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letzter Beitrag von Beorn am

Ein Milchling.

  • Aloha.


    Heute lief mir der erste Hutpilz dieses Jahr über den Weg. Leider ausgerechnet ein Milchling, von denen ich so gar keine Ahnung habe.


    Ich komme auf keinen grünen Zweig.


    Hier die Bilder:

    Winzlinge:


    Größere Exemplare:





    Standort ist ein renaturierter Tagebau (bei den Erbsenstreulingen :) ) mit überwiegend Pionierbaumarten. Espen waren am häufigsten, vlt. auch noch die ein oder andere Kiefer eingestreut.

    Hier standen sie. Edit: Ich sehe gerade, das rechts sind Birken...oder? Ups.


    Die Milch ist weiß und scheint sich nicht zu verfärben. Der Geschmack der Milch ist scharf auf der Zunge nach einigen Sekunden. Der Stiel ist hohl aber recht fest und leicht bräunlich.

    Den Geruch empfinde ich als angenehm, kann ihn aber nicht näher benennen. Vlt. würzig?


    Habe einige mitgenommen, falls noch Informationen benötigt werden.


    Ideen?


    Danke.


    LG.

    Bin lediglich fortgeschrittener Anfänger.
    Posts sind nicht als Essensfreigabe zu verstehen. :-]

    Einmal editiert, zuletzt von Schupfnudel ()

  • Hallo Schupfnudel,


    vergleiche doch mal deinen Fund mit dem Rotbraunen Milchling Lactarius rufus. Größer würden die mehr ausflachen und in der Mitte des Hutes ist dann meist eine deutliche Papille sichtbar. Sonst würde deine Beschreibung in die Richtung passen. Das Sporenpulver wäre blass cremfarben. Meist unter Fichte und Kiefer, aber gelegentlich auch unter Birke.


    Beste Grüße

    Stefan F.

  • Servus!


    Oder, als optionale Idee, weil vielleicht etwas besser zum Standort und den helleren Farben passend: Lactarius decipiens (Scharfer Schwefelmilchling) - die Milch wird da erst nach einiger Zeit (2-3 Minuten) isoliert vom Fleisch (zB auf weißem Taschentuch) gelblich.



    LG; Pablo.

  • Hallo,


    wie schön, dass ihr so gute Ideen zu Schupfnudels Fund habt. Da hab ich auch gleich mal mein Milchlings-Buch rausgeholt und ein bisschen Nachgelesen. Schöner Anlass. Danke euch!


    Liebe Grüße

    Rotfuß

    "Pilze sind erst einmal nicht anwesend, sie verstecken, verbergen, verschließen und tarnen sich, aber es gibt eine Wahrscheinlichkeit und eine Hoffnung, sie zu finden. Die Suche bedeutet Aufbruch, Verheißung, Abenteuer, und je vergeblicher und erfolgloser der letzte Pilzgang war, desto mehr Spannung, Erfüllung, Belohnung verspricht der nächste." (Hans Helmut Hillrichs: Pilze sammeln)


    Pilzmärchen

  • Servus beinand',

    ein etwaiges Gilben der Milch, am besten, wie Pablo schon schrieb, mit einem Taschentuch, oder einfach am weißen T-Shirt getestet, wär natürlich für die Bestimmung schon wichtig.

    Ich denke aber, dass die Milch nicht gilbt.

    L. rufus würd ich ausschließen. Da passt die Ökologie nicht, und auch die Hutfarbe nicht.

    Für L. decipiens gefällt mir auch die Hutfarbe, aber auch Hutoberfläche nicht. Der hat normal einen Rosatouch und in etwa die Statur eines L .tabitus oder L. camphoratus, vllt etwas größer, ist aber eigentlich ziemlich schmächtig. Außerdem ein Eichenbegleiter.

    Die hier erscheinen mir doch deutlich kräftiger, wenn sie auch noch recht jung sind.

    Nicht zuletzt wegen der Espen würd ich zuerst mit L. evosmus vergleichen.

    Dass die Hüte nicht wirklich zoniert sind, würd mich bei den jungen Dingern ned wundern.

    An liabn Gruaß,

    Werner

  • Hallo.


    Danke erstmal für die zahlreichen Beiträge.


    Ich habe noch ein wenig weiter geforscht und gehe mal auf die Vorschläge ein. Zu beachten ist, dass ich wie gesagt mit Milchlingen kaum Erfahrung habe und auch nur in den Parey gucken kann, weil ich nix spezielles zu denen habe.

    Und eine Korrektur habe ich noch: Der Stiel ist nicht hohl. Man sollte nicht nur drauf rumdrücken und spekulieren, sondern ihn auch mal durchschneiden. :rolleyes: Er ist innen wattig-weiß.

    Oder, als optionale Idee, weil vielleicht etwas besser zum Standort und den helleren Farben passend: Lactarius decipiens (Scharfer Schwefelmilchling) - die Milch wird da erst nach einiger Zeit (2-3 Minuten) isoliert vom Fleisch (zB auf weißem Taschentuch) gelblich.

    Das habe ich dann gestern noch versucht und die klägliche Milch mal am Taschentuch versucht abzurubbeln. Ich weiß nicht wie viel Milch es braucht für eine Reaktion, aber so wirklich gelb ist das glaube ich nicht geworden. An einer Stelle vlt. minimal aber ich denke das müsste intensiver sein (wie in dem Link von Stefan) und ist eher Einbildung meinerseits. Dann wären die Schwefelmilchlinge also raus.

    Die hier erscheinen mir doch deutlich kräftiger, wenn sie auch noch recht jung sind.

    Das täuscht ein wenig denke ich. Die größeren Fruchtkörper waren ca. 5cm groß. Kennt jemand ein Pilzmesser mit Maßeinheits-Skala? :) Was ich bisher im Vorbeigehen so lapidar als "Zonenmilchlinge" abgetan hatte war doch schon noch kräftiger. Passt daher finde ich auch nicht so richtig.

    ich rätsel gerade mit, ist ein Sporenpulverabwurf noch möglich?

    Ja ist möglich. :)

    Der Abwurf ist weiß/cremefarben was also auch gegen L. evosmus spricht.

    Von daher finde ich Stefans und Claus' Vorschlag bisher am wahrscheinlichsten. Zwar ist die Ökologie etwas seltsam und die Farbe ist arg hell aber im Pareys steht dazu: Farbe satt rotbraun oder ziegelbraun - bei Aufsammlungen unter Birken gelegentlich auch mit Orange Beiton - das könnte also passen.


    Zumindest ist es für mich der wahrscheinlichste Kandidat von den genannten, zumal ihn auch Claus vermutet, der ja mit den Milchlingen und Täublingen öfters mal auf Tuchfühlung geht.


    Vermutlich muss ich aber mal anfangen mir die Gesellen etwas näher anzuschauen, dieses Jahr. In Jena gab's so viel anderen spannenden Kram, da fielen braune Milchlinge hinten über. Hier um Leipzig werden die mich denke ich aber noch öfters ärgern.


    LG.

    Bin lediglich fortgeschrittener Anfänger.
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  • Salut!


    Ui, starke Diskussion. :thumbup:
    OK, den Schwefelmilchlingsvorschlag kann man freilich verwerfen. Ein rufus: Etwas ungewöhnlich, aber warum nicht? Man lernt Pilze ja auch immer mal wieder etwas anders kennen.


    Noch ein kurzer Hinweis zu den Flecken: Bei Schwefelmilchlingen geht es vielleicht, aber ich habe eine Baumwolltasche, in der ich mal Brätlinge transportiert habe (Lactifluus volemus s.l.). Die Flecken gehen nicht mehr raus, egal wie ich die Tasche wasche. g:D



    LG; Pablo.

  • zumal ihn auch Claus vermutet

    Haste gesehen Werner,


    da macht es Zack und schon ist man zum Milchlings-Spezialist erhoben, genauso wie in der Politik.


    Dabei hab ich nur gesagt "mein Ergebnis bis jetzt L. rufus".

    Die über den Winter gebastelte Milchstrassen-App hat mir halt aufgelistet, der RUFUS isses.


    War sozusagen ein weiterer Testlauf für meine diesjährige Wald-Vorort-Neugier "was ist denn das für einer"? Also nix Milky-Spezialist, aber danke an Schupfnudel.


    LG claus

  • Die über den Winter gebastelte Milchstrassen-App hat mir halt aufgelistet, der RUFUS isses.

    Ist das eine App fürs Handy speziell für Milchlinge? Falls ja, hast du einen Link? :)

    Klingt interessant.


    LG.

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  • Ist das eine App fürs Handy speziell für Milchlinge? Falls ja, hast du einen Link?

    Hallo Schupfnudel,


    ja, diese ist speziell für die Milchlinge, kommt aber immer auf die Datenquelle an.

    Sie ist eigentlich meine Milky-Excel-Tabelle mit Datenexport, jetzt nach dem Winter halt auch als mobile App einsatzbereit, ist noch im reinen Erfahrungsmodus und muss noch auf Auswertungsfehler gegengeprüft werden. Eine Veröffentlichung ist aber nicht vorgesehen. Die Grundidee dieser Tabellenauswertung kommt von meinem Russula-Chef.


