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letzter Beitrag von peri am

Der 35. Mai

  • Hallo, Forum!


    Der 35ste Mai ist eigentlich erst übermorgen.
    Dennoch in nicht ganz scherzloser Stimmung hatten wir uns schon am 31. Mai (vorgestern, wenn ich richtig gerechnet habe) getroffen, um keine Pilze zu finden.
    Es kam dann etwas anders.


    Colline Buchen- und Buchenmischwälder auf +/- sauren Böden waren das Ziel (die Ziele), die sonnenexponierten Südhänge auf knochentrockenem Bundsandstein und die feuchten (bis nassen) Täler und Wegränder dazwischen.
    Wir haben nach Murphy gesucht, also: Davon ausgehen, daß keine Pilze zu finden sind, und dann doch ein paar entdecken.


    Anfangen tue ich mal mit einem teil der Bilder.
    Zum Beispiel diesen Moffelyaks (Highlandrinder), die ich irgendwie gerne mag:


    Und Schachtelhalm:


    Holzbraunporling (Phaeolus schweinitzii):


    Rothütiger Steinpilz (Boletus pinophilus):


    Orangeroter Helmling (Mycena acicula):


    Ein noch nicht näher bestimmter, vermeintlicher Antropilz:





    Der ist nicht mehrjährig, der tut nur so. Die frischen Fruchtkörper wachsen nicht aus den alten heraus, sondern wachsen mit eigenem Subikulum und Kontext über die alten drüber. Der Nadelholzstamm hat Mischfäule (weiß und braun), da sitzt halt so einiges an Pilzen dran.
    Die frischen Fruchtkörper sind unreif, zeigen nur Reihen von Basidien ohne Sterigmen, dazwischen gelegentliche Zystidiolen, dimitisches Hyphensystem, Schnallen, fast volle und stellenweise stark inkrustierte Skeletthyphen (in KOH & Melzer unveränderlich). Die Stäbchen - Sporen stammen aus den alten Fruchtkörpern.
    Wenn denn überhaupt beides das Selbe ist. Das wäre noch zu untersuchen.


    Scutellinia sp (--> Scutellinia cf crinita; Merci, Ralf!):






    Am Wegrand in einer feuchten Fahrspur auf Erdboden, kein Kontakt zu Holz. ich habe keine Ahnung von dieser Gattung und auch keinen vernünftigen Schlüssel. Könnte S. crinita oder sonstwas sein. Die Haare sind so bis 1,5mm lang, die Sporenwarzen teils isoliert, teils mit deutlichen Anastomosen.


    Frühes Stielbecherchen (Hymenoscyphus vernus):






    Und diesmal wohl auch das richtige (wenn auch etwas langstielig), und ich denke wohl was Anderes als >der hier<.
    Auch wenn Vieles ähnlich ist, aber die Farbe, die Sporen, die Wuchsweise: Da sind schon ein paar Unterschiede.
    Hier auf den Bildern schlecht zu sehen: IKI+, aber sehr schwach & Haken -.


    Ein bisschen mehr kommt die Tage noch, Pilze aus dem Sumpf. Also nichts besonderes.
    Vieles habe ich gar nicht aufgenommen, so Wulstlinge und Boleten und so.
    Vielleicht hat jemand sonst noch Bilder davon?
    Anna?
    Lea?
    Stefan?



    LG, Pablo.

  • Hallo Pablo!
    Das mit Murphys Gesetz hat doch prima funktioniert auf Eurer Tour und vielleicht kommen ja noch ein paar Tourbilder zusammen?!

  • Hallo Pablo,
    sieht nach einer feinen Tour aus :alright:
    Das Bild des Braunporlings gefällt mir grandios gut.
    Schön, dass sich überall in Deutschland schon die Röhrlinge zeigen, bei uns ist noch absolut Fehlanzeige was das angeht.....







    ja finde ich auch, tolle Sachen habt ihr gefunden! Schildborstlinge stehen auch noch auf meiner Wunschliste


    Die sind eigentlich nicht schwer zu finden, einfach mal tiefe Reifenspuren im Wald absuchen oder noch einfacher nassliegendes Totholz. Ich finde sie derzeit oft an Ästen die irgendwie teilweise im Wasser liegen, mal an Waldtümpeln, mal an kleinen Bächen oder größeren Pfützen.....

  • Hallo, Tuppie, Juliane & Björn!


