Liebe Pilzbegeisterte,
hier eine Information für Interessenten im Bereich Norddeutschland.
Es gibt 20 Antworten in diesem Thema, welches 488 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Wutzi.
Liebe Pilzbegeisterte,
hier eine Information für Interessenten im Bereich Norddeutschland.
Hallo zusammen,
bei Aussagen wie
ZitatDie Traditionelle Chinesische Medizin hat jahrhundertelange Erfahrungen mit Pilzen zum Zwecke der Gesunderhaltung des menschlichen Körpers und verfügt über ein umfangreiches Wissen. In Europa ging dieses Wissen weitestgehend verloren.
krempeln sich mir sämtliche Fußnägel hoch. Die Traditionelle Chinesische Medizin verwendet auch Tigerpenisse zur Heilung/Gesunderhaltung, wissenschaftlich fundiert ist das aber alles nicht. Dann zu behaupten, in Europa wäre entsprechendes Wissen verloren gegangen halte ich für groben Unfug.
Björn
Das ist jetzt etwas radikal, aber ich finde die DGfM sollte irgendwas machen das ein PSV solche Heilpilzkurse so nicht anbieten darf.
Weil für mich bringt das rüber "ich bin PSV und deswegen kenn' ich mich aus und deswegen stimmt das hier".
Dabei hat ein PSV absolut nichts mit Heilpilzen zu tun (Stichwort Fragenkatalog, Speise/Giftpilzliste usw..).
Ich möchte nicht sagen das ein PSV diese Kurse garnicht geben sollte, aber wenn (wie hier) als einzige Qualifikation der PSV angegeben wird finde ich das hoch problematisch. Wo im PSV wird wissenschaftliches schreiben z.b. gelehrt. Wo wird gelehrt wie man paper/reviews korrekt beurteilt - nicht nur liest? Wo wird medizinisches Wissen gelehrt um "Heilwirkungen" überhaupt zu verstehen. Ich habe Respekt vor jedem der die PSV Prüfung geschafft hat, aber das ist für mich keine Qualifikation um ein Heilpilzkurs zu geben.
Hi,
ich befürchte, dass die DGfM da wenig machen kann. Ich bin auch deiner Meinung, aber die DGfM kann nicht verbieten, dass ein PSV Kurse als Privatperson gibt. Die DGfM ist an dieser Stelle nur verantwortlich und könnte da einschreiten, wenn es eine Ihrer Kurse/Veranstaltungen wäre. Es gibt ja auch andere Leute, die solche Kurse anbieten und auch "nur" PSV sind, wie z.B. "Snokri".
Du als Privatperson hast natürlich selbst jederzeit das Recht und die Möglichkeit als deutscher Staatsbürger/EU-Bürger die amtliche Arzneimittelüberwachung einzuschalten, wenn du Bedenken hast.
l.g.
Stefan
Du als Privatperson hast natürlich selbst jederzeit das Recht und die Möglichkeit als deutscher Staatsbürger/EU-Bürger die amtliche Arzneimittelüberwachung einzuschalten, wenn du Bedenken hast.
Hallo Stefan
Das Schlimme ist ja, das, was überall verkauft wird, sind Nahrungsergänzungsmittel. Da ist die Arzneimittelüberwachung nicht zuständig. Aber ich glaube nicht, dass Frau Weisheit dort Rezepte anbietet, wie man Krankheiten heilt. Ich kenne sie als engagierte und verantwortungsbewusste Pilzberaterin. Allgemeine Aufklärung über das "Vitalpilzgeraspel" wäre ja sehr sinnvoll. Man kann sich ja an die Stellungnahme der DGfM halten. https://www.dgfm-ev.de/pilzesa…8947c3ab34025b5e735e4822b
Du als Privatperson hast natürlich selbst jederzeit das Recht und die Möglichkeit als deutscher Staatsbürger/EU-Bürger die amtliche Arzneimittelüberwachung einzuschalten, wenn du Bedenken hast.
