Birkenporling Selbsterfahrung

Es gibt 49 Antworten in diesem Thema, welches 2.275 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Vidar.

  • Interessante Diskussion.

    Aber davon mal abgesehen.


    Ich "hatte" mal eine chronische Darmkrankheit. Seit ca. 2 Jahren bin ich symptomfrei.

    Die einzige aktive Gegenmaßnahme (ausnehmen muß man da Veränderungen die in psychischer Hinsicht relevant sein könnten, wie z.B. Streß, der den Körper beeinflussen kann) die ich angewendet hatte, war der Gebrauch des Birkenporlings. Kleingeschnitten, getrocknet und immer wieder mal einem beliebigen Tee beigefügt.

    Jahr für Jahr ging meine Erkrankung zurück. Sie trat immer seltener auf, in immer schwächerer Ausprägung. Und nun ist sie wohl weg wie es scheint.

    Das heißt jetzt zwar nicht daß der Pilz mich tatsächlich geheilt haben muß aber es könnte durchaus sein. Und wenn er auch nur ein bißchen mitgeholfen haben sollte. Ich bin froh darum.

    Kann auch sein daß der Pilz in mir zudem irgendwelche Schäden angerichtet hat. Wer weiß das schon? Manchmal ist einem das aber auch nicht so wichtig. Meine Erfahrung mit dem Pilz möchte ich aber gerne weitergeben.


    Daß man bei Heilpilzen generell Obacht walten lassen sollte mag ich gerne unterstützen. Da wird es viel märchenhaftes geben das erzählt wird. Und zudem bevorzuge ich die anerkannte Medizin. Der BiPo jedoch bekommt von mir zwei Daumen nach oben. :thumbup: :thumbup:

  • Servus beinand,


    ich weiß, dass sich Einige am Begriff "Heilpilz" stören. Die "Heilpilze" werden ja (meist? immer?) als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, was bedeutet, dass keine Wirkung nachgewiesen werden muss. Würden sie als Medikamente gelten, müsstenentsprechende Studien im Vorfeld ablaufen, bis sie zugelassen würden.

    Der Begriff "Heil-xyz", also Heilpflanze oder Heilpilz ist für mich persönlich einfach nur ein Sprachgebrauch für Pflanzen und Pilze, die dem "Volksglauben"nach, also überliefert durch Erfahrungsberichte eventuell heilen können. Vitalpilz als Begriff empfinde ich als sprachlich völlig schräg. Ich sage jaauch nicht Vitalpflanze zur Kamille.


    Bei vielen Heilpflanzen kennt man die Inhaltsstoffe ganz gut. Kamillentee wird aber nicht per Rezept verschrieben. Digitalis hingegen schon und da sind Selbstversuche nicht anzuraten. Es gibt also Heilpflanzen, die man nicht anwenden soll, andere scheinen bedenkenlos zu sein. Dass Digitalis auch eine Giftpflanze ist, ist klar, aber die Dosis macht das Gift. Heilend und schädigend ist dosisabhängig. Und das ist eben das Problem... wer weiß, bei welcher Dosis welcher Pilz welche Nebenwirkung hat? Das ist halt ein generelles Problem, denn die Inhaltsstoffe von "Heilpilzen" sind meist schlechter erforscht als die von "Heilpflanzen". Selbst bei so berühmten "Heilpilzen" wie dem Reishi – die Triterpene der harten Kruste sind vermutlich problematisch. Die haben offenbar eine Wirkung und daher dann auch mögliche Nebenwirkungen. Das Krestin der Schmetterlingstramete hat auch klinische Studien (soweit ich weiß) hinter sich und zeigt eine Wirkung auf das Immunsystem. Ob die geringen Mengen im Tee aber ausreichen, scheint unklar zu sein. Ich schreibe das aber etwas schnodderig, denn zu allken Quellen nachzurecherchieren ist sehr aufwändig. Mir geht es da eher ums Prinzip des "genaues weiß man nicht unbedingt".


    Beim Birkenporling wäre ich mir auch nicht sicher, ob alle Inhaltsstoffe ausreichend bekannt sind. Sie sind es aber auch bei vielen Speisepilzen nicht. Und wenn man dann mal nöher "nachschaut", ist es nicht immer positiv, was dabei rauskommt. Seien es Saponaceolide oder sei es Nebularin. Ähnlich bei "Speisepflanzen". Manche Wildpflanzen, die traditionell verzehrt wurden, habens ich später als krebserregend herausgestellt. Und bei Heilpflanzen, meine ich auch. War es nicht der Wurmfarn, der nicht mehr gegen Würmer im Darmtrakt eingesetzt werden soll, weil er krebserregend ist? Oder andere Farne als Wildkräuterspeisen? Ich hatte mal ein Wildkräuterkochbuch, das junge Farnewedel empfohlen hatte. Oder die Knoblauchsrauke, die Alkaloide enthält (ob die Menge jetzt ausreicht, Probleme zu machen, weiß ich nicht). Beim Beinwell soll es ja ähnlich sein, auch da ist die innerliche Anwendung nicht mehr empfohlen, soweit ich weiß.


    Ganz unabhängig davon ist aber, "Wirkung nicht belegt" für mich kein Widerspruch zum Begriff "Heilpflanze" und "Heilpilz". Echinacea als letztes Beispiel. Die Wirkung beim Menschen ist bis heute nicht belegt. Aber im Labor sind Wirkungen der Inhaltsstoffe auf Zellkulturen, Bakterien und Viren belegt. Wer was drüber nachlesen will: https://www.apotheken-umschau.…stem-staerken-733437.html

    Trotzdem oder deshalb ist Echinacea ein Mittel, das Viele gegen Erkältung einnehmen und das auch in Apotheken verkauft wird. Wirkungsnachweis beim Menschen wie gesagt keiner! Trotzdem ist Echinaceaeeie bekannte "Heilpflanze".


