Beiträge von ogni volta

    Hallo zusammen,

    auf den Exkursionen der diesjährigen BMG Tagung in Tännesberg sind mir als "Beifang" auch ein paar Flechten untergekommen, die nicht untergehen sollen (bis auf die letze, die darf das, aber dazu später)


    Auf einem im Moor liegenden vermutlich Pappelstamm wuchsen diese hübschen Schirmchen:


    Lichenomphalia umbellifera/ericetorum, man sieht hier schön den Thallus aus kugeligen Algenzellen


    und daneben eine wunderbar orchestrierte Truppe von




    Multiclavula mucida

    beides Flechten mit Basidiopartner, was nicht allzu häufig vorkommt.


    In einem Bachtal fielen mir auf den hübschen Granitsteinen kurz oberhalb der Wasseroberfläche neben den Lebermoosen eine auffallend stabile, hübsch grün gefärbte Flechte auf:








    Lugol


    Pyknidien


    und offenbar ein Parasit, denn diese Ascosporen sind 3fach septiert, die Gattung Dermatocarpon sollte jedoch unseptierte (max 1x septierte) Ascosporen haben.


    Es dürfte sich um Dermatocarpon luridum handeln, eine Flechte, die gerne in der Sprizwasserzone von sauberen Bächen auf saurem Silikatgestein wächst.

    Diese Flechte überlebt es bei Hochwasser auch mal einige Zeit unterwasser zu sein.

    Leider habe ich nur Lugol's zu Hause, damit reagiert das Mark nicht. Mit Melzers sollte es rot reagieren.

    Für D. leptophyllodes, die I- ist, sind mir die Loben zu groß und sie scheinen mir auch polylobär.

    Aber vielleicht hat ja jemand von euch eine Meinung dazu?


    Viele Grüße

    Ingo

    Hallo Jörg,

    Es gibt für mich nur wenige Coverversionen die ich bevorzuge

    da stimme ich dir zu. Aber auch wenn viele Coverversionen musikalisch langweiliger erscheinen, waren sie bisweilen kommerziell erfolgreicher..


    Ein Musiker bei dem mir Cover nicht selten besser gefallen ist Bob Dylan. Ein genialer Songwriter- die Ausgestaltung oder Verfeinerung haben dann andere übernommen.


    Gruß Ingo

    Hallo Martin, ja hat sich alles ein bisschen gezogen.. aber das schöne ist ja, dass man sich mit den Flechten Zeit lassen kann ;)

    Danke für den Hinweis auf S. candicans. Die ist allerdings so unauffällig im Vergleich, dass sie wohl deutlich schwerer zu entdecken sein wird.

    Zu den Hidden Tracks - ja Hilmi, genau, manche Bands haben auf ihren Alben nach dem letzten Stück noch eine Zugabe versteckt, die man nur entdeckt hat wenn man die LP/CD noch ein paar Minuten weiterlaufen hat lassen. Dann ging plötzlich wieder was los. Das haben viele Grunge Bands gerne gemacht, aber auch schon Pink Floyd oder The Clash vorher.

    Lieben Gruß,

    Ingo

    Liebe Flechteninteressierte,

    ich möchte euch einige wenige Funde aus der Toskana vorstellen, die ich dort im Mai machen konnte. Da es für mich alles Erstfunde sind, freue ich mich natürlich über Kommentare.


    (I)

    Ich beginne mit einer schwierigen Diploschistes. Fundort war ein Gesteinsaufschluss an einem Hohlweg. Schwierig, da sie nicht eindeutig auf Moos/Flechten oder eindeutig auf reinem Fels wächst. Das Gestein dort ist überwiegend silikatisch, sodass ich zunächst von D. scruposus ausgegangen bin. Offenbar gibt es dort aber auch Kalkadern im Gestein und an einigen Stellen scheint es, dass diese Flechte epiphytisch wächst, sodass ich mittlerweile doch D. muscorum vermute. U.a. C. symphycarpa könnte ein Wirt sein.




