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letzter Beitrag von Alis am

ausführliche Pilzbestimmungsliteratur

  • Hi Leute,

    ich bin auf der Suche nach guter, ausführlicher Literatur zum Identifizieren/Bestimmen von Pilzen in Deutschland/der Schweiz.

    Kann gerne einen gewissen Anspruch haben und muss nicht unbedingt leicht verdauliche "triviale" Bestimmungliteratur sein. Bin Biologe und kann mir Fachbegriffen i.d.R. etwas anfangen. Kann gerne auch Infos zur Sporenerkennung oder chemischen Tests enthalten, muss aber auch nicht.

    Kostentechnisch erstmal nicht gedeckelt.

    Womit bestimmt ihr denn so? Was könnt ihr mir empfehlen?


    Liebe Grüße und viiieeelen Dank :)

    Nik


    P.S.: Gibt es evtl sogar auch schon Erkennungssoftware/Apps? Falls ja, wie präzise sind die?

  • Hi,


    Spezialliteratur:


    Als Schlüsselwerke kann ich den "Gröger" und die Funga Nordica empfehlen.


    Ansonsten folgende mehrbändige Buchreihen:


    Fungi Europaei + Fungi of Northern Europe + Flora Agaricina Nerlandica (jeder Band thematisiert andere Pilzgruppen)

    Pilze der Schweiz (veraltet, teilweise ziemlich fehlerhaft aber immer noch wichtige Standardwerke)

    Großpilze Baden-Würrtembergs immer noch die beste Quelle für ökologische Angaben. Ansonsten halt auch veraltet und teilweise fehlerhaft + es sind nur die Pilze drin, die seinerzeit in Baden-Würrtemberg gefunden wurden.


    So was waren die wichtigsten. Trivialliteratur: die besten Einsteigerbücher sind der "Laux", "Gerhardt" und der Pareys. Das Buch von Rita Lüder "Grundkurs Pilzbestimmung" kann ich dir empfehlen, wenn denn hoffentlich in der 7. Auflage die gröbsten Fehler herauskorrigiert wurden.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hi,


    als Biologe weißt du ja auch, wie man mit einem Mikro prinzipiell umgeht. Das ist schon Mal viel Wert. :) Dennoch sind viele Arten nur mikroskopisch bestimmbar und du solltest zumindest einen Kurs belegen, dass du weißt, wie Schnallen, Basidien, Zystiden usw. aussehen können, dass du die Mikrobilder auch interpretieren kannst.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • P.S.: Gibt es evtl sogar auch schon Erkennungssoftware/Apps? Falls ja, wie präzise sind die?

    Bei Pflanzen funktionieren solche Apps zum Teil erstaunlich gut, bei Pilzen überhaupt nicht. Das Bild sagt wohl alles.

    Diese Apps sind nicht nur ungenau, sondern brandgefährlich und sollten verboten werden.

    Ich frage mich, wie viele schwere Vergiftungen darauf zurückzuführen sind. Die Apps sind nicht ohne Grund mit Haftungsausschlüssen vollgekleistert.

    Die Leute denken ihr Handy könne Pilze bestimmen, nur weil es von Apple ist und im App was von künstlicher Intelligenz steht.


    Ich teste diese Apps gerne und schwanke dann zwischen amüsiert und geschockt.

    Aber ja, ca. 50% der Bestimmungen stimmen bei makroskopisch prägnanten Arten.


    Das hier gefällt mir besonders gut:


    Schatz, schau mal, ich habe Pilze neben dem Kinderspielplatz gefunden!

    Wart, ich schaue mal schnell in mein kluges App, vielleicht kann man sie essen! Die riechen jedenfalls lecker!


    Ohhh, ja, graue Scheidenstreiflinge!!!


    Na dann, guten Appetit.



    (es waren eigentlich Ziegelrote Risspilze, falls jemand das nicht weiss. Bei ausreichender Menge schnell mal tödlich...)

  • Wenn man über den automatischen Bestimmungsversuch hinwegsieht, dann ist z. B. die Pilze 123 App nicht so schlecht.

    Man darf nur nicht zu viele Eigenschaften voreinstellen, sonst kommen komische Ergebnisse raus. Wenn es dann mal nur noch so ca 50 Ergebisse sind, kann man seinen Fund schon etwas eingrenzen.

    Praktisch ist auch 'ähnliche Pilze' , das finde ich ausführlicher als in jedem meiner Pilzbücher.

    Also im Endeffekt die selbe Herangehensweise als wenn ich einen Pilz in nem 'normalen' Pilzbuch suche.

    Fotos sind auch viele drin, wenn auch leider manchmal falsche dabei sind.

    Ansonsten bekommt man recht viele Informationen zu den verschiedenen Pilzen, die jedem Amateur reichen sollten.

    PS: mit google lens habe ich mal die Bestimmung eines Frauentäublings getestet, den hat es sogar erkannt. Aber naja, dies ist reine Spielerei und nichts, auf das man sich verlassen könnte.

  • Fotos sind auch viele drin, wenn auch leider manchmal falsche dabei sind.

