seltsamer Schirmling

Es gibt 18 Antworten in diesem Thema, welches 812 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Wolfgang P..

  • Hallo miteinander,



    gestern habe ich diesen Schirmling gefunden. Irgendwie ist er seltsam.


    Es fing schon mit der Höhe an. Er war nur ca. 10 cm hoch. Der Hut hatte am Rand "wollige" Schuppen. Durchmesser war ca. 10 cm. Mittig einen Buckel.



    Die Manschette war am Stiel verkehrt rum dran. Und ausgefranst.




    Der Stiel war genattert wie bei einem Riesenschirmling.
    Im Schnittbild zeigte sich eine sehr dezente rötliche bis lachsfarbene Tönung.



    Ich konnte ihn schon im Wald nicht zuordnen. Zu Hause dann erst recht nicht mehr. Ich bin verwirrt.

  • Hi


    das ist schon ne Macrolepiota. Ich könnte mir hier einen verkappten Rhodosperma vorstellen.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo,


    ich habe auch schon solche Winzlinge gefunden und habe denen den Namen Macrolepiota rhodosperma gegeben.



    VG Jörg

  • Hallo zusammen,

    für mich ist das ein klassischer Parasol...

    - gerade mit den Schüppchen am Stiel und dem Buckel am Hut.

    Wenn dazu noch der Ring verschiebbar ist...

    ich habe heuer hier in Österreich schon mehrfach sehr kleine Exemplare des Parasols gefunden.

    Ist wahrscheinlich dem extremen Wassermangel geschuldet.

    LG

  • Hallo,

    für mich ist das ein klassischer Parasol

    ein klassischer Parasol rötet nicht an der Stielrinde. Für die Pfanne ist das aber irrelevant.


    VG Jörg

  • Alle Riesenschirmlinge haben einen verschiebbaren Ring!

    Bei der Gattung Chlorophyllum haben wir in D drei Arten (wenn man molybdites auslässt), die meiner Meinung nach reltiv leicht auseinanderzuhalten sind.

    Bei der Gattung Macrolepiota sind es mindestens fünf Arten, bei denen sich die Experten aber manchmal auch nicht so ganz einig sind. Der klassische "kleine" Parasol dürfte auf den Namen Sternschuppiger Riesenschirmling (M. rhodosperma) hören, das lässt sich einmal an der Hutschuppung und zum anderen an der Beschaffenheit des Ringes festmachen (doppelt bei procera). Dann kann man auch noch die Farbe des Sporenabwurfs beurteilen und das Röten des Fruchtkörpers

    Somit scheint das hier präsentierte Exemplar eher kein klassischer Parasol zu sein.


    Beste Grüße

    Harald

  • Hallo zusammen,


    ein „klassischer Parasol“ (damit ist wohl die Art Macrolepiota procera gemeint) kann sehr wohl röten:

    Rötet er nur schwach in der Stielrinde und hat recht düstere Schuppen, nennt man ihn f. (=Forma) fuliginosa.

    Rötet er stärker im gesamten Fleisch, nennt man ihn f. permixta.

    Soweit ich weiß, ist der aktuelle Stand, dass diese Formen durch intraspezifische Variabilität zustandekommen, also keine eigenen Arten sind.


    Eine weitere rötende (und grünende) Art ist Macrolepiota olivascens. Die habe ich leider noch nie gesehen, sollte man aber auch auf dem Schirm haben.


    Bei dem hier angefragten Exemplar sehe ich eher nicht den Sternschuppigen Riesenschirmling (Macrolepiota rhodosperma). Mir gefällt da weder die Hutschuppung (sehr kleinschuppig und am Rand fransig), noch der Habitus (ich kenne M. rhodosperma sehr dünnstielig und -fleischig, besonders jung).

    Die Stielnatterung wäre für M. rhodosperma sehr stark ausgeprägt. Der Ring ist, wie der Rest, etwas untypisch ausgeprägt, scheint mir aber doppelt zu sein (dies kann ebenso bei M. rhodosperma der Fall sein, die eine recht variable Ringstruktur ausbildet).


    Deshalb wäre ich hier tendenziell schon bei einem „klassischen“ Parasol (Macrolepiota procera s. l.). Die Art (bzw. Artengruppe) scheint recht variabel zu sein, erst recht, wenn die oben erwähnten Formen wirklich keine eigenen Arten sind.

    Hast du sie mal aussporen lassen? Ist das Sporenpulver cremeweißlich oder lachsrosalich?