Hallo Stefan
Das Schlimme ist ja, das, was überall verkauft wird, sind Nahrungsergänzungsmittel. Da ist die Arzneimittelüberwachung nicht zuständig. Aber ich glaube nicht, dass Frau Weisheit dort Rezepte anbietet, wie man Krankheiten heilt. Ich kenne sie als engagierte und verantwortungsbewusste Pilzberaterin. Allgemeine Aufklärung über das "Vitalpilzgeraspel" wäre ja sehr sinnvoll. Man kann sich ja an die Stellungnahme der DGfM halten. https://www.dgfm-ev.de/pilzesa…8947c3ab34025b5e735e4822b
Mir ist das sehr gut bekannt, denn ich kenne mich im Lebensmittelrecht sehr gut aus. Ich habe einige Jahre in der amtlichen Lebensmittelüberwachung gearbeitet.
Man muss hier aber auf die Benennung und Zweck achten. "Heilpilze" = Arnzeimittel, denn Lebensmittel sind per Definition nicht dazu bestimmt, dass sie Krankheiten heilen sollen.
"Vitalpilze" = Lebensmittel/Nahrungsergänzungsmittel, da Lebensmittel laut Definition auch neben der Ernährung auch für eine Gesunderhaltung bestimmt sind.
l.g.
Stefan
Danke Climbingfreak ... da hast du natürlich Recht.
Von Snokri habe ich das vorletzte Video gesehen da hats mich fast aus den Socken gehauen (ich bin eigentlich Fan und schau jedes Video) aber dieses Fliegenpilzspray zur äußerlichen Anwendung...naja. Puh. Das neueste Video habe ich dann nicht mehr angeklickt das stresst mich sonst zu sehr.
Wenns wieder um Pilzarten geht bin ich wieder dabei.
Hallo,
krempeln sich mir sämtliche Fußnägel hoch
sehr empfindliche Fußnägel, hast du da. Kann man das behandeln? Du solltest vielleicht mal die TCM versuchen ![]()
Also ich kann beim besten Willen da nichts Verwerfliches erkennen. Die Aussage, dass "die TCM lange Erfahrung mit Heilpilzen hat" ist richtig. Und es heißt auch nicht, dass sie "nur" mit Pilzen Erfahrung habe (über Tiger und deren Körperteile wird nichts gesagt - allerdings ist mir auch keine Doppelblindstudie bekannt, die über jeden Zweifel erhaben nachgewiesen hätte, dass die Tigerpenisse nicht wirken. Angesichts der Zahl noch lebender Tiger halte ich eine solche Studie auch für sehr unwahrscheinlich). Es heißt auch nicht, dass dies der Weisheit letzter Schluss ist oder über jeden Zweifel erhaben. Es ist sogar völlig egal, auf welcher theoretischer Basis (Farben, Säfte, Karma, Formen ...) ein Kandidat für eine Behandlung ausgewählt wurde. Was letzlich zählt, sind die Jahrhunderte Anwendung, dokumentiert oder mündlich überliefert. Im Normalffall wendet man das weiter an, was funktioniert. Was schadet oder nicht erkennbar hilft, wird eher verworfen. Und nein, auch die heutige Wissenschaft/Pharma kann Pharmaka nicht theoretisch erfinden. Sondern muss diese aufwändig testen um die entsprechende ERFAHRUNG zu erlangen.
Ich würde nur die Formulierung "In Europa ging dieses Wissen weitestgehend verloren" dahingehend abschwächen "... wenn es denn je vorgelegen hat"
LG, Bernd
Hallo zusammen,
ich bin überrascht von den Reaktionen, besonders wegen der Vitalpilze. Es ist richtig, ich bin nur PSV und ich habe auch eine entsprechende Meinung zu diesem Thema und werde ich in meinem Kurs auch zum Ausdruck bringen und damit eine Diskussion einleiten. In meinem Powerpoint - Vortrag informiere ich sachlich und gebe keinerlei Rezepte aus. Ich weiß, dass es sich bei Produkten aus Pilzen um Nahrungsergänzungsmittel handelt und im Internet Angebote mit entsprechenden saftigen Preisen gibt. Niemand weiß, was tatsächlich drin ist. Und genau darum geht es, Aufklärung tut Not, und nichts weiter mache ich.
