Beiträge von KaMaMa

    Hallöle,


    Cladonie ist das nicht - ich würde das mit Hypocenomyce scalaris abgleichen.

    Der Fund wurde bestimmt an einem Baumstamm gemacht.

    Die Flechte reagiert mit C schön rot.


    Habe ich bisher meist an Birnbäumen gefunden. Soll aber auch an Nadelbäumen und Eichen zu finden sein.


    LG, Martin

    Hallo!


    Der Rundgang auf der Ruine Hohenurach beschäftigt mich weiter.

    Eine schöne, weiße Krustenflechte hat mich eine Weile konfus gemacht.

    Da meine Probe mit einem lichenicolen Pilz kontaminiert ist, war die Bestimmung erschwert - es sind keine reifen Sporen aufzufinden.

    In einigen Asci lassen sich nach einiger Suche aber doch Sporen ausmachen.

    Die beobachteten weißen Krustenflechten wachsen auf den Mauern der Burg (Kalkstein), sowohl auf der Oberseite, als auch an den obersten Seitenflächen, also in reichlich besonnter und windexponierter Lage.

    Bild 0 Fundort auf kniehohen Burgmauerresten


    Bild 1 Flechtenfund: Pyrenodesmia chalybaea

    Der glatte, dicke Thallus ist kreideweiß, feinrissig areoliert, an den Rändern ein wenig gelappt wirkend.

    Ein grauer Vorthallus läuft um die runden bis rosettig wachsenden Lager der Flechten herum.

    Die Apothecien sind in der Thallusmitte sehr zahlreich, mit hellem Thallusrand und schwarzbrauner Scheibe, die stark mit dem Lager kontrastiert.

    Der Bereich am Lagerrand ohne Apothecien ist breit.

    Die kleinen, jungen Apothecien weiter außen sind in das Lager eingesenkt, während im Zentrum, die älteren Apothecien auf dem Thallus aufsitzen.

    Bei älteren, großen Apothecien im Zentrum verschwindet der Thallusrand.

    Der Thallus reagiert makroskopisch negativ auf K, P, C und L.

    Man ist versucht, in Richtung Leconora/Aspicilia zu suchen - aber das passt nicht.


    Tatsächlich handet es sich um Pyrenodesmia chalybaea, was mir erst mikroskopisch klar wurde.


    Bild 2


    Bild 3


    Bild 4 Pyrenodesmia chalybaea angefeuchtet


    Bild 5 Probe mit trockenen, eckigen Apothecien



    Das Hymenium und Hypothecium sind farblos, das Epihymenium braun.

    Die Sporen der Probe sind unreif, aber eindeutig polarilokular in einigen der Asci erkennbar.

    Die Größe der Sporen liegt bei etwa 9 x 5 µm², mit einer Septumbreite von etwa 3,5 µm.

    Die Flechte ist von braunen Fremdhyphen durchzogen und überwachsen:

    Bild 6 Durchgeschnittenes Apothecium mit erkennbaren, dunklen Fremdhyphen im Hymenium (rechts) und Aufwuchs auf dem Hymenium (links)


    Zur Bestimmung der richtigen Flechtengattung gelangt man erst über die Sporen:

    Bild 7a Ascus mit 2-zelligen Sporen mit polarilokularer Ausprägung, typisch für Caloplaca sensu lato - hier in KOH mit violett verfärbtem Epihymenium


    Bild 7b Sporen in Ascus


    Bild 7c Sporen


    Unter dem Mikroskop ist eine Farbreaktion in KOH (20%) erkennbar:

    Eine schwach violette Färbung wird in einigen Bereichen des Apotheciums deutlich, u.a. auch im Epihymenium (vgl. Bild 7a).

    Bild 8 Violettfärbung in KOH (20%)


    Das Hymenium der Flechte ist von einem lichenicolen Pilz, eine Taeniolella-Art, durchwachsen.

    Der Befall würde ich auf Taeniolella delicata zurückführen.

    Bild 9 Lichenicoler Pilz, Probe in Wasser


    Bild 10 Querschnitt durch Hymenium mit lichenicolem Pilz


    Bild 11 Aufsicht auf Hymeniumoberfläche (in KOH)


    Bild 12 Aufsicht auf Hymeniumoberfläche


    Bild 13 Pyrenodesmia chalybaea mit rasiger, brauner Verfärbung auf dem Thallus durch Parasitenbefall


    LG, Martin

    Hallo Matthias,


    herzlichen Dank auch an dieser Stelle für deinen Einsatz!

