Beiträge von Ria

    Hallo in die Runde,

    ich bin durch die angehängte Studie auf den EDGE-Ansatz gestoßen (u. a. von der Zoological Society of London): Arten werden danach als "schützenswert" priorisiert, wie evolutionär einzigartig sie sind und wie stark sie als gefährdet gelten (z. B. nach der International Union for Conservation of Nature). Es geht also um Umsätze im globalen Naurschutz.


    Das Problem bei Pilzen: Ein großer Teil ist „Data Deficient- DD“, also unzureichend untersucht und fällt damit aus solchen Priorisierungslogiken weitgehend raus. Das heißt in Förderprogrammen, oder politischen Entscheidungen werden Pilze dann nicht beachtet, weil keine Daten vorliegen.


    Gleichzeitig basieren unsere mykologischen Daten weltweit ja hauptsächlich auf ehrenamtlicher Kartierung und punktueller Forschung. Genau diese Ausgangslage führt dazu, dass Pilze in globalen Bewertungsinstrumenten kaum auftauchen – und dadurch wiederum weniger Aufmerksamkeit und potenziell auch weniger Forschungsgelder bekommen.


    Für mich wirkt das wie eine strukturelle Schleife:

    Wenig Daten → keine Priorisierung → weniger Ressourcen → weiterhin wenig Daten.


    Mich würde interessieren:

    Wie kann man aus so einer Dynamik überhaupt aussteigen?

    Welche Ansätze seht ihr, um Pilze im Naturschutz zu priorisieren, obwohl die Datengrundlage im Vergleich zu Botanik und Zoologie so lückenhaft ist?


    Die Studie auf die ich mich beziehe ist gerade frisch in "Conservation Letters" veröffentlicht worden. Ich habe sie diesmal nicht mit KI übersetzt. Es gibt die Möglichkeit für diejenigen die kein Englisch sprechen, die Studie von Google -Übersetzer als ganze Datei übersetzen zu lassen. Das geht aber nur im Browser und nicht in der Mobileversion.


    Liebe Grüße Ria

    Ich finde die Auseinandersetzung mit dem Thema kann ruhig mehr Raum bekommen, weil es ein recht komplexes Thema ist.


    Und ich ich hoffe, dass Lösungen gefunden werden unsere Wälder nachhaltiger zu bewirtschaften. Ich bin unzufrieden damit.

    Ich finde es gibt bereits gute Ansätze. Es gibt Lösungen, die die verschiedene Bedürfnisse/ Spannungen unter einen Hut bringen. Das Problem ist nicht die Nutzung an sich, sondern das Management.

    Außerdem, dass das Wissen so langsam in die Ausbildung und Praxis der Forstwirtschaft plätschert.


    Natürlich müssen auch finanzielle Ressourcen beachtet werden. Aber Geld gibt es genug, es werden nur andere Dinge priorisiert. Genau da braucht es einen Paradigmenwechsel darüber was wichtig ist und was nicht.

    Hallo in die Runde,


    Navajoa ich denke das täuscht, an der Oberfläche kann es schnell wieder grün aussehen, aber die Bodenfunktion bleibt leider oft lange gestört. Genau genommen dauert eine Erholung Jahrzehnte, nicht 2–3 Jahre. Die Schäden passieren vor allem im Boden, nicht sichtbar an der Oberfläche und die Verdichtungen gehen bis 60 cm tief. Und der Schaden betrifft dann nicht nur die Bodenrinnen, sondern auch die Umgebung von bis zu 30 Metern und indirekt das ganze Ökosystem vor Ort.


    Für Pilze bedeutet das: Es verschwindet nicht nur „die Spur“, sondern das gesamte ökologische Umfeld verändert sich – und damit oft auch die Pilzgemeinschaft, selbst dort, wo der Boden scheinbar unberührt aussieht. Hinzu kommt, das besonders Waldwege besonders artenreiche Standorte sind, weil sie Übergangszonen für verschiedene Habitate darstellen.


    Die Bodenporen unter den Fahrrillen werden zerstört und deswegen gibt es nicht genügend Sauerstoff und Wasserbewegung. Die Folgen sind dann eine schlechtere Durchwurzellung und drastisch weniger Bodenleben. Also weniger Myzel, vor allem weniger Mykorrhriza und weniger andere Mikroorganismen. Das Bodenmilieu verschiebt sich langfristig. Empfindliche Pilzarten verschwinden dann aus dem Gebiet und damit verschiebt sich das gesamte Artenspektrum des Gebietes.

