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letzter Beitrag von Beorn am

Gartenröhrlinge

  • Hallo miteinander!


    Vor zwei Jahren hatte ich mir einige Kollektionen von Filzröhrlingen angeguckt. Oder genauer gesagt: Von Gartenröhrlingen, also das, was heute die Gattung "Hortiboletus" bildet.

    In erster Linie ging es mir darum, die Unterscheidung zwischen Hortiboletus bubalinus (Blassgelbbrauner Filzröhrling) und Hortiboletus engelii (Eichenfilzröhrling) besser zu verstehen.

    Literatur macht es sich da wie so oft recht einfach: Man messe ein paar Sporen aus; wenn der Qm (mittlerer Sporenquotient) über 2,7 liegt, ist es Hortiboletus bubalinus, wenn er darunter liegt, ist es Hortiboletus engelii.

    Klappt natürlich in der Praxis nicht. Oder jedenfalls: Bei mir nicht, bzw. bei meinen Funden. Zumindest nicht mit diesem Grenzwert (2,7).

    Eine Kollektion mit einem Qm über 2,7 hatte ich bislang keine einzige (konnte aber in 2018 und bisher in diesem Jahr nicht weiter suchen, weil's hier keine Gartenröhrlinge in vernünftigen Kollektionen mehr gibt).

    Aber Hortiboletus bubalinus war dennoch dabei, da bin ich mir eigentlich ziemlich sicher.
    Nimmt man sich die Originalbeschreibung mal vor, ist es auch rätselhaft, wie spätere Schlüssel zu diesem Schlüsselwert kommen. Oolbekkink jedenfalls gibt in der Erstbeschreibung von Boletus bubalinus folgende Werte an: Q = 2,7 +/- 0,2 (2,2-3,4)
    Das erscheint erstmal relativ mager, es ist nicht ersichtlich, aus wie vielen untesuchten Kollektionen sich diese Zahlen zusammensetzen. Der Spielraum (2,2-3,4) ist alelrdings beachtlich, und auch der Qm schwankt nach dieser Angabe zwischen 2,5 und 2,9.

    Damit wären die zwei folgenden Kollektionen zwar am unteren Rand, aber eben durchaus noch im Rahmen dessen, was lt. Originalbeschreibung möglich ist.

    Zumal die weiteren Merkmale einfach zu gut passen, also Struktur der Hutoberfläche, Farben, Farbverläufe der Fasern am Stiel, Verfärbungsmuster, fehlende karottenrote Punkte in der Stielbasis.


    Alors, demnach im folgenden zwei Kollektionen, die ich trotz Qm < 2,7 für Hortiboletus bubalinus halte.


    Kollektion 1 stammt aus der Viernheimer Heide, auf sandigem Boden bei Eichen und Rotbuchen, nicht allzu trockener Standort, weil verdichteter Boden (am Parkplatzrand) und kleiner See in der Nähe. Gefunden am 08.08.2017.





    Kollektion 2 stammt aus der Umgebung des NSG Hirschacker, ebenfalls auf sandigem, aber noch trockenerem Boden. Potentielle Mykorrhizapartner in der Umgebung: Birke, Kiefer, Rotbuche, Hainbuche.

    Die Fruchtkörper dieser Kollektion sind deutlich älter, weisen aber auch deutlichere rötliche Töne am Hut auf.

    Gefunden am 04.10.2017





    Im Vergleich dazu noch zwei Kollektionen, die für mich sehr deutliche Hortiboletus engelii sind. Man achte auch auf den deutlich anderen Sporenquotienten, der Unterschied ist schon ohne Messungen beim ersten Blick durchs Okular erkennbar. Da kommen später allerdings noch Fälle, wo es längst nicht so eindeutig ist.

    Auch die Huthaut sieht etwas anders aus, aber das ist womöglich noch diffuser und benötigt noch mehr Übung in der Einschätzung.


    Kollektion 3 stammt vom Mannheimer Hauptfriedhof, Mykorrhizapartner: Linde, Birke oder Eibe. Gefunden am 04.08.2017; die feruchtkörper sind zwar schon älter und teils etwas angeschimmelt, gaben aber noch einen ordentlichen Sporenabwurf ab. Hier wäre das recht deutliche Blauen zu beachten bei gleichzeitigem Fehlen von roten Pünktchen in der Stielbasis. Die Kollektion ist insgesamt ziemlich hell, aber ich könnte mir vorstellen, daß die jungen fruchtkörper zumindest bei den Hutfarben dunkler und vielleicht auch ein wenig rötilch waren.





