Fälbling

Es gibt 15 Antworten in diesem Thema, welches 512 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Wutzi.

  • Liebe Pilzgemeinde,


    vor zwei Wochen fand ich im Park eine Gruppe von Fruchtkörpern. Es ist mir nicht gelungen, sie zu identifizieren. Der Hut hat mich an einen Risspilz erinnert:



    Sie wuchsen gesellig:



    Der Geruch am ehesten erdig. Blick auf die Lamellen:



    Sporenpulver am ehesten graubraun. Bild der Sporen, die ich aber nicht gemessen habe:



    Das zeigt in meiner Erinnerung einen Teil der Huthaut, was es darstellt weiß ich aber leider noch nicht:



    Ich habe nicht geschafft mich durchzuschlüsseln, denke am ehestenan eine Hebeloma. Hier hat sich bestimmt jemand eine gute Idee. Begleitbäume übrigens Eichen.


    Danke schon einmal für's drüberschauen.


    LG Michael

    Schipse (Historie im Profil): 114+11(Platz 1 APR)+6(5.bester Phäle)+3(bester Phalschphal)+2(Teamphal)+3Kultur=139


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  • Hallo boccaccio,


    danke für deine prompte Antwort. Ich sammle gerade erste Erfahrungen mit dem Mikroskop und habe weder Ahnung noch Fachliteratur. Das fängt damit an, dass ich nur stümperhaft ein Präparat erstelle, indem ich versuche eine hauchdünne Scheibe vom Pilz zu schneiden und mir die anschaue. Was ich dann sehe, weiß ich nicht. Wie ich ein Präparat dann z.B. färbe oder sonstwie vorbereitete, erst recht nicht. Und dann müsste ich per Fachliteratur ja auch noch das Gesehene und Interpretierte den entsprechenden Arten zuordnen, ein noch langer Weg. Hat vielleicht jemand einen Tipp zu einer Webseite für erste Infos?


    Was genau meinst du zum Zustand der Pilze? Die sind doch ausgewachsen und in einem Alter, in dem reife Sporen zu erwarten sind. Oder meinst du die grottigen Bilder?


    LG Michael

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  • Hallo Michael,


    was den Zustand der Pilze angeht, sind die halt schon ziemlich angetrocknet.


    Zum Mikroskopieren würde ich raten, daß man nicht sofort mit komplizierten Dingen wie Hebeloma oder Inocybe anfängt. Am besten nimmt man sich einen Pilz, den man schon makroskopisch bestimmt hat, mikroskopiert den dann mal von oben bis unten durch und vergleicht das Gesehene mit der Literatur.


    Björn

  • Hallo Maronisto,


    123pilze ist sicher keine gute Anlaufstelle für Inocybe. Dort werden zig fehlbestimmte Bilder zu sehen sein. Wenn man sich wirklich mit Inocybe beschäftigen will, geht man zu Dittes Homepage und liest die zahlreichen Artikel, die zu der Gattung in den letzten Jahren erschienen sind.


    Björn

  • Hallo Suku,


    es gibt doch bei den Pilzschulen für Mikroskopier-Anfänger spezielle Mikroskopierkurse, wäre das nichts für dich? Alle deine Fragen werden dort von dezidierten Experten beantwortet.


    Und ja, bevor man losmikroskopiert, muss man sich eingehend mit der Anatomie der Pilze befasst haben, sonst wird das nicht wirklich was. Z. B. sollte man mindestens mal wissen, was Cheilo-, Pleuro- oder Kaulozystiden sind. Und wo am Pilz man die findet. Oder Basidien/Basidiolen. Oder Hyphen. Oder Schnallen. Oder...


    Und ohne wirklich gute Literatur wird das auch eher nichts. Sehr viele Mikroskopier-Einsteiger nehmen z. B. Pilze der Schweiz oder Funga Nordica oder den Erb/Matheis, also so was in dieser Richtung müsste schon mindestens sein.


    Noch was zu der Abgrenzung Risspilz vs. Fälbling. Diese kann man recht gut über die Verschiedenheit der Gerüche unterscheiden. Fälblinge riechen rettich- oder kakaoartig oder süßlich nach verbranntem Zucker, Risspilze dagegen riechen säuerlich-spermatisch, also schon sehr anders. Und na klar, Fälblingssporen sehen auch anders aus als Risspilzsporen. Leider ist dein Sporenbild so unscharf, dass man keine Charakteristika erkennen kann, die einen in die richtige Richtung lotsen könnten.


    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Diese kann man recht gut über die Verschiedenheit der Gerüche unterscheiden. Fälblinge riechen rettich- oder kakaoartig oder süßlich nach verbranntem Zucker, Risspilze dagegen riechen säuerlich-spermatisch, also schon sehr anders.

    Na ganz so einfach ist das nicht! Bei der Artengruppe um I. fraudans herum, bei den Inosperma-Arten, bei der Artengruppe um I. hirtella, I. bresadolae usw. trifft das nicht zu. Es gibt auch mehr oder minder geruchlose Inocyben.


    Also Geruch ist kein gutes Unterscheidungsmerkmal!

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Leider ist dein Sporenbild so unscharf, dass man keine Charakteristika erkennen kann, die einen in die richtige Richtung lotsen könnten.

    Hallo Stefan,


    danke für diesen Hinweis. Das ist mir auch aufgefallen, ich habe große Schwierigkeiten die richtige Schärfeebene zu finden. Die ist für mich immer ein Kompromiss und ohne Stacking, was mit meiner Ausrüstung nicht geht, habe ich z.Z. keine Idee, wie das besser gehen kann.