    Auch wenn die Art nicht bestimmt werden konnte, war es doch lehrreich und interessant.

    Deine sehr schöne, zusammenfassende Tafel speichere ich - dein Einverständnis voraussetzend - beim dem Fund mit ab.


    LG, Martin

    Nachtrag


    Ein Stückchen weiter, am nächsten Grabstein (Sandstein) ist dieser Thallus zu finden, der mehr ins Braune tendiert und den Verdacht A. fuscata erhärten sollte:

    Bild 14 Brauner, schuppiger Thallus an Vertikalfläche auf Sandstein, die Horizontalfläche des Simses nach vorne weitergehend...


    Bild 15 ...und dann an der vorderen Vertikalfläche nach unten weiterwachsend - hier deutlich braungetönt.

    Hallo Christine,

    ich würde auch P. argena vermuten.

    Eine typische und sehr häufige Flechte auf glatter Rinde.

    Es gibt viele weiße (sterile) Krusten, die zum Verwechseln einladen. Die Wahrscheinlichkeit spricht aber meiner Meinung nach für deine Vermutung.

    LG, Martin

    Hallo Bernd,


    erstmal vielen Dank für deine Antwort!

    Selbstverständlich habe ich geschlüsselt! :gnicken:


    Flechte A halte auch ich für klar, wenn auch bisher meine P. praetextatae immer grau waren. Die Literatur weiß aber auch von braunen Exemplaren zu berichten.


    Bei Fund B existieren durchaus auch lange Finger, aber nur wenige - nicht zuletzt auch mein Probenstückchen, da ich dir gerne noch zeige, wenn auch ein Bratzenbild (mag bekanntlich nicht jeder).

    Bild B7 Probe mit gerolltem Thallus"finger" und braunem Apothecium


    Wobei diese fingerartig gerollten Lappenenden kein Alleinstellungsmerkmal sind, soweit ich weiß.

    Jeder Thallus fängt mal an, Apothecien zu bilden. Sie sind ja nicht von Anfang an da.


    Zu Flechte C: Das angehängte Bild gehört tatsächlich zu C.

    Eigentlich sollte es gelöscht werden, weil meine ungewaschenen Finger drauf sind, und zudem, weil nichts anderes zu sehen ist als auch auf Bild C2.

    Die Apothecien sind wirklich fast rund (etwas breiter als lang) und schwach konkav gekrümmt.

    Ich habe P. horizontalis noch nie gefunden, vielleicht ist das hier eine andere Flechte mit wetwas abnorm geformten Apothecien.

    Was mich etwas irritiert hat, ist die isidiöse Stelle.

    Da die Maus aber wahrscheinlich schon öfters beim Ein- und Ausgehen aus dem Mauseloch an der Flechte gerupft hat, könnten das auch isidiöse Neubildungen an einem Riss sein.

    Das können ja auch die anderen Peltigeren.

    Hier bin ich unsicher.

    Wenn also jemand, der die Flechtenart P. hjorizontalis kennt, etwas dazu sagen könnte, wäre das klasse.


    LG, Martin

    Hallo!


    Am Samstag bei Bad Urach am Rand der Schwäbischen Alb (weißer Jura, Kalkstein) konnte ich einige Peltigeren beobachten und jeweils eine kleine Probe mitnehmen.

    Ich stelle die vier Funde kurz vor und würde mich über eure Meinung und Korrekturen freuen.

    Ich komme tatsächlich auf vier unterschiedliche Arten (was ich nicht recht glauben kann), wovon drei neu für mich wären.


    Und jetzt zu den Beschreibungen und Fotos der Funde:


    A) Peltigera praetextata

    Gefunden neben am schattigen Waldwegrand auf Kalkgestein-Aufschluss, dicht mit Moos überwachsen.

    Thallus steril, braun, rosettig, wellig-isidiöse, aufsteigende Lappenränder.

    Am Thallusand oberseits filzig, innen Filzrestchen, sonst glatt.

    Thallus handgroß.

    Rhizinien einfach zur Thallusmitte hin braun.

    Thallusunterseite randlich weiß mit weißen Adern, weiter innen Adern braun.

