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Amanita phalloides = Grüner Knollenblätterpilz

  • Amanita phalloides (Vaill. ex Fr.) Link
    Grüner Knollenblätterpilz
    Synonyme:
    - Amanita viridis Pers.
    - Amanita phalloides var. alba Constantin & L.M. Dufour


    Basidiomycota --> Agaricomycetes --> Agaricales --> Agaricomycetidae --> Amanitaceae --> Amanita --> Amanita phalloides



    Hut: bis 12 cm breit; Farben recht variabel: gelbgrün, olivgrün, auch mit Brauntönen, gelegentlich grünweiß, vor allem im Alter und bei Trockenheit vom Rand her weiß ausblassend; Huthaut glatt, fein radislfaserig, abziehbar; jung anfangs komplett von weißem Velum bedeckt, das aber sehr vergänglich ist, und v.A. bei Regen schnell ganz verschwindet.


    Stiel: bis 15 cm lang; Grundfarbe weiß, zur Basis hin aber mehr oder weniger deutlich grünlich bis bräunlich genattert oder gebändert; Ring häutig, faltig, hängend. Weiß oder leicht blassgrünlich, Oberseite gerieft; Stielbasis knollig, vollständig von einer weißlichen, lappigen Scheide umgeben. Die Volva kann auch im Erdreich oder Laubstreu verborgen sein.


    Lamellen: weiß, im Alter leicht gelblich überhaucht; weich; engstehend; Schneide glatt


    Fleisch: weißlich, unter der Huthaut leicht gelblich; Geruch nicht unangenehm, süßlich; Geschmack nussig mild


    Speisewert Extrem giftig. Enthält Ama- und Phallotoxine, die irreparable und tödliche Leberschäden verursachen.
    >Hierlang< zu einer detaillierteren Erklärung zur Giftwirkung. Oder runterscrollen.


    Sporenpulver: weiß


    Vorkommen: weit verbreitet und häufig; Mykorrhiza mit Laubbäumen (vor allem Eiche, seltener Buche oder andere Laubbäume), gelegentlich auch mit Nadelbäumen.


    Verwechslungen: Eine Art, die jeder Sammler unbedingt kennen sollte. Verwechslungen sind möglich vor allem mit Scheidenstreiflingen; weißliche Formen können bei oberflächlichem Sammeln mit Champignons verwechselt werden; beim Sammeln junger, noch geschlossener grüner Täublinge und Boviste ist ebenfalls auf Verwechslungen mit dieser Art zu achten.


    Wissenswertes: lt. Species Fungorum ist Amanita Phalloides var. Alba nur noch Synonym zu A. Phalloides, während Amanita Verna (= Amanita Phalloides var. Verna) Artrang besitzt. Das erklärt sich wohl daran, daß es Übergangsformen zwischen rein weißen und grünlichen Exemplaren gibt, die durchaus vom gleichen Mycel hervorgebracht werden können. Andere Unterschiede (auch mikroskopisch) zwischen weißen und grünen Formen außer der Farbe sind nicht festzustellen oder unbedeutend.



    Bilder:


    Kollektion mit kleineren Fruchtkörpern:


    KOH - Reaktion auf Hut begativ, Sporenpulver weiß, Sporen amyloid:


    Sporen (in KOH3%) überwiegend subglobos, gelegentlich breitelliptisch, sehr selten globos; bei dieser Kollektion maximal 9,5 µm in maximaler Ausdehnung, größtenteils eher 7,5-9:


    Cheilozystiden blasig, breitkeulig, gelegentlich angedeutet utriform, bis 40 µm lang, meist aber kleiner:




    Links zu verwandten und ähnlichen Arten im Archiv:


    >Amanita virosa = Kegelhütiger Knollenblätterpilz<
    >Amanita verna = Weißer Knollenblätterpilz<
    >Amanita lividopallescens<
    >Amanita mairei<
    >Amanita vaginata<
    >Agaricus sylvicola = Dünnfleischiger Anisegerling<
    >Russula virescens = Grüngefelferter Täubling<

  • Am 9. September 2012 habe ich diese Exsemplare in der Ukraine bei Kiew fotografiert (Leider nicht besonders scharf :shy: , aber ich hoffe, man kann den "Verdächtigen" gut erkennen. Sonst einfach Bescheid sagen und ich entferne den Beitrag:)






  • Wieder ein schönes Portrait, Pablo! :alright:


    Und klasse Ergänzungsfotos von Lara!


