Beiträge von Clavaria

    Hallo Stefan


    Ja habe ich mikroskopiert aber nur miese Bilder, das war meine Anfänger-Zeit mit dem Mikroskop.


    Das ungewöhnliche Erscheinungsbild lag meiner Meinung nach am Standort (sehr trockener Kiefern-/Fichtenwald am Sonnenhang). Für A. moelleri war er mir wieder zu hell. Aber guter Tipp, inzwischen habe ich mehr Agaricus-Literatur und werde das nochmal abgleichen.





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    #Edit:

    Nach Parra (FE 1a) ist es tatsächlich A. moelleri (oder moelleroides, der nur molekular unterscheidbar ist).

    2019 hatte ich mich nach Ludwig orientiert, da ist der gilbende Ring nicht erwähnt. Im Gegenteil, ein xanthoderma-Bild auf Tafel 214 hat sogar einen gilbenden Ring.


    Danke für den Hinweis!


    Gruss Raphael

    Hallo Milan


    Ja, App ist von Google Play. Samsung Galaxy S21 Ultra mit Android 11.


    Und der Screenshot: Ja das ist nun etwas verrückt. Ich kann man Ergebnis von gestern nicht rekonstruieren, das App hält den Pilz jetzt für einen Riesenträuschling :/

    Immerhin erscheint der Karbolegerling auch recht weit oben.



    Gruss Raphael

    ach, doch auch noch was Konstruktives:


    Verabschiede dich von der Erwartung, dass dein App zu jedem Pilz ein Resultat ausspucken soll. Das ist eh unrealistisch, wenn kaum 10% der hiesigen Pilzarten drin sind.

    Wenn du die Logik wie folgt änderst:

    - Wenn kein Treffer >95% dabei ist, meldet das App "keine sichere Bestimmung möglich" und zeigt auch keine Treffer an

    - Sobald ein Giftpilz mit >10% als Kandidat auftaucht, dann wird nur dieser angezeigt. Mit dem Hinweis, dass essbare Alternativen nach dem Vorsichtsprinzip nicht angezeigt werden.


    Damit wärst du so ehrlich unterwegs wie ein seriöser PSV:

    - Wenn er einen Pilz nicht sicher erkennt, wird er ihn nicht zum Verzehr freigeben und auch nicht mit einem möglicherweise falschen Namen versehen.

    - Wenn er einen Pilz meint zu erkennen, aber giftige Varianten nicht ausschliessen kann, wird er die essbaren Alternativen nicht erwähnen, sondern einfach sagen: "das könnte ein Knolli sein, bitte nicht essen".


    Dein App kann dann zwar viel weniger Pilze "scheinbestimmen", aber würde auch viel weniger Fehler machen.


    Gruss Raphael

    Hallo Milan


    Wie kommst du auf die Idee dass ich vom Bildschirm abfotografiere? Ich habe es genau wie du gemacht und die Fotos ins App geladen.

    Das ist allerdings recht mühsam, ich habe die Bilder alle auf Onedrive. Wenn ich sie von dort laden will, stürzt das App ab bzw. geht in den Kamera-Erkennungsmodus. Ich musste die Bilder also zuerst in meinen lokalen Galerie-Ordner herunterladen, nur damit kam das App zurecht. Die sind sie jetzt wieder gelöscht und ich mache mir die Mühe nicht nochmal.


    Dass offenbar beim gleichen Bild nicht immer dasselbe Ergebnis rauskommt, ist eher beunruhigend. Mir fiel beim Testen auch auf, dass mit Bildern derselben Kollektion, gleichem Abstand zu den Pilzen, nur einem anderen Kamerawinkel das Ergebnis sich massiv ändern kann.


    Zu A. phalloides: Stimmt, da hätte ich etwas dazu schreiben müssen. Hier spielt wieder die Qualität deiner Bilder rein. Wenn ein pilzhungiger Anfänger mit zwei Möglichkeiten mit mittlerer Wahrscheinlichkeit konfrontiert ist, wird er möglicherweise selber entscheiden (ja, natürlich nicht immer). Dein Bild von A. virosa passt nun ganz und gar nicht zu meinem Foto (er ist es ja auch nicht...), deshalb halte ich es nicht für unmöglich dass ein unerfahrener Anwender sich für die zweite angebotene Möglichkeit entscheidet.