    Bild A1 Habitat


    Bild A2 Feuchte Thalli im Moos


    Bild A3 Isidiöse Ränder


    Bild A4 Rand filzig


    Bild A5 Rand


    Bild A6



    B) Peltigera polydactyla

    Graue Peltigera auf Moos an mäßig heller Stelle auf Erd/Steinschutt an Nordseite der Burg.

    Rosettiger, derber Thallus mit vielen braunen Apothecien an sattelförmigen Thallusenden.

    Oberseite glatt, aber stellenweise weißlich bereift.

    Rhizinien weiß, einfach bis aufspleisend

    Adern am Rand hell, zur Mitte hin dunkelbraun, ovale helle Flecken aussparend, Rh. dort braun, einfach.

    .

    Bild B1 Habitat


    Bild B2 rosettiger Thallus mit vielen braunen Apothecien


    Bild B3


    Bild B4 Bereifung


    Bild B5 Aufspleisende Rhizinien


    Bild B6 Adern in Thallusmitte, nass (um Moos zu lösen) - ovale weiße Fenster zwischen dunklen Adern



    C) Peltigera horizontalis

    Habitat wie bei B, auf moosiger Erde am Nordhang der Burg.

    (Thallus über Mäusebau, zerfetzt)

    Apothecien flach in Thallusebene, breiter als lang, leicht konkav gebogen.

    Oberseite hellgrau und glatt, ohne Filz.

    Unterseite hell am Rand mit hellen, wulstigen Adern, zur Mitte hin mit dunklen Adern und hellen Zwischenräumen.

    Es gibt eine isidiöse Stelle am Lappenrand.

    Bild C1


    Bild C2 Trockener Thallusabschnitt


    Bild C3 Rand, nass


    Bild C4 angefeuchtete Unterseite mit braunen Adern


    Bild C5 Untypische (?), isidiöse Stelle am nassen Thallusrand



    D) Peltigera canina

    Fundstelle an heller, stark bemooster Felswand in Ostausrichtung.

    Flechte auf Moos, teils fruchtend

    Braune Apothecien wirken verkürzt und breit, an aufsteigenden, sattelförmigen Abschnitten

    Oberseite flächig stark filzig

    Unterseite randlich weiß nit weißen Rhitzinien

    Rhizinien teils verfilzend

    Adern hell, zur Mitte hin etwas abdunkelnd und filzig

    Bild D1 Habitat


    Bild D2 Feuchter Thallus


    Bild D3 Feuchter Thallus mit Apothecien


    Bild D4 Fetzen trockener Thallus in-situ, flächig stark filzig


    Bild D5 Thallusoberseite, trocken


    Bild D6 Verfilzende Rhizinien nahe am Thallusrand


    Bild D6 Thallusrand


    Bild D7 Filzige, bräunliche Adern in Thallusmitte



    Peltigera wurde hier ja schon öfters diskutiert, deshalb hoffe ich auf Aufklärung.

    Also, wer mag einen Peltigera-Neuling korrigieren?


    Morgen sind die Flechtenstückchen wieder trocken, das Moos ist ausgezupft.

    Dann kann ich, falls nötig, noch Fotos in trockenem Zustand nachliefern


    LG, Martin

    Hallo Marcel,


    den Text hatte ich tatsächlich auch gefunden. Es wurden Herberbelege gesichtet und rückwirkend nicht mehr C. cerina, sondern C. monacensis zugewiesen. Ein Neufund allerdings wurde nicht genannt, sondern nur vermerkt, dass nun sicher sei, die Flechte kam einst un auch in Hessen vor.


    Wahrscheinlich gibt es sie immer noch oder wieder. Die Dinger siehst du nur, wenn du genau davor stehst und mit der Lupe direkt draufhälst. Ich habe nur interessehalber die vermeintlich leere Stelle an der Borke beäugt, um dann diese Caloplaca zu entdecken - reines Glück. Ich habe sie nicht gesucht.


    LG, Martin

    Hallo,


    gestern konnte ich in der Ruine Hohenurach eine interessante Flechte finden: Caloplaca monacensis.

    Zum Fund:

    Hohenurach ist eine Ruine der Höhenburg oberhalb von Bad Urach.

    Bild 1 Blick auf Bad Urach


    In der Oberburg (665m üNN) steht ein Laubbaum, dem Laub am Boden und den Knospen nach würde ich einen Ahron vermuten.

