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letzter Beitrag von Oehrling am

Schildrötling ? - Nein , Schlehenrötling

  • Hallo zusammen,

    Diese Pilze wachsen jedes Jahr mitte Mai unter einem einsam auf Wiese stehenden Wildkirschenbaum.

    Ich bin denen immer aus dem Wege gegangen (Rötlinge - für mich nicht bestimmbar)

    Nun ja , heute konnte ich mich nicht bremsen , jetzt liegen sie hier.

    Ich tendiere zum Schildrötling weil Mykorrhizapartner eindeutig Kirsche.

    Allerdings sind sie beim Bildvergleich doch sehr hell - aber was könnte es sonst sein ?

    Anilin habe ich nicht .

    Was sagt ihr dazu ?

    Grüße

    Norbert


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    Pilzchips = 100 -5 APR 2015 +12 APR 2016 = 107 -7 Für APR 2017 = 100 + 5 APR 2018 =105
    Pilzbestimmung im Netz ist keine Essfreigabe

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  • Hallo Dieter,

    Habe ich leider auch nicht.

    Gruß

    Norbert

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  • Hi,


    tendenziell eher Schlehenrötling. Die Unterscheidung zwischen Schild und Schlehe geht nur makrochemisch mit Anilin. Mikroskopisch nehmen sich beide Arten nix.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo,

    Das ist ja mein Problem , dass da auch mikroskopisch nichts geht.

    Und bevor ich mir Anilin besorge lass ich die Sache auf sich beruhen.

    Trotzdem vielen Dank für euer Interesse.

    Gruß

    Norbert

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  • Hi,

    Naja, es gibt nach Literatur schon noch Möglichkeiten:

    a) clypeatum deutlich dunkler gefärbt als sepium

    b) Wenn irgendwo eine rötliche Verfärbung bei Wurmlöchern/Verletzung, etc. auftaucht, ist es sepium

    c) Sporen clypeatum: 6-eckig, leicht gestreckt. Sporen sepium: 5 bis 7-ecki, Qm = 1,1

    --> ein Eckigkeitsdiagramm über viele Sporen erstellt sollte funktionieren.

    E. aprile und E. saundersii noch im Auge behalten.

    Beste Grüße

    Dieter

  • c) Sporen clypeatum: 6-eckig, leicht gestreckt. Sporen sepium: 5 bis 7-ecki, Qm = 1,1

    --> ein Eckigkeitsdiagramm über viele Sporen erstellt sollte funktionieren.

    E. aprile und E. saundersii noch im Auge behalten.

    Hi,


    gut, aber wer macht sich die Mühe? Gibts überhaupt gescheite Hilfsmittel dafür? Klar kann ich Strichlisten führen, aber wieviel Sporen sehe ich mir für eine wiss. haltbare Aussage an?


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo,

    Dann warte ich mal auf abgeworfene reife Sporen in Masse (Morgen)

    ....und dann gehts mal ans Eckenzählen.

    Nur liegen die ja nicht alle gleichmässig unterm Objektiv ==Gnolm5- Schaun mer mal.

    Grüße

    Norbert

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  • Hi,


    Guajak wird auf meiner nächsten Bestellliste draufstehen, Anilin sicher nicht.


    @ Hallo Dieter,

    an dieser Stelle einmal ein Dankeschön für deine fundierten Berichte, ich lese/gucke gerne mit, :)

    Für das Erstellen eines Eckigkeitsdiagrammes fehlt Norbert und mir ein entsprechendes Programm. Meinerseits arbeite ich noch immer mit 'Jens Rüdigs Makroaufmaßprogramm 0.9.2'. Damit bin ich fast noch in der Steinzeit, weil ich eine Canon auf mein Labomed-Mikroskop adjustiere. Mit dem Kauf einer Einsteckkamera würde sich dieses Problem beheben lassen, mir ist diese Variante einfach zu teuer.

    Mit MinIOn steht uns eine neue, zusätzliche Technik zur Verfügung, a portable, real-time DNA/RNA sequencing device. Yepp, klingt verlockend, aber damit ist man noch weit weg vom Ufer. Weil DNA-Sequenzen von einem Pilz mit bereits mit den in den Datenbanken gespeicherten verglichen werden. Und in Herbarien falsch bestimmte Belege gibt es reichlich ... ;)


    LG

    Peter

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    Es reicht ein Hut aus Zunderschwamm als Statussymbol. Brennt nur der Kopf, wenn der Blitz einschlägt.

    Chips: 52 - 5 für Pablo = 47

  • Das ist ja mein Problem , dass da auch mikroskopisch nichts geht.

    Und bevor ich mir Anilin besorge lass ich die Sache auf sich beruhen.

    Brauchst du ja gar nicht. Guajak leistet bei diesem Bestimmungsproblem exakt das Gleiche wie Anilin - den Schlehenrötling vom Schildrötling unterscheidbar zu machen. Anilin, insoweit gebe ich dir recht, sollte man aus Gesundheitsgründen nur verwenden, wenn gar nichts anderes mehr geht, das ist hier aber nicht der Fall. Die 4 Euro für Guajak kann man investieren, sofern man schon für Mikroskop und Literatur Hunderte und Aberhunderte Euro investiert hat (?).

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

    2 Mal editiert, zuletzt von Oehrling ()

  • Hallo,

    Nur liegen die ja nicht alle gleichmässig unterm Objektiv ==Gnolm5- Schaun mer mal.

