unbekannter corticioider Pilz

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema, welches 128 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von boccaccio.

  • Hallo zusammen,


    am 13.11.2025 habe ich einen corticioiden Pilz auf Laubholz gefunden, den ich nicht einmal der Gattung nach zuordnen kann. Makroskopisch sieht er so aus:



    Aufgrund der leichten rötlichen Verfärbungen auf der Unterseite dachte ich erst, das Exemplar könnte gloeoplere Hyphen enthalten. Zwar konnte ich Hyphen mit tropfenförmigen Inhalt finden, allerdings waren diese in zu geringer Anzahl, nicht um Vaukolen angeordnet und auch nicht mit Sulfovanillin verfärbend:



    Die generativen Hyphen sind septiert, aber ohne Schnallen:



    Zudem gibt es noch einen weiteren, dickwandigeren Hyphentyp, den ich für Skeletthyphen halte. Diese kommen sowohl in transparenter Form als auch mit braunem Inhalt vor:




    Aus diesem Grund gehe ich von einem dimitischen Hyphensystem aus. Die Basidien sind viersporig und keulenförmig:



    Basalschnallen tragen sie nicht:



    Das Hymenium sieht unauffällig aus und enthält scheinbar keine sterilen Elemente:



    Hier noch ein Bild vom Subhymenium:



    Die Sporen sind ellipsoid und leicht gebogen, dünnwandig, glatt und mit gut erkennbarem Apiculus:



    Sporenmaße: 9,5 ± 0,8 µm × 4,1 ± 0,5 µm, Q̄ = 2,4 ± 0,3

    Reichweite: 8,4–11,7 µm × 3,4–5,3 µm, Q = 1,8–3,1

    n = 25


    Eine amyloide Reaktion unter dem Mikroskop konnte ich nicht erkennen, allerdings habe ich auch nicht mehrere Sporen übereinander gelagert beobachten können.


    Was den Aufbau der Schichten betrifft, kann ich diese Bilder anbieten:



    Zu guter Letzt habe ich in meinen Queschpräparaten zusätzlich diese Strukturen gefunden, die ich nicht weiter zuordnen kann:



    Auch nach stundenlangem Schlüsseln komme ich nicht einmal auf eine Gattung. Kann hier jemand Abhilfe schaffen, oder zumindest die dunkel gefärbten Skeletthyphen sowie die Tröpfchen in den generativen Hyphen erklären?


    Ich freue mich auf eure Antworten!


    Herzliche Grüße,

    Vitus

  • Hallo Vitus,


    ich hätte den Pilz rein makroskopisch bei Stereum rugosum verortet (hat der Pilz im frischen Zustand beim Kratzen gerötet?). Da müßten dann mikroskopisch noch Acanthozystiden zufinden sein.


    Björn

  • Hallo Björn,


    danke dir für deine Antwort! An Stereum rugosum hatte ich auch schon gedacht: das Verwachsen mit dem Substrat, die Farbe des Hymeniums und die leicht rötliche Verfärbung passen – auch die Sporenform und -größe. Unglücklicherweise habe ich im frischen Zustand nicht daran gekratzt, im getrockneten Zustand tut sich beim Kratzen nichts.


    Mikroskopisch gesehen passt zu Stereum rugosum zu meiner Verzweiflung leider einiges nicht. Neben den von dir erwähnten Acanthozystiden, die ich in keinem meiner Präparate finden konnte, sehe ich noch die folgenden Probleme (Infos aus Eriksson et al., 1984, p. 1429 entnommen):

    1. Auch Acutozystiden fehlen.
    2. Pseudozystiden mit öligem Inhalt, die mit Sulfuvanillin reagieren, fehlen.
    3. Das Hyphensystem von Stereum-Arten ist monomitisch, ich glaube aber Skeletthyphen gefunden zu haben (irre ich mich vielleicht?).

    Zudem sind die Sporen von Stereum-Arten amyloid, allerdings kann ich das, wie oben beschrieben, nicht sicher ausschließen. Da das der erste corticioide Pilz ist, den ich mikroskopiere, kann ich mit all meinen Zweifeln jeodch völlig daneben liegen!


    Herzliche Grüße,

    Vitus


    Literatur:

    Eriksson, J., Hjortstam, K., & Ryvarden, L. (1984). The Corticiaceae of North Europe 7: Schizopora – Suillosporium. Fungiflora.

  • Servus Vitus,


    Skeletthyphen haben keine Septen und sehr stark verdickte Wände. Die Hyohen, die du zeigst, haben Septen, sind also mehrzellig und die Wände sind nicht extrem verdickt. Insofern: monomitisch.


    Liebe Grüße,Christoph

  • Hallo Vitus,


    die dickwandigen Objekte, die du als Skeletthyphen interpretiert hast, würde ich für die Pseudozystiden halten. Die sollten aber nicht mit SV reagieren, zumindest kann ich dazu in ter Literatur nichts finden. Die Acanthozystiden sind leicht zu übersehen, da kannst du noch mal versuchen stärker zu quetschen, bis das Präparat wirklich einem Schlachtfeld gleicht und überall flach und zerstreut die diversen Pilzbestandteile verteilt sind.


    Björn