    Danke. :)
    Die Röhrlinge kommen, aber momentan noch recht vereinzelt. Das ist zur Zeit schwierig ohne entsprechende Standorte zu kennen.
    Schildborstlinge sind an und für sich nicht selten (siehe Tips von Björn), aber das waren die ersten, die ich in diesem Jahr gesehen habe. Es war eben doch zu trocken in der Zeit davor.


    Und Bilder habe ich noch ein paar, wenn auch nicht die besten. Was jetzt noch kommt, stammt aus dem Morast. Das war nicht so prickelnd, ohne entsprechende Ausrüstung und Stativ (war mehr auf trockenen Wald eingestellt).
    Die schöneren Bilder hat sicher Anna, das kann aber noch ein paar Tage dauern (wegen außermykologischen Tätigkeiten).
    Lea hat vielleichauch noch ein paar Gute.


    Der folgende Pilz stammt nicht direkt aus dem Sumpf, sondern ein Stück höher am Hang, wo allerdings ein kleines Quellrinsal entspringt. Feucht ist es da auch ordentlich, Erlen stehen zwischen Hainbuchen, Fichten und Birken.


    Das Pilzchen heißt Gemeiner Erlenmilchling (Lactarius obscuratus):






    Neben dem Standort, den kleinen Fruchtkörpern und den Olivtönen im Bereich des Hutbuckels zeichnet der nasse bis feuchte Standort bei Erlen den Pilz makroskopisch aus. Die Milch sollte weißlich und mild sein, dieser wollte keine hergeben.
    Mikroskopisch ist da auch die Huthaut mit reichlich globosen Zellen in der obersten Schicht wichtig.


    Der eigentliche Sumpf ist das Bachbett in der Talsohle, hier stehen fast nur Erlen, der Boden ist tief verschlammt, Binsen und vermoderndes Holz bilden die einzigen sicheren trittmöglichkeiten.
    Und hier wachsen auch die interessantesten Pilze, leider schwer auf Bild zu bekommen.


    Rostbrauner Flockenschüppling (Flammulaster ferrugineus):






    In mehreren Kollektionen auf oder knapp neben moderndem Laubholz. Auffällig hier sind die düsteren Farben, der im Alter geriefte Hutrand, die körnige Hutmitte und wollige Velumschuppen zu den Huträndern hin. Mikroskopisch ist die Huthaut freilich ein Hingucker, die eher kleinen, recht stark pigmentierten Sporen sind zur Artbestimmung wichtig (so man den noch nie gefunden hat und schlüsseln muss). Ansonsten: Reichlich Cheilozystiden, keine Pleurozystiden, Basidien viersporig, Schnallen überall vorhanden.


    Geriefter Sumpfschnitzling (Naucoria striatula):





    Ein Mykorrhiza - Pilz der Erle an nassen Standorten, ebenfalls mit recht trüben, düsteren Farben und gerieftem Hutrand.
    LBMs eben. ;)


    Die anderen beiden, die ich och untersucht habe, sind derzeit ziemlich "in" und wurden erst kürzlich auch in viel schöneren Makrophotos von Karl W sowie von Schwammer - Dieter & Mreul gezeigt.


    Sumpfhaubenpilze (Mitrula paludosa):




    Und wo der wohnt, ist auch der kleine helle nicht weit. Vielleicht hat ihn auf dem Gruppenbild schon jemand entdeckt.
    Wasserkreisling (Cudoniella clavus):





    Der sieht ja dem oben vorgestellten Frühen Stielbecherchen (Hymenoscyphus vernus) recht ähnlich, macht aber alles grade umgekehrt: Cudoniella clavus hat eine negative Iod - reaktion der Ascusspitzen (nur an ein oder zwei Asci ganz schwach etwas zu sehen), dafür hat er Haken. Er mag es statt einfach nur feucht am liebsten klatschnass, dafür sind die Sporen aber etwas größer.


    Soweit mal mit den Pilzen.



    LG, Pablo.

  • Hallo Pablo,
    tolle Funde! Wie Du Dir denken kannst, kenne ich die Rinder auch höchstpersönlich...
    Na wenn es schon Kiefernsteinpilze gibt, dann muss ich morgen auch mal auf die Pirsch gehen...
    LG, Gerd

  • Lieber Pablo,


    mundoffenstaunend, ein gelungener Bericht :)


    Wäre gerne mit dabei gewesen, auch beim mikroskopieren.