    Zwei Kleine hätte ich auch noch.
    Habe ich zwar schon mal im Forum gezeigt, aber doppelt hält besser!
    Krasse Farben, finde ich!



    Lieben Gruß vom Nobi

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  • Im Moment wieder häufig anzutreffen, deswegen eine aktuelle Aufnahme eines jungen Fruchtkörpers aus dem Schönbuch.



    Liebe Grüße,
    Markus

  • Hallo an alle,


    hier kommt noch die Ergänzung zu den Giften und der Giftwirkung.



    Hier seht ihr die Struktur der Amanitine. Es handelt sich um ein dicyclische Oktapeptide. Ich weiß, was ihr jetzt denkt. Peptide werden im Magen-Darm-Trakt abgebaut. Allerdings ist das hier nicht der Fall, weil die Proteasen die doppelte Ringstruktur nicht "knacken" können. Zumdem werden im Regelfall auch im Darm Peptide von der Größe auch aufgenommen und in anderen Körperzellen dann weiter metabolisiert.
    Die Amanitine werden im Darm aufgenommen, gelangen in die Blutbahn und werden von den Leberzellen bevorzugt aufgenommen. Grund: in der Zellmembran der Leber befinden sich Carrier-Proteine, welche eine hohe Affinität zu den Amanitinen haben. In anderen Organen sind diese Transportproteine nicht vertreten, bzw. nicht vorhanden. Das ist der Grund für die lebertoxische Wirkung.
    In der Leber blockieren sie ein Enzym, welches die m-RNA bildet (RNA-Polymerase II) nicht reversibel. Die m-RNA ist die Vorstufe zu den körpereigenen Proteinen. Wenn die m-RNA fehlt, können auch keine Proteine mehr gebildet werden. Es werden somit keine neuen Enzyme gebildet. Das ist in der Leber besonders schlimm, denn einerseits können die wichtige Stoffwechselprodukte nicht mehr gebildet werden; andererseits können auch Giftstoffe von der Leber nicht mehr abgebaut werden. Der ganze Proteinstoffwechsel kommt zum Erliegen. Die Leberzelle stirbt dadurch den "programmierten Zelltod" Apoptose. Das freiwerdende Amanitin wird durch die Galle wieder den Darm ausgeschieden. Der Darm nimmt das Amanitin wieder auf und der Zyklus fängt von vorne an. Man spricht hier von einem enterohepatischen Kreislauf.
    Therapeuthisch gibt es hier mehrere Ansatzpunkte:


    1. Gabe von Aktivkohle: Das Amanitin im Darm bindet sich an die Aktivkohle und kann nicht mehr von der Darmschleimhaut aufgenommen werden. Die Aktivkohle wird mit dem Kot ausgeschieden. Es erfolgt eine Elimination der Giftstoffe aus dem Körper. Dies kann mit Magenspülungen, Gabe von Laxantien (Abführmittel) unterstützt werden.
    2. Erzwungenes Wasserlassen (forcierte Diurese; unter ständiger Bebachtung des Venendruckes) mit Flüssigkeits- und Elektrolytersatz (Amanitine werden auch über den Urin ausgeschieden)
    3. Gabe von Silibinin; evtl. eine zusätzliche Gabe von N-Acetylcystein. Das Silibinin hemmt die die Transportproteine der Leber, welche die Amanitine in die Leberzellen schleusen.
    Je früher die Therapie beginnen kann (in der Regel in den ersten 24h nach Aufnahme des Giftes), desto größer sind die Überlebenschancen. Nach 2-3 Tagen kann im Regelfall nur noch eine Lebertransplatation das Leben des Patienten retten. Je nach Toxingehalt der Fruchtkörper wirkt der Verzehr von 5-50g Grüner Knollis tödlich (Frischgewicht!!!).