    Das Problem liesse sich aber sicher lösen, wenn du dein App mit allen Farbvarianten der kritischen Giftpilze fütterst. Der Grüne Knolli muss ja nicht immer grün sein.

    Stell dir vor du gehst zum PSV und der sagt: Hm, keine Ahnung, das ist vielleicht ein giftiger Knolli, oder vielleicht ein essbarer Scheidling. Entscheiden Sie selber. Würde das immer gut rauskommen? Vergiss die Vorstellung, dass Speisepilzsammler in diesem Moment immer das Vorsichtsprinzip anwenden würden. Oft ja aber halt nicht immer.


    Hast du das App mal im Wald im grossen Stil am lebenden Objekt getestet? Ein Test an gut gestellten Bildern in Pilzbüchern scheint mir etwas sehr fern von der Realität. Das ist ja nicht das, wozu es später benutzt wird.

    Bevor ich es veröffentlichen würde, würde ich mit einem Experten ein paar Exkursionen machen, und selber mal den Anfänger spielen. Also einfach mal an die stehenden Pilze dranhalten, bei schlechtem Licht, ohne Blick auf die Lamellen, oder mit halb vergammelten Exemplaren, oder nur mit sehr jungen Exemplaren. Das ist die Realität, der sich dein App stellen muss. Die idealisierte Version, die du richtigerweise in den Warnhinweisen forderst, wird der Anfänger nicht befolgen.


    So, genug geschrieben. Ich denke mein Standpunkt ist klar.


    Gruss Raphael

    Ich hätte deine G. marginata auch nicht erkannt und bei Tubaria einsortiert.

    Die P. semilanceata sieht auch komisch aus. Mir käme da z.B. P. strictipes in den Sinn aber ohne Gewähr.

    Hallo,


    Bei G. marginata (s.l.) bin ich mir recht sicher, siehe Sporen und Zystiden.

    Ich muss allerdings zugeben, dass ich ihn am Standort auch nicht erkannt habe :)



    Ps. semilanceata und Ps. strictipes sind sehr ähnlich, anhand der Sporengrösse bin ich aber bei semilanceata geblieben.
    Viele Sporen waren deutlich breiter als 7 µm.


    Gruss Raphael

    So, ich habe diese App und einige andere nochmal mit ein paar Giftpilzfotos gefüttert. Das kommt raus:


    Art "Mushroomizer" "Pilze App" "Pilzator" "Pilzsnap"
    Agaricus xanthoderma moelleri Agaricus bitorquis, essbar Amanita spissa, essbar
    Agaricus silvaticus, essbar Psathyrella candolleana, essbar
    Gymnopus peronatus
    Amanita phalloides var. alba Amanita virosa
    Volvopluteus gloiocephala, essbar
    Amanita spissa, essbar Amanita phalloides Volvariella gloiocephala, essbar
    Amanita pantherina
    kümmerliche, trockene Exemplare
    Amanita pantherina Amanita spissa, essbar
    Macrolepiota procera, essbar
    Amanita pantherina Amanita gemmata
    Amanita excelsa, essbar
    Galerina marginata 59% Xeromphalina campanella
    34% Galerina marginata
    Galerina marginata
    Flammulina velutipes
    Coprinellus disseminatus (hä?)
    Galerina marginata Xeromphalina campanella
    Tubaria furfuracea
    Inocybe erubescens Inocybe erubescens Agaricus xanthoderma
    Volvariella gloiocephala, essbar
    Rhodocollybia maculata Volvariella gloiocephala, essbar
    Psathyrella candolleana, essbar
    Inocybe geophylla Inocybe sindonia Mycena galericulata, essbar Inocybe geophylla Clitocybe fragrans
    Lentinus tigrinus
    Inocybe corydalina Inocybe geophylla Hygrophorus pustulatus, essbar
    Mycena galericulata, essbar
    Psathyrella candolleana, essbar
    Inocybe geophylla Clitocybe fragrans
    Mycena galericulata
    Psilocybe semilanceata Panaeolus foenisecii Coprinellus disseminatus Panaeolus foenisecii Panaeolus foenisecii
    Psathyrella candolleana
    Fazit 2/8 richtig
    1 mögliche Vergiftung
    2 mögliche Todesfälle
    1/8 richtig
    4 mögliche Vergiftungen
    2 mögliche Todesfälle
    4/8 richtig
    1 mögliche Vergiftung
    0 mögliche Todesfälle
    0/8 richtig
    4 mögliche Vergiftungen
    3 mögliche Todesfälle


    * schauder * =O


    Hier die Bilder dazu:










    Das "beste" App kommt auf 50% Erkennung... immerhin werden oft giftige Arten untereinander verwechselt.