    Viele Grüße

    Emil


    Achso, die von Jörg geposteten Exemplare sind für mich auch Parasole, sogar noch eindeutiger mit dieser Hutschuppung, dem kräftigen Habitus und extrem stark ausgeprägten Stielnatterung.

  • Hallo Emil,


    dann müßten beide Arten am selben Standort vorkommen. Diese hier sind vom identischen Fundort und für mich eindeutig

    M. rhodosperma:



    Wenn M. procera auch an der Stielrinde leicht röten darf dann sind meine Zwerge von oben welche. Ich hatte meine Einschätzung am Röten festgemacht.


    VG Jörg

  • Hallo Zusammen,

    für Riesenschirmlinge kann der Vortrag von Christoph Hahn auch hilfreich sein

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    viele Grüsse

    Matthias

  • Ich nenne nur noch solche Funde M. rhodosperma, die tatsächlich rosafarbenes Sporenpulver aufweisen.

    ... und auch dieses Merkmal ist leider variabel.

    Und unterscheidet ihn auch nicht von procera, der auch rosa SPP haben kann (siehe Pilze der Schweiz, Bd4, Nr. 254).


    Gruß,


    Wolfgang


    P.S.: den initialen Fund von Bläuling hätte ich recht sicher als rhodosperma bezeichnet.

    Ich habe inzwischen einige meiner Funde genetisch bestätigt, um bei der Benennung nicht nur meine eigenen Vorurteile als Maßstab zu nehmen.

  • Hallo Wolfgang

    Ich nenne nur noch solche Funde M. rhodosperma, die tatsächlich rosafarbenes Sporenpulver aufweisen.

    ... und auch dieses Merkmal ist leider variabel.

    Und unterscheidet ihn auch nicht von procera, der auch rosa SPP haben kann (siehe Pilze der Schweiz, Bd4, Nr. 254).


    Das ist ein Fehler im Buch "Pilze der Schweiz". Die im Buch als Macrolepiota procera abgebildete Art ist in Wahrheit Macrolepiota olivascens, die im Gebirge weit verbreitet ist. Das hat Christoph Hahn mal in folgendem Beitrag klargestellt:



    LG
    Benjamin

    Mit meinen Beiträgen gebe ich lediglich meine persönliche Einschätzung/Meinung ab. Sie sind nur als Vorschläge zu werten und es gibt damit insbesondere keine Verzehrsfreigaben meinerseits. Eine sichere Bestimmung sowie Verzehrsfreigabe kann nur der Pilzkontrolleur bzw. Pilzsachverständige vor Ort geben.

  • Hallo,


    die Verwirrung bei den Riesenschirmlingen gibt es seit vielen Jahren. Bisher scheint es irgendwie nicht gelungen, ein Konzept hervorzubringen, das wirklich einheitlich akzeptiert wird.

    Insofern bleibt wohl nichts anderes übrig, als bei Bestimmungen immer die Literatur (oder den jeweiligen Autor) mit anzugeben.


    Gruß

    Peter

  • Hi,


    wenn man bedenkt, dass die ITS bei Pilzen auch mal nicht als Lokus geeignet ist, verwundert mich das nicht. Das haben wir schon oft genug erlebt. Aus meiner Sicht ist der Schluss, dass Pilze mit solch unterschiedlichen morpholohischen Merkmalen und Standortansprüchen nur als Forma getrennt werden, weil die ITS gleich ist, schwer nachzuvollziehen.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Bei mir im Kraichgau auf Löss und Kalk finde ich rhodosperma so wie sie Karl zeigt meist im Wald drinnen, während die Parasole oft auf den Wiesen vorm Wald oder an lichteren Stellen im Wald stehen. Ich kann sie auch am Geruch unterscheiden. Der Parasol riecht typisch nach Walnüssen wenn die Lamellen noch sahneweiss sind. Bei M.rhodosperma hab ich das noch nie gerochen

    LG Peter

  • wenn man bedenkt, dass die ITS bei Pilzen auch mal nicht als Lokus geeignet ist, verwundert mich das nicht.

    Hi Stefan,


    gerade bei Macrolepiota wurden allerlei Loci probiert, aber alle liefern die gleichen Ergebnisse.


    Daher könnte es in diesem Fall auch mal so sein, dass es tatsächlich innerhalb einer Art regionale und morphologische Gruppen gibt, so wie auch z.B. bei Homo sapiens.


    Was helfen würde wäre, von ein paar mehr Funden das Komplett-Genom zu analysieren, aber das ist leider immer noch zu teuer für die rein akademische Frage, wieviele Parasole es gibt.


    Gruß,


    Wolfgang