Beiträge von Clavaria

    Hi Steve


    Melanoleuca brevipes is a nomen confusum that has been applied to various species.

    The name should no longer be used.

    Short stipes can occur in several species (but never consistently), so this character is not taxonomically useful.


    https://www.researchgate.net/publication/283300638_Identity_of_Agaricus_brevipes_Bull_Melanoleuca_brevipes_Tricholomataceae_Basidiomycota


    As for the genetic identification: please see my email.

    The morphology must of course also be consistent with it, but I would not attach too much importance to the cap colour.


    Best

    Raphael

    Hallo zusammen


    Hier noch ein paar Sequenzierungs-Resultate:


    Nr. 3 ist offenbar ein gewöhnliches Entoloma sericellum, das normalerweise reinweiss ist.

    Wiedermal: Bei Rötlingen nicht gross auf die Farbe achten.


    Nr. 4 ist dann doch Entoloma coracis, die Art ist dort häufig, aber normalerweise irgendwie anders.


    Nr. 5 - bei der Gruppe um Rhodocybe caelata hilft die Sequenzierung nicht, weil es keine Typussequenz gibt.

    Da hilft im Moment nur Sequenzen sammeln.


    Bei Nr. 6 sprach schon das Habitat gegen Mycena concolor.

    Es ist aber auch nicht M. pseudopicta, sondern eine namenlose Art, die unter dem provisorischen Namen Mycena concae in der Genbank herumgeistert (OR050800).


    Nr. 8: Bei Spodocybe kommt man per Sequenzierung auch nicht weiter.

    Es ist aber das gleiche wie hier: Trichterlings-Eldorado (Nr. 7).

    Letzterer Standort wurde durch eine Überschwemmung ausgelöscht, weshalb ich dem Pilz den provisorischen Namen "Spodocybe extincta" gegeben hatte.

    Der passt nicht mehr, jetzt wo ich einen anderen Standort habe. Was es nun in Wahrheit ist: Keine Ahnung.


    Nr. 9: Björn hatte recht, es ist vermutlich doch Poronia erici.

    Es entpricht genetisch genau der in der "Cryptogamica Helvetica" gezeigten Kollektion von P. erici.

    Allerdings ist das der einzige glaubwürdige Treffer, und eine Typussequenz gibt es nicht.


    LG Raphael

    Ach, noch was:


    Ganz oben im Beitrag, da habe ich noch Sequenzierungs-Ergebnisse:

    - Tricholoma triste wurde bestätigt

    - Lyophyllum deliberatum agg. wurde bestätigt - das sind wohl auch mindestens zwei Arten

    - Das letzte Lyophyllum ist Lyophyllum aemiliae, eine sehr ähnliche Art wie maleolens, ebenfalls mit bräunenden Lamellen


    Gruss Raphael

    Hallo Hias (und wer sonst Interesse an viel Text über Telamonien hat)


    Ich habe mich heute nochmal mit meinen "pseudofallax" Kollektionen rumgeärgert, weil ich ein ausführliches Portrait darüber schreibe.

    Es ist wieder das gleiche Muster wie bei anderen Telamonien, du kennst das ja schon:


    Die montanen Kollektionen (1 und 5 in meinem vorigen Beitrag) haben Sporenmasse, die recht gut zu den Angaben in der FAN passen:

    6.4-7.1-7.8 (SD 0.3) x 4.1-4.5-5.0 (SD 0.20) µm, Q = 1.33-1.57-1.76 (SD 0.08) [n = 40, 2 Kollektionen]

    Zwischen den beiden Kollektionen gab es kaum Unterschiede in den Sporenmassen.


    Die drei alpinen Kollektionen (2,3,4) haben deutlich grössere Sporen:

    7.3-8.4-10.1 (SD 0.6) x 4.7-5.2-6.2 (SD 0.3) µm, Q = 1.38-1.60-1.84 (SD 0.10) [n = 60, 3 Kollektionen]

    Auch hier: Fast konstante Masse bei allen drei Kollektionen.


    Die Masse überschneiden sich nur knapp, man könnte das durchaus für eine Artunterscheidung verwenden.
    Ob die Unterschiede bei den Sporenmassen wirklich verlässlich sind, müsste man erst mit sehr vielen Kollektionen bestätigen.

    Die HDS scheint mir auch nicht ganz gleich zu sein, das müsste ich aber nochmal gründlich nachuntersuchen.


    Aber die ITS unterscheidet sich nur durch zwei Basenpaare...

