Auf der Suche nach Pisolithus arhizus, dem Erbsenstreuling, der Böhmischen Trüffel

Es gibt 17 Antworten in diesem Thema, welches 931 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Corne.

  • Hallo,


    ich bin im Frühjahr 2022 auf den Pisolithus arhizus aufmerksam geworden. Ein guter Würzpilz für Soßen, kommt dem Vogtländer, welcher seine Speisen und „Grünen Klöße“ gern mit reichlich Soße zu sich nimmt, sehr gelegen. :gfreuen: --> edit: siehe zum kulinarischen Wert hierzu die Beiträge weiter unten


    So kam ich dazu, dass ich mich seit Februar u. a. mit dem Erbsenstreuling beschäftigt habe. Und wie immer, zuerst vor der Haustüre suchen. Da er meist auf Abraumhalden oder Halden allgemein zu finden ist, lag mein Augenmerk auf solchen Gebieten in meiner Näherung Umgebung. Gefunden wird er auch auf Truppenübungsplätzen. Direkte Halden habe ich hier nicht, dafür einen großen Truppenübungsplatz der CA, der Roten Armee. Hier muss ich weitere Erkundungen durchführen. Ich habe auch einige Steinbrüche in meiner Nähe mit einer Art von Halde, auch hier muss ich noch Erkundungen durchführen.


    Gestern war ich mit meinem Besuch im Böhmischen unterwegs. Ein Besuch von Tschechien liegt immer auf dem Plan, wenn ich Besuch habe.


    In Google Maps fand ich in den Satellitenbildern eine sehr interessante Gegend, welche im Großraum Sokolov liegt, jedoch für mich anfahrtstechnisch günstiger zu erreichen ist und zumindest optisch sehr gut aussah. So wurde diese Gegend mit auf die Route gesetzt. Mir wurde gesagt, dass der Erbsenstreuling auch mit wenig Wasser fruktifiziert – ein Punkt, welcher bei der aktuellen Wetterlage nicht zu verachten ist.



    Wir befinden uns in einer Gegend, welche komplett aus einer Abraumhalde eines Braunkohlentagebaues entstanden ist. Landschaftlich eine traumhafte Ecke. Der entstandene See wird als Badesee benutzt.






    Im Gelände sind deutlich die Schüttungen zu sehen, Wälle und Täler.




    Dazu wachsen die Mykorrhiza-Partner des Pisolithus arhizus, Birken und Kiefern, mit welchen der Pilz eine Symbiose eingeht.


    Funde ließen nicht lange auf sich warten – mein Erstfund.


    Manche Fruchtkörper stehen deutlich aus dem Substrat hervor, andere sind nur durch eine leichte Wölbung im Boden und einigen kleinen Rissen zu erkennen. Insgesamt bezeichne ich die Pilze als leicht zu finden; das ist lediglich mein Eindruck.





    Im folgenden Bild gilt es 3 Pilze zu finden.





    Nachdem ich den ersten Pilz in der Hand hatte, wusste ich Bescheid – das braune Pulver färbt sehr, sehr gut!


    In der Gegend konnte ich den Erbsenstreuling sehr häufig finden. Bei 50 habe ich dann aufgehört zu zählen, es steht einfach alles voll.


    Meist waren die Pilze schon in einem weit fortgeschrittenen Stadium, das Oberteil war schon Pulver. Es gab jedoch auch feste und schwere Exemplare. Man hat es nach einigen Pilzen sofort im Gefühl, ob man den Pilz mit nimmt oder einfach im Boden lässt.


    In rund 1 h konnte ich 1,5kg einpacken. Mehr brauche ich nicht, das reicht. Beim Putzen fallen sicherlich 2/3 weg, so dass deutlich weniger verwertbares Material bleibt. Das Putzen macht Arbeit, und man saut sich selbst und seine Umgebung ein; lässt sich irgendwie nicht vermeiden.





    Große Exemplare brachten es auf 9 – 10 cm.




    Seinen Trivialnamen verdankt der Pilz den Pseudoperidiolen im Innern.







    An natürlichen Sto ist der Pisolithus arhizus rückläufig, auf Halden soll die Verbreitung zunehmen.