    Darum halte ich nicht viel von Pilzerkennungs-Apps und rate allen davon ab solche zu verwenden.

    Ich werde keine Zeit investieren, um solche Apps mit Fotos zu füttern. Dadurch würde ich mich an etwas beteiligen, das ich grundsätzlich in Frage stelle.


    Was meiner Ansicht nach gut wäre, ist ein objektiver Test mit z.B. 20 Arten oder Bildern aus dem Pilzbuch.

    Wenn ich so ein App veröffentlichen würde, wäre meine Testerwartung folgende:

    - Test mit mindestens 1000 Giftpilzfotos

    - Darunter auch viele schlechte Fotos, man kann nicht erwarten dass jeder Anfänger gute Fotos macht

    - Keines der Fotos darf für das Training des NN genutzt worden sein

    - Keine tödlich giftige Art falsch erkannt

    - Max. 1 (ein) falsch erkanntes Foto einer giftigen, aber nicht tödlichen Art

    Damit wäre das App vielleicht auf dem Niveau eines normalen PSV. Die können ja auch Fehler machen.

    Wenn das Ziel erreicht ist, mache ich vielleicht mit.


    Gruss Raphael

    Hi


    Ich habe mal etwas damit rumgespielt.

    Das App ist insgesamt noch recht instabil, aber darum geht es hier jetzt nicht.

    Es fragt beharrlich nach Zugriff auf den Standort, das will vielleicht nicht jeder der nur kurz etwas über einen Pilz lesen will.


    Die Erkennungsrate auf Fotos ist leider sehr tief, bei mir kamen rund 30% raus. Und ich war lieb, alles waren Arten die makroskopisch erkennbar sind. Gefährliche Schnitzer waren jetzt nicht dabei, immerhin sogar der Gifthäubling wurde erkannt. Aus einem Mehlräsling wurde ein giftiger weisser Trichterling, ok besser als umgekehrt.


    Das Erfassen von Funden ist eine gute Idee, hat aber einen kleinen Haken: Man kann keine Art erfassen, die das App nicht kennt. Oder ich habs einfach nicht gefunden.


    Also: Die Erkennungsqualität ist vergleichbar mit den anderen Apps. 530 Arten sind ganz ok, aber noch ein weiter Weg. Grosse Gattungen wie Rötlinge sind zu knapp gehalten für meinen Geschmack. Zur Bilderauswahl wurde schon was gesagt.

    Und dann die ständige Gefahr: Bei einem Buch muss der unerfahrene Leser selber bestimmen, selber entscheiden, und wird hoffentlich unsicher. Beim App bildet er sich ein, er hätte da ein Hightech-Future-KI-Wunder und vertraut trotz aller Warnhinweise darauf was das Ding ausspuckt.

    Ich möchte nicht Entwickler einer solchen App sein, die zu einer schweren Vergiftung geführt hat. Der Haftungsausschluss schützt zwar vor finanziellen und juristischen Folgen, aber damit leben muss man dann trotzdem.


    So, meine ehrliche Meinung: Ich finde das App ist noch nicht ausgereift genug, um unkontrolliert an potentielle Anfänger verteilt zu werden. Ich hoffe das entmutigt dich nicht. Bleib dran, konzentrier dich vielleicht mehr auf das Nachschlagewerk als auf die Fotoerkennung. Oder versuche es mit Bestimmungsschlüsseln.


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Das Thema ist nicht neu, ich erlaube mir aber trotzdem einen neuen Thread zu öffnen, statt wahllos irgendeinen alten zu reanimieren.