    Bild 1 Oberburg der Hohenurach mit Bäumen im Hof


    In der rissigen Borke in Richtung Südwest, bequem in Kopfhöhe, wächst eine Caloplaca: lecanorin, orangefrüchtig, mit weiß bereiftem Thallusrand.

    Die Borke ist weich. Mit mäßigem Kraftaufwand kann man mit bloßen Fingern ein Stückchen abbrechen.

    Bild 3 Caloplaca auf Borke


    Der Thallus der Flechte ist unscheinbar.

    Man benötigt eine Lupe, um die Flechte wahrzunehmen.

    Bild 4 Makro von körnig/kleinschuppigem Thallus und den gänseblümchenförmigen Apothecien


    Der Thallus ist grünlich grau und besteht auch feinen Läppchen und Körnchen.

    Bild 5 Thallus und Apothecien bis etwa 1 mm Durchmesser


    Bild 6 Flechte befeuchtet


    Die Apothecien sitzen mit verjüngter Basis auf dem Thallus auf.

    Bild 7 Querschnitt Hymenium zart gelb, Hypothecium weiß (in Wasser)


    Die Asci sind 6-8-sporig

    Bild 8 Hymenium gequetscht in Wasser, Epihymenium gelborange, körnig; Hymenium 90-100µm dick, Hypothallus 70-90µm dick

    Sporen 13-16 x 6-7 µm, Septum 6 µm


    Die Flechte reagiert K+ purpurn im Epihymenium, schwach aber merklich orange auf C.

    Der Thallus reagiert ev. leicht grau auf K (?).


    Den Schlüssel von Wirth-Hauck-Schultz folgend gelangt man aufgrund der Struktur des Thallus nach nur drei Schritten eindeutig zu Caloplaca monacensis.

    Die Beschreibungen in "Die Flechten Deutschlands" passen zur gefundenen Flechte:

    Lecanorin, weiß bereifter Randohne deutlichen Eigenrand, 0,6-2mm, gelborange Scheibe, mitunter bereift, leicht gewölbt. C-. (Hier C+)

    Thallus aus variabel geformten Körnchen und Schüppchen, grau, Körnchen um 70-130 µm dick.

    Sporen 11-16 x 5-5,5 µm, Septum 4-5,5 µm (Hier etwas größer Sporen 13-16 x 6-7 µm, Septum 6 µm, passt aber zu Kubiaks Beobachtung in Polen 2016).

    Vorkommen auf basenreicher Rinde an licht stehenden Laubbäumen, Schwerpunkt Stammbasis, eutrophierungstoleranter als C. cerina.


    Im Wirth (2013) gilt sie als in Deutschland extrem selten bzw. sogar verschollen.

    Auf der Seite Flechten Deutschland sind zwei Funde auf Oberfranken und Thüringen gemeldet.


    Ich meine, die Bestimmung ist korrekt.


    LG, Martin

    Hallo, Freude der lichenisierten Pilze,


    bei folgender Flechte bin ich nicht ganz überzeugt, die Bestimmung richtig geführt zu haben - es ist meine erste Acarospora.

    Gefunden in größeren Beständen auf einem Grabstein neben der Kunigundenkapelle über der Gollach.

    Ein wenig zum Fundort:

    Bild 1 Die Kunigundenkapelle bei Burgerroth wurde gegen 1230 errichtet.

    Hinter der Kapelle steht eine angeblich 1000-jährige Linde.

    Links eine Handvoll 100-jähriger Grabsteine an der Mauer.


    Bild 2 Eine alte, hohle Linde - sie braucht viele Krücken.

    Um die Last von den Hauptästen zu nehmen, wird sie regelmäßig komplett zurückgestutzt.

    So schafft sie vielleicht noch einige Jahre oder Jahrzehnte.


    Der Friedhof der Kapelle wird nicht mehr benutzt, einige wenige Grabsteine stehen an der südlichen Mauer.

    Jahreszahlen vom Anfang des 20.Jahrhunderts.

    Bild 3 Verkrusteter Grabstein nach Norden blickend, aus oberflächlich verwittertem Sandstein.


    Bild 4 Grün-braune Schuppenflechte am oberen Sims des Grabsteins knapp unterhalb der Mauerkrone.


