Ein schlechter Pilzwald?

Es gibt 30 Antworten in diesem Thema, welches 1.276 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Oskar.

  • Hallo Zusammen,


    ich würde gerne wissen, woran ihr einen „schlechten Pilzwald“ erkennt. Schlecht ist ein Wald nach meinem Empfinden, wenn er keine oder kaum Grosspilze hervorbringt.


    Hintergrund: Ich wohne in Hamburg ohne Auto und meine einzige Option, regelmäßig in die Pilze zu gehen, ist der Klövensteen Stadtwald am westlichen Stadttrand. Seit Jahren Pilger ich hier regelmäßig hin und habe noch NIE ein nennenswertes Vorkommen an Pilzen vorgefunden, nicht einmal im Herbst, nicht einmal LBMs oder Saprobionten…kennt ihr solche Wälder auch?


    Viele Grüße

  • Hallo,


    wenn ein Wald völligmit Brombeeren überwuchert ist, wie es bei mir in letzter Zeit häufiger vorkommt, brauchst Du gar nicht mehr nachzuschauen. Auch wenn es dort früher viel gab.


    VG Jörg

  • Ich schließe mich da Jörg vollumfänglich an. Die mit Brombeeren (,die meist noch nichtmal was tragen,) sind die aussichtlosesten und auch ich habe den Eindruck, daß diese Gebiete immer mehr zunehmen! Diese Wälder sind für auch für MICH frustrierend. Die Arten in solchen Wäldern nehmen immer mehr ab


    Meist ist man da einfach oft nur zur falschen Zeit und/oder sucht das Falsche.


    Welche Wälder auch meist ziemlich artenarm sind, sind neue Wälder, bzw. wenn der alte Baumbestand abgeholzt wurde und was ganz anderes sich ansiedelt / gepflanzt wird. Ich finde es eigentlich ziemlich interessant, wie schnell oder auch langsam sich andere Arten ansiedeln, aber das ist eigentlich eher interessant, wenn man einen Wald oft aufsuchen kann, sonst übersieht man zu viel. Aber der Artenschwund zunächst ist echt besonders krass beim Wechsel Nadelwald zu Laubwald, umgekehrt Laub- zu Nadelwald: keine Erfahrung.

    Aber es braucht echt viele JAHRE, bis sich die Pilz"flora" umstellt. Ein "neuer" Eichenwald (vorher Fichtenwald) meines letztes Wohnortes hatte sich bis zu meinem Wegzug echt immer noch nicht stark angepaßt, und die Eichen waren schon echt groß. Und ich habe den Wald schon lange beobachtet. Und : letzter Bestand: nur ca 20 Arten(übers Jahr gerechnet) und auch da geht schon von den Rändern das Brombeerenwachstum los.


    Welche Wälder auch nicht gerade pilzbegünstigt sind, sind trockene Wälder mit kaum Speichervermögen für Regenwasser- Pilze brauchen halt Wasser, aber z.B. Sandboden speichert Wasser schlecht. Man kann da u.U. auch vielleicht mal seltene Arten finden, die darauf angepaßt sind, aber so was habe ich echt eigentlich noch nicht gefunden, wenn ich ehrlich bin, wobei ich manchmal wohl auch die Seltenheit von Pilzen nichtmal erkenne. Google nicht bei jedem Pilz, bzw schaue in die Roten Listen (sollte ich vielleicht doch öfters machen) Ist u.U nur ein Fakt, den ich zu viel ignoriert habe.


    Weiter habe ich beobachtet, daß es fast regenfreie bzw. regenreiche Inseln gibt, wo auch die Bodenfeuchtekarten NIX mehr helfen, weil die nur Berechnungen sind, die aufgrund bekannter Meßwerte bestimmter Meßstellen einfach hochrechnen, aber viel zu undetailliert sind, weil die Wetterdaten auch zu undetailliert sind. Im Moment versuche ich diese Gebiete für meinen NEUEN Wohnort rauszufinden, auch über übers Wetter schnacke(und übers Wetter schnacken ist einfach so schön unverfänglich!!!!,) habe aber für meinen neuen Wohnort bisher nur wenige Ergebnisse (am letzten Wohnort kannte ich mich mehr aus- mein Wohnort (ohne weitere Umgebung) war fast eine Trockeninsel).