    Ich stosse bei meinen Recherchen immer wieder auf Widersprüche, welche Gattung in welche Familie gehört.

    Viele Bücher behandeln das Thema sehr stiefmütterlich. Und die wenigen, die sich damit beschäftigen, sind innert kurzer Zeit veraltet.

    Also bleiben für einen gesamthaften Überblick nur Internet-Datenbanken.


    Es ist mir natürlich bewusst, dass dahinter keine Kuratoren stehen und keine Datenbank fehlerfrei und topaktuell sein kann.

    Aber welche ist die zuverlässigste? Woran orientiere ich mich, um möglichst nahe am aktuellen Stand zu sein, ohne alle Publikationen einzeln zu durchforsten?


    Beispiel: Die Gattung Hebeloma

    - Index Fungorum: Hymenogastraceae

    - Mycobank: Strophariaceae

    - Catalogue of Life: Hymenogastraceae

    - GBIF: Hymenogastraceae

    Hier weiss ich, dass wohl die Mycobank falsch liegt. Aber das kann man ja nicht einfach verallgemeinern.


    Oder: Die Gattung Crepidotus

    - Index Fungorum: Crepidotaceae

    - Mycobank: Crepidotaceae

    - Catalogue of Life: Inocybaceae (obwohl das Datenset angeblich aus "Species Fungorum" stammt...)

    - GBIF: Inocybaceae

    Keine Ahnung was nun stimmt :/...


    Übel: Die Gattung Cleistocybe

    - Index Fungorum: Pseudoclitocybaceae

    - Mycobank: Biannulariaceae (das stimmt wohl, wurde 2020 von Vizzini dorthin verschoben)

    - Catalogue of Life: Tricholomataceae

    - GBIF: Tricholomataceae


    Neue Taxa scheinen auch einige Zeit zu brauchen, um alle Datenaustausche hinter sich zu bringen.

    2020 hat Vizzini die Familie Callistosporiaceae und die Gattung Xerophorus "erschaffen".

    Die sind aber bisher nur in der MB und im IF angekommen.

    Die o.g. Gattung Cleistocybe wurde in der gleichen Publikation verschoben, aber diese Änderung fehlt im Index Fungorum.


    Fazit:

    :haue:


    Wie sind da eure Erfahrungen?


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    ganz so einfach ist es leider nicht mehr. DIE Spitzmorchel gibt es nicht. Das ist ein Aggregat von vielen Arten, die sich nur sehr mühsam auseinanderdröseln lassen, siehe das Buch von Clowez und Moreau.


    Ja, das stimmt.

    Zum Glück ist das aber nur ein Problem für Pilzspinner wie uns :). Habe darum das Buch auch kürzlich bestellt und warte sehnsüchtig darauf.


    Soweit ich weiss, sind alle Spitzmorchel-Arten essbar und alle etwa gleich lecker.

    Man möge mich korrigieren, wenn ich da falsch liege. Mit der Speisequalität der Pilze kenne ich mich nur oberflächlich aus.


    Gruss Raphael

    Hallo Stefan


    Das ist wirklich ein spannender Fund.

    Ich vermute auch, dass es Richtung Weichritterling geht, obwohl er von oben an eine Rhodocybe mundula/popinalis erinnert.

    Die kann es aber nicht sein (u.a. wegen dem weissen Sporenpulver).


    Die Weichritterlinge sind eine sehr üble Gattung. Wenn man sie mikroskopiert, kann man sehr schnell bestätigen dass es ein Weichritterling ist.

    Aber dann findet man nur noch Widersprüche... die Gattung muss dringend überarbeitet werden.


    Der einzige Vorteil: Die rein graue Hutfarbe schränkt die Auswahl schon stark ein, die meisten Weichritterlinge haben deutliche Brauntöne.

    Ich könnte mir irgendwas Richtung Melanoleuca exscissa vorstellen.

    Aber wie schon erwähnt wurde: Die Gattung ist mikropflichtig, so ist das nur eine Vermutung.


    Gruss Raphael

    Hallo Pablo

    Das kann allerdings verzwickt sein, weil es entsprechende Erfahrung voraussetzt.

    Ich denke das ist genau der Punkt. Die Erfahrung fehlt mir bei dieser Pilzgruppe völlig.

