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letzter Beitrag von Climbingfreak am

Gesamtgesellschaftlicher Nutzen der Pilzkartierung

  • Hallo zusammen,

    interessanter fände ich in diesem Zusammenhang, einmal über den gesamtgesellschaftlichen Nutzen der Pilzkartierung zu diskutieren - selbstverständlich ergebnisoffen, damit man sich als Nichtbeteiligter in das Problem, das Christoph und Peter umtreibt, besser hineindenken kann, und um abschätzen zu können, ob es vielleicht doch nur ein Streit um des Kaisers Bart ist.

    Was ich mich z. B. schon längere Zeit frage: ob Kartierungsergebnisse überhaupt in der Realität politische oder von mir aus auch handlungspraktische Folgen haben - etwa in der Weise, dass bei landschaftsgestalterischen Entscheidungen (Ausweisung von Naturschutzzonen, Bau von Windkrafträdern im Wald, Forstwirtschaft) die Politik tatsächlich auf Kartierungsergebnisse zurückgreift und nicht nur Forschungsaufträge alibimäßig für teuer Geld vergibt und die Ergebnisse dann in "Giftschränken", "Geheimarchiven" oder ähnlichem versenkt und hinterher bei ihren Entscheidungen lediglich Wirtschaftsinteressen bedient. Also wertfrei danach gefragt, was mit den Ergebnissen der Kartierungsarbeit konkret passiert.

    Ist jetzt nur so ein Impuls zur weiteren Entwicklung der Diskussion von mir, denn das Hin und Her zwischen den beiden Hauptdiskutanten spricht mich immer weniger an, je länger es läuft.

    FG

    Oehrling


    Edit by Takumi

    Beiträge in eigenen Thread ausgegliedert um die Vermischung der Themen zu vermeiden und eine Struktur der Threads zu erhalten.

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Ahoj,


    die von Oehrling vorgeschlagene neue Richtung der Diskussion käme mir sehr zu Pass;

    bin gespannt, was dazu kommt.

    Selber kann ich leider nichts beitragen.


    ...das Hin und Her zwischen den beiden Hauptdiskutanten spricht mich immer weniger an, je länger es läuft.

    das hätte Dir in der vorigen Forums-Version eine Bewertung von mir eingebracht:

    "...für die äußerst einfühlsame Formulierung im Thema...."

    Bewertungen gibt's nicht mehr, so kann ich Deinen Beitrag nur "liken" (...was für ein schön scheußliches Wort...)


    LG

    Peter

  • Hi,


    um es kurz zu machen. Pilze haben keine Lobby. "Feldmykologe" hat bei der MV ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. Er hat schon eine gute Einschätzung der aktuellen Situation wiedergegeben aus meiner Sicht. Er meinte, dass derzeit die politische Lage auf Erschließung von Baugrund hinausläuft und deswegen Naturschutz überhaupt keine Lobby hat. Ein GRund mit, warum derzeit die Umweltschutzbehörden auch die Bundesartenschutzverordnung nicht anfassen. Besser den Status Quo erhalten, als eine Novellierung und dann schlechter dazustehen.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo Oehrling,


    um etwas zu schützen, ist die Erfassung eines Vorkommens erst einmal zwingend notwendig. Auch die Vorkommen der Feldhamster etc. mussten erst möglichst genau nachgewiesen werden, bevor es zu spektakulär teuren Umsiedlungsaktionen kam. Das ist die Aufgabe der Kartierung. Das Vorkommen und die Bestandsdynamik ermitteln. Dies ist der erste Schritt.


    Der zweite, weitaus schwierigere Schritt ist, aus den Ergebnissen die notwendigen Handlungen abzuleiten, sie plausibel und notwendig darzustellen. Da sind wir bei den Pilzen, den "Vergessenen der Natur" (so der damalige Umweltminister von B-W Erwin Vetter 1991 bei der Vorstellung des Atlas der Großpilze von German Krieglsteiner) noch nicht angekommen, wo wir hin wollen. Pilze haben ja auch "schlechte Eigenschaften", wenn ich an Holzparasiten, Gebäudeschimmel und ähnliches denke, und sind dann letzlich teiweise nicht besser dran als Mücken. Man kann also durchaus auf welche verzichten und die Bekämpfung ist besser als der Schutz. Wir müssen also die Lobby sein, die Unverzichtbarkeit der Pilze in den Mittelpunkt zu rücken.


