Beiträge von Clavaria

    Hallo Thorben


    Da würde ich jetzt Tubaria furfuracea draus machen.


    Mit dem Hutdurchmesser ist das so eine Sache... das liefert ein Indiz, taugt aber nicht zur eindeutigen Trennung.

    Das Problem: T. conspersa ist fast nie breiter als 20mm, T. furfuracea kann aber auch so klein sein.

    Das Merkmal hilft also nur bei grossen Exemplaren.


    Was spricht hier für T. furfuracea:

    - Stiel praktisch kahl, ausser der mehligen Spitze

    - Hut auch ohne auffällige Flocken

    - Zystidenform passt, hier eher die "Sommer-Form", weniger kopfig als im anderen Thread

    - Sporen passen auch


    Gruss Raphael

    Hallo Thorben


    Schwierige Sache, ich kann mich nicht entscheiden. Tendiere aber eher zu Tubaria furfuracea agg.


    Für Tubaria furfuracea sprechen die Erscheinungszeit und die kopfigen Zystiden, die anscheinend im Spätherbst/Winter bei der Art oft auftreten.

    Bon machte daraus die Art Tubaria hiemalis, die aber inzwischen praktisch überall mit Tubaria furfuracea gleichgestellt wird.

    Gegen furfuracea spricht der deutliche flockige Stiel.


    Für Tubaria conspersa spricht der flockige Stiel, die Zystidenform spricht eher dagegen.

    So spät im Herbst wäre für die Art auch untypisch, aber natürlich nicht unmöglich.


    Wie gross waren die FK? Tubaria conspersa hat selten einen Hutdurchmesser > 20 mm.


    Gruss Raphael

    man könnte die jetzt tatsächlich als dextrinoid und undeutlich gestreift ansehen

    Das hatten wir doch gerade erst... nämlich hier.


    Clitopilus hat keine dextrinoiden Sporen. Das steht zwar bei Ludwig in der Gattungsdiagnose, stimmt aber nicht.

    Die für Clitopilus typischen Längsrippen sieht man auf dem letzten Bild m.E. recht gut bei den aufrechten Sporen.

    Also wäre ich auch bei Clitopilus hobsonii agg. (da gibt es mindestens drei Arten, die morphologisch kaum zu unterscheiden sind).


    Gruss Raphael

    Hmja, da fragst du den falschen, ich esse praktisch keine Pilze. Aber ich kann Bücher zitieren: Gymnopus dryophilus ist wohl essbar, aber nicht hochwertig im Geschmack. Geeignet um ein Mischpilzgericht zu strecken.


    Im übrigen war das keine Bestimmung, sondern eine Vermutung. Vielleicht ist es auch was anderes, z.B. der seltene Gymnopus alpicola.


    Generell: Im alpinen Bereich findet man fast nichts für die Pfanne. Dafür aber viele Risspilze, Fälblinge und Gürtelfüsse. Die sind teilweise giftig, also bitte nicht nächstes Jahr irgendwelche kleinen, braunen Pilze aus den Bergen essen.


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Gestern lag nochmal eine kleine Exkursion im Mischwald drin.

    Ein paar Sachen gab es noch, die dem Frost nicht zum Opfer gefallen sind.


    1: Clitocybe metachroa

    Einer der Trichterlinge, die man einigermassen erkennt. Hut frisch gerieft, hygrophan, kein Mehl- oder Anisgeruch.

    Stiel wird nach unten gerne dunkler.


    2: Galerina stylifera (oder sideroides, die werden oft synonymisiert)

    Standort: Alter Holzlagerplatz.

    Hut schleimig, unter dem Mikroskop eine Ixokutis.


    3: Leucocybe (Clitocybe) candicans:

    Mit diesen weissen Trichterlingen ist es immer so eine Sache...

    Der oben flockige Stiel, weisses Sporenpulver und der unauffällige Geruch führten mich zu dieser Art.

    Mal schauen was die Restsaison noch bringt.


    Lg, Raphael

    Hallo Pablo


    Bin ich der einzige der sich traut was zu antworten?

    Also meine laienhafte Meinung:


    Ich habe keine Einwände gegen C. armeniacus agg.

    Ich nehme an du hast mit der FN geschlüsselt? Da kommt man ja auf direktem Weg dahin, mit dem Schlüssel von Soop auch.

    Drum würde ich ihn vorläufig als C. armeniacus ablegen.


    Bei den Telamonien ist wohl gerade einiges los.

    Ich habe nicht wirklich den Überblick was da alles an neuen Arten beschrieben wird, und bin dieses Jahr auch einige Male fast verzweifelt daran.

    Meine grosse Hoffnung ist Telamonia-Monographie, die in der FE-Reihe von spanischen Autoren angekündigt ist.

    Da müssten ja all die neuen Arten berücksichtigt sein, dann kann man die Bestimmungen nochmal überprüfen.


    Lg, Raphael

    Hallo zusammen


    Danke Andreas für die ausführliche Erklärung.

    Gut zu wissen, dass die Angabe "dextrinoid" bei Ludwig falsch ist. Hast du denn die von Clémençon beschriebenen Reaktionen untersucht?


    Rein zufällig habe ich heute auch C. hobsonii gefunden.

    Es waren noch halbe Babys, aber es gab reichlich Sporen. Ich habe mal mit ein paar verschiedenen Färbungen probiert:




    Schon in KOH sah man die Rippen recht gut:



    Dann in Baumwollblau auch, aber nur bei aufrechten Sporen richtig gut:


    In Kreyslblau auch:


    Und noch in Melzer, da sah man es richtig gut:


    Spannende Gattung!


    Gruss Raphael

    Hallo Romana


    Ich habe mir diese dextrinoide Reaktion bei Clitopilus nochmal zu Gemüte geführt.

    Das einzige meiner Bücher, wo das erwähnt wird, ist das Pilzkompendium von Ludwig.

    Aber woher hat er das? Vermutlich von hier.


    Heinz Clémençon zeigt in dieser Arbeit, dass nur die innere Sporenwand dextrinoid ist. Also nicht wie die Sporen einer Lepiota o.ä.

    Die Reaktion soll nur als dünne, scharfe, rotbraune Linie sichtbar sein.

    In Baumwollblau hingegen färbt sich die Aussenwand hellblau, je nach Alter der Spore unterschiedlich intensiv.

    Mit Kresylblau wäre auch noch eine metachromatische Reaktion der Innenwand sichtbar.


    So, in deinem Melzer-Präparat sieht man in zwei Spore genau eine solche Linie.

    In BWB hingegen sind die Sporen einheitlich hellblau.

    Das passt also doch zu Clitopilus :)


    Nur noch ein Haken: Heinz hat für diese Arbeit C. prunulus untersucht - ob die Reaktionen für die ganze Gattung gelten, weiss ich leider nicht.


    Gruss Raphael

    Ah, spannend. Die Art hatte ich bisher nicht präsent.


    Habe mal kurz Tante Google bemüht.

    Hier gibt es ein Kurzportrait von diesem Sommer. Die Darstellung bei Eyssartier/Roux S. 1010 passt auch gut zu dem Fund.

    Ja, das stimmt - aber ohne die gesteiften Sporen, und mit so grossen, absolut seitlich gestielten oder ganz stiellosen Fruchtkörpern?

    Untypisch, aber natürlich nicht unmöglich.


    Die Streifen sind je nach Spezies halt sehr schwer zu erkennen und noch schwieriger zu fotografieren.

    Am besten sucht man eine "stehende" Spore (hier C. prunulus):


    Wobei - auf dem ersten Sporenbild oben, die Spore unten rechts, dort könnte man solche Streifen mit etwas gutem Willen vermuten.

    Etwa so wie hier (auch C. prunulus):


    Ein gutes Merkmal wäre noch der Jodtest. Clitopilus hat dextrinoide Sporen, Crepidotus nicht.


    ---- edit:

    Ich habe mir oben das erste Sporenbild in Maximalvergrösserung nochmal genau angeschaut, und mit anderen Online-Quellen verglichen.

    Die Spore unten rechts passt recht gut hierzu.

    Also wenn sich Clitopilus bestätigt (entweder durch Finden von Streifen oder Dextrinoidität), dann käme für mich am ehesten C. hobsonii in Frage.


    Gruss Raphael

    Hi,


    mein Verdacht geht auch Richtung Crepidotus.

    Die meisten Clitopilus-Arten haben deutlich gestreifte Sporen, das müsste man im Kongorot oder Baumwollblau auf jeden Fall sehen.

    Bei C. scyphoides sind die Streifen undeutlich, aber der kommt makroskopisch nicht in Frage.


    Hast du nach Zystiden Ausschau gehalten?

    Ein Querschnitt könnte auch hilfreich sein.


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Der drohende Frost hat mich heute dazu bewogen, nochmal in den Wald zu gehen (Föhren, Fichten, Birken auf Kalk).

    Wie überall findet man viele Pilzleichen, denen es schon zu kalt war. Aber ein paar Sachen lebten noch:


    1: Agaricus sylvaticus (oder silvaticus, wessen Schreibweise stimmt nun eigentlich?)

    Sagt mir zumindest die Funga Nordica. In der unbeliebten FE1 habe ich nichts gefunden was dagegen spricht.

    Ist ja auch nicht selten, also wird's schon passen.


    2: Cortinarius cf. roseipes

    Hier fiel mir sofort auf, dass sich der Stiel im Schnitt intensiv rot verfärbt. Mit der FN komme ich deshalb direkt zu C. roseipes.

    Leider finde ich nur wenig Infos zu dieser Art. Angeblich soll sie mit Helianthinum verbandelt sein. Das kommt an dem Standort aber wohl kaum vor, es war ein sandiges Bachufer mit Erlen, Birken und Föhren.

    Vielleicht hat jemand eine bessere Idee.


    3: Inocybe pusio agg.

    Das bilde ich mir zumindest ein, vielleicht ist Ditte so lieb das zu kontrollieren:

    - Hut 15-25 mm

    - Stiel oben eigentümlich gefärbt (ich bin gänzlich unfähig, Farben korrekt zu benennen, also versuche ich es gar nicht)

    - Geruch banal spermatisch

    - Kaulozystiden nur an der obersten Spitze vorhanden und auch dort spärlich.

    - Cheilozystiden recht lang und schlank

    - Pleurozystiden ähnlich, zahlreich

    - Sporen: 9-10.5 x 5-6 µm, Avg 10x5.5 µm, Q = 1.64-2.09, QAvg = 1.83

    - Im Schnitt keine Verfärbung


    4: Hygrophorus discoideus:

    Die Wetterfrösche drohen ab dem Wochenende mit Minustemperaturen. Die Saison ist wohl wirklich fast vorbei. ;(


    Gruss Raphael

    Hi,


    naja makroskopisch sieht es aus wie Galerina marginata. Wahrscheinlich ist sie es auch, weil es die häufigste Art ist die so aussehen kann.

    Aber eben nur wahrscheinlich.


    Hier ein paar andere Bilder von diesem Chamäleon. Habe dieses Jahr einige Kollektionen untersucht, in der Hoffnung ein paar seltene Galerinas zu finden.

    Die drei waren mikroskopisch identisch.





    Gruss Raphael

    Hallo Matthias


    Für Lyophyllum semitale ist mir der Hut eigentlich zu stark gerieft.

    Auch die spindelige Sporenform mit suprahilarer Depression ist nicht so deutlich wie sie sein sollte.

    Die Sporen sind für meinen Geschmack viel zu regelmässig geformt.


    Hier meine zwei semitale-Funde von diesem Jahr:


    Bei dieser Kollektion ist die suprahilare Depression eher undeutlich, aber doch sichtbar:




    Hier sieht man die Sporenform besser:



    So auf die Schnelle habe ich jetzt aber keinen Alternativvorschlag für dich.

    Vielleicht hat sonst jemand eine Idee, sonst schaue ich am Abend nochmal.


    Gruss Raphael

    Hallo Chris


    Also ich bilde mir ein, dass ich auf deinen Bildern eine siderophile Granulation erkenne.

    Allerdings geht der Vergleich besser mit zwei Bildern, eines ohne Behandlung in Wasser, das andere nach der ganzen Zeremonie in Chloralhydrat.

    Zudem funktioniert es nach meiner Erfahrung nicht immer gleich gut, zumindest mit der kalten Methode die ich anwende (nach "Der Tintling" 2003):

    1. 2-3 Minuten in Eisenbeize legen (auf keinen Fall länger)

    2. Abtupfen

    3. 2 Minuten in Karminessigsäure legen (nicht länger)

    4. In Chloralhydrat gut quetschen und mikroskopieren, so dass du Basidien ohne störende Hintergrund siehst.


    Ich muss zugeben, dass ich selten ein Bild davon mache. Das hier scheint halbwegs ok zu sein. Es zeigt die Basidien von Lyophyllum decastes.

    Vielleicht hat sonst jemand noch ein besseres.

    Diese schwarze Marmorierung ist beim unbehandelten Präparat nicht da.


    Gruss Raphael

    Hallo, Raphael!


    Ich würde sogar mal vermuten, daß dein Ritterlingsfund Tricholoma argyraceum ist. Auch wenn die Sporen da bei meinen Aufsammlungen noch einen Tick "elliptischer" waren - wobei ich da immer einen Abwurf mache, ebenso wie bei Röhrlingen wird's sonst leicht mal diffus bei den Sporenmaßen. Aber die sind wirklcih schwer zu trennen. Von der Struktur und Farbe der Hutschuppen wäre ich bei deinem Fund eher zu argyraceum gekommen, die Fruchtkörperform scheint auch in die Richtung zu deuten. Wichtig wären noch die Velumverhältnisse - aber dazu brauchst du halt wirklcih ganz junge, noch fast geschlossene Fruchtkörper. Gilbungsverhalten ist manchmal noch ein kleiner Bonushinweis, argyraceum gilbt oft fast gar nicht, inocyboides aber recht kräftig wie auch scalpturatum.
    Die makroskopischen merkmale insgesamt sind vermutlich sogar sicherer zur Unterscheidung als diese winzige Nuance in der Sporenbreite / Sporenform zwischen inocyboides und argyraceum.



    LG; Pablo.

    Hallo Pablo,


    Gut möglich... leider gab es keine jungen FK. Ich schaue nächsten Herbst nochmal.

    Das Bild bei FNE4 von Tr. inocybeoides fand ich passend wie die Faust aufs Auge zu meinem Fund, die FK dort haben auch diese aufgebogenen Ränder. Tr. argyraceum fand ich bisher nie so, aber das muss natürlich auch nichts heissen.


    Lg, Raphael

    Hallo zusammen


    Letzte Woche gab es nochmal einen Ausflug in meinen Lieblings-Bruchwald.

    Da war noch immer richtig viel los, und es trauten sich ein paar Raritäten an die Oberfläche:


    1: Clitocybe collina

    Mehlgeruch, kombiniert mit winzigen Sporen (selten länger als 5 µm) und den praktisch weissen Lamellen.
    Nicht hygrophan, wuchs auf Sandboden. Ich finde nichts was besser passt.


    2: Clitocybe foetens

    Dieser Trichterling machte seinem Namen alle Ehre ("Stink-Trichterling"). Ein übler mehlig-ranziger Geruch.

    Der für die Gattung untypische Lamellenansatz ist gemäss Ludwig für genau diese Art typisch.

    Und ich dachte erst an ein Graublatt, ist es aber nicht. Sogar diesen Irrtum erwähnt Ludwig.


    3: Galerina similis

    Ein kleiner Häubling im Moos. Neben der Zystidenform halfen mir die recht breiten, fast glatten, nicht dextrinoiden und leicht kollabierenden Sporen bei der Bestimmung.


    4: Leucopaxillus gentianeus

    In Massen kurz vor dem Bruchwald, unter Föhren.


    5: Simocybe sumptuosa

    Über die habe ich mich besonders gefreut. Hatte noch nie eine Simocybe gefunden.


    6: Tricholoma inocybeoides

    Bestimmt nach FNE4 mit gewisser Restunsicherheit - ich kann ihn zwar nicht sequenzieren, aber alles andere passt perfekt.

    Wobei die morphologischen Unterschiede zu Tr. argygraceum halt schon minim sind.


    So das war's. Danke fürs Lesen und Anschauen.


    Lg, Raphael

    Hallo zusammen


    Ich habe hier mal wieder einen Risspilz, bei dem ich zu keinen sicheren Ergebnis komme.


    Standort: Bruchwald mit Erlen, Birken und Kiefern auf ca. 850m

    Hut: bis ca. 2.5 cm, Mitte deutlich gebuckelt

    Lamellen: Mit rostigen Flecken

    Stiel: Nicht knollig, siehe Schnittbild

    Geruch: Schwach spermatisch

    Verfärbung: Stiel rötend, sonst nichts beobachtet

    Sporen: 9.5-11 x 5.5-6.5 µm, einzelne auch bis 12 µm. Mittelwerte: 10.4x6 µm, Q = 1.6-1.93, QAvg = 1.73

    Cheilozystiden: Recht lang und schlank, bis 90x18 µm, mit deutlichen Kristallen, in KOH deutlich gelb.

    Pleurozystiden ähnlich, reichlich

    Kaulozystiden bis zur Stielbasis vorhanden, aber nach unten immer seltener


    Mit dem Schlüssel von Bon komme ich in die Nähe von Inocybe pholiotinoides.

    Wenn ich mir die Webseite von Ditte anschaue, stört mich unter anderem aber die Tatsache, dass mein Fund eine deutlich rötliche Stielspitze hatte.

    Ich hoffe mir kann geholfen werden.


    Hier die Bilder dazu:




    Sporen:



    Cheilozystiden:



    Pleurozystiden:


    Kaulozystiden, Stielspitze (bis zur Basis vorhanden):


    Lg, Raphael

    Danke auch an Stefan und Raphael,

    für mich wieder ein Kapitel von "learning by Blamage"

    Wo ist denn da die Blamage? Jeder hier hat schon mal einen Pilz falsch angeschrieben, das gehört einfach dazu. Mir ist schon viel schlimmeres als das hier passiert.

    Im ersten Moment mag es etwas peinlich sein, aber dafür passiert dir das nie mehr bei dieser Spezies. Besser so, als wenn du ihn falsch bestimmt bei dir ablegst.


    Also bloss nicht aufhören, einfach weitermachen ;)


    Lg, Raphael