Beiträge von Rada

    Zuerst mal. Vergiß das Meßprogramm, es sei denn Du hast furchtbare Langeweile. Die Messungen mit dem bloßen Auge und Notizzettel sind mehr als ausreichend da die Sporenmaße sowieso oft stark schwanken und man mit einem von-bis Bereich arbeiten muss bei dem eine höhere Genauigkeit als ca. 0,5 µm sowieso nicht zu erreichen ist. So wie Du die Sporen auf dem Foto vermessen hast, ist das ok. Wichtig ist immer, dass die Sporen plan liegen, also beide Pole scharf zu sehen sind, ansonsten bekommt man falsche Maße.
    Zum bestimmen solltest Du den Schumacher nehmen, der zwar alt aber immer noch das Beste ist was man bekommen kann. Ergänzend dazu solltest Du die Arbeiten von Benat Jeannerot nehmen, wenn es mal was abgefahrenes ist. Ich meine die Dir alle auf dem Stick seinerzeit gegeben zu haben. Wenn nicht holen wir das nach. Dann gibt es noch einen neueren Schlüssel von Benat über die Europäischen Arten. Ganz sicher sehr gut, aber mit dem hab ich (mangels Scutelliniavorkommen in den letzten trockenen Jahren) noch nicht gearbeitet. Kannst Du natürlich auch gerne haben.
    Grundsätzlich sollte man bei Scutellinia immer Kollektionen sammeln und mehrere FK vermessen. Die Gattung neigt dazu "Außreißer" zu produzieren, was sowohl die Sporenmaße als auch das Sporenornament betrifft. Und wenn Du so einen als einzigen mikroskopierst, bekommst Du keine oder eine falsche Bestimmung.
    Die Haare mißt man immer an der dicksten Stelle, und zwar sowohl die Randhaare, als auch die der Außenwand. Auch die Wurzeln betrachtet man von beiden Stellen. Und Du solltest die mit einer feinen Pinzette zupfen um sie besser sehen und vermessen zu können.

    Zu Deinem Fund:
    Nach den Maßen und was Du an Mikrobildern zeigst, halte ich das für S. olivascens. Dafür sprechen auch die untermischten, doppelt geschwungenen Haare, die ich auf einem Deiner Fotos mal markiert habe.

    Hast Du mehrere Proben untersucht? Man muss bei den Sporormiella immer im Hinterkopf haben, dass es unter Kulturbedingungen Fehlformen bei den Sporen geben kann. Hier könnte ich mir auch eine S. leporina vorstellen. Dann wären die Sporen in verschiedenen Perithecien aber nicht alle gleich mißgebildet.

    Hallo Rada,

    wenn die Trollhand häufig ist, dann bin ich blind🙄. Da bleibt mir nur noch zu hoffen, dass es wenigstens nur auf einem Auge ist 😜. Vielleicht finde ich diese dann wenigstens einmal in meinem Leben🤔

    Viele Grüße

    Thomas

    ORTShäufig :-)
    Da wo sie vorkommt, ist sie nicht selten. Und die typischen Fundorte sind nicht grade ein Schlaraffenland für andere Pilze. Dranbleiben und immer schön feuchte Weidengebüsche absuchen. Irgendwann.....

    Gestern war ich mit Rainer Wald mal wieder in der Eifel unterwegs. Schauen was die Spitzmorcheln machen und was es sonst noch zu finden gibt.


    Die spitzen Morcheln stehen in voller Pracht und Größe. Qualität und Größe führen manchen in Versuchung, sie zum essen einzuladen. Uns nicht. Für uns sind es vielmehr Symbole für den beginnenden Frühling, viel zu schön und schade, um verspeist zu werden. Die "wilden" jedenfalls. Wesentlich seltener als die Kollegen auf Rindenmulch.




    Die Hasel-Kleiebecherlinge gehen ebenfalls auf und überziehen mancherorts förmlich tote und sterbende Äste der Haselsträucher. Ach wenn trivial, immer ein oder zwei Fotos wert.




    Eine große Überraschung bot uns die Trollhand. Gleich drei neue Fundplätze konnten wir entdecken. Ist sie wirklich so selten, oder wird in den entsprechenden Biotopen nicht genug gesucht? Ortshäufig kann man aber ohne Übertreibung feststellen. Ganz außerordentlich war jedoch der Fund jeweils eine Exemplares auf einem Lärchenzweig, und eines weiteren auf einem senkrecht im Boden steckenden, toten Himbeertrieb. Letzterer war wegen des sumpfigen Untergrundes nur auf der Fototasche zu fotografieren. Irrläufer? Oder doch nicht so richtig Substratgebunden? Es würde mich interessieren, wenn weitere Funde an ungewöhnlichen Substraten gemacht werden.









    Die Märzschnecklinge haben sich prächtig entwickelt. Sie scheinen ein Gutes Jahr zu haben, denn wir fanden viele und auch noch sehr junge Exemplare. Da kommt also noch was nach. Sie zu entdecken ist eine andere Sache. Oft sieht man den Pilz nicht, sondern nur eine Erhebung im Laub. Darunter wachsen sie dann, oft ohne jemals durchzubrechen. Dabei ist der Wuchstrieb so stark, dass sie sich manchemal selbst ein Stück des spröden Hutes an einer querliegenden Wurzel abbrechen. Wie man die finden will, wenn die genaue Stelle nicht bekannt ist? Keine Ahnung.