    Und, es gibt durchaus einzelne regionale Erfolge, wo durch persönlichen Einsatz von Pilzfreunden im Einvernehmen Areale , wo sehr seltenen Pilze vorkommen geschützt wurden. Es gelang den Akteuren zum Beispiel die intensive Waldnutzung in bestimmten Arealen zu verhindern. Mykorrhizapartner der Pilze wurden nicht gefällt und Pilzsammler mit Aufstellern auf die Seltenheit einzelner Arten hingewiesen.


    Aufgeben würde auch heißen, wir kümmern uns nicht mehr um die Pilze und überlassen anderen das Feld. Wir müssen mit unserem Hobby dafür sorgen, das am Ende der Pilz den selben Stellen wert erhält, wie die Orchidee, der Schwarzstorch oder der Feldhamster. Also, nicht nur ein billig zu habendes Lebensmittel oder ein Schädling ist, sondern eine zwingende Voraussetzung für den Ablauf natürlicher Vorgänge darstellt. Dafür brauchen wir auch die Kartierung und wohl auch den ausgebildeten Feldmykologen.


    Beste Grüße

    Stefan F.

  • um etwas zu schützen, ist die Erfassung eines Vorkommens erst einmal zwingend notwendig. Auch die Vorkommen der Feldhamster etc. mussten erst möglichst genau nachgewiesen werden, bevor es zu spektakulär teuren Umsiedlungsaktionen kam. Das ist die Aufgabe der Kartierung. Das Vorkommen und die Bestandsdynamik ermitteln. Dies ist der erste Schritt.

    Servsu Stefan,


    völlig d'accord, aber... dafür braucht es, wie du selber schreibst, eine möglichst genaue Erfassung, sprich Punktkartierung mit Koordinaten, nicht das alte System mit den MTB-Quadranten. Die Behörden interessieren sich nicht für die Information, dass irgendwo im Umkries von zig Kilometern eine schützenswerte Art wächst. Sie müssen wissen, ob genau da, wo eine Straße geplant ist, ein schützenswertes Myzel ist.


    Sprich: die aktuellen Kartierungsdaten sind für Mykologen interessant (Verbreitungsmuster, ökologische Auswertung der Daten), für den Vertragsnaturschutz aber (leider) irrelevant.

    "Feldmykologe" hat bei der MV ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. Er hat schon eine gute Einschätzung der aktuellen Situation wiedergegeben aus meiner Sicht. Er meinte, dass derzeit die politische Lage auf Erschließung von Baugrund hinausläuft und deswegen Naturschutz überhaupt keine Lobby hat. Ein GRund mit, warum derzeit die Umweltschutzbehörden auch die Bundesartenschutzverordnung nicht anfassen. Besser den Status Quo erhalten, als eine Novellierung und dann schlechter dazustehen.

    Servus (anderer) Stefan,


    dem kann ich in dieser drastischen Auslegung nicht folgen. Natürlich geht es um potentiellen Baugrund, aber das allein ist nicht verwerflich. Dass Naturschutz (deutschlandweit) überhaupt keine Lobby hat, stimmt nicht - zum Glück. Wir hätten sonst weder Nationalparks, Naturschutzgebiete oder Naturwaldreservate / Bannwälder (usw.). Es gäbe keine FFH-Gebiete und auch keine Ausgleichsflächen, wenn Bauvorhaben umgesetzt werden sollen.


    Dass die Pilze nicht beachtet werden, liegt m.E. daran, dass kaum für die Behörden verwertbare Daten vorliegen, da diese nicht gesammelt / erhoben wurden. Von Käfern, Libellen, Fröschen usw. liegen viele Punktdaten vor, von Pilzen nicht. Das Problem ist daher von Seiten der Mykologie auch hausgemacht.