    • Die drei alpinen Kollektionen sind untereinander genetisch zu 100% identisch und passen zu vielen Sequenzen unter dem Namen parvannulatus.
      Diese scheinen alle aus Skandinavien oder der alpinen Zone zu stammen.
    • Kollektion 5 entspricht zu 100% dem Holotype von C. pseudofallax, mit passenden Sequenzen aus den Niederlanden.
    • Kollektion 1 unterscheidet sich durch ein Basenpaar und entspricht zu 100% dem Holotype von rigidiannulatus, sowie drei niederländischen Sequenzen als parvannulatus.

    C. parvannulatus taucht im Phylogramm in fast jedem Ast auf.

    Solange es keine Typus-Sequenz davon gibt, sehe ich zwei Möglichkeiten:

    a) parvannulatus als nomen confusum verwerfen, und 5-10 (semi)kryptische Arten akzeptieren

    b) Das ganze Aggregat als eine Art ansehen, wobei parvannulatus dann ein geeigneter Name ist. So wurde das Problem in der FAN8 gelöst.


    Anhand meiner Erfahrungen wäre ich jetzt geneigt, die alpinen Kollektionen als separate Art zu betrachten, trotz nur zwei unterschiedlichen Basenpaaren.

    Aber keine Ahnung, welchen Namen ich verwenden soll.

    Kühner gibt "logischerweise" für seine parvannulatus Sporenmasse an, die genau zwischen meinen Messungen liegen.

    Es gibt noch einige weitere Namen im Aggregat ohne Typussequenz, es bleibt also spannend.


    Phylogramm:


    LG Raphael

    Link zur Artbeschreibung... schwierig, weil viele Jahre alle der Meinung waren, dass es keine gute Art ist.

    Diese Meinung kann man sich recht einfach bilden, wenn man sie nie selbst in der Hand hatte.

    Eigentlich ist sie makro- und mikroskopisch gut von den anderen Lacrymaria-Arten unterschiedbar.

    Inzwischen ist die Eigenständigkeit der Art genetisch nachgewiesen.

    Sie ist standorttreu, ich finde sie seit mehreren Jahren immer wieder:





    Wirklich verlässlich ist nur die Original-Beschreibung:


    HIer gibt es einen italienischen Schlüssel, der die Art akzeptiert:

    Chiavi di micologia - A.M.E.R. - Associazione Micologica Ecologica Romana
    Chiavi di Micologia L’A.M.E.R. mette a disposizione di tutti coloro che ne vogliano usufruire questo spazio nel proprio sito per l’inserimento di Chiavi di…
    www.ameronlus.it

    Da sieht man auch schön die Unterschieden im Sporenornament zwischen glareosa und lacrymabunda.


    Vielleicht hat Christoph noch Links zu weiteren Beschreibungen.


    LG Raphael

    Hallo zusammen


    Es gibt eine recht neue Arbeit, in der mit Galerina esteveraventosii eine Schwesterart zu G. marginata beschrieben wird:

    https://www.researchgate.net/publication/359005757_Il_Genere_Galerina_nelle_Isole_Baleari_I_Galerina_esteveraventosii_una_nuova_specie_della_Stirpe_Marginata

    Diese ist offenbar weit verbreitet, es gibt Nachweise von Nord- bis Südeuropa.

    Gut möglich, dass eine der klassischen Arten aus dem marginata-Komplex damit identisch sind. Es fehlt noch an Typus-Sequenzen.


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Ich vermute da einen Frost-/Wasserschaden oder Befall. Die Lamellen wirken deformiert und sind teilweise verklebt.

    Und der Hut so komisch bereift.

    Vermutlich gibt es da keinen brauchbaren Sporenabdruck.


    Gruss Raphael

    Immer wieder hübsch :)

    Es sollte Sarcoscypha coccinea sein, hatte sie am gleichen Standort vor zwei Jahren genauer untersucht.




    LG Raphael

    Hallo zusammen


    Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Nr. 19 und 20 trotz der markanten mikroskopsichen Unterschieden doch identisch sind.

    Beides ist das neu beschriebene Entoloma ludwigii O.V. Morozova, Noordel., Reschke, Dima, O. Shiryaeva & I. Gorbunova 2026.


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Nr. 5 hat in der neusten Arbeit von Noordeloos et al. einen Namen bekommen:


    Entoloma ludwigii O.V. Morozova, Noordel., Reschke, Dima, O. Shiryaeva & I. Gorbunova 2025.