    Bild 5


    Bild 6


    Der Thallus ist auch trocken ebenso graugrün wie auf den Bildern zu sehen.

    Die Apothecien sind in den bis zu etwa 1mm dicken Thallus eingesenkt, wobei die untere Hälfte endolithisch zu sein scheint (Bild 7, eingebettete Sandkörner) und sich bei der Probennahme mitsamt den bröseligen Substrat abgelöst hat.

    Die Schuppen sind bis zu 2 mm groß, unterseits und seitlich schwarz

    Nass wird die Flechte oberseits leuchtend grün.

    Der obere Cortex ist im Querschnitt 20-30µm dick und sehr blass weißlich / farblos.

    Die darunter liegende Algenschicht mit coccoiden Grünalgen ist bis 100 µm dick.


    Der Thallus (Mark) reagiert C+ orange (flüchtig), K+ gelb-orange, KC+ orange.


    Bild 7 Thallusquerschnitt


    Bild 8 Querschnitt durch Apothecium in Wasser


    Epihymenium kräftig braun, Hymenium weißlich, breichsweise braun verfärbt (?).

    Seltsam himbeerrote Bereiche im braun verfärbten Hymenium, ebensolche himbeerrote Bereiche auch unterseits des Thallus vorhanden => ev. Befall...

    Hymenium bis 100 µm dick.

    Paraphysen einfach, mehrfach septiert, um 2 µm dick auf halber Höhe, schwach kopfig (3-4 µm).

    Bild 9 Oberer Abschnitt der Paraphysen, leicht kopfig


    Reife, vollständige Asci sind schwierig auszumachen.

    Bild 10 Sporentragende Asci mit sehr vielen, kleinen Sporen

    Sporengröße um 4,5 - 7,0 x 2,0 - 2,8 µm

    Sporen einzellig, schlank elliptisch bis zylindrisch, farblos


    Beim Schlüsseln der Gattung nach Wirth-Hauck-Schultz gelange ich zu Acarospora. Im Acarosporaschlüssel bleibe ich stecken.

    Verwende ich den italienischen Acarospora-Schlüssel von ITALIC, gelange ich problemlos zu Acarospora fuscata, einer kosmopolitischen und häufigen Flechte, die auf vollsonnigen, beregnetem Silikatgestein vorkommt, aber auch in Kalkgebieten auf Mauerkronen, und Grabsteinen zu finden sei.

    Die Ökologie passt hier nicht ganz und auch die Färbung von Acarospora fuscata ist als braun nicht so grünlich wie beim Fund angegeben.


    Vermutung meinerseits:

    Da diese Flechten in Nordausrichtung wuchsen, könnte es sich um eine Schattenform handeln (vgl. z.B. grünliche Schattenform von X. parietina), die weniger Flechtenstoffe eingelagert hat und deshalb auch nicht C+rot reagiert, sondern nur C+orange.


    Kann jemend meinen Verdacht (A. fuscata) stützen, oder habe ich eine andere Flechte gefunden und bloß nicht erkannt?


    LG, Martin




    Nachtrag "Himberrote Stellen":

    Bild 12 Querschnitt durch Hymenium mit roten Stellen. Epihymenium rechts orientiert


    Bild 13 Unterseite des Thallus hier mit himbeerfarbenen Flecken

    Hallo Matthias,


    ja so hätte auch ich vorgehen wollen, hatte ich nur den Schlüssel 1 gesehen.

    Nach den Schlüssel muss ich als nächstes den Perispor (in BWB) untersuchen, so wie du ja schon angedeutet hast, eher es im Schüssel von Hawkesworth weitergeht.


    Im übrigen war das natürlich ein reiner Zufallsfund. Den Befall der Flechte habe ich erst Zuhause bemerkt, da ich die Lupe in meiner Waldjacke zuhause vergessen hatte.


    Ich werde dieser Tage, oder am kommenden Wochenende noch 2-3 Perithecien opfern und untersuchen.


    Wenn du magst, könnte ich dir das Kieselchen anschließend überlassen, falls du Interesse haben solltest.


    LG, Martin

    Hallo Matthias,

    Mreul


    vielen Dank für deine Anregungen und Vorschläge!

    Die Kontrolle in BWB werde ich nachholen!