    Eine ausgewogenere Diskussion wäre hier hilfreicher, um Lösungsansätze zu finden.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hi,


    na ja. Ich sehe das anders. Bauvorhaben werden nicht gestoppt; nur weil dort auf dem Baugrund oder am Rand einer Kiesgrube, die weiter ausgebaggert wird usw. seltene/zu schützende Pilze wachsen. Das geht nur bei Orchideen oder Tieren. Die haben eine Lobby; Pilze nicht.


    Daran wird sich auch durch die Kartierung nix ändern. In Sachsen läuft ja gerade ein Verbreitungsatlas-Projekt, was durch die LfULG ja auch gefördert wird; so ist das ja nicht. Ich bezweifle allerdings stark, dass dadurch irgendwelche Bauvorhaben oder Vergrößerung von Kiesgruben gestoppt werden können. Was aber ganz gut funktioniert. Ich hab meinen "Märchenwald" unter "Schutz" stellen lassen, indem ich die zuständigen Förster das Areal gezeigt und die seltenen Pilze erklärt habe. Sie hatten mir versprochen den Wald in Ruhe zu lassen. Große Schutzmaßnahmen für Gebeite mit tollen Pilzen, bzw. die Eröffnung von neuen FFN-Flächen, wird es in Sachsen nicht geben. Ich hatte schon einige GEspräche mit Hans-Jürgen Hardtke deswegen...


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


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  • Servus Stefan,


    jetzt beißt sich die Katze in den Schwanz. Wenn keinerlei Daten vorliegen, dann kann auch nicht reagiert werden. Ist bekannt, dass in einer speziellen Kiesgrube besondere Arten wachsen, dann sind wiederum Punktdaten vorhanden.


    Naturschutz kann frustrierend sein, das ist mir klar. Man muss aber auch zugeben, dass wir von vielen Pilzarten gar nicht sagen können, wie selten oder wie schützenswert sie sind. Es gab beispielsweise ein Bauvorhaben in Deggendorf - auf der Fläche wurde im Rahmen der begleitenden Flächenkartierung eine RL-1-Art gefunden (Pilz, Trichoglossum walteri). Der Bau wäre gestoppt worden, wenn nicht der Bauträger eine Kopfprämie für Neunachweise der Art ausgesetzt hätte. Um die (ich glaube 1000 Euro pro Fundpunkt) Prämie abzuholen, wurden "plötzlich" viele dem Baugrund entsprechende Habitate nachkartiert. Und siehe da, es gab weitere Funde, der RL-1-Status war übertrieben. Dadurch wurde dann doch gebaut, o.k., aber dafür war klar, dass es sich zwar um eine seltene, aber nicht akut vom Aussterben bedrohte Art handelt. Wären keine Neufunde gemacht worden, wäre das Bauvorhaben gescheitert.


    Sobald eine Straße ausgebaut wird, sobald eine Fläche versiegelt werden soll, wird in der Datenbank nachgesehen, ob schützenswerte Arten dem entgegenstehen. Falls ja, muss geprüft werden, inwiefern durch Ausgleichsmaßnahmen Möglichkeiten bestehen oder das Projekt gestoppt wird. Zumindest in der Theorie. Nur gibt es genau dafür praktisch keine Pilzdaten.... Das meinte ich.


    Da ist Nachholbedarf. ;-)


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Morgen miteinander!


    Auch wenn es ja schon mit dem Ausgangsthema zusammenhängt:
    Wären die allgemeinen und Hintergrundfragen zum Thema Pilzkartierung sowie Sinn und Durchführung und Lobbyarbeit nicht ein eigenes Thema wert?
    Denn es dürfte schon einige Punkte anschneiden, die das Thema "Feldmykologe der DGfM" nicht odernur am Rande berühren?



    LG, Pablo.

  • Mojn,


    Da bin ich d'accord.


    LG

  • Hallo,


    sehr gerne; warum auch nicht. Schade, dass sich "Feldmykologe" bei der Diskussion wohl nicht beteiligen wird.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


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  • Salut!