    Es wird nicht nur punktuell an den Fahrrinnen das Bodenleben zerstört, sondern das ganze Milieu der Umgebung wird gestört. Die Oberflächen-Wasserbewegung des Gebietes wird abgeschnitten. Wenn Rodung dazu kommt, dass gibt es ja auch eine starke Belichtung und Wasserverdunstung dazu. Dh. Gebiete werden ansich trockener, aber es bilden sich Wasserlachen neben und in den Spurrinnen, die messbar ökologische Folgen haben. Alleine der Wurzelstress der Pflanzen hat folgen. Die Verdichtung ist bis 10-20 Jahre klar messbar und 30-50 Jahre später gibt es immer noch feststellbare Unterschiede zu unbefahrenen Flächen. Teilweise gibt es keine vollständige Regeneration. Bei so einem Schotterweg wird Oberboden komplett zerstört. Da werden Belüftungswege, Wassernetze und Myzelnetzwerke dauerhaft getrennt. Das ist sehr schade.


    Es gibt schon mit Studien belegte Alternativen für die konventionelle Waldbewirtschaftung:

    - ein sehr wichtiger Punkt ist die Befahrung der Böden bei Trockenheit. Dürren sind sehr gut geeignet dafür. Die Schäden bei trockenen Böden fallen sehr viel geringer aus. Das Frühjahr ist also oft an kein geeigneter Zeitpunkt, außer der Boden ist tief gefroren.

    - das Anlegen von Rückegassen ist zumindest für die Streifen ohne Befahrung schonender. Ich denke, dass der Schotterweg so eine Rückegasse sein könnte. Das Ökosystem Wald, wird dadurch zwar in Streifen geschnitten, was auch unschöne Konsequenzen hat, aber wenigstens werden dadurch größere Stellen geschont, weil die Maschinen nicht überall reinfahren.

    - leichtere Maschinen und seltener befahren reduziert das Risiko jahrzehntelanger Schäden (aber nur bei Trockenheit! Oder Bodenfrost)


    - das Befahren mit breiteren Reifen (Niederdrucksystem) oder Reissigmatten ist keine wirkliche Lösung- sie lösen das Problem der Unterbodenverdichtung nicht. Für den Oberflächenbewuchs macht das sichtbare Effekte und es gibt weniger sichtbare Spurrillen. Der Druck verteilt sich erstmal breiter. Aber leider entsteht durch breitere Fläche ein breiterer Kegel an Bodendruck, der dann teilweise sogar tiefer geht. Dh. breitere Reifen bedeuten größeres Schadenvolumen im Boden.


    Ich finde Finde Verantwortliche sollte genauer aufgeklärt werden. Selbst unter konventioneller Bewirtschaftung, können schon bessere Entscheidungen getroffen werden.


    Liebe Grüße

    Ria

    Hallo Achim,

    du bist da schon auf einem guten Weg, lass dich nicht entmutigen- Neugierde und drann bleiben ist das Wichtigste und Fehlbestimmung gehört dazu. Du brauchst gerade einfach nur ein besseres Konzept fürs Lernen, damit du eine Übersicht bekommst.

    Ich stimme Wolfgang zu, es macht wahrscheinlich sehr viel mehr Sinn, wenn du erstmal nur Gattungen bestimmt und Artebene vernächlässigst. Wenn du das eine Weile machst, wird alles schnell klarer. Einfach nur 2-4 Leitmerkmale der Gattungen lernen.


    ZB. zum groben Unterschied von Dachpilzen und Rüblingen:


    Dachpilze (Pluteus):

    Lamellen frei (nicht am Stiel angewachsen, mit Sollbruchstelle, Hut bricht leicht vom Stiel)

    Sporenpulver rosa

    Wachstum auf Holz (Stämme, Äste, Holzreste)

    Fleisch meist weich, nicht zäh


    Rüblinge (verschiedene Gattungen):

    Lamellen meist angewachsen (nicht frei, Hut bricht nicht so gut vom Stiel ab)

    Sporenpulver weiß

    Wachstum meist auf Boden oder Pflanzenresten (nicht zwingend Holz)

    Fleisch und Stiel oft zäh-elastisch


    Wenn du das beherrscht, dann ist es gut dir einfache Gattungen bzw. Familien herauszusuchen und auf Artebene bestimmen zu lernen. Da lernst du dann später die Ausnahmen und die kleinen Unterschiede.

    Liebe Grüße

    Ria

    Hallo in die Runde,

    mir ist kürzlich ein europäisches Projekt aufgefallen, weil ich einen Artikel in "Field Mycology" gelesen habe:

    FunDive – vielleicht kennt es der ein oder die andere schon?