    Deinen Hinweis zu Mikroskopierseminaren finde ich sehr gut nachvollziehbar und habe das auch bereits in Erwägung gezogen. Jetzt ist es aber so, dass hier im Forum die Teilnehmenden sehr unterschiedliche Prioritäten setzen, was die zeitlichen und finanziellen Investitionen in unserer Hobby angeht. Jeweils sehr individuelle Entscheidungen, die wohl auch nur jede/r selbst nachvollziehen kann. Bei mir ist das momentan nicht dran, auch weitere Investitionen in Literatur nicht. Also versuche ich mich auf anderen Wegen durchzuprobieren und freue mich über hilfreiche Tipps. Die Einarbeitung in die mikroskopische Anatomie nehme ich gerade in Angriff, praktische Übungen parallel dazu finde sehr einprägsam. Aber alles nur sehr langsam, weil mehr momentan nicht drin ist. Strukturen zu erkennen und zuzuordnen ist gerade mein Ziel, ohne damit Gattung oder gar Art bestimmen zu wollen. Da bleibe ich vorläufig bei der Makroskopie.


    Hier meine ich z.B. eine Dermatozystide zu identifizieren:



    Dass Inocybe häufig spermatisch riechen ist mir bekannt, aber auch, dass das nicht bei allen Arten so ist. Und auch Hebeloma habe ich schon anders als kakaoartig oder rettichartig gerochen, sicherlich abhängig von Temperatur, Feuchtigkeit, Standort und Alter der Fruchtkörper. Nicht zu vergessen: Schnupfen, Fremdgerüche und was sonst noch alles an Störfaktoren dazukommen kann.


    Danke für deine Kommentare und die freundliche Unterstützung.


    LG Michael

  • Hallo Michael,


    das Hauptproblem beim vorliegenden Präparat dürfte seine Dicke sein. Da liegt gefühlt ein halber Pilz unter dem Mikroskop und entsprechend kann man dort natürlich auch fast nichts scharf erkennen. Am besten entnimmt man dem Pilz eine Lamelle, legt sie flach auf den Objektträger und schneidet dann mit der Rasierklinge einen sehr schmalen Streifen entlang der Lamellenschneide (Idee dabei: Man erwischt Cheilozystiden, so sie vorhanden sind, gleichzeitig werden auch Pleurozystiden im Präparat sein, wenn es welche gibt). Den nicht benötigten Teil der Lamelle entfernt man dann schon mal.


    Für den Fall, daß man das Präparat färben möchte, kann man das jetzt tun. Bei Inocybe macht man das aber aus Gründen nicht und mikroskopiert in KOH. Also einfach ein kurzes Stücke der Lamellenschneide mit der Rasierklinge abtrennen (den Rest wieder entfernen), KOH drauf, ggfs. mit der Präpiernadel alles etwas zerzutzeln und dann ein Deckglas draufgeben. Jetzt vorsichtig mit einem Radiergummi auf das Deckglas klopfen. Fertig ist das flache Präparat.


    Zum Färben: Das Lamellenstück in Kongorot oder Phloxin geben, die Farbe komplett eintrocknen lassen. Dann ausspülen (bei Phloxin mit Wasser, bei Kongorot wahlweise mit Wasser oder KOH).


    Björn

  • Hallo Björn,


    danke für die hilfreichen Hinweise. Ich werde mir wohl einen kleinen Grundstock aus KOH, Kongorot und Phloxin zulegen. Ich hatte ja schon das Gefühl eine hauchdünne Scheibe geschnitten zu haben, dann habe ich aber zwei Deckgläschen beim Quetschversuch zerstört. Den Tipp mit der Präpariernadel werde ich ausprobieren, jetzt muss ich aber zunächst neue Objekte jagen, die Inocybe hat sich auflöst. Wenn man nur lange genug wartet, wird jeder Pilz zum Tintling :gplemplem: .


    LG Michael

    Schipse (Historie im Profil): 114+11(Platz 1 APR)+6(5.bester Phäle)+3(bester Phalschphal)+2(Teamphal)+3Kultur=139


    Warnhinweis

  • FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hallo Michael,

    Zitat

    ... auch weitere Investitionen in Literatur nicht. ...


    wenn du mit Englisch zurecht kommst, dann gibt es hier https://images.mushroomobserver.org/Fungal%20Microscopy.pdf ein 340 seitiges pdf zur Pilzmikroskopie.

    Ich habe es nur grob überflogen und kann die Qualität des Werkes nicht bewerten.


    Sehr gute Tips liefert im konkreten Fall hier im Forum immer wieder Björn / boccaccio !


    Grüße

    Günter

    Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben. (A. Gide)

  • Lieber Michael,

    eigentlich hasse ich mein Mikroskop, aber manchmal liebe ich es auch und bin froh dass ich es habe. Es ist in etwa so, wie in einer temperamentvollen Beziehung.

    Deine Probleme kommen mir sehr bekannt vor. Und bei den Präparaten gelingen mir auch nur eins von 10 wirklich gut. Am besten werden sie, wenn sie wirklich winzig klein sind. Um zu verstehen, was du im Inneren siehst braucht es ein bisschen Lektüre, der Kurs ist nützlich, aber autodidaktisch geht es auch, braucht nur länger und ist anstrengender.

    Bange machen gilt nicht: da musst du jetzt durch!

    Und wenn dieser Zeitfresser zu sehr nervt, kannst du ihn ja einfach eine Zeitlang ignorieren. Irgendwann ist dann wieder die richtige Zeit zum Mikroskopieren. Hier gibts übrigens ganz nützliche Anfängerthreads im Forum. Musst nur mal suchen ==Gnolm13 .

    .

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.