    Hier in Nachbarschaft zu Cladonia symphycarpa





    K Reaktion: erst gelblich, dann rasch rotbraun. Die Rx scheint leider kein valides Trennkriterium bei Diploschistes zu sein.




    (II)

    An einer Hafenmole fand ich auf Kunststein diese adrette "Schriftflechte" i.w. S. (nicht verwandt mit Graphis). Es handelt sich um Arthonia calcarea, eine Flechte, die auch gelegentliche Salzwassergischt erträgt.







    Von dort startete ich eine kleine Wanderung zu einem Kap. Dort fand ich auf einem ins Meer ragenden Felsen eine bunte Vielfalt von halotoleranten maritimen Flechten.


    Als erstes fallen natürlich die bizarren Strauchflechten der Gattung Roccella auf. Im Altertum waren diese Flechten gesuchte Rohstoffe für den roten Farbstoff Orseille (Orcein). Sie wachsten auf Vertikalflächen von wassernahen Felsen, die zumindest zeitweise Meeresgischt abbekommen.


    (III)

    Aufgrund der überwiegend rundlichen Arme und blaugrünen Farbe handelt es sich hier um Rocella phycopsis.







    C+ rot




    (IV)

    In etwas geschützterer Lage fand sich eine Flechte, die mich stark an Squamarina cartilaginea erinnert hat.

    Ist es aber nicht ;) es ist natürlich ebenfalls eine halotolerante Art: Solenospora holophaea.

    Dazwischen die am Meer allgegenwärtige Xanthoria aureola und Buellia subdisciformis.



    trocken


    feucht




    IKI



    (V)

    Dann gab es noch eine unscheinbare Flechte mit schwarzen Apothecien. Sowas ist ja gerne mal Tephromela atra- aber hier war ich aufgrund des Standorts gespannt was die Mikroskopie ergibt. Und siehe da, diesmal wars eine Rinodina, aufgrund C-K- wohl gennarii.





    (VI)

    Zum Schluss noch ein Fund einer Krustenflechte von einer Wanderung auf einen kleinen küstennahen Berg (sicher ohne Salzeinfluss;)

    Der Untergrund silikatisch (getestet). Sonnen und Wind-exponier auf Vertikalfläche. Mit dieser Flechte habe ich mich wirklich lange herumgeschlagen. Sporen fand ich nicht. Dafür eigenartige schwarze Strukturen, deren Identität ich bisher noch nicht klären konnte.

    Makroskopisch und vom Standort her passt Pertuaria rupicola forma coralloidea sehr gut, siehe hier.

    Allerdings sollte sie C+ und P- negativ sein. Sie reagiert aber C negativ und K sowie P+ (gelb-gelborange), was über Italic zu Lepra (corallina) führt, die makroskopisch aber doch anders daher kommt. Ich schrieb also Alain Gerault an, der sie am ehesten für eine mediterrane Form von Lepra corallina hält.





    K


    P


    C


    Querschnitt


    Phtobiont chloroccoid


    leider keine Sporen


    unbekannte Strukturen, Parasit?




    Falls jemand von euch dazu noch was einfällt- ich bin für Hinweise dankbar.