    Welche Verwendungsmöglichkeiten für den Pilz gibt es?


    Der Pilz wird als Färbemittel benutzt; kann ich bestätigen…


    In Baumschulen werden mit dem Erbsenstreuling Sämlinge von Kiefern beimpft, um so durch die Symbiose zwischen Baum und Pilz das Baumwachstum zu fördern.


    Nicht zu vergessen, getrocknet dient der Pilz als Würze in der Küche.


    Auch der fränkische Sternekoch Alexander Herrmann nutzt den Erbsenstreuling kulinarisch. Ein schöner Beitrag bei „erlebe.bayern“: erlebe.bayern



    Insgesamt ein schöner Tag, bei idealem Wetter, 21 °C, etwas Wolken. Dazu ein gutes Mittagsessen und eine schöne Runde gelaufen um den Badesee.
    Nicht zu vergessen der Fund des Erbsenstreulings.



    Ich hoffe ihr hattet etwas kurzweilige Unterhaltung bei Text und Bild.



    Grüße,

    Steffen

  • Ahoj, Steffen,


    Glückwunsch zum Pers.erstfund!


    LG

    Malone

  • Schöner Beitrag, Steffen! :thumbup:


    Was Du schreibst und zeigst deckt sich nahezu mit meinen Erfahrungen.

    Seit 2013 berichte ich ja in diesem Forum jährlich von meinen Touren zu den "Erbsen".

    Findest Du unter meinen Themen. Da kannst Du ja einmal reinschauen, falls Du die Beiträge noch nicht kennst.


    LG, Nobi

    Hier geht es zu meinen Themen.

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    Chips: 88 nach diversen Verlusten - 10 APR 2019 = 78 + 6 (150er Prämie APR 2019) = 84 -10 APR 2020 = 74 - 5 Macrocystidia-Wette = 69 - 10 APR 2021 = 59

  • nobi


    Danke! Ich habe mir Deine Beiträge angesehen, danke für's Zeigen & Teilen.

    Leider war ich etwas spät vor Ort, aber es hat sich alles erst kurzfristig ergeben. Was sich bezahlt gemacht hat, ist Studium und Recherche, um die Pilze selbst zu finden.


    Grüße,

    Steffen

  • Hi, tolle Doku ! Da hat du ja richtige Detektivarbeit geleistet. Glückwunsch zum Fund und die tolle Doku hier! :) LG Sandra

    Liebe Grüße aus dem Vogtland

    die Schwarzhex

    :gwinken: Sandra

    (100 - 10 fürs APR 2020 = 90 - 15 APR 21 = 75)

    Einmal editiert, zuletzt von hilmgridd () aus folgendem Grund: nicht ? sondern ! ist doch klar ;-)

  • Hallo Steffen,


    gründlich vorbereitet und dann auch mit reichlichen Funden belohnt, :thumbup: und Glückwunsch.

    Dazu wachsen die Mykorrhiza-Partner des Pisolithus arhizus, Birken und Kiefern, mit welchen der Pilz eine Symbiose eingeht.

    Das ist aber fakultativ, oder? Ich kenne den Pilz inzwischen von einigen verschiedenen Standorten in Deutschland (Nobis Fundstellen - mit Birken) und aus verschiedenen südeuropäischen Ländern, und an mindestens zweien meine ich, dass da weder Kiefern noch Birken vorkamen.


    Einmal unter Eukalyptus: https://goo.gl/maps/oTDgVEmPYBbS6o376


    Und im Eichenwald: https://www.pilzforum.eu/attac…5-img-20191008-134843-jpg (Bild von Sarifa)

  • Wow, fette Beute! Ich würde mich schon über ein Exemplar freuen, denn diese Art habe ich selber noch nie gesehen.

    Zwei Fragen habe ich noch:

    Ist das ein typischer Frühsommerpilz oder fruktifiziert der bis in den Herbst hinein?

    Bevorzugt diese Art einen bestimmten pH-Wert des Bodens?

    Beste Grüße,

    Frank

  • frank2507


    Hallo Frank,


    ob er bis in den Herbst fruktifiziert kann ich nicht sagen, dazu fehlt mir die Erfahrung.

