Grundlagen der Pilzbestimmung

Auf was man bei einer Pilzbestimmung achten sollte

Pilze werden von vielen Leuten gerne als Speisepilze gesammelt, aber als nicht zu unterschätzende Gefahr auch oftmals nicht beachtet. Pilze sollte man nur essen, wenn man sie zu 100% bestimmt hat, 99% sind schon zu wenig. Zur sicheren Bestimmung sollte man aber alle Merkmale berücksichtigen und damit das ein wenig leichter fällt, ist nachfolgend eine Liste der Merkmale, die man beachten sollte:

 

Der Hut

Die Hutform ändert sich bei den Fruchtkörpern ständig. Zum Anfang haben meistens junge Pilze eine halbkugelige Form. Die Formen: halbkugelig - gewölbt - ausgebreitet - niedergedrückt - kugelig - eiförmig - walzenförmig - glockig - kegelig - stumpf gebuckelt - spitz gebuckelt - genabelt - trichterig - durchbohrt

Die Hutoberfläche ist bei allen Pilzen sehr unterschiedlich ge- oder ausgebildet und kann typisch für die einzelnen Arten sein. Die Formen: glatt - mit Velumflocken besetzt - gezont - schuppig - feldrig aufgerissen - radialfaserig

Die Hutfarbe: die Farbpalette der Hüte reicht von Weiß, Gelb, Orange, Rot, Blau, Grün, Braun bis fast Schwarz und werden im Alter zunehmend ausgebleicht.

Der Hutrand ist bei vielen Pilzarten auch sehr unterschiedlich gebildet. Die Formen: glatt - gerieft - mit Velumresten behangen - radialrissig - kraus

Die Unterseite des Hutfleisches dient für die Sporenverbreitung. Die Formen: Röhren - Lamellen - Poren - Leisten - Stacheln

 

Der Stiel

Wie die Hüte können auch die Stiele der Pilze sehr unterschiedlich geformt sein.

Die Formen: zylindrisch - bauchig - keulig - knollig - Spitze verjüngt - Basis zugespitzt - wurzelnd - gekniet - mit Längsrillen versehen -

Der Längsschnitt bei einigen Pilzarten weisen typische Merkmale auf. Die Formen: voll - hohl - gekammert - wattig ausgestopft

Die Oberfläche der Stiele weisen ebenfalls sehr unterschiedliche Farben und Oberflächenstrukturen auf. Die Formen: genattert - netzig - rauhfaserig geschuppt - flockig - längsfaserig - glatt

Die Ringzone. Manche Fruchtkörper haben am Stiel eine Ringzone, hängende Ringe bezeichnet man als Manschette. Die Formen: herabhängend - aufsteigend - gerieft - doppelt - Schleierreste - vergänglich

Die Stielbasis. Auch die Stielbasen vieler Pilze können unterschiedlich geformt oder gebaut sein, wie z.b: wurzelnd - zugespitzt - abgrundet - knollig - mit lappiger Scheide - eingepfropft - zwiebelig abgesetzt - warzig gegürtelt

Spitzmorchel
Spitzmorchel - Morchella conica

Wurzelnder Bitterröhrling
Wurzelnder Bitterröhrling - Caloboletus radicans

Das Fleisch

Die Konsistenz des Fleisches (Trama) der meisten Pilze ist längsfaserig. Kann aber auch korkig, mürbe, brüchig, weich, hart sein.

Die Verfärbung mancher Pilze ist eine Oxidation mit Sauerstoff. So können einige Fruchtkörper sich im Fleisch schwach blau, himmelblau, blau, tief schwarzblau, rosa, rot-orange, rot, safranfarbig, grünlich, schwärzlich oder bräunlich verfärben.

Milch Es gibt einige Pilzarten die Milch absondern. Dazu gehören die Milchlinge -> Gattung Lactarius. Die Gefäße befinden sich im Hutfleisch und sondern bei Verletzung eine meistens weißliche milde aber auch kratzende , schärfliche oder brennende Milch ab. Diese Milch kann aber auch oft bräunlich, schwefelgelblich - gelblich, grau - grünlich, orangerötlich und weinrötlich sein.

Geruch und Geschmack - 2 Faktoren die sehr wichtig zur Bestimmung sind. Der Geruch ist zwar eines der subjektivsten Merkmale an Pilzen, zur Bestimmung aber trotzdem oft sehr wichtig. Pilze reichen von absolut geruchlos über "pilzig", säuerlich, schärflich, Honig, Larven der Weidenbohrerraupe, alte Zigarrenkiste, etc. etc. etc.
Der Geschmack ist bei vielen Gattungen wie z.B. Russula (Täublinge) zur Bestimmung unglaublich wichtig. Dieser kann mild, schärflich, bitter oder auch leicht süßlich sein.

Standort + Ökologie des Bodens

Standort + Ökologie des Bodens - auch diese beiden Faktoren sind zur Bestimmung sehr wichtig. So kommen manche Arten nur in bestimmten Waldtypen vor, wachsen nur an bestimmten Holz oder Substrat oder auch nur an bestimmten Pflanzen. Auch die Ökologie des Bodens (sauer, basisch, kalk, etc.) ist wichtig zur Bestimmung, da manche Arten bestimmte ökologische Ansprüche suchen bzw. meiden.

Das Hymenium

Das Hymenium ist die sporenproduzierende Fruchtschicht der Pilze und überzieht das Hymenophor, welches aus Lamellen, Röhren, Stacheln, der Fruchtschicht der Ascomyceten etc bestehen kann. Es ist zur Bestimmung meistens sehr wichtig, nachfolgend ist kurz zusammengefasst, was bei den häufigsten Formen zu beachten ist:

(1) Lamellen: Wichtig bei den Lamellen sind Farbe, Farbe der Schneiden, wie sie angewachsen sind, Lamelletten oder nicht, dick oder dünn, eng oder entfernt stehend

(2) Röhren: Wichtig bei den Röhren ist zur Bestimmung nicht viel, höchstens Länge, Farbe und wie sie am Stiel angewachsen sind.

(3) Stacheln: Bei den Stacheln können Länge, Form, Farbe, wie sie am Stiel (wenn vorhanden) angewachsen sind und Konsistenz entscheidend sein.

(4) Fruchtschicht bei Ascomyceten: Auch die ist außer von der Farbe her nicht immer makroskopisch wichtig zur Bestimmung.

 

Die Sporen

Die Sporen werden auf der Fruchtschicht (Hymenium) der Pilze gebildet. Die größe und Gestalt ist mit dem bloßen Auge allerdings nicht zu erkennen. Ein Sporenabdruck bzw. die Mikroskopische Untersuchung ist fast immer ein sicheres Bestimmungmerkmal. Die Sporenfarbe der Fruchtkörper variiert von weiß, cremefarbig, dottergelb, rosa bis rosabräunlich, hell - olivbraun, rostbraun, purpurfarben, violett, dunkelbraun bis scharz.

Artikel von Andreas und Pete Longhorn