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letzter Beitrag von Beorn am

Erd-Ritterling

  • Hallo,


    ich bin heute am Waldrand am Fuß einer Buche (aber andere Baumarten waren nicht weit entfernt, wie Hasel, Fichte, Apfel, Kirsche, Eiche, ...) über zwei hübsche kleine Pilze gestolpert.

    Einen habe ich mitgenommen, um u.a. mal einen Lamellenschnitt zu probieren.

    Was ich da gefunden habe, interessiert mich natürlich auch, aber ich scheitere bei der Zuordnung.


    Bild 1


    Bild 2 Schuppiger grauer Hut mit Riss :gfreuen:


    Bild 3 nochmal von oben


    Bild 4 dunkle Sporen an Lamellenkante (?)


    Bild 5 Lamellen berühren den Stiel nicht, kein Ring


    Verfärbt hat sich der Pilz beim Längsschnitt nicht. Wenn überhaupt wurde er langsam ein wenig grau.


    Erst mal in Wasser und noch ungequetscht mirkoskopiert:

    Bild 6 viersporige Basidien


    Dann gequetscht und in Kongorot:

    Bild 6 unseptierte Sporen, dickwandig - wenn ich das richtig interpretiere


    Bild 7 Was sieht man hier in Basidie und Sporen? Tröpfchen, Organellen, ...??


    Bild 8


    Bild 9


    Lugol hab ich auch probiert, ohne was auffälliges zu entdecken, wie Sporenornamente.


    Ist das vielleicht ein Risspilzvertreter (Inocybe)?


    LG, Martin

  • Hallo,

    Ich habe mir mal in so einem Ramschladen 3 Bilderrahmen a 50 Ct gekauft.

    Rahmen weggeschmissen , die Glasscheiben sind jetzt 5 Jahre im Einsatz.

    Da kann man auch prima weißes Papier drunterhalten und bei Tageslicht eine ganaue Farbbestimmung machen.

    Ausserdem kann man auf der Glasscheibe auch den Sporenabwurf mit einer Rasierklinge prima zusammenkratzen.

    Dann sieht man die Farbe (für Täublinge !) ganz präzise.

    Grüße

    Norbert

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    Pilzchips = 100 -5 APR 2015 +12 APR 2016 = 107 -7 Für APR 2017 = 100 + 5 APR 2018 =105 +5 APR 2019 =110+6 APR 2020=116
    Pilzbestimmung im Netz ist keine Essfreigabe

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  • Naja,


    das mit dem Sporenabwurf hatte ich mirganz naiv anders vorgestellt!

    1) Ein drittels Pilzhütchen liefert weniger Sporen als erhofft und

    2) die wenigen Pilzsporen sich gar nicht so trivial zusammenzuschieben. Stattdessen habe ich sie wohl platt gemacht.

    War also nix. ==Gnolm23


    Ich probier's heute nacht nochmal, diesmal mit allen Hutfragmenten.

    Jetzt habe ich doch noch eine Frage zu Tricholoma, das sind doch die Erd-Ritterlingsverwandten?

    Bei Tricholoma, lese ich, hätter "more or less emarginate gills".

    Wenn ich mir die zugehörige Grafik in "Fungi of T.E." ansehe, bedeudet dies doch, dass die Lamellenbreite in radialer Richtung einen Sattelpunkt oder einen Wendepunkt besitzt und die Lamellen am Stiel über eine deutliche Breite angewachsen sind.

    Passt das zu den Fotos oben (4+5)? ==Gnolm11

    Ich hätte gedacht, dass die Lamellen den Stiel gerade so ein bissle ( = "adnexed gills"?) oder gar nicht berühren ( = "free gills").

     

    Details aus Bild 5


    LG, Martin

  • MoinMoin!


