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letzter Beitrag von Beorn am

Mit seltsamen (!) Röhrlingen wieder nur gespielt ...

  • Hallo,


    auch bei großer Trockenheit wachsen im SW hin und wieder Pilze, leider finde ich dann oft nur so am Stiel getrocknete oder zerlöcherte oder halb aufgefressene Mumien.
    Trotzdem zeigen sie natürlich hin und wieder "schöne" (Geschmackssache ;) )Farben und Formen.


    Die neuerliche Spielerei (1. Spielerei hier) stelle ich trotzdem mal in diesem Unterforum ein, denn es zeigten sich etwas seltsame Merkmale.
    Also bitte nicht über die bei Bestimmungsfragen ungewohnten Fotos (alle sind in 1024 Pixel Breite) wundern - die waren ursprünglich nicht als Anfragen gedacht, zeigen aber trotzdem die noch erkennbaren Merkmale, ansonsten siehe Beschreibung.


    Nummer 1
    am Wegesrand bei Buchen auf Kalk, Hochrhein 450-500 m -
    Oberflächenrest gelblich-oliv (äußersten Kanten oben rechts und unten links im ersten Bild)
    Fleischrest sehr gelblich, noch feucht, an Schneckenfraßspuren rötlich (fast komplette Oberseite abgefressen, 1. Bild),
    Fleisch/ Röhren und Poren schnell und stark blauend, noch relativ gut-pilzig riechend.
    Poren noch gelb ohne rötliche Verfärbung
    Stielrest hellgelb mit rötlicher körniger sehr feiner relativ undeutlicher Netzzeichnung, Netz an einer kleinen Stelle etwas deutlicher, (im 2. Bild ganz links, das war alles was von der Stieloberfläche zu sehen war) so kenne ich viele Netzstielige Hexenröhrlinge bisher (dann immer mit rotem Röhrenboden).


    ABER: hier ist kein roter Röhrenboden, sondern er ist in der Färbung wie das Fleisch, sofort blauend ... höchstens kleine Kanten im Umfeld sind rötlich.
    Habe ich hier so ein seltenes Exemplar von Suillellus luridus mit gelblichem Röhrenboden ... oder habe ich etwas übersehen bzw. falsch eingeschätzt?
    (nichts mitgenommen, keine Amyloid-Rk. :( )









    Nummer 2
    auf schwach bewachsenem Untergrund bei alten Buchen und Eichen auf Kalk, Hochrhein 450-500 m
    2 eingetrocknete Pilze nur ca. 7 cm Hutdurchmesser,
    Oberfläche matt (etwas filzig erscheinend) hell- bis mittelbraun, stark aufgerissen,
    weißes schwammiges Fleisch, an manchen Stellen leichte Rosafärbung (?? im letzten Bild von Nr. 2), intensiver süßlicher Geruch
    Röhren und Poren gelb-braun-olivlich ...
    Ich gehe von mickrigen Sommersteinpilzen aus (fand ich an dem Ort auch schon mal), Boletus reticulatus / aestivalis.
    Stiel eher dünn und lang, helles Netz, ABER: weißes Stielnetz nur an Stielspitze deutlich zu sehen,
    der restliche Stiel erschien ungenetzt - oder aber irgendwie durch Trocknung wie längsgerieft.








    Nummer 3
    stand dann in der Nähe, ein etwas größeres Exemplar von Boletus reticulatus , ca. 12 cm Durchmesser, noch nicht so eingetrocknet, da sieht man die Stielzeichnung auf dem gesamten Stiel gut.