    Ich war ehrlich gesagt überrascht, dass ich davon bisher noch nichts mitbekommen hatte. Das Projekt scheint ziemlich groß angelegt zu sein (Citizen Science + Morphologie + DNA) und zielt darauf ab, die Pilzdiversität europaweit besser zu erfassen.

    Es gibt dazu auch erste praxisnahe Materialien, z. B. ein Booklet zu Geastrum


    Mich würde interessieren:

    Hat jemand von euch schon mit FunDive zu tun gehabt oder sogar mitgemacht?

    Wie schätzt ihr solche Projekte ein?

    Ich frage auch, weil mir der Eindruck entsteht, dass solche Projekte im deutschsprachigen Raum bisher kaum diskutiert werden – täusche ich mich da?

    Liebe Grüße

    Ria

    Hallo Helmut,

    heute werden die beiden Arten nicht mehr synonymisiert, aber die Morphologie überschneidet sich und deswegen wurde in älterer Literatur nicht unterschieden, bzw. immer wieder verschiedene subtile Merkmale herangezogen: Größe, Sporenmaße, oder Struktur der Endoperidie, bzw. Ökologie. Die verschiedenen Quellen treffen da aber t.w. unterschiedliche Aussagen. Deswegen macht es wahrscheinlich Sinn ohne Sequenzierung von "berkeleyi–pseudostriatum-Komplex zu sprechen.

    z.B. werden beide Arten beschrieben in FunDrive Booklet 2024. Das ist aktuellste Zusammenfassung der europäischen Arten.

    Jeppson et al. 2013 belegt ansich, dass es molekular zwei getrennte Taxa sind. Das wurde von Wang&Bsu 2023 dann auch so weiterverwendet ohne es in Frage zu stellen.


    Liebe Grüße

    Ria

    Ach Mist, das mindert die Qualität der Studie. Das ist mir auf die Schnelle gar nicht aufgefallen. Die haben bestimmt die weißen Enoki aus dem Asiamarkt im Multiple Choice gehabt und nicht weiter nachgedacht. Wahrscheinlich haben sie nicht mit Artenkenner:innen zusammengearbeitet, um die Studie zu designen.

    Danke für den Hinweis Björn.

    Zitat

    Ging auch

    Wenn Du noch beantworten magst: Wie hast du das gemacht und wo? Wie gründlich hast du was gereinigt? Womit?



    Und taugen die denn was diese fertigen SAB bei Amazon? Ist es möglich mit denen vernünftig und über einen längeren Zeitraum zu arbeiten? Ich habe jetzt vermutet, dass ich die so oft neu kaufen muss, dass das am Ende keine gute Lösung ist.

    Hallo Ihr Lieben,

    ich finde die Studie diskussionswürdig ==Lehrer , (wenn auch nicht überraschend) weil sie die Wissenslücke zu Pilzen in der Bevölkerung sehr deutlich macht.

    Gleichzeitig liefert sie eine starke Grundlage, um Bildungsarbeit und Projekte im Bereich Biodiversität und Artenschutz, auch z.B. im Hinblick auf Fördergelder, gut zu begründen.




    Ich habe die Studie: "Low fungal knowledge and limited identification skills: study reveals a species literacy gap among laypeople from Germany" mit Deepl ins Deutsche übersetzt, um die Inhalte zugänglicher zu machen. Die Originalstudie auf Englisch stammt von Schanz & Remmele (2026) und ist Open Access unter der Lizenz CC BY 4.0 veröffentlicht. Hier ist der Originalartikel:


    Low fungal knowledge and limited identification skills: study reveals a species literacy gap among laypeople from Germany - Scientific Reports
    Biodiversity is one of nature’s greatest assets and is essential for planetary health and human well-being. However, global biodiversity continues to decline…
    doi.org


    Liebe Grüße

    Ria

    Ihr Lieben,

    zur Materialerfoschung von Myzel möchte ich Wildpilze klonen. Also nicht zu Speisezwecken, sondern Zunderschwamm, oder Schillerporling ect.. Ich frag mich ob ich dringend dafür eine Still- Air- Box brauche. Oder ob es auch einfacher geht. Ich möchte eigentlich nicht so viel Geld ausgeben. ==18


    Es soll als Projekt gut machbar sein über ein paar Monate hinweg- also von den Umständen her nicht zu aufwendig werden. Mir ist klar, das da Kontaminationsfrust ansteht und den möchte ich gerne niedrig halten.


    Ich hätte gern ein Low- Low-Budget Zuhause Settup, das trotzdem gut funktional ist.


    Konkret das aktuelle Ziel: Myzelplatten und Myzelziegel aus verschiedenen Pilzarten, um sie perspektivisch zu vergleichen.