    Ja, den Hawkesworths-Schlüssel kenne ich, nur leider fehlt immer der Teilschlüssel 1 mit den pyrenocarpen Pilzen, den ich hierfür bräuchte. Nach der Einleitung geht es von S.3 direkt auf Seite 44 mit Key 2, den discocarpen Ascos weiter. :gomg:

    Und wie Ingo schreibt, gibt es von den "Luxemburgern" bisher leider nur die Basidiomyceten. Bis deren 2.Band erscheint, wird sicher noch eine ganze Weile vergehen...

    Ich habe eine ganze Weile nach dem vollständigen Hawkesworth gesucht, aber nicht gefunden. Keine Ahnung, weshalb immer Key 1 fehlt. Übrigens ist das auch im von dir verlinkten PDF so. Oder bin ich mittlerweile total bekloppt und interpretiere das PDF falsch? :gkopfwand:


    Vielleicht kannst du mir kurz erklären, wo Key 1 im Hawkesworth ist? Bzw. wie kommst du auf die Gattungen, die du oben nennst?

    Hilfe... :ganbeten:


    LG, Martin

    Hallo im neuen Jahr!


    Heute bin ich über einen lichenicolen Pilz gestolpert, der auf dem Hymenium von Flavoplaca cf. oasis Fruchtkörper in Form von Perithecien bildet.

    Die inamyloiden Sporen (18-23 x 6,5-9,5 µm) sind asymmetrisch zweizellig, die größere Zelle rundlich, die kleinere Zelle spitz zulaufend.

    Das Sporen / Hymenium reagieren nicht auf IKI.

    Leider finde ich nun gar nix zu lichenicolen Pyrenos auf Caloplaca s.lat.

    Vielleicht kann jemand hier ein weinig weiterhelfen?

    Material habe ich leider nicht sehr üppig, dashalb wollte ich erstmal nach Tipps fragen, damit ich weiß, was ich prüfen muss.


    Bilder:

    Bild 1 Orangefrüchtige Flavoplaca cf. oasis mit undeutlichem Lager auf Stein aus Betonfüllung Mauer eines römischen Gutshofes.

    Die schwarzen Flecken sind befallen.


    Bild 2


    Bild 3 Schwarzer Fleck aus der Nähe: Perithecien auf den Apothecien der Flavoplaca


    Bild 4 Gesunde Apothecien neben befallenen mit frischen Perithecien, sowie alte, leere, geschwärzte blasse Apothecien


    Bild 5


    Bild 6 Perithecium in Wasser zerdrückt


    Bild 7 Schläuche und Sporen


    Bild 8


    Bild 9


    Bild 10 Asci IKI-


    Bild 11 Asci mit etwas Melzers



    Fundort:

    Ein ausgegrabener Gutshof aus der Römerzeit.

    Die hohlen Mauern sind mit Bruchsteinen aufgefüllt und dann mit Zement verfüllt.

    Der lose Kieselstein (Bild 1/2) mit der befallenen Flechte stammt aus der Zementfüllung einer der Mauern.

    Bild 12


    Bild 13

    Hallo Björn und andere!


    Welches sind die Vorteile der Sporenseptierung?

    Diese Frage stelle ich mir schon länger und habe bis dato leider boch keine befriedigende Antwort darauf gefunden.


    Der zusätzliche Energieaufwand ist ja wohl nicht unerheblich und fehlt später beim Auskeimen. Der Aufwand sollte evolutionär einen Vorteil bieten.


    Die Spore erkennt offenbar durch chemische Signaturen die räumliche Nähe eines (artgleichen) Pilzes und bildet in diesem Fall - oder in andere Fällen schon um Ascus - Septen aus. Hierfür müssen notwendigerweise weitere Kernteilungen stattfinden.


    Ich könnte mir folgendes vorstellen:

    Ist der Lebensraum bereits von einem Individuum (der gleichen Art) besetzt, hat die Spore nur dann eine kleine Überlebenschance, wenn sie sich genetisch vorteilhaft abhebt. Je mehr unterschiedliches Genmaterial von einer Spore transportiert wird, desto höher sind die Erfolgsaussichten.

    Das mag zwar prinzipiell gelten, ist aber vielleicht bei Sporen mit weniger Konkurrenzdruck nicht nötig oder gar nachteilig.


