn eigentlich gut kenntlich.

    Häufig ist er allerdings nicht anzutreffen.

    Er gehört in den Bergnadelwald zu Fichten,

    ist ziemlich selten (in der Schweiz 5 Mal kartiert)

    und gehört zu den "Delibuti" mit subglobosen Sporen:

    Cortinarius emunctus


    Der Folgende ist aufgrund seiner Merkmalskombination kenntlich.

    - von unten wie Cortinarius anomalus

    - von oben ockerfarben

    Diese Kombination ist dann auch im Namen herauszuhören.

    Er ist jedoch keine Telamonie, wie C. anomalus, sondern Phlegmacie,

    und ebenfalls sehr, sehr selten (vier Einträge).

    Mit dunkler ockerfarbenem Hut wäre es C. riederi:

    Cortinarius anomaloochrascens




    Weitere schöne, blaue Pilze zur Inspiration

    sind bei den Caerulescentes zu finden.

    Die hatten sich in den vergangenen Cortinarienwochen rar gemacht.


    Diesmal waren sie da. Und wie!

    Zuerst mal der Typuspilz aus dem Laubwald.

    Er hat die charakteristischen weissen "Plaquen" auf dem Hut,

    die ziemlich schnell ins Ockerliche ausblassen,

    und sehr viel Velum, das beim Aufschirmen regelrechte Söckchen bildet.

    Cortinarius caerulescens


    Das eine Schwesterchen von C. caerulescens steht

    als einzige der Gruppe im Nadelwald:

    Cortinarius caesiocanescens




    Das andere Schwesterchen von C. caerulescens

    kommt wieder aus dem Laubwald und sieht im Vergleich

    sehr hell und sehr kahl aus, und hat eine bittere Huthaut.

    Verwirrend ist, dass sie sich über eine gerandete Knolle schlüsselt,

    was sie in der Realität nie so wirklich ausgeprägt hat,

    und gehört ebenfalls zu den Raritäten:

    Cortinarius caesiostramineus


    Das vierte Schwesterchen ist eine verwirrende Persönlichkeit.

    Zumindest was die Einordnung in der Literatur betrifft.

    Das folgende Bild ist keine Fehlbestimmung!

    Cortinarius terpsichores ist eine sehr blasse Art.

    Nur am Hutrand ist sie leicht bläulich. Sie gilbt.

    Die dunkelviolette Art heisst heute Cortinarius eucaeruleus

    (Wir beziehen uns dabei auf die Einordnung nach Funga Nordica,

    andere Auffassungen sind selbstverständlich erlaubt).

    Cortinarius terpsichores


    Unten etwas blau, aus der Verwandtschaft von Cortinarius anomalus

    ist der folgende, mit seinen roten Schuppen immer wieder hübsche Pilz:

    Cortinarius spilomeus


    Ein weiterer, wunderschöner blauer Pilz.

    Er ist das Schwesterchen der Schleiereule, Cortinarius praestans,

    mit ihrem wunderschönen, blauen Velum.

    Allerdings wohnt sie im Nadelwald (auch wenn sie schon

    ausnahmsweise unter Linde gefunden wurde).

    Cortinarius cumatilis


    So, war das genug Inspiration, das obige Rätsel zu lösen?

    Es ist tatsächlich alles dieselbe Art!

    Cortinarius Salor kann völlig ins Gelbe ausblassen im Alter.

    Cortinarius salor


    Nur im Schnitt blau ist die folgende Phlegmacie.

    Sie steht im Buchenwald und hat als kleinen Gag

    ein grünes, schleimiges Velum auf grünem Hut,

    was das Ganze natürlich unsichtbar macht.

    Es ist sehr bitter.

    Cortinarius anserinus


    Bei den gelben Klumpfüssen hatten wir auch eine neue Art.

    Die vergangenen Jahre hatten wir ja öfters C. meinhardii.

    Er gilt als tödlich giftig und wohnt im Bergnadelwald.

    Hier also zuerst nochmals C. meinhardii:

    Cortinarius meinhardii


    Das Schwesterchen aus dem Laubwald hiesse C. splendens.

    Mit etwas weniger leuchtendem, aber grünerem Fleisch,

    was ihm auch den Namen Grünlings-Klumpfuss eingetragen hat,

    ebenfalls aus dem Laubwald hatten wir die folgende Art.

    Wenn die Farben nicht klar sind, kann man die Sporengrösse prüfen.

    Sie sind bei C. citrinus deutlich kleiner.

    Die Art ist auch seltener (im Bündnerland bisher nur 2 Einträge):

    Cortinarius citrinus




    Zur Ergänzung, einfach weil er so schön ist,

    eine weitere gelbe Art, mit Geruch nach Banane oder Cox orange.

    Sie gehört zur schwierigen Gruppe um C. mussivus,

    die wir letztes Jahr ausführlich besprochen hatten.

    Cortinarius percomis


    Derzeit ein Massenpilz in den Bergen ist die folgende Art.

    Frage: Um was handelt es sich, wenn man milchkaffeebraune,

    grosse Phlegmacien findet, die vom Habitus her

    sehr an Cortinarius elegantior erinnern?

    Natürlich um diesen hier:

    Cortinarius corrosus




    Hier zum Vergleich Cortinarius elegantior,

    mit seinem strohgelben, messingfarbenen bis caramelfarbenen Hut

    und der schönen, zarten rosafarbenen KOH-Reaktion im Fleisch

    und den charakteristischen, riesigen Sporen:

    Cortinarius elegantior


    Und hier nochmals zum Vergleich Cortinarius corrosus,

    der Vergrabener Klumpfuss heisst, was man beim Aufnehmen begreifft.

    Er ist häufig anzutreffen, aber anscheinend unbekannt

    (die drei bisherigen Einträge im Bündnerland stammen von uns):

    Cortinarius corrosus


    Bei den schön sattgelben Arten mit lilafarbenen Lamellen,

    bei denen man beim Aufnehmen pauschal an etwas aus den Calochroi denkt,

    hatten wir sehr schöne, schwierige und faszinierende Kollektionen.

    In der Literatur falsch beschrieben ist die KOH-Reaktion der folgenden Art.

    Sie reagiert weder auf dem Hutrand noch auf dem Knollenrand.

    Das Macel ist weisslich, der Knollenrand gelblich-braun

    (nicht schwefelgelb!), der Stiel weisst kaum blaue Töne auf.

    Cortinarius piceae

    (Cortinarius callochrous var. coniferarum)





    Sehr ähnlich, aber mit leuchtendgelben Mycelsträngen (s. Bild)

    und lange blauer Tönung im Stiel und kräftigen Fruchtkörpern:

    Cortinarius haasii




    Der absolute Star aus der Gruppe ist diese Art hier:

    Sie hat goldenes Velum am Knollenrand und heisst darum

    zu Recht Goldstaub-Klumpfuss.

    Auffallend ist die KOH-Reaktion, sie ist blitzschnell!

    Gleich bei Berührung (auch mit nur 3% KOH!!!)

    gibt es einen leuchtend blutroten Fleck!

    Cortinarius aureopulverulentus


    Aber es kommt noch toller!

    Jung hat die Art auf dem Hut ein grau-violettes Velum universale,

    dass abfällt und die schleimige, goldgelbe Schleimschicht freigibt.

    Wie geil ist das denn!

    So sieht das aus, wenn man den Pilz staunend in Händen hält:



    Etwas langsamer ist die KOH-Reaktion bei dieser Art (ca. eine halbe Sek.)

    und die Reaktion geht auch mehr ins Rosaliche:

    Cortinarius barbarorum


    Die folgende Art hat cremefarbene Lamellen

    und ist zu Beginn für den Bestimmer nicht ganz einfach.

    Sie muss nämlich über KOH-Reaktion ohne Rosa

    am Knollenrand geschlüsselt werden, was verwirrend sein kann.

    Der Pilz zeigt nämlich eine leichte Reaktion.

    Der Hut ist gelblich, dunkelt jedoch vom Zentrum her schnell nach,

    und bekommt oft radiale, geflammte Streifen.

    Die Lamellen können leicht gesägt sein.

    Die Sporen sind subglobos, pflaumenförmig, und sehr rauh.

    Einfach kenntlich wäre die Art,

    wenn man beim Aufnehmen die Stielbasis genauer betrachten würde,

    sie ist nämlich charakteristisch pfeilartig zugespitzt.

    Cortinarius caesiocortinatus





    Bei den Arten aus der Sekt. glaucopodes

    hatten wir dieses Jahr, wie auch die vergangenen Jahre

    als Massenpilz C. dionysae, mit seinem heftigen Mehlgeruch,

    dem geflammten Hut und dem schön gelben Velum am Knollenrand.

    Cortinarius dionysae


    Hier noch der Typuspilz, mit seinen charakteristisch kleinen Sporen

    und dem verräterischen blauen, metallischen Schimmer in der Stielspitze:

    Cortinarius glaucopus


    Ein sehr hübscher Vertreter der Gruppe ist diese Art hier.

    Er wächst bei Laubbäumen, hat eine auffallend ausgeprägte Knolle

    mit Tendenz zum Wurzeln, dunklere Olivtöne und sehr reichliches Velum.

    Cortinarius magicus


    Bei der folgenden, kleinen, zierlichen Art

    würde wohl kaum jemand an eine Phlegmacie denken.

    Und doch ist es eine!

    Die KOH-Reaktion auf dem Hut ist rotbraun, im Fleisch negativ.