    Wie lange lag der Fruchtkörper denn rum, bevor du den Lamellenansatz untersucht hast? Das sieht ziemlich so aus, als hätte sich das beim Antrocknen einfach vom Stiel gelöst, was zuvor dort mal anhaftend gewesen war.
    Bei einem Einzelfruchtkörper den Lamellenansatz zu beurteilen, kann aber ohnhin tricky sein. Mir sind auch schon einzelne Ritterlingsfruchtkörper mit "herablaufenden" Lamellen begegnet. :gzwinkern:

    Also... Ein Ritterling (Tricholoma) ist das hier in jedem Fall. Die Gruppe der Erditterlinge stimmt auch. Die zu beobachtenden Details sind jetzt Folgende: Bodenbeschaffenheit und mögliche Mykorrhizapartner am Fundort; Farbe des Basismycels; Geruch unverletzt und zerbröselt (unbedingt an frischem Fruchtkörper testen!); Geschmack (unbedingt an frischem Fruchtkörper testen!); Verfärbungsverhalten (idealerweise an altem, bereits im Feld verlottertem Fruchtkörper beobachten) über 1-2 Tage nach Fruchtkörperentnahme - das insbesondere an und in der Stielbasis, an den Huträndern und verletzten Stellen der Lamellen; ev. auch noch Velumanatomie (an jungem fruchtkörper mit noch geschlossenem Hut beobachten).

    Zusammen mit den schwarz fleckenden Lamellenschneiden könnte das für eine Bestimmung schon ausreichen.



    LG; Pablo.

  • Hallo Björn,


    jetzt (ver)s(t)ehe ich, was du meinst in Bezug auf den Lamellenansatz!! :gnicken:


    Das Bilder habe ich etwa 1h nach dem Einsammeln aufgenommen. Der Pilz sollte noch halbwegs frisch gewesen sein, aber die dünnen Lamellen trocknen sicher schneller und reißen dann u.U. ab. Bei einem jungen Fruchtkörper mit geschlossenem Velum hält der Originalzustand sicher länger vor, und genau deshalb erwähnst du die Überprüfung bei Pilzen mit noch geschlossenem Velum ja vermutlich! :gidee:


    Was mir nicht klar ist: Ich soll an verlotterden Pilzleichen einen Verfärbetest machen, also ob und wie die Lamellen, der Stiel etc auf Verwundung oder Druck reagiert? Ich hätte vermutet, je frischer der Pilz desto eindeutiger die Reaktion. Wenn erstmal die Schnecken dran waren oder die Sporen ausgefallen sind, zersetzt sich doch der Pilz schon von alleine und hat auch häufig gar nicht mehr die ursprüngliche Färbung. Und dann sogar über mehrere Tage beobachten? Da hat man doch nur noch Mumien. Ich hätte gedacht, die Farbreaktion spielt sich innerhalb weniger Minuten bei Luftkontakt beim frischen Pilz ab. :gkopfkratz:


    Und: Testet ihr Mykologen tatsächlich jeden Pilz auf Geschmack? Was ist mit Giftpilzen? Ok, die Dosis macht das Gift. Aber gilt das für jeden Pilz in unseren Breiten?? :gskeptisch:

    Das traue ich mich jedenfalls (noch) nicht.


    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    Geschmackstest nur in Gattungen wo das was bringt , und die Gattung muss man dann schon erkannt haben.

    Und die Verfärbung bei Jungpilzen fällt oft aus , Beispiel Maronenröhrling. Ganz junge verfärben oft nicht oder kaum, alte praktisch immer.

    Gruß

    Norbert

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  • KaMaMa

    Hat den Titel des Themas von „Risspilz oder Pilz mit Riss“ zu „Erd-Ritterling“ geändert.
  • Du hast hier einen der Erdritterlinge gefunden. Um die voneinander zu unterscheiden, ist der Geruch des unverletzten Fruchtkörpers wichtig als auch der Geschmack. Rein optisch käme für mich in Frage:

    (1) T.terreum - ohne Geschmack oder Geruch bei Kiefer

    (2) T. argyraceum / T. scalpturatum - riecht und schmeckt kräftig bei Mehl und gilbt als Leiche (muss aber nicht)

    (3) T.orirubens / T.atrosquamosum- riecht eher süßlich komplex und schmeckt nach Mehl, rötet im Alter + blaue Flecken an der Stielbasis über Nacht

  • Hallo!