    Nebenfrage: kann ich davon ausgehen, wenn das Hyphensystem des Fruchtkörper trimitrisch ist, dass das Myzel ansich robuster ist? Wahrscheinlich nicht, oder? Mein Eindruck ist, dass diese Annahme analog nicht übertragbar ist.

    Ich nehme an, es kommt eher auf die Aggressivität des Myzels an, wie stabil, oder kompakt es am Ende ist. Z.B. Austern wachsen sehr schnell und es wird eher lockeres Myzel mit vielen Lufteinschlüssen. Also eher Dämmmaterial, oder Verpackungsmaterial. Hat da schon jemand Erfahrungen dazu?


    Liebe Grüße

    ria

    Hallo Alex,

    ich wünsche dir gute Gelingen bei deinem Vorhaben!

    Mir hat zur Vorbereitung enorm geholfen viele Pilzausstellungen zu besuchen, um Wissenslücken zu schließen und Sicherheit zu gewinnen. Da hab ich dann den Veranstaltenden immer gesagt, dass ich da bin, um mich auf die Prüfung vorzubereiten und Löcher in den Bauch gefragt, besonders zu den untypischen Exemplaren-" Woran erkennt ihr den? Was sind für euch die wichtigen Merkmale. Wie machst du das in der Beratung? Gibst du Mehlräslinge frei?" Die Leute haben wirklich interessante Geschichten erzählt und ich habe auch andere nervöse Prüflinge getroffen. Ich war da recht offensiv und hab viele tolle Leute kennengelernt, die alle hilfsbereit waren und super tolle Tipps gegeben haben. Ich glaube ich hab in Saison vor der Prüfung 6 Ausstellungen besucht 😅? Ich bin dafür auch mal 200 km gefahren. Für mich z.B. war besonders wichtig auch in "saure" Gebiete zu fahren, weil mein Pilzwissen sich eher auf nährstoffreiche, leicht basische Auenwälder bezieht und z.B. keine Ahnung von Fichtenwäldern hatte.


    Liebe Grüße

    "...dem Wissen, dass es eben keine tödlich giftigen Exemplare in der Gattung der Röhrlinge gibt probiert und davon auch nur ein Stück.."

    Hallo OtesOtum

    bitte lies den letzten Beitrag von Christoph noch einmal gründlich, um dein Wissen bezüglich der Giftigkeit von Röhrlingen zu hinterfragen. Es ist für die Expertinnen und Experten tatsächlich Aufwand, Lebenszeit, d.h. echte Energie zu antworten. Und es ist sehr schade, wenn Christophs wichtiger Einwand unbeachtet bliebe. Vielleicht ist er schlicht untergegangen- das kann passieren.


    Zu deiner Argumentation möchte ich außerdem einige logische Punkte anmerken:

    Du vergleichst strukturelle, systemische Eingriffe (Landnutzung, Forstwirtschaft, Stickstoffeintrag) mit individuellem Verhalten. Das ist ein klassisches ein Relativierungsargument: „Andere Dinge sind schlimmer, also ist mein Beitrag irrelevant.“ Das eine hebt das andere nicht auf. Dass Kahlschlag schlimmer ist, macht die Frage nach individueller Entnahme nicht automatisch bedeutungslos. Wenn man argumentiert, dass Natur- und Artenschutzwichtig ist, aber gleichzeitig sagt, dass die eigene Handlung eher irrelevant ist, entsteht eine gewisse Inkonsistenz zwischen Anspruch und Praxis.


    Ökologisch ist wahrscheinlich eine einzelne Entnahme meist irrelevant – wenn sie wirklich einzeln bleibt. Deine Argumentation bleibt jedoch auf der Einzelfallebene stehen, während Naturschutz auf Populations- und Systemebene denkt. Gerade deshalb weisen Fachleute hier auf potenziell problematisches Verhalten hin – nicht aus Prinzip, sondern aus Verantwortung, um viele Menschen gleichzeitig zu erreichen. Deswegen kann in diesem Forum ungünstiges Verhalten von Einzelnen nicht unkommentiert stehen bleiben.


    Hinzu kommt am Rande, dass oft argumentiert wird, dass der Fruchtkorper nicht das Myzel ist, aber bei sehr seltenen Arten, die selten und kurz fruktifizieren, kann ein fehlender sporender Fruchtkörper durchaus Einfluss auf genetischen Austausch und Populationsdynamik haben – insbesondere in sensiblen Biotopen.


    Und leider ist es auch so, dass das Argument der Naturnähe, also das Kennenlernen von Arten durch Entnahme nicht bei allen Menschen perspektivisch zu einer Schutzmotivation wird- manchmal bleibt es auch bei der unsensiblen Selbstverständlichkeit von Nutzung von Naturgütern stehen.