    Nummer 4
    stand auch in der Nähe ... und ich dachte, guck' an, der ist ja gar nicht eingerissen ... aber das ist ja auch ein ganz anderer Pilz:
    für hiesige Verhältnisse ein großer Pilz ca. 15 cm Durchmesser,
    Oberfläche relativ glatt (aber mit einem matten "Glanz", also keinesfalls filzig, sondern völlig kahl) gelblich-oliv mit rötlichem Stich (im 1. BIld rechts unten ist der Hutrand), Huthaut im Schnitt direkt unter der Oberfläche orange erscheinend (3. Bild)
    Fleisch im Hut (da wo er schon länger aufgerissen war) erschien weißlich, neu aufgerissen zeigte sich im äußeren Hut ein weißlich-gelbliches Fleisch, mit rötlichen Streifen eingelagert, aber auch sehr schnell deutlich blauend war, Geruch schwach pilzig
    Röhrenboden gleichfarbig zum Hutfleisch, Röhren und Poren schon alt (irgendwie gelb-braun-rot-blau)
    Stieloberfläche nur OBEN mit rötlichem Bereich , ansonsten gelb/ olivgelb - etwas filzig aufschuppend darunter weißliches Fleisch, keine Körnchen, kein Netz, Stiel außen auch nicht deutlich blauend (Trockenheit ?).
    Stiel für Hutgröße extrem kurz und ziemlich dick, ganz unten bräunlich, zugespitzt und leicht wurzelnd.
    Stielfleisch von unten bis oben tief dunkel rot und blauend (5. Bild). Die rote Farbe zog sich auch etwas in das mittige Hutfleisch hinein (4. Bild).
    .... Suillellus queletii ?? - Glattstieliger Hexenröhrling (wegen Stiel innen und außen) ... das wäre wieder ein pers. Erstfund, die Hutoberfläche passt aber nicht so gut (oder doch, wg. des Alters?)
    Auch hier habe ich nichts mitgenommen, keine Amyoloidreaktion getestet. :(


    Was meint ihr zu den "Hübschen" ? :)







  • Hallo Abeja,
    sehr gut wäre es nach meiner Meinung, wenn man jeweils irgendwo auch mal den ganzen Pilz sehen könnte, und perfekt, wenn man ein Längsschnittbild von ganz oben bis ganz unten hätte. Das würde deine guten Detailaufnahmen bestens ergänzen.
    FG
    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hallo Abeja, wenn ich Deine Spielerei so ansehe, finde ich alte Pilzmumien auch ganz hübsch. Aber ein Ganzkörperfoto wäre schon ganz nett, da stimme ich Oehrling zu.


    Lieben Gruß Claudia

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

  • Moin!


    Ja, so ist es aber definitiv kniffliger. ;)
    Also hier mal meine Tips:
    1 = >Boletus luridus<
    2 = >Boletus radicans<
    3 = >Boletus aestivalis<
    4 = (besonders knackig ohne bestimmungsrelevante Bilder) ist vermutlich was ganz normales, was nur untypisch verwittert ist, aber wayne... Da darf man auch mal wild spekulieren, und ich sage mal Boletus lupinus (= Rubroboletus lupinus, mal ein Fall, wo mir die "neue" Taxonomie morpholigisch gar nicht passt für einen stark blauenden, ungenetzten Rotporer)


    Bin mal gespannt auf die Auflösung. :)



    LG; Pablo.

  • Hallo,


    danke für die Antworten .... :)
    und jetzt bringt ihr mich wieder richtig ins Rotieren ... :D


    was ich ja oben schrieb, bedeutete eigentlich:
    es gibt gar keine nach allen Regeln der Bestimmungskunst erstellten Bilder - und deshalb gibt es vielleicht auch gar keine "Auflösung" -
    Grund war teilweise der Zustand der Pilze, teilweise hielt ich die Pilzarten auch für leicht erkenntlich bis auf Nr. 4., teilweise habe ich auch den Schnitt vergessen und bei den Mumien wirklich primär die Fotospielerei im Kopf gehabt. :shy:  
    Für den letzten Pilz (der mir so seltsam vor kam) bin ich extra noch mal in den Wald zurück, um das Stielstück zu suchen (ich hatte 10 m weiter im offenen Licht die anderenTeilstücke fotografiert).


    Aber ich kann natürlich die größtmögliche Übersicht zeigen:
    Nr. 1
    von oben, das Stielstück (war nur ein halber Stiel, die andere Hälfte weggefressen, da war nichts mehr zu durchschneiden, die Stielbasis war aber nicht rot oder so), Blauung war überall auffällig ... mir fehlte da eben nur der erwartete rote Röhrenboden ... also Suillellus luridus ... o.k. (MIT GELBEM RÖHRENBODEN) ?