  • Hey,


    wenngleich es stimmt, dass viel Bodenbewuchs häufig schlecht für das Pilzwachstum (und den Pilzblick) ist, so ist es kein grundsätzliches Ausschlusskriterium. Eine meiner besten Stellen für Maronenröhrlinge ist in einem Stück Nadelwald in dem alles voll mit Brombeerranken ist. Dort zu sammeln ist eine Zumutung, lohnt im Herbst aber sehr. Auch der vereinzelte Fichtensteinpilz lässt sich dort mitunter finden.


    LG Christopher

  • Hallo Christopher,


    so lang noch etwas Luft zwischen den Brombeerranken vorhanden ist kann es schon sein das noch etwas kommt. Einige meiner ehemaligen Fundorte sind aber völlig zugewachsen also fast dicht. Dort sehe ich nicht einmal mehr den Boden und es wächst absolut nichts.


    Einige andere Waldarten sind auch ziemlich pilzleer wie Strecken mit Ahorn, Rosskastanie oder Platanen. An den beiden ersten Baumarten habe ich zumindest schon Austernseitlinge gefunden aber diese gehen ja an alles. In Douglasienwäldern dürftest Du auch nicht allzu viel finden.


    VG Jörg

  • Hallo, auch Wälder mit Boden bedeckendem Farn-Bewuchs finde ich schwierig.

    In HH habe ich übrigens schon mitten in der Stadt (außerhalb von Gassi-Hotspots) beste Steinpilze gefunden. Such in den großen Parks. Zur richtigen Zeit gibt's auch da etwas.

    Gruß Bernd

    Ich bin kein PSV, also gibt es von mir auch niemals eine Freigabe zum Verzehr! Wenn ich "essbar" schreibe, dann bezeichnet das eine Art im idealen Zustand, das lässt sich anhand von Fotos niemals beurteilen!

  • Aber Shroom , ganz ehrlich?

    Lassen sich da die entsprechenden Pilze eher nicht nur einfach NOCH finden und sie stehen streng genommen vor dem Ende? Wie siehst Du da die Bestandsentwicklung? Nicht echt zunehmend weniger? Höre gerne auch ANDERE Erfahrungen!.


    Ich hatte da mal einen Wald, der nach und nach mit Brombeeren zuwucherte, ging langsam über Jahre! Am Anfang echt noch tatsächlich! der einzige Wald der Gegend, in dem Maronen in höherer Zahl vorkamen (Kiefernbetonter Mischwald) und ja sogar einzelne Fichtensteinpilze.(obwohl es da keine Fichten gab, aber die sind nicht so streng mit den Habitaten! )( Die letzten Jahre vor meinem Wegzug, NICHTE mehr

  • Hannes2 Ja etwas Luft muss natürlich schon sein, sonst sieht man ja eh nichts. Und ja, Ahorn hat in Sachen Symbiose nichts zu bieten. Zumindest nicht in unseren Gefielden, keine Ahnung wie es da in anderen Ecken der Welt aussieht. In Douglasienbeständen finden sich immerhin manchmal Goldröhrlinge.


    Safran Keine Ahnung, um das zu beurteilen bin ich zu kurz dabei. Die Stelle kenne ich jetzt seit zwei Jahren und bisher hat sich da nichts zum Schlechteren verändert.

  • Eine meiner besten Stellen für Maronenröhrlinge ist in einem Stück Nadelwald in dem alles voll mit Brombeerranken ist. Dort zu sammeln ist eine Zumutung, lohnt im Herbst aber sehr. Auch der vereinzelte Fichtensteinpilz lässt sich dort mitunter finden.

    Hallo,

    na schönen Dank, so einen Wald habe ich auch, das war der erste meiner Maronenwälder. Ganz gruselig. Da es die Dinger hier bei mir eh flächendeckend überall gibt, lassen wir das.

    Aber die Brombeeren tragen recht gut, so am Rand lohnt sich das. Als ich da sammeln war, hatte ich vorsichtshalber eine Gartenschere mit, um die ein oder andere Ranke abzuschnippeln, um an irgendwas dran zu kommen.

    Ansonsten kannst du überwiegend vergessen, an lichteren Stellen mal ein paar Perlpilze, falsche Pfiffis und an liegendem Holz reichlich grünblättrige Schwefelköpfe, bischen Kleinkram, das wars.

    So wie Jörg das schon u.a. schrieb, sowas kannst du meist eher vergessen, man kann immer mal wieder gucken, aber das ist dann meist eine Tortur.

    Das Einzige, was da lohnt sind die Brombeeren, wenn viele dran sind.

    Ich habe etwas östlich von Hildesheim auch so einen Wald, da bin ich schon zig Mal gewesen, außer vereinzelten Perlis und alle paar Jahre mal ein zwei Steinpilzleichen, rein gar nichts.

    Mal hier und da im Sommer ein paar harte Zinnobertäublinge.

    Da gibts in größeren Mengen im Herbst fast nur eine Art, Hallimasch.

    Wenn der genannte Wald nichts bringt, dann bliebe dir z.b. die Wälder südlich der Elbe bei HH Hausbruch, Fischbek, Heimfeld und Neugraben, das ist doch mit S-Bahn erreichbar.

    Ansonsten noch westlich und östlich von Norderstedt, das müßte doch auch noch einigermaßen gehen mit Öffis.

    Falls du das 49 Euro Ticket nutzt, eventuell mal etwas weitere raus mit der Bahn.


    LG

    Daniel

  • Hallo,


    ich schließe mich hier der Meinung mit dem Brombeergestrüpp an. Und bei Ahorn muss man auch wenig Hoffnung haben.


    Ich habe hier einen Kiefernwald, der ist ca. 40 cm hoch und vollflächig mit Brombeeren bewachsen. Allein das Laufen dort ist schon unschön.


    VG,

    Steffen

  • Mit diesem Thema beschäftige ich mich gerade selber intensiv, da ich mir aufgrund eines Umzugs neue Habitate in einer völlig fremden Gegend in Oberschwaben erschließen muss. Ich komme zwar ursprünglich aus der groben Ecke, aber die Wälder hier vor Ort waren mir völlig fremd.


    Ich sammle wie die meisten gerne die Klassiker Steinpilz und Pfifferling, aber auch Maronen oder Semmelstoppelpilze, wenn sie mir vor die Füße laufen. "Gute" Pilzwälder erfüllen für mich grob folgende Kriterien:


    • Moosiger Untergrund (konserviert Feuchtigkeit), gerne mit Säureanzeigern wie Heidelbeeren.
    • Kein Gestrüpp, kein Gras, keine Brombeeren, kein Springkraut usw. Brombeeren z.B. sind Kalk- und Stickstoffanzeiger, viele Pilze mögen aber eher saure und magere Standorte.
    • Gerne etwas Sonne, aber keine Mittagshitze. Steinpilze finde ich oft an lichten Wegrändern, im dunklen Unterholz eher selten. Pfifferlinge scheinen sich in warmen Hanglagen besonders wohl zu fühlen.

    Vielleicht findest du in Hamburg ja Gleichgesinnte mit PKW, ein Abstecher in die Lüneburger Heide lohnt bestimmt!


    EDIT: Eure Beobachtung, dass die Brombeeren zunehmen, scheint zu stimmen, das hat es sogar bis in die Zeitung geschafft: https://www.br.de/nachrichten/…er-unsere-waelder,Tp1YyCu

  • Hallo,

    außer komplett zugewuchterter Dschungel würde ich gar nichts ausschließen. Brombeerdickicht lann ja gut sein, wenn die viel tragen.

    Kalkige Laubwälder sind doch was Tolles, teils super interessant, da gabs hier ja schon so einige beeindruckende Fotoserien.

    Saure Nadelwälder aber genau so.

    Moore sind sowieso eine ganz eigene Sache, mit meine liebsten Habitate, kannst mal schauen, ob es da was gibt bei euch, was kein NSG ist.