    Cortinarius gracilior




    Wenn wir grad noch bei den Phlegmacien sind -

    die folgende Art ist da drin auch etwas problematisch.

    Sie erinnert eher an eine Telamonie, da sie kaum schleimig ist.

    In der Literatur ist man sich auch nicht einig,

    ob die Lamellen cremefarben oder aber jung violettlich sind,

    entsprechend schlüsselt man sich da ins Niemandsland.

    Schön ist er allerdings, der Fuchs-Dickfuss, und sein Schwesterchen,

    subsp. pseudovulpinus, hat im Schnitt gilbendes Fleisch.

    Unsere Kollektion hat auffallend dunkel-rotbraune Hüte.

    Cortinarius vulpinus


    Ähnlich ist die folgende Art, die sich leicht schlüsseln lässt,

    und die wir die vergangenen Jahre genauer vorgestellt haben (siehe dort).

    Cortinarius saginus


    Ebenfalls aus den Cliduchi stammt der Namensgeber,

    Cortinarius cliduchus, ehem. C. olidus,

    der das Cover von Band 5 der "Pilze der Schweiz" ziert:

    Cortinarius cliduchus


    Bei den Phlegmacien der sect. variecolores

    mit ihrer typisch heftigen, gelbgerandeten KOH-Reaktion im Fleisch

    hatten wir dieses Jahr die kartoffelfarbene Variante

    mit dem im Schnitt hübsch blauem Fleisch.

    Er stinkt nicht so nach feuchtem Keller wie C. variecolor:

    Cortinarius largus




    Die folgende Art würde man wegend es schleimigen Hutes

    bei den Phlegmacien vermuten, es ist jedoch eine Telamonie,

    gut gekenntzeichnet durch die schönen Blautöne

    und das heftig rötende Fleisch

    Cortinarius cyanites


    Wären wir bei den Telamonien angelangt?

    Oh weh!

    Uwe zweifelt oft an meinem Geisteszustand,

    wenn ich kleine, braune Telamonien aufnehme,

    und seine "Lass-das-bleiben"-Ratschläge ignoriere.

    Ich nenne ihn dafür einen Feigling, wenn er mir nicht helfen will,

    bei meinen (zugegeben meist aussichtslosen und oft sehr fragwürdigen)

    Bestimm-Versuchen...

    (vielleicht ist Uwe einfach ein bisschen vernünftiger als ich).

    Bei den folgenden Arten, sind wir uns jedoch einig,

    dass die Bestimmung so einigermassen gelten darf.


    Wenn man eine hübsch orangene Telamonie aufnimmt,

    die an getrocknete Aprikosen erinnert

    (und darum bei der Sect. armeniaci "versorgt" werden könnte),

    wenn sie dann noch langstielig ist und subglobose Sporen hat,

    dann darf man dem Pilzchen getrost Illuminus sagen.

    Cortinarius illuminus




    Wenn man eine braune Telamonie aufnimmt,

    die im Hutzentrum grauslich schwärzlich nachdunkelt,

    dann darf man getrost an die Sect. sordescentes denken.

    Cortinarius sordidemaculatus


    Wenn man eine schon von Anfang an sehr dunkle Telamonie aufnimmt,

    und sie ein hübsch weisses, oft schräges Bändchen am Stiel hat,

    mit auffallend entferntstehenden Lamellen,

    dann darf man ihr getrost Brunneus sagen.

    Cortinarius brunneus


    Wenn man kartonfarbene Telamonien aufnimmt, wird es schon schwieriger.

    Sect. malachii ist dann schon eine Option, aber man muss sauber schlüsseln,

    und oft bleiben halt zu Recht heftige Zweifel.

    Wenn das Fleisch in der Stielspitze violettlich ist,

    darf man dem Pilzchen allerdings getrost Malachius sagen.

    Cortinarius malachius




    Die Telamonien werden allerdings immer noch sequenziert,

    und vielleicht sind die obigen Bestimmungen bereits überholt.


    Gut kenntlich ist jedoch die folgende Art,

    mit ihrer wunderschönen Hutoberfläche,

    die im Wald schon von weitem warm leuchtet

    und nichts anderes (Name!) als eine untergehende Sonne bedeutet!

    Das Fleisch muss allerdings im Stiel violett sein, sonst ist es C. laniger.

    Cortinarius solis-occasus




    Ebenfalls gut kenntlich sind die "Stockschwämmchen",

    Cortinarien ohne Cortina, die häufig sind, aber wohl oft übersehen werden.

    Cortinarius renidens




    Cortinarius rubicundulus gehört zu den wenigen Cortinarien,

    die über auffallende Zystiden verfügen.

    Er hat deutlich gilbendes Fleisch, wie C. bolaris,

    und ist doch einfach eine Schönheit, oder?

    Cortinarius rubicundulus


    Ob es die folgende Art wirklich gibt, weiss ich nicht,

    es wäre die Nadelwaldform des leicht kenntlichen C. turgidus:

    Cortinarius turgidoides


    Eindeutig ist jedoch die folgende Art, die etwas rötet,

    kaum schleimig ist, und doch zu den Phlegmacien gehört,

    auch wenn sie völlig als Telamonie daherkommt:

    Cortinarius fraudulosus


    Grosse Freude machte der folgende, wunderhübsche Fund,

    ein Pilz mit leuchtend roter Stielbasis

    (leider auf dem Bild schlecht zu sehen):

    Cortinarius bulliardi


    Die Art gehört zu der Sect. cinnabarini,

    in der auch der Namensgeber versteckt ist, C. cinnabarinus.

    Er war früher bei den Hautköpfen, Dermocybe, eingeordnet,

    aber Hautköpfe sollten nun mal nicht hygrophan sein.

    Cortinarius cinnabarinus


    Der Doppelgänger von C. limonius, der aber im Sauren wächst,

    ist C. callisteus, mit seinem "Lokomotivengeruch".

    Wer sich darunter nichts vorstellen kann:

    Geruch nach heisser, öliger Maschine, heissem Metall.

    Cortinarius callisteus


    Den folgenden Pilz lässt Uwe noch sequenzieren.

    Man gelangt beim Schlüsseln immer wieder zu C. populinus,

    auch wenn er etwas merkwürdig aussieht, dafür.

    Die Art gehört zu den Cliduchi, und sie stand unter Birke statt Espe

    (was sie jedoch laut Funga Nordica gern darf).

    Jedenfalls ein faszinierendes Teil, das uns beschäftigt hat:

    Cortinarius populinus?


    Damit die Rauhköpfe nicht zu kurz kommen:

    Er sieht aus wie ein farbverfälschter C. violaceus,

    stinkt nach Rettich, hat einen plüschigen Hut,

    kommt aus dem Laubwald und ist sehr hübsch:

    Cortinarius cotoneus




    Das Schwesterchen kommt aus dem Nadelwald,

    hat dunkle Schuppen auf dem Hut

    und riecht nach Petersilie:

    Cortinarius melanotus


    So, das wär's denn bald.

    Die anderen Arten könnt Ihr bei den Berichten

    der vergangenen Jahre nachlesen.


    Vielleicht lädt Uwe ja noch die ganze Fundliste hoch.


    Ach ja, weil er so schön ist, ein Schleimfuss:

    Cortinarius trivialis


    Und hier noch ein Rätsel.

    Was zeigt das folgende Bild?

    (Vorsicht, Falle!)



    Die Fotos sind von mir,

    die schönen Standortfotos sind jedoch von unserem

    geduldigen, unermüdlichen Mentor Uwe Winkler,

    dem wir hier nochmals unseren lieben Dank aussprechen.

    Wie kann man nur so viele Cortinairen auswendig im Kopf haben?

    Du erstaunst mich immer wieder...


    Und an Euch:

    Danke fürs Interesse!

    Euer getreuer Harald Andres

    Hallo,

    Ich habe den heutigen Tag damit verbracht,

    den Bericht fast fertig zu schreiben,

    war eine ziemliche Arbeit.

    Ging dann auf die Pilzkontrolle.

    Jetzt wollte ich weiterschreiben,

    aber ich hätte nicht die benötigten Berechtigungen. ?

    Musste mich neu anmelden, aber der Bericht ist weg.

    Ist er irgendwo als Entwurf gespeichert?

    Ich schreibe das Ganze nicht nochmals...

    Hallo, Uwe,


    Es war schön!

    Es war intensiv und lehrreich!

    Danke für Deine Geduld mit uns,

    danke für Dein unglaubliches Fachwissen,

    danke für Deine Begeisterung,

    danke, dass wir schon zum dritten Mal mit Dir diese Cortinarienwoche durchführen durften!

    Ich werde den detaillierten Bericht unserer Funde bald fertig haben und hier posten...

    Gib mir noch einen Tag Zeit...


    Lieben Gruss, Dein Harald Andres

    Hallo, zusammen,


    Nach der Cortinarienwoche 2016

    und der Cortinarienwoche 2017


    jetzt der Bericht über unsere

    Schleierlings-Aktivitäten dieses Jahr.


    Hier seht ihr das berüchtigte

    "Trio infernale"

    während der Jagd nach "Veiled Beauties"

    auf der mittlerweile bekannten Bank in Malix:



    Von Links:

    Uwe, Anna Maria und ich.


    Uwe hat mich gebeten,

    doch wieder einen "launigen" Bericht zu schreiben.

    Also:


    Du bist noch kein Schleierlingsfan?

    Du willst nie einer werden?

    Vorsicht:

    Versuche doch mal,

    Dich nicht in diese Schönheit hier zu verlieben:

    Cortinarius barbarorum


    Ist sie nicht wunderschön?