    So das wars, ich hoffe es war was für euch dabei,

    viele Grüße, Ingo










































































    Kennt jemand noch die hidden Tracks auf den alten Scheiben? ;D


    unbestimmte aber dekorative Flechte auf einem Felsen an der Hafenmole

    Hallo zusammen,

    ich möchte euch einen Stacheling zeigen, den ich letzte Woche in Westschweden finden konnte. Er stand in einem sumpfigen (aber derzeit fast ausgetrockneten) Bachtal in Sphagnum bei Fichte, Erle, Birke, Weide und Kiefern (Reihenfolge=Distanz). Leider ein Einzelfruchtkörper. Was gleich meine Aufmerksamkeit aufsich zog war der glatte Hut. Er war leicht wildlederartig, sehr fein weisslich bereift, aber ohne Schuppen und Risse. Die Farbe war dunkel graubraun mit einem Stich violett. Bei Berührung dunkelte/schwärzte er sofort. Der Rand war heller und etwas eingerollt. Der gesamte Fruchtkörper maß etwa 5x8cm, war also (noch) recht klein. Das stachelige Hymenium war beige, die Stacheln etwa bis 5mm und am Stiel herablaufend. Der Stiel war unangetastet hell, etwa hymeniumfarben, bekam bei Berührung jedoch sofort eine braunrote Farbe. Das an der Stielbasis anhaftende Mycel war weisslich mit einem Blaustich. Im Schnitt kam es teilweise zu einer schwachen braunroten Verfärbung, in der Stielbasis leicht blaugrün. Der Fruchtkörper ließ sich leicht schneiden, das Fleisch war weich, nicht korkig oder verholzt. Der Geruch war im Wald sehr angenehm würzig, fruchtig. Beim Herausnehmen aus der provisorischen Tupperbox strömte mir dann ein stark maggiartiger, angenehmer Geruch entgegen. Die Kostprobe war nach 2min leicht schärflich, aber (für mich) nicht bitter. Mit diesen Merkmalen sollte es Sarcodon leucopus sein. Aus welchem Grund er den deutschen Namen "Widerlicher Stacheling" verpasst bekam kann ich nicht nachvollziehen - für mich war es einer der angenehmsten Pilzgerüche bisher. Aber gut, ich habe ihn auch nicht verspeist..




    Bemerkung: die Bilder sind nicht am ursprünglichen Standort aufgenommen. Für Fotos hatte ich erst später Zeit, ich musste der Meute hinterher...


    Viele Grüße aus dem sonst recht pilzarmen Schweden,

    Ingo

    Seit letzter Woche kann ich das endlich :) schon beeindruckend diese kriechenden Würste.. Ich hätte auch nie gedacht, dass die so schnell und hyperaktiv sind. Und: ich hatte den Eindruck sie schnappt nach dem Stöckchen :gkrass: Wenn man dann die Löcher im Holz sieht, dann möchte man sie nicht in die Hand nehmen…



    Grüße Ingo

    Hallo Martin,

    nanu wo sind denn da die Algenzellen im Schnittbild? Da hast du dich wohl verguckt? ;)

    ...siehst du es gibt hin und wieder auch hübsche nicht-lichenisierte Ascomyceten!


    Aber zum Fund: Ich halte ihn eher nicht für M. cornubiensis, dafür sind m.E. die Pusteln zu dick und die Fruchtkörper zu klein.

    Hier mal zum Vergleich eine Kollektion von M.c. vom letzen Jahr:


    Das waren richtig kräftige Teile, die großen eher über 2cm





    M. boudieri scheint mir auch auf den ersten Blick gut zu passen, den hatte ich aber noch nicht.

    Vielleicht meldet sich ja noch jemand, der den schon in der Hand hatte?

    Du hast übrigens die Seite meines Namensvetters aus Sonneberg verlinkt, ich ruf ihn auch mal dazu Ingo W

    Viele Grüße

    Ingo

    Hallo MM, danke für die interessante Information. Dass die Linse selbst fluoresziert war mir nicht bekannt. Lichtstreuung kann bisweilen ein Problem sein, insbesondere bei multifokalen Linsen. In Kombination glaube ich dir, dass das unangenehm ist! Schön, dass eine Schutzbrille das Problem löst!

    Ingo

    Hallo Thorben, danke, interessant! Auch wenn die Acanthopysen- artigen Hyphen im Detail schon verschieden sind, haben die Gebilde an sich va. bei Hyde & Goh doch Ähnlichkeit! Nun hab ich zumindest einen Anhaltspunkt! Ich werde heute Abend mal etwas weiter schmökern! Sehr schön!

    Hallo ihr Lieben, danke für eure Mithilfe!

    Stecknadelflechten wie Sclerophora können stabile Stiele ausbilden, hätten aber irgendeine Form von Fortpflanzungszellen auf der Spitze (Mazaedium etc.) und sie kämen an trockenen Standorten vor.

    Xylariales hätten stabile Stiele - ein guter Gedanke- sie sollten aber irgendwo Perithecien ausbilden. Oder zumindest irgendwelche Konidien verteilen.

