Sinn und Unsinn bei wissenschaftlichen Namen

Es gibt 22 Antworten in diesem Thema, welches 1.108 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Ditte.

  • Hallo zusammen


    Heute wurde eine neue Pilzart publiziert:


    Bremia krungthepmahanakhonamonrattanakosinmahintharayuthayamahadilokphopnoppharatratchathaniburiromudomratchaniwetmahasathanamonpimanawatansathitsakkathattiyawitsanukamprasitnonopsis


    Ich dachte erst, das sei ein Fehler. Aber nein, das ist wohl Absicht!


    Als Etymologie wird folgendes angegeben:

    Named after the official full name of Bangkok which the species does not look alike.


    Und wenn man dann die KI fragt, wie der offizielle volle Name von Bangkok ist, dann kommt das:


    Bangkok's official full ceremonial name is incredibly long, starting with Krung Thep Maha Nakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Ayutthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udomratchaniwet Mahasathan Amon Piman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit, which is the world's longest place name, essentially meaning "City of Angels, Great City of Immortals, and many other grand descriptions".


    Zum Glück keine der Gattungen, mit denen ich mich näher befasse. Allen, die es betrifft, wünsche ich viel Spass beim Lernen dieses Namens.


    Gruss Raphael

  • Hi,


    kleine Korrektur; Bremia ist ein falscher Mehltau und demzufolge kein echter Pilz.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo zusammen,


    dafür gibt es im gleichen Paper aber ja auch einen sehr kurzen Namen mit Bremia o. In den Acknowledgements erfährt man dann auch, welcher Name einem erspart geblieben ist:



    Da wünscht man sich schon, daß die Autor:innen bei der Namensgebung etwas weniger Quatsch gemacht hätten...


    Björn

  • Jetzt hat es Bodo Wartke auch schon in die Mykologie geschafft. ==Gnolm7

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo,

    curiouser and curiouser. Man kann sich an Mark Twain's A Connecticut Yankee in King Arthur's Court erinnern und die schreckliche Beschwörungsformel wie: "Nihilistendynamittheaterkästchenssprengungsattentätsversuchungen!", womit er seine Faszination mir deutscher Sprache nochmals äusserte. Aber so was als wissensch. Name?

    Tori

  • Hallo zusammen,


    was auch befremdlich ist: Im Abschnitt über die Etymologie dieses Namens wird explizit gesagt, daß die Art dem offiziellen Namen Bangkoks gar nicht ähnelt (was auch nicht verwundert, wie soll ein Pilz einem Stadtnamen ähneln können). Da hätte ein guter Referee ruhig mal dazwischengrätschen sollen um so einen Unfug zu verhindern.


    Björn

  • was auch befremdlich ist: Im Abschnitt über die Etymologie dieses Namens wird explizit gesagt, daß die Art dem offiziellen Namen Bangkoks gar nicht ähnelt (was auch nicht verwundert, wie soll ein Pilz einem Stadtnamen ähneln können)

    naja darum das -nonopsis am Schluss, damit wird im Namen explizit gesagt, dass dieser unechte Pilz keine Ähnlichkeit mit Bangkok hat.

    Ok, darf trifft auch andere Organismen zu.

  • Der Name von Bangkok, die Stadt oder Metropole der Engel, ist richtig beschrieben.

    Aber kommen wir auf den Punkt.

    Es gibt sehr wenige Thais, die wirklich gut Englisch sprechen, aber noch weniger Europäer, die Thai sprechen oder gar lesen können. Ich bin seit vielen Jahren daran zu lernen und ich tu mich richtig schwer. Nun habe ich ja die beste Unterstützung, dank meiner Frau und meinen Freunden in Thailand und meiner Familie. Stellt Euch das nicht so einfach vor. Die meisten von Euch waren auch noch nie in Asien oder Thailand. Etwas zu lesen, ist noch mal etwas gänzlich anderes als dort gewesen zu sein. Es ist eine andere Welt. Die sprachlichen Barrieren sind enorm.