    Für den der sich für die Milchlinge interessiert, hätte ich dennoch am Ende einen brauchbaren Link um zu einem Erfolgserlebnis und auch zu L. rufus zu kommen. Aufgebaut nach dem KIBBY-System ab Seite 3 werden spezielle Makrofragen gestellt und per Alphabet ausgeschlüsselt. Dies war dazu meine erste Excel-Grundlage.


    Betrachten wir uns nochmal die Bilder und die Anfrage von Schupfnudel, kodieren das gesehene und gesagte mit dem PDF Seite 3.


    Ergebnis : Code A G N V X (rufus ist dabei)

    Awhite and unchanging

    G - Hot or acrid

    N - Yellow, orange, brown, apricot, sienna, sepia or black

    V - Other weaker smells including acidic, fruity or none

    X - Conifers or birch


    Code erweitert; wir sehen zusätzlich einen glatten Rand A G J N V X (rufus ist dabei)

    J – Smooth


    Code erweitert; wir sehen hier keine Zonierung A G J N R V X (rufus ist dabei)

    R – Un-zoned


    Hätten wir anstelle X - Conifers or birch -> Y - Broadleaved trees genommen, dann wäre bei KEY 5

    L.evosmus wegen der erwähnten Birke hoffentlich trotzdem ausgeschieden.


    Hier der LINK zum PDF-Schlüssel


    Viel Erfolg

    claus

  • Cool, vielen Dank für den Schlüssel. Da kam ich beim eigenen Versuch ebenfalls bei rufus raus. Habe ich mir gleich mal abgespeichert und kommt sicherlich noch einige Male zum Einsatz dieses Jahr. :daumen:


    LG.

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  • Huhu.


    Ich war heute noch mal an der Stelle und habe nochmal welche mitgenommen, weil die beim letzten Mal ja nicht so richtig milchen wollten.

    Ich bin der Meinung, dass sich dieses Mal eine Verfärbung der Milch ins gelbliche wahrnehmen lässt (angeschnitten und dann die Schnittstelle an das Taschentuch gehalten - oder gibt es da eine professionelle Vorgehensweise?):



    Von daher denke ich, dass Pablo doch wieder mal ins Schwarze getroffen hat.


    Das Habitat passt auf jeden Fall auch besser zu L. decipiens. Das ist einigermaßen brutal:



    Ich mache jetzt nochmal einen Sporenabwurf um zu gucken ob da nicht doch etwas gelb im Sporenpulver sichtbar wird.


    LG.

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  • Morgen!


    Dabei hatte ich mich schon ganz gut angefreundet, daß es eben in die andere Richtung ging...
    Wenn die Milch jetzt gilbt, ist das aber freilich wieder ein starkes Argument.
    Komisch für Lactarius decipiens käme mir bei diesem Fruchtkörper allerdings der dunkle, schon fast punktierte (?) Stiel vor, das habe ich bei der Art noch nie gesehen.
    Wäre für mich jedenfalls ein Schlüsselpilz - also einer, den ich auch nochmal mit einem Milchlingsbuch nachschlüsseln wollen würde.



    LG, Pablo.

  • Hallo,


    tu mir leid, aber ich kann kein Gilben auf dem Tuch erkennen.


    Für L. decipiens fehlt mir ein pinker Farbton, ein Geruch nach Pelargonien, das Gilben der Milch.


    Im Gegensatz zu L. rufus müsste man unter dem Mikroskop eine etwas schleimige Huthaut und häufig vorkommende, lange, zugespitzte Cheilozystiden sehen. L. rufus hat trockene Huthaut und abgerundete Cheilozystiden.


    Grüße

    Peter

  • Hallo.

    Sporen wollten beide Fruchtkörper leider nicht mehr loswerden. :|

    Der Stiel ist nach dem Pflücken noch nachgedunkelt. Hier mal die Bilder aus dem Feld gestern:





    Stiele etwas größer:



    Den Geruch könnte man auch als blumig bezeichnen aber ich weiß nicht wie Pelargonien riechen und kann das daher nicht verbinden.

    Die gelbe Farbe kommt auf dem Foto schlecht rüber. Ich sehe es in persona besser wenn ich das Taschentuch in die Sonne halte.


    Ich glaube mittlerweile aber ich bekomme den nicht mehr eindeutig zugeordnet. Mir fehlt da die Erfahrung.

    Wenn jemand Interesse haben sollte, den unters Mikro zu legen, kann ich ein paar Exemplare trocknen. Ich schmeiße heute sowieso den Dörrer an.

    Ansonsten bleibt er wohl unbestimmt.


    LG.

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  • Interessant aber verwirrend. :)


    Hier nochmal das Taschentuch mit etwas besserem Licht mit dem Handy geknipst eben:


    Hier sieht man die Verfärbung etwas besser.


    LG.

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