    Nr. 2
    einer von oben und von unten, dann der rechte Pilz im Detail.
    Ich war/ bin da eigentlich immer noch von Sommersteinpilz überzeugt ...
    @ Pablo: wie kommst du da auf Boletus radicans (weil der nur oben Netz hat und unten nicht? Und manchmal eine leichte rosaliche Verfärbung?
    Aber der wäre doch deutlich gelblicher am Stiel, würde blauen irgendwo und eher seltsam riechen?
    Die Art hatte ich bisher einmal, sah für mich schon anders aus - deutlich blauend, aber auch mit recht unspezifischem Geruch, jedenfalls nicht so süß-pilzig , nicht wie trocknender oder gammelnder Steinpilz.


    Im Vergleich zu Nr. 3 erschienen mir die beiden von Nr. 2 identisch (Aufreißen und Oberflächenstruktur des Hutes, farblich sehr ähnlich, Geruch identisch) , Schnitt durch den Stiel habe ich nicht gemacht, weil beim Herumfetzen am Hut keinerlei Verfärbung in blau o.ä. zustande kam.
    Mich wunderte nur das schwach ausgeprägte Netz - kann aber eine Täuschung sein durch Trockenriefung und dieses leichte Rosa, das ist aber ganz schwach nur zu sehen (weil es vom Sommersteinpilz heißt: keinerlei Verfärbung.)
    Geschmack habe ich ... natürlich ... nicht probiert, aber der Geruch war für mich typisch uralter Sommersteinpilz - extrem stark süßlich-pilzig.
    Stielbasis habe ich auch nicht richtig... ist mir aber nichts Besonderes aufgefallen.







    Nr. 4
    @ Pablo, aus welchen Gründen schließt du den Glattstieligen Hexenröhrling aus (oder schließt du ihn nicht aus ?) - welche Arten haben denn so ein extrem dunkelrotes Stielfleisch (hier sogar komplett und nicht nur unten) außer Suillellus queletii ... der Wolfsröhrling doch nicht ... oder ist das alles so variabel?
    Bei dem Pilz habe ich nur die Seite und den Schnitt relativ komplett, die Oberfläche kommt im oben eingestellten Detailbild sehr gut herüber (bzw. ich habe nicht den kompletten Pilz von oben fotografiert, der war weit und flach ausgebreitet und ich habe den auch nicht vor Ort von der Seite fotografiert , der war mit dem Hut so flach über dem Boden ... mir kam es da darauf an, im Detail die Farbe einzufangen).





    Besser so :hmmm:;) ?

  • Hallo Abeja !


    Wegen dein Röhrling nr 4.


    Boletus lupinus ist in keinen fall nicht , mir ist bekannt , sieche Bilder ,


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    Letztes Jahr (Mai) ich habe in Kroatien - Mediterranraum ein Röhrling sehr ähnlich an dein nr 4 gefunden , sieche Bilder


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    Boletus queletii ist nicht , ich glaube das deine nr 4. ist B. queletii auch nicht . Ein ungewöhnliche Netzhexe mein und auch dein Röhrling ist auch nicht .


    Ich habe an ein typ angekommen , Boletus caucasicus . Über diese Pilz gibt zu wenig irgendwelche gute Infos und Bilder . Ein Fantom .


    Ich habe etwas in Website über diese Fantom gefunden . Stiel ist variabel , kann sein glatt (wie bei dein Fund) , auch kann sein sehr fein schuppig (wie mein Fund),
    Stiel Fleisch bei schnitt ist kräftig rot , wie bei dein und mein Fund . Andere merkmalle (dein und mein Fund) auch passen .
    Es ist sehr schwer etwas siecher bestimmen aber ? Leider ich habe kein Exsikkat .




    Website mit B. caucasicus Bild


    -https://commons.wikimedia.org/…e:Boletus_caucasicus.jpeg


    Website mit Beschreibung ,


    -http://www.funghiemicologia.com/phpBB3/viewtopic.php?t=16443



    @ Abeja , Unsere Funde sind nicht ungewöhnliche Netzhexen , auch nicht Glattstielige Hexen , probierst du über B. caucasicus weiter suchen weil mir ist etwas wegen Spräche kompliziert .