    Falls Du jetzt nicht augenblicklich

    der Göttin Cortinaria ewige Treue

    und unverbrüchliche Gefolgschaft gelobst,

    ist Dir wirklich nicht zu helfen...


    Die Art ist höchst fazinierend.

    Sie reagiert sowohl am Hutrand

    wie auch am Basalmycel (rechter Pilz!)

    und am Knollenrand

    sehr heftig blutrot mit KOH:




    Die Art ist vermutlich nicht selten,

    (früher wohl irgendwo den Calochroi zugeschlagen),

    aber durch den Neubeschrieb als

    C. barbarorum Bidaud, Moenne-Locc. & Reumaux

    in der Literatur noch nicht zu finden

    und dadurch so gut wie unbekannt:







    Auch nicht ganz einfach einzuordnen ist die folgende,

    ebenfalls im Bergnadelwald wachsende,

    ebenfalls sehr faszinierende Art:


    Cortinarius corrosus




    Er heisst auf Deutsch:

    Vergrabener Klumpfuss


    Das charakterisiert ihn recht gut.

    Irgendwie will er seinen Stiel

    nicht recht aus dem Boden strecken...




    Die Art kann einen narren.

    Denn oft sieht man einen Rosaton in den Lamellen.

    Sie schlüsselt sich jedoch nicht so.

    Sie hat offiziell keine Violetttöne in den Lamellen

    und reagiert nirgends mit KOH:







    Hier das Beispiel,

    wie der Rosaschimmer in den Lamellen

    einen auf die falsche Fährte locken kann:




    Ludwig stellt

    C. corrosus Fr.

    in den Formenkreis um

    C. multiformis


    Er unterscheidet dabei in diesem Komplex

    vierzehn (!) verschiedene Arten,

    und präzisiert bei den Nadelwaldformen,

    die oft gesägte Lamellen aufweisen, wie folgt:

    Kleine Art, aprikosenfarben, mit Velumresten - C. armicorius

    Mit stark gerandeter Stielknolle, Sporen gross, grobwarzig - C. corrosus

    Hut Ziegelrot, mit Flecken - C.rufoallutus

    Gerandete Knolle, silbrige Velumreste - C. talimultiformis

    Knolle undeutlich oder fehlend, manchmal Honiggeruch: C. multiformis


    Das hier wäre dann die Typusform

    mit ihren kleinen, fast glatt wirkenden Sporen:


    C. multiformis



    Der Artenkomplex ist wirklich nicht ganz einfach.

    Die obigen Exemplare hatten

    zum Beispiel keinen Honiggeruch,

    dafür die typisch gesägten Lamellen.


    Wenn die Lamellen nicht gesägt sind,

    kann es schon wieder verwirrlich werden,

    wie bei den folgenden Exemplaren,

    die nur zwei Meter neben den obigen standen

    und ein wenig an C. varius erinnerten:


    C. multiformis (?)



    Der rosa Schein in den Lamellen trügt.

    Bei den jungen, durchgeschnittenen Exemplaren

    war keinerlei Violett erkennbar.

    Mit einer deutlichen Knolle

    wären wir wieder bei C. corrosus angelangt...

    Vielleicht wird mir noch jemand

    diese "Bestimmung" widerlegen...


    Ebenfalls sehr hübsch und gut kenntlich,

    auch aus dem Bergnadelwald,

    und ebenfalls ohne Violett ist dieser Geselle:

    C. saginus





    Bleiben wir bei den Phlegmacien:


    Ihr habt in den Berichten der letzten zwei Jahre gesehen,

    wie wir darum gekämpft haben,

    die schwierige Gruppe um C. percomis in den Griff zu bekommen.


    Momentaner Stand des Irrtums:


    C. russeoides




    C. russeoides M. M. Moser


    - hat deutlich rötliche Velumgürtel

    - stinkt unerträglich den Raum voll

    - hat ungleichmässig rötlich-fasrig-marmorierten Hut auf gelbgrünem Grund.

    - hat nur leicht olive KOH-Reaktion:




    C. Mussivus


    C. mussivus (Fr.) Melot

    - hat blassere Velumgürtel

    - hat blasseres Fleisch

    - stinkt ebenfalls den Raum voll

    - ist meist stämmiger gebaut

    - hat ebenfalls kaum KOH-Reaktion

    (das Bild ist vom letzten Jahr)


    C. nanceiensis


    C. nanceiensis Maire

    - stinkt nicht, Geruch angenehm nach Bananenschale oder Apfelsorte Cox orange

    - Velumgürtel dunkel grüngelb

    - meist schlank mit keuliger Basis

    - KOH-Reaktion im Fleisch innert Sekunden leuchtend blutrot!

    (das Foto ist vom letzten Jahr)


    C. percomis



    C. percomis Fr.
    - hat einheitlich gefärbten Hut

    - Velumgürtel spärlich, blass, oft nicht wahrnehmbar

    - stinkt nicht, Geruch angenehm nach Bananenschale oder Apfelsorte Cox orange.

    - KOH-Reaktion im Fleisch erst olivgrün, erst nach längerer Zeit rot.






    Es ist nicht so einfach....

    Wenn die Pilze sich nur an Regeln halten würden!


    Bei den Fulvi

    sind die einschlägigen Doppelgänger

    der obigen Pilze

    um die Typusart C. splendens

    herum zu finden.


    Die haben aber eine deutlich gerandete Knolle.

    Haben die?

    Die blöden Pilze lesen keine Bücher:


    C. meinhardii


    Wer mag keine Hautköpfe?


    Es ist auch schwierig:

    Die Hautköpfe schlüsseln sich über

    - Lamellen orange

    - Lamellen zimtorange

    - Lamellen rötlichorange

    - Lamellen gelborange

    - Lamellen rostorange

    - usw.


    Wie schlüsselt man dann den folgenden Pilz?

    (aussichtslos, oder?)




    Nicht immer nur in die Schlüssel starren!


    Warum nicht mal den Pilz durchschneiden?

    Der obige Pilz hat olivgrün geflecktes Fleisch im Stiel

    und einen schön orangerandigen Hut

    (den kennt Ihr in Zukunft auf Anhieb!):


    C. malicorius


    (die Lamellen von C. malicorius sind übrigens "chromgelb"...)


    Wer mag keine Telamonien?


    Das folgende Pilzchen kann man getrost kennen und mögen.

    Es erinnert kein bisschen an einen Haarschleierling.

    Hat nämlich keinen Haarschleier.


    So kann man die Art einfach erkennen.

    Lustig, oder?

    Also, zum Mögen und Gernhaben, bitteschön:


    C. renidens


    Die wird zum Formenkreis der Armeniaci gestellt.

    Da hat es ein paar spannende Pilzchen.


    Hier die Typusform:


    C. armeniacus

    Pilze lesen keine Pilzbücher.

    C. caninus dürfte kein blaues Fleisch haben.

    C. anomalus sollte zur Unterscheidung blaues Fleisch haben.


    Seufz...


    C. caninus

    Bis jetzt alles in Ordnung, oder?

    Die grossen, ritterlinsartigen Exemplare könnten einen narren.

    Sogar verführen, bei den Klumpfüssen zu suchen.

    Das braune Fädchen bei der abgesetzten Ringzone ist jedoch ein gutes Indiz.

    C. anomalus hat ein gelbes Fädchen.

    Alles in Ordnung?

    Nein!



    Autsch!

    Die Pilze sind aus der gleichen Aufsammlung.

    Sie blauen wahlweise oder auch nicht...

    Man kann sich auf nichts verlassen..


    So, das wäre es eigentlich gewesen.


    Die restlichen Exemplare sind identisch

    mit den Aufsammlungen

    in den Berichten der letzten zwei Jahre.

    2016

    2017

    Siehe dort!


    Ich mache eine Ausnahme.

    Weil er so schön ist:

    C. stillatitius

    Er riecht an der Stielbasis nach Honig.


    Sein Schwesterchen, C. collinitus

    wurde übrigens unlängst genetisch "einkassiert".

    Man kann es vielleicht aus der Nomenklatur verbannen,

    und irgendwann aus unserem Bewusstsein verbannen,

    aber niemals aus unseren Herzen....

    Tschau, liebes Blaustiel-Schleimfüsschen.... tschau...


    So, das wär's

    Ich hoffe, es hat ein wenig gefallen...



    Euer auf ewig getreuer Harald Andres

    Hallo, zusammen,


    Wir hatten wieder unsere Cortinarienwoche in Chur.


    Dies ist die Fortsetzung des Berichts "1001 Cortinarien" vom letzten Jahr.


    Der Uwe Winkler ist erst nächstes Jahr wieder dabei,
    darum war ich mit Anna Maria allein fünf Tage unterwegs.


    Das Foto der glücklichen Cortinarienjäger auf diesem Bänkchen kennt Ihr vom letzten Bericht,
    es sind diesmal jedoch nur zwei von ihnen drauf:



    Persönliche Erstfunde machen glücklich.
    Dieses Glück sollte man teilen:


    Cortinarius cupreorufus Brandr.


    Wunderschön!
    So richtig der Prototyp eines prachtvollen Klumpfusses!


    Der Hut oxidiert von der Mitte her lustig ins Ziegelrote,
    der Rand behält lange seine olivgraue Färbung.
    Das Fleisch ist im Schnitt weisslich mit grünlichem Schimmer,
    in der Stielbasis ist es rötlich.