    Das Fehlen von jeglichen zur Reproduktion dienenden Zellen ist tatsächlich seltsam.

    Tja vielleicht muss ich mal was davon sequenzieren lassen um zumindest eine Idee von der Verwandschaft zu bekommen.

    Viele Grüße

    Hallo Forum,


    im Mai fand ich auf einem teilweise im Morast liegenden vermorschten Laubholzast eine Kolonie kleiner gestielter Objekte mit weißem Puschelkopf.

    Die Stiele messen etwa 1-2mm, teilweise entspringen sie gebündelt und erst im ausgewachsenen Stadium schieben sich weiße "Hyphen" oben heraus.

    Für Synnemata eines Hyphomyceten sind sie mir eher zu stabil, sie besitzen eine eigene "Cutis" und sind sehr kräftig. Innen laufen glatte, pigmentierte verzweigte "Hyphen", sobald sie oben in die Luft herausschauen werden sie hyalin und sind von feinsten Stachelchen besetzt. Auch sie sind verhältnismäßig extrem stabil.


    Die Holzproben wurden nun fast 4 Wochen in der Feuchtkammer inkubiert ohne dass sich Fruchtkörper oder Sporen nachweisen ließen.

    Ich habe die Stiele längs geschnitten und auch das Holz aufgeschnitten und konnte keine tierischen Spuren (Larven, Würmer etc.) finden.

    Allerdings fielen mir auf der Rückseite des Holzstücks schwarz pigmentierte Demarkationslinien auf, die wiederum für pilzlichen Ursprung sprächen, falls sie dazu gehören.

    Außerdem hat sich in der Feuchtkammer auf den frischen Bruchkanten des Holzes ebenfalls ein filziger Überzug, ähnlich der auf den Stielen befindlichen Pinselhaare gebildet.


    Von den französischen Pilzfreunden wurden mir Feinwurzeln vorgeschlagen- das möchte ich ausschließen, denn das Holz ist mausetot und nicht von Pflanzen be/durchwachsen.

    Meine momentan favorisierte Hypothese ist, dass es sich um Luftmycel eines holzbewohnenden (Basidio?)myceten handeln könnte. Nur warum das dann solche Stiele bildet?

    Oder die Stiele sind von einem anderen Lebenwesen übriggeblieben und das Mycel wächst nur zufällig aus den leeren Röhrchen heraus?


    Vielleicht hat ja von Euch jemand eine Idee?


    Fundort:


    Der Ast lag mit einem Ende im Wasser, die UMO's unterwasser hatten nur Stiele, über Wasser kamen dann die Puschelköpfe dazu


    entnommenes Stück Holz





    nach 3-4 Wochen in der Feuchtkammer zeigt sich auch an den Bruchkanten weissliches "Myzel", im Hintergrund die Stielchen



    pigmentierte Demarkationslinien


    Längsschnitt des Stieles, Blick auf die Rinde



    Der Hyphenschopf lässt sich mit der Pinzette aus dem Stiel herauszupfen


    "Hyphen" innerhalb des Stieles pigmentiert, glatt, verzweigt, teils schnallenartige Zellgrenzen




    Hyphen mit Luftkontakt mit feinen Härchen/Spikes


    keine Anfärbung mit KongoR


    Ich schließe mit Spock: Faszinierend.

    Aber ich habe keine Ahnung was das sein soll und ob es überhaupt ein Pilz ist.


    Ich zähl auf Euch,

    Ingo

    Hallo Christine, das sind tatsächlich auch „Pilzmücken“ die eben nicht nur Großpilze befallen sondern auch zB Rostpilze. In diesem Fall der Gattung Mycodiplosis. Manche sind wirtsspezifisch (wie oft auch ihr Wirt) andere (wie zB M. coniophaga) fressen offenbar fast alles. Welche Art das nun genau ist kann ich dir nicht sagen. Meine Erfahrung ist aber, dass Rostpilze auch nicht seltener befallen werden als zB Steinpilze…