    In einem kleinen, aber alten Bestand von Küstentannen hatte eine der letzten stürmischen Damen ein mächtiges Exemplar zu Boden gebracht. Gelegenheit mal die abgestorbenen Äste im Kronenbereich anzuschauen, an denen ja z.B. Cyphella digitalis wachsen soll. Nun, die gab es nicht. Aber es gab jede Menge Orangefarbene Mehlscheiben (Aleurodiscus amorphus) und darauf den parasitischen Mehlscheiben-Zitterling (Tremella mycophaga). Sieht man auch nicht alle Tage.



    Zum Abschluß besuchten wir noch eine Stelle an der wir voriges Jahr, leider viel zu spät, verblühte Märzenbecher gefunden hatten. Jetzt haben wir sie während und kurz nach dem aufblühen erwischt. Herrlich.






    Vielen Dank für die vielen Informationen und die schönen Fotos vom Moos. g:-) Eine Frage an Dich (natürlich auch alle anderen Wissenden): Bis wann lohnt es sich, nach dem Becher zu gucken?

    Ich finde ihn eigentlich ganzjährig mit Schwerpunkt September - April. Allerdings ist es wohlwichtiger, dass das Moos lange genug feucht ist, was in dieser Zeit eher der Fall ist als in den Sommermonaten.

    S. nanum hat auch eine andere Sporenform, meist einseitig ausgebuchtet. Interessanterweise finde ich sie seit 3 Jahren nicht mehr. Davor hatte ich sie ab und zu mal dabei.

    Das hab ich gesehen, aber ans Moos ansich (die Morphologie der einzelnen Ministängel ansich) sieht sich für mich ziemlich ähnlich... Weisst du was ich meine?

    Wächst das richtige Moos denn bevorzugt an dünnen Ästen oder klettert das auch Stämme von Bäumen hoch? Weil wenn es das tut, dann sieht es optisch wieder anders aus, oder?

    Wie gesagt, ich muss mein Auge schulen :)

    Wie heisst denn das richtige Moos? Vielleicht kann ich dann mal im Internet suchen nach Charakteristika etc..

    Danke nochmal, ich komme mir ein bisschen vor wie ein Blinder unter Sehenden 😅

    Um so einen einzelnen Moosstängel zu unterscheiden braucht es schon etwas "Auge". Das Moos heißt Orthotichum affine. Ja, es wächst auch an und auf dickeren Ästen und Stämmen. Dann kann man es verwechseln. Aber an dünnen Ästen wächst es eben unverwechselbar puschelig. Wie auf meinem Foto. Darauf würde ich mich bei der Suche konzentrieren. Gerne an Holunder, aber auch an anderen Ästen.

    Schau mal genau hin. Dein Moos wächst polsterförmig, flächig. Das andere bildet richtige runde Bommeln an den Ästen.

    Das Moos ist ganz einfach zu erkennen, insbesondere an dünneren Zweigen. Man muss die kleinen Moosbüschel etwas auseinanderziehen, sonst sieht man ihn kaum. O.affinis ist wohl der mit Abstand häufigste Moosbecher von allen. Ich hatte noch keine Lokalität, wo er nicht vorkam. Regional kann das natürlich auch anders sein.




    Danke für eure netten Kommentare. Spitzmorcheln sind in milden Wintern um diese Zeit nicht ungewöhnlich (die "wilden" wohlgemerkt, nicht die auf Holzhäckseln). Aber normalerweise sind sie dann kleiner. So wie auf diesem Foto vom Vorjahr um diese Zeit.


    Gesten ging es wieder mal mit Rainer Wald in die Eifel. Es ist schon erstaunlich, wie hart manche Pilze sind. Und das nicht nur bezüglich der Witterung, sondern auch hinsichtlich der Haptik. Obwohl der Winter dieses Jahr etwas milder ausfällt, friert es inden Höhenlagen der Eifel in jeder sternklaren Nacht. Und dann zeigt sich, wer in den Garten kommt :-)
    Die ersten Spitzmorcheln überraschten nicht durch den Erscheinungszeitraum, sondern durch die bereits erreichte Größe. So fanden sich statt der zu erwartenden 1-2 cm großen Exemplare solche mit bis zu 8 cm. Dass sie zum Teil mit einem Eimantel glasiert waren, stört sie nicht weiter. Nach dem tauen wird weitergewachsen.
    Die Hasel-Kleiebecherlinge "schlüpfen" auch schon in beachtlicher Zahl. Und Märzschnecklinge gab es reichlich. Meist noch sehr klein und von Laub bedeckt. Und knochenhart gefroren. Macht denen nix. Über Österreichische Kelchbechelinge wundert man sich um diese Jahreszeit sowieso nicht. Ich hätte mich auch nicht gewundert, auf dem zugefrorenen Tümpel im Inneren eines Bechers Springschwänze Schlittschuhlaufen zu sehen :-)
    Also, es gibt viel zu sehen da draußen. Raus mit euch :-)









    Hallo Sigridj,
    ich halte das für einen albidus mit normal unnormaler Ornamentation. Normal unnormal, weil man sowas unter Kulturbedingungen öfter beobachten kann.
    Meist durch äußere Einflüsse gefärbte Apothecien findet man auch des öfteren. an A. roseopurpurascens glaube ich nach wie vor erst, wenn ich mal einen finde :-)