In meinem Powerpoint - Vortrag informiere ich sachlich und gebe keinerlei Rezepte aus. Ich weiß, dass es sich bei Produkten aus Pilzen um Nahrungsergänzungsmittel handelt und im Internet Angebote mit entsprechenden saftigen Preisen gibt. Niemand weiß, was tatsächlich drin ist. Und genau darum geht es, Aufklärung tut Not, und nichts weiter mache ich.
Hallo Veronika
Prima, so sehe ich das auch!
"Was schadet oder nicht erkennbar hilft, wird eher verworfen."
Dazu wollte ich nur kurz einwerfen: Aderlass 2000Jahre lang praktiziert. Blei, Arsen, Quecksilber - jahrhundertelang "bewährt". Homöopathie ohne Evidenznachweis, hält sich jedoch trotzdem.
Vielleicht habe ich dich da bei dem Punkt auch falsch verstanden und du bist ähnlicher Meinung, ich sag's nur zu Sicherheit: Man darf "Erfahrung" nicht mit "Wissenschaft" verwechseln oder gleichsetzen, denn wissenschaftliches Arbeiten ist eine ganz andere Welt als "jahrhundertelange / jahrtausendelange Erfahrung".
Über TCM an sich möchte ich nicht schlecht reden, da ich mich da schlicht nicht genug auskenne. Man studiert 5-6Jahre um TCM Arzt zu werden, das ist ein großes Feld und hat abseits von Tigerpenissen vermutlich auch viel gutes zu bieten. Ich habe übrigens ein Jahr in einer TCM Apotheke gearbeitet.
Aber genau solch eine Demut fehlt mir bei Menschen die dann Selbstversuche mit Heilpilzen machen ohne das medizinische System zu verstehen oder einen entsprechenden Arzt zu konsultieren, bzw. noch schlimmer, andere Menschen zu potentiellen "Heilwirkungen" aufzuklären wollen.
( an kruenta )
Weisheit ich wollte noch kurz sagen - es ging mir hier nicht drum gegen dich persönlich zu wettern, ich kenne dich ja nicht. Es tut mir leid, falls das so rübergekommen ist. Ich bin auch fest überzeugt, das kein anderer der/die hier gepostet hat diese Absicht hatte. Soweit ich das überblicke gings uns allen um fachliche Standpunkte und nicht darum einzelne Personen anzugreifen. Du hast das Thema mit deinem Angebot sozusagen "gestartet" aber die Beiträge waren nicht um dich persönlich anzugreifen sondern um über das Thema zu diskutieren.
Hallo Moosfreundin,
ich habe die Antworten nicht als persönlichen Angriff aufgefasst. Das Thema Vitalpilze wird ohnehin kontrovers diskutiert und ich gehöre nicht zu denen, die ein Hohelied darauf singen.
Man darf "Erfahrung" nicht mit "Wissenschaft"
naja, ohne Erfahrung kommt man in der Wissenschaft nicht weit. Versuch doch einfach mal, statt Erfahrung das Wort "Experiment" zu verwenden, oder auch "Nachmessen in der Natur". "Versuch".
Dass Aderlassen, Arsen, Blei lange angewendet wurde - kann das vielleicht auch daran liegen, dass die Medizin institutionalisiert wurde? Und die Mediziner irgendein Alleinstellungsmerkmal brauchten? Zumal ja die Medizin in Europa im Schatten der Theologie stand und eher nicht so dem Experiment verbunden war? Und die Ärzte auch eher nicht über die Plausibilität ihrer Methoden mit den (dummen) Patienten verhandelten? Semmelweiß, selbst Mediziner, wurde von seinen Kollegen in die Klapse gebracht, weil er von Händewaschen sprach.
Bei Homöopathie scheint es aber auch keine Schäden zu geben. Sollte es ja auch nicht geben können, wenn man der Methode mangels Wirkstoffen jegliche Wirksamkeit abspricht. Also abgesehen von Placebo. Damit ist man schon deutlich weiter als bei vielem was die "wissenschaftliche Pharmazie" so in den letzten Jahrzehnten ausgeheckt hat, DDT, Kontergan, Lipobay ...