    LG


    Peter

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    Es reicht ein Hut aus Zunderschwamm als Statussymbol. Brennt nur der Kopf, wenn der Blitz einschlägt.

    Chips: 52 - 5 für Pablo = 47

    47 - 10 für APR 2019 = 37,000

    + 5 ausm APR = 42

    - 20 für die Leistungsträger,

    22. Ingo mag nicht, = 27.

    Einmal editiert, zuletzt von Habicht ()

  • Huhu :)


    meine Bilder sind zwar nicht besonders gut gelungen, aber ein paar sind ganz okay. Die Schönfüße und die Hexen lasse ich mal weg.



    Fichtenspargel (Monotropa hypopitys), für mich ein Erstfund, sehr spannende Pflanze.



    Die ersten Pfifferlinge (Cantharellus cibarius), ich war sehr erstaunt, dass wir welche gefunden haben, wobei mir schon bewusst war, dass man die bereits im Mai finden kann.



    Der rothütige Steinpilz (Boletus pinophilus), der so groß war, dass ich ihn schon aus (gefühlten) 300m Entfernung entdeckte (könnten auch 50 gewesen sein). Zum Größenvergleich mit im Bild, Pablos Patschehändchen (Manopatschus pabloii).



    Gleich noch mal, weil er so schön ist :)



    Leider mussten wir ihn entsorgen, weil auf der Hälfte ein seltsamer Belag war, vermutlich Schimmel.


    Und zum Schluss die Sumpfhaubenpilze (Mitrula paludosa), die fast unmöglich zu fotografieren, ohne das Handy, die Füße oder den Hintern in den Matsch zu stecken :D das hier ist ganz passabel, mein Handy hat es überlebt und ist nicht nass geworden :)



    LG Lea :sun:

    [font="Papyrus"]Wahrer Mut bedeutet nicht, Leben nehmen zu können, sondern es zu bewahren.


    - Gandalf
    97 Chips
    [/font]

  • Hallo Pablo,


    schöne Funde und wunderbar mikroskop. vorgestellt. :alright: Aber warum der 35. Mai? Wolltest du bestimmte Funde noch unbedingt im Mai haben? :freebsd:


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo, zusammen!


    Schöne Bilder sind das geworden, Lea!
    Geht echt ganz gut mit dem I-Phone. :alright:
    Den kleinen Schwarzblauenden hast du nicht auf Bild? Schade, der hätte doch auch ein Platzerl bekommen sollen. Ich weiß nicht, ob Anna den hat. Bei den Schönfüßen bin ich sicher, daß sie davon Bilder gemacht hat.
    Ich kann mal noch den hübschen Flocki ergänzen:


    Danke euch auch für das Lob!
    Ist natürlich schon etwas Glück dabei mit all den Funden und die Stellen muss man kennen.
    Bei den Mikros könnte man auch noch Vieles besser machen (siehe zB Mikrobilder von Matthias), aber hauptsache, man erkennt mal ein paar Details. ;)


    "Der 35. Mai" ist in Anlehnung an ein Kinderbuch von Erich Kästner gewählt, das ich als Kind gerne gelesen habe.



    LG, Pablo.

  • Hi.


    Kein Schwarzblauender...
    Schade, war doch die seltenere rosahütige Form.
    Egal, beim näcshten Fund dann.


    An S. crinita dachte ich auch, aber da bin ich viel zu unsicher in der Beurteilung. Die Sporen maßen reif 18-22x11-14 bei etwa 20 gemessenen Sporen, wobei mich vor allem die großen und die kleinen interessiert haben.



    LG, Pablo.


  • ... Und zum Schluss die Sumpfhaubenpilze (Mitrula paludosa), die fast unmöglich zu fotografieren, ohne das Handy, die Füße oder den Hintern in den Matsch zu stecken ...


    Das geht schon in Ordnung.
    Für gute Fotos hast du unsere Erlaubnis es nächstes mal so zu machen. :)


    Ich habe euch wieder mal gerne über die Schulter geschaut.

  • Morgen!


    Ich schließe mich Mausmann an: Beim nächsten Mal gerne direkt in den Schlamm. Entweder im Bikini oder im Kate - Beckinsale - Kostüm (Taucheranzug). :freebsd:
    Das würde beides freilich bei mir nicht gehen, da wäre optisch so eine Art Jon - Snow - Vermummung angebrachter.


