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letzter Beitrag von Bibliothekar am

Wiesen Champignon?

  • Hallo zusammen!


    auf einer Wiese neben unserem Wohngebiet, also Übergang zum Feld, wachsen Champignons. Zumindest halte ich sie dafür. Die Frage ist, ob es essbare sind.


    Sie erfüllen eigentlich alle Merkmale des wiesenchampignons, riechen nicht nach Anis und nicht nach Karbol, das einzige was mich etwas stört, ist die doch recht schuppige Huthaut. auch junge, noch recht kugelige Exemplare haben Schuppen. Ist das okay oder ein Widerspruch zum Wiesenchampignons?


    Morgen ziehen wir noch mal los, sollten dann weitere unbekannte Pilze hinzukommen, nehme ich diesen Pilz mit zu unserem Pilzsachverständigen. Aber ich versuche mich immer vorher schon bestmöglich zu informieren ;)


    Danke euch!

  • Hallo Azalee, Champignon ist schon mal richtig. Aber für die Bestimmung der Art fehlt bei deinen Funden ein sehr wichtiges Merkmal. Du hast die Stielbasis weggeschnitten. Es gibt mehrere dutzend Champignonarten, davon viele giftige. Schau mal hier steht etwas über die Informationen, die wichtig sind, um Pilze zu bestimmen.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Servus Azalee,


    mit Sicherheit kein Wiesenchampignon. Vergleich mal mit dem Rebhuhnegerling. Kein Geruch bedeutet nicht ungiftig. Der Karbolgeruch kann auch mal fehlen oder erst später kommen.


    Gruß

    Ahemi

  • Guten Morgen!


    So wollig aufschuppende Hüte kommen bei Agaricus campestris oft vor. Aber bei anderen Arten eben auch - bei Agaricus phaeolepidotus sieht das allerdings ganz anders aus, weil der ja schon erwähnt wurde. Die "Hühner" (A. phaeolepidotus und moelleri) kann man hier unter anderem wegen der schuppenanatomie sicher ausschließen.
    Viele andere (teils auch giftige bzw. unbekömmliche) Arten der Gattung nicht, da braucht es zur Bestimmung eben unbedingt die Stielbasis (inc. eventuell vorhandener Rhiszomorphen), ein vollständiges Schnittbild, und einen so weit aufgeschirmten (aber dennoch jungen) Fruchtkörper, daß man die Ringstruktur beurteilen kann.



    LG; Pablo.

  • Danke schön!


    Ich war gerade noch mal auf der Wiese und habe hier noch mal ein junges Exemplar für euch und ein älteres mit geöffnetem Schirm. Bei letzterem ist leider kein Ring mehr zu erkennen.


    Ich habe auch versucht, die Schuppen noch mal deutlich abzubilden.


    Der Geruch ist bei allen sehr angenehm und mild, leicht nach Pilz, ich würde sagen ähnlich wie bei gekauften Champignons.


    Beim Durchschneiden rötet das Fruchtfleisch ganz ganz leicht und ebenfalls der Rand des Stiels.


    P.s. habe gerade noch ein Exemplar gefunden, das nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht vollständig geöffnet ist:

  • Hallo, Azalee!


    Mit dem eher schütter ausgeprägten Ring, der zylindrischen, teils verjüngten (und keineswegs knolligen) Stielbasis, schön rosa Lamellen, null Verfärbungen, unspezifischem Geruch (acuh beim Rubbeln der Stielbasis?) und den wollig aufschuppenden Hüten (muss nicht, ist aber ein Merkmal wenn vorhanden) ist das aus meiner sicht schon ein echter Wiesenchampi (Agaricus campestris). :thumbup:



    LG; Pablo.

  • Danke, das freut mich natürlich!


    An der Basis hatte ich bisher noch nicht gerubbelt, das habe ich gleich einmal gemacht. Sehr interessant: Der Geruch verstärkt sich etwas und geht ganz entfernt (mein Mann riecht das überhaupt nicht, der sagt er riecht einfach nach Pilz) in Richtung Wurzeln, ähnlich wie Rettich oder Radieschen oder sowas. Vielleicht riecht man aber einfach auch noch mehr Wiese?

  • Hallo Azalee, das hast du prima dokumentiert und so kann man deine Frage auch beantworten. So habe ich auch angefangen, aber du lernst schneller dazu ==3.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Moin!


    Ja, schon durch die anhaftenden Erdreste kommt da bisweilen so ein Geruch rein. Wichtig ist nur, daß es nicht nach Apothekenschrank riecht.