    Kann er doch gerne, wenn er die Zeit findet und Lust hat.

    Es wäre eventuell in einem eigene Thema dann auch einfacher, weil die Diskussion zur neuen Feldmykologen - Qualifikation der DGfM dabei vom Tisch wäre. Ist ja nun beschlossen und wird konzipiert, muss man abwarten, wie das in der Zukunft gestaltet wird.
    Nur das Sammeln von Gedanken und Ideen und Fragen zu Kartierungen im Pilzreich generell, das ist ja schon eine eigene Sache. Und gewiss auch für die meisten hier ganz interessant.



    LG, Pablo.

  • Hallo zusammen!


    Danke an Frank für's auseinanderbasteln. :thumbup:
    Also nun gibt's ein eigenes Thema dazu, dann mal los.
    Von mir kommt da sicher die Woche auch noch was, nur ein paar Gedanken, jetzt aber erstmal ein paar Pilze gucken im Forum. g:-)



    LG, pablo.

  • Hallo Freunde,


    ich sehe bei der Kartierung eigentlich einen Anachronismus zwischen Sammeln, Bestimmen, Systematisieren auf der einen Seite, was früher das 18.Jahrhundert auszeichnete und der wissenschaftlichen Sequenzierung, wie wir sie im jetzigen Jahrhundert vorfinden. Wie bringen wir das auf eine gemeinsame Ebene? Ich denke noch bedingen sich diese Dinge einander und können eigentlich sehr gut miteinander arbeiten.


    Was meint ihr, wäre der Ausblick für die Zukunft? Wie könnte das verzahnt werden?


    Das zweite Problem wäre die Qualitätssicherung bei der Erfassung. Sollte das Vertrauen oder die Kontrolle überwiegen? Es ist schon eine große Verantwortung für die Landesbeauftragten.


    Beste Grüße

    Stefan F.

  • Hi,


    ja Sequenzierung ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil in der wissenschaftlichen mykologischen Arbeit geworden. :) Ich hab auch schon einige meiner Funde z.B. zu Ditte geschickt. Diese wurden teilweise sequenziert und es kamen spannende Arten bei rum. Teilweise waren da einige sächsische Erstnachweise darunter. Ich denke so wird es auch weiterlaufen, dass Leute unbestimmte, interessante Funde an ExpertInnen schicken, welche diese dann weiteruntersuchen.


    Die Erfassung der morphologischen Daten ist immens wichtig, denn aus meiner Sicht müssen sich genetische Unterschiede auch (mikro)morphologisch zeigen, denn sonst stünde aus meiner Sicht die Beschreibung einer neuen Art nur aufgrund genetischer Daten auf wackligen Beinen.


    Zur Sache Qualitätssicherung: Ja das ist schon wichtig. Ich kann an der Stelle nur für Sachsen sprechen. Unser Landeskoordinator macht das auch nicht allein. Er hat ein paar sehr gute Mykologen zur Hand, die ihm bei der fachlichen Bewertung der Daten helfen; Tomentella-Frank, Thomas Rödel, pilzmel und Friedemann Klenke z.B. Diese helfen schon bei der Plausibilitätskontrolle ungemein. Es werden auch Funde hinterfragt. Hinzu kommt auch noch ein gewisser persönlicher Faktor. Wenn ich z.B. mit einer Galerina einen sächsichen Erstnachweis machen würde, dann würde das definitiv auffallen. Bei einer sequenzierten Inocybe, welche Ditte bestimmt hat, wird keiner die Plausibilität anzweifeln. :)


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • ...

    Was ich mich z. B. schon längere Zeit frage: ob Kartierungsergebnisse überhaupt in der Realität politische oder von mir aus auch handlungspraktische Folgen haben - etwa in der Weise, dass bei landschaftsgestalterischen Entscheidungen (Ausweisung von Naturschutzzonen, Bau von Windkrafträdern im Wald, Forstwirtschaft) die Politik tatsächlich auf Kartierungsergebnisse zurückgreift und nicht nur Forschungsaufträge alibimäßig für teuer Geld vergibt und die Ergebnisse dann in "Giftschränken", "Geheimarchiven" oder ähnlichem versenkt und hinterher bei ihren Entscheidungen lediglich Wirtschaftsinteressen bedient. Also wertfrei danach gefragt, was mit den Ergebnissen der Kartierungsarbeit konkret passiert.