    Ich habe eben mal noch zwei Fruchtkörper der Scutellinia zerlegt, die Sporenmaße (immer in natürlichem Medium gemessen) bewegen sich auch da so in dem Bereich: 18-21x12-13,5 bzw. 19-21x11,5-13,5.
    Die Sporen von S. scutellata wären schmaler? Mal abgesehen davon, daß das eher ein Holzbewohner sein sollte?



    LG, Pablo.

  • Die Sporen von S.scutellata sind etwas schlanker als die Von S. crinita. Die Haarlänge geht (oft) bis 1600 µm bei scutellata, gegenüber 1300 - (selten) 1500 µm bei crinita.
    Wichtig sind die Haarwurzeln. Crinita hat einfache bi- oder trifurcate Wurzeln. Bei Scutellata sind die Wurzeln multifurcat und haben "Nebenwurzeln", also aus den Hauptwurzelsträngen wachsen kleinere Wurzeln heraus und aus denen nochmal.
    Entgegen Schumacher finde ich die Ornamentation der Sporen von Scutellata weniger prominent als die von crinita. Das mag vielleicht daran liegen, dass die Grate dünner sind. Vielleicht scheint das auch so, weil die Ornamentation bei scutellata an den Polen dichter bzw. kräftiger ist als in der Sporenmitte, wohingegen sie bei crinita m.o.w. gleichmäßig verteilt ist.


    Die Merkmale sind aber nicht bei allen Apothecien konsistent. Man muss min. ein halbes Dutzend verschiedene Fruchtkörper einer Gruppe untersuchen und sich daraus ein Bild machen. Wenn man nämlich Pech hat, zupft man sich genau die scutellata aus der Gruppe, deren Merkmale perfekt zu crinita passen, oder umgekehrt.

  • Hallo.


    Hoppla, das ist nun ein Problem:


    Wichtig sind die Haarwurzeln. Crinita hat einfache bi- oder trifurcate Wurzeln. Bei Scutellata sind die Wurzeln multifurcat und haben "Nebenwurzeln", also aus den Hauptwurzelsträngen wachsen kleinere Wurzeln heraus und aus denen nochmal.


    Weil - auf dem Bild oben ist es schlecht zu sehen - da sind schon so verästelungen, das sieht ein wenig aus wie die Wurzeln einer Buche:



    Das sind Bilder von zwei verschiedenen Fruchtkörpern.
    Ich sehe schon, auch da brauche ich noch viel mehr Erfahrung, um die merkmale zuverlässig beurteilen zu können.
    Du hast nicht zufällig eine Idee, wo ich einen anständigen und möglichst aktuellen Schlüssel für die Gattung finden kann?



    LG, Pablo.

  • Hallo!
    Spannende Berichte, danke fürs Teilen! Ich lese gerne weiter mit :)

    LG,
    thys



    Leicht ist es, auf Silber und Gold zu verzichten und auf die Freuden der Liebe, doch ein Pilzgericht stehen zu lassen, ist schwer.
    (Marcus Valerius Martialis)

  • I-Phone....tsssssss ^^ Das ist'n Samsung! ;)


    LG Lea.


    :D :D:D:D
    In der Pilzbestimmung bist du ein Gott, aber mein Handy würde ich nicht von dir bestimmen lassen. Ygritte würde dir sagen: Du weißt gar nichts Jon Snow
    :D:D

    tolle Sachen hast du da wieder gefunden und du bist Schuld daran dass ich am WE Röhrlinge finden muß! :alright:


    LG Peter

  • Hallo, Peter!


    Klar, bei Handys und I-Phones und Samsungs und dergleichen bin ich maximal unwissend. Wie auch: keine Basidien, keine Schläuche, keine Sporen... Wie soll man da denn was bestimmen können? :(


    Bist du sicher mit Ygritte?
    Ich meine, in der OV sagt die immer: "You know nothin, Jon Snow," worauf der sagt: "I know some things, Ingrid." Jedenfalls verstehe ich immer Ingrid. Aber vielleicht versteht Jon Snow von Frauen auch soviel wie ich von Handys, da sind gewisse Fehler einzukalkulieren.


    Und guck mal raus am WE.
    Markus hat in der Hinsicht eben ein positives Zeichen gesendet: Erster Sommersteinpilz erfolgreich aufgestöbert.



    LG; pablo.

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