    Viele Grüße

    Ingo

    Einen Nachtrag hab ich noch. Wie ich erst später herausfand gabs auf dem Stöckchen mit der Adelphella noch einen Aero-aquatischen Hyphomyceten. Helicoon richonis. Für mich als Lakritzfan (darf ich in Bayern natürlich nicht laut sagen :saint: ) ein absolutes Schmankerl:






    Sp: (70.4) 70.5 - 81.2 (84.8) × (42.9) 44.2 - 53 (53.3) µm Q = (1.4) 1.43 - 1.78 (1.8) ; N = 10


    Lecker, lecker

    und ein bisschen scharf ==Pilz27

    schöne Pfingsten euch,

    Ingo

    Hallo Peter, danke für deine Antwort und Vorschläge, da kann ich weiter recherchieren!


    Zur 5) nach diesem Artikel hatte ich L. terrestris verworfen, da diese Art mit einem pentagonalen Mittelstück gezeigt wird während mein Fund ein kreisförmiges Mittelstück hat. Vielleicht sieht man das auf diesem Bild besser?


    zu 10/11) Die fand ich auch richtig genial! Ich habe sie absichtlich nur zur Hälfte gestackt damit man die räumliche Ausdehnung nachvollziehen kann.

    Leider finde ich im Netz nichts zu L. centrospora? Hast du zufällig Literatur dazu?


    die Kinder sind im Bett

    Das kommt mir bekannt vor, bei der derzeitigen Tageslänge fällt es schwer sie vor 9 ins Bett zu bekommen...


    Bei iNaturalist bin ich (noch) nicht, aber vielleicht mach ich das tatsächlich mal, wenn da grad so ein Momentum vorhanden ist, das ist ja was Schönes.


    viele Grüße

    Ingo

    Hallo zusammen,

    auf Peter's schönen Beitrag hin habe ich letztes Wochenende versucht auch ein paar dieser grazilen Sporen zu finden. Dazu bin ich an einen kleinen Bach mit dem verheissungsvollen Namen "Kothbrunngraben" geradelt. Ausgerüstet mit dem Kescher der Kinder und einem Rucksack voll Mikro- Equipment.

    Peter meinte man benötigt nicht unbedingt eine spezielle Fixierung, es könnte auch auch nur Baumwollblau ausreichen um die Sporen am auskeimen zu hindern, was sie ansonsten bei Kontakt zu Oberflächen sofort zu tun pflegen. Das wollte ich einmal testen:


    der Kothbrunngraben- eher eine "Lettn" - wo gibt es hier nur Schaum?


    Als erstes Problem stellte sich heraus überhaupt Schaum zu finden... Der Wasserstand war niedrig und das Gefälle reichte nicht für sprudelnde Schwälle.


    Nun gut, an einem im Wasser liegenden Ast fand ich eine hübsche Gruppe von Adlephella babingtonii- da war die Laune trotzdem gut:



    Sp:19 - 21.9 × 12.6 - 14.5 (15.2) µm Q = 1.5 - 1.6; N = 20 IKI an Ascuswand schwach+


    Schliesslich fand ich eine Stelle wo der Bach wegen einer Wegkreuzung kanalisiert ist- dahinter plätscherte das Wasser schön und es gab eine tolle Schaumblume- fast wie auf einem Weizen(bier)glas.

    Ich fertigte ein ein paar Objektträger mit Proben in LCB an und steckte sie zum Transport in ein kleines Schächtelchen. Außerdem füllte ich noch ein kleines Gläschen mit Schaum in der Hoffung er möge den Heimweg überstehen. Hier war vielleicht sogar von Vorteil, dass das Wasser nicht mehr das frischeste war und schon mit einer feinen Haut bedeckt war - ich kam nämlich erst Abends zum Mikroskopieren und wider Erwarten war tatsächlich noch Schaum darin.


    etwas Schaum hat sogar bis abends überlebt


    Zu meiner Freude waren schon beim ersten Blick ins Okular eine bunte Mischung aus Sporen aquatischer Pilze und Kieselalgen zu sehen.