LG, Bernd
Hallo ihr Lieben,
macht bitte nicht schon wieder einen Sturm im Wasserglas zu einem umstrittenen Thema, ohne die Möglichkeit eine gewisse Einigung zu erzielen.
Die DGfM ist keine Behörde und schon gar nicht die Pilzpolizei mit Verbotsmacht. Für uns gilt die Stellungnahme des Fachausschusses Pilzverwertung und Toxikologie, also die entsprechenden Empfehlungen. Die Kritik an Veronika Weisheit und dem Kurs ist völlig unangebracht, solange man nicht daran teilgenommen hat. Danach könnten Probleme mit ihr ganz persönlich diskutiert werden.
Beste Grüße
Stefan F.
Der Vorschlag, man könne statt „Erfahrung“ einfach „Experiment“ sagen, ist ein Kategorienfehler. Ein Experiment ist nicht irgendein Versuch, nicht bloßes Nachmessen und nicht Anwendung plus Beobachtung. Ein Experiment ist kontrolliert, hypothesengeleitet, reproduzierbar, arbeitet mit Vergleichsgruppen und systematischer Fehlerkontrolle. Jahrhundertelange Anwendung erfüllt diese Kriterien nicht. Damit bleibt mein Einwand voll bestehen.
Auch der Verweis auf Institutionalisierung, Machtstrukturen oder Theologie entkräftet das Aderlass-Argument nicht, sondern bestätigt es: Praktiken können sich über sehr lange Zeit halten, trotz fehlender oder sogar negativer Wirkung, aus sozialen, kulturellen oder institutionellen Gründen - nicht wegen Wirksamkeit. Genau deshalb taugt „lange Anwendung“ nicht als Wirksamkeitskriterium.
Semmelweis wird hier oft rhetorisch bemüht, passt aber nicht. Er hatte empirische Daten, hat verglichen, gemessen und eine falsifizierbare Hypothese vertreten. Er ist kein Beispiel für Erfahrungsmedizin, sondern für frühe evidenzbasierte Medizin. Sein Scheitern war sozial, nicht methodisch.
Das Argument zur Homöopathie („keine Schäden“) ist fachlich am schwächsten. Schäden entstehen sehr wohl indirekt: durch verzögerte oder unterlassene wirksame Therapie, falsches Sicherheitsgefühl und systemische Kosten. Der Vergleich mit Pharmaskandalen wie DDT, Contergan oder Lipobay ist zudem ein klassischer Whataboutism. Gerade weil es diese Fehler gab, existieren heute Zulassungsverfahren, klinische Phasen und Pharmakovigilanz. Wissenschaft lernt aus Fehlern - Erfahrungsmedizin reproduziert sie.
Kurz gesagt: Erfahrung kann Hypothesen liefern. Wissenschaft prüft sie. Das ist kein Detail, sondern der entscheidende Unterschied.
Liebe Grüße
Du kennst "Wissenschaft" aber auch hauptsächlich aus dem Marketing?
Der Begriff der "Erfahrung" in der Wissenschaftstheorie/Pholosophie ist Dir aber schon mal untergekommen? Von jemandem, der das Wort "Kategorienfehler" verwendet :D, würde ich das schon erwarten. "Whataboutism" heißt im Deutschen normalerweise Gleichnis, Vergleich, in der Juristerei auch gern Präzedenzfall. Das sind alles legitime und übliche Formen der Argumentation. Verwendung des Wortes "Whataboutism" zeugt normalerweise von intellektueller Faulheit. Übrigens wäre Dein Verweis auf den (europäischen) Aderlass zum Zwecke der Diskreditierung der TCM natürlich auch ein "Whataboutism" ![]()
Manche Sachen entziehen sich dem Experiment, können aber ggf. beobachtet werden. Man kann zum Beispiel nicht einfach einen Vulkan zum Ausbruch bringen (oder die Sonne zu einer Eruption) - nichtsdestotrotz sind die Messungen dabei, gerne auch ganz banale Beobachtungen und Erfahrungen von Leuten, die zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort waren, relevant zu deren Beurteilung. Jedes Experiment, an dem man teilgenommen hat, wo man Messwerte, Beobachtungen etc. hat, ist ein Teil der Erfahrung. Nicht jedoch andersherum.