    Insofern würde ich empfehlen, bei den Begrifflichkeiten mit Gelassenheit an die Sache zu gehen. Wer Heilpilz sagt, sagt halt Heilpilz. Der Birkenporling ist da ein Paradebeispiel dafür. Ich selber habe auch schon Pilztees probiert (v. a. Schmetterlingstramete). Ich habe mich auch ein Bisserl damit beschäftigt. So darf ich den Chaga nicht konsumieren. Er enthält viel Oxalsäure und das löst bei mir Nierensteine aus. Diese Wirkung von Oxalsäure ist bekannt und belegt und betrifft Menschen mit einer Stoffwechselstörung, die ich leider auch geerbt habe. Es gibt eben immer irgendwo mögliche Nebenwirkungen. Zurück zur Tramete... ich meinte auch, eine positive Bilanz auf meine Erkältungsfrequenz zu spüren. Aber da kann der Plazeboeffekt mitspielen. Zudem war ich damals Freilandbiologe, viel an der frischen Luft unterwegs und hatte wenig Kontakt mit Menschen. Ich meine damit: keine U-Bahn- oder S-Bahn-Fahrten in der Erkältungssaison. Jetzt bin ich Lehrer, habe ständig volle Bakterienbreitseite in der "Saison", werde aber nicht häufiger krank, als ich es früher wurde. Nur häufiger als zur Trametenteezeit, aber da war ich eben im BayerWald weit vom Schuss und kein Lehrer. Rational gehe ich davon aus, dass der Krestingehalt im Tee nicht ausreicht, wirklich gut zu wirken, aber auch das kann jeder anders sehen.


    Beim Birkenporling kommt der (für mich) üble Geschmack dazu, Was so bitter ist, das muss ja wirken (oder so ähnlich). Auch da kann der Plazeboeffekt mit reinspielen. Bzw. er macht es wohl ganz sicher. Ob auch eine echte Wirkung vom Pilz dazu kommt? Keine Ahnung. Aber solange keine Giftigkeit bekannt ist, also keine negativen Wirkungen, ist dieser "Heilpilz" von jedem, der mag, anzuwenden, oder eben auch nicht, wer nicht mag. Nur am Begriff Heilpilz störe ich mich da eben ganz und gar nicht.


    Also bitte nicht streiten, vor allem nicht wegen Semantik, ob heilend oder vitalisierend. Wir wollen das Produkt ja nicht verkaufen. Weder als Heilmittel noch als Nahrungsergänzungsmittel. Und wenn es Einzelmeldungen von positiver Anwendung gibt, warum nicht? Gut so! Ist immer interessant. Das ersetzt aber keine Wirkstudie, denn jeder Einzelfall ist anders und Plazeboeffekt kann immer unabhängig davon wirken. Also auch bei Hundert Meldungen, wie toll der "BiPo" ist, muss das objektiv nicht stimmen, subjektiv aber eben schon. Aber warum sollte man das nicht schreiben dürfen, dass der bittere Tee so gute Wirkung gezeigt hat?


    Ich gönne jedem seinen BiPo-Tee. Ich trinke ihn nicht. Heilpilz, Heilpflanze, völlig wurscht. Medikament oder Arzneimittel ist für mich die klare Abgrenzung zu all den vielleicht oder vielleicht nicht wirkenden Tees, Salben ud Rezepturen.


    Just my two cents...


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Beim Birkenporling wäre ich mir auch nicht sicher, ob alle Inhaltsstoffe ausreichend bekannt sind. Sie sind es aber auch bei vielen Speisepilzen nicht.

    Hallo Christoph

    Das ist wahr. Nur einige nehmen den BiPo monatelang jeden Tag und die anderen Speisepilze werden meist nur gelegentlich gegessen, wenn die gerade wachsen. Ich sehe da einen gefährlichen Unterschied.

  • Und wer therapiebegleitend Pilze zu sich nimmt, sollte das mit dem Arzt besprechen.

    So etwas zu lesen tut weh! Jetzt wird der "Schulmediziner" in die Haftung genommen. Ein gewissenhafter Arzt kann das doch nur ablehnen. Wenn nicht, dann dringend Arzt wechseln!

    Warum? Man muss doch den Arzt nicht um Erlaubnis fragen oder ihm die Verantwortung dafür übertragen. Wenn man nicht gerade vom Asphalt abgekrazt wurde, liegt die finale Entscheidung zu Behandlung und Medikamentation immer beim Patienten. Es geht nur darum, dem Arzt mitzuteilen, dass man dies einnimmt, und er ggf. die Medikamentation anpassen kann - wobei es sicher keine Daten zu irgendwelchen Wechselwirkungen diverser Medikamente mit BiPo gibt. Zudem kann der Arzt, falls irgendwas nicht passt, Nebenwirkungen, Komplikationen usw., die Schuld natürlich weit von sich und auf BiPo schieben, Mal abgesehen davon, wann wurde je ein "Schulmediziner in Haftung genommen"? Außer vielleicht für einen groben Kunstfehler, wenn das Besteck nach der OP immer noch im Patienten ist ...


    LG, Bernd

  • So etwas zu lesen tut weh! Jetzt wird der "Schulmediziner" in die Haftung genommen. Ein gewissenhafter Arzt kann das doch nur ablehnen. Wenn nicht, dann dringend Arzt wechseln!