    LG beli !

  • MoinMoin!


    OK, erstmal das Eindeutige: Bei -2- lag ich daneben: Das ist ein glasklarer Sommersteinpilz. :alright:
    Keine Ahnung, wo die Rottöne herkommen, ist aber wohl einfach nur einem Verwitterungsprozess geschuldet.


    -4- ist komplizierter.
    Beli hat in dem Punkt recht: Ein Wolfsröhrling sollte das nicht sein. Da fehlen die roten Punkte außen an der Stielbasis und innen ist es wohl zu viel rot. Wobei der auch schon mal innen in der Stielbasis rotfleckiges Fleisch haben darf. Dieser rote Kragen an der Stielspitze könnte zudem darauf schließen lassen, daß der Stiel auf einer größeren Fläche mal rot gefärbt war, also bevor der Fruchtkörper sich angefangen hat zu zersetzen. Zudem: Es ist doch ein Gelbporer. Dieses fleckenweise rostrote Anlaufen von Poren und Röhren ist bei uralten Schlappen diverser Gelbporer typisch, bei den echten Rotporern sieht das im Alter tendeziell anders aus.
    >Boletus queletii< ist das jedoch auch nicht: Der wird in dem Alter von der Stielbasis her deutlich rot, und zwar außen am Stiel. Auch der ganze Habitus des Pilzes spricht dagegen. Und auch da wieder: Vermutlich kein "echter" Rotporer.
    Was dann übrigens auch Netzhexen ausschließen müsste.
    Eine Auffälligkeit ist in der Tat die Stielrinde mit dem wattigen, feldrig aufplatzenden Filz. Ob das hier auch ein "Verwitterungsmerkmal" ist, fällt mir schwer einzuschätzen. Jedenfalls passt es im grunde zu keinem bekannten Dickröhrling (im alten, weiteren Sinne) besonders gut.
    Wenn ich mich aufraffen müsste, dem wenigstens noch einen näherungsweisen Namen zu geben: Dann würde ich da auch Boletus radicans dranschreiben, denke ich. Mit großem Fragezeichen, weil die Struktur der Hutoberfläche nicht wirklich dazu passen will, denn die wird bei der Art normalerweise gerne und rasch grob schülferig-schorfig, im Alter und in Hitzephasen platzt sie oft richtig sommersteinpilzartig auf. Allerdings sind mir schon auch mal ziemlich glatthütige Exemplare in die Hand gefallen, siehe zB zweites Bild im Portrait.
    Optionen gibt es schon, aber die wären recht weit hergeholt. Mit dem rosa überhauchten Hut könnte man zB an Boletus kluzakii (= Caloboletus kluzakii) denken, der aber bisher nur aus Tschechien bekannt ist, glaube ich.
    Stielnetz und -farben dürften bei dem ebenso variabel ausgeprägt sein wie bei seinem wesentlich häufigeren Bruder, der verlauf der Hutfarben sollte da ein wesentliches Trennmerkmal sein. Aber das wären jetzt reine Phantasmen, ich glaube es gibt angesichts des Alters des fruchtkörpers keine bessere Möglichkeit als ein Fragezeichen dran zu schreiben und zu guicken, was an der Stelle an Frischpilzen auftaucht.


    Was deinen mysteriösen, gelbhütigen Fund betrifft, Beli: Das ist ziemlich sicher eine Netzhexe (Boletus luridus). Bataille - Linie ist kein Muss für die Art (auch wenn ich da eine zu erkennen glaube), auch das Stielnetz ist bei Netzhexen nicht immer deutlich und kann gelegentlich komplett fehlen. Zumal ich hier glaube, daß die Grundstruktur des Netzes am Stiel noch ganz gut erkennbar ist, sie deutet sich vor allem da ab, wo der Stiel nach Berührung ordentlich bläut.
    Boletus caucasicus ist vermutlich ein Phantom. Zur Originalbeschreibung gibt es keinen Beleg, die Beschreibung selbst ist sehr knapp und nicht aussagelkräftig genug, um sie zB von verschiedenen Formen von Boletus luridus sicher abzugrenzen.
    Es kann gut sein, daß es in Südosteuropa noch weitere, bisher unbekannte oder nicht klar definierte Röhrlingsarten gibt. Aber da müsste man auch aussagekräftige Beschreibungen haben, mit Typusmaterial, das sequenziert werden kann, ordentlichen morphologischen Dokumentationen usw.
    Das Taxon "Boletus caucasicus" wird man für diese Arten aber kaum verwenden können, weil es wohl einfach nicht mehr sicher nachvollzogen werden kann, was für einen Pilz Singer damals wirklich beschrieben hat. :(