    Die Reaktion mit KOH im Fleisch ist (ungewöhnlich bei den Fulvi)
    nicht wirklich gelb, sondern etwas grünlichgelb.
    Die Art wird teilweise unter dem Namen C. orichalceolens
    oder auch als C. orichalceus geführt.


    Der sehr seltene Klumpfuss wächst im Bergnadelwald auf Kalk.


    Die Sporen sind breit zitronenförmig
    und fast etwas schollig-warzig:



    Da persönliche Erstfunde ja bekanntlich glücklich machen -
    hier der nächste:


    Cortinarius claricolor (Fr.) Fr.


    Auch eine sehr charakteristische, zauberhafte Art!


    Der deutsche Name lautet
    Weissgestiefelter Schleimkopf,
    und das charakterisiert den Pilz sehr gut.
    Das üppige Velum ist meist auch als Fetzen am Hutrand zu sehen.
    Die Sporen sind klein, schmal und fast glatt.
    Der Pilz wächst oft auch fast büschelig,
    die ähnlichen C. turmalis/sebaceus
    kommen weniger faserig-zottelig daher
    und haben nur sehr feine, silbrige Velumreste in Hutmitte.


    Nicht jeder persönliche Erstfund macht glücklich.
    Beim nächsten bin ich mir nämlich nicht sicher.
    Alte, völlig verwurmte Exemplare sind zur Bestimmung ungeeignet.
    Aber der Fund wäre so interessant und selten,
    dass ich ihn hier doch vorstellen möchte:


    Cortinarius patibilis Brandr.& Melot


    Der Pilz war am letzten Tag der letzte unbestimmte Pilz auf dem Tisch.


    Ich hatte keine grosse Hoffnung, etwas ausrichten zu können,
    ich war sehr erschöpft vom Schlüsseln
    und drehte die braunfleckig werdenden Dinger unlustig in den Händen.
    Da fiel mir der kaum mehr wahrnehmbare Violettschimmer in den Lamellen auf.
    Ich gab etwas KOH auf das Fleisch - und war verblüfft.
    Gelb mit gelber Umrandung, in den Frasstellen feuerwehrrot!
    Das würde auf etwas aus den Variecolores hindeuten,
    aber da gibt es doch keinen so ähnlichen Pilz, oder?
    Doch gibt es!
    Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
    Die Sporen stimmten genau mit den Abbildungen überein:
    Heftig zitronenförmig mit lustigen Einschnürungen.
    Leider war die Reaktion mit Guajac nicht eindeutig:
    Statt einer Reaktion in deutlich dunkel-olivgrün gab es
    nur eine sehr unlustige, schwach bräunlich-grünliche Reaktion.
    Aber eben: verwurmte Pilzleichen...
    Falls jemand die Art kennt, lasse ich mich gerne überzeugen,
    dass ich mit der Bestimmung falsch liege.
    Falls niemand etwas zu sagen weiss:
    Ich habe die Koordinaten und werde nächstes Jahr
    nachschauen, ob etwas frischere Exemplare da sind.


    Die meisten unserer diesjährigen Funde sind
    schon im Bericht vom letzten Jahr aufgeführt.
    Ich will sie nicht alle noch einmal mit neuen Fotos zeigen,
    sonst sprengt es wieder den Rahmen der max. möglichen Bilder...


    Von der folgenden, sehr hübschen Art
    hatten wir letzten Jahr nur ein Exemplar gefunden,
    dieses Jahr war sie Massenpilz im Bergnadelwald auf Kalk:


    Cortinarius callochrous var. coniferarum (Mos.) Nezd. (Cortinarius piceae)



    Die Art ist sehr wandelbar und kann einen beim Aufnehmen narren.


    Auffallend sind die jung mehr ins Lilafarbene denn ins Violette gehenden Lamellen.
    In der Hutmitte hat der Pilz meist angedrückte Schuppen,
    die alt ins Schwärzlich-Faulige übergehen können,
    (siehe Foto vom letzten Jahr)
    doch viele unserer diesjährigen Exemplare hatten dieses Merkmal nicht.
    Das Fleisch ist stets weisslich,
    der Knollenrand reagiert mit KOH charakteristisch rosa.


    (Edit September 2018:

    Günther Saar hat mir mitgeteilt,

    dass wir da einer Fehlinformation

    aus der Flora Photographica von Brandrud/Lindström

    aufgesessen sind:

    C. picae reagiert nicht mit KOH am Basalfilz!

    Es könnte sich bei der gezeigten Aufsammlung

    um C. subgracilis oder C. barbarorum handeln.)


    Von der langstieligen, flachknolligen var. parvus
    haben wir dieses Jahr ein sehr zierliches Exemplar
    unter Laubbäumen gefunden.
    Leider ist das Foto nichts geworden.


    Eine andere Art, von der wir letztes Jahr nur wenige Exemplare hatten,
    war dieses Jahr ebenfalls unermüdlicher Massenpilz:


    Cortinarius elegantior (Fr.) Fr.



    Der Name "Messingfarbener Klumpfuss"
    oder "Strohgelber Klumpfuss"
    charakterisiert den Pilz recht gut.
    Ja?
    Nein!
    Exemplare unserer Gegend passen schlecht
    zu den meisten Abbildungen.
    Da sind oft deutlich gelbliche Exemplare
    mit gelblichen, strohgelben Lamellen abgebildet.
    Bei uns sind die Pilze oft schon jung
    wie Karamel gefärbt. Auch in den Lamellen.
    Typisch ist die schwach rosafarbene Reaktion
    mit KOH im Fleisch der Knolle
    (im Hut oft ohne Reaktion).
    Das Fleisch ist im Schnitt im Hut weisslich,
    gegen unten schwach gelblich.


    Auch von dem folgenden hübschen Pilz
    hatten wir letzten Jahr nur ein Exemplar,
    dieses Jahr war er relativ häufig:


    Cortinarius dionysae R. Hry.


    Er gehört zu den "Glaucopodes",
    die keine makrochemischen Reaktionen zeigen.
    Der Pilz ist dank seiner Ähnlichkeit mit C. glaucopus,
    dem starken Mehlgeschmack (ähnlich Tr. argyraceum)
    und dem gelblichen Knollenrand unverwechselbar.


    Hier noch die Typusart (dieses Jahr auch sehr häufig)
    mit dem eingewachsen fasrigen, etwas olivbräunlich-graulichen Hut
    und dem typischen metallisch-bläulichen Glanz am Stiel:


    Cortinarius glaucopus (Schaeff.: Fr.) S. F. Gray



    Die gelben Phlegmacien haben uns dieses Jahr Mühe bereitet.
    Vor allem die Gruppe um C. percomis/nanceiensis/mussivus
    Ich hatte im letztjährigen Bericht
    bei der Gruppe eine Theorie über die makrochemischen Reaktionen aufgestellt.
    Ich war mir ziemlich sicher. Das bin ich nicht mehr.
    Möglicherweise reagieren die drei Arten unberechenbar, je nach Feuchtigkeit.
    C. percomis und C. nanceiensis riechen intensiv, nach Bananenschale.
    C. mussivus stinkt fürcherlich. Das ist alles, was ich weiss.
    Darum die folgenden Bestimmungen mit Unsicherheit.
    Nach meiner letztjährigen Theorie (feuerwehrrote KOH-Reaktion)
    müsste dies C. nanceiensis sein:


    Cortinarius nanceiensis (?) R. Maire


    dies hingegen (KOH bräunlich, rötlichbraun, unscheinbar)
    Cortinarius percomis:


    Cortinarius percomis (?) Fr.


    Zusätzliche Schwierigkeit:
    Wie ihr aus den Bildern erseht, haben die Pilze der Gruppe
    in unserer Gegend oft eine etwas gerandete Knolle,
    was sie überhaupt nicht dürften.
    Gewisse, gerandet knollige Exemplare mit in der Mitte dunkelfleckigem Hut
    hatte ich am Standort für C. meinhardii gehalten.
    Doch bin ich mir sicher, dass der nicht vorkam...


    (Edit September 2018:
    Da war ich wohl etwas übermüdet vom Schlüsseln,

    als ich zur obigen Anmerkung dieses Bild eingehängt habe.

    Es zeigt wohl eher C. meinhardii.)


    Wie Ihr seht, haben wir uns dieses Jahr
    etwas auf die Phlegmacien konzentriert.
    Aber natürlich nicht nur.
    Den folgenden Pilz aus den Azurei/Anomali zeige ich auch deshalb,
    weil er dieses Jahr Massenpilz war,
    letzten Jahr war er selten:


    Cortinarius caninus (Fr.:Fr.) Fr.



    Der Pilz ist sehr wandelbar,
    Von zierlichsten Exemplaren bis riesigen, fleischigen "Ritterlingen",
    die gar nicht mehr an einen Haarschleierling erinnern,
    ist so ziemlich alles möglich.
    Typisch ist der gelblich-bräunliche Fasergürtel, der nach oben abrupt endet,
    mit glatter Stielspitze, ähnlich wie bei Tricholoma batschii.


    Hier noch die Typusart aus den Azurei/Anomali,
    hier mit ungewöhnlich bräunlichen Hüten:


    Cortinarius anomalus (Fr.:Fr.) Fr.


    Der Pilz ist nicht etwa hygrophan,
    sondern wechselt die Hutfarbe von jung lila
    hin zu etwas geflammt-bräunlich.
    Charakteristisch ist das feine, gelbe Fädchen als Ringzone.
    Exemplare mit klebrigem Hut
    gehören zu den Phlegmacien
    und nennen sich Cortinarius porphyropus.