    Im Endeffekt kannst du online schon mal gucken, ob du Bilder un irgendwas an Infos zu den jeweiligen Wäldern findest.

    Pilzkartierungen gucken für die Region kann auch nie schaden, mache ich oft.

    Mit anderen Sammlern mal so zufällig ins Gespräch kommen und einen Blick in den Korb werfen...

    Mal eine oder mehrere geführte Touren.

    Oder auf die ganz altbewährte Art, alles Marke Eigenbau, inkl. sehr sehr vielen Kilometern zu Fuß an der frischen Luft, je nach Terrain mehr oder weniger anstrengend.

    Gestern war das bei mir mit einer Erkundungstour zur üblichen Rundtour eine gut 7 stündige Moorwanderung.

    Da außer Pfiffis und ein paar Täublingen momentan eh wenig los ist, na dann beschäftigen wir uns eben genau damit mal intensiver.

    Einmal alles neu, anders wirds wohl nicht gehen.


    LG

    Daniel

  • Es wurde schon alles gesagt – natürlich kann man immer überall auch Glück haben, aber die Wahrscheinlichkeit ist eben bei Brombeeren und vor allem auch bei Springkraut eher gering. Wobei es schon auch auf die Art ankommt: Fransiger Wulstling oder Champignons wachsen gerne an Stellen, die Steinpilze etc. gar nicht mögen, das ist ja klar. Und Parasole oder Rotfüße z.B. können überall.


    Eines ist mir noch aufgefallen: Man würde denken, Pilze mögen lockeren Boden – stimmt aber nicht. Am wenigsten wachsen sie in diesen lockeren Gemengen aus Stöckchen, Zapfen, Nadeln und Blättern. Da findet man nur sehr vereinzelt mal Hexen, Maronen, Schirmpilze, Knollenblätterpilze und bestimmte Milchlinge. Ergiebig (für die Speisepilz-Klassiker) sind dagegen etwas festere Böden, mit kaum Bewuchs, und lichten Stellen dazwischen. Wenn Nadelwald, dann besser die schön gleichmäßige Decke aus Nadeln …


    Gut ist auch: Abwechslung zwischen jungen und alten Bäumen. Ränder oder Übergänge zwischen Waldarten. Also z.B. mal an einer Weide langlaufen, die am Waldrand liegt – da kanns regelrecht explodieren, während im Wald nix ist. Dass Gras schlecht sei, wie Suillus meint, kann ich nicht bestätigen - ganz im Gegenteil … zumindest wenns nicht dieses lange, ganz harte Gras ist.


    Ungeeignete Bäume wurden schon genannt, schlecht sind aber außerdem noch Erle (außer z.B. für Morcheln) und Robinie. Auch nur eingestreute Robinien heißt für mich definitiv: da gucke ich höchstens mal nach Maipilzen im Gestrüpp.

  • Ein guter Pilzwald braucht (sofern Artenvielfalt zum guten Pilzwald gehören soll) alte Bäume! Alte Bäume haben ein vielfaches an Pilzbegleitern als junge Bäume.

    Manch junger Hain mag zwar viele Pilze hervorbringen aber die Vielfalt hält sich in Grenzen. Allerdings muß man das auch wieder relativ sehen. Ehemalige Baugruben z.B. haben auch schon mal reichlich Unterschiedliches an Pilzen zu bieten. Allerdings auch wieder innerhalb einer gewissen Range an möglichen Pilzen.


    Ich habe in Hamburg einiges an Wäldern, Parks etc. gesehen. Auch den Klövensteen kenne ich. Da ist insgesamt wirklich nicht viel zu entdecken. Ein bißchen was geht aber wenn man zur rechten Zeit dort ist. Wenn man von der S-Bahn straight nördlich geht und bei der Straße bleibt kann man irgendwann mal links rein. Da ist kein NSG und zuweilen finden sich dort Maronen, Birkenpilze und vereinzelt anderes verwertbares. Es ist aber sicherlich 5 Jahre her daß ich zuletzt dort war. Wer weiß wie es heute ist. Allerdings gibt es auch mach schöne Fleckchen dort zu entdecken und kleine Freuden der Natur, wie Schlangen etc.