    Und um mir das Wissen anzueignen, scheint mir das hier als Einstieg alles andere als ideal zu sein.

    Ich schnappe mir bei Gelegenheit lieber ein paar Porlinge, die makroskopisch einfach bestimmbar sind, und werfe die unters Mikroskop.

    Ich denke das bringt mir mehr ;)


    Danke auf jeden Fall für deine Bemühungen.


    Gruss Raphael

    Hallo Pablo


    Ich dachte zuerst auch an eine Mumie, aber abgesehen vom Geruch wirkte der eher frisch.

    Das Fleisch war recht weich, zäh, aber nicht vergammelt oder vertrocknet. Ich denke nicht dass der da überwintert hat.

    Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass die komische Farbe von Algen oder einem Parasiten stammt.

    Die Sporen sind tatsächlich seine, ich habe welche an den Basidien gesehen aber nicht fotografiert.

    Es war auch mit Abstand der häufigste Sporentyp, ein paar einzelne Fremdsporen gab es auch.


    Naja, wirklich bestimmbar ist das Ding wohl nicht :)


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Mein heutiger Ausflug war frustrierend. Ich hatte mir ein paar Lorcheln erhofft, aber es gab nur Zapfenrüblinge ohne Ende.


    In meiner Verzweiflung nahm ich das folgende grüne Etwas mit, wohlwissend dass ich kaum Ahnung von solchen Pilzen habe.

    Aber irgendwann muss ich mich ja endlich damit beschäftigen. Und das hier sah irgendwie spannend aus.

    Meine kläglichen Bestimmungsversuche liefen ins Leere. Vermutlich ist es etwas völlig Banales, und ich bin einfach zu blind um es zu erkennen.

    Das Teil stinkt bestialisch nach einem vergammelten Waschlappen. Schon fast unerträglich, wenn man es neben sich auf den Tisch legt.


    Weiss jemand was das ist?


    Das Ding überwucherte verschiedene Pflanzen- und Holzreste. Nicht zu erkennen, ob es ein bestimmtes Substrat bevorzugt.



    Zu Hause wurde es dann seziert, hier ein Querschnitt:


    Sporen in Melzer:


    Basidie in KOH:


    Hyphen in Melzer, Schnallen konnte ich nicht finden:



    Viele Grüsse

    Raphael

    Ich habe mir inzwischen die Original-Beschreibung von Favre beschafft (wenn jemand Interesse hat: PN). Die passt perfekt zu meinem Fund.

    Die Zystidenform wird dort sehr variabel angegeben. Ich habe das heute noch nachuntersucht, und konnte praktisch jede Zystidenform bei meiner Kollektion finden.

    Auffallend: Junge FK haben sehr variable Zystiden, ältere FK fast nur ausgeprägt kopfige.




    Gruss Raphael

    Hallo Andreas


    Ja, ich denke die Bilder täuschen.

    Stark warzige Sporen kenne ich anders, die Bilder von Thorben (hier) sehen völlig anders aus.

    Auch alle anderen Mikrofotos von L. lacrymabunda, die ich im Netz finde, zeigen enorme Unterschiede beim Ornament zu meiner Kollektion.

    In der Sporenkontur sind keine Unebenheiten zu erkennen, hier nochmal ein neues Bild in KOH.

    Nachtrag: Bei einzelnen Sporen kann man mit viel Geduld einzelne, minimale Höcker vermuten, was sich aber kaum fotografieren lässt.

    Meine anfängliche Einschätzung "glatt bis rau" würde ich also korrigieren auf "zerstreut flachwarzig".


    Was mir inzwischen hilfreich erscheint, sind diese Sachen:

    • Dieser recht aktuelle Schlüssel zu Psathyrella s.l. Da sind noch jede Menge andere Lacrymaria's (weltweit) drin.
      Der Schlüssel erlaubt auch Sporen mit sehr schwachen Warzen und führt dann zu L. glareosa (wenn man Übersee-Arten aussen vor lässt)
    • Hier habe ich eine etwas ältere Lacrymaria-Studie von Roy Watling entdeckt, wo er auch diverse Arten umkombiniert hat.
      Die Sporenzeichnungen von L. glareosa passen gut zu meinem Fund.
    • Einer meiner Kollegen müsste die Original-Beschreibung von Favre in der SZP zu L. glareosa haben, habe mal angefragt.
    • Ludwig erwähnt im Pilzkompendium, dass die mukronaten Cheilozystiden nicht konstant sind.
    • Ludwig erwähnt auch noch eine Arbeit von Häffner, die ich auch elektronisch gefunden habe. Die Beschreibung dort zu L. glareosa passt sehr gut zu meinem Fund.