    LG; pablo.

  • Komisch, irgendwie habe ich es geschafft, meine Beitrag versehentlich zu löschen... Also ich schrieb in etwa:


    Danke schön! Ich habe letztes Jahr (erst spät im Oktober etwa) mit dem Pilzesammeln angefangen. Da habe ich aber ausschließlich Steinpilze und Parasole sowie einmal Trompetenpfifferlinge und einmal Austernseitlinge mitgenommen, beide aber leider schon zu alt. In diesem Jahr fühle ich mich bei den Röhrlingen insgesamt schon recht sicher (was nicht heißt, dass ich alle kennen würde; habe u.a. Butterpilze, Lärchenröhrlinge, Birkenpilze, Maronen, Rotfußröhrlinge und meine ersten Hexen gefunden), außerdem sind Frauentäublinge und Hallimasche dazugekommen. Und eine Krause Glucke, da hatte ich gestern das Glück, meine erste zu finden - wahnsinnig lecker!


    Einige Pilze glaube ich, einigermaßen bestimmen zu können, aber da bin ich nicht sicher genug, um sie zu essen. Aber es muss ja nicht alles auf einmal gelernt werden. Reizker würde ich vermutlich zuverlässig erkennen, aber leider gibt's hier einfach keine...


    Schön, dass jetzt auch die Champignons in meinen Fundus Einzug finden. Ich habe sie vorhin noch mal schnell dem PSV vorgelegt (wir haben das Glück, dass der für unseren LK zuständige hier im Ort wohnt) und der hat die Wiesenchampignons auch noch mal bestätigt. Sagt mal, 10min im Ofen auf einer Pizza passt doch, oder? Es sind nicht so viele, dass es eine Pilzpfanne geben würde, aber als Pizzaauflage... ;) Sie sind ja sogar roh essbar, soweit ich weiß, aber das ist am Feldrand nichts für mich, da gehen auch Hunde drüber...


    Insgesamt traue ich mich zwar in diesem Jahr schon an sehr viel mehr Pilze als im letzten, aber ich finde so wenig... Hier ist alles furchtbar trocken, gerade Steinpilze gibt es quasi überhaupt nicht.

  • Servus Azalee,


    Wiesenegerlinge enthalten Agaritin, das als potentiell krebserregend gilt. Deshalb sollte man generell keine rohen Champignons essen.


    Viele Egerlinge reichern zudem bedenkliche Mengen an Schwermetallen an.


    Der Wiesenegerling wiederum hat mit dem giftigen falschen Wiesenegerling einen echten Doppelgänger, den auch nicht alle PSV kennen. Der Doppelgänger profitiert vom Klimawandel.


    Kurzum: ich würde als Anfänger Wiesenegerlinge meiden. Zudem sind viele Champignons einfach zu ungesund. Und die Bestimmung ist teils sehr schwer.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Christoph Tricholomopsis Kannst du da bitte noch genauere Angaben zum falschen Wiesenchampi machen ? Ich denke du meinst A.pseudopratens? Der ja auch karbolmäßig riecht und gilbt? oder gilbt und dann rötet? Wäre ja dann für die Beratung egal ob Katbol oder falscher... was die Freigabe betrifft? Welche Unterscheidungsmerkmale gibts da? Frage nur ,weil den hatte ich auch nicht aufm Schirm und so weit ich weiß bei uns im Oberland auch noch nicht vorgekommen...

    LG Sandra

  • Hallo Christoph,

    wäre es dann nicht an der Zeit, die Pilzberater anzuweisen, Champignons wegen der vielen, vielen Unwägbarkeiten (Cadmium-Anreicherung, Agaritin, Verwechslungsgefahren...) generell nicht mehr freizugeben? Das wäre doch eine sinnvolle Konsequenz aus dem, was du schreibst. Und andere Pilze sind schon aus geringeren Anlässen von der Positiv-Liste genommen worden.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hallo Oehrling,

    die Frage ist ja, mMn wieviele Champis essen denn die Leute davon? Wo gesammelt, stehen ja nicht alle auf der Wiese neben ner B.... sonstwas.

    Ich glaube es wird schwer den Leuten zu sagen, dass sie generell keine Champis mehr essen sollen, würde nicht auf Verständnis treffen... Wenn im Pilzkorb neben 587 Steinpilzen ( ja, Sammelbeschränkung ich weiß) 3 Anischampis liegen, hab i persönlich kein schlechtes Gewissen die freizugeben.

    Aber Recht hast du natürlich, das sollte man natürlich immer im Hinterkopf behalten und ich sage auch immer Schadstoffsammler. etc. nix für die Pfanne in Massen.

    Lg Sandra

  • Hallo Sandra,

    eine solche Entscheidung sollte meiner Meinung nach nicht auf die unterste Ebene, nämlich die des Pilzberaters vor Ort, verlagert werden. Man hört in letzter Zeit so viel Negatives über wild wachsende Champignons, da sollten sich DGfM, BMV, ThAM usw. nicht vor einer großen Lösung drücken, wenn sie angezeigt ist. Oder eben klar und deutlich sagen, so schlimm ist das mit den wild wachsenden Champignons nicht, wenn diese Verzehrgrenzen-Regel mit maximal 200 Gramm Wildpilzen pro Woche eingehalten wird. Es gibt genügend andere belastete Lebensmittel, speziell solche, die direkt in der Natur und nicht im Lebensmittellabor entstehen, bei denen niemand auf die Idee käme zu sagen, das könne man nicht einmal in mäßigen Mengen essen.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Man hört in letzter Zeit so viel Negatives über wild wachsende Champignons, da sollten sich DGfM, BMV, ThAM usw. nicht vor einer großen Lösung drücken, wenn sie angezeigt ist.

    Hallo,


    genau so sehe ich es auch.


    Wenn vielleicht auch schon etwas älter: "Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift - allein die Dosis macht, das ein Ding' kein Gift ist".


    Gruß

    Peter

  • Hallo Peter,

    ohne Frage ein schönes Zitat, aber was willst du hier damit aussagen? Dem Pilzbuch nach essbare Champignons in der Beratung freigeben oder nicht freigeben?

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hallo Öhrling,


    ich befürchte, ich habe mich nicht deutlich genug ausgedrückt und der Fettdruck in deinem Zitat war nicht ausreichend.


    Wenn eine Lösung angezeigt ist, dann sollte die DGfM eine Lösung anbieten. Wenn nicht, dann nicht. Und solange nichts von der DGfM kommt, habe ich kein Problem, in der Pilzberatung Wiesenchampignons als solche zu benennen und den Leuten als essbar zu empfehlen. (Wiesenchampignons stehen übrigens auf der aktuellen Positivliste der Speisepilze der DGfM von 2019)


    Freigeben/ nicht freigeben gibt es ja sowieso nicht. Es gibt keinerlei gesetzliche Grundlage auf der PSVs Pilze einbehalten dürfen.


    Dass man in ganz vielen Lebensmitteln irgendwelche "Schadstoffe/Giftstoffe" findet, heißt für mich nicht automatisch, dass man auf den Verzehr verzichten muss. Deshalb das Zitat.


    Gruß

    Peter


    PS: Ich selbst würde Wiesenchampignons auch ohne Bedenken essen.

  • Hui, eine rege Diskussion, sehr interessant, danke! Auf jeden Fall auch für den Hinweis mit den Schadstoffen als solchen, wobei wir natürlich werder Champignons noch andere Pilze in rauen Mengen essen ;-) Aber diese 200g-Regel... Ich hatte eher mal was von 500g pro Woche gelesen? 200g hat man ja nun doch schnell zusammen, erst recht innerhalb einer Woche? Oder darf man das dann aufs Jahr hochrechnen, sprich im Herbst etwas mehr, wenn man sonst keine oder kaum Wildpilze isst?


    Die Wiesenchampis habe ich erst etwas angebraten und dann auf unserer Pizza verteilt, was diese geschmacklich noch mal sehr bereichert hat.


    Den falschen Wiesenegerling, also diese Varietät des Karbol-Champignons, habe ich mir angesehen, dann sind ja schon sehr viele Gemeinsamkeiten mit dem Standard-Karbol vorhanden. Diesen haben wir ja ausschließen können. "Mein" PSV ist auch ein sehr erfahrener, ein echtes Urgestein würde ich sagen, der die Beratung mit viel Leidenschaft und unglaublich vielen Informationen gestaltet. Allein für die interessanten Gespräche gehe ich da gerne hin :-)

  • Servus beinand,


    ich habe gerade leider wenig Zeit, weshalb ich mich sehr kurz fasse (oder es versuche).