    Apropos Scauri:
    Den folgenden Pilz wage ich kaum zu zeigen.
    Ich habe ihn frostgefroren aufgenommen,
    er ist denn auch auf dem Tisch nach dem Fotografieren
    rasch den Weg aller Pilze gegangen.
    Die Ökologie ist nicht sicher, der Berghang ist Kalk,
    nur im unteren Teil mit ein paar Heidelbeeren und Gestrüpp,
    die rote Lugol-Reaktion konnte ich in dem Zustand nicht testen.
    Doch da es ein persönlicher Erstfund wäre,
    wage ich die Pilzleiche zu zeigen
    (Kritik an der Bestimmung erwünscht):


    Cortinarius Scaurus (?) (Fr.: Fr.)


    Von ähnlicher Art, aber von sehr bitterem Geschmack,
    ist der folgende Pilz, dieses Jahr ebenfalls Massenpilz:


    Cortinarius infractus (Pers.:Fr.) Fr.


    Bei den Telamonien war die folgende Art dieses Jahr häufig.
    Die Bestimmung bleibt etwas spekulativ,
    aber da wir die Art jeden Tag in der Hand hatten,
    möchte ich sie hier auch zeigen.
    (Die Telamonien werden immer noch sequenziert,
    es werden etwa 500 Arten entstehen.)
    Die Bestimmung also bitte "cum grano salis":


    Cortinarius dolabratus (?) Fr.



    Die Art gehört wohl zu den "Duracini"
    steifstieligen, oft wurzelnden Pilzen,
    alt auch mit etwas hohlem Stiel.
    Nicht nur der Hut, auch der Stiel ist hygrophan,
    Aber, wie gesagt: Bestimmung mit Vorbehalt.


    Auch mit viel Vorbehalt bei der folgenden Art:


    Cortinarius aurantiomarginatus (?) J. Schäff. ex Mos.


    Sie gehört möglicherweise zu einem Komplex um
    C. aurantiomarginatus/colus/miniatopus.
    Die Sporen würden eher zu C. colus passen,
    vom Aussehen her geht sie eher zu C aurantiomarginatus.


    Dies alles, wie gesagt, spekulativ,
    der Grund, warum ich die Pilze zeige, ist der,
    dass wir uns halt intensiv befasst haben,
    und dies auch teilen möchten.
    Kritik natürlich gerne willkommen.


    Dies gilt generell!
    Wir sind Cortinarien-Liebhaber,
    nicht Cortinarien-Kenner!
    Ich hoffe, hier besteht kein Missverständnis...


    Zu den obigen "Bestimmungen" nehmen wir gerne
    Anregungen oder Kritik entgegen.


    So, ich glaube, das langt, für's Erste...
    Die übrigen diesjährigen Arten siehe letztjähriger Bericht.


    Ich hoffe, ich habe Euch nicht gelangweilt...


    Lieben Gruss, Euer Harald Andres


    P.S.
    Der Pilz gehört nicht hierher,
    aber aus Freude über den persönlichen Erstfund,
    zwischen all den Cortinarien:


    Tricholoma fucatum Fr. Kummer

    Hallo, Andreas,
    Das ist jetzt blöd -
    den hatten wir letzte Woche in der Mikroskopgruppe.
    Bzw. wir hatten den Pilz, den wir so benennen.
    Unsere Exemplare haben ausgeprägt sargförmige Sporen mit starkem Porus,
    aus Abwurf sind sie in Wasser präpariert ockerfarben, in KOH stumpf-dunkelbraun,
    aus Lamellenpräparaten in KOH auch mit stark rötlichen Sporen untermischt.
    Pleuros reichlich, breit stumpf flaschenförmig, Cheilos sehr spärlich, teils etwas kleiner.
    Ich hänge Dir dann noch ein Bild an, muss es erst suchen.
    Wir werden mal am Fundort für dich Ausschau halten,
    ich habe es noch Sepp (Boletus) gesagt, das ist in seinem Revier...
    Lieben Gruss, Harald Andres



    Edit:
    Hier noch die Bilder vom letzten Wochenende
    (sorry, sind nur Behelfsbilder vom Standort,
    geschossen mit dem Natel):






    Hallo, Dieter,


    Danke!


    Mit Funga Nordica,
    Flora Photographica,
    "Cortinarius" von Carl Soop,
    Grosspilze Baden-Württembergs, Band 5,
    und auch mal makroskopisch mit
    "2000 Pilze" von Ruedi Winkler


    Etwa in der Gewichtung auch.


    Lieben Gruss, Harald Andres


    Hallo, Claudia, Oehrling,


    Nö, sowas wie Nr. 2 habe ich nicht in meinem Thread.
    Der Pilz wird so wohl unbestimmt bleiben.
    Man müsste zumindest die Lamellenfarbe sehen,
    idealerweise noch ein Schnittbild,
    und dann wäre es mit dem Einzelexemplar wohl Raterei.


    Beim anderen Schleierling bin ich mit C. glaucopus (als Arbeitsname) einverstanden,
    auch wenn die Lamellen für die Art etwas sehr lebhaft gefärbt sind.
    Auch hier: Man müsste zumindest die Stielbasis mit auf dem Foto haben.
    Vielleicht meldet sich noch ein Schleierlingskenner dazu.


    Bei den anderen Bestimmungen gehe ich mit Oehrling einig.


    Lieben Gruss, Harald

    Hallo, zusammen!
    Danke für die lieben Rückmeldungen!
    Es hat Spass gemacht, die Woche, das merkt Ihr wohl.
    Ich verspreche, dieses Jahr auch wieder alles treulich zu dokumentieren.
    Lieben Gruss, Harald Andres
    [hr]


    Hallo Harald Andres,
    von mir den allerbesten Dank für diesen Beitrag. Ich selbst fahre auch gerne in die Alpen (und natürlich in den Schwarzwald) und forsche dort nach Cortinarien. Jetzt kann ich endlich dank dir einigen meiner unbenannten Funde einen Namen geben bzw. sehe meine Namensvorschläge von fremder Seite bestätigt.
    FG
    Oehrling


    Hallo, Oehrling,


    Danke!


    Das Lob muss vor allem auch an Uwe Winkler gehen.
    Ohne seine Erfahrung in Cortinarien wären wir nie so weit gekommen,
    seine Präsenz hat uns einen zusätzlichen Schub gegeben.


    Ich betrachte mich selbst als Cortinarien-Liebhaber,
    nicht als Cortinarien-Kenner.
    Das ist kein Understatement.


    Zu den Bestimmungen solltest Du das beachten,
    was ich im Text gesagt habe:
    Einiges (bes. bei den Telamonien) lässt sich so
    (auch bei Nachbearbeitung aus dem Exsikkat)
    weder widerlegen noch endgültig belegen.
    Die Gattung ist sowieso im Umbruch.
    Wir tun einfach unser Bestes.


    Lieben Gruss aus der Schweiz, Harald Andres

    Ich füge hier doch noch ein paar der oben fehlenden Pilze ein.


    Zu den Lanigeri mit ihren rostfarbenen Lamellen
    haben wir die folgende, hübsche Art gestellt.
    Bei den Lanigeri ist auch der etwas bekanntere C. bivelus eingeordnet.


    Cortinarius solis-occasus Melot


    Sehr viel Spass beim Schlüsseln machte mir die folgende, hübsche Art:


    Cortinarius dolabratus Fr.


    Die Art steht C. duracinus nahe.


    Der folgende Pilz gehört zu den Armillati und in den Kalk-Bergnadelwald.
    Das dunkle Velum ist charakteristischerweise schon bei sehr jungen Exemplaren vorhanden.


    Cortinarius fuscoperonatus Kühn


    Diese zierlichen Winzlinge bei Alnus müssen wohl unbestimmt bleiben.
    Sie passen zu keinem der bekannten Erlenbegleiter.
    Ich habe sie sehr provisorisch als C. americanus abgelegt.
    Aber es fehlen die typischen Violettöne.


    Cortinarius spec.


    Bei den Schleimköpfen habe ich noch diese Art vergessen.


    Cortinarius cumatilis


    Der Pilz ist quasi die Nadelwaldform der Schleiereule, Cortinarius praestans


    Ein hübscher, sehr seltener Becherling, den Uwe bestimmt hat:


    Sowerbiella imperialis


    Ebenfalls Uwe aufgefallen ist dieser Erdstern.


    Geastrum quadrifidum


    Und weil er so schön ist:


    Hydnellum peckii


    So, und jetzt höre ich auf, bevor es wieder 50 überschreitet...

    Hallo, zusammen,

    1001 Cortinarien - das ist ein wenig übertrieben.
    Aber nur ganz wenig.
    Ich habe in unserer Cortinarien-Woche letzten September
    aus neun Exkursionen bei swissfungi fast 200 Arten kartiert -
    Cortinarien und andere hübsche Funde.


    Hier seht Ihr Anna-Maria, Uwe Winkler (rechts) und mich auf Phlegmacien-Jagd.


    Beginnen wir darum mit den Phlegmacien:


    Besonders freut uns dieser seltene Fund, der in der Schweiz vorher nur einmal kartiert ist:


    Cortinarius violaceomaculatus Brandr.


    Gefunden am 14.09.2016 auf 1416 Metern Höhe bei Oberhus, Malix
    im Bergnadelwald (Picea) auf Kalk (Bündnerschiefer).
    Die Art ist sehr charakteristisch und schlüsselt sich recht simpel,
    durch die starke KOH-Reaktion gerät man in die Variecolores
    und von da sehr einfach zur gesuchten Art.
    Untypisch für die Variecolores sind die Farben:
    Der Hutrand hat höchstens ganz jung einen Violetton,
    ebenso die Lamellen, sie wirken blass stumpf-graubräunlich,
    dafür ist die heftige Verfärbung im unteren Stielteil bei Berühren sehr auffällig.



    Die Sporen sind sehr hübsch mandelförmig, deutlich warzig und eher klein, 7-8 (9) x 4-5μ



    Dass die Art bisher nur einmal kartiert wurde, heisst nicht zwingend, dass sie selten ist.
    In der Schweiz befasst sich kaum jemand systematisch mit Cortinarien.
    Wir hatten alle drei die Art vorher nicht gekannt,
    beim Aufnehmen dachten wir an etwas aus den Glaucopodes.
    Doch die unterscheiden sich in einigen wichtigen Merkmalen.
    C. glaucopus hat mit dem obigen Fund zwar einiges gemeinsam:
    Die blassen Lamellen, die eher kleinen Sporen, den eingewachsen fasrigen Hut.
    Doch die Färbung am im Verhältnis zum Hut kurzen Stiel
    geht stets in ein charakteristisch metallisch-bläuliches Schimmern.
    Hier der Hauptvertreter, auch aus dem Bergnadelwald auf Kalk:


    Cortinarius glaucopus (Schaeff.: Fr.)


    Die Art ist sehr wandelbar und kann einen immer wieder narren,
    besonders wenn der metallische Schimmer am Stiel nicht deutlich ist,
    oder wenn (häufig!) die Stielknolle nicht so ausgeprägt ist,
    wie sie es laut Literatur sollte:



    An dem Pilz kann man also immer mal wieder vorbeischlüsseln.
    Einzig die auffallende, ja fast beleidigende Gleichgültigkeit gegenüber
    jeder liebevollen Schmink-Behandlung mit KOH, Lugol, usw.
    lässt einen rechtzeitig an die die Gruppe der Glaucopodes denken.


    Wer einen ähnlichen Pilz im Laubwald findet, mit Olivton auf dem Hut,
    sollte vorsichtig Cortinarius magicus in Betracht ziehen.
    Hier noch ein Vertreter aus der Gruppe, der einfach zu bestimmen ist:


    Cortinarius dionysae R. Hry


    Die Art ist durch den auffallend eleganten, langen Fuss mit Metallschimmer
    und den gelben Söckchen und den sehr starken,
    eindeutigen Mehlgeruch gut gekennzeichnet.


    Der Vollständigkeit halber hier noch der Typuspilz aus den Variecolores,
    der im Herbst jeden Bergnadelwald auf Kalk vollstinken darf,
    und in seiner Wandelbarkeit an den Seifenritterling erinnert:


    Cortinarius variecolor (Pers:. Fr.) Fr.


    Variecolores: Eine hübsche Gruppe Pilze, die sich, wie gesagt,
    durch die makrochemischen Reaktionen gut erkennen lässt:
    Heftiger gelber Fleck (manchmal mit Ring) mit KOH,
    schön grünblaue Verfärbung mit Guajak-Tinktur.
    Im Laubwald in den Bergen hat C. variecolor als Doppelgänger C. nemorensis (evtl. syn.),
    bei kartoffelfarben ausblassenden Exemplaren muss C. largus in Betracht gezogen werden,
    bei Exemplaren aus dem Bergnadelwald,
    die jung bloss blassgraue Lamellen haben, C. balteatus.


    Ebenfalls aus einer Gruppe Phlegmacien
    mit fehlender makrochemischer Reaktion im Fleisch (Cliduchi)
    stammt dieser wunderschöne Fund aus dem sauren Bergnadelwald:


    Cortinarius saginus (Fr:. Fr. ) Fr.


    Die Art ist charakteristisch und prachtvoll, aber nicht ganz problemlos zu schlüsseln.
    Die KOH-Reaktion im Fleisch (negativ) ist zwar, wie sie laut Literatur sein sollte,
    doch zeigten unsere Exemplare stets eine rote Reaktion auf dem Hut,
    was laut Literatur absolut nicht sein sollte, beim Schlüsseln mit FN ist man da
    im Eingangsschlüssel zu den Phlegmacien auf S 681 schon das erste Mal ratlos. (Ziffer 7/8).
    Ein etwas ähnlicher Pilz bei Birke ist C. triumphans.


    Aus der gleichen Gruppe (Cliduchi) ein anderer, wunderschöner Pilz:


    C. fraudulosus Britz.


    Die Art ist vom Aussehen her doch etwas ungewöhnlich für eine Phlegmacie,
    man könnte fast in Versuchung geraten, den Pilz bei den Telamonien zu suchen,
    doch der Hut ist, auch wenn er nicht so aussieht, stets deutlich klebrig.
    Auffallend die bis 15μ langen Sporen.
    Es handelt sich um die Kalk-Bergnadelwald-Form von C. argutus.
    C. argutus mag Zitterpappel und ist nicht zwingend in höheren Berglagen anzutreffen.


    Hier der Vollständigkeit halber noch der bekannte Speisepilz aus der gleichen Gruppe:


    Cortinarius varius (Schaeff.: Fr.) Fr.


    Zu einer ganz anderen Gruppe:
    Bei Exemplaren mit auffallend breiter, manchmal flacher, gerandeter Knolle,
    jung oft bläulichen Lamellen und intensiver, blutroter KOH-Reaktion,
    auch auf der Huthaut und am Knollenrand, sollte man an die Calochroi denken.


    Mit auffallend grossen, sehr rauhen Sporen und hübsch golden leuchtendem Velum
    am Rande der Stielknolle gerät man zum zauberhaften Goldstaub-Klumpfuss


    Cortinarius aureopulverulentus Mos.


    Leider habe ich kein Bild vom Standort, das den Charme der Art wiedergibt.


    In die gleiche Gruppe der Calochroi gehört dieses Exemplar
    mit dem gleichzeitig schleimig-schuppigen und schön lebhaft geflammten Hut:


    Cortinarius piceae
    (syn. C. calochrous ssp. coniferarum var. coniferarum)
    Mos.


    Leider habe ich auch hier kein schöneres Bild.
    Die schleimigen Hutschuppen dunkeln charakteristisch nach.


    Der Vollständigkeit halber noch zwei Allerweltspilze,
    die im Herbst in keinem Bergnadelwald auf Kalk fehlen dürfen:


    Mit zartrosa Laugenreaktion, leuchtenden Messingfarben,
    dem schwachen Geruch nach Weizenbier
    und den geradezu gigantischen Sporen (bis 16μ) absolut unverwechselbar -


    Cortinarius elegantior (Fr.) Fr.


    Wir hatten am ersten Tag vom Anis-Klumpfuss völlig geruchlose Exemplare,
    beziehungsweise Exemplare die etwas nach Bierhefe rochen wie C. elegantior
    die uns in einige Zweifel gestürzt haben, ob es sich um etwas anderes handelt,
    bis Anna-Maria schliesslich entschlossen alle längs durchschnitt.
    Ich kenne keinen anderen Pilz, der so zuverlässig bei alten und jungen Exemplaren
    ein so charakteristisch immer gleich gefärbtes Schnittbild zeigt:


    Cortinarius odorifer Britz


    Das wären jetzt zum Abschluss zwei Arten aus den Fulvi gewesen.


    Alles easy und leicht fasslich bei den Phlegmacien, oder?
    Nein!
    Bei den Fulvi gibt es Abgründe der Mykologie, die einen erschauern lassen...!


    Wer bei Exemplaren mit grünlich gelben Lamellen,
    stets grünlichgelbem (nicht gelbem!) Fleisch und eigenartigem Geruch
    nicht ein unbehagliches Frösteln verspürt, hat sich noch nie mit Phlegmacien befasst.
    Ich rede von der fürchterlichen Gruppe um
    C. percomis, C. nanceiensis, C. mussivus, C. russoeoides/sulphureus & Co.
    Da kann man beim Bestimmen verzweifeln.
    Die Autoren sind sich uneinig, vor allem bei Geruch und zugehöriger Laugenreaktion.


    Nach verzweifelten Rücksprachen mit dem fast übermenschlich geduldigen Günter Saar
    und dem vergleichen unzähliger Aufsammlungen während dieser Woche
    wage ich folgende Kombination von Geruch und Laugenreaktion zur Diskussion zu stellen:


    Der einzige aus der Gruppe, der auch oft einen charakteristischen Habitus aufweist,
    ist C. percomis. Er scheint mir am leichtesten kenntlich, er schaut immer ähnlich aus,
    und verfügt über eine Kombination von einem angenehmen Geruch nach Lavendel/Mayoran
    und einer erst olivlichen, dann bräunlichen bis höchstens rötlichbraunen Laugenreaktion.


    Cortinarius percomis Fr.


    Schwieriger wird es schon bei C. nanceiensis.
    Ein vertrackter Pilz.
    Er kann sowohl gedrungen wie auch sehr zierlich auftreten, nicht Phlegmacium-like.
    Er riecht ebenfalls stets angenehm, nach meiner Nase nach der Apfelsorte Cox Orange,
    nach Günter Saar stets nach Bananenschale.
    Die Exemplare die so rochen, hatten bei uns stets eine feuerwehrrote
    bis leuchtend dunkel-blutrote Reaktion.


    Cortinarius nanceiensis R. maire


    C. mussivus ist der Schlimmste aus der Gruppe.
    Er stinkt.
    Nein, er stinkt fürchterlich. Grauenhaft!!
    Wer bei C. variecolor nach einer Weile Übelkeit und Kopfweh verspürt,
    sollte zur Abhärtung mal ein paar Minuten mit C. mussivus in einem Raum sein.
    Anna-Maria verlangte schon am ersten Tag,
    dass die "Stinkpilze" aus dem Raum zu schmeissen seien,
    sonst würde sie ihrerseits unverzüglich die Arbeitsgruppe verlassen.
    Der Stinker kann sowohl gedrungen wie zierlich auftreten und einen narren.
    Nein, das kann er eigentlich nicht, denn der Gestank verrät ihn.
    Die Hutfarbe ist oft sehr dunkel, mit rötlicher Komponente, wie bei C. odorifer,
    die Laugenreaktion ist oliv bis deutlich rotbraun.


    C. mussivus (Fr.) melot


    Es gibt von dem Stinker Exemplare, die sehen so wenig nach Phlegmacium aus,
    und schon gar nicht nach etwas aus der Gruppe der Fulvi,
    dass der Pilz sich nur noch dem genügend vorgeschädigten Sammler durch den Gestank verrät:



    So, das ist die Kombination von Geruch und Laugenreaktion bei den drei Arten,
    die sich im Verlaufe der Woche für uns etwa herausgebildet hat.
    Es ist nicht die absolute Wahrheit und kann hier gerne korrigiert werden,
    wir sind uns da überhaupt nicht sicher.

    Das waren die wichtigsten Phlegmacien


    Zur Erholung ein paar fröhliche, unproblematische Myxacien?


    Der Doppelgänger von C. varius bei den Myxacien ist C. delibutus.
    Besonders, da er bei Trockenheit einen kaum klebrigen Stiel hat.
    Er macht dazu oft riesige, phlegmaciumartige Fruchtkörper und ist essbar.
    Die Delibuti haben charakteristisch rundliche Sporen.
    An dem Pilz kann man also nicht versehentlich vorbeischlüsseln.


    C. delibutus Fr.


    In die gleiche Gruppe, Delibuti, gehört dieser farbenfrohe Pilz.
    Es gibt von ihm eine Variante ohne Violett, subsp. transiens,
    die dann wieder wie C. delibutus aussieht,
    allerdings leicht unterscheidbar durch deutlich schleimigen, klebrigen Stiel.


    Cortinarius salor Fr.


    Zum Schluss bei den Schleimfüssen noch ein bitteres Exemplar:


    Cortinarius vibratilis (Fr.: Fr.) Fr.


    Wie weiter? Bei Leprocybe/Dermocybe? Gut:


    Jeder saure Bergnadelwald, der etwas auf sich hält,
    schmückt sich im Herbst ausgiebig mit ihm:


    Cortinarius limonius (Fr.: Fr.) Fr.


    Der nach "Lokomotive" duftende Bruder C. callisteus
    hat nie diesen spindeligen Fuss.


    C. callisteus (Fr.: Fr.) Fr.


    Allgegenwärtig im Bergnadelwald sind diese Gesellen:


    Cortinarius venetus var. montanus (Fr.: Fr.) Fr.


    Die Exemplare sind oft sehr zierlich, im Gegensatz zur Hauptform.
    Verwechslungen wären darum möglich mit Hautköpfen.
    Zum einen gibt es einen verblüffend ähnlichen Pilz im Kalkbuchenwald, C. olivaceofuscus
    Aber auch dieser hübsche Kerl hat Ähnlichkeit:


    C. croceus (Schaeff.)


    Gutes Unterscheidungsmerkmal die gelbliche Stielbasis bei C. venetus var. montanus
    Ausserdem lässt sich nach Auslösen der Farbpigmente (Anthrachinone) mit Brennspiritus
    dieser gelbgrüne Abklatsch, zum Beispiel auf Küchenpapier,
    bei C. venetus mit Ammoniakdampf nicht rosa umfärben,
    wie das bei den ähnlich gefärbten Dermocyben der Fall ist.
    Ein hübscher kleiner Trick, den nur wenige kennen...


    Ach, da gibt es ja noch einen ähnlichen Pilz,
    ich habe vorhin einen Vertreter der Schleimköpfe vergessen:


    Cortinarius subtortus (Pers.: Fr.) Fr.


    Der Weihrauchgeruch dieser Art ist ein deutliches Unterscheidungsmerkmal.
    Manchmal wird für den Kalknadelwald C. amurceus abgetrennt.
    Ich weiss nicht, ob das Gültigkeit hat. Unser Pilz müsste dann so heissen.


    Ein charakteristischer Giftpilz ist C. rubellus


    C. rubellus Cooke


    Ebenfalls irgendwo in der Untergattung Cortinarius würde man die folgende Art vermuten.
    Besonders, da sie in der Sect. crassi einen gedrungenen, gilbenden Doppelgänger hat,
    der erst noch ungewöhnlicherweise über Zystiden verfügt: C. rubicundulus
    Aber C. bolaris ist lustigerweise bei den Telamonien abgelegt, bei den Azurei


    C. bolaris (Pers.: Fr.) Zaw.


    Wagen wir uns hiermit an die Telamonien?


    Sehr ähnlich wie C. bolaris sieht dieser hübsche Pilz aus,
    und er gehört ebenfalls in die Azurei:


    C. spilomeus (Fr.: Fr.) Fr.


    In die gleiche Gruppe mit ihren rundlichen Sporen
    mit einer dünnen, fädigen, stets gelben Ringzone gehört auch diese sehr wandelbare Art:


    C. anomalus (Fr.: Fr.) Fr.


    Nahe verwandt und oft sehr ähnlich,
    noch viel öfter jedoch verwirrend gedrungen-ritterlingsartig ist C. caninus:


    Cortinarius caninus (Fr.: Fr.) Fr.


    Eine Pracht in jedem Bergnadelwald:


    Cortinarius traganus (Fr.: Fr.) Fr.


    Die Art ist an ihrem süsslichen Williams-Schnaps-Geruch gut zu erkennen,
    ausserdem an ihren nie blauen Lamellen und dem safranfarbenen Fleisch.
    Doppgelgäner ist C. camphoratus, mit durchdringendem Bocksgestank,
    an dem man ihn im Areal grossräumig orten kann, die Vorliebe für saure Böden
    sowie die jung bläulichen Lamellen.


    Cortinarius camphoratus Fr.


    Trotz ihrer Ähnlichkeit sind die zwei Arten nicht in der gleichen Sektion.
    C. camphoratus ist bei C. alboviolaceus bei Sericeocybe eingereiht,
    C. traganus bei den Malachi.


    Apropos Malachi - das wäre der bliblische Herr höchstselbst:


    Cortinarius malachius (Fr.: Fr. ) Fr.


    Hier noch drei typische Vertreter des sauren Bergnadelwalds mit Heidelbeeren und Sphagnum:


    C. evernius (Fr.: Fr.) Fr.


    Diese zwei muss ich in der Schweiz zusammen kartieren,
    denn erstaunlicherweise wird C. flabellus wird als identisch mit C. flexipes aufgefasst,
    und nicht einmal als Varietät von dieser. Das ist unverständlich,
    denn ich habe noch nie Übergangsformen dieser beiden Arten gesehen:


    C. flexipes (Pers.: Fr.) Fr.


    Cortinarius flexipes var. flabellus (Fr.: Fr.) Lindstr. & Mel.


    C. flabellus ist ein sehr häufiger Pilz mit Pelargoniumgeruch,
    der sich von C. flexipes durch das Fehlen von Violettönen unterscheidet
    und in den meisten Fällen höchstens am Hutrand etwas schuppig ist.
    Ein häufiger Doppelgänger der beiden ist C. hemitrichus unter Birken,
    der jedoch keinen Geruch nach Pelargonien aufweist.


    An ähnlichen Standorten, hübsch,
    mit aprikosenfarbenem Hut und hellem Stiel ist C. armeniacus


    C. armeniacus (Schaeff.: Fr.) Fr.


    Er gehört, wie vorhin schon C. malachius,
    zu den Arten, bei denen unsere Bestimmung "cum granum salis" zu sehen ist.
    Die Arten sind nach bestem Wissen und Gewissen mit der verfügbaren Literatur bestimmt.
    Nur: Günter Saar hat mir gesagt,
    dass aus den etwa 120 in der Literatur besprochenen Telamonien
    bei der Sequenzierung wohl an die 600 (!) Arten entstehen werden.
    In diesem Zusammenhang sind unsere "Bestimmungen" der Telamonien zu sehen.
    Sie sind natürlich in hohem Masse anfechtbar, und Kritik ist selbstverständlich willkommen.


    Das gilt auch für die folgende Art.
    Sie ist C. armeniacus sehr ähnlich, hat jedoch einen keuligen Stiel:


    C. triformis Fr. Mos.


    Zu den Lanigeri mit ihren rostfarbenen Lamellen
    haben wir die folgende, hübsche Art gestellt.
    Bei den Lanigeri ist auch der etwas bekanntere C. bivelus eingeordnet.


    Cortinarius solis-occasus Melot


    So, und diesen Pilz darf ich Euch leider nicht mehr zeigen,
    weil das System dieses Forums hier reklamiert,
    ich sei so unverschämt, mehr als 50 Bilder in einen Beitrag laden zu wollen.
    Auch den sehr hübschen C. dolabratus und anderes nicht mehr...
    Ja, dann halt...
    Dieses Forum rechnet eindeutig nicht mit wirklichen Cortinarien-Fanatikern...