    LG, Pablo.

  • Hallo,
    ich danke euch für die Überlegungen - o.k. es bleibt bei Boletus fragezeichus ... ist ja auch was Spannendes.


    In der kleinen Ecke im Wald habe ich schon einiges Interessantes gefunden, aber manchmal ist auch alles wie leergefegt (aber geregnet hat es jetzt ja mal.)

  • Hallo, Abeja!


    Ein Wald mit Bitterröhrlingen drin macht auf jeden Fall mal einen kalkigen Eindruck.
    Warten wir mal ab, wenn sich der Regen der letzten tage (und der, der hoffentlich bis Sonnatg noch fällt) auswirkt, dann kann's in der zweiten Wochenhälfte und am nächsten Wochenende noch was geben.



    LG; Pablo.

  • Hallo, Jörg!


    Stimmt. Das war (und ist) einfach viel zu viel.
    Aber Abeja ist Luftlinie knapp 700km von Berlin entfernt. Die Regenmengen sind mal wieder sehr ungerecht verteilt, und so ist es für alle Mist. >Im Südwestlichsten Eck< könnte gut noch mehr runterkommen, die meisten Gegenden um >Berlin, Brandenburg und Süd - Mecklenburg< könnten gut was abgeben, das ist echt extrem. :eek:



    LG; Pablo.

  • Hallo Pablo,


    die Regenmengenverteilung ist wirklich katasrophal. Bei der nächsten Wahl sollte Petrus abgewählt werden. Der hat ja überhaupt keinen Überblick mehr :D . Bei mir wurden zum Glück 33l/m ² über zwölf Stunden gleichmäßig verteilt. Da sollte in den nächsten Tagen ordentlich etwas pilziges kommen. Bei dir sieht es ja in diesem Jahr auch gar nicht so wüstenmäßig aus.


    VG Jörg

  • Stimmt...


    ...aber auch da gibt es eine ungleichmäßige Verteilung: Vieles von dem Regen bisher im Juni (mal abgesehen von den letzten drei Tagen) kam als Sturzflut während einzelner gewittriger Schauer runter. Da geht einmal kurz die Schleuse auf und Schwapps... Davor gab's halt lange Zeit keinen Tropfen bei teils um die tausend Grad, heißt also einen isolierten Starkregenschauer kann der Boden gar nicht aufnehmen. Von den - ma sagn - 15 Litern/Meter bei einem Gewitterchen dringen vielleicht so um die 10% effektiv in den Boden ein, der Rest fließt halt ab und das war's.
    Aber besser als nix und ich bin ganz zuversichtlich, daß es hier demnächst ganzu gut aussieht.



    LG; Pablo.

  • Hallo Abeja!
    Wieder ein gelungenes Farben- und Formenspiel, das Du uns aus Deinen "merkwürdigen" Röhrlingen herausfotografiert hast. Besonders gut gefällt mir Bild 3, mit seinem Wechsel von Gelb, Blau und Honig.

  • Hallo,
    inzwischen bin ich auch ... relativ ... überzeugt, dass es sich bei "Spielerei-Bolet" Nr. 4 um den Wurzelnden Bitterröhrling handelt (auch mangels besserer Alternativen)-


    Mehrfach habe ich da schon geschaut, ob ein neuer Pilz in dieser Waldecke kommt (und trotz Regen wächst extrem wenig)
    ABER ich kann nun einen kleinen Boleten zeigen (erst Mumien, dann Babies ... :D )


    Das Pilzchen war winzig, madig, halb abgefressen, gelblich-ockerlicher filziger Hut, hellgelbe Röhren (noch geschlossener Hut), hell-gelbliches Fleisch, Stiel leicht punktartig-körnig-schuppig ohne sichtbares Netz, deutlich zugespitzter basaler Bereich, wurzelnd.


