Pilzvergiftung

Wie verhindert man eine Pilzvergiftung und was macht man bei einer Pilzvergiftung?

Alle Jahre wieder, zur Hauptpilzzeit, hört man von Pilzvergiftungen, die oftmals tödlich enden und ganze Familien vernichten. Das liegt zum größten Teil auch daran, dass Pilze nicht ernst genug genommen werden und man auch Pilze isst, die man nicht zu 100% kennt. Doch was kann man machen, um Pilzvergiftungen zu entgehen? Was tun, wenn es wirklich so weit ist und man sich vergiftet hat? Und welche Vergiftungsarten gibt es überhaupt? Diese Fragen werde ich im nachfolgenden Text beantworten:

 

Wie kann man Pilzvergiftungen vermeiden?

---> Die Grundregel für alle Speisepilzsammler sollte folgende sein: iss nur Pilze, die du zu 100% kennst! 99% sind schon zu wenig. Geht man wirklich nur danach vor, kann man sich so gut wie nicht vergiften.

---> Wenn man sich bei einem Pilz nicht 100% sicher ist, dann stehen lassen bzw. wenn schon nach Hause mitgenommen, wegwerfen oder eine Pilzsachverständiger aufsuchen. Auf keinen Fall auf irgendwelche Experimente einlassen!

---> Sich nicht von irgendwelchen "Pilzkennern", die man im Wald trifft oder im Bekanntenkreis hat, was reinreden lassen. Und auch nicht bei Leuten, bei denen man sich nicht sicher ist, dass sie Pilze gut kennen, ein Pilzessen essen. Auch wenn man weiß, dass sich dieser jemand gut mit Pilzen auskennt, man aber grundsätzlich Angst vor Pilzgerichten bei anderen Leuten hat, sollte man drauf verzichten, da man sich unter ständiger Angst vor Vergiftungen selbige auch einreden kann. Hier gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht!

---> Auf keinen Fall im "Sammelwahn" alle Pilze in der Umgebung aufsammeln, die so aussehen wie irgendwelche Speisepilze. Jeden Fruchtkörper einzeln kontrollieren!

---> Zu junge und zu alte Exemplare stehen lassen. Das dient unter anderem dazu, dass man junge Exemplare leichter verwechseln kann und bei alten Exemplaren eine oft unterschätzte Gefahr auftreten kann: Lebensmittelvergiftung. Das Eiweiß der Pilze zersetzt sich nämlich oft schon am stehenden Fruchtkörper wo man es äußerlich gar nicht sieht.

---> Auf die richtigen Transportmittel achten! Behälter wo Pilze schwitzen, wie z.B. Plasticksäcke sollten nicht verwendet werden, weil die Pilze sehr schnell ihr Eiweiss zersetzen und dann zu Lebensmittelvergiftungen führen.

Was tun, wenn eine Pilzvergiftung vorliegt?

---> Hierfür zitiere ich "1 mal 1 des Pilzesammelns" von Walter Pätzold und Hans E. Laux:

Zitat:
Bei jedem Verdacht einer ernsthaften Pilzvergiftung sind immer die gleichen vier wichtigen Schritte zu tun:

1. Ärztliche Hilfe suchen

2. Betroffene beruhigen

3. Reste von Sammelgut, Mahlzeiten und eventuell bereits erbrochenem sicherstellen

4. Liegt die Mahlzeit weniger als 5 Stunden zurück, zum Erbrechen bringen

Wichtig:

> Keine Milch trinken lassen
> Keine Mittelchen aus der Hausapotheke verabreichen
> Kein konzentriertes Salzwasser ohne ärztliche Anordnung

---> Wenn mehreren Leuten schlecht wird, die von einer Pilzmahlzeit gegessen haben, dann sollte mit einer Pilzvergiftung gerechnet werden, sollte nur einer Person schlecht werden, dann handelt es sich vermutlich um eine individuelle Vergiftungserscheinung (jeder Pilz kann individuelle Vergiftungen hervorrufen!).

Fliegenpilze
Drei Fliegenpilze im Fichtenwald

Welche Pilzvergiftungen gibt es?