    Verlauf der Vergiftung:


    Nach 4-24 h (in der Regel nach 8-12h) kommt es teilweise zu heftigen Brechdurchfällen (Gastrointestinale Phase). Deshalb wird bei Brechdruchfällen nach einer Pilzmahlzeit prophylaktisch auf eine Amanitin-Vergiftung behandelt.
    Danach kommt es zu einer scheinbaren "Verbesserung".
    Nach 2-3 Tagen wird die Leberschädigung deutlich (Hepatische Phase). Es erfolgt eine Gelbfärbung der Haut und Schleimhaut (Ikterus="Gelbsucht") und auch gefährliche Blutungen in Folge von Gerinnungsstörungen sind möglich. In besonders schweren Vergiftungsfällen kann es auch mal zu akutem Nierenversagen kommen. Durch die Möglichkeit einer Lebertransplantation sind Todesfälle rel. selten. Trotzdem enden schwere Amanitinvergiftungen unbehandelt in der Regel tödlich. (meist nach 8 Tagen nach der Giftaufnahme).


    Nachweis der Amanitine: Die derzeit sicherste Bestimmungsmethode ist ein ELISA-Verfahren im Urin; möglichst auch im Blutserum. Weiterhin werden im Erbrochenem auch Pilzsporen und Pilzstücke untersucht. Der klass. "Zeitungstest nach Wieland" wird kaum noch eingesetzt (falsch positive Ergebnisse möglich).


    Quellen: Flammer/Horak: "Pilzfgifte Giftpilze" Schwabe Verlag Basel 2003
    ZMykol: 81/1 2015
    ZMykol: 50/2 1984


    Anbei noch ein Bild der "Übeltäter".



    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

    Einmal editiert, zuletzt von Climbingfreak ()

  • Hallo.


    Hier noch ein paar weitere Bilder, auch um die Variationsbreiten der Art etwas auszuleuchten.



    1. Ein kleines Grüppchen von typischen Amanita phalloides in unterschiedlichen Altersstufen:


    2. Ein ungewöhnlich fetter Fruchtkörper von Amanita phalloides mit keulig aufgeblasenem Stiel, der kaum noch in die Scheide passt:


    3. ältere Fruchtkörper von Amanita phalloides an offenem Standort:

    Der Ring ist nur noch undeutlich vorhanden, das grün auf dem Hut verblasst. die Farben sind dominiert von hellem graubraun. Diese Grünen Knollis imitieren die am selben Standort regelmäßig erscheinenden Größten Scheidlinge (Volvariella gloiocephala).


    4. die rein weiße Form der Art, Amanita phalloides var. alba:


    Hier fehlt einfach nur das Pigment, so daß die Fruchtkörper weiß erscheinen und weiß bleiben. KOH - Reaktion auf dem Hut ist übrigens negativ, anders als bei Amanita virosa (Kegelhütiger Knollenblätterpilz). Auf dem oberen Bild der weißen Form liegt der Ring des stehenden fruchtkörpers am Boden, die können nämlich durchaus mal abfallen (Achtung!). Der Stiel ist nicht wollig-schuppig wie bei Amanita virosa, sondern die Stielrinde durch Hitze und Trockenheit aufgeplatzt.



    LG, Pablo.

  • Ahoi!


    Zwei von mehreren Dutzend Kollektionen aus dem Kaiserstuhl, alle in Laubwäldern (Rotbuche und Eiche) auf basischem Löß:


    Die zweite Kollektion ist stark ausgeblasst, aber dennoch nicht der "var. alba" zuzurechnen, weil eben stellenweise doch mit grünlichen, graugrünen bis ockergelben Flecken versehen.



    LG; Pablo.

  • ....schon wieder ein Phalloides-Beitag von mir:

    Der Grüne ist hier bei uns derzeit sehr häufig zu finden. In solchen Zeiten sehen wir hier auch regelmässig die weisse Form von A.phalloides.

    Heute gab es besonders schöne Exemplare. (Der recht kräftige Habitus und die bei Ludwig beschriebenen "spanartigen Abspaltungen" am Siel haben mich kurz an A. ovoidea denken lassen, der hier durchaus auftauchen könnte. Allerdings rochen diese hier eindeutig nach Phalloides und der Wieland-Test auf Amanitin war positiv).


    Amanita Phalloides var. alba :




    Gruß,


    Andreas


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