Das englische Wort für Erfahrung experience ist übrigens ein ganz ganz enger Verwandter von Experiment - die gehören zu lat. ex-periri "aus-probieren"
LG, Bernd
Moosfreundin und alle anderen Mitdiskutanten hier:
Ein nicht unwichtiger Sachverhalt sollte hier nicht unter den Tisch fallen, nämlich dass die moderne wissenschaftlich fundierte Schulmedizin ihren Ursprung im sog. medizinischen Volkswissen (Volksheilkunde) und der Klostermedizin hatte. Die Trennung hiervon geschah ungefähr ab dem 19. Jahrhundert, als an Hochschulen nach wissenschaftlichen Verfahren Forschungen durchgeführt wurden und dies dann zur Herstellung von wirksameren Pharmazeutika führte. Und sehr, sehr viele unserer Arzneimittel beruhen häufig auf Wirkstoffe, die in der Volksheilkunde/Klostermedizin bekannt waren bzw. dort verwendet wurden (z.B. Acetylsalicylsäure/Aspirin).
Nicht ohne Grund findet ja nach wie vor Forschung unter Berücksichtigung solchen Wissens statt, warum u.a auch z.B. weiterhin Pflanzen wie auch Pilze nach ihren Wirkstoffen auf Infektionen, Erkrankungen usw. untersucht werden. Letztlich geht es also nicht um die Frage oder Entscheidung zwischen Erfahrung/Volksmedizin und Wissenschaft/Schulmedizin sondern vielmehr um das (Wieder-)Finden und Nutzbarmachen der Kräfte aus der Natur für unsere Gesundheit, natürlich nach unseren modernen wissenschaftlichen Standards.
Schönen Abend allerseits.
-Marcel.
Servus beinand,
ich bitte euch, ist hier eine Diskussion Schulmedizin vs. "alternative" Heilmethoden wirklich sinnvoll? Es bringt einerseits nichts, gegen die Schulmedizin zu wettern, es bringt aber auch nichts, "alternative" Verfahren hier inhaltlich widerlegen zu wollen. Solche Diskussionen driften zu schnell ab und werden persönlich. Ich stehe auch auf der naturwissenschaftlichen Seite, aber solche Diskussionen driften zu schnell ins dogmatische ab, jedenfalls meiner Meinung nach.
Ging es nicht eigentlich darum, Kommentare zu Kursen wie dem im Eingangspost verlinkten zu geben und das zu diskutieren?
Zur "Qualifikation PSV". Veronika ist PSV und sie ist hier im Forum und auch hier im Thread aktiv dabei. Veronika ist PSV der DGfM. Warum sollte sie das nicht als Zusatzinfo angeben? Ich wüsste nicht, dass man bei uns eine Art Ausbildung zum Vitalpilzexperten machen kann. Insofern gibt es eigentlich keine passende, qualifizierende Angabe.
Das ist jetzt etwas radikal, aber ich finde die DGfM sollte irgendwas machen das ein PSV solche Heilpilzkurse so nicht anbieten darf.
Weil für mich bringt das rüber "ich bin PSV und deswegen kenn' ich mich aus und deswegen stimmt das hier".
Das verstehe ich nicht wirklich. Warum sollt ein PSV keinen solchen Kurs anbieten "dürfen"? Ich lese in dem pdf, den Veronika verlinkt hat, als sie Werbung dafür gemacht hat, nichts, was das aussagen würde (auf den zweiten Satz bezogen, den ich zitiere). Kursteilnehmer sollten im Endeffekt selbst entscheiden, ob ihnen die Expertise der Leiterin ausreicht oder nicht. Würde ich hier einen Namen sehen, der mir unbekannt ist, sodass ich die Qualifikation nicht einschätzen kann, würde ich dann so einen Kurs eben nicht buchen.
Was mich da eher stört...
Die Überschrift mit "Vitalpilze – Können Pilze heilen?" – das suggeriert, als würde dies im Kurs geklärt und beantwortet werden. Die Tiefgründigkeit ist unklar. Können Pflanzen heilen? Ja klar, es gibt Heilpflanzen (komisch, dass da keiner Vitalpflanzen sagt). Und sicherlich können Pilze heilen. Direkt oder indirekt. Penicillin als Arzeimittel hat Viele geheilt und war ein Segen, als es auf den Markt kam. Können aber die gänigen Pilztees heilen? Das ist eine Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist. Und die Überschrift suggeriert m. E., dass das beantwortet wird. Und da wird es schnell schwammig.