    Ansonsten bekommt man recht viele Informationen zu den verschiedenen Pilzen, die jedem Amateur reichen sollten.

    Hi,


    falsche Fotos nur manchmal? Ich weiß ja nicht. Bei den Standard(speise und gift)pilzarten passt das. Aber alles was darüber hinaus geht ist da teilweise ganz schön der wurm drin.


    Viele Informationen? ja durchaus! aber bei weitem nicht immer korrekte!


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Davor ist man leider in manch populären Pilzbuch auch nicht in Sicherheit...

  • Ja das stimmt natürlich, das ist mir auch bewusst.

    Leider habe ich noch keine bessere Alternative dazu gefunden.

    Ich benutze diese App auch nur als Ergänzung zu meinen Büchern.

    Beim Schwarzblauenden Röhrling z. B. gibts noch keinen Hinweis darauf, dass der sehr belastet ist. Das gleiche gilt bei den Anis Egerlingen, nichts dazu vermerkt.

    Ser interessant finde ich aber z. B. auch, dass man nach regionalen Namen suchen kann, das gibt es sonst nirgends. Denn es weiß z. B. nur jemand im Bayrischen Wald, dass eine Hadersau ein Zunderschwamm, oder ein Steinpilz ein Dobberniggl ist.

  • Hallo,

    So eine App kann ganz nützlich sein.

    Auch Pilzbücher (egal welche ) sind ganz nützlich.

    Aber wenn jemand aufgrund einer solchen Bestimmung irgendwelche Pilze in die Pfanne haut , ist er tollkühn.

    Ich habe schon manches gebraten , aber immer erst , als ich der Bestimmung ganz sicher war.

    Das heisst : Pilz mehrmals gefunden , nach verschiedenen Quellen sicher bestimmt.

    Und erst , nachdem ich den Kollegen genau kenne ( kann durchaus 3 Jahre dauern ) darf er meinen Verdauungskanal besuchen.

    Grüße

    Norbert

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    Pilzchips = 100 -5 APR 2015 +12 APR 2016 = 107 -7 Für APR 2017 = 100 + 5 APR 2018 =105 +5 APR 2019 =110
    Pilzbestimmung im Netz ist keine Essfreigabe

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  • Ja genau.

    Ich beschäftige mich mit Pilzen ja auch erst seit einem Jahr. Ich bin mir zu 100 % sicher, dass ich einen Perlpilz erkennen und abgrenzen kann. Trotzdem traue ich micht nicht, einen mitzunehmen, weil ich viel zu viel Respekt vor der Gattung Amanita hab. Beim Stockschwämmchen ist es das gleiche.

    Ich habe mir hier vorgenommen, dass ich sowas erst anfasse, sobald ich den giftigen Verwechslungspartner gefunden und erkannt hab.

  • Eigentlich ist die App schon nicht so schlecht weil sie sehr umfangreich ist, weil sie ähnliche Arten vorschlägt und sich leichter durchsuchen lässt und weil so ein. Smartphone viel handlicher ist als ein Buch. Sein Hirn muss man natürlich trotzdem benutzen. Einfach die Bestimmungsfunktion ist halt wirklich unterirdisch. Auch die Angaben zum Speisewert sind oft etwas zweifelhaft. Da wird alles als essbar oder guter Mischpilz bezeichnet das man überleben kann. Das hier gefällt mir besonders gut.


  • Hallo Phillipp


    Die Scheibchenlorchel enthält nun mal so geringe Mengen am tödlich giftigen Gyromitrin, dass sie ausreichend gegart dennoch problemlos verzehrt werden kann. Die Speisewerte sind tatsächlich meist besser angegeben, als es in der Realität der Fall ist. Der Entwickler der App erklärt dies damit, dass jeder ein unterschiedliches Geschmacksempfinden hat und der eine einen Pilz als guten Speisepilz sieht, ein anderer den selben Pilz als Kriegspilz, oder gar als ungenießbar.


    @all

    Sollte jemand einen Fehler entdecken, egal ob in Bild und/oder Text, dann kann er natürlich den Entwickler kontaktieren. Dieser wird dann schnellst möglich behoben (idR beim nächsten Update). Die Kontaktdaten erfährt man im Playstore.

    Selbiges gilt bei der Pilzsuchmaschine. Da ist der Fehler meist schon wenige Stunden danach behoben (und wird dann beim nächsten Update in der App übernommen). Probierts einfach aus, es ist nicht schwer.


    LG Matthias

  • Hallo Phillipp


    Die Scheibchenlorchel enthält nun mal so geringe Mengen am tödlich giftigen Gyromitrin, dass sie ausreichend gegart dennoch problemlos verzehrt werden kann. Die Speisewerte sind tatsächlich meist besser angegeben, als es in der Realität der Fall ist.

    Das weiss ich schon. Dass der gleiche Pilz als guter Speisepilz und als tödlich giftig bezeichnet wird ist aber trotzdem irgendwas zwischen lustig und fragwürdig. Was soll da ein Anfänger denken? Ich finde dass sich so eine App bei den Speisewerten strikt an die Positivliste der DGfM halten sollte. Die entsprechende Liste umfasst in der Schweiz übrigens nur etwa halb so viele Arten. Die Information ob ein Pilz auf diesen Listen ist findet man in der App zwar auch, aber halt nicht ganz oben wo man es gleich sieht.