    Soweit ich weiß, sind es saure Böden, auf welchen er vorkommt. Dazu sind diese sicher auch nährstoffarm.


    Die Pilze zu finden ist ein schönes Erlebnis, keine Frage. Kulinarisch völlig überbewertet, kann ich jetzt aus eigener Erfahrung sagen.



    Grüße,

    Steffen

  • Interessant! Bisher hatte ich nur Lob über die ach so würzige Art gehört und gelesen.

    Eher saure und nährstoffarme Böden gehören nicht zu meinen üblichen Suchrevieren, vielleicht sollte ich mein Areal ausweiten.

    Gruß,


    Frank

  • Hallo Frank,

    ich finde die "Erbsen" ab Mitte Juni bis Mitte Juli. Von einer zweiten Welle im Herbst habe ich gelesen, es allerdings noch nie selbst erlebt.

    Interessant! Bisher hatte ich nur Lob über die ach so würzige Art gehört und gelesen.

    Folgendes hatte ich Steffen auf eine Anfrage von ihm als PN geschrieben. Hier also meine Meinung zum Speisewert für alle zum Nachlesen.


    "Das Pilzaroma wird meiner Meinung nach überbewertet. Wenn man fest daran glaubt, dass die Pilze würzen, dann schmeckt man das vielleicht. So placebomäßig.

    Wenn ich neben der satten Färbung meinen Speisen einen kräftigen Pilzgeschmack verleihen möchte, kommt immer noch etwas Pilzpulver dazu (Parasolstiele, Maronen und Steinpilze).

    Auch frisch zubereitet sind sie etwas heikel. Wichtig ist wohl, sie nur 1 bis 2 Minuten zu erhitzen.

    2016 habe ich gemeinsam mit Craterelle einige "Haldentrüffel" verkostet. Das Ergebnis kannst Du hier nachlesen (ab #43). Schau Dir auch den unter #44 verlinkten Beitrag an."


    LG, Nobi

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  • Hi, zur Kulinarik kann ich etwas beitragen: Ich habe mich auch tierisch gefreut, als ich den Streuling das erste Mal fand. Wirklich interessant, auch das Wachstum auf der Halde und die Umgebung... Toll! Dann schneidet man den auf und wie Steffen schon schrieb, merkt man, dass der färbt :)

    Dann hat man das schillernde Wesen auf dem Trockentisch und freut sich, wie toll der wohl schmecken wird. Mein erstes Pilzgericht habe ich dann regelrecht überwürzt mit den Erbsen, es wird einfach nur bitter. Aber in zu geringer Menge schmeckt man gar nix und benötigt zusätzlich "normales Pilzpulver. Auch in Frikadellen würde ich es nicht nutzen, weil ich mir da nicht sicher wäre, alles gut genug durchgegart zu haben.

    Fazit: ich muss ihn nicht unbedingt haben. Toller Fund, aber am Essen, naja...wird m.M.n. überbewertet. Da brat ich mir lieber nen langweiligen Perlpilz mit Butter und Zwiebel und schwebe im 7. Himmel!

    Grüßle Sandra

  • Hallo,


    das ganze ist so, wie Vieles, das Hörensagen ist das eine, selbst Erfahrungen sammeln das andere. :gverstanden:


    Wobei auch die Geschmäcker unterschiedlich sind. Wie Sandra 2 Beiträger weiter oben beschrieben hat, "normales Pilzpulver" würzt in meinen Augen um ein Vielfaches besser. Dieses Jahr werde ich mein Pilzpulver zusätzlich durch die Stiele des Saftranschirmlings aufwerten, welchen es in meinen Wäldern massig gibt.


    Das Suchen und das Erlebnis des Findens steht jedoch außer Frage.



    Grüße,

    Steffen

  • Hallo Frank,


    zu deiner ersten Frage: Ich habe mal einen frischen Erbsenstreuling Ende Oktober auf dem Heller in Dresden gefunden.

    Ich würde die Hauptfruchtphase auch eher juni/juli sehen, aber man kann sie den ganzen Sommer über finden.

    Gruss, corne