    Das ist ja eine lustige Idee. Erinnert mich an die Frauenärzte, die sagten, sie können eine Hausgeburt "nicht erlauben", weil sie "das nicht verantworten können". Mein Frauenarzt war nicht so drauf, aber mein Ansatz wäre eher in solchen Fällen gewesen: Rennen, und zwar schnell. Mit einem Arzt, der mir meine Eigenverantwortung absprechen will, kann ich nichts anfangen.


    Um Rat fragen tu' ich hingegen gern - deshalb gehe ich ja hin und nehme deren Kompetenz in Anspruch. Und da würde ich beispielsweise sowas wie: "Bitte nicht parallel zur Anfangsphase der Therapie zusätzliche Medikamente/Pilze/Pflanzen einnehmen, damit man sicher sein kann, welche Wirkung/Nebenwirkung dem Medikament zuzuordnen ist", oder "Laut Studien gibt es Wechselwirkungen mit Medikament X, das ist also nicht empfehlenswert" berücksichtigen.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

    Einmal editiert, zuletzt von huehnchen69 ()

  • Guten Abend in die Runde,


    was mir beim Thema Heilpilze wirklich Bauchschmerzen macht, ist weniger der Birkenporling oder die Tramete selbst, sondern der Kontext, in dem das Thema seit Corona zunehmend verhandelt wird.


    Es gibt eine große Szene, in der massives Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem mit Verschwörungserzählungen kombiniert wird. Das Thema Heilpilze ist ein aktuell großes Thema in der naturromantischen Rechten „Die da oben wissen, wie heilkräftig dieser Pilz ist, wollen aber nicht, dass wir das wissen.“ Solche Narrative sind in Telegram-Gruppen inzwischen Alltag. Besonders Kombiniert mit den Themen Shamanismus und ein Annahme, dass alles was früher genutzt wurde automatisch wertvoll ist. Das durchaus interessante Ötzi- Beidpiel macht da auch kräftig die Runde.


    Rund um Heilpilze wächst ein Markt, der genau davon lebt: Produkte, Bücher, „Experten“, die mit wissenschaftlicher Rhetorik arbeiten, aber faktisch Marketing betreiben. Das verzerrt die Wahrnehmung enorm und macht es schwer, zwischen plausibler Hypothese, echter Forschung und bloßem Verkaufsnarrativ zu unterscheiden.Das ist gefährlich, weil hier Unwissen und ideologische Deutung zusammentreffen. Komplexe physiologische Zusammenhänge werden auf einfache Geschichten reduziert („stärkt das Immunsystem“, „heilt Entzündungen“), während Unsicherheiten, Risiken und offene Fragen ausgeblendet werden. Der Fliegenpilz z.B. wird sehr stark und unverantwortlich vermarktet gerade. Was ja auch dazu geführt hat, das seit Mai letzten Jahren Muscimol im Schweizer BTM aufgenommen wurde. (Als Freundin der Aufklärung finde ich Verbote an solchen Stellen tatsächlich nicht besonders funtional und gesellschaftlich nachhaltig- führt meiner Meinung nach nur zu einem unkontrollierbarem Schwarzmarkt- aber das ist ein anderes Thema und auch Ansichtsache, da gibt es sicher mehrere valide Perspektiven)




    Dass jemand aus eigenem Interesse, weitestegehend informiert, mit Pilzkenntnis und Selbstverantwortung etwas ausprobiert, finde ich unproblematisch. Problematisch finde ich die strukturelle Dynamik: große Heilsversprechen bei gleichzeitig geringer Datenlage – und eine Szene, die Skepsis gegenüber Wissenschaft mit scheinbar „alternativem Wissen“ ersetzt. Zumal es bei Heilpilzen nicht nur um „giftig oder nicht giftig“ geht, sondern auch um Kurzzeit- vs. Langzeitwirkungen, kumulative Effekte und individuelle Risiken, über die wir noch erstaunlich wenig wissen. Aber das wurde hier schon ausführlicher besprochen.


    Gleichzeitig halte ich es für wichtig, zu sagen: Eine grundsätzliche Skepsis gegenüber dem heutigen Gesundheitssystem und seinen Strukturen ist aus meiner Sicht durchaus nachvollziehbar und in Teilen auch berechtigt. Wie geforscht wird, was erforscht wird – und was eben nicht –, folgt oft Marktlogiken und Verwertungsinteressen und nicht primär der Frage, was der Gesellschaft insgesamt am meisten nützen würde. Das führt zu Schieflagen, die man kritisch sehen kann und sollte. Vor diesem Hintergrund finde ich es sehr verständlich, dass sich Menschen vom medizinischen System entfremden oder ihm misstrauisch gegenüberstehen. Diese Skepsis entsteht nicht aus dem Nichts, sondern aus realen Erfahrungen mit Ökonomisierung, Zeitdruck in der Versorgung, Interessenkonflikten und einer Forschung, die strukturell auf patentierbare Produkte ausgerichtet ist. Kritik daran ist legitim und notwendig.


    Gerade deshalb halte ich unabhängige Expertise für so wichtig: Fachleute, die weder von Heilpilz-Märkten noch von pharmazeutischen Verwertungslogiken abhängig sind, können hier eine vermittelnde Rolle spielen. Sie können Unsicherheiten benennen, Wissenslücken offenlegen und einordnen, ohne entweder in Heilsversprechen oder in pauschale Abwertung nicht etablierter Ansätze zu verfallen. In diesem Sine finde ich diese Diskussion hier wertvoll.


