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letzter Beitrag von Uwe58 am

Atypischer Perlpilz / "falscher Perlpilz"

  • Einen schönen guten Abend in die Runde,


    vor langer Zeit irgendwann in den 1980er / 1990er Jahren geisterte ein "falscher Perlpilz" durch die Literatur. Ich kann mich noch erinnern, dass ich als Schüler - das ist nun über 30 Jahre her - ein Pilzbuch in den Händen hatte, wo der "falsche Perlpilz" sinngemäß wie folgt beschrieben wurde:


    "extrem dunkel, fast grauviolett, mit spitzen, pyramidenförmigen Hutschuppen"



    Genau so ein Exemplar hat meine Frau heute gefunden.


    Ist das noch innerhalb der Variationsbreite dieser sehr veränderlichen Art? Ich habe in meinem Leben hunderte, wenn nicht tausende Perlpilze gesehen. So ein Exemplar aber bis heute noch nicht.


    Grüße,



    Frank


  • Ahoj, Frank,


    die Hutschuppen sehen uns (Cratie und mir) so gar nicht nach Perlpilz aus...

    Auf jeden Fall eine interessante Aufsammlung!

    Die solltest Du unbedingt herbarisieren.

    Gespannt, was das ist.

    Cratie und Malone


    LG

  • Hallo Malone!


    Die symmetrische Anordnung finde ich auch bemerkenswert. Wenn der eine helle Huthaut hätte, würde ich Richtung stachelschuppiger Wulstling (A. echinocephala) tendieren.


    Wer könnte denn Interesse haben, sich sowas näher anzuschauen?


    Gruß,


    Frank


  • Einen derart dunklen Perlpilz habe ich auch schon gefunden. Mein Fund war allerdings ohne Hutschuppen.

    Gefunden hatte ich ihn ebenfalls spät im Jahr. Noch später als jetzt. Ich würde mal vermuten damit hängt es zusammen.

    Dabei fällt mir auf daß die frühen Perlpilze des Jahres meist ziemlich weiß sind, also das Gegenteil von dem hier. Interessant!


    Ob du da jetzt wirklich einen Perlpilz hast weiß ich natürlich nicht.

    Heute auf der Pilzpirsch, fast alle Pilze waren gefroren, fanden sich aber auch zwei Pantherpilze. Die hatten ebenfalls solche dunklen Hüte wie dein Pilz und das Muster der Flocken würde ebenfalls übereinstimmen. Nur der Stiel passt hier wiederum nicht.


    Hast du denn alle Merkmale mal überprüft? Rötung, Manschette usw.?

  • N'abend!


    Lustiger Pilz. :)

    Da sind auch keine geröteten Stellen dran, stimmt's?

    Die Hutfarben sind beim perlpilz sehr variabel (von weiß über ockergelb bis dunkelbraun), aber die Schuppenanatomie passt wirklich nicht dazu, ebenso wenig das fehlende Röten.
    Ein Igel (Amanita solitaria) ist das aber auch nicht, denn der hat tatsächlich einen helleren Hut - und auch ncoh mal anders fegormte Hutschuppen.

    Hatte ich auch mal bei einem Fund gedacht - aber später revidiert.
    Das war dieses Dingens:


    Mit etwas hellerer Huthaut, aber ähnlich seltsamer Velumform.

    Den habe ich jetzt als ungewöhnliche Form des Grauen Wulstlings (Amanita excelsa var. spissa) abgelegt.

    Ich denke, daß dein Fund auch ein Grauer ist, eben in atypischer Ausprägung.



    LG, Pablo.

  • Danke für euer Feedback!


    @Pablo, dein Exemplar sieht meinem ja - abgesehen von der Hutfarbe - sehr ähnlich. Bemerkenswert finde ich auch den Warzenkranz am Rand der Stielknolle. Allerdings sind bei meinem Exemplar heute deutlich rötliche Verfärbungen festzustellen. Die Huthaut ist über Nacht auch deutlich verblasst. Leider ist die Stielknolle im Erdreich abgebrochen und somit unvollständig.


    Mausmann: Manschette kann man in diesem Zustand natürlich nicht gut beurteilen, es ist ein Einzelexemplar und ich wollte den Pilz nicht gleich zerlegen. Rötung siehe aktuelle Fotos, finde ich eindeutig.


    Grüße,


    Frank


  • Hallo Frank,


    zum sogenannten "Falschen Perlpilz" steht im "Pilze der Schweiz" Band 4:


    "Der vor allem in älterer Lit. herumgeisternde «Falsche Perlpilz» (A. pseudorubescens) bezieht sich mit grösster Wahrscheinlichkeit auf dunkelviolettbraune, hartfleischige und mit spitzwarzigen Velumresten bedeckte Trockenformen der hier beschriebenen Art. Nach KRIEGLSTElNER (1984a) ist dieses Binomen lediglich als Synonym zu betrachten."

    Spannenderweise ist das ja nahe an deinem Fundexemplar.


    Eine mikroskopische Unterscheidung zum Grauen Wulstling wird lediglich über den Q-Wert der Sporen vorgeschlagen: Die vom Perli sind "länglicher", die vom Excelsa "rundlicher".


    Auf amanitaceae.org finde ich auf die Schnelle jetzt keinen Clou dazu.


    Wenn Du magst und der "Kleine" überhaupt schon Sporen hat, kann ich mal ein paar Messung unter der Photonenschleuder machen.

  • Ahoi!


    Danke für die Erklärung zum taxonomischen Hintergrund vom "falschen Perlpilz", Tom. :thumbup:
    Amanitaceae.org ist ja eine internationale Seite, vielleicht wurde das Taxon dort einfach ignoriert, bzw. als Synonym zu Amanita rubescens nicht weiter besprochen.


    Mit den deutlichen Rotfärbungen jetzt kann man das aber klar als Perlpilz (wenn auch atypisch) erkennen.

    Wirklich erstaunlich, wie variabel diese Art sein kann.



    LG; Pablo.

  • Hallo Tom!


    Dein Angebot nehme ich gerne an, der Kleine wurde gerade gevierteilt und befindet sich im Dörrgerät.

    Beigefügt ein paar Fotos von der "Obduktion", der Plisseerock ist sehr deutlich ausgeprägt.


    Ich möchte wegen diesem Exemplar ja kein "Riesenfass" aufmachen, aber grundsätzlich interessiert mich, was man in solchen und ähnlichen Fällen mit DNA Sequenzierung machen kann, wieviel sowas kostet und wer das - speziell für Pilze - anbietet. Natürlich inclusive Auswertung.


    Vor Jahrzehnten gab es keine solchen Möglichkeiten; warum sollte man sowas nicht nutzen, vom Kostenfaktor einmal abgesehen.


    Schick´mir mal bitte per PN Deine Adresse. Drei Viertel stehen also noch für andere Interessenten zur Verfügung.


    Gruß,


    Frank


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