    ...


    Ich denke, bei kleineren Entscheidungen über Bauvorhaben kann es helfen im Sinne des Naturschutzes zu handeln.

    Bei der Erschließung von wirtschaftlichen Gebieten hingegen sehe ich das schon sehr viel schwieriger und wenn es um das große Geld geht, dann wird die Sache einfach irgendwie umschifft oder sogar ignoriert.

    Soll doch irgendwer hinterher klagen. Das wird einkalkuliert.


    Ich glaube zudem daß es im Kreise der Politiker auch nicht gewünscht ist dem Naturschutz Werkzeuge an die Hand zu geben die gute Möglichkeiten bieten den Wirtschaftsinteressen paroli zu bieten.

    Naturschutz ist ein Muss in der Politik geworden um dem Volksbegehren nachzukommen (dank der Grünen) und nicht etwa weil die regierenden Köpfe eingesehen haben wie schützenswert unsere Welt global wie auch im Kleinen ist. Idealismus hat in der Politik heutzutage wahrscheinlich auch keine Überlebenschance mehr. Vielleicht ist aber der Trend der Wahlen (gegen unsere Politiker) ein Zeichen des Umbruchs. Schön wäre das jedenfalls.


    Ich denke aber, daß egal wie die politische Landschaft sich heute oder in Zukunft zeigen wird, das Geld immer das Zünglein an der Waage bleiben wird denn alles und jeder hat irgendwie seinen Preis.

    Und somit wird Geldverdienen auf Entscheidungsebene meist auch mehr Gewicht als Vernunft, hier in Sachen Natur, zugemessen.


    Standorte als besonders schützenswert in der Natur zu kennzeichnen ist natürlich grundsätzlich eine gute Sache.

    Gleichfalls bringt es natürlich seine Probleme mit sich. Leider ist Wirtschaft nämlich auch wirklich absolut wichtig, in gewisser Weise sogar existenziell.

    Da braucht es Köpfe mit Vernunft, Verstand und Rückgrat die die Möglichkeit bekommen beiderlei Interessen zu beobachten und zu lenken. Und die bräuchten Rückhalt durch Gesetz und Volk.


    Ich glaube, so jemanden finde ich bei unseren Politikern nicht oder nur schwer. Ich glaube, dafür fehlt auch der Zuspruch in der Bevölkerung. Käme so ein Ghandy, Mandela oder Jesus ins Schweinwerferlicht würde man dem auch schon eine Grube ausheben um dort die Karriere zu beenden. Ich glaube weiterhin, die Rechtsprechung ist ein lahmer Gaul. Man kann, besonders wenn man gut bemittelt ist, den Rechtsweg sooooooooooo eeeelendig in die Länge ziiiiiiiiiiehen und man kann sich schlimmen Urteilen entwinden. Man kann da viel tricksen und auch Kompromisse aushandeln, etwa mit Ausweichflächen und ähnlichem.

    Gewiss hat der Naturschutz auf dem Rechtsweg schon einige Erfolge vorzuweisen seit es ihn gibt. Aber insgesamt gesehen, denke ich, sind das auch immer nur ein paar Vorzeigefälle, während viele andere schützenswerte Gebiete den kürzeren zogen. Wenn ich da noch an meine Jugend zurückdenke als man die Ostseeautobahn einfach mal ungefragt zu bauen anfing ...


    Aber zurück zu den Pilzen.

    Wenn sich mal eine seltene Tier- oder Pflanzenart einem Projekt in den Weg stellt so besteht manchmal auch die Möglichkeit diese umzusiedeln.

    Zwar gibt es auch da manchen Irrwitz aber immerhin.

    Wie aber soll das bei Pilzen vonstatten gehen?

    Man kann wohl nur schwerlich den Pilz mit seinem ganzen Mycel ausheben und einen neuen geeigneten Lebensraum für ihn finden und dort integrieren.