    Einigen davon konnte ich mit der von Peter verlinkten Literatur Namensvorschläge anheften. Eine Auswahl möchte ich euch hier zeigen:


    1) Clavariopsis aquatica


    2) Tricladium splendens


    3) Edit: wohl auch Tricladium splendens



    4) Alatospora acuminata


    5) Tetracladium marchalianum


    6) Lemonniera pseudofloscula


    7) Flabellospora acuminata


    Folgend noch einige die ich nicht entschlüsseln konnte:


    8) ähnlich Clavariopsis aquatica, jedoch mit 4 Armen


    9)


    10)


    11)


    12) eine sehr kleine Konidie


    13) um die gebogenen Sporen habe ich erstmal einen Bogen gemacht



    14) nicht pilzlich sondern Kieselalge- trotzdem hübsch anzuschaun


    15) und eher nicht pilzlich aber in fast allen Präparaten zu finden- kennt jemand diese winzigen "Tentakel"?


    Das wars, für Namens/Verbesserungsvorschläge bin ich natürlich dankbar.

    mir hat dieser kurze Tauchgang Spaß gemacht, nochmals Danke an PBR für die Initiierung.

    lieben Gruß

    Ingo

    Hallo Peter, Hallo Mitleser,

    ich habe am Wochenende mal einen nahegelegenen Bach besucht um auszuprobieren ob es mir gelingt diese empfindlichen Sporen, wie Peter oben vorgeschlagen hat, nur mit LCB "Fixierung" darzustellen.

    Dazu habe ich mir ein kleines Objektträger-Döschen vorbereitet, außerdem eine Pipette mit etwas gewöhnlichem LCB vermischt mit Glycerin (nur damit die Flüssigkeit nicht so schnell verdunstet, das hatte ich noch zur Autopflege in der Garage) und ein Döschen Deckgläser.



    Vor Ort habe ich dann etwas Schaum auf den mit LCB Tröpfchen vorbereiteten OT getropft und mit Deckgläschen abgedeckt zum Transport wieder im Döschen verstaut. (etwas aufpassen muss man hierbei nicht zu viel Flüssigkeit zu verwenden sonst rutschen die Deckgläschen während des Transports herum und man hat eine schöne Sauerei... beim 2. Versuch hat das dann gut geklappt).


    Außerdem habe ich noch ein kleines Fläschchen (Kontaktlinsenbehälter) mit Schaum gefüllt um zu testen ob der Schaum vielleicht doch stabil bleibt bis ich wieder zu Hause bin.


    Tatsächlich waren beide Varianten erfolgreich!


    Ich bin sogar erst abends dazu gekommen die Sachen zu mikroskopieren, der Schaum war in diesem Fall also sogar über 6h stabil. Ich hatte allerdings auch einen sehr feinen Schaum hinter einem kurzen kanalisierten Abschnitt des Baches unterhalb des Rohres entnommen. Dort war der Schaum fast "stichfest".


    Schaumprobe ca 6h nach Entnahme. Etwas zusammengefallen, aber immer noch verwendbar


    Ich habe darauf geachtet für das Präparat nur Schaum aus der Mitte des Gefäßes zu entnehmen- darin konnte ich keine gekeimten Sporen/Hyphen finden. Sie haben also offenbar innerhalb des Schaums keinen Kontakt zum Glas/Deckel bekommen.

    Im Vergleich der Direktpräparate zu den nachträglich aus dem Schaumfläschchen erstellten Präparaten war auch kein Unterschied in der Sporenzahl bzw Sporen/Arten-zusammensetzung zu finden. Umgekehrt hat den Konidiosporen im Direktpräparat die lange Einwirkzeit im LCB auch nicht geschadet, im Gegensatz zu Ascosporen gibt es keine Schrumpfungsartefakte.


    Das bedeutet: so kompliziert ist das ganze gar nicht :) einfach mal ausprobieren


    Für die spontane Probenentnahme wären natürlich mit Fixationslösung vorbereitete Eppis genial, dann könnte man auch mal auf einer Wanderung oder im Urlaub oder sonstwo schnell eine Probe nehmen und dann irgendwann, wenn man mal Zeit hat untersuchen..


    Viele Grüße Ingo