    Heimfeld, Neugraben und diese Eckchen habe ich auch alle mal abgegrast. Zuweilen lassen sich nette Dinge finden aber in Gänze ist es auch dort relativ mager bestellt. Vielleicht, wenn man oft und regelmäßiger schaut, lässt sich besser beurteilen wo und was sich finden lässt.

    Mir war die Strecke immer zu weit um dort hin zu kommen. Aber manchmal habe ich es in Kauf genommen. Meinen Futterkorb kann ich woanders aber viel leichter füllen.

    Wahrscheinlich fragst du dich jetzt wo. Klar!

    Das ist, für Hamburg, schnell zu beantworten. Große und/oder alte Friedhöfe können viel bieten. Es müssen halt Grünflächen und (alte) Bäume vorhanden sein.

    Und der Sachsenwald kann auch schonmal ein lohnendes Ziel sein. Aber der Wald ist schwierig! Dort fündig zu werden, abgesehen von Maronen, erfordert Kenntnis.

    Ich habe dort viele Jahre regelmäßig verkehrt und mir diverse Stellen für x oder y erarbeitet. Ich weiß in gewissen Bereichen wo ich was finden kann. Ab und zu kommen auch seltene Pilze vor. Neben der Kenntnis muß man außerdem viel laufen um vielfältige Funde zu machen.


    Falls du das Deutschlandticket hast kannst du mal erwägen mit dem Zug in Richtung Büchen und Umgebung zu fahren. Dort sollen überall mal gewisse Plätzchen vorkommen an denen es Pilze gibt. Ein paar habe ich auch schon mal kennenlernen dürfen. Ja, Lüneburger Heide an sich ist ein Ziel das man mal ausprobiere sollte.

  • ....


    Eines ist mir noch aufgefallen: Man würde denken, Pilze mögen lockeren Boden – stimmt aber nicht. Am wenigsten wachsen sie in diesen lockeren Gemengen aus Stöckchen, Zapfen, Nadeln und Blättern. Da findet man nur sehr vereinzelt mal Hexen, Maronen, Schirmpilze, Knollenblätterpilze und bestimmte Milchlinge. Ergiebig (für die Speisepilz-Klassiker) sind dagegen etwas festere Böden, mit kaum Bewuchs, und lichten Stellen dazwischen.


    ...

    Gut beobachtet! :thumbup:

    Das mit dem festen Boden stimmt. Das sollte man verinnerlichen.

    Es ist aber auch nicht die ganze Wahrheit. Ich finde durchaus auch auf anderen Böden, weich, grasig etc., die gleichen Pilze. Oft befördert das sogar ihr Wachstum! Aber trotzdem, fester Boden und gute Sicht sind gute Ziele.

    Und jede natürliche Hemmschwelle für ein Myzel, wie Wege oder andere Bodenverhältnisse, andere Myzelien, sind Grenzen an denen ein Pilz sich gerne die Mühe erspart sich weiter voranzukämpfen und fruktifiziert dort stattdessen.

    Deshalb, ... wenn am Waldrand nichts steht, ist es im Wald schwierig etwas zu finden.

  • Gut beobachtet! :thumbup:

    Das mit dem festen Boden stimmt. Das sollte man verinnerlichen.

    Es ist aber auch nicht die ganze Wahrheit. Ich finde durchaus auch auf anderen Böden, weich, grasig etc., die gleichen Pilze. Oft befördert das sogar ihr Wachstum! Aber trotzdem, fester Boden und gute Sicht sind gute Ziele.

    Stimmt, ich habe z.B. so eine ganz lockere, chaotisch durcheinander gewirbelte Stelle, an der gerne viele und sehr große Steinpilze wachsen. Ist aber eher die Ausnahme … Ich würde daher spezifizieren: Die Trefferquote ist höher, wenn ich in einem mir unbekannten Wald die festeren Böden und Ränder/Übergänge aufsuche …

  • schlecht sind aber außerdem noch Erle (außer z.B. für Morcheln) und Robinie

    Was hast Du gegen Robinien? Da wächst doch sehr gern das Waldhuhn (Laetiporus sulphureus) dran. Ob die dort wirklich essbar sind steht natürlich auf einem anderen Blatt ;) .