    Ich nehme einfach immer nur die Sporen bei denen der Apikulus schön mit drauf ist und in eine Richtung zeigt die wahrscheinlich parallel zum Deckglas ist. Siehe Bild unten.

    an dieser Stelle einmal ein Dankeschön für deine fundierten Berichte, ich lese/gucke gerne mit, :)

    ;-) Gerne - freut mich sehr!

    Für das Erstellen eines Eckigkeitsdiagrammes fehlt Norbert und mir ein entsprechendes Programm.

    Naja, das braucht es nicht so wirklich, zählen muss man ja sowieso von Hand auf einem Sporensequenzblatt am besten (hier kein Schlehenröti):
    mush-15899.jpg

    "Software" hab ich auch keine - bzw nur einen schnell zusammen gebastelten Eckulator - anbei.

    Aber das ist echt ne Spielerei - braucht eigentlich kein normaler Mensch. Nur Pilz-Nerds wie ich. ==roeessbar==roeessbar==roeessbar==roeessbar

    Beste Grüße
    Dieter

  • Moin!


    Und hier noch die Sporen von s(a)epium:


    Von clypeatum habe ich noch keinen schönen Abwurf mikroskopiert - kann also nicht abschätzen, wie variabel das ist.
    Problem bei vielen Rötlingen: Die Sporen sind extrem variabel. Kann schon bei einem einzigen fruchtkörper einen enormen Unterschied machen, ob man Sporen aus einem Abwurf hat oder aus einem Gewebepräparat (Lamelle), auch die Fruchtkörperreife kann erstaunliche Unterschiede ausmachen.

    Dennoch: Ich tendiere hier vom Gesamteindruck auch eher zu sepium. Interessanterweise übrigens eine Art, wo man gezielt mal versuchen sollte, auch alte, schon eingermaßen morsche Fruchtkörper in die Betrachtung miteinzubeziehen. Da fleckt sepium ganz gerne mal rötlichbraun, nahezu Perlpilzartig, vor allem gerne am Madenfraß im Stiel.

    Guajak / Anilin sollte aber das praktischste Merkmal sein, und das kann man immer mal wieder gebrauchen (auch für Täublinge und Ritterlinge zB).

    Röten bei sepium:



    LG, Pablo.

  • Prima Pablo,
    und wie es der Zufall will habe ich gestern noch was zum Thema gemacht....
    Da folgt noch ein Bericht aber schon mal vorab:

    Schlehenrötling (Entoloma sepium):
    mush-16009.jpg

    Hier sieht man toll die zeit- und ort-abhängige makrochemische Reaktion:
    mush-16010.jpg

    So appetitlich sehen die geputzt aus:
    mush-16011.jpg

    So in der Pfanne:
    mush-16012.jpg

    Und so auf dem teller:
    mush-16013.jpg

    LEEEEEEEEEEEEEEEEEEECKER WAR'S!!!
    Die knuspern wie Chips und haben im Geschmackstest gestern die Wertung 8,5 bekommen! ==Pilz27==Pilz27==Pilz27==Pilz27
    Beste Grüße
    Dieter

  • Hallo,

    Nun , das Eckenzählen hat mich eher frustriert , und mit Diagrammen habe ich es nicht so.

    Vom Verhältnis Länge : Breite also eher sepium.


    Habe mir aber soeben Anilin und Guajak bestellt , mal sehen ob die Pilze bei der Ankunft der Chemikalien noch da sind.

    Nun frage ich mich aber : Wenn man Schild,- und Schlehenrötling makroskopisch nicht und mikroskopisch kaum unterscheiden kann , wie sind die dann vor ca. 150 Jahren schon getrennt beschrieben ??==Gnolm5

    Sequenzierung gabs damals ja nicht.

    Fragen über Fragen.

    Grüße

    Norbert

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  • Hallo Norbert,

    Schlehen- und Schildrötling wurden damals in erster Linie anhand der Form des Hutbuckels und der unterschiedlichen Färbung unterschieden. Der Name Schildrötling weist auf den sehr speziellen breiten Hutbuckel hin, der in der Form an einen Ritter-Schild erinnert. Mittlerweile kennt man ja etliche Rötlinge mit schildförmigem Hut. Auch fiel wohl damals auf, dass die zur gleichen Jahreszeit unter Schlehdornen wachsenden Rötlinge heller waren als die unter Apfelbäumen und nach dem Anschneiden verfärbendes Fleisch hatten - ergo musste dies eine andere Art sein. Dagegen fiel eine Art wie Entoloma niphoides (was auch immer das sein soll; nie persönlich gesehen) den Mykologen erst viel später auf (Erstbeschreibung durch ROMAGNESI 1947). In der Folgezeit konnten durch verfeinerte Forschungsmethoden Arten wie E. saundersii, E. aprile oder gar E. bahusiense unterschieden werden, wobei ich von all diesen Arten nicht die geringste physische Vorstellung habe, typische Phantome eben in meinen Augen. Falls in diesem Formenkreis Genanalysen folgen sollten, werden möglicherweise nicht alle genannten Artkonzepte dies überstehen.

    Ich hoffe, dir weitergeholfen zu haben.

    FG

    Oehrling

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  • Hallo Oehrling,

    Danke , das ist eine einleuchtende Erklärung.

    Gruß

    Norbert

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  • Hallo,

    Die Chemikalien sind da , die Entscheidung ist klar : Schlehenrötling Entoloma sepium

    Grüße

    Norbert

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  • Norbert.S

    Hat den Titel des Themas von „Schildrötling ?“ zu „Schildrötling ? - Nein , Schlehenrötling“ geändert.
  • Servus Norbert,


    super dokumentiert,


    LG

    Peter

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    Chips: 52 - 5 für Pablo = 47

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