    Ich finde es wichtig, dass das Thema in Expertenforen emotional ruhig und ausführlich besprochen wird. Für mich in der Pilzberatung in einer Großstadt ist das Thema Heilpilze definitiv eine Herausforderung. Es reicht halt nicht als PSV da auf die Liste der Speisepilze zu verweisen. Die Leute nehmen die "rohköstlichen" Pilzpülverchen halt trotzdem und ich sehe da einen großen Aufklärungsbedarf. Das offizielle Statement der DGfM hilft mir da nicht, dieses Thema gut zu beraten. Und meine Augen zu verschließen vor diesem Thema gelingt mir auch nicht.


    Liebe Grüße

    Ria

  • Das offizielle Statement der DGfM hilft mir da nicht, dieses Thema gut zu beraten.

    Hallo

    Doch, das ist sehr nützlich und auch sehr gut gemacht. Die DGfM sollte daraus ruhig einen Flyer machen. Schwarz auf Weiß kommt doch immer gut bei den Menschen an. Hast du nichts in der Hand, glauben bestimmt einige nicht, was du erzählst. Ich bin zwar kein Pilzberater, aber solche Erfahrungen durfte ich machen.

  • Das ist wahr. Nur einige nehmen den BiPo monatelang jeden Tag und die anderen Speisepilze werden meist nur gelegentlich gegessen, wenn die gerade wachsen. Ich sehe da einen gefährlichen Unterschied.

    Servus Uwe,


    der Steinpilz wurde schon von sehr sehr vielen Menschen in großen und kleinen Mengen verzehrt. Sicherlich in Biomasse häufiger als der Birkenporling, behaupte ich mal. Und trotzdem kam erst vor relativ kurzer Zeit im Tierversuch heraus, dass Boletus edulis Rhabdomylolyse auslösen kann. Danach gab es dann schon die ersten (aber wenigen) Fälle.


    Mir geht es nicht darum, was öfter oder weniger oft verzehrt wird. Ohne entsprechende Analysen (und aktuell leider noch immer Tierversuchen) wissen wir weder vom BiPo noch von anderen Pilzen wirklich, was da alles noch so drin steckt. Pilze sind teils sehr gute Chemiker. Und wer täglich über Jahre seinen Tee aufbrüht, der wird eventuell dennoch geringere Dosen aufnehmen als die Personen, die in der Speisepilzzeit durchdrehen und "zentnerweise" Schwammerl futtern. Bei Speisepilzen sage ich immer (auch in der Pilzberatung), dass Pilze wenn, dann Beilage sind. Lieber weniger verzehren, sich dafür bei der Zubereitung mehr Mühe geben, dann genießen. Und eben nur ab und zu. Bei Pilzteetrinkern sieht das ein bisserl anders aus, klar. Man nimmt da aber zumindest nur die wasserlöslichen Inhaltsstoffe auf und die Konzentration ist wohl oft auch übersichtlich. Dennoch sollte man eben kritisch bleiben und sich bewusst sein, dass auch hier, egal ob irgendwo schon seit 2000 Jahren der Organismus genutzt wird, vielleicht Inhaltsstoffe noch unbekannt sind, die später die Anwendung vielleicht kontrainduzieren.


    Als Beispiel bei Pflanzen wie gesagt der Beinwell - soll nicht mehr innerlich angewendet werden. Oder Farnwedel. (usw.)


    Es gibt eine große Szene, in der massives Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem mit Verschwörungserzählungen kombiniert wird. Das Thema Heilpilze ist ein aktuell großes Thema in der naturromantischen Rechten „Die da oben wissen, wie heilkräftig dieser Pilz ist, wollen aber nicht, dass wir das wissen.“ Solche Narrative sind in Telegram-Gruppen inzwischen Alltag. Besonders Kombiniert mit den Themen Shamanismus und ein Annahme, dass alles was früher genutzt wurde automatisch wertvoll ist. Das durchaus interessante Ötzi- Beidpiel macht da auch kräftig die Runde. Shamanismus und ein Annahme, dass alles was früher genutzt wurde automatisch wertvoll ist. Das durchaus interessante Ötzi- Beidpiel macht da auch kräftig die Runde.

    Servus Ria,


    da können aber die Pilze nichts dafür. Zum Glück diskutieren wir hier ja nicht in Form entsprechendenr Verschwörungserzählungen. Aber ich denke, ich weiß, was du meinst. Und das ist ja nicht nur auf die Pilze bezogen. Wenn Shamanismus als Schlagwort kommt, dann denke ich auch an sowas wie "Signaturenlehre" oder "Anthropomorphie" als Nutzungsbedingung (Beispiel Ginseng). Esoterik und Aberglaube ist immer auch Teil unserer Gesellschaft und war es auch früher schon.


    Ich finde es wichtig, dass das Thema in Expertenforen emotional ruhig und ausführlich besprochen wird. Für mich in der Pilzberatung in einer Großstadt ist das Thema Heilpilze definitiv eine Herausforderung. Es reicht halt nicht als PSV da auf die Liste der Speisepilze zu verweisen. Die Leute nehmen die "rohköstlichen" Pilzpülverchen halt trotzdem und ich sehe da einen großen Aufklärungsbedarf. Das offizielle Statement der DGfM hilft mir da nicht, dieses Thema gut zu beraten. Und meine Augen zu verschließen vor diesem Thema gelingt mir auch nicht.

