Hallo,
ich nutze Pilz-Apps vor allem, um zu zeigen, welche falschen und teilweise erschreckenden Ergebnisse sie liefern können. Gleichzeitig versuche ich zu erklären, warum das so ist.
Keine App kann wichtige Merkmale wie Geruch, Geschmack, Haptik, Alter, Zustand, Größe oder das gesamte Umfeld eines Fundes erfassen. Genau diese Merkmale sind bei der Pilzbestimmung aber oft entscheidend.
Ein Beispiel aus der Praxis: Vor mir stand eine kleine Lepiota mit etwa 2,5 cm Hutdurchmesser und bereits aufgeschirmtem Hut. Die App machte daraus einen Riesenschirmpilz (Parasol) und stufte ihn guten als Speisepilz ein. Voilà.
Auf meinen Pilzexkursionen geht es daher um weit mehr als nur das Bestimmen von Arten. Wir sprechen über Ökologie, Mykorrhiza, Saprobionten, Parasiten, Baumarten und verschiedene Habitate. Dazu kommen viele interessante Hintergründe: Warum heißt der Fliegenpilz eigentlich Fliegenpilz? Wie entstehen die weißen Flocken auf seinem Hut? Solche Themen lockern die Exkursion auf und helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen.
Wichtig sind natürlich auch die Giftpilze. Ebenso die beliebtesten Speisepilze und deren gefährliche oder zumindest häufige Verwechslungspartner.
Aktuell ein echter Klassiker sind beispielsweise Hallimasch-Arten und verschiedene Schüpplinge. Da wird oft vorschnell bestimmt, obwohl man genau hinschauen muss. Solche Beispiele eignen sich hervorragend, um wichtige Merkmale und typische Fehlerquellen zu erklären.
Letztens hatte ich 5 Arten Wulstlinge, das war super, um die Unterschiede zu erklären.
Gerade diese Zusammenhänge lassen sich auf einer Exkursion viel besser vermitteln als durch das bloße Ablesen eines App-Ergebnisses. Das Ziel sollte nicht sein, einen Pilznamen zu erhalten, sondern zu verstehen, warum ein Pilz zu einer bestimmten Art gehört und welche Arten man dabei ausschließen muss.
Ein besonders wichtiger Punkt ist außerdem das Erkennen von überalterten oder verdorbenen Pilzen, also von Gammelpilzen. Auch das kann keine App zuverlässig beurteilen.
Umso erstaunter war ich, als mir Teilnehmer berichteten, dass es tatsächlich Pilzexkursionen gibt, bei denen die Bestimmung im Wesentlichen über Apps erfolgt. Das hat mich offen gesagt ziemlich entsetzt.
Nachtrag: Wenn ich einen Pilz nicht kenne, sage ich das einfach. „Herumeiern“ wäre meiner Meinung nach vollkommen falsch.
Viele Grüße,
Steffen