    Ich revidiere also meine Meinung von heute Mittag, dass L. glareosa aufgrund von anders geformten Cheilos ausgeschlossen werden muss.

    Diese Meinung basierte ehrlich gesagt auf einer fahrlässig kurzen Konsultation von 123pilze.


    Wenn niemand Einspruch erhebt, würde ich die Kollektion als Lacrymaria cf. glareosa ad acta zu legen.


    Gruss Raphael

    Hallo Andreas,


    pyrotricha soll auch stark warzige Sporen haben, glareosa völlig andere Zystiden.


    In Amerika soll es eine L. echiniceps mit glatten Sporen geben, aber die passt makroskopisch nicht und wurde in Europa noch nicht nachgewiesen.


    Ich recherchiere am Abend weiter.


    Gruss Raphael

    Hallo Thorben


    Ja genau, so sollten die Sporen aussehen.


    Habe in KOH und Wasser mikroskopiert. Meine Bilder oben waren in KOH. Am Ende habe ich auch in Kongorot und sogar Baumwollblau probiert, in der Hoffnung dass ich die Warzen dann erkenne. Das hat aber nichts geändert.


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen,


    Mein erster Verdacht war das ja auch. Mich wunderte der absolut sandige, unwirtliche Standort, und dass man schon am jungen FK kaum Velum sieht. Sonst hätte ich sie vielleicht gar nicht mitgenommen.

    Ich habe tatsächlich auch noch nie einen Saumpilz mikroskopiert. Aber wenn ich es mit Mikrosfotos im Netz vergleiche, dann ist dort das Ornament viel viel auffälliger. Am Sporenrand sehe ich gegen das Licht keinerlei Warzen oder Unebenheiten, egal wie ich färbe oder mit dem Feintrieb spiele. Das kenne ich von deutlich warzigen Sporen anders. Aber möglich, dass das innerhalb der Variabilität bei der Art liegt. Vielleicht kommen ja noch andere Ideen.


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Heute Mittag habe ich einen kurzen Ausflug in einen Auwald gemacht.

    Hier ist es im Moment sehr trocken, entsprechend hatte ich wenig Hoffnung auf prächtige Pilzfunde.

    In einem sandig-steinigen Bachbett, das seit einigen Monaten ausgetrocknet ist, fand ich dann aber diese kleinen braunen Pilze.

    Frohlockend zog ich mit der Beute nach Hause, aber nach fast drei Stunden bin ich kaum weiter gekommen.



    Hut deutlich faserig, etwas hygrophan.


    Stielbasis weissfilzig, sonst mehlig oder feinfaserig



    Sporen glatt oder allenfalls etwas rau, 10-11 x 5.5-6.7 µm, Q = 1.65-1.95

    Dickwandig, mit deutlichem, meist zentralen Keimporus (KP bis fast 3 µm breit). Sporenform recht variabel.



    Cheilozystiden: In dichten Büscheln, lang und schlank mit auffallendem Kopf, dünnwandig.


    Pleurozystiden: Spärlich, dicker als die Cheilozystiden.


    Kaulozystiden: Ähnlich den Cheilos, s


    HDS: Da hatte ich Mühe einen anständigen Schnitt hinzukriegen, sie scheint aber zellig zu sein.

    Oben aufliegend sind wohl Velumshyphen.


    Velumsfasern vom Hutrand, mit Schnallen, schwach inkrustiert


    Sporenpulver fast schwarz.

    Unsere nette Putzfrau hat leider wenig Verständnis für meine Pilzmanie, deshalb hat sie den wertvollen Sporenabdruck praktisch vernichtet.

    Die Hälfte des Abdrucks, die auf einem Objektträger lag, war nicht mehr zu gebrauchen.