    Zur Metaebene: Deutliche Kritik wird häufig als unfreundlich erlebt, besonders dann wenn sie die eigene Argumentation infrage stellt. Das betrifft zunächst die emotionale Wirkung, nicht zwingend die Qualität des Austauschs. Der Inhalt sollte meiner Meinung nach, in einem Fachforum in dem es um inhaltliche Präzision geht, daher im Fordergrund stehen.

    Gleichzeitig stimme ich dir zu, dass ein respektvoller und wohlwollender Ton grundsätzlich wünschenswert ist. Für mich wirkt das hier wie eine normale fachliche Korrektur, wie sie in einem Expertenforum üblich ist. Fehler gehören zum fachlichen Austausch dazu – für uns alle. In diesem Sinne weiterhin viel Freude beim Ergründen der Arten.


    Liebe Grüße

    Ria

    gena auch wenn die Antworten kritisch sind, finde ich es sehr gut, dass du hier nachgefragt hast. Ich finde es super, wenn genauer über solche Produkte geredet wird.

    Ich sehe dieses Pilz -Kaffeepülverchen ziemlich kritisch und ich begründe es mal ausführlich:

    Für mich wirkt dieses Produkt wie ein typischer Lifestyle-Mix, in den „alles Moderne und Fancy“ reingepackt wurde, damit es sich gut verkauft: viele Pilzextrakte, dazu Ashwagandha, Shilajit, Probiotika, Kaffee/Grünkaffee. Das klingt nach „Super-Upgrade“, ist aber genau der Punkt, der es für mich risikobehaftet macht.


    1) Das ist ein unübersichtlicher Wirkstoff-Cocktail

    Hier werden sehr viele biologisch aktive Stoffe gleichzeitig kombiniert. Das ist nicht einfach „Kaffee mit Geschmack“, sondern ein Cocktail, der im Körper etwas machen kann – aber man weiß nicht genau was, weil es so viel auf einmal ist.

    ZuAshwagandha und Shilajit.

    Ashwagandha wirkt eher beruhigend und kann in hormonelle Regelkreise eingreifen, insbesondere in die Schilddrüsenfunktion. Mögliche Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit oder – selten – Leberprobleme.

    Shilajit wird eher mit Energie und Leistungssteigerung beworben, kann ebenfalls Magen-Darm-Beschwerden verursachen und ist stark qualitätsabhängig, da es natürlicherweise mit Schwermetallen belastet sein kann, wenn es nicht gut gereinigt ist.

    In Kombination mit Koffein, das stimulierend wirkt, entsteht ein widersprüchliches Bild: beruhigende, hormonell wirksame Substanzen treffen auf anregende Bestandteile. Zusammen mit mehreren immunmodulierenden Pilzextrakten ergibt das kein klares Wirkprofil, sondern ein schwer einschätzbares Gesamtgemisch. Mehr ist nicht automatisch besser.

    Mehr heißt hier vor allem: mehr Komplexität, mehr Unvorhersehbarkeit, mehr mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.


    2) Pilz-Unverträglichkeiten kommen relativ häufig vor

    Viele Menschen vertragen Pilze nicht gut – und zwar nicht nur als Speisepilz, sondern auch als Extrakt. Das kann sich als Magen-Darm-Thema zeigen, aber auch allgemeiner (z. B. Haut, Unwohlsein, Kopfschmerz, „komisches Gefühl“).

    Wenn 10+ Pilze gleichzeitig drin sind, kann man nicht sauber austesten, worauf man reagiert. Wenn man’s nicht verträgt, weiß man nicht, welcher Pilz oder welcher Zusatz der Auslöser war.


    3) Die Wirkung aufs Immunsystem ist für mich der heikle Teil

    Magen-Darm-Beschwerden kann man schnell zuordnen. Aber ich finde vor allem schwierig, dass viele dieser Pilze als immunmodulierend gelten. Das bedeutet: sie können in immunologische Prozesse eingreifen.

    Das ist heikel, weil man oft nicht sofort merkt, was immunologisch passiert. Eine mögliche Immunaktivierung läuft nicht sichtbar ab. Und bei manchen Menschen kann das unerwünscht sein – z. B. wenn ohnehin schon ein „überaktives“ oder empfindliches Immunsystem, Allergieneigung oder chronische Entzündungen im Spiel sind.

    Gerade weil hier so viele immunologisch aktive Pilze kombiniert werden, wirkt das auf mich fragwürdig.