    Auch die thailändische Mentalität ist eine andere als bei euch Forschern. Ich bin Mitglied in sehr vielen thailändischen Pilzgruppen. Es geht meist um die Frage : Kann man die essen ?

    Ich habe in Punkten, die wissenschaftliche Belange betreffen, teilweise erhebliche Bedenken, aufgrund der Sprachbarrieren.

    Was ich Euch jetzt anbieten möchte, insbesondere meinen langjährigen Freunden wie Björn, Emil, Stefan der Kletterer et al, wenn ihr mal nach Thailand reisen möchtet, meldet Euch. Ich gehe im Frühjahr 2027 in Pension und könnte Euch wertvolle Tipps geben. Wir haben mittlerweile eine sehr große Farm in Thailand und sehr gute Kontakte. Ich möchte nicht alles wegwerfen was hier mal so schön war. Ab 2027 sind wir öfters und länger in Thailand. Über Melanie und die alte Truppe bin ich erreichbar. Ich möchte aber nur noch Harmonie in meinem persönlichem Umfeld. Dann seid ihr auch willkommen. Jederzeit. 🙏🏻

    Ich wünsche Euch ein schönes, fundreiches gesundes neues Jahr. 🫶🍀


    Markus

  • Es ist schon verwunderlich, dass Marco Thines als Co-Autor der Art und des Artikels, sowie als Editor in Chief bei Mycological Progress, so einen Unsinn zulässt bzw. unterstützt. Ich wage zu behaupten, dass der Artikel aufgrund dieses Epithetons, das nun wirklich nichts mit der beschriebenen Art zu tun hat - der Typus stammt ja auch aus Deutschland - öfter zitiert wird, als wegen des eigentlichen Inhalts.

  • Zitat

    Es ist schon verwunderlich, dass Marco Thines als Co-Autor der Art und des Artikels, sowie als Editor in Chief bei Mycological Progress, so einen Unsinn zulässt bzw. unterstützt.

    Vielleicht ist er aber auch derjenige, der diesen Unsinn überhaupt erst antreibt. Es gibt ja vom letzten Jahr ein Paper mit neuen Peronospora-Arten auf Plantago und dort wurde eine Peronospora a M. Mu & Thines beschrieben. Wenn man sich dann die Schnittmenge mit den Autoren von Bremia o Kontos & Thines anschaut, bleibt nur ein Name übrig...


    Björn

  • dass der Artikel aufgrund dieses Epithetons, das nun wirklich nichts mit der beschriebenen Art zu tun hat [...] öfter zitiert wird, als wegen des eigentlichen Inhalts.

    Ja diese Intention könnte man den Autoren unterstellen…


    Aber vielleicht ist das auch einfach nur ein Scherz und gut ist. Ungewöhnliche Namen gibt es in der Wissenschaftsgeschichte immer mal wieder. Manche prägen sich besser ein, andere sind weniger gelungen. Es ist meiner Ansicht nach auch in Ordnung, den zeitweise drögen wissenschaftl. Alltag mit etwas Humor aufzulockern. Z.B. erinnere ich mich mit einem Schmunzeln an die „Sonic Hedgehog Proteine“, die nach einer Videospielfigur benannt wurden und ua. in der Embryogenese eine Rolle spielen.


    Ich sehe allerdings die Gefahr, dass solche extremen Aktionen wie diese Bangkok-Bremia in Folge zu einer restriktiveren Regelgebung führen könnten, die (wünschenswerte) kreative Beschreibungen in Zukunft vielleicht nicht mehr möglich macht. Und dann müssen wir uns die hundertste „striata“, „maculata“ oder „velutipes“ merken.


    Nun gut, vielleicht würde einfach eine Begrenzung der zulässigen Zeichenanzahl eines Epithetons schon helfen ohne zu viel Schaden anzurichten.


    Viele Grüße Ingo

  • Vielleicht ist er aber auch derjenige, der diesen Unsinn überhaupt erst antreibt. Es gibt ja vom letzten Jahr ein Paper mit neuen Peronospora-Arten auf Plantago und dort wurde eine Peronospora a M. Mu & Thines beschrieben. Wenn man sich dann die Schnittmenge mit den Autoren von Bremia o Kontos & Thines anschaut, bleibt nur ein Name übrig...

