Als jemand, der sich seit Jahrzehnten intensiv mit Musik befasst, bin ich ehrlich gesagt etwas erschüttert ob der einen oder anderen Auslassung hier. Musik ist zunächst bewusst erzeugtes und ästhetisch empfundenes oder intellektuell anregendes Geräusch. Und wenn es gute Musik ist, dann ist sie in der Lage, Emotionen in uns zu wecken, in jedem Falle aber Assoziationen. Kämpferisch, lyrisch, verträumt, bewegend, düster, unsicher, majestätisch, zart. Es sind menschliche Empfindungen, die der Musiker versucht in seine Musik zu gießen, um beim Zuhörer eben jene Assoziationen zu wecken. Und diese sind - zunächst - zutiefst unpolitisch. Dass sich politische Akteure Musik bedienen, um ihre Agenda zu untermalen, Menschen in für sie vorteilhafte Stimmungen zu versetzen ist eine andere Sache. Aber dafür kann die Musik nichts.
Anders wird es, wenn das gesprochene oder gesungen Wort hinzukommt. Sei es als Beiheft, Liedtext oder Libretto. Texte sind nie neutral und stets subjektiv, und wenn man sie entsprechend formuliert, beinhalten sie selbstverständlich auch Gedankengut, was wir heute als rechts oder links bezeichnen.
Die hier mehrfach geäußerte Verharmlosung von den erwähnten KI-generierten Liedern mit rechten Texten kann ich nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. So kann man nur reden, wenn man nicht weiß, worum es geht. Wir reden hier nicht über Lieder, die kräftig konservativ Themen besingen. Vielmehr wird thematisiert, bestimmten Menschen ihre Daseinsberechtigung abzusprechen; die "arische Rasse" zur Herrenrasse hochstilisieren und andere "Rassen" als minderwertig bis hin zur Unmenschlichkeit herabzustufen. Gaskammern wieder errichten zu wollen und Andersdenkende wegsperren oder beseitigen zu wollen. Das sind krass gewaltverherrlichende, zutiefst inhumane und rassistische Inhalte, die da verbreitet werden. Dieses Phänomen mit einem humoristisch mäßig gelungenem Spruch zum Thema "schwarzbraune Pilze" abzutun, erscheint mir mehr als unpassend.