Gyromitra ticiniana aus Chemnitz

Es gibt 19 Antworten in diesem Thema, welches 4.087 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Andreas.

  • Servus beinand,


    Jörg ( Hannes2) hatte mir dankenswerterweise Material seiner "Riesenlorcheln" aus Chemnitz zugeschickt. Der Fundort ist seit Jahren bekannt und wurde von Brummel entdeckt.


    Gestern kam das Päckchen bei mir an und ich habe direkt die Sporen angeschaut. Die Maße sind in Wasser gemessen, die Fotos sind auch in Wasser bzw. die mit blauem Hintergrund in Milchsäure-Baumwollblau (nicht erhitzt, eine Stunde Einwirkzeit).


    Schon die Maße machen die Bestimmung klar, denn die Sporen sind zu schmal für die echte Riesenlorchel. Gemessen habe ich 30 Sporen, Mittelwerte fett gedruckt, Angabe in "von bis", in Klammern Ausreißer


    Sporenmaße mit Kappen: (24-5-)26,1-28,6-31,8(-32,3) x 9,8-10,6-11,5(-11,8) µm; Q = 2,35-2,69-3,03

    Sporenmaße ohne Kappen: 21,7-24,8-27,3 x 9,8-10,6-11,5(-11,8) µm; Q = 2,13-2,33-2,68


    Mit meinem neuen Mikroskop (Olympus BX53 mit einem unglaublich guten 100er Objektiv) sehe ich das Ornament direkt in Wasser, was mit meinem alten CH2 so nicht möglich wäre:


    Hier habe ich immer die gleichen Sporen nebeneinander drapiert - in unterschiedlicher Schärfenebene, damit man den Umriss mit den Kappen und das Ornament sieht (immer zweimal nebeneinander, nur in der Mitte links habe ich von einer Sporen drei Ansichten). Für die, die das Bild nicht in groß anschauen wollen, unten noch ein Ausschnitt.


    Man sieht, dass das Ornament sehr fein ist, so um die 0,2 µm. Im Umriss sieht man es fast nicht, die Sporen erscheinen aber etwas rau, die Höhe der Rauheit liegt auch bei ca. 0,2 µm. Ich habe deshalb hier einen 1-µm-Maßstab ins Bild genommen, damit man die Ornamentgröße besser abschätzen kann.


    In Baumwollblau-Milchsäure sieht das dann so aus:


    Man kann jetzt gut sehen, dass es mehr oder weniger offene Netzmaschen sind. Man erkennt da auch, dass sich das Material der Kappen um die ganze Sporen erstreckt und die "innere Spore an sich" etwas schmaler als die Maße sind. Man misst aber bei der Breite das Exospor gewöhnlich mit. Was die Länge angeht, messen die einen mit, die anderen ohne die Kappen.


    Das Ornament bei reifen Riesenlorcheln ist klarer, deutlicher, geschlossen netzig und kräftiger, gröber. Es ist schön, mal eine völlig ausgereifte Gyromitra ticiniana in der Hand gehabt zu haben. Die Sporen der Riesenlorchel wären 11-13 µm breit, was nicht sehr viel breiter ist, aber doch deutlich zu erkennen. Die Durchschnittsbreite liegt eben so bei 12 µm und nicht unter 11 µm wie bei Gyromitra ticiniana.


    Es passt also nicht nur der Standort Laubwald, sondern auch die Anatomie. Das dürfte der erste Nachweis aus Sachsen sein (nicht der Erstfund, denke ich, aber wohl der erste, der sicher bestimmt ist).


    Liebe Grüße,

    Christoph


    ( Hannes2 - vielleicht zeigst du nochmal die Fruchtkörper dazu?)

  • Hallo Christoph,


    besten Dank für deine toll bebilderten Ausführungen :daumen: . Wie erwünscht stelle ich hier noch ein paar Bilder von der Fundstelle ein.

    Hier ist Nr. 1 vom 30.03. und vom 11.04.2021



    und hier noch ein paar weitere Exemplare.



    Unterhalb des Pfeiles ist das von mir an Christoph zugesandte recht kleine Exemplar.



    Die sollte ja auch in den Briefumschlag passen. Übrigens ist auch Peter Welt zum selben Ergebnis gekommen.