    Ich hoffe, Ihr habt mit den paar Beispielen trotzdem einen Eindruck gewonnen,
    was wir so treiben, in der Cortinarien-Woche in Chur.


    Cortinarien-Freaks, die in der ersten Septemberwoche dieses Jahr (4.-10. Sept.)
    zu uns stossen wollen, sind herzlich willkommen.
    Wir sind jeden Morgen auf Exkursion,
    am Nachmittag wird bestimmt, dann gemütliches Beisammensein.


    Ganz lieben Dank an Anna-Maria, die uns die Räumlichkeit zur Verfügung stellt,
    an Uwe Winkler, ohne dessen Fachwissen wir nie so weit gekommen wären,
    und an Günter Saar für seine Geduld bei unseren Anfragen per Mail.


    Lieben Gruss, Euer Harald Andres

    Hallo, zusammen,


    Anna Maria hat eine Inocybe gefunden.
    Einzelexemplar in altem Fichtenbestand mit viel Moos, 450 m ü. M.


    pilzforum.eu/attachment/165262/


    Sporen 10 (9) lang,


    pilzforum.eu/attachment/165263/


    Zystiden grösstenteils ohne Kristallschopf,
    60 (70) x 20, apikal dickwandig,


    pilzforum.eu/attachment/165264/


    Stiel oben dicht
    haarig bereift, mit nur wenig echten
    Kaulozystiden ganz an der Spitze.
    Geruch fast null, schwach pilzig.


    Der Pilz schlüsselt sich zu
    Inocybe pseudoasterospora,
    aber sind da die Sporen sternförmig genug?


    Falls er es nicht ist, bleibt Ratlosigkeit.
    Inocybe cicatricata
    ginge von den Abbildungen her,
    aber die Sporen sollten viel weniger nodulos sein.


    Am besten passt mikroskopisch,
    von der Sporen- und Zystidenform her noch
    Inocybe soluta,
    aber der sollte kleinere,
    nicht ganz so höckrige Sporen haben (< 8).


    Wer kann helfen?
    Lieben Gruss, Harald Andres

    Bilder

    • pseudoasterospora4.jpg
    • pseudoasterospora2.jpg


    Hallo Harald Andres,


    am besten, du machst das genau so, wie bisher auch. Deine Dokumentationen sind super und vielleicht kann ich dazu auch was beitragen. Ich habe in der Gattung Cortinarius leider nicht so die Ahnung; arbeite mich aber da langsam ein. Mit was bestimmst du die Cortinarien? FN?


    l.g.
    Stefan


    Hallo, Stefan,


    Ja, ich bestimme mit:
    Funga nordica
    Flora Photographica
    Karl Soop
    GBW Band 5
    und ich schaue hin und wieder auch in den
    Moser und den André Tartarat.


    Lieben Gruss, Harald Andres


    Hallo, Stefan,


    Danke!
    Das mit der Synonymisierung des Ritterlings hatte ich auch schon mal gehört.


    Unklar ist mir bei den obigen Kollektionen auch,
    inwieweit C. subtortus und C. amurceus synonymisiert sind.
    Ich habe den Fund mal als C. subtortus angesprochen.
    Schade, wenn sich hier niemand von den Cortinarien-Kennern
    korrigierend zu diesen Aufsammlungen meldet.


    Wir sind ab Freitag eine Woche in den Bergen um Chur,
    um gezielt Cortinarien zu bearbeiten.
    Die obige Exkursion vom Sonntag war ein Probelauf.
    Das wird jeden Tag unzählige Kollektionen geben.
    Sollen wir die jeweils hier vorstellen?
    Wenn ja, in welcher Form?


    Lieben Gruss, Harald Andres

    Hallo, zusammen,


    Wir sind am Sonntag zu viert in die Haarschleierlinge gegangen.
    Reni, Thomas, Anna Maria und ich.
    Am Fusse dieses Berges, den ich Euch grad als Rätsel gebe:



    Alle Funde in teils sehr feuchtem Fichtenwald mit Weisstannen und Heidelbeeren.
    Mikrofotos in 3% KOH.
    Leider sind die Fotos vor Ort
    aufgrund falscher Kammeraeinstellungen fast alle nichts geworden.
    Ich zeige die Fotos vom Bestimmen am Tisch.


    Ich möchte Euch alle Kollektionen vorstellen:


    1. Der erste hübsche Fund hat uns etwas Mühe gemacht,
    und ich möchte Euch um Rat fragen:
    Die Sporen waren 8-9 x 6-7 µ, und rauher als es auf dem Foto aussieht.
    Der grosse Hut misst vier Zentimeter.
    Laut Literatur müssten diese Sporen zu C. paragaudis passen,
    kleinere Sporen hingegen zu C. haematochelis.
    C. spilomeus würde ich wegen des zu wenig differentierten Stilvelums ausschliessen,
    auch hätte der deutlich kleinere Sporen.
    Was denkt Ihr, das das hübsche Pilzchen richtig bestimmt?
    Das letzte Foto zeigt das Stielvelum.


    Cortinarius paragaudis (haematochelis/oenochelis?) (Fr.) Purpurroter Gürtelfuss







    2. Der zweite Fund, ein paar Meter weiter ist auch etwas knifflig.
    Ein ritterlingsartiger Pilz mit Hutschuppen.
    Man landet mit allen Schlüsseln immer wieder bei C. brunneus.
    Nur dass er mit dieser Hutoberfläche nicht wie einer aussieht...
    Ist er es trotzdem?
    Die Sporen sind 9 (9.5) x 6-7 µ,
    das Fleisch ist braun, etwas heller als der Hut.
    Der Hut misst fünf Zentimeter.


    Cortinarius brunneus (Pers. Fr.) Fr. Dunkelbrauner Gürtelfuss





    3. Die darauf folgenden Kollektionen haben sich
    durch das Vorhandensein von Lamellenzystiden verraten.
    Fast ein Massenpilz in diesem Wald:


    Cortinarius subtortus (Pers. Fr.) Fr. Ockergelber Schleimkopf





    4. Dann etwas ganz Hübsches:
    Zwei an Galerinas erinnernde, winzige Pilzchen.
    Die Huthaut ist hyphig, so konnten wir erst mal Pholiotina ausschliessen.
    Aufgrund der hellen Lamellenschneiden hätte ich aber denn doch
    etwas Spektakuläreres in Richtung Zystiden erwartet.
    C. acutus hätte eigentlich ballonförmige Marginalzellen an der Schneide.
    Nichts! Was an der Schneide zu finden war,
    war in Grösse und Form so ziemlich den Basidien identisch.
    Die Sporen waren 8.5-9.5 x 5 (5.5)
    Die Lamellentrama ist inkrustiert (auf dem Foto schlecht zu sehen).
    Ein hübscher Fund, ich denke, dass wir mit der Bestimmung richtig liegen:


    Cortinarius acutus (Pers. Fr.) Fr. Spitzer Wasserkopf






    5. Dann gab es noch diese düsteren Gesellen,
    aufgrund des bitteren Geschmacks und
    der rundlichen Sporen einfach zu identifizieren.
    Wenn der Olivton in den Lamellen nicht mehr zu sehen ist,
    findet man ihn noch in der Stielrinde:


    Cortinarius infractus (Pers.Fr.) Fr. Bitterer Schleimkopf





    6. Dieser hübsche, sehr bittere Schleimfuss
    hat leider den Transport nicht überstanden.
    Und die Aufnahme vor Ort ist nichts geworden. Ärgerlich.
    Ich weiss: Man sollte nur vollständige Pilze zeigen,
    aber er ist so hübsch, mit der Hutfarbe,
    dass ich ihn, auch der Vollständigkeit halber, nicht weglassen möchte:


    Cortinarius vibratilis (Fr.) Fr. Galliger Schleimfuss




    Das wär's!
    Wir gingen in die Cortinarien und fanden:
    ausschliesslich Cortinarien!
    (ausser ein paar Lachsreizkern und einem Hallimasch).


    7. Nein, der war noch da:


    Tricholoma pseudonicticans Bon Blassfleischiger Fichten-Ritterling



    Ein erfolgreicher Morgen!
    Reni hatte uns ein leckeres Mittags-Picknick mitgenommen,
    das wir nach dem Abstieg in die Talsohle genossen haben.
    Danke!


    Für Rückmeldungen zu den Kollektionen bin ich dankbar.
    Euer getreuer Harald Andres

    Hallo, zusammen,


    Danke!


    Dass einfach ein Fliegenpilz rauskommt,
    war ja einer meiner verschiedenen Vorschläge.


    Regen hatten wir in letzter Zeit nicht ernsthaft,
    ausser ein bisschen halbherzigem Getröpfel,
    ich denke nicht, dass da Hüllreste abgewaschen sind,
    sondern, dass der Pilz so gewachsen ist.


    Der Pilz im Nachbar-Thread gleicht ein wenig
    der Abbildung der var. aureola bei Ludwig,
    Band 3, Seite 33, vor allem die Stielbasis.


    Von "griffigen, anerkannten Bestimmungsmerkmalen des Taxons"
    habe ich nicht viel finden können.
    Ludwig schreibt sehr knapp:
    "Var. aureola (Kalchbr.) Quél.:
    Ist habituell schlanker,
    der Hut mehr orange und meist ohne Velumreste
    oder mit nur spärlichen am (kaum gerieften) Hutrand.
    Stiel mit anliegender Volva. Selten."
    Bis auf die Volva schien mir die Möglichkeit gegeben,
    dass es sich um unseren Pilz handelte,
    darum habe ich nachgefragt.


    Lieben Gruss, Harald Andres