    Wenn man bei Ritterlingen von "Verfärbungen" spricht, hat das nichts damit zu tun, was zB bei Champignons oder Saftlingen passiert.
    Mit Ausnahme von Tricholoma sulphurescens und wenigen anderen.

    Bei Ritterlingen geht es um Pigmente, die sich aus absterbenden Hyphen lösen. Und die werden eben tatsächlich erst bei der zersetzung sichtbar - und das auch nicht immer und nicht durchgehend. Darum der Hinweis auf die lange Wartezeit und das Beobachten von älteren, idealerweise bereits vorgeschädigten Fruchtkörpern.

    Das Velum ist dann ein anderes merkmal, spielt aber ebenfalls oft eine Rolle. Ritterlinge bilden ja auch ein haarschleierartiges Velum aus (viele aber so spärlich und vergänglich, daß man es auch jung quasi nicht sieht), und das hat mitunter auch Relevanz für die Bestimmung.



    Lg; pablo.

  • Danke, Thomas!


    Heute habe ich begriffen - es sei denn ich interpretiere wieder was falsch -, dass es sich bei den genannten Erd-Ritterlingen um eine Arten-Gruppe oder Untergattung der Ritterlinge handelt, der Pilz somit recht eng bestimmt ist. Genauer hätte ich das bei einem so unscheinbaren grauen Pilz ja gar nicht erwartet.


    Auf jeden Fall nehme ich staunend zur Kenntnis, dass charakteristische Verfärbungen auch erst nach längerer Zeit auftreten können.

    Deshalb habe ich den vor zwei Tagen zerteilten Pilz nochmal aus der Krabbelkiste geholt.

    Siehe da! Die Stielbasis, insbesondere die "Pfahlwurzel" unterm Stiel, ist tatsächlich verfärbt in türkis bis lila Farbtönen (also blau s.lat.).

    Der Pilz wirkt mittlerweile eher bräunlich als grau.

    Bild 10


    Unter der Stereolupe sind die Farben besser erkennbar:

    Bild 11


    Die Pilzleiche riecht durchaus irgendwie süßlich, aber mit Gerüchen ist das ja so eine Sache.

    Kiefer wuchs zwar keine in der Nähe, aber wenn das mit den blauen Flecken hier passen sollte und der süßliche Geruch ernst zu nehmen sein sollte, dann könntest dein dritter Vorschlag vielleicht passen, Thomas.

    Aber ob die Farben auch wirklich vom Pilz selbst kommen, nicht von einem Schimmel darauf?

    Da müsste man sicher wieder mikroskopieren - ein Teufelskreis! :gzwinkern:


    Ich denke, der Pilz ist (für mich) als Erd-Ritterling genau genug charakterisiert.


    Grüße und Dank an alle Beteiligten,

    Martin


    Warum finde ich auch nichts einfaches, wie einen Fliegenpilz?

    Wahrscheinlich, weil es hier wenig Birken und alkalische Böden gibt...

    Den habe ich nun schon seit Jahr(zehnt)en nicht mehr gesehen. :gheulen:

  • Hallo, MArtin!


    Mit rot fleckender Stielbasis gibt es: Tricholoma orirubens, Tricholoma basirubens, Tricholoma atrosquamosum und Tricholoma squarrulosum.

    Alle vier Arten können auch blau an der Stielbasis flecken (wie auch Tricholoma columbetta).

    Tricholoma squarrulosum kann man hier ausschließen, denn da sehen die Stiele ganz anders aus. Tricholoma atrosquamosum ist ein "Bergpilz" der basischen Nadelwälder (bevorzugt wohl Tannen als Mykorrhizapartner). Um Tricholoma orirubens und basirubens zu unterscheiden, braucht man die Farbe des Basismycels - was nach meinen Beobachtungen aber leider auch nicht immer eindeutig ist: Ich habe auch schon Kollektionen von orirubens beobachtet, wo zwischen den einzelnen Fruchtkörpern die Farbe des Basismycels zwischen creme über blasscremegelb bis gelb variiert. Allerdings sollen laut FNE4 die Stiele von orirubens durchgehend glatt sein, während basirubens gerne mal kleine, dunkle Farbschüppchen oder Pünktchen an den Stielen bilden soll.



    LG; Pablo.

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