Schmetterlingstramete habe ich selbst schon als Tee probiert (bin ja neugierig). Damals kam ich gut über die Erkältungszeit hinweg. Sie soll das Immunsystem stimulieren. War das Plazeboeffekt? Lag es daran, dass ich damals eine Tätigkeit hatte, bei der ich als Mykologe im Wald war, tagein, tagaus, und sonst am Mikroskop, also kaum Menschenkontakt hatte? War es Zufall? Bei n = 1 ist das nie zu sagen.
Ich kenne Studien zu Trametes versicolor und das Krestin (ein Polysaccharid). Demnach ist es fraglich, ob Teeanwendung überhaupt die nötige Konzentration für eine erkennbare Wirkung hat.
Kurz gesagt: da wird es medizinisch anspruchsvoll. Traditionelle Medizin gibt Hinweise auf Pflanzen/Pilze/generell Lebensformen, deren Inhaltsstoffe heilend wirken könnten. Die moderne Medizin überprüft das experimentell.
Aber hat das was mit dem Kurs zu tun? Ich weiß es nicht, vermute aber nicht. Primär scheint es um Porlinge zu gehen. Also klassische Gattungs- und Artenkenntnis. Dann um "Fähigkeiten der Pilze" (was damit auch immer konkret als Kursthema gemeint ist. Vermutlich eben die potentielle Heilwirkung.
Und da traue ich einem/r PSV (unabhängig von der Person Veronika Weisheit) zu, sich so eingearbeitet zu haben, dass entsprechende Kurse angeboten werden können.
ZitatDie Traditionelle Chinesische Medizin hat jahrhundertelange Erfahrungen mit Pilzen zum Zwecke der Gesunderhaltung des menschlichen Körpers und verfügt über ein umfangreiches Wissen. In Europa ging dieses Wissen weitestgehend verloren.
Die Sätze finde ich allerdinga auch sehr schwurbelig. Wie gesagt, erstmal nichts gegen TCM an sich oder zu TCM vs. Schulmedizin. TCM hat aber eben Schattenseiten wie das Wildern von Nashörnern, um Keratinpulver aus einem Horn zu gewinnen, das in China als phalloid angesehen wird und daher potenzsteigernd. Das Problem ist der (sorry) Aberglaube, die Form von Etwas zeige die Wirkung. Was phalloid aussieht ist gut für die Potenz (usw.). Dass zufällig über diesen Aberglauben auch wirksame Pflanzen oder Pilze gefunden werden/wurden, ist klar. Zufall eben. Mit der TCM aber für einen Kurs über heimische Porlinge zu werben, finde ich angesichts dessen, dass die TCM mit beiträgt, Nashörner auszurotten (als ein Beispiel) unschön. Das ist sicherlich nicht so gemeint. Ich denke, das pdf soll den Kurs einfach nur allgemein bewerben und halt ein Werbetext sein, der passende Klientel anspricht. Mir gefällt der Inhalt des Werbetextes teilweise nicht, aber das ist halt einfach so.
Aus all dem aber abzuleiten, dass PSV der DGfM solche Kurse generell nicht halten dürfen, ist mir ehrlich gesagt zu extrem. Wer weiß, vielleicht ist es ein ganz toller Kurs, in dem man viele Porlinge kennenlernt und zudem erfährt, welche Arten als Vitalpilze angesehen werden (das kann man wertneutral dazu sagen).
Eine Diskussion Naturwissenschaft / Schulmedizin vs. "Alternativen" empfinde ich in dem Kontext aber überflüssig und zu polarisierend.
Liebe Grüße,
Christoph
Deine Antwort enthält aus meiner Sicht mehrere argumentative Probleme, die ich klar benennen möchte.