    Ok, das ist dann schon irgendwie pathologisch..

  • Oder die Krabbe, die nach David Hasselhoff, bzw. seinem Charakter aus Baywatch benannt wurde.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Ein Epitheton, das so lang ist und das man nur per Copy & Paste nutzen kann und das (fast) niemand aussprechen kann, ist m.E. einfach nur daneben. Peronospora a ist das Gegenteil, aber auch da finde ich, dass sich die Autoren wohl über die Nomenklaturegeln lustig machen wollen.


    Ich weiß nicht, was die Autoren bezwecken. Vielleicht wollen sie so eine Änderung des Nomenklaturcodes bewirken? Es gibt auch Bestrebungen, statt der Binomina Clade-Namen aus DNA-Stammbäumen zu verwenden. Bisher wurde vom Nomenklaturkommitee abgelehnt, anhand einer reinen (Barcoding)Sequenz eine Art gültig zu beschreiben und sie per Codierung zu benennen. Der Antrag kommt immer wieder auf's Neue. Wäre ein eigenes Thema. Sequenzierfehler würden so immer wieder Phantomarten erzeugen, aber das nur nebenbei.


    So ein Name wie hier der unaussprechlich lange kann ein Witz sein, aber das wäre m.E. gegenüber dem Nomenklaturcode und dem Gremium, das dahinter steckt, unangemessen. Dass die Autoren ihre eigene Hauszeitschrift dafür verwenden, gibt dem zudem ein Geschmäckle, finde ich. Ob so erreicht werden soll, dass der Code geändert wird oder die Binomina an sich als sinnlos dargestellt werden sollen, um sie so abzuschaffen, kann ich nicht beurteilen. Es gibt aber hier Foristi, die engen Kontakt zu Prof. Thines haben. Vielleicht können sie einfach nachfragen, dann erübrigen sich vielleicht die Spekulationen.


    Ich fände es furchtbar, wenn wir bald Perenospora a, Perenospora b, Perenospora c (etc.) und

    Bremia krungthepmahanakhonamonrattanakosinmahintharayuthayamahadilokphopnoppharatratchathaniburiromudomratchaniwetmahasathanamonpimanawatansathitsakkathattiyawitsanukamprasitnonopsis als Namen verwenden müssen. Kommt dann noch Bremia llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogochiopsis? (das ist der längste, offiziell anerkannte Ortsname: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch


    Ich finde das nicht gut. squarepantsii hingegen ist m.E. ein Witz, der nicht die Nomenklaturregeln ad absurdum führt. Finde ich witzig und nicht verkehrt. Ist aber nur meine Meinung.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hi, ich dachte erst, dass das ein Witz ist! Zum einen ist, wie oben gesagt, ein derart langer Name praktisch nicht zitierbar, bzw. für den, der einen Artikel schreibt, in dem diese Art vorkommt, eine echte Zumutung. Das heißt die Autoren ärgern also absichtlich jeden, der mit dieser Art zu tun haben wird. Zum anderen ist für mich schon ´mit der Etymologie-Erklärung, die oben zitiert wird, vollkommen klar, dass hier Wissenschaft nicht mehr ernstgenommen wird, sondern ins Lächerliche gezogen. Ich selbst habe viele ungewöhnliche Artnamen vergeben, aber alle waren mir ernst und gegenüber der jeweiligen Art liebevoll gemeint, wenn ich das so ausdrücken kann, und da ich selbst lieber "athenae" oder "lucis" als etwa "pseudoscabelliformis" heißen wollen würde, habe ich danach gehandelt. Aber oft genug musste ich verhandeln wegen eines oder zwei i am Ende oder überhaupt der Endung, während die Zoologen das viel einfacher handhaben (Vanessa Io). Dass aber dann so ein Name wie der oben durchgewunken wird, und nicht nur das, sondern das jemand, der in der Namensgebungskommission sitzt, da Co-Autor ist, das versteh ich wirklich gar nicht....o tempora o Zores :)

    Herzlich, Ditte