    Ich finde es auch gut und wichtig, dass wir solche Themen emotional ruhig diskutieren. In der Pilzberatung ist das vermutlich überall irgendwie Thema (mittlerweile). Herausforderung ist, finde ich, relativ. Denn es geht ja meist um wenige Klassiker wie Chaga, Schmetterlingstramete, Birkenporling und Ganoderma.Vielleicht noch Judasohr, leider auch Stachelbärte (auf TikTok wurde das Wildsammeln von einem PSV der DGfM beworben)... Die Artenkenntnis hat ein PSV sicher. Die Expertise, ökologisch zu beraten, auch (Naturschutz, deshalb Stachelbärte nur aus der Zucht verwenden). Was die Beratung über mögliche Heilwirkungen angeht – was soll ein Verein wie die DGfM dazu sagen? Ich helfe wenn, dann bei der Bestimmung. Die Entscheidung, ob jemand Tees nun nutzen will oder nicht, muss jede Person für sich entscheiden. Da muss der PSV doch nicht helfen?


    Was aber vielleicht sinnvoll ist, auf Kontraindikationen hinzuweisen – z. B. Chaga und die Oxalsäure. Bei Ganoderma bin ich mittlerweile auch vorsichtig, denn da scheinen Wirkungen vorzuliegen und damit dann auch mögliche Nebenwirkungen. Und wenn ich an die Vergiftungen mit Ganoderma neojaponicum denke (Komplettausfall des Immunsystems), der auch wie ein Reishi i.w.S. ausschaut... Nun gut. Aber was soll ein Verein dazu sagen? Am Ende wird man noch von Händlern verklagt, weil man deren Geschäft schlechtredet. Ganoderma wird ja viel vermarktet.


    Vor dem "rohköstlichen" kann und sollte man aber sicher warnen. Allein schon wegen der Lektine, die in Pilzen sind. Von giftig bis allergieauslösend. Oder das berühmte Agaritin, das im "Mandelegerling" (ehemals Agaricus blazei, jetzt Agaricus subrufescens) enthalten ist (eben vor allem bei rohem Material). Da reicht aber sicher die PSV-Ausbildung, die generell vor rohen Pilzen warnt.


    Mein Tipp: vertraue deiner eigenen Expertise. Und frei nach Douglas Adams: Keine Panik ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Das offizielle Statement der DGfM hilft mir da nicht, dieses Thema gut zu beraten.

    Hallo

    Doch, das ist sehr nützlich und auch sehr gut gemacht. Die DGfM sollte daraus ruhig einen Flyer machen. Schwarz auf Weiß kommt doch immer gut bei den Menschen an. Hast du nichts in der Hand, glauben bestimmt einige nicht, was du erzählst. Ich bin zwar kein Pilzberater, aber solche Erfahrungen durfte ich machen.

    Ich halte das DGfM-Statement für fachlich korrekt und notwendig. In der Praxis erlebe ich jedoch, dass es bei Menschen mit festen Überzeugungen rund um Heilpilze oft nicht als Einladung zur Einordnung verstanden wird, sondern als Rückzug aus dem Thema. Das erschwert die Beratung. Auf manche wirkt es so, als wolle sich die DGfM nicht tiefer mit dem Thema befassen. Dadurch werden DGfM und PSV von stark vorgeprägten Ratsuchenden oft nicht als ernstzunehmende Gesprächspartner wahrgenommen – gerade bei Fragen zu Risiken von Heilpilzen. Die DGfM erreicht da quasi nicht die Leute die es nötig hätten, sondern nur Leute die eh skeptisch oder sehr vorsichtig sind, dem Thema gegenüber.

  • Ich halte das DGfM-Statement für fachlich korrekt und notwendig. In der Praxis erlebe ich jedoch, dass es bei Menschen mit festen Überzeugungen rund um Heilpilze oft nicht als Einladung zur Einordnung verstanden wird, sondern als Rückzug aus dem Thema. Das erschwert die Beratung. Auf manche wirkt es so, als wolle sich die DGfM nicht tiefer mit dem Thema befassen. Dadurch werden DGfM und PSV von stark vorgeprägten Ratsuchenden oft nicht als ernstzunehmende Gesprächspartner wahrgenommen – gerade bei Fragen zu Risiken von Heilpilzen. Die DGfM erreicht da quasi nicht die Leute die es nötig hätten, sondern nur Leute die eh skeptisch oder sehr vorsichtig sind, dem Thema gegenüber.

    Hallo Ria,

    mir wurden letztes Jahr Anfang November Birkenporlinge in der Beratung vorgelegt, sie waren nicht als Speisepilze gedacht und die Leute wollten die Art bestätigt haben, Gleichzeitig war noch ein Korb mit Speisepilzen zur Beratung da. Letztendlich war es für alle Beteiligten ein nettes Gespräch und man sollte das Thema Heilpilze einfach wertneutral angehen und jeden sich damit beschäftigen lassen wie man möchte,

    viele Grüsse

    Matthias

  • Zitat

    "...Die Entscheidung, ob jemand Tees nun nutzen will oder nicht, muss jede Person für sich entscheiden. Da muss der PSV doch nicht helfen?...Keine Panik..."

    Danke für deine Einordnung. Mir geht es hier nicht um „Panik“, sondern um eine sachliche Beschreibung der Beratungssituation. Die formale Zuständigkeit der DGfM und die Arterkennung als Kernaufgabe des PSV sind mir klar; zugleich kommen viele Ratsuchende mit starken Meinungen und Heilsversprechen aus Social Media. Die Entscheidung zur Nutzung liegt selbstverständlich bei den Leuten selbst – „Helfen“ heißt für mich hier nicht empfehlen, sondern einordnen. Genau diese Einordnung wird in der Praxis beim Thema Heilpilze zunehmend anspruchsvoll.