    Im Schnitt: nirgendwo blauend (mmmmhhh....), sehr schnell rosa anlaufend, später leicht grau-rosa aussehend
    Geruch neutral
    Geschmack: würzig (nicht stark bitter) , nach längerem Kauen leicht bitter (aber nicht so, dass ICH es als sehr unangenehm empfinden würde)
    Winziges Stück in der Pfanne mit Butter geschmurgelt, um den Geschmack heraus zu kitzeln: keine Veränderung, leichte Bitterkeit bei längerem Kauen.


    Ist das nun ein Baby vom Wurzelnden Bitterröhrling, Boletus/ Caloboletus radicans (bei Buchen und Eichen auf Kalk, Hochrhein) TROTZ der fehlenden Blauung - oder habe ich etwas übersehen - oder kann man nichts Belastbares zu dem kleinen Pilz sagen?
    Er wuchs ca. 5 m entfernt vom Fund von Nr. 4.


    Bilder sind 1200 Pixel hoch (klick!)



    Verfärbung sehr schnell, innerhalb von 10-20 Sekunden, sowohl im "Hut" als auch im Stiel


  • Im Schnitt: nirgendwo blauend (mmmmhhh....), sehr schnell rosa anlaufend, später leicht grau-rosa aussehend
    ...
    Verfärbung sehr schnell, innerhalb von 10-20 Sekunden, sowohl im "Hut" als auch im Stiel


    Servus abeja,


    das sieht sehr nach Leccinellum crocipodium aus. Mich wundert nur das mit dem bitteren Nachgeschmack.


    Zur Diskussion weiter oben:
    Boletus kluzakii ist nicht nur aus Tschechien bekannt, sondern beispielsweise auch in Südschweden gefunden worden (von Werner Edelmann - Fotos in meinem Boleten-Artikel in der Mycol. Bav.). Die "Nr. 4" ist aber sicherlich kein Boletus kluzakii. Für mich ist das zudem eine nicht bestimmbare Leiche.


    Zu Boletus caucasicus - ja, irgendwie ein Phantom. Ich habe schon mehrfach Suillellus luridus mit gelbem Röhrenboden gehabt. Aber bei allen war das Fleisch amyloid (im Mikroskop: Stielfleisch mit Melzers Reagenz färben - die Septen und teils auch andere Zellwandbereiche werden blau). Ich glaube erst an "Boletus caucasicus", wenn ich einen völlig inamyloiden "luridus" vor mir hätte.
    Suillellus luridus kann auch ganz ohne Netz vorkommen - wie bei den Bildern von beli 1
    Den Wolfsröhrling habe ich leider noch nie in der Hand gehabt - aber die Fotos von beli 1 zeigen genau das, was ich aus der Literatur als Wolfsröhrling kenne (tolle Bilder!)


    LG
    Christoph

  • Hallo Christoph,


    ist die Trennung von C. radicans denn molekularbiologisch abgesichert? C. kluzakii wurde zwar anscheinend jüngst sequenziert, aber bemerkenswerterweise taucht die Art nicht in der phylogenetischen Studie zur Gattung Caloboletus von Zhao et al. (2014), insbesondere auch nicht in den dort publizierten Cladogrammen und Schlüsseln auf, obwohl die Autoren die Erstbeschreibung von Sutara & Spinar (2006) im Literaturverzeichnis aufführen und authentisches Material dieser acht Jahre zuvor publizierten Art doch wohl verfügbar gewesen sein müsste.


    Meine Skepsis rührt ferner auch daher, dass
    - man z. B. auch bei Rubroboletus satanas Fruchtkörper mit roter Subkutis beobachten kann
    - eine weitere rosahütige "LuÄní-Art", Boletus spinarii HlaváÄek, sich inzwischen DNA-analytisch als bloße Farbform von Rubroboletus legaliae herausgestellt hat


    Grüße, Jürgen

  • Hallo, Jürgen!