    Und wenn ich schon hier bin, kann ich den Risspilzen auch den richtigen Namen geben:

    Nr. 15 ist Inocybe alpinomarginata C.L. Cripps, E. Larss. & Vauras 2019

    Nr. 16 ist Inocybe areolae Cervini, Cagnoli & Bizio 2024

    Nr. 17 ist Inocybe amicitiae Bandini & B. Oertel 2024

    Nr. 18 ist Pseudosperma microfastigiatum (Kühner) Matheny & Esteve-Rav. 2019


    Gruss Raphael

    Hallo Hartmut


    Erfahrungsgemäss gibt es nur ein paar Bücher, an der mehrere Leute dringend Interesse haben.

    Wenn ich mir zum Beispiel die Versuche von Manfred Enderle anschaue, seine Bibliothek zu verkaufen...

    Nur weniges ging schnell weg, seit ein paar Jahren ist es wohl sehr ruhig geworden.

    Bei uns im Verband gibt es Schränke voll Ladenhüter, die niemand haben will.


    Ich würde das alles nicht zu sehr planen.

    Wenn du im Voraus einen Zeitpunkt festlegst, wird sich immer der ein oder andere benachteiligt fühlen.

    Du kannst unmöglich einen "idealen" Zeitpunkt treffen, wo jeder online ist.

    Und wenn du eine Auktion machst, wird dir "Gier" vorgeworfen.


    Darum würde ich es ohne weitere Vorankündigung spontan online stellen, ohne vorher in die Runde zu fragen.

    Danach werden die Bücher in der Reihenfolge der Anfrage vergeben.

    Die Preise würde ich zumindest für die gefragten Standardwerke festlegen, nicht als Verhandlungspreis.


    Falls ältere, wertvolle Werte darunter sind: Eine Auktion zu Gunsten einer wohltätigen Institution wäre auch noch eine Idee.

    AlexG hat das vor einiger Zeit für ein paar Parey's gemacht.


    Soweit meine Gedanken... ich beneide dich nicht, keine einfache Aufgabe.


    Gruss Raphael

    Hallo Stefan


    Ja es sieht leider so aus, dass die morphologische Bestimmung bei Melanoleuca sehr oft nicht möglich ist.

    Ich habe mir die letzten 2-3 Jahre eingebildet, das wäre schwierig, aber doch mit einer vertretbaren Fehlerquote möglich.

    Wenn das Sequenzierungs-Ergebnis kam, stellte sich heraus, dass ich fast immer daneben lag.

    Einige Ergebnisse konnte ich durch gezielte Nachuntersuchungen nachvollziehen, andere nicht.


    Ich habe die Papers von Antonin ziemlich gründlich durchgearbeitet.

    Dabei meinte ich morphologische "Unterschiede" entdeckt zu haben, aber war meistens auf dem Holzweg.

    Auch der publizierte Schlüssel zu sect. Urticocystis ist heikel und führt oft in die Irre. Diese Arten sind einfach schrecklich variabel.


    Ich fürchte es ist eine der Gattungen, wo die Morphologie einfach unzureichend ist.

    Oder ich habe einfach noch nicht genügend Übung in der Gattung :)


    Ein paar Beispiele (ohne Mikros):

    Melanoleuca acystidiata - ausnahmsweise korrekte bestimmt, eine der Arten ohne Zystiden.


    Melanoleuca fontenlae - bestimmt als Melanoleuca microcephala


    Melanoleuca fontenlae - bestimmt als Melanoleuca graminicola


    Melanoleuca friesii (oder evtl. bataillei), bestimmt als M. subpulverulenta, was nun als Synonym von friesii gilt.


    Melanoleuca grammopodia - Bestimmt als Melanoleuca paedida.

    Mit dem kurzen Stiel würde man an M. brevipes denken, leider können mehrere Melanoleuca-Arten auffallend kurze Stiele haben.


    Melanoleuca grammopodia - bestimmt als Melanoleuca rasilis.

    Ja, trotz des völllig anderen Erscheinungsbilds ist es die gleiche Art wie die zuvor.


    Melanoleuca luteolosperma, bestimmt als Melanoleuca humilis


    Melanoleuca communis - bestimmt als Melanoleuca melaleuca


    Melanoleuca monticola - bestimmt als Melanoleuca angelesiana


    Melanoleuca paedida - bestimmt als Melanoleuca robertiana


    Melanoleuca paedida - bestimmt als Melanoleuca fontenlae


    Melanoleuca paedida - bestimmt als Melanoleuca favrei


    Melanoleuca paedida - korrekt bestimmt, juhui!