    Kollektion 4 stammt ebenfalls vom Mannheimer Hauptfriedhof, Standort unter einer Esskastanie (kommt auch nix anderes als Mykorrhizapartner in Frage), gefunden ebenfalls am 04.08.2017.
    Diese Fruchtkörper blauen teilweise gar nicht, haben dafür schön ausgeprägte karottenrote Pünktchen in der Stielbasis.





    Soweit, so gut. Das also mal als einigermaßen typische (auch mikroskopisch typische) Kollektionen; 1+2 = Hortiboletus bubalinus, 3+4 = Hortiboletus engelii.

    Meint ihr, das kommt so weit hin?
    Oder könnte ich hier schon Fehler gemacht haben?


    PS.: Alle Bilder zum Anklicken, Öffnen in neuem Fenster ---> dann groß!



    LG; Pablo.

  • Hallo Pablo,

    Kollektion Nr. 1 ist auch in meinen Augen klar H. bubalinus, die letzte Kollektion klar H. engelii.

    Bei den Filzröhrlingen scheint immer noch nicht klar zu sein, welche von den zahlreichen Unterscheidungsmerkmalen tatsächlich bestimmungsrelevant und welche zwar beobachtbar, aber nur pseudorelevant sind. Ganz früher hat man ja dem Aufreißverhalten der Huthaut, der Farbe der darunter freigelegten Subkutis und dem Rot auf der Stielrinde große Bedeutung für die Bestimmung zugemessen, heutzutage fast gar nicht mehr. Was, wenn das nun auch auf die Sporenquotienten zutreffen würde?

    Seit dem Werk von LADURNER/SIMONINI haben Fleischfarbe und Fleischverfärbung im Längsschnitt eine wesentlich höhere Bedeutung bekommen, in letzter Zeit auch die Basismyzelfarbe, so dass man mittlerweile fast schon den Eindruck bekommen kann, dass das messstatistische Q-Wert-Ermitteln hinsichtlich der Bestimmungsrelevanz dem Längsdurchschneiden und Basismyzelausgraben unterlegen ist.

    Einen ganz hervorragenden Längsschnittbild-Vergleich findet man im KIBBY, British Boletes, S. 48 f. Dort wird z. B. H. bubalinus mit ausgedehter Rosazone unter der Huthaut gezeichnet, eben genau so wie bei deiner Kollektion 1. Zusammen mit der in diesem Werk ebenfalls für die meisten Arten angegebene Myzelfarbe hat man eigentlich genügend relevante Kriterien zusammen, dass man nicht unbedingt auf Sporenmessung angewiesen ist, wenn man bestimmen will.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hallo, Stephan!


    Ungefähr darauf wollte ich hinaus. :thumbup:

    Also welche Details sind für die Unterscheidung wie wichtig?

    vermutlich ist es dabei aber wie so oft, daß letztlich auch die "Summe" alle Merkmale eine Rolle spielt - also das viel berufene, ominöse und oft etwas schleierhafte "Gesamtbild". Ich denke schon, daß die Mikroskopie hier eine Rolle spielt. Der mittlere Sporenquotient bei den beiden ersten Kollektionen ist ja schon signifikant anders als bei den beiden danach - aber wo du sicher recht hast: Man sollte sich niemals "blind" (also ohne Berücksichtigung weiterer Merkmale) auf die Sporenmaße verlassen.

    Bei den Sporen von Suillellus mendax vs. denen von Suillellus luridus hatte ich das ja auch schon beobachtet, sowie bei ein paar anderen Boletaceae:
    Die Sporenbreite ist innerhalb einer Art meistens recht konstant. bei der Sporenlänge gibt es innerhalb einer Art teils recht große Abweichungen, die unter anderem vom Alter / Reifegrad der Fruchtkörper abhängig sind. Soll heißen: Untersuchst du einen zu jungen Fruchtkörper hast du in der Summe häufig zu kurze, aber normal breite Sporen, und darum auch einen kleinen Sporenquotienten. Dabei ist es egal, ob du die Sporen aus Gewebe nimmst oder sogar noch einen Abwurf hinbekommst.

    Wobei man einem Abwurf schon auch ansieht, wenn da wass nicht stimmt. Wenn das so ein furchtbar dünnes Abwürfchen ist, wo man kaum die Farbe richtig erkennen kann, müssen schon die Alarmglocken angehen - da kann man die Sporenmaße in der Regel nachher in der Pfeife rauchen.