    Zunächst: Agaricus pseudopratensis gilbt nicht in der Stielbasis und kann wirklich dem Wiesenegerling sehr ähnlich sehen. Wie so oft sollte man erstmal den Doppelgänger gesehen haben, bevor man dann wieder die essbare der beiden Arten sicher kennen kann.


    Innerhalb der BMG rege ich dazu an, dass unsere Pilzberater/innen bei Egerlingen vorsichtig sind. Hinsichtlich des Falschen Wiesenegerlings wurde entsprechend gewarnt. Was die DGfM für die Weiterbildung der PSV macht, weiß ich nicht und geht mich auch nichts an.


    Was die Cadmiumbelastung der Egerlinge (vor allem der Anisegerlinge) angeht, verweise ich auf die Werte, die Parra in seiner Monographie angibt. Ob die DGfM als Verein darauf eingeht oder es ignorieren will, ist mir völlig egal (ich finde es nur schade). Anisegerlinge benötigen Cadmium für die Fruktifikation. Mit Cadmium in Lebensmitteln ist nicht zu spaßen. Aber jeder kann selber nachlesen, wieviel Cadmium, Blei und Quecksilber in Egerlingen angereichert ist. Dann kann man selbst entscheiden. Darauf zu warten, dass das ein Verein für einen übernimmt - nun ja, muss auch jeder selber entscheiden.


    Agaritin ist seit Jahren in der Diskussion. Da wird es keine klare Lösung geben. Nur sollte man vor Rohverzehr warnen, da beim Kochen Agaritin teils zerlegt wird. Ich persönlich werte das Cadmium als problematischer.


    Ob man Anisegerlinge nicht mehr als essbar bezeichnen sollte? Schwer zu sagen. Ungesund sind sie eben. Ich sehe die Pilzberatung als echte Beratung. Also sollte ich die zu Beratenden auch aufklären, dass Cadmium (und andere Schwermetalle) ungesund sind. Ob die DGfM ihre PSV hier fortbildet oder ob sie möchte, dass vor ungesunden Pilzen gewarnt wird, weiß ich nicht. Ich fände es aber den zu Beratenden gegenüber unfair, nicht zu warnen.


    Die PSV sollten auch aufgeklärt werden, dass (möglicherweise) Agaricus freirei in Brandenburg nachgewiesen wurde. Das wäre sehr wichtig für die Freigabe von Waldergerlingen. Ich glaube nicht, dass jeder PSV A. freirei erkennen würde (der rötet nur, gilbt gar nicht, sieht aus wie ein Waldegerling).


    Peter: ich fände es besser, du informierst dich und entscheidest dann nach deinem Gewissen und den Informationen. Wenn du aber nur aktiv wirst, wenn ein Verein dir dazu Grund gibt, dann kann ich das auch nicht ändern. Vielleicht lohnt es sich, aber mal darüber nachzudenken. Man muss nicht jeden Pilz essen. Es gibt auch genug andere Speisepilze. Und wenn sich ein Speisepilz als ungesund herausstellt, dann muss man eben immer im Einzelfall entscheiden, ob man sowas essen will oder nicht. Dafür braucht man aber Informationen. Wer bewusst und freiwillig raucht, kann und soll das gerne machen. Aber der/diejenige sollte wissen, dass Rauchen potentiell krebserregend ist (etc.). Ohne die Hintergrundinfos kann man sich nicht bewusst für den Genuss, dafür gegen die Gesundheit entscheiden.

    Ich rauche nicht, nur ab und zu mal eine Zigarre bei besonderen Gelegenheiten. Da ich aber weiß, was das anrichten kann, bleibt es bei ab und zu. Wüsste ich nicht, dass Zigarren ungesund sind, würde ich vielleicht viel mehr davon rauchen.


    Bei den Egerlingen sehe ich es ähnlich. Bei den großen Anisegerlingen ist die Cadmiumkonzentration aber so hoch, dass eine Diskussion, ob sie problematisch sind, eigentlich lange durch. Es kommt zwar zu keiner akuten Cadmiumvergiftung, aber die Effekte von subtoxischen Dosen sind nunmal bekannt.


    Und ja, ich finde es schade, dass die DGfM sowas ignoriert (der Parra hat einige Jahre auf dem Buckel). Ich finde es auch schade, wenn in der Z. Mykol. empfohlen wird, den Glimmerschüppling mal in kleinen Mengen zu probieren, obwohl der als Giftpilz angesehenw ird und man hier von der Blausäureproblematik weiß.