    Ein Praxisbeispiel aus der Beratung: Menschen kommen nicht selten mit Fliegenpilzen im Korb und wissen oft erstaunlich viel über Inhaltsstoffe – z. B., dass Muscimol GABAerg wirkt und Ibotensäure glutamaterg (also eben nicht anticholinerg). Was häufig fehlt, ist das Wissen über Risiken jenseits der reinen Wirkmechanismen: etwa die Problematik von regelmäßigem, vermeintlich risikolosem „Mikrodosing“, mögliche Langzeitfolgen oder ganz banal die hygienische Seite – dass stark überständige Fliegenpilze sehr real Lebensmittelvergiftungen auslösen können. Ich bin froh, wenn die Leute sich auf ein offenes Gespräch einlassen und erzählen, was sie vorhaben, damit ich wenigstens dazu aufklären kann.

    Ein typisches Beispiel: Oft wird gesagt, Ibotensäure sei der „eigentlich gefährliche“ Stoff (z. B. wegen zytotoxischer Effekte in Zellmodellen), weshalb gezielt decarboxyliert wird, um Muscimol zu erhalten. Was dabei häufig nicht präsent ist: Muscimol ist der zentral wirksame psychoaktive Stoff und kann in höherer Dosis sehr wohl lebensgefährlich sein. Dass auch eine Muscimol-Überdosierung potenziell tödlich verlaufen kann, ist vielen nicht bewusst, weil das Narrativ kursiert, Muscimol sei „harmlos“.

    Das Beispiel ist inhaltlich natürlich heikler als der Birkenporling, soll aber verdeutlichen, worum es mir geht: Viele Menschen haben Teilwissen und feste Überzeugungen, aber blinde Flecken bei Risiken und Kontext. Genau hier sehe ich die Rolle von Beratung – nicht als Entscheidungshilfe im Sinne von „machen oder nicht machen“, sondern als sachliche Einordnung, damit Menschen informierte eigene Entscheidungen treffen können.


    Ich gebe zu das ist jetzt eine große Kurve vom ursprünglichen Thema 😅

  • Servus Ria,


    interessant! Ich hatte noch nie jemanden mit Fliegenpilzen in der Pilzberatung. Und das mit der Panik war nicht wortwörtlich gemeint - ich wollte nur Douglas Adams (Per Anhalter durch die Galaxis) zu Wort bringen. Ich bin halt ein Nerd ;-).


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Viele Menschen haben Teilwissen und feste Überzeugungen, aber blinde Flecken bei Risiken und Kontext. Genau hier sehe ich die Rolle von Beratung – nicht als Entscheidungshilfe im Sinne von „machen oder nicht machen“, sondern als sachliche Einordnung, damit Menschen informierte eigene Entscheidungen treffen können.

    Hallo Ria,


    genau das ist der Sinn von Pilzberatung - nicht mehr und nicht weniger.


    Gruß

    Peter

  • Siehe aktueller Beitrag "Zunderschwamm?" hier im Forum in der Rubrik Bestimmungshilfen



    Da taucht der Fliegenpilz auch in der Diskussion als Heilpilz auf. Dort zwar für äußerliche Anwendung, aber aktuell gibt es sehr viele Menschen die ihn innerlich einnehmen.

  • Guten Morgen

    Ein Erfahrungsbericht aus erster Hand.

    Ich schrieb ja schon Ende letzten Jahres, dass ich mich etwas zurück ziehe, andere Prioritäten habe.

    Als meine Schwägerin 2022 an Krebs (Hirntumor) erkrankte, waren wir alle entsetzt. Nach dem Schock folgte das gesamte medizinische Procedere, Operation, Chemo, Bestrahlung usw. Von der psychischen Belastung will ich gar nicht sprechen. Man sucht nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten und hofft, irgendein Wundermittel zu finden.

    Irgendwann fragte mich meine Schwägerin, ob ich die Schmetterlingstramete kenne und ob es die auch bei uns gibt, sie hätte da was gelesen im Internet.... Natürlich kenne ich diese Pilze und weiß auch um die Bezeichnung Heilpilz und angeblichen Erfolge bei der Krebsbehandlung in der Asiatischen Medizin.

    Nun klammert man sich ja an jeden Strohhalm und die Psyche spielt eine große Rolle.

    Lange Rede, kurzer Sinn... ich hab ihr diese Schmeterlingstrameten besorgt, getrocknet und sie hat sich Tee zubereitet. Danach meinte sie, ihr ginge es deutlich besser. Ich glaube, sie hat den Tee gut vertragen, er hat ihr nicht geschadet und vielleicht hat er geholfen mit ihrer Krankheit umzugehen.

    2024 hat sie noch geheiratet, sie war nochmal im Urlaub in Schweden ( alles im Rollstuhl) und hat noch 3 Jahre gelebt.

    Am 25.12.2025 ist sie dann im Hospiz verstorben.

    Der Krebs hat gesiegt ( was zu erwarten war)


    Viele Grüße

    Frank

  • Lieber Frank,


    im Nachbarforum gab es mal ein Forenmitglied, das für seine Frau, die an Brustkrebs erkrankt war, um die Zusendung von getrockneten Schmetterlingstrameten gebeten hat.


    Sie hat die genommen, um die Nebenwirkungen bei der Chemotherapie zu dämpfen, was nach meinem Verständnis gut funktioniert hat. Weil sie insgesamt recht viel davon brauchte, konnte ihr Mann das nicht alles alleine ranschaffen. Meiner Erinnerung nach hat das Forenmitglied die Sammel-Bitte dann irgendwann zurückgezogen, weil die Behandlung erfolgreich abgeschlossen war.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • In Japan ist die Schmetterlingstramete als Extrakt sogar in der Krebsbehandlung zugelassen zur Unterstützung der Wirkung einer Chemotherapie sowie zur Linderung von Nebenwirkungen. Die Anwendung erfolgt dort wohl sehr häufig, scheint also in der "Schulmedizin" angekommen zu sein.