    Die Schnittbilder, das Verfärbungsverhalten und auch die Basismycelfarbe: Bei Filzröhrlingen allgemein sehr wichtig, denke ich.
    Aber: Auch die in den letzten Jahren oft kaum mehr beachteten merkmale wie Hutfarben, Hutshautstrukturen (auch makroskopisch!) sowie Stielfarben und Stieloberflächenstrukturen haben eine Bedeutung. Vorstellbar für mich wäre zB, daß auch in diesem Fall die Hutfarben eine Rolle spielen (dazu später / nächste Woche mehr), sowie die Hutstruktur und die Stielfarbe, Struktur der Stieloberfläche: Die Stieloberflächen von bubalinus sind meiner Ansicht nach schon extrem stark und grob längsfaserig / längsstreifig, und zwar mit farblich +/- stark kontrastierenden Fasern, meistens mit rot, rosabraun oder rotbraun.

    Verfärbungsverhalten: Da bin ich in diesem Fall nicht mehr sicher, ob das besonders konstant ist.

    H. engelii verfärbt oft recht schwach oder gar nicht, kann aber auch kräftiger blauen im Schnitt und dann auch irritierenderweise mit einer entweder nicht verfärbenden oder sogar rosalich färbenden Zone unter der Huthaut. Das Merkmal kann aber bedingt durch Alterr, Durchfeuchtung usw. auch bei bubalinus fehlen. Ebenso wie bei engelii die karottenroten Pünktchen in der Stielbasis fehlen können.


    Einige weitere, eher strittige Kollektionen zeige ich nächste Woche noch, das könnte noch interessant werden. :gzwinkern:



    LG, Pablo.

  • N'Abend!


    Ich hatte es ja angedroht. Noch mehr Gartenröhrlinge.

    Nach den ersten, relativ stimmigen Kollektionen nun ein paar Funde, die eben nicht mehr so einfach einzuordnen sind.


    Den Anfang der Riege macht "Kollektion 5", der ich auch vorerst keine Artbezeichnung zuweisen werde.

    Wichtig: Die besteht aus nur zwei Fruchtkörpern, die potentiell eben noch nicht ausgereift waren. Und: Die beiden fruchtkörper fanden sich in unmittelbarer Nähe zu den Fruchtkörpern von Kollektion 4, nur etwa einen bis zwei Meter entfernt.

    Also natürlich das gleiche Funddatum (04.08.2017), Mannheimer Hauptfriedhof, mit Esskastanie als Mykorrhizapartner und vergesellschaftet mit Hortiboletus engelii (Kollektion 4 im Startbeitrag).
    Mitgenommen natürlich weil eben makroskopisch doch deutlich anders als alle Fruchtkörper der oben vorgestellten engelii - Kollektion.

    Sieht nebeneinandergelegt so aus:


    Im Einzelnen so:


    Man beachte auch den "zweifarbigen" Hut mit dunkler (ziemlich glatter!) Mitte und starken Aufhellungen zum Rand hin. Das rosaliche Verfärben des Hutfleisches unter der Huthaut war eher undeutlich, aber vorhanden, im "Nachschnitt" zuhause mit "Studiolicht" und Weißabgleich sieht man es besser:


    Sporen:


    ...die sind schon weit weg von den "normalen" Q-werten von H. bubalinus, auch wenn die Kollektion makroskopisch einen sehr starken bubalinus-Eindruck erweckt.

    Aber hier muss man sicher auch berücksichtigen, daß der untersuchte Fruchtkörper vermutlich eben noch nicht reif war.
    Also wie an anderen stellen schon vielfach erwähnt, das Röhrlingssporen-Problem: Erst mit Vollreife des Fruchtkörpers erreichen die Sporen ihre volle Länge (Breite ist dagegen jung wie alt recht konstant). Wenn also ein Fruchtkörper zu früh vom mycel getrennt, wird auch gerade ein Abwurf generell eher zu kurze Sporen hervorbringen.

    Ob das aber auch bei einem jungen bubalinus so kurz sein darf? Zweifel...
    Zumal da ja die unmittelbare Vergesellschaftung mit eindeutigen H. engelii ist.


    Kollektion 6 wäre dann die letzte vom legendären "Gartenröhrlingstag" am 04.08.2017 auf dem Monnemer Hauptfriedhof.