    Zum Thema: Ich kann Fungi of Temperate Europe empfehlen. Leider Englisch aber sehr gute Bilder, aktuell und enthält so eine Art Schlüssel der ziemlich brauchbar ist. Vorteil ist, dass Arten die ähnlich aussehen beieinander sind, auch wenn sie nicht nahe verwandt sind. So kommt man oft mit blättern wenigstens auf die Gattung und kann dann in anderen Büchern weitersuchen.

  • Ich würde für den Einstief Gröger und Funga Nordica empfehlen. Umfangreiche Standardwerke mit guten Schlüsseln und Mikromerkmalen und vor allem zu einem fairen Preis. Meine dritte Referenz sind die Großpilze Baden-Würtenbergs - die sind aber leider unbezahlbar geworden.


    Außerdem nutze ich Apps wie MeinePilze und Pilze123; jeweils als Pro-Variante. Ich nutze es vor allem als schnelle Bild-Datenbank. großes vertrauen schenke ich aber eher den Büchern.

  • Die zwei Bände vom Gröger sind glaube ich vergriffen, hatte gestern etwas danach im Internet gesucht.

    Oder gibts noch eine Quelle dafür?

    Generell ist der Myko-shop.de eine gute Anlaufstelle. Aber auch dort scheinen die Bände vergriffen zu sein. Schreibe doch trotzdem einfach mal eine kurze Mail dorthin.

  • 'n Abend,


    mit den Bänden Fungi of Temperate Europe gelangt man recht flott zu einer Gattung, sollten die Englischkenntnisse etwas eingerostet sein hilft Google-Translator aus.


    Wer es von der Gattung bis zur Art schaffen will, kommt ums mikroskopieren nicht herum. Und um eine entsprechende Spezialliteratur. Noch besser ist der Zugriff auf aktuelle Veröffentlichungen, zB Klofac_Greilhuber_Nomenclatural_Novelties_OZP28-1.pdf. Der Artikel ist unter pdf-open-access bereits lesbar, das Heft dazu noch gar nicht veröffentlicht.

    Ebenso die Beschreibung einer neuen Art, Hausknecht_pleurocystidiata_OZP28.pdf


    Tja, Dr. Moser meinte einst, "ein Pilz ist kein Pilz". Für die Bestimmung etlicher Arten bedarf es einer Kollektion derselben, von jung bis alt. Nicht selten finde ich Einzelgänger, dann ist Schicht im Schacht, mit Schlüsseln. Meine beiden Gröger-Bände sind nagelneu, habe sie noch nie verwendet, wenn die wir haben will ---> weiter per Konversation.


    Nomenklarorisch hinken ältere Werke wie zB die PdS nach, da muss man sich um den aktuellen Namen schlau machen. Recht gut sind da die oft gescholtenen 123Pilze drauf. Um Synonyme zu finden greife ich auf MycoBank Database und Index Fungorum Home Page zu.


    DNA-Sequenzierungen wirbeln zZ vieles durcheinander, Verwandtschaften unter Pilzen werden so neu definiert. Dazu könnte Christof viel mehr berichten, :gklimper:


    LG

    Peter

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    Es reicht ein Hut aus Zunderschwamm als Statussymbol. Brennt nur der Kopf, wenn der Blitz einschlägt.

    Chips: 52 - 5 für Pablo = 47

    47 - 10 für APR 2019 = 37,000

    + 5 ausm APR = 42

    - 20 für die Leistungsträger,

    22. Ingo mag nicht, = 27.

  • Dass der gleiche Pilz als guter Speisepilz und als tödlich giftig bezeichnet wird ist aber trotzdem irgendwas zwischen lustig und fragwürdig.

    Diesen Befund erzähle ich schon immer gerne.

    Habe noch den Spruch von Walter Pätzold im Ohr: "je älter das Pilzbuch und je weiter man nach Osten kommt, desto mehr Pilze sind essbar"

    Da wären ja die Frühjahrslorchel, der Grünling, wenn man will der Kahle Krempling und neuerdings noch ein paar mehr.

    Und von Belastung durch Schwermetalle und Radioaktivität reden wir schon gar nicht.

    Gut, wenn Einsteiger für die Problematik beim Speisewert sensibilisiert werden.

    Ich habe "nur" 1,5m Pilzliteratur, nebst 1 Meter Zeitschriften. Und habe das Gefühl, dass heutzutage jede Literatur schon beim Druck veraltet ist. ==Gnolm23Und man sich im Zweifel durch die neuesten Veröffentlichungen und die Weiten des Internets kämpfen muss. Ja, ich übertreibe schon etwas...

    Den Gröger halte ich auch für eine Biologen für einen hohen Einstieg.

    Ich finde den Lüder ganz gut um einen Überblick zu bekommen, auch den guten alten Parey.

    Aber wahrscheinlich unterschätze ich den Nik.

    Soweit mal mein Senf dazu

    Alis

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