    Zu dem Thema gibt es auch sehr viel wissenschaftlichen Lesestoff.

    Als Ansatz für Recherchen bei Google nach: "Trametes versicolor chemotherapy" und "Turkey Tail mushroom chemotherapy" suchen.


    LG Christopher

  • Moin,
    ich lese hier viel mit, melde mich selbst aber nur selten zu Wort. Zum Thema Heil- und/oder Vitalpilze kann ich auch nicht viel beitragen. Aber zum Thema Beratung und was man den Leuten in solchen Fällen sagen soll, fällt mir noch ein, dass ich zu den komplexeren Diskussionen gern auf eben dieses Forum verweise und damit den Ratsuchenden die Möglichkeit gebe, sich noch viel umfassender zu informieren, als ein Rat meinerseits dies vermöchte. Diesen Thread finde ich zum Beispiel extrem sinnvoll genau dafür.
    Danke also euch allen!
    Simon

  • In Japan ist die Schmetterlingstramete als Extrakt sogar in der Krebsbehandlung zugelassen zur Unterstützung der Wirkung einer Chemotherapie sowie zur Linderung von Nebenwirkungen. Die Anwendung erfolgt dort wohl sehr häufig, scheint also in der "Schulmedizin" angekommen zu sein.

    Moin Christopher, stimmt. Das Medikament ist in Japan schon seit Jahrzehnten auf dem Markt und hört auf den Namen Krestin. Es soll bei einem Großteil der Patienten die Nebenwirkungen der Chemo oder Bestrahlung reduzieren und somit die Heilungschancen verbessern.

    Zum Fliegenpilz würde ich noch anmerken, dass er in eine andere Kategorie fällt, als BiPo. Reishi & Co. Er ist ein Giftpilz, der auch halluzinogene Wirkung hat. Bei äußerer Anwendung sind Ibotensäure und Muscimol vermutlich weniger schädlich. Aber da wir alle keine Schamanen sind und die Fliegenpilzdroge nicht aus rituellen Gefäßen trinken, in das der Oberschamane zuvor gepinkelt hat, nachdem er die Fliegenpilze auf seine besondere Weise verspeist und verstoffwechselt hat, sollten wir die Finger vom Fliegenpilz lassen.

    Es reicht schon, wenn man als PSV seine Nachtruhe opfern muss, weil unbedarfte Pilzsammler sich vergiftet haben. Das jetzt bitte nicht auch noch für Leute, die sich ausgerechnet mit Fliegenpilzen wegschießen müssen.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Es reicht schon, wenn man als PSV seine Nachtruhe opfern muss, weil unbedarfte Pilzsammler sich vergiftet haben. Das jetzt bitte nicht auch noch für Leute, die sich ausgerechnet mit Fliegenpilzen wegschießen müssen.

    Zumindest ich hatte noch nie einen Notruf wegen absichtlichen Fliegenpilzkonsums. Ich denke mal, selbst wenn der Trip heftiger wird als gedacht, bleiben die Leute doch eher zu Hause, solange es nicht gerade lebensbedrohlich wirkt.


    Ich hatte aber mal - man glaubt es kaum - eine versehentliche Fliegenpilzvergiftung. Der Mann hatte einen gegessen, und auf meine Frage hin, was er denn glaubte, gegessen zu haben, meinte er: "Keinen Fliegenpilz". Ich fragte dann noch mal nach, was denn sonst - in der Annahme, jetzt kommt gleich "einen roten Täubling", "Perlpilz", oder was auch immer. Aber er blieb bei seinem "keinen Fliegenpilz, denn der hatte keine weißen Punkte drauf". Ich denke mal, er ging davon aus, der Fliegenpilz sei der einzige Giftpilz in Deutschland, und nur den müsse er meiden - umso erstaunlicher, dass er ausgerechnet den erwischt hat.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Hallo,


    wir leben in einem Land, in dem jeder in sich hineinwerfen darf, was er möchte, solange es nicht explizit gesetzlich verboten ist. Beim Fliegenpilz existiert so ein Verbot nicht.


    Wir werden dies tolerieren müssen, ob es uns gefällt oder nicht. Unsere Aufgabe (als PSV) kann nur Aufklärung sein. Inwieweit wir damit die Personen erreichen, die wir wollen, bleibt wohl unbeantwortbar. Wenn "Influencer" (aus welcher Ecke sie immer kommen mögen) für Fliegenpilzgebrauch werben, wird es genug "Influenzierte" geben, die darauf abfahren. Und wenn dann das Produkt auch noch via Knopfdruck bestellt werden kann ...


    Vielleicht kann man dem Ganzen ein wenig entgegensteuern, wenn man weiter erzählt, dass Fliegenpilze nur dann ihre volle Potenz entwickeln, wenn der Wirkstoff aus dem noch warmen Urinbecher des Ersttrinkers entnommen wird.*

    Das könnte abschrecken, obwohl, wenn ich so an die im Internet sonst so laufenden "Challenges" denke ..... :glol:


    Gruß

    Peter


    *Tatsächlich wurden in Kamtschatka Fliegenpilze erst den Frauen zum Kauen gegeben, damit deren unangenehmer Geschmack nachlässt. Die anschließenden männlichen Konsumenten fingen ihren Urin auf, der weiter den Wirkstoff enthält und gaben ihn an die nächsten zum Trinken weiter. Eine frühe Form des Recyclings. g:D (aus Enderli - Reiseberichte bei den Tschuktschen und Korjaken um 1900)

  • Wutzi Ich würde das differenzierter sehen. Ja, der Fliegenpilz ist ein Giftpilz, da gibt es nichts zu diskutieren. Trotzdem würde ich ihn deshalb nicht in eine "andere Kategorie von Heilpilz" schieben als Birkenporling und Co. Kann er bei unsachgemäßer Anwendung / Missbrauch schaden? Ja. Der Birkenporling allerdings auch. Der Schwefelporling ebenso. Von diesem gab es bei unsachgemäßem Konsum - sprich roh - schon heftigste Vergiftungsfälle mit Halluzinationen und Koma, also nicht arg viel anders als beim Fliegenpilz und ohne Behandlung wohl potenziell tödlich.