    4) Fehlende Angaben = fehlende Qualitäts- und Sicherheitsstandards

    Was mich am meisten stört: Die Angaben auf solchen Produkten sind oft so, dass man nicht wirklich beurteilen kann, was man da in welcher Qualität und Menge nimmt. Hier fehlen bzw. sind nicht transparent genug:

    • Dosierung/Anteil der einzelnen Inhaltsstoffe: Eine lange Zutatenliste sagt nicht, ob die Mengen überhaupt relevant sind. Es kann sein, dass vieles nur „fürs Label“ in Spuren drin ist und ein paar Komponenten den Rest dominieren. Ohne Mengenangaben: nicht nachvollziehbar.
    • Standardisierung (z. B. Beta-Glucane/Triterpene): Ohne Standardisierung weiß man nicht, ob es sich um konsistente Qualität handelt oder ob Chargen stark schwanken.
    • Extraktionsverfahren: „Extrakt“ kann vieles heißen. Heißwasserextrakt, Alkoholextrakt, Dual-Extrakt – das macht einen großen Unterschied, weil dabei andere Stoffgruppen im Produkt landen. Ohne diese Info: nicht einschätzbar.
    • Koffeingehalt: Es ist Kaffee + Grünkaffeeextrakt drin, aber ohne mg-Angabe. Für viele ist genau das relevant (Schlaf, Unruhe, Herzklopfen, Angst, Blutdruck).
    • Herkunft der Pilze + Laboranalysen: Das ist bei Pilzen besonders wichtig. Nicht nur wegen Schwermetallen, sondern auch Umweltschutz (Ophiocordyceps sinensis!!! aus dem Himalaya soll auch drinn sein? Das wäre dann Wildsammlung. Oder Labormyzel der Cs-4-Stämme, warscheinlich vermahlen mit dem Substrat? Warum sollte ich sowas trinken? Aber klingt halt hochwertig auf einer Verpackung)

    5) Herkunft/Schadstoffe: Pilze können Belastungen anreichern

    Pilze sind bekannt dafür, dass sie Stoffe aus ihrer Umgebung aufnehmen können – je nach Substrat/Anbaugebiet auch Schwermetalle oder andere Kontaminationen. Und wenn daraus Extrakte hergestellt werden, kann sich eine mögliche Belastung sogar konzentrieren.

    Darum wären wichtig: klare Angaben zur Herkunft (Anbaugebiet, kontrollierter Anbau vs. Wildsammlung), Chargenanalysen (v. a. Schwermetalle) und transparente Qualitätssicherung.

    Wenn das nicht aufgezeigt wird, heißt das nicht automatisch das es belastet ist. Aber es heißt: Ich kann es nicht prüfen – und das ist bei so einem Profit-orientiertem „Premium-Lifestyle-Produkt“ aus meiner Sicht ein Problem.


    6) Erhitzung & hitzelabile Stoffe: Widerspruch bei Probiotika

    Was ich aber inkonsequent finde:

    Es ist ein Heißgetränk – gleichzeitig sind Probiotika drin. Einige Probiotika (z. B. Lactobacillus-Arten) sind hitzeempfindlich. Wenn man das mit kochendem Wasser anrührt, wird der größte Teil davon schlicht inaktiviert. Oder es ust einfach nur dafür da die fancy Zutatenliste zu verlängern- mehr Schein als Sein.


    Gesamtfazit

    Für mich ist das ein marketinggetriebenes „Alles-drin“-Präparat. Es will modern wirken und sich als besonders gesund verkaufen. Gleichzeitig fehlen Informationen, die man bräuchte, um es als wirklich einschätzen zu können.

    Deshalb ordne ich es als risikobehaftetes Lifestyle-Produkt ein: unübersichtlich, schlecht prüfbar, potenziell wirksam und damit nicht so harmlos, wie das Marketing oft tut. Und ja: Solche Trendprodukte sind erfahrungsgemäß auch noch übertrieben teuer.

    Von der Borke und Holzstruktur her, lehne ich mich weit aus dem Fenster und rate Bastard-Schwarzpappel, oder eine Weideart. Es ist definitiv kein Nadelholz.

    Und zum Blobb: ich sehe Schale. Also rate ich Halloween Kürbis, weil ich seh keine Kerne. 😂

    Siehe aktueller Beitrag "Zunderschwamm?" hier im Forum in der Rubrik Bestimmungshilfen



    Da taucht der Fliegenpilz auch in der Diskussion als Heilpilz auf. Dort zwar für äußerliche Anwendung, aber aktuell gibt es sehr viele Menschen die ihn innerlich einnehmen.

    Zitat

    "...Die Entscheidung, ob jemand Tees nun nutzen will oder nicht, muss jede Person für sich entscheiden. Da muss der PSV doch nicht helfen?...Keine Panik..."