    Es wäre schön, wenn auch andere Forianer ihre Laubwaldfunde einmal auf G. ticiniana überprüfen würden!


    VG Jörg

  • Hallo,


    nach meinem Fund von G. gigas interessiert mich natürlich alles was in der Gattung Gyromitra an neuen Erkentnissen beigetragen wird, so natürlich speziell G. ticiniana, hoffentlich findet Christoph bald mal etwas Zeit, seinen Schüssel an seinen neuen Wissensstand anzupassen, bis jetzt natürlich vielen Dank für deine Bestimmungen und deine Beiträge, die ich immer mit großem Interesse verfolge.


    LG, Chris

    ...........................:snail:

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  • Hallo zusammen,


    Spannende Sache und Gratulation zum Erstnachweis :thumbup:


    Meine "Riesen" waren auch aus dem Laubwald im Nordosten in Mecklenburg. Mehrmals war Eiche und auch Pappel das Substrat. Vor ein paar Wochen habe ich noch ein altes und verkümmertes Exemplar gefunden, aber leider nicht weiter beachtet. Wenn ich nochmal fündig werde dann würde ich diese auch zur Absicherung zur Verfügung stellen wollen. Sind die "Laubwaldriesen" vom Lerchenberg bei Borna auch eindeutig ticinianas oder sind dort auch die gigas dabei ?


    Schöne Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas,

    Wenn ich nochmal fündig werde dann würde ich diese auch zur Absicherung zur Verfügung stellen wollen.

    Da es Laubwaldfunde waren wäre dass auch für mich sehr interessant. Ich habe da so einen Verdacht.

    Sind die "Laubwaldriesen" vom Lerchenberg bei Borna auch eindeutig ticinianas oder sind dort auch die gigas dabei ?

    Da hat sich Schupfnudel, als mehr oder weniger Einheimischer (Leipzig), bereit erklärt diese zu untersuchen. Nando hat als junge Papa vermutlich keine Zeit mehr dazu. Wir hatten ja damals noch nichts von G. ticiniana gehört und so ist es möglich, dass es sich auch dort um diese Art handelt. Eine Überraschung wäre es für mich in beiden Fällen nicht.


    VG Jörg

  • Hi.


    Ich schaue, dass ich es morgen mal nach Borna schaffe. Falls ich ein reifes Exemplar finde, packe ich es ein. Letzten Monat hatte ich zwei junge Exemplare dort gesehen, mal schauen ob die noch da sind.


    Lg.

  • Ich war heute in Borna. Es ließ sich leider keine G. gigas mehr finden. Mit den Temperaturen jetzt, denke ich auch nicht, dass da noch was nachkommt.

    Also nächstes Jahr erst wieder. :|


    LG.

    • Offizieller Beitrag

    Ich war heute in Borna. Es ließ sich leider keine G. gigas mehr finden. Mit den Temperaturen jetzt, denke ich auch nicht, dass da noch was nachkommt.

    Also nächstes Jahr erst wieder. :|


    LG.

    Dafür hatten wir eine schöne Gyromitra fastigiata für Christoph dort. ==Gnolm7==Gnolm10 Eine G. "gigas" hatten wir aber auch nicht.



    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo Eric,

    Es ließ sich leider keine G. gigas mehr finden

    das ist schade aber da sollte im kommenden Jahr schon noch etwas gehen.


    Hallo Stefan,

    Dafür hatten wir eine schöne Gyromitra fastigiata für Christoph dort.

    bei der dürfte es aber keinerlei Zweifel geben. In diesem reifen Zustand habe ich das Zipfelchen noch nie gesehen. Ich ärgere mich immer noch, dass ich vor ein paar Wochen keine einzige gefunden habe :gkopfwand:  :gmotz: .


    VG Jörg

  • bei der dürfte es aber keinerlei Zweifel geben. In diesem reifen Zustand habe ich das Zipfelchen noch nie gesehen.

    Servus Jörg,


    Zweifel habe ich da auch gar keine, im Gegenteil. Ich freue mich aber über eine sporenreife Gyromitra fastigiata - ich habe diesen Pilz selber noch nie gesehen und auch nicht gefunden (logischerweise - ich meine, ich habe sie auch nicht auf Ausstellungen oder bei Tagungen gesehen).


    Vielen Dank schonmal Stefan (und allen Beteiligten bei dem Fund),


    liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Christoph,

    das haben wir doch gern gemacht :) Wir waren ja schonmal vor paar Wochen dort und haben die Fruchtkörper gesehen. Und die beiden standen gestern immer noch. Noch größer und halt schon bissl „im vorgerückten Alter“. Das Foto zeigt noch die kleinere von beiden. Daneben stand eine, die war so gross wie ein Handball. Würde ich mal grob schätzen ;)

    Das ist ein Handyfoto, frei aus der Hüfte geschossen. Das Feuerzeug hat 8cm. Das sind wirklich grandiose Pilze!

    Lg, Corne

    • Offizieller Beitrag

    Hi,


    hier mal ein paar Mikrofotos von der G. fastigiata. Spannend sind die Pole der reifen Sporen. Die sind deutlich warzig punktiert.










    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Ich schubse hier nochmal hoch zwecks Erinnerung, da die Saison ja langsam anläuft. Guckt euch eure Riesenlorcheln noch mal an und gerne auch die Giftlorcheln.


    Letztes Jahr hatte es ja nicht mehr geklappt an bekannter Stelle, jetzt haben sich aber die ersten "Riesenlorcheln" im Laubwald gezeigt und ich gucke mal wie weit ich damit komme.



    Zwei mittelalte Exemplare habe ich eingepackt, beide natürlich noch nicht reif... Mal gucken ob die im Kühlschrank noch etwas nachreifen und ich da irgendwann 'nen Abwurf bekomme oder ob die vorher weggammeln. Ob mein Mikro (und dessen Anwender) die Ornamente so schön dargestellt bekommt, bezweifle ich auch ein wenig, aber wir werden sehen. Jetzt heißt's eh erstmal abwarten.


    Gefühlt bin ich bei den Exemplaren eher bei G. gigas aber was weiß ich schon. Allzu viel Erfahrung habe ich mit den Gyromitras ja leider auch noch nicht. Achso das rechte Exemplar war von Blättern bedeckt und ist deshalb deutlich heller.


    Jörg, nur so aus Interesse, hast du noch Material von deiner über bzw. Christoph?


    LG,

    Schupfi

  • Hallo Schupfi,


    ich denke dass Du sie zu zeitig geerntet hast. Die beiden Arten sind nur in vollreifem Zustand zu unterscheiden. Ich habe vergangenes Jahr vier Wochen warten müssen bis sie soweit waren.

    hast du noch Material von deiner über bzw. Christoph?

    Meine ist bei Christoph. Hier ist der Schlüssel für die Gattung.


    Ich schaue am Mittwoch einmal an meinem Fundort nach ob sich etwas tut.


    VG Jörg

  • Hi Jörg,


    wenn alles klappt geht ein Exemplar im Laufe des Jahres sowieso noch zur Sequenzierung. Beim zweiten schaue ich wie weit das im Kühlschrank noch nachreift. Ich hatte hier im Forum irgendwo einen Link gesehen wo jemand eine Gyromitra mehrere Wochen im Kühlschrank nachreifen ließ und sich das an den Sporen auch nachvollziehen ließ. Muss aber gucken wie lange Schupfnudeline mir das durchgehen lässt...

    Ansonsten schaffe ich es vlt. auch in ein paar Wochen nochmal zur Fundstelle und gucke ob da ein reifes Exemplar stehen geblieben ist. Die Schnecken waren aber schon wieder gierig aktuell.


    LG,

    Schupfi

    Bin lediglich fortgeschrittener Anfänger.
    Posts sind nicht als Essensfreigabe zu verstehen. :-]

  • Ansonsten schaffe ich es vlt. auch in ein paar Wochen nochmal zur Fundstelle und gucke ob da ein reifes Exemplar stehen geblieben ist. Die Schnecken waren aber schon wieder gierig aktuell.


    LG,

    Schupfi

    Da kann ich einen Tipp geben :

    einen möglichst durchsichtigen Eimer über die Fruchtkörper stülpen, hilft gegen Schneckenfraß.

    Schneckenkorn ist auch noch eine Option, ist mir aber zu umweltschädlich.


    LG Ulla