    Ich vertraue da der DGfM nicht - der Verein ist mir zu träge. Oder hat andere Interessen, das weiß ich nicht. Ich vertraue lieber der Fachliteratur als Vereinsvorständen (andere Vereine mit eingeschlossen). Und warum die BMG die Egerlinge nicht als ungenießbar kennzeichnet? Siehe oben - Aufklärung ist besser als komplettes Ablehnen. Man macht sich auch unglaubwürdig, wenn zig Populärbücher nichts darüber schreiben und Egerlinge als Speisepilze anpreisen. Dann lieber auf der Aufklärungsschine arbeiten. Ist jedenfalls meine Meinung ;-).


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • P. S.: (bin wieder zurück - der Hund musste mal raus, deshalb habe ich ein bisserl in Eile geschrieben - und jetzt muss ich ins Bett... morgen geht's früh raus - aber eins will ich noch anfügen)...


    Ich habe die von Parra kompilierten Werte (die er aus in seiner Monographie zitierter Primärliteratur hat) im BMG-Forum für die BMG-PilzberaterInnen (und alle anderen PilzberaterInnen, die sich dafür interessieren) zusammengefasst. Dort findet man die Agaritin-Gehalte, aber eben auch die Cadmium-, Quecksilber- und Bleibelastungen ausgewählter Arten: Zum Speisewert bzw. zur Giftigkeit von Champignons (Gattung Agaricus)


    Ich zitiere mal hinsichtlich des Cadmiums meinen eigenen dortigen Beitrag:



    Jetzt kann man für sich selber die von der WHO empfohlenen Grenzwerte ernst nehmen oder ignorieren. Aber in der Pilzberatung kann man das m.E. nicht einfach so tun. Information kann man ja weitergeben - die sich beraten Lassenden können dann selber entscheiden.


    Liebe Grüße und gute Nacht,

    Christoph

  • Hallo Christoph,

    besten Dank für das Offenlegen deiner Ansicht. Ich fürchte aber, dass die "Kunden", die dir in der alltäglichen Pilzberatung gegenüberstehen, solch komplexe Überlegungen nicht anstellen (wollen?; können?). Da geht es buchstäblich um die Frage: "kann ich den essen?" Wenn ich als Berater jetzt den Anfragenden vor die Frage stelle, worin der Unterschied zwischen eigentlich essbar, ungesund, gesundheitsgefährdend, ungenießbar und giftig besteht, sind die meisten doch wohl überfordert und möchten eine klare Aussage, genau deswegen kommen sie ja in die Beratung. Zudem haben die Pilzberater auch eine Haftpflichtversicherung (auch die der BMG?), bei der es darum geht, ob sie im Falle einer Schädigung eines Anfragers den Schaden zahlt. Diese würde sich sicher nicht mit einer solch diffusen Beratung arrangieren können.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Servus Oehrling,


    natürlich sind die Pilzberater der BMG versichert.

    Meine persönliche Erfahrung bei Pilzberatungen ist dass die Aussage, dass z. B. Anisegerlinge sehr hohe Cadmiumbelastungen aufweisen und ungesund sind, zwei Reaktionen erzeugen:


    1. Oh dann esse ich die lieber doch nicht.

    2. Naja einmal Essen wird schon ned schaden.


    Das hält sich so in etwa die Waage. Bei Reaktion 2 werden die Egerlinge gegessen. Aber eben bewusst trotz Warnung. Und dann passt es ja.


    Die Versicherung betrifft das nicht. Die wäre eher betroffen wenn jemand nach einer Pilzberatung auf das Thema Cadmium kommt und sich ärgert, nicht aufgeklärt worden zu sein. Aber auch das käme wohl kaum vor Gericht.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Christoph,


    wären für dich die folgenden Vorgehensweisen des Beraters dann zusammengefasst o. K.:

    Wiesenchampignon: Hinweis auf ausreichende Garzeit, kein Rohverzehr, Hinweis, den Pilz nicht in großen Mengen zu essen

    Anischampignon s. l., Riesenchampignon: Hinweis auf Cadmium-Anreicherung, Hinweis, den Pilz nur in sehr geringen Mengen zu essen, wenn überhaupt, ggf. als Würzpilz, da er ja schon ein tolles Aroma liefert

    Champignons generell: eher Zurückhaltung beim Freigeben wegen den zahlreichen giftigen Arten, die nur schwer erkennbar sind

    Das würde ich dann in meine eigenen persönlichen Beratungsrichtlinien so übernehmen und den anderen Beratern in unserem Verein so weitersagen.


    FG

    Oehrling

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