    Danke für deine Einordnung. Mir geht es hier nicht um „Panik“, sondern um eine sachliche Beschreibung der Beratungssituation. Die formale Zuständigkeit der DGfM und die Arterkennung als Kernaufgabe des PSV sind mir klar; zugleich kommen viele Ratsuchende mit starken Meinungen und Heilsversprechen aus Social Media. Die Entscheidung zur Nutzung liegt selbstverständlich bei den Leuten selbst – „Helfen“ heißt für mich hier nicht empfehlen, sondern einordnen. Genau diese Einordnung wird in der Praxis beim Thema Heilpilze zunehmend anspruchsvoll.

    Ein Praxisbeispiel aus der Beratung: Menschen kommen nicht selten mit Fliegenpilzen im Korb und wissen oft erstaunlich viel über Inhaltsstoffe – z. B., dass Muscimol GABAerg wirkt und Ibotensäure glutamaterg (also eben nicht anticholinerg). Was häufig fehlt, ist das Wissen über Risiken jenseits der reinen Wirkmechanismen: etwa die Problematik von regelmäßigem, vermeintlich risikolosem „Mikrodosing“, mögliche Langzeitfolgen oder ganz banal die hygienische Seite – dass stark überständige Fliegenpilze sehr real Lebensmittelvergiftungen auslösen können. Ich bin froh, wenn die Leute sich auf ein offenes Gespräch einlassen und erzählen, was sie vorhaben, damit ich wenigstens dazu aufklären kann.

    Ein typisches Beispiel: Oft wird gesagt, Ibotensäure sei der „eigentlich gefährliche“ Stoff (z. B. wegen zytotoxischer Effekte in Zellmodellen), weshalb gezielt decarboxyliert wird, um Muscimol zu erhalten. Was dabei häufig nicht präsent ist: Muscimol ist der zentral wirksame psychoaktive Stoff und kann in höherer Dosis sehr wohl lebensgefährlich sein. Dass auch eine Muscimol-Überdosierung potenziell tödlich verlaufen kann, ist vielen nicht bewusst, weil das Narrativ kursiert, Muscimol sei „harmlos“.

    Das Beispiel ist inhaltlich natürlich heikler als der Birkenporling, soll aber verdeutlichen, worum es mir geht: Viele Menschen haben Teilwissen und feste Überzeugungen, aber blinde Flecken bei Risiken und Kontext. Genau hier sehe ich die Rolle von Beratung – nicht als Entscheidungshilfe im Sinne von „machen oder nicht machen“, sondern als sachliche Einordnung, damit Menschen informierte eigene Entscheidungen treffen können.


    Ich gebe zu das ist jetzt eine große Kurve vom ursprünglichen Thema 😅

    Das offizielle Statement der DGfM hilft mir da nicht, dieses Thema gut zu beraten.

    Hallo

    Doch, das ist sehr nützlich und auch sehr gut gemacht. Die DGfM sollte daraus ruhig einen Flyer machen. Schwarz auf Weiß kommt doch immer gut bei den Menschen an. Hast du nichts in der Hand, glauben bestimmt einige nicht, was du erzählst. Ich bin zwar kein Pilzberater, aber solche Erfahrungen durfte ich machen.

    Ich halte das DGfM-Statement für fachlich korrekt und notwendig. In der Praxis erlebe ich jedoch, dass es bei Menschen mit festen Überzeugungen rund um Heilpilze oft nicht als Einladung zur Einordnung verstanden wird, sondern als Rückzug aus dem Thema. Das erschwert die Beratung. Auf manche wirkt es so, als wolle sich die DGfM nicht tiefer mit dem Thema befassen. Dadurch werden DGfM und PSV von stark vorgeprägten Ratsuchenden oft nicht als ernstzunehmende Gesprächspartner wahrgenommen – gerade bei Fragen zu Risiken von Heilpilzen. Die DGfM erreicht da quasi nicht die Leute die es nötig hätten, sondern nur Leute die eh skeptisch oder sehr vorsichtig sind, dem Thema gegenüber.

    Guten Abend in die Runde,


    was mir beim Thema Heilpilze wirklich Bauchschmerzen macht, ist weniger der Birkenporling oder die Tramete selbst, sondern der Kontext, in dem das Thema seit Corona zunehmend verhandelt wird.