    Weitere Angaben:

    - Geruch mehlig, Geschmack mild

    - Keine Chrysozystiden

    - Begleitflora: Erlen, Weiden, Kiefern, Fichten in einiger Entfernung


    Ich nehme an, dass es eine Psathyrella ist. Aber ich finde keine, die passt. Alle mir zugänglichen Schlüssel (Melzer, Gröger, Moser, FN) laufen ins Leere oder ich biege irgendwo falsch ab.

    Das grösste Problem sind die konstant schlank-kopfigen Cheilozystiden. Die passen irgendwie gar nicht in diese Gattung.

    Lacrymaria velutina hätte solche Zystiden, aber dann müssten die Sporen grob warzig sein, und am Stiel fehlen jegliche Velumreste.


    Hat jemand eine Idee?


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo,


    Rein wissenschaftliche Lehrbücher:

    Da kenne ich nichts neueres, habe mich immer damit begnügt was in den Einleitungen der "normalen" Bestimmungsbücher und Monographien steht.


    Schlüssel:

    Moser ist eigentlich nicht schlecht. Die veraltete Systematik ist kein Problem. Das grössere Problem ist, dass viele neu beschriebene Arten fehlen.

    Einige Gattungen wurden seitdem gründlich überarbeitet und umgekrempelt.

    Aber immer noch besser nach Moser als nach Parey bestimmen.

    Neuere Schlüssel: Gröger oder Funga Nordica (wenn englisch ok ist). Oder dann Schlüssel für einzelne Gattungen in den Monographien oder im Internet.


    Bestimmungsbücher:

    Da ist die Bandbreite enorm. Wenn man ernsthaft Pilze bestimmen will, auch in schwierigen Gattungen, dann wird das leider teuer.

    Oder man hat das Glück in einem Verein mit grosser Bibliothek zu sein.

    Den Pareys würde ich aber wirklich nicht mehr empfehlen (ich weiss dass es da andere Meinungen gibt).

    Ich bestimme im Moment mehrheitlich Basidiomyceten, dazu benutze ich neben den reinen Schlüsselwerken primär folgende:

    - Pilze der Schweiz

    - Pilzkompendium

    - Die Reihe "Fungi of northern Europe"

    - Die Reihe "Fungi europaei"

    Die beiden letzteren enthalten auch umfangreiche lehrreiche Informationen im Einführungsteil und hervorragende Bestimmungsschlüssel.

    Leider sind die meisten nicht auf deutsch verfügbar.


    Apps:

    Ihhh... die benutze ich allenfalls zum Spass, weil die oft so herrliche Fehler bei der Fotobestimmung machen.


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Es ist ja gerade nicht viel los hier, drum hier ein paar Funde von der heutigen Mittagsrunde. Alles nichts besonderes.

    Trotzdem habe ich mich gefreut wie ein Baby, dass langsam wieder etwas los ist im Wald.


    1) Exidia truncata

    (stimmt der Name so? Da gibt es doch irgendwie ein Durcheinander)


    2) Lentinus (Polyporus) brumalis


    3) Ciboria amentacea


    4) Strobilurus esculentus


    5) Strobilurus stephanocystis

    Den habe ich am liebsten, wegen der üppigen Zystiden.


    Der dritte Strobilurus wollte sich heute nicht zeigen. Der Vollständigkeit halber eine Kollektion von letztem Jahr:


    Strobilurus tenacellus:

    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Ist schon recht wahrscheinlich, auf Nadelholz mit diesem Aussehen.

    Gewissheit bringt nur ein Blick auf die Sporen, aber wie bereits erwähnt braucht man dazu Exemplare die schon fast das zeitliche gesegnet haben.

    Manchmal schafft man es, sie im Kühlschrank nachreifen zu lassen.


    Hier ist G. ancilis mit den passenden gespornten Sporen:




    Und hier eine Mumie von G. geogenius. Die Sporen haben so Knöpfe an den Enden.

    G. geogenius wächst auf dem Boden, daran kann man sie auch so gut unterscheiden.




    Es gibt noch mehr ähnliche Arten (G. parma, G. leucoxantha), bin aber noch auf der Suche danach :(

    Vielleicht habe ich ja diesen Frühling mal Glück.


    Gruss Raphael