    Danke für die interessanten Literaturhinweise. :alright:
    Da der Beschreibung von Caloboletus kluzakii tatsächlich keine phyllogenetischen Analysen zugrunde liegen, und sich die Trennung von Caloboletus radicans nur aus den Unterschiedlichen Färbungen der Subcutis abzuleiten scheint, ist die trennung natürlich schon etwas wackelig. Man müsste halt selbst mal sowas in der Hand haben (und dann auch mal ein Sequenzchen rauslesen lassen)...
    In der Arbeit von Zhao et al.: Kann es sein, daß dort "Boletus kluzakii" einfach übersehen wurde?
    Wenn die Autoren nicht auf die Art gestoßen sind, bzw. das Taxon nicht als zu Caloboletus erkannt haben, dann hätten sie gar kein Typusmaterial zur Sequenzierung angefordert. Es findet ja auch keine Synonymisierung statt, wenn ich das richtig verstanden habe. Zudem da ja auch noch aus Griechenland sowas wie "Boletus polygonius" beschrieben sein soll, was wohl auch eine Form von Caloboletus calopus sein könnte, das Taxon scheint bei Zhao et al. auch nicht berücksichtigt zu sein.


    LG; Pablo.


  • In der Arbeit von Zhao et al.: Kann es sein, daß dort "Boletus kluzakii" einfach übersehen wurde?


    Hallo Pablo,


    nein, die Art wurde weder übersehen noch als nicht zu Caloboletus gehörig verkannt. Wie ich oben geschrieben habe, führen Zhao et al. die Publikation von Sutara/Spinar (2006) in ihrem Literaturverzeichnis auf, wofür es andernfalls nicht den geringsten Grund gäbe.


    Grüße, Jürgen

  • Hallo,
    danke Christoph, für den Hinweis auf Leccinellum crocipodium. Das wird es sein, passt haargenau ... oder eher krümelgenau (die Körnchen am Stiel) und die Verfärbung (rosa, dann grau, dann später schwärzlich)...


    Wahrscheinlich war ich so sehr von meiner Bitterröhrlingsidee über"mannt", dass ich da was anderes hinein interpretieren wollte - vor allem wg. des extra langen Stiels+ Wurzel. Heute dachte ich noch... das sind ja eigentlich Körnchen auf dem Bild - wie sich das wohl weiterentwickelt hätte...


    schönstes Vergleichsbild :)
    https://www.myko.cz/files/myko…/0066-2009-0000-0481p.jpg


    Dann ist das mein ERSTER Leccinum/Leccinellum ÜBERHAUPT (so "ärmlich" ist das hier) - und dann noch eine relative (?) Rarität ... und ich rupf ihn heraus. Na ja, groß und schön wäre der sowieso nicht mehr geworden, vorne war Fassade, hinten weggefressen.


    Mit der Bitterkeit ... die war wirklich sehr schwach und kam mit starker Verzögerung (und ich habe noch keine Erfahrung mit der Bitterkeit von Bitterröhrlingen, mein bisher erstes und einziges Exemplar davon ... da hatte ich die Bitterkeit nicht wahrgenommen, allg. nehme ich Bitterkeit schon wahr, z.B. bei den Schwefelköpfen, grüner S. stark bitter, ziegelroter S. schwächer bitter.)
    Man hätte das auch einfach als "Würze" bezeichnen können, aber der Geschmack war eben nicht nur sanft und mild im "Abgang".

  • Hallo, Jürgen!



    Wie ich oben geschrieben habe, führen Zhao et al. die Publikation von Sutara/Spinar (2006) in ihrem Literaturverzeichnis auf, wofür es andernfalls nicht den geringsten Grund gäbe.


    Oh, na klar!
    Soviel also zum Stcihwort "genau lesen". :eyesshut:
    Damit bleibt in der Tat nur noch die Frage offen, ob und wenn nein warum nicht das "Typusmaterial" untersucht wurde.
    Das hätte Klarheit schaffen können. Aber vielleicht holt das ja irgendwann mal jemand nach...



    LG; Pablo.

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