    Es gibt eine große Szene, in der massives Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem mit Verschwörungserzählungen kombiniert wird. Das Thema Heilpilze ist ein aktuell großes Thema in der naturromantischen Rechten „Die da oben wissen, wie heilkräftig dieser Pilz ist, wollen aber nicht, dass wir das wissen.“ Solche Narrative sind in Telegram-Gruppen inzwischen Alltag. Besonders Kombiniert mit den Themen Shamanismus und ein Annahme, dass alles was früher genutzt wurde automatisch wertvoll ist. Das durchaus interessante Ötzi- Beidpiel macht da auch kräftig die Runde.


    Rund um Heilpilze wächst ein Markt, der genau davon lebt: Produkte, Bücher, „Experten“, die mit wissenschaftlicher Rhetorik arbeiten, aber faktisch Marketing betreiben. Das verzerrt die Wahrnehmung enorm und macht es schwer, zwischen plausibler Hypothese, echter Forschung und bloßem Verkaufsnarrativ zu unterscheiden.Das ist gefährlich, weil hier Unwissen und ideologische Deutung zusammentreffen. Komplexe physiologische Zusammenhänge werden auf einfache Geschichten reduziert („stärkt das Immunsystem“, „heilt Entzündungen“), während Unsicherheiten, Risiken und offene Fragen ausgeblendet werden. Der Fliegenpilz z.B. wird sehr stark und unverantwortlich vermarktet gerade. Was ja auch dazu geführt hat, das seit Mai letzten Jahren Muscimol im Schweizer BTM aufgenommen wurde. (Als Freundin der Aufklärung finde ich Verbote an solchen Stellen tatsächlich nicht besonders funtional und gesellschaftlich nachhaltig- führt meiner Meinung nach nur zu einem unkontrollierbarem Schwarzmarkt- aber das ist ein anderes Thema und auch Ansichtsache, da gibt es sicher mehrere valide Perspektiven)




    Dass jemand aus eigenem Interesse, weitestegehend informiert, mit Pilzkenntnis und Selbstverantwortung etwas ausprobiert, finde ich unproblematisch. Problematisch finde ich die strukturelle Dynamik: große Heilsversprechen bei gleichzeitig geringer Datenlage – und eine Szene, die Skepsis gegenüber Wissenschaft mit scheinbar „alternativem Wissen“ ersetzt. Zumal es bei Heilpilzen nicht nur um „giftig oder nicht giftig“ geht, sondern auch um Kurzzeit- vs. Langzeitwirkungen, kumulative Effekte und individuelle Risiken, über die wir noch erstaunlich wenig wissen. Aber das wurde hier schon ausführlicher besprochen.


    Gleichzeitig halte ich es für wichtig, zu sagen: Eine grundsätzliche Skepsis gegenüber dem heutigen Gesundheitssystem und seinen Strukturen ist aus meiner Sicht durchaus nachvollziehbar und in Teilen auch berechtigt. Wie geforscht wird, was erforscht wird – und was eben nicht –, folgt oft Marktlogiken und Verwertungsinteressen und nicht primär der Frage, was der Gesellschaft insgesamt am meisten nützen würde. Das führt zu Schieflagen, die man kritisch sehen kann und sollte. Vor diesem Hintergrund finde ich es sehr verständlich, dass sich Menschen vom medizinischen System entfremden oder ihm misstrauisch gegenüberstehen. Diese Skepsis entsteht nicht aus dem Nichts, sondern aus realen Erfahrungen mit Ökonomisierung, Zeitdruck in der Versorgung, Interessenkonflikten und einer Forschung, die strukturell auf patentierbare Produkte ausgerichtet ist. Kritik daran ist legitim und notwendig.


    Gerade deshalb halte ich unabhängige Expertise für so wichtig: Fachleute, die weder von Heilpilz-Märkten noch von pharmazeutischen Verwertungslogiken abhängig sind, können hier eine vermittelnde Rolle spielen. Sie können Unsicherheiten benennen, Wissenslücken offenlegen und einordnen, ohne entweder in Heilsversprechen oder in pauschale Abwertung nicht etablierter Ansätze zu verfallen. In diesem Sine finde ich diese Diskussion hier wertvoll.


    Ich finde es wichtig, dass das Thema in Expertenforen emotional ruhig und ausführlich besprochen wird. Für mich in der Pilzberatung in einer Großstadt ist das Thema Heilpilze definitiv eine Herausforderung. Es reicht halt nicht als PSV da auf die Liste der Speisepilze zu verweisen. Die Leute nehmen die "rohköstlichen" Pilzpülverchen halt trotzdem und ich sehe da einen großen Aufklärungsbedarf. Das offizielle Statement der DGfM hilft mir da nicht, dieses Thema gut zu beraten. Und meine Augen zu verschließen vor diesem Thema gelingt mir auch nicht.


    Liebe Grüße

    Ria