    Und um mal kurz in den Bereich der allgemeingültigen Speisepilze abzudriften: Auch hier gibt es potenziell tödlich giftige Arten - die Morcheln. Und hier sogar dokumentierte Todesfälle nach unsachgemäßem (=rohem) Konsum, trotz versuchter Behandlung im Krankenhaus.


    Und das ist eben der Punkt: unsachgemäße Anwendung. Klar möchtest du dich als PSV (und auch niemand sonst) nicht mit Vergiftungsfällen herumschlagen. Aber solche Fälle sind halt immer das Resultat von unsachgemäßem und unbedarftem Umgang oder beim Fliegenpilz eben auch der Missbrauch als Rauschmittel. Ich schrieb es ja schon einmal in einem anderen Thema zu Heilpilzen: Mit Naturheilmitteln (egal ob Pflanze oder Pilz) wird viel zu oft zu sorglos / naiv umgegangen. Da werfen sich die Leute irgendwas ein, ohne sich vorab ausreichend zu informieren, fachlichen Rat einzuholen und sich Gedanken über mögliche Konsequenzen zu machen. Frei nach dem Motto "Was aus der Natur kommt, kann ja nicht gefährlich sein oder keine Nebenwirkungen haben".


    Und das ist IMHO das größte Problem, auch speziell auf den Fliegenpilz bezogen, der z.B. auf Tiktok seit etwa einem Jahr extrem gehyped wird und wo irgendwelche Vollidioten das Zeug als ungefährliches Allheilmittel zur inneren Anwendung für jegliche Art von psychischer Schieflage anpreisen. Dadurch werden dann Leute verleitet, ohne jegliche Sachkenntnis, Selbstversuche zu unternehmen und landen dann ggf. im Krankenhaus oder erzeugen im Worst Case doch mal noch einen dokumentierten Todesfall einer Fliegenpilzvergiftung. Bei dieser Problematik wäre m.E. mal das Eingreifen des Gesetzgebers erforderlich.


    Trotzdem würde ich, wenngleich ich beim Fliegenpilz die äußerliche Anwendung als Heilpilz als primär ansehen würde, die innerliche Anwendung in kleinster Dosierung (also abseits vom Missbrauch als Rauschmittel) nicht verurteilen. Voraussetzung ist halt, dass dies mit triftigem Grund, mit fachlicher Begleitung und entsprechender Aufklärung sowie Sachkenntnis und Respekt geschieht und nicht durch fahrlässige Selbstexperimente von Laien. Wenn dadurch am Ende jemand Beschwerden lindern oder gar beseitigen kann, an denen die Schulmedizin gescheitert ist, dann ist das ja prinzipiell eine gute Sache. Deshalb sollte das oben geforderte Eingreifen des Gesetzgebers auch in der Art ausfallen, dass nicht am Ende der Konsum oder das Verabreichen durch Mediziner kriminalisiert wird, wie es ja leider bei anderen psychoaktiven Pilzen der Fall ist.


    LG Christopher

  • Hallo,


    wir leben in einem Land, in dem jeder in sich hineinwerfen darf, was er möchte, solange es nicht explizit gesetzlich verboten ist. Beim Fliegenpilz existiert so ein Verbot nicht.

    Wenn man es ganz genau nimmt, darf man sich sogar Substanzen "einwerfen", die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen. Der bloße Konsum war noch nie illegal, lediglich der Besitz. Da das eine aber meistens nicht ohne das andere möglich ist, kommt es in der Praxis aufs selbe raus ^^.


    Bzgl. Amanita muscaria, wie Christoph schon erwähnt hat, gibt es seit kurzem einen großen Hype um sog. "Microdosing", also dass man sehr kleine Mengen gegen psychische Malaisen einnimmt. Das unterscheidet sich klar von den klassischen "Rauschsuchern", die sich primär benebeln wollen. Dass solche Selbstversuche nicht empfehlenswert sind und jeder verantwortungsvolle PSV davon entschieden abrät, ist sowieso klar.


    LG Suillus

  • Hallo,


    wir leben in einem Land, in dem jeder in sich hineinwerfen darf, was er möchte, solange es nicht explizit gesetzlich verboten ist. Beim Fliegenpilz existiert so ein Verbot nicht.

    Wenn man es ganz genau nimmt, darf man sich sogar Substanzen "einwerfen", die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen. Der bloße Konsum war noch nie illegal, lediglich der Besitz. Da das eine aber meistens nicht ohne das andere möglich ist, kommt es in der Praxis aufs selbe raus ^^.

    Hallo Suillus,


    kann dies nicht evtl. einen Unterschied machen, wenn man unter Drogen stehend aufgegriffen wird (nicht Autofahrend oder sonst etwas, was auch unter Alkoholeinfluss verboten wäre) ? Sollte denke ich bei uns nicht strafbar sein, wäre es aber doch wohl, wenn der Drogenkonsum an sich illegal wäre. Hier gibts sicher Juristen, die das bestätigen oder korrigieren können...


    Bis dann

    Michael