---> Unechte Pilzvergiftungen:

Unechte Pilzvergiftungen könne entstehen wenn:

> Zu reichliche Pilzmahlzeiten gegessen werden.
> Zu oben genanntem zu viel Alkohol getrunken wird.
> Zu alte Pilze gegessen werden bzw. solche, die zu lange oder schlecht gelagert wurden.
> man zu viel Angst vor Vergiftungen während dem Essen hat.

---> Allergien:

Allergien werden z.B. vom Kahlen Krempling (Paxillus involutus) hervorgerufen. Diese können vor allem bei wiederholtem Kremplingsgenuss auftreten, wobei sich beim ersten Genuss bestimmte Stoffe im Blut anreichern, die eine Antikörperbildung auslösen und, wenn bei wiederholten Genuss eine bestimmte Grenze überschritten wird, einen oft tödlichen allergischen Schock auslösen.

Auch verschiedene Schmierröhrlinge (Suillus) können so eine Reaktion ähnlich dem Kahlen Krempling auslösen, wenn auch erheblich schwächer.

---> Vergiftungen im Magen-Darmtrakt:

Vergiftungen nennt man so, wenn sie Übelkeit oder Durchfälle bzw. Brechdurchfall auslösen und oft durch Austrocknung und Darmbluten begleitet werden.

Ausgelöst werden solche Vergiftungen u.a. vom Tieger-Ritterling (Tricholoma pardinum), Karbol-Egerling (Agaricus xanthoderma), Bauchweh-Koralle (Ramaria pallida) etc.

---> Psychotrop wirkende Pilze:

wirken auf das bewusste Nervensystem und dadurch bewusstseinsverändernd. Für viele Leute nur mal aus Spaß verwendet, wird übersehen, dass auch schwere und nicht mehr heilbare Psychosen sowie selten auch Störungen im Magen-Darmtrakt entstehen können.

Solche Pilze sind vor allem Kahlköpfe und Düngerlinge.

---> Pilze, die gleichzeitig Magen-Darmtrakt und Nervensystem angreifen:

Pilze die sowohl Magen-Darmtrakt (Erbrechen, Durchfall bzw. Brechdurchfall) als auch Nervensystem (bewusstseinsverändernd) wirken, findet man vor allem in den Gattungen Inocybe (vor allem der Ziegelrote Risspilz), Amanita (Roter und Brauner Fliegenpilz sowie Pantherpilz) und Clitocybe (Trichterlinge). Meistens handelt es sich bei dem Gift um Muscarin.

---> Alkoholunverträglichkeiten:

Vergiftungen, die bei Pilzen im Zusammenhang mit Alkohol entstehen, gehören eigentlich zu den unechten Pilzvergiftungen (siehe oben). Meistens handelt es sich um das Pilzgift Coprin, welches Vergiftungen mit Alkohol zusammen verursacht, aber auch verschiedene chemische Substanzen können dafür verantwortlich sein.

Vor allem verschiedene Tintlinge (allen voran der Graue Falten-Tintling [Coprinus atramentarius]), Röhrlinge (Netzstieliger Hexenröhrling, Ochsen-Röhrling) und der Keulenfuß-Trichterling (Ampulloclitocybe clavipes) gelten als in Verbindung mit Alkohol +- giftig.

---> Rhabdomyolyse:

Rhabdomyolyse wird im Pilzreich durch den Grünling (Tricholoma equestre) verursacht. Darauf kam man, als man in Frankreich 12 Fälle (3 davon tödlich) untersuchte und drauf kam, dass der Grünling massiven Muskelschwund verursachen kann, in der Folge ist als Speisepilz zu streichen.

---> Acromelalgra-Syndrom:

Dieses relativ neue Syndrom ist vor allem aus Japan und Frankreich bekannt und äußerst sich durch Kribbeln, Brennen, Schmerzen und Hautrötung an Händen und Füssen sowie Ödemen an den Gelenken.

Verursacht wird dieses Syndrom vor allem von bestimmten japanischen Trichterlingsarten sowie von dem Parfümierten Trichterling (Clitocybe amoenolens) und eventuell dem Fuchsigen Rötelritterling (Lepista flaccida).

Artikel von Pete Longhorn