    Bei manchen Arten, ja, das mag gehen. Bei anderen wiederum wird das nicht funktionieren. Und die Mykhorrizapartner ? Mit ausbuddeln und die vor allem sehr alten Bäume ebenfalls umpflanzen?

    Das wird wohl nichts. Ein Pilz ist mehr als Pflnazen und Tiere auf seinen Standort angewiesen. Ein geschützter Pilz sollte daher umso mehr als Fakt gelten für eine hohe Schutzbedürftigkeit.

    Um sein Fortbestehen dort zu wahren kann eigentlich nur eine absolute Tabuzone für Bauvorhaben gelten.

    Das bringt mich auch auf den von Christoph angesprochenen Punkt der exakten Kartierung. Ein MTB ist für den Bauherren doch eine willkommen Sache. Da kann man den Industriepark einfach mal mittenrein klatschen. Die geschützte Lebensform ist ja nicht nur da zu finden sondern auch 500 m weiter links und rechts. Und notfalls pflanzt man an den Randbereichen dann noch ein bißchen neues Grün, stellt Schilder auf und lässt das Biotop sich wieder dorthin ausdehnen.

    Aber wenn der schützenswerte Pilz genau dort sein Mycel hat wo die LKW´s parken sollen dann hat man ein starkes Argument genau das zu verhindern.

    Insofern wäre eine gute Kartierungsarbeit in meinen Augen höchst wünschenswert. Man könnte auch die alte Kartierungsarbeit komplett weiterführen so wie sie ist, jedoch für entsprechende Belange wie den Artenschutz wären die exakten geografischen Daten sehr gewichtig. Die sollten auch in rechtlicher Hinsicht besonderes Gewicht bekommen, ist meine Meinung. Und das bekäme es wenn man das gewissermaßen verstaatlicht.

    Persönlich würde ich es gut finden wenn dem Bundesministerium für Umwelt, Natur und nukleare Sicherheit dieser Auftrag erteilt und eine diesbezügliche Institution geschaffen würde. Raus aus der grauen Hobbyzone.

    Dort drei Posten für Pflanzen, Tiere und Pilze einrichten (und vielleicht weiteren). Jeder Bereich nimmt dann seine Landeskoordinaten z.B. unter Gehalt und verpflichtet sie zur gewissenhaften Arbeit. Und wenn die dann die gewissenhaft erhobenen Daten für eine seltene Lebensform vorzeigen können, noch dazu exakt, dann sollte das rechtlich als wirklich harter Fakt akzeptiert sein.

    Und ein schöner Nebeneffekt ist dann daß bei jedem Bauvorhaben das zuständige Amt vor einem Bauvorhaben direkt anfragen kann ob für eine Straße bspw. ein Problem auf der Strecke liegen würde. Nicht ungefähr sondern ganz konkret. Das nimmt jedem dreisten Bauherren sogleich den Wind aus den Flügeln.

    Soweit meine Spinnerei zur Kartierung. Ich glaube allerdings daß eine derart genaue Kartierung politisch weder gewünscht noch gefördert würde.

    Weshalb ich übrigens meinte die normale Kartierung kann so fortgeführt werden hat den Grund daß ein MTB auch anderen Pilzjägern nicht gleich verrät wo er dieses oder jenes findet. Wenn ich weiß wo Kiefernsteinpilze wachsen so muß ich das nicht jedem verraten der daran ein Interesse haben könnte. Ein MTB ist da vage genug. Dem Schirmherren für den Schutz, als dem Koordinator etwa, mag ich den aber gerne nennen. Er wird ihn sicher verwahren und nur für entsprechende Zwecke gebrauchen. So kann ich als Finder auch sicherstellen daß meiner Nachwelt dieser besondere Ort nicht verloren geht!