    Es ist zugleich die üppigste und schönste Kollektion. Der Standort ist auch interessant.


    Die naheliegendsten in Frage kommenden Mykorrhizapartner wären Kiefer und Eibe. Drumrum stehen aber auch einige Exoten, sowie dieser größere Baum rechts im Hintergrund, den ich nicht einordnen kann. Vielleicht hat noch jemand eine Idee zu, vom Habitus erinnert er (siehe obiges Bild) an eine Pappel.

    Die Rinde sieht so aus:


    Und die Blätter so:


    Die Pilze sind recht variabel, die Hüte teils mit recht deutlichen Rottönen in der Kollektion, mit rosa färbendem Hutfleisch unter der Huthaut (nicht bei allen fruchtkörpern deutlich), stark blauend, stark längsstreifige Stiele, Hüte in der Mitte recht glatt aber nicht so deutlich zweifarbig, wie bei manchen glasklaren bubalinus - Kollektionen zu sehen.






    Sporenquotient ist hier natürlich wieder viel zu niedrig für bubalinus, zumindest wenn man sich nach den gängigen Literaturwerten richten wöllte.

    Notiert habe ich "Fruchtkörper ausgereift aber nicht überreif"; blöd nur, daß ich nicht mehr weiß, von welchem der Fruchtkörper auf dem Bild der Abwurf stammt.

    Aber: Weil da schon einige Sporen mit einem Quotienten von 2,5 oder höher dabei waren, würde ich den zusammen mit den weiteren, makroskopischen merkmalen schon recht zuversichtlich als Hortiboletus bubalinus einordnen wollen.

    Denn momentan vermute ich eher, daß Hortiboletus engelii einen Quotienten von mehr als 2,5 nicht mal als extremwert bei einzelnen Sporen kaum zustande bringt.


    Jedenfalls: Da hätten wir mal zwei solche Kollektionen, wo sich makroskopische Merkmale und Sporenquotient zumindest nach gängiger Literatur bestimmungstechnisch widersprechen.



    LG, Pablo.

  • Hallo Pablo, mal eine ganz dämliche Frage. Ich lese ja nun wirklich fast alles hier. Aber solchen Diskussionen wie dieser hier kann ich nicht richtig folgen. Vielleicht auch, weil mir das zu speziell wird. Also meine Frage: Wie nennen die Stinos (Stinknormalen) unter den Pilzliebhabern solche Pilze, die nur von den echten Pilsners unterschieden werden können eigentlich? Einfach nur Filzröhrlinge oder was?

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

  • Also meine Frage: Wie nennen die Stinos (Stinknormalen) unter den Pilzliebhabern solche Pilze, die nur von den echten Pilsners unterschieden werden können eigentlich? Einfach nur Filzröhrlinge oder was?

    Servus Claudia,


    bei den deutschen Namen muss man nicht (und sollte man nicht, finde ich) jede neue Gattungszuordnung in die Benamsung einfließen lassen. So ist der Mairitterling für mich immer noch der Mairitterling, das Maischwammerl, der St-Georgs-Ritterling, aber ganz sicher nicht der Mai-Schönkopf. Es sind halt deutsche Volksnamen.


    Und auf deutsch hat es sich eben eingebürgert, den Namen Filzröhrling dann zu verwenden, wenn kein anderer, älterer, klassischer Namen bekannt ist. Klassisch: Rotfußröhrling (da sagt man nicht "Rotfüßiger Filzröhrling").


    Insofern ist Hortiboletus engelii immer noch das, was bislang als Eichen-Filzröhrling bezeichnet wurde. Das ist ein bisserl der Vorteil des Volksnamens (auch, wenn der hier ebenfalls sehr neu ist, eben aus den 90er Jahren). Auf schlau hieß er schon Xerocomus communis (ss. auct.), Xerocomus quercinus (ungültig beschrieben), Xerocomellus engelii und eben auch Hortiboletus engelii - nebst zig weiteren Namen, Interpretationen usw.


    Warum der Thread zu kompliziert ist, weiß ich hingegen nicht - es geht halt um Artabgrenzungen. H. engelii ist halt der Filzröhrling, der als Merkmale einen rötlichen Stiel mit Längsrillen aufweist, in der Stielbasis karottenrote Punkte aufweist und in der Regel im Hut nicht rötet - und der dem schon lange bekannten "Blutroten Röhrling", jetzt Hortiboletus rubellus (früher Xerocomