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letzter Beitrag von Beorn am

Mediterranes Pilzseminar in Kroatien (Bericht)

  • Liebe Pilzfreunde,


    ich melde mich hier mal zwischenzeitlich wieder, weil ich euch doch vom Kroatien-Pilzseminar Anfang November 2017 mit Andreas Gminder berichten wollte. Dieses fand über einen Zeitraum von 7 Tagen statt, Exkursionsgebiet war die Halbinsel Istrien, welche wir von Pazin aus, unserem "Headquarter" ausgiebig untersuchten. Leider war die Wetterlage nicht optimal (zu trocken, die Nächte mit bis zu 3 °C zu frisch), weshalb sich unsere Funde in Grenzen hielten und auch nicht immer die typischen makroskopischen Eigenschaften hatten, weshalb wir uns doch sehr nach der Decke strecken mussten. Auf jeden Fall können diese Pilzgebiete sicherlich viel mehr als sie uns offenbaren wollten.


    Bei den Funden selber trat meist das Problem auf, dass die Pilze den aus Deutschland bekannten Arten oft recht ähnlich sahen, dann sich bei näherer Untersuchung aber doch als andere Arten herausstellten. Die von mir hier vorgestellten Funde, soweit sie nicht die allgemein bekannten Mittelmeerarten betreffen, sind allesamt von mir mikroskopisch untersucht und von A. Gminder bestätigt, bzw. von Andreas selber, der schon ein paar Mal die Fundgebiete beackert hatte und viele der dort wachsenden Pilze schon kennt, bestimmt worden.


    Ich starte zunächst einmal mit ein paar Bildern aus unseren Untersuchungshabitaten, werde dann die aus meiner Sicht wichtigsten und schönsten Funde präsentieren und zum Schluss noch ein paar Fotos von unserer professionellen Trüffelsuche zeigen. Viel Spaß dabei.


    Pilzhabitate:


    Buchen-Tannenwald in Slowenien: direkt an der Autobahn Ljubljana-Koper, 2 Ausfahrten nördlich der Adelsberger Grotte, vermutete Höhenlage ca. 600 bis 700 m NN, also in etwa dem nördlichen Schwarzwald entsprechend; die Baumvegetation ähnlich wie im Schwarzwald, aber der Boden krass kalkhaltig, mit grauweißen Brocken durchsetzt, so wie man es von der Schwäbischen Alb kennt.


    Schwarzkiefernwald (Pinus mugo, 2nadlig) im nördlichen Istrien, Grenzgebiet zu Slowenien, Karstgebiet, sehr trocken, Höhenlage ca. 400 m NN


    Strandkiefernwald (z. B. Pinus pinaster, 2nadlig) am Kap Kamenijak (südlichster Zipfel Istriens), direkt am Meer (10 m NN)


    Immergrüner Eichenwald (Steineiche, Quercus ilex) in einer Hotelresortanlage bei Porec, direkt am Meer (20 m NN)


    Laubabwerfender Eichenwald (Zerreiche, bot. Name?) mit dichter Krautschicht aus Mäusedorn (eine Art Stechpalme) oberhalb einer Ferienwohnungsanlage (ca. 20 m NN)


    Kurzgeschorene Magerrasenflächen, gedüngt nur auf natürlichem Weg (Ziegenbeweidung), am Kap Kamenijak, etwas oberhalb des Meeres gelegen (ca. 40 m NN)


    Hangwälder über Kalk, vorwiegend Eiche, aber vereinzelt auch Buche und Kiefer, im Landesinneren bei Motovun, ca. 200 bis 300 m NN (Fundgebiet der Schwarztrüffel, Tuber uncinatum/aestivum)


    Auwald über fettem Lehm-/Tonboden, stark eutrophiert und zugekrautet (v. a. Efeu), im Flusstal auf ca. 100 m NN (Fundgebiet der Weißen Trüffel bzw. Alba-Trüffel, Tuber magnatum)


    (Fortsetzung folgt)
    [hr]
    Jetzt das erste Sixpack der Pilzfunde:


    Der mit Abstand häufigste Pilz in den dortigen Kiefernwäldern, egal ob am Meer oder in der Höhenlage: Ringloser Butterpilz (Suillus collinitus), erkennbar an der striaten Hutoberfläche (eingewachsene braune Radialfasern) und der blassrosa Stielbasis:


    Seinen unmittelbarsten Doppelgänger, den Mittelmeer-Körnchenröhrling (Suillus mediteraneensis) habe ich leider nicht abgelichtet. Er sieht im Prinzip genau so aus wie der erstere (Größe, Form, Hut- und Porenfarbe), hat jedoch keine blassrosa Stielbasis.



    Ein weiterer Schmierröhrling in den lokalen Kiefernwäldern: Bellini'scher Röhrling (Suillus bellinii). Dieser unterscheidet sich von den beiden erstgenannten Arten in dreierlei Hinsicht: Huthaut absolut glatt wie beim Gewöhnlichen Butterpilz, Röhrenmündungen nicht leuchtend goldgelb, sondern blass und trüb ockergelb, Habitus auffallend kreiselförmig (Hutunterseite zum Stiel hin zuspitzend). Mir sind zudem noch die auffallend lachsorangefarbenen, großflächigen Drüsenpunkte an der Stielrinde aufgefallen, so dass man insgesamt S. bellinii und S. collinitus makroskopisch gut auseinanderhalten kann.


    Nun zu den "typischen", von allen Kursteilnehmern erwarteten Funden:
    Leuchtender Ölbaumtrichterling (Omphalotus illudens), das Leuchten wurde nachts in der Herberge überprüft:

    Von uns gefundene Jungexemplare sahen Pfifferlingen übrigens wirklich sehr ähnlich - wer dort in der Tat reichlich vorkommende (Laubwald-)Pfifferlinge sammelt, sollte das Problem kennen und immer auf vereinzeltes und bodengebundenes Wachstum achten!


    Eierwulstling (Amanita ovoidea), gut erkennbar an der Größe (etwa wie ein stattlicher Fransen-Wulstling, Amanita strobiliformis) und an den schnell auftretenden braunen Fleischverfärbungen nach Malträtieren:

    Da der Pilz einen aus unserer übereinstimmenden Sicht unangenehmen, metallisch-chemischen Geruch hatte, sahen wir von einer Kostprobe ab.


    Der durfte natürlich nicht fehlen: Gitterling (Clathrus ruber), gewachsen im Strandkiefernwald unter dicken Nadelpaketen. Dank der leuchtenden Farbe entlarvte er sich aber trotzdem:


    Jetzt noch zu dem häufigsten Röhrling im Eichenwald: Leccinum lepidum (Steineichen-Raufuß), einem Doppelgänger von Leccinum corsicum, welcher freilich unter Zistrose wächst - die gab es an diesem Fundort nicht. Auch sieht der Pilz unserem heimischen Gelbporigen Raufuß (Leccinum crocipodium) ziemlich ähnlich. An diesem Pilz am markantesten ist das starke Röten (!) des Fleisches nach Anschnitt.


    (Fortsetzung folgt)

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

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  • Hallo Oehrling!


    Danke für den Bericht, bin schon gespannt auf die Fortsetzung.


    Das Pilzjahr war ja anscheinend im ganzen Mittelmeerraum eher bescheiden (bei uns ist die Herbstsaison ja komplett ausgefallen und aus anderen Ländern habe ich ähnliche Klagen gehört). Aber schöne Funde habt ihr ja trotz der widrigen Umstände machen können.


    Für mich besonders schön, dass ich für meine alltäglichen Arten durch solche Berichte nochmal Bestätigung bekomme!


    Und, hat der Ölbaumpilz geleuchtet? Ich hab auch schon öfter welche mit nach Hause genommen, aber sie haben nie geleuchtet...

  • Hallo, Stephan!


    Ein schöner Bericht, danke! :alright:
    Dafür, daß das Wetter euch im Stich gelassen hat, sind aber schon mal ein paar sehr schöne Arten zusammengekommen. Aber wenn man sich die Habitate so ansieht: Man kann sich vorstellen, wie es da bei günstigeren Bedingungen aussehen mag.
    Die Braunen Ritterlinge hätten wir natürlich gut gebrauchen können, aus den Habitaten 2 & 3.



    LG; Pablo.

  • Hallo Oehrling,
    Danke für den schönen Bericht. Auf diese Weise verkürzt du uns die trüben Tage.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

  • Hallo Stephan !


    Tolle Aufnahme .


    Wegen Amanita ovoidea , irritiert mich ockergelbe Stielbasis . Das hat Amanita proxima , bei A. ovoidea das ist nicht fall , leider an Bild ist Volva nicht zu sehen . In Istrien A. proxima vorkommen na ja selten (nur paar Fundmeldungen) .


    @ Sarah , ich meine das tote - gepflückte Omphalotus olearius kann nicht Leuchten , nur lebendige . Probierst du mit Taschenlampe über Pilzbusch schnell Leuchten links - rechts , links - rechts , (dunkel - licht , dunkel - licht) . Habe nicht selbst ausprobiert , nur gehört ?


    @ Stephan , mir ist Istrien sehr bekannt , besonderes Umag - Motovun - Pazin


    Ein paar Bilder


    Motovun , ca 10 - 15 km Luftlinien von Pazin , die Bekannteste und stärkste Weißtrüffeln gebiet , Dolina Mirne bei Motovun (Mirna Tal)


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    LG beli !

  • Hallo Oehrling,


    wie schön, dass du deinen Winterschlaf für diese schöne Fotostrecke unterbrochen hast.
    Herrliche Landschaft und super interessante Funde :alright:


    Liebe Grüße
    Rotfüßchen

    "Pilze sind erst einmal nicht anwesend, sie verstecken, verbergen, verschließen und tarnen sich, aber es gibt eine Wahrscheinlichkeit und eine Hoffnung, sie zu finden. Die Suche bedeutet Aufbruch, Verheißung, Abenteuer, und je vergeblicher und erfolgloser der letzte Pilzgang war, desto mehr Spannung, Erfüllung, Belohnung verspricht der nächste." (Hans Helmut Hillrichs: Pilze sammeln)


    Pilzmärchen

  • Hallo Beli,


    sehr schöne Aufnahmen aus der Gegend von Motovun. Da wird dir der Zigante sicherlich bekannt sein, oder auch der Karlic. Beim Karlic war unsere Seminargruppe auch, davon später mehr. Jetzt aber mal wieder ein paar unserer Funde, nicht mehr so leicht zu bestimmen wie die bisherigen:


    augenscheinlich eine klares Element aus dem Hallimasch-Artenkomplex, extrem groß und fleischig (Hutdurchmesser trotz Trockenheit bis 15 cm), an laubabwerfender Eiche, also Laubholz, bei dem ich nicht weiß, wie es sich in unserer gängigen Hallimasch-Arten-Einteilung unterbringen lässt:


    Ebenfalls sehr häufig in den etwas höher gelegenen Kiefernwäldern: der Weiße Semmelstoppelpilz (Hydnum albidum). Die blasse, fast weiße Farbe der Fruchtkörper ist nicht durch das Wachsen unter Moos- oder Nadelstreu-Polstern verursacht, sondern typisch für diese wenig bekannte, gleichwohl auch bei uns wachsende Semmelstoppelpilzart. Sie ist geschmacklich sehr gut und wurde auch verkostet:


    Im Steineichenwald (reiner Laubwald) fanden wir folgende Semmelstoppelpilze, die kaum in eines der gängigen Raster passen: für gewöhnliche Laubwald-Semmler (H. repandum) viel zu schmächtig und mit unpassend abgegrenztem Übergang Stoppeln/Stiel, für gewöhnliche Nadelwald-Semmler (H. rufescens) im falschen Habitat, komplett ohne Nadelbäume; Sporen subglobos, eher nicht ellipsoid (wie etwa bei H. ellipsosporum); also vielleicht was eigenes:


    Neben einer sehr starken Stachelingsfraktion (Kork- und Duftstachelinge) gab es auch Stielporlinge bzw. deren Verwandte. Auf einer Pilzausstellung in Pazin präsentierten sie ziemlich mitgenommene, farblich nicht mehr typisch aussehende und daher nicht zeigenswerte Ziegenfußporlinge (Albatrellus pescaprae), aber uns selber gelang am Kap Kamenijak (lockerer Kalksandboden unter Strandkiefer) ein Fund von Boletopsis grisea, der nur als kleine unauffällige Hügel im Sand sichtbar war und ausgegraben werden musste (hier empfehle ich sehr, das Foto großzuklicken, um auch die Details richtig zu sehen, z. B. die silbergraubraune, striate Hutoberfläche):


    Dann eine Amanita mit oberseits geriefter Manschette, aber schon rein optisch aufgrund der gelben Velumgürtel am Stiel etwas anderes als Perlpilz oder Grauer Wulstling: Amanita franchetii (auf deutsch heißt der glaube ich Rauher Wulstling):


    Diese hier kennen dagegen sicher wieder viele von euch: drei Bischofsmützen (Gyromitra infula) an morschen Kiefernstümpfen gewachsen:


    und dann noch ein Röhrling, den ich immer für ein Literaturphantom gehalten hatte, aber ihn dort zum ersten Mal zu Gesicht bekam und ihn makroskopisch ziemlich eindeutig finde, vor allem aufgrund des Schnittbildes (Fleisch unter dem Hut rosabraun, darunter weißlich): Xerocomus moravicus (Mährischer Filzröhrling), gewachsen unter Steineiche (immergrüne Eiche):


    (Fortsetzung folgt, nächstes Mal mit Täublingen, Milchlingen und Ritterlingen!)

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  • Hallo Oehrling!
    Ui, das macht wieder Lust auf Großpilze, und auf Süden, und Urlaub und.... danke für die interessanten Einblicke in die Pilzwelt Istriens.
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!


  • Hallo Oehrling!
    Ui, das macht wieder Lust auf Großpilze, und auf Süden, und Urlaub und.... danke für die interessanten Einblicke in die Pilzwelt Istriens.
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!


    Ist mir irgendwie bekannt vorgekommen...
    Hoffe, Stefan hat nichts dagegen, dass ich mich da einmisch und ein paar Bilder beisteuere.


    Villa Dolores



    der Pool war kalt, da hat meines Wissens niemand gebadet



    aber hier! Strand bei Premantura, herrlich!



    Pazin von Westen



    ein paar Kilometer östlich der Wasserfall Zarecki Krov, auch hier fehlte das Wasser



    und hier auch noch ein Pilzbild



    viele Grüße


    Alis

  • Hallo, Alis!


    Danke für die ansprechenden Bilder von der Umgebung, Unterbringung... und so ein schöner Strand. :)
    Man kann da wirklich neidisch werden, um eure Ausflucht aus dem deutschen schmuddel - Spätherbst.


    Besonderes Beineid aber von meiner Seite zur Grauen Boletopsis (mir fehlen noch beide Arten der Gattung!) und auch zur Amanita franchetii, eine von drei auch in Mitteleuropa auffindbaren Amanitas (Vaginatae ausgenommen), die mir noch fehlen.



    LG; Pablo.


  • Hallo Stephan !


    Wen du an Zigante , Restaurantbesitzer aus klein Ort Livade meinst , dann ja , er hat die größte Weißtrüffeln (1,3 kg) gefunden .
    Karlic ist mir nicht bekannt . Ich habe früher 3 Jahre in Umag gelebt .
    Ich meine das dein große Hallimasch Fund , ein Armillaria mellea ist , den wachst gern neben Steineiche - Q illex und so groß ist .


    Mein Fund aus Dubrovnik (ähnliche gebiet wie in Istrien nur viel mildere Winter)


    -


    -


    LG beli !

  • Klasse Beitrag, Stephan! :alright:


    Da werden natürlich Erinnerungen wach bei Deinen schönen Bildern und vieles kommt mir bekannt vor.
    Ich habe den Kurs 2014 mitgemacht und damals auch darüber in diesem Forum berichtet.
    Andreas und ich hatten seinerzeit übrigens einen 5-teiligen Beitrag gepostet. Kann man sich zu Vergleichszwecken ja gern nochmal ansehen.
    Du hattest Dich damals vor allem nach den Trüffeln erkundigt.
    Wir hatten da einen kurzen Disput.


    Nun bin ich auf Deine Trüffelerlebnisse gespannt!


    Schön, dass Andreas den Kurs weiterhin im Programm hat.
    Kann ich nur allen empfehlen.


    Liebe Grüße vom Nobi

    Hier geht es zu meinen Themen.

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  • So, jetzt kommt wie angekündigt eine Auswahl der von uns entdeckten Sprödblättler und Ritterlinge.


    Ritterling Nr. 1 ist ein weiteres altes "Literaturphantom" von mir, nach dem Motto "den gibts doch gar nicht". Doch, den gibts, "gefunden" auf einer Pilzausstellung in Pazin: Tricholoma bresadolianum. Sieht in etwa so aus wie T. sciodes, schmeckt aber sofort und kräftig scharf, wohingegen die Schärfe bei T. sciodes sich erst langsam und zögerlich im Mund ausbreitet. Die schwarzen Stielschuppen waren aufgrund des Zustandes der Exemplare nicht so deutlich zu sehen, wie es sein sollte.


    Die hingegen waren ein Eigenfund im Schwarzkiefernwald an der Grenze zu Slowenien (ca. 500 m NN): Krokodilritterlinge (T. caligatum). Sie sehen dem hierzulande verbreiteten T. focale recht ähnlich, aber riechen sehr aufdringlich nach billigem Parfüm, etwa wie die Nebelkappe, nur noch schlimmer, oder wie Inocybe fraudans. Auffallend ist mMn auch das beim Antrocknen stark gilbende Fleisch. Auf jeden Fall ein höchst eindrucksvoller Pilz.