    VG Jörg

  • schlecht sind aber außerdem noch Erle (außer z.B. für Morcheln) und Robinie

    Was hast Du gegen Robinien? Da wächst doch sehr gern das Waldhuhn (Laetiporus sulphureus) dran. Ob die dort wirklich essbar sind steht natürlich auf einem anderen Blatt ;) .


    VG Jörg

    Schon dass da nur dieses wabbelige Waldhuhn wachsen mag, macht die Robinie höchst verdächtig … Aber es gibt ja zum Glück auch für Pilzsammler äußerst spannende Neophyten, das sei an dieser Stelle einmal verraten. ;)

  • Hallo an alle,

    es gibt noch weit mehr pilzarme Waldbiotope:


    Bei mir z.B. sehr flachgründige saure Eichenwälder im Hunsrück. Da denk man, es müsste doch was gehen... tut's aber nicht. Kein einziger der zahllosen Eichenbegleiter.


    Steile Südhänge. Selbst kurz nach dem Regen sind die hier zu trocken.


    Douglasienforste.


    Aber nach 2,3 Besuchen kann man das noch nicht sicher sagen. Es gibt auch die "Sensiblen" - da geht es ganz selten ab, aber wenn, dann richtig. Unter den Kalkbuchenwäldern muss es diesen Typ geben, sagt man mir (hab' ich hier leider nicht).


    Den einen Tipp gibt es also nicht. Sauer, Kalk, Sand: auf fast allen Grundgesteinen kann es Pilze geben. Eiche, Buche, Fichte, Kiefer: und bei fast allen bestandsbildenden Waldbäumen.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Hallo,


    danke für eure Gedanken und Ausführungen.


    Das ganze ist sehr, sehr komplex und eine Regel, welcher Wald, oder welche Stelle gut ist oder nicht, gibt es nicht. Aber irgendwie entwickelt man ein Bauchgefühl.


    Ich kenne Wälder vor der Haustüre, wo ich nie hingehe, weil ich weiß, das es dort nichts gibt. Warum das so ist, keine Ahnung. Der Nachbarwald ist völlig anders. Oder 500 m neben meinem Haus ist ein Teich. Ringsum am Ufer richtig alte Eichen. Denkste das es dort auch nur einen Mykorrhizapilz gibt? Nee, in 50 Jahren habe ich keinen gesehen. Nix.


    Ich kenne meine Hauswälder seit vielen Jahren. Wenn ich allerdings ortsfremd bin, fehlen diese Erfahrungen und dann habe ich das Problem, das icxh vielleicht in einem "unbrauchbaren" Wald herumrenne, während einem Waldstück weiter die Pilze sprießen...


    Aber so ist das eben.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Spannend. Ich hab hier um Bremen jetzt mitlerweile ein bischen Strecke gemacht und sehe eure Hauptaussagen bestätigt. Es gibt einfach Wälder da geht scheinbar gar nichts und es gibt welche da geht mehr. Dann gibt es welche die funktionieren stellenweise.


    Was die besten Stellen (verglichen mit den anderen Wäldern vor Ort) gemein haben, sind alte Bäume, Moosflächen, kein Springkraut und wenig bis keine Brombeeren. Die besten Flecken sind relativ unbewachsen, bis auf flächendeckendes Moos. Einfach nur laubbedeckter Boden funktioniert hier scheinbar so gut wie nie. Es muss das Moos da sein, dann fängt es an spannend zu werden.


    Steinpilze fand ich bis jetzt ausschließlich an Wegrändern.


    Spannend spannend.