    Sehr interessant fände ich zu wissen, ob die Zellen in septierten Sporen jeweils ein Klon darstellen oder nicht, sich also genetisch unterscheiden oder eben nicht.


    Ist dazu irgendetwas bekannt?

    Kennt jemand Literatur hierzu?


    LG, Martin

    Hallo Hans,


    hätte ja sein können - trotzdem vielen Dank für deine Antwort!


    LG und ein gutes neues Jahr wünsche ich euch!

    Martin

    Hallo!


    Die vergangene Saison war wirklich schön und ich konnte auch in diesem Jahr viel Aufregendes und Neues entdecken.

    Und gelegentlich sind die Momente im Wald magisch.

    Die Fotos erleichtern die Erinnerung an diese schöne Momente im Wald.

    Einige nachträgliche Herbst-Impressionen auch von mir - einfach, weil es Freude macht:

    Hach, der güldene Herbst ! ==Gnolm23


    Siamesischer Kartoffelbovist-Zwilling


    Spinnlein auf Spähposten


    Niedliche, blutspendende Helmlinge


    Heidelbeer-Wuschelpilz - wirkt auf mich total ungekämmt!


    Becher am Stiel, für mich zinnenbewerte Türme


    Rosa-Rettich-Helme


    Hier sind die Fliegen schon weitergezogen - die Morchel stinkt trotzdem noch sehr einladend!


    Unvergesslich: Bei diesem Foto hatte ich mein Händi verloren, weil ich Trottel es auf den Rand (!) meine Körbchens ablegte.

    Zum Glück konnte die Stelle wiederfinden nach einer mir ewig vorkommenden Sucherei.

    Mit blauem Auge davon gekommen! ==Gnolm1


    Sich lichtendes Blätterdach


    Gelbgrüne Muscheln


    Gar nicht so harmlose Pilze im Schafsfell ==Gnolm9


    Unreifer Schleim


    Zu groß geratener "Spaltpilz"


    Ein gutes, neues Jahr wünsche ich euch allen!


    LG, Martin

    Hallo,


    da auf dem Lorchelbild Sandkörner zu sehen sind (ähnlich wie bei der Psatyrella) und ich bei den Lorcheln in FoTE gelesen hatte, dass G. esculenta Sandboden bevorzugt, war ich bei der Speiselorchel. Das wäre meiner Meinung nach im Buch nicht so formuliert woden, wenn alle Lorcheln Sandboden bevorzugen würden. Aber ob das so ist, weiß ich nicht.


    LG, Martin

    Hallo Bernd,


    dann kann das neue Jahr ja kommen. Du bist nun gut gerüstet!

    Es fehlt nur noch der Kleinkram...


    LG und guten Rutsch,

    Martin

    Hallo Hans,


    deinen Beitrag finde ich sehr spannend und ich erlaube mir eine Verständnisfrage, da ich nicht vom Fach bin:


    Ich hatte gedacht, dass Pilze, deren Sporen an sehr lichtreichen Standorten wie z.B. Wiesen überdauern müssen (bis das Schaf kommt), dazu tendieren, als reife Spore eine dunkle, vor UV-Strahlung schützende Hülle zu besitzen (muss aber nicht sein).

    Auch die Ornamentierung hätte ich eher als Zeichen einer reifen Spore als einer unreifen Spore gedeutet, da das Ornament der Spore nach dem Ausschleudern helfen könnte, länger in der Luft zu bleiben und ev. so zu einer weiteren Verbreitung durch Wind beim Aussporen beitragen könnte.


    Beides scheint hier nicht zuzutreffen und ich wundere mich darüber, dass eine dunkle, ornamentierte Hülle beim Reifeprozess erst entsteht uns dann wieder abgeworfen wird.


    Deute ich die Fotos einfach falsch, oder ist etwas über die Funktion einer nur im Schlauch vorhandenen, temporären Ornamentierung bekannt?


    Falls du etwas hierüber weißt und antworten möchtest, würde ich mich sehr freuen.


    LG, Martin

    Hallo an alle Flechtenfreunde!


    Letztes Wochenende bin ich zum zweitenmal auf eine Cladonienform gestoßen, die ich nicht recht bestimmt bekomme.

    Ich bin ziemlich sicher, es handelt sich um die gleiche Art, die ich vor einiger Zeit schon in den Vogesen fand.

    Eventuell handfelt es eine Formvarietät einer bekannten Cladonie - oder um eine eigenständige Art.