    Weiter geht es mit zwei Milchlingen: den ersten kennt man auch bei uns aus trockenen, sommerwarmen Laubwäldern über Kalkboden, etwa aus dem Thüringer Becken: Lactarius flavidus. Es handelt sich dabei um einen der Violettmilchenden, das Violett ist bei dem größeren Exemplar am Hutrand zu sehen. Dortiger Fundort: Wald aus laubabwerfenden Eichen (Zerreiche, Flaumeiche):


    Und dieser soll laut A. Gminder, der den Pilz kennt, ein strikt mediterran verbreiteter Milchling sein: Lactarius quercus-ilicis. Es handelt sich dabei um eine Art mit an der Luft unveränderlich weißer Milch:


    Der in den istrischen Kiefernwäldern häufigste Täubling überhaupt: Wolfstäubling (Russula torulosa). Optisch dem Stachelbeertäubling (R. queletii) oder dem Zitronenblättrigen Täubling (R. sardonia) sehr ähnlich, aber nur mäßig scharf, unter Kiefer auf Kalkboden wachsend und mit negativer Ammoniakreaktion.


    Bei dem folgenden dachte ich zunächst an den Hainbuchentäubling (R. carpini). In der Statur ähnlich und als milder Dottersporer, bot er ziemlich exakt das gleiche Hutfarbenspektrum des Hainbuchentäublings: innerhalb derselben Kollektion von kräftig weinrot bis hin zu blass grüngelblich. Unter dem Mikroskop dann eine kleine Überraschung: Dermatozystiden, teilweise inkrustiert und in der Form von Tennisschlägern oder Bratpfannen - so etwas kennt man z. B. von R. laeta. Dadurch waren wir schnell in der richtigen Artengruppe und konnten den Fund als Russula carminipes bestimmen, eine Mediterranart.


    Das nächste Bild zeigt leider eine Mischkollektion. Die beiden oberen Pilze haben wir nach langer Arbeit als Russula ochrospora (ebenfalls eine mediterrane Art, unserer R. medullata optisch ziemlich ähnlich und auch mit ockerfarbenem Sporenpulver, aber negativer FeSO4-Reaktion, wie ein Frauentäubling!) bestimmen können, die unteren beiden dagegen sind - wenn auch ungewöhnlich gefärbte - poplige Grüne Speisetäublinge, die uns verar***en wollten, sich aber durch orangefarbige FeSO4-Reaktion und Crins in der Huthaut verrieten.


    Ein paar mal und an verschiedenen Orten konnten wir diesen edel aussehenden Täubling finden: Russula amoenicolor (var. stenocystidiata, wie die Mikroskopie ergab). Von unserem heimischen R. amoena unterscheidet er sich durch schokoladenbraune, nicht violettfarbene Phenolreaktion im Hutfleisch:


    (Fortsetzung folgt)

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  • Wow! :alright:


    Zwei sehr beeindruckende Ritterlinge, Stephan.
    In der Tat, bresadolanum sieht sciodes wirklich verflixt ähnlich. Allerdings habe ich sciodes noch nie mit schuppigem Stiel gesehen (erkennt man hier immerhin noch, daß die Oberfläche nicht rein längsfaserig ist) und eben nur mit der von dir beschriebenen, langsam aufbauenden Schärfe. Scheint auch so, als wäre da auch die Hutoberfläche recht deutlich schuppig (faserschuppig). Wenn mich da der Eindruck nicht täuscht: Das wäre wohl ein Hilfsmerkmal, auch wenn mir sciodes schon hin und wieder mit schuppigen Hüten begegnet ist.



    LG; Pablo.

  • Eine letzte Ladung Pilze vom Kroatien-Pilzseminar. Bei diesen konnte durch die Bestimmung nicht die nötige Sicherheit erzielt werden, so dass das meiste fraglich bleibt.