    Trotz allem Schutz der seltenen Pilze oder Tiere und Pflanzen ist es mir ein großes Bedürfnis daß die entsprechenden Gebiete, ich nenne sie verallgemeinernd mal einfach Naturschutzgebiete, nicht zu stupiden Verbotszonen erklärt werden. In manchen Fällen sind Betretungsverbote für mich nachvollziehbar aber das war es auch schon. Ich möchte der Natur nahe und verbunden bleiben, dafür muß ich auch den Kontakt zu ihr erleben dürfen, sonst wird sie mir mehr und mehr egal! Aufklärung und Hüter wären dafür der richtige Weg, denke ich. Das möchte ich am Rande noch gesagt haben.



    Sorry daß ich so viel gelabert habe und etwas neben der eigentlichen Spur war. Das kam irgendwie so im Kontext aus meiner Gedankenwelt heraus.

  • Oooh, ja, Mouseman has had a dream...

    und etwas neben der eigentlichen Spur war

    Sehe ich nicht so.

    Passt hierher und gehört gesagt/gelesen.


    LG

    Peter

  • interessanter fände ich in diesem Zusammenhang, einmal über den gesamtgesellschaftlichen Nutzen der Pilzkartierung zu diskutieren - selbstverständlich ergebnisoffen, damit man sich als Nichtbeteiligter in das Problem, das Christoph und Peter umtreibt, besser hineindenken kann, und um abschätzen zu können, ob es vielleicht doch nur ein Streit um des Kaisers Bart ist.



    Hallo Stephan,


    sofern du mich mit Peter meinst werde ich Dir auf Dein Thema antworten.


    LG

    Peter

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    27 -10 für APR 2020 = 17 + ein Kerzenstummel

    17 - 10 für APR 2021 = 7 + ein Kerzenstummel

    7 + 13 aus APR 2021 = 20 + ein Kerzenstummel


  • Ich erzähl mal was aus meiner beschränkten Dilettanten-Praxis. Im Frühjahr hatte ein Bäuerlein Mist auf meine magere Lieblings-Saftlingswiese aufgebracht. Als ich das Andreas Gminder beim Mikroskopierkurs erzählte, meinte er, da sollte ich etwas unternehmen und die untere Naturschutzbehörde einschalten. Hab ich gemacht und im August gab es endlich den Vor-Ort-Termin. Weder der Kollegin der Unteren Naturschutzbehörde noch dem Bäuerlein konnte ich einen Saftling zeigen, ja nicht einmal einen Stäubling. Es gab eben nichts zum Zeigen. Aber das Problem wurde dennoch erkannt. Das Bäuerlein wurde gebeten, nicht mehr zu düngen und um die Verluste zu kompensieren, weil auf der ungedüngten Wiese nun einmal nichts wächst, sollte er einen Antrag auf Zuschüsse beim Amt beantragen. Die Mitarbeiterin bat mich, die Saftlinge zu kartieren... mich...oh je... Nun ja, ich habe erst einmal zugesagt, aber ich musste mich glücklicherweise mit dem Thema noch nicht befassen, weil dieses Jahr weder Saftlinge noch sonst irgendetwas auf meiner Lieblings-Saftlingswiese wachsen. Immerhin zeigt dieser Fall, dass das Wissen um Standorte geschützter Pilze den Unteren Naturschutzbehörden hilft, wertvolle Flächen besser zu schützen. Sicher wird man nicht jede neue Autobahnauffahrt verhindern können, aber gegen schädliche landwirtschaftliche Nutzungen sind gut kartierte Flächen m.E. ein gutes Argument.

    Das Bäuerlein hat seitdem nicht mehr gedüngt, sondern nur gemäht und obwohl ich erst sehr skeptisch war, ob meine Aktivitäten einen Nutzen haben würden, bin ich jetzt mit dem Ergebnis ganz zufrieden.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Hi,


    solche Maßnahmen stehen und fallen mit der Einsicht der Leute bei den unteren Naturschutzbehörden. Ich selbst habe ja auch letztes Jahr zusammen mit Nobi den "Märchenwald" schützen lassen; zumindest quasi inoffiziell. Leider ist es so, dass ich nix gegen die Kiesgrube auf dem Dresdner Heller unternehmen kann. In 1-2 Jahren wird eine meiner Halsbandritterlingsstellen Geschichte sein...


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


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