    Melanoleuca stridula - bestimmt als Melanoleuca brachyspora


    Melanoleuca stridula - bestimmt als Melanoleuca brachyspora


    Vielleicht gelingt es über die Jahre, durch sehr viele sequenzierte Kollektionen mehr Klarheit rein zu bringen.

    Im Moment bleibt es ein Minenfeld.


    Gruss Raphael

    Hallo Stefan,


    Melanoleuca melaleuca hat laut Funga nordica weder Cheilo- noch Pleurozystiden. Zystiden taugen also nicht als Merkmal.


    Björn

    Hallo zusammen


    Nur nebenbei: Die Interpretation von M. melaleuca ist strittig.

    Nach den neueren Papers von Antonin et al. ist melaleuca eine Art mit Zystiden.

    Ich würde mich für Melanoleuca nicht mehr an der FN orientieren, weil es neue Erkenntnisse mit erheblichen Änderungen gibt.


    Wie auch immer, das ändert nichts daran, dass es es einige Melanoleuca-Arten ohne Zystiden gibt.

    Oder auch solche mit spärlichen, sehr unauffälligen Zystiden. Einige Arten können Zystiden haben oder auch nicht.

    Aber die Existenz dieser Zystiden in Kombination mit den warzigen Sporen und dem makroskopischen Erscheinungsbild sprechen eindeutig für Melanoleuca.


    Gruss Raphael

    Hallo Beli


    Ich denke so ziemlich jeder Organismus kann albinotische Formen bilden.

    Das ist nichts, was man für jede Art einzeln entdecken und beschreiben muss.

    Aber natürlich macht ein solch seltener Fund Freude, und sollte auf jeden Fall hier gezeigt werden!


    Bei den Arten, wo es eine var. alba gibt, war einfach irgendwer mal der Meinung, man müsse die benennen.

    Das ist aber aus heutiger Sicht unnötig, weil es wie gesagt bei jeder Art vorkommen kann.

    Ich hatte vorletztes Jahr einen albinotischen Risspilz, welche Art es war weiss ich nicht.

    Das war für mich kein Grund, den zu sequenzieren und dann als var. alba zu beschreiben.

    Im Gegenteil, das war eine abnorme Kollektion, die ich einfach als Kuriosität mit einer kurzen Doku abgelegt habe.

    Albinotische Formen sind einfach Pigmentstörungen, die bei jedem Organismus vorkommen können.


    Bei Menschen gibt es das auch, das ist schon seit Jahrtausenden bekannt, es gibt aber keinen Homo sapiens var. albus.

    Ebenso liest man immermal von weissen Rehen oder anderen Tieren. Das ist kein Grund, gleich taxonomisch aktiv zu werden.

    Im Gegenteil, in der Zoologie sind "Varietäten" aufgrund einer Pigmentstörung bei Einzelexemplaren gar nicht mehr zulässig.

    In der Botanik und Mykologie ist das zwar noch erlaubt, aber wird kaum mehr taxonomisch berücksichtigt.

    So ziemlich jede farbige Blume kann es ausnahmsweise auch mal in Weiss geben.

    In modernen Werken werden solche "var alba" meist als Synonyme aufgeführt (albinotische Formen ohne taxonomische Relevanz).

    Genetisch sind Pigmentstörungen offenbar auch nicht unterscheidbar.


    Gruss Raphael

    Hallo Thorben


    Die Infos reichen so noch nicht, um eine morphologische Bestimmung zu versuchen.

    Mit Melanoleuca würde ich mitgehen, aber es braucht ein paar mehr Angaben:

    - Schnittbild bis in die Stielbasis

    - Geruch

    - Stielbasis gerade, verdickt, knollig?

    - Pleurozystiden vorhanden?

    - Mehr Bilder von den Cheilozystiden

    - Mehr Bilder vom Stielapex, vor allem musst du nach Stielbasidien suchen


    Aufgrund dessen was ich so sehe kommen noch mindestens fünf Arten in Frage.

    Wirklich sicher bestimmen kann man in der Gattung ohnehin kaum ohne Sequenzierung.


    Gruss Raphael

    ... Nachtrag: Ich habe mir die Blast-Ergebnisse nochmal genauer angeschaut.


    Meine Kollektion stimmt zu 100% mit dem Material von Consiglio & Marchetti 2023 unter dem Namen Panaeolus retirugis überein.

    P. papilionaceus und P. retirugis wurden oft synonymisiert, lassen sich aber offenbar genetisch trennen.

    Die morphologischen Unterschiede sind minimal. Der Hut von P. retirugis ist kräftiger gefärbt und scheint in der Tendenz deutlich breiter als hoch zu sein.

    Und die Zystiden sind häufiger kopfig. Das passt alles gut zu meiner Kollektion.


    Was Ludwig als var. capitatocystis beschrieben hat, ist bisher nicht geklärt. Die Vermutung liegt aber nahe, dass das auch P. retirugis ist.

    Diese Vermutung äussern auch Hausknecht & Krisai in der ÖZP 2009: 97.


    Gruss Raphael

    Hallo beli


    Also zunächst zu der Kollektion von iNaturalist.

    Hier sage ich mal "kann sein". Makroskopisch ist diese Kollektion sicher recht ähnlich zu dem, was zum Beispiel Durand et al. 2016 zeigen.

    Schau mal: https://www.smbrc-chambery.fr/…gie/20161119MycoYenne.pdf

    In dem Paper sieht man auch, dass die Art oft fehlbestimmt wird.

    Dort sind zwei Kollektionen erwähnt, die morphologisch als Clitocybe strigosa bzw. Omphalina/Clitocybe barbularum bestimmt wurden.

    Eher ungewöhnlich sind die zweisporigen Basidien der iNaturalist-Kollektion. Das kann zwar jede Art mal haben, aber rein zweisporig ist schon recht ungewöhnlich.

    Da die Kollektion nicht sequenziert wurde, muss man wenigstens ein Fragezeichen dran tun.


    Dann zu deiner Kollektion:

    Vergleich mal meine Fotos mit folgenden gesicherten Funden:

    Aus Frankreich: https://www.smbrc-chambery.fr/…gie/20161119MycoYenne.pdf

    Orignal-Beschreibung: https://www.researchgate.net/p…ma_for_the_Turkish_mycota

    Was vielleicht noch typisch sein könnte, ist die stark vertiefte Hutmitte. Das sieht man bei deiner Kollektion nur angedeutet.

    Aber alle gesicherten Kollektionen haben gemeinsam, dass der Stiel dunkler als die Lamellen ist, mehr oder weniger hutfarben.

    Bei deiner Kollektion ist er weiss, und der Hut ist nur eingedellt, nicht richtig trichterförmig.

    Deshalb vermute ich, dass du da etwas anderes gefunden hast.

    Wie so oft: Ohne frische/feuchte Exemplare und Mikro-Bilder lässt sich da nichts halbwegs sicheres sagen.

    Es gibt noch einige andere trichterlingsartige Pilze mit grauen Lamellen.

    Beispielsweise Clitocybe lituus - ein Name, der für jeden zweisporigen, grauen oder graubraunen Trichterling benutzt wird. Niemand weiss wirklich, was das eigentlich ist.


    Ich kam erst durch eine Sequenzierung darauf, dass meine Kollektion Tephroderma fuscopallens ist.

    Inzwischen habe ich etwa 50 trichterlingsartige, hygrophane Kollektionen sequenzieren lassen, und habe eigentlich nur ein vorläufiges Fazit:

    Diese Gruppe ist im Moment morphologisch nicht bestimmbar, und makroskopisch schon gar nicht.

    Nichts schein verlässlich zu sein. Es gibt Übergänge zu Tephrocybe, die noch nicht wirklich klar sind.

    Ich vermute, dass einige etablierte Clitocybe-Arten synonymisiert werden sollten, und es gleichzeitig noch etwa ein Dutzend namenslose Arten gibt, die dauernd irgendwie fehlbestimmt werden.

    Es braucht mindestens zwei neue Gattungen für Arten, die genetisch weit weg von "normalen" hygrophanen Trichterlingenwie metachroa oder amarescens sind.

    Einige Arten müssten auch umkombiniert werden zu der kürzlich beschriebenen Gattung Clitolyophyllum oder zu Tephroderma.


    Bis sich jemand diesem Gattungskomplex ernsthaft annimmt, bleibt das ein Minenfeld.

    Eine morphologische Bestimmung ist bis dahin eine Lotterie, und rein makroskopische Bestimmung völlige Raterei.


    Ach ja, zu deiner Frage: Der Stiel war bei meiner Kollektion hohl - das halte ich in der Gruppe aber nicht für ein verlässliches Merkmal.


    LG Raphael