    Eine in diesem Seminar relativ stark vertretene Gattung waren die Schnecklinge (Hygrophorus). Der häufigste Vertreter unter Kiefer war der auch aus unseren Landen bekannte Natternstielige Schneckling (H. olivaceoalbus), den ihr sicherlich aus unserem Nadelwald kennt und von dem ich deshalb kein Foto einstelle. Sehr ähnlich sieht der Olivbraune Schneckling (H. persoonii) aus, der im laubabwerfenden Eichenwald vorkam (so wie in unseren Gefilden auch!), und den man anhand der olivgrünen Reaktion der Huthaut mit Ammoniak von den ähnlichen Nebenarten abgrenzen kann:


    Ein anderer olivbrauner Schneckling fiel durch einen grünen Hutrand auf. Ein Versuch, diesen aufgrund der pudrig bereiften/beflockten Stielspitze zum H. arbustivus zu ernennen, blieb beim zaghaften Versuch. Ich konnte da wenig mitreden, da ich den "echten" H. arbustivus noch nie gesehen habe und die Variationsbreite nicht einschätzen kann, insbesondere was den grünen Hutrand betrifft. Aber vielleicht kennt den ja jemand von euch:


    Der bei weitem häufigste Schneckling im Steineichenwald war der rosafarbene Täublings-Schneckling (Hygrophorus russula), ein Pilz von selten gesehener Schönheit, insbesondere wegen der Hutfarbe. Dieser auch aus Deutschland (z. B. Blutsee) bekannte Pilz kam an manchen Stellen bodendeckend und in bester Qualität vor, so dass ich der Versuchung nicht standhalten konnte, ihn mit ein paar Exemplaren "in die Pfanne zu hauen". Doch wie so oft im Leben konnten die inneren Werte nicht mit dem schönen Äußeren mithalten, so dass das Gericht nach der Zubereitung wegen eklatanter Bitterkeit entsorgt werden musste.


    An Ritterlingen trafen wir in einem der Strandkiefernwälder ebenfalls bodendeckend eine Art an, die augenscheinlich der Grüngelbe Ritterling (Tricholoma sejunctum) sein musste, zumindest entsprach das Aussehen ziemlich genau dem unserer mitteleuropäischen Art. Leise Zweifel bleiben aber stehen, denn bei uns wächst T. sejunctum bekanntlich im Buchen-/Eichen-Mischwald, unter Kiefer habe ich ihn dagegen noch nicht finden können. Vielleicht handelt es sich bei unserem Kroatienfund stattdessen um T. avernense. Abschließend klären konnten wir das nicht.


    Bei diesen Exemplaren, gewachsen unter Steineiche an einem Parkplatzrand, ist nicht einmal klar, ob das überhaupt Ritterlinge sind (wo wir sie zunächst aufgrund ihres deutlichen Mehlgeruchs hingesteckt hatten). Bei dem Exemplar rechts oben ist an den Lamellen ein deutliches Schwärzen zu sehen, so dass es sich stattdessen vielleicht um einen Schwärzling (Gattung Lyophyllum) handeln könnte. In meiner Ritterlingsliteratur ist jedenfalls ein Ritterling dieses Aussehens nicht verzeichnet, vielleicht mal abgesehen von T. psammopus, der aber strikt an Lärche (Larix) gebunden sein soll und nicht nach Mehl riecht.


    Ganz zum Schluss noch, stellvertretend für eine unübersichtliche Vielzahl von Scheidenstreiflingen, bei denen gefühlt jedes Einzelexemplar individuell unterschiedlich aussah, einen kleinen silbergrauen (Hut ca. 5 cm) mit sehr stabiler Volva und beflocktem Stiel. Ob das Amanita mairei sein könnte? Spekulation frei!


    Damit endet in diesem Thread der Pilzreigen. Kommendes Wochenende habe ich wieder mehr Zeit, um den Bericht über die Trüffelsuche auszuarbeiten und zu präsentieren.

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    Einmal editiert, zuletzt von Oehrling ()

  • Hallo, Stephan!


    Noch'n "Wow", und meinen herzlichsten Beineid zu den tollen Sachen. :)
    Hygrophorus russula tauchte in diesem Spätherbst mal in einer schicken Kollektion bei einer Pilzkontrolle auf. Ein Fund aus dem Kraichgau, da fielen mir auch schier die Augen aus dem Kopf und auf die Pilze.


    Dieser grüngelbliche, schlanke Ritterling bei Koniferen mit den schwärzlichen Hutfasern: Nur so eine vage Idee, aber vielleicht kommt das, was Heilmann-Clausen & Christensen unter Tricholoma viridilutescens verstehen, da einigermaßen hin? Die Art kenne ich allerdings nicht selbst, und Tricholoma sejunctum nur von einem Fund am Bodensee, aber irgendwie stimme ich zu, daß das nicht so richtig passt.



    LG; Pablo.

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