  • King Stropharia

    Nutze die Mund-zu-Mund-Propaganda der Hamburger, von denen es ja einige hier im Forum gibt. Die können dir sicher die richtigen und vor allem aktuellen Wald-Tipps geben. Hat ja Mausmann auch schon gemacht. Allgemeine Regeln zu "guten" und "schlechten" Wäldern gibt es kaum, auch ist es oft so, dass ein Wald 49 Wochen im Jahr "schlecht" ist, und in den restlichen 3 Wochen steppt der Bär. In Oberschwaben gibt es viele an sich herrlich aussehende Pilzwälder, dann aber bläst der übereifrige Förster einmal Kalkpulver rein, und es kommen keine Pilze mehr. Oder ein schöner moosiger Nadelwald wird ausgelichtet, und das Kraut schießt in die Höhe, und das Pilzhabitat ist dauerhaft vernichtet.


    Generell kann man sagen, dass es auch irgendwo gut ist, dass man nicht einfach an 100% zuverlässige Pilzstellen laufen und die Ernte einfahren kann, sonst wäre das Pilzesuchen längst nicht so spaßig (wenn man dann doch was findet) und hätte mehr was vom Ernten von Gartenfrüchten, was ja an sich unspaßig ist.


    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • ...

    Generell kann man sagen, dass es auch irgendwo gut ist, dass man nicht einfach an 100% zuverlässige Pilzstellen laufen und die Ernte einfahren kann, sonst wäre das Pilzesuchen längst nicht so spaßig (wenn man dann doch was findet) und hätte mehr was vom Ernten von Gartenfrüchten, was ja an sich unspaßig ist.


    FG

    Oehrling


    Das ist wohl wahr! :gnicken:


    VG,

    Steffen

  • Hallo,

    der eine findet Steinis eher am Wegrand, ich eher weniger, nicht nur der Konkurrenz wegen.

    In einem Laubwald mit durchaus einigen Robinien finde ich immer recht viele qualitativ gute Rotfußröhrlinge mit wenig Maden und Schimmel, kann also auch so sein.

    Erle, ja aber ich will ja auch mal Erlenbegeleiter sehen, wie den Erlengrübling, gibts hier viel zu selten.

    Kahle lichte Fichtenwälder z.b., klar, da sieht man super, tolle Sache zum Maronen ernten und für Steinis und Perlpilze und so ein paar Täublinge, aber sonst kann so eine Monokultur auch eher mau ausfallen.

    Harte Stellen, das mögen einige Arten bisweilen ganz gern. Perlpilze finde ich nicht selten auf so harten Wegen. Pfiffis manchmal auch, nur bleiben die da nicht selten auch recht klein.

    Netzhexen können auch gut auf hartem Untergrund.

    Sandröhrlinge z.b., die mögen es eher weich, die find ich hier nur auf dickem weichen Moospolster.

    Cantharellus amethysteus finde ich bisher nur auf dickem Moos oder lockerem Moorboden. Cibarius auch mitten auf dem festen Mittelstreifen vom Weg.

    Massenpilze, wie Maronen oder Perlis, die sind natürlich in solchen kahlen Wäldern mit Moos oder Streu gut zu sehen und es ist leicht da.

    Die besten und interessantesten Funde mache ich aber doch im ziemlichen Gewirr aus allem Möglichen, so dicht, daß man aber noch ganz gut gehen kann.

    Eines meiner besten Habitate, um diesen Teich drumrum. Dicht bewachsen, ein Dschungelartiges Gewirr aus alten wie jungen Bäumen mit einigem an Totholz.

    Da gibts manchmal so richtig dicke feste Rotkappen und wer weiß was noch, im Herbst bodendeckend alles Mögliche an Pilzen.

    Da bist du kaum 20 m vom Weg weg, der eh schon kaum begangen wird, weil eine Sackgasse und schon kannst du die Orientierung verlieren, direkt dran an den See ist schwierig, zu weich und moorig.


    LG

    Daniel

  • Ich habe zuletzt festgestellt dass in Wäldern in denen im Herbst geschlagen wurde, nun quasi nichts mehr wächst. Die Spurrinnen der Fahrzeuge wachsen mit Schilfgras zu. Darin wächst quasi kein Pilz mehr. Und auch dem Rest scheint das nicht so zu gefallen. Begründen kann ich es nicht. Reine Beobachtung dass ein unglaublich ergiebiges Waldstück nun quasi nichts mehr hervorbringt. Im ungeschlagenen Teil nebendran ist alles wie gehabt.