    Vielleicht hat ja von euch jemand eine Idee dazu:


    1. Fund in den Vogesen (Chaume de Balveurche), anno 2022

    Bild V1 Liegender, endmorscher Baumstamm am Wegesrand an lichtreicher Stelle mit auffällig massigen Podetien


    Bild V2: Dicke Podetien mit etwas breiteren Bechern, deren Ränder vorzugsweise nach innen weisen.

    Die Becherränder sind mit dunklen (braunen) Pyknidien gezähnt.

    Der Stiel ist über die gesamte Länge graugrün sorediös.

    Die Grundschuppen stehen nur vereinzelt.


    Bild V3: Alle Podetien besitzen diese Becher


    Bild V4 Das Bercherinnere ist berindet; die braunen Pyknidien weisen wie Zähne nach innen!


    Bild V5 Die Grundschuppen sind sorediös, grün und wirken etwas matschig / verrottend


    Bild V6 Blich auf Unterseite der Grundschuppen


    Bild V7: Rektion K+ gelb bis (rot)braun


    Bild V8: Reation P+ gelb-orange bis orange-rot



    2. Fund nahe Burg Brauneck bei Creglingen, 2023

    Bild C1: Liegende, endmorsche Baumstämme am Wegesrand (wieder)


    Bild C2: Diverse Cladonien, u.a. wieder der Typ mit den breiten Podetien (hier Handybild)


    Bild C3


    Bild C4: Dicke, sorediöse Podetien (3-4mm) mit Bechern, deren Ränder nach innen gebogen sind.


    Bild C5: Sehr breite, sorediöse Podetien (Höhe um max. 2cm) mit Bechern, Ränder nach innen gebogen.

    Manche Becher sind sprossend.

    An der Becherbasis finden sich wenige, kleine Schuppen.

    Es gibt auch dünnere, säulenartige Podetien mit einem braunen Pyknidienring, die zur gleichen Flechte gehören könnten.

    Diese Säulen enden in kleinen schmalen Bechern und sind ebenfalls sorediös über die gesamte Höhe, wie die dicken Podetien.

    Einige wenige rotfüchtige Cladonien sind unterstreut.


    Bild C6: Pyknidien braun, aber teils mit roten Mündungen - das habe ich noch nie gesehen.

    Gelten die Cladonien jetrzt als braunfrüchtig, oder als rotfrüchtig?


    Bild C7: Anderer Becher mit schwärzlichen Pyknidien


    Bild C8: Grundschuppen (um 4mm breit) wieder merkwürdig grün und sehr weich (vgl. Bild V5-6).


    Die Chemie ist wie beim Vogesenfund:

    Bild C9: Reaktion K+ gelb-braun


    Bild C10: Reaktion P+ orange(-rot)


    Bild C11: Reaktion C+/- gelblich (?)


    Im UV bei 365nm sehe ich keine Floureszenz (UV-).


    Könnte es sich um C. ochrochlora handeln, die eventuell eine Formvariante zu C. coniochraea ist?

    Vergleich 1 - Lichenology.info

    Vergleich 2 - Lichenportal.org

    Vergleich 3 - Lichemaritimes.org


    Hat schon jemand hier solche Cladonien beobachtet?

    Welche Art könnte vorliegen?

    Über Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen.


    LG, Martin

    Hallo Tim,


    es ist natürlich schwierig mit nur einem Foto der Sache nachher zu kommen, aber ich sehe eine nicht geringe Ähnlichkeit zu Cylidrobasidum evolvens, den "Ablösenden Rindenpilz".

    Zumindest, falls er flächig am Substrat angewachsen war, von seinem Ast in diesem Falle vollständig gelöst hat, um für das Foto mit dem Hymenium nach oben zu posieren.

    Plicatura crispa habe ich noch nie echt kreisrund, sondern immer mit (Pseudo)stielchen, also verjüngt am Ast angewachsen, gefunden. Er wäre auch nicht flächig angewachsen.

    Falls dein Bild aber eine Hutoberseite zeigen sollte, vergiss den Vorschlag ganz schnell.

    Wie immer würde ein zweites Foto von der anderen Seite des Fruchtkörpers sehr helfen.


    Dieser Pilz hat ebenfalls jetzt Konjunktur.


    LG, Martin