Der Einstieg („Du kennst Wissenschaft hauptsächlich aus dem Marketing?“) ist kein Sachargument, sondern ein ad-hominem. Er verschiebt die Diskussion von der Methodik auf meine Person. Das ist meist ein Zeichen dafür, dass der eigentliche Punkt nicht sauber widerlegt werden kann.
Zum Erfahrungsbegriff: Natürlich ist mir der Erfahrungsbegriff der Wissenschaftstheorie bekannt. Entscheidend ist aber, dass wissenschaftliche „Erfahrung“ methodisch eingebettet ist. Sie ist nicht identisch mit alltagssprachlicher oder traditioneller Erfahrung und wird erst durch kontrollierte Methodik epistemisch relevant. Genau diese Unterscheidung habe ich gemacht. Du nutzt hier einen anderen Erfahrungsbegriff, ohne das offen zu legen - das ist eine Begriffsverschiebung, kein Erkenntnisgewinn.
Zum „Whataboutism“: Die Gleichsetzung mit Vergleich, Gleichnis oder Präzedenzfall ist schlicht falsch. Whataboutism bezeichnet eine Ablenkungsstrategie, bei der vom eigentlichen Argument weggeführt wird. Mein Aderlass-Beispiel war kein Themenwechsel, sondern ein direkt relevantes Gegenbeispiel zur These „Was nicht hilft, wird verworfen“. Vergleichende Gegenbeispiele sind legitim - Themenverschiebung ist es nicht. Das zu vermischen ist argumentationstheoretisch unsauber.
Das Vulkan- und Sonnenbeispiel ist ein klassischer Kategorienbruch. Vulkanologie ist eine Beobachtungswissenschaft, die mit Messreihen, Modellen, Aggregation von Daten und Falsifikation arbeitet. Das ist methodisch etwas völlig anderes als jahrhundertelange therapeutische Anwendung ohne Kontrollgruppen, Outcome-Messung und Ausschluss von Placebo- und Erwartungseffekten. Naturbeobachtung mit Heilversprechen gleichzusetzen, trägt methodisch nicht.
Die Herleitung über die Wortverwandtschaft von experience und experiment ist ein etymologischer Fehlschluss. Gleiche Wortwurzel bedeutet keine gleiche Erkenntnismethode - „Information“ und „Informant“ teilen ebenfalls eine Wurzel, sind aber epistemisch nicht dasselbe. Das ist rhetorisch nett, inhaltlich jedoch irrelevant.
Der Kernpunkt bleibt damit unverändert: Erfahrung kann Hinweise liefern, aber sie ersetzt keine methodische Prüfung. Genau deshalb existiert Wissenschaft, um systematische Täuschungen, Bias und Plausibilitätsillusionen zu reduzieren. Diese Unterscheidung ist keine Wortklauberei, sondern fundamental für jede seriöse Erkenntnisgewinnung. Wenn man sie verwischt, kann man alles mit allem begründen - und am Ende nichts mehr kritisch prüfen. Darauf wollte ich hinaus, und dabei bleibe ich.
liebe Grüße
Ich bin da ganz bei Stefan. Hier im Forum ist es schwierig über dieses Thema einen sachlichen Dialog zu führen.
Ich halte es ähnlich wie Veronika und biete gelegentlich Vorträge über Pilze an. Über Pilze allgemein, Anfängerpilze, die Ökologie von Wiesenpilzen und auch über Heilpilze. Das, was es an belastbaren Informationen über pilzliche Inhaltsstoffe gibt, darf und sollte auch vermittelt werden, meine ich. Denkverbote sind immer kontraproduktiv.
Ich will einen kleinen Überblick geben über das, was ich erkläre und warum ich es erkläre.
Ich vermittle Informationen über Inhaltsstoffe von Pilzen, die sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken. Das Potenzial von Beta-Glukanen, also Polysacchariden, von Triterpenen, Vitaminen aber auch vom Chitin in Pilzen ist wenig bekannt. Ich stelle diese Inhaltsstoffe allgemein vor und beschreibe Wirkungen, die bei bestimmten Pilzarten aus Studien bekannt sind. Es geht dabei häufig um immunmodulierende, antioxidative, antibakterielle oder antivitale Effekte auf bestimmte Organe. Mir geht es in erster Linie ganz allgemein um Wissensvermittlung über die gesundheitliche Bedeutung von Pilzen auf unserem Speiseplan. Der Vitamingehalt der Speisepilze fehlt z.B. in den allermeisten Ernährungstabellen. Dabei ist erstaunlich, was Pilze an Vitaminen zu bieten haben. In erster Linie rege ich an, Pilze selbst zu suchen und sie genauer kennenzulernen. Pilze sind gesund und nicht nur für Menschen, die unter dem metabolischen Syndrom leiden, bieten Pilze eine wunderbare Ernährungsalternative.
Dabei weise ich im Vortrag selbstverständlich darauf hin, dass die im Handel angebotenen Pilz-Kapseln, Pulver und Extrakte weder dem Arzneimittelrecht noch der Lebensmittelkontrolle unterliegen. Wer im Handel Heilpilzpräparate kauft, muss wissen, dass niemand außer dem Hersteller weiß, was in der Kapsel ist, die einem angeboten wird. Ich rate daher immer vor allem dringend ab, Präparate von solchen Herstellern zu kaufen, die Wunder versprechen. Am besten selbst in den Wald gehen, Pilze kennenlernen, Pilze, sammeln.
Und natürlich ordne ich bei der Bewertung der Wirksamkeit auch ein, dass es keine klinischen Studien der Phase 3 für Pilze gibt und nach gegenwärtigem Stand wohl auch nicht geben wird. Aber weil es auch zur Wahrheit gehört, weise ich gern darauf hin, dass es seit Jahrzehnten in Japan ein zugelassenes Medikament (Krestin) aus Trametes versicolor gibt, das dort erfolgreich in der Krebstherapie eingesetzt wird, weil es bei einigen Tumorerkrankungen die Nebenwirkungen von Chemotherapie und Bestrahlung vermindern kann. Dass ist allerdings nur möglich, weil das Europäische Arzneimittelrecht ein anderes ist, als das Japanische.
Von Ferne beurteilen zu wollen, welche Informationen in einem Vortrag über Heilpilze angeboten werden, halte ich für schwierig. Immerhin gibt es ja inzwischen mykologische Fachbücher, in denen das Thema ernsthaft und vor allem vorurteilsfrei diskutiert und über die Unsicherheiten aufklärt wird.
Ich gehe einmal davon aus, dass PSV, die Vorträge zum Thema Vitalpilze anbieten, das mit der gebotenen Zurückhaltung tun. Es ist doch logisch: mit Kräutern wie Salbei und Thymian oder mit Pilzen wie Birkenporling und Schmetterlingstramete, (für die es allesamt keine Klinischen Phase 3-Studien gibt!) kann man eine ganze Reihe Wehwehchen kurieren. Aber Wunder bewirken können sie nicht und bei ernsthaften Erkrankungen führt kein Weg am Arzt vorbei.
Mit den oben genannten Pflanzen und Pilzen konnte ich mehr als einmal gute Erfahrungen machen, warum also sollte oder dürfte ich nicht darüber berichten? Die beiden Pilze dürfen in meiner Hausapotheke ebensowenig fehlen, wie Thymian und der Salbei, auf den schon meine Großmutter geschworen hat.
Und ja, bei der TCM wird es schwierig. Tigerkrallen und Nashornpulver lassen die Traditionelle chinesische Medizin in einem schlechten Licht erscheinen. Aber im Gegensatz zu jenen auf eine Placebowirkung ausgerichteten Teilen der TCM, gibt es da eben auch andere Bereiche mit nachweisbaren gesundheitsfördernden Wirkungen z.B. die Akupunktur. Über sie behauptet hierzulande auch niemand mehr, das sei alles fauler Hokuspokus. Im Gegenteil, die Krankenkassen übernehmen die Kosten, weil sie erfolgreich ist.
Sicher gibt es Scharlatane, die den Konsumenten Wunder von der Einnahme ihrer Pilzpräparate versprechen, weil sie finanzielle Interessen verfolgen. Aber gerade deshalb sind doch Information, Aufklärung und sachliche Debatten zu diesem Thema durch PSV, die das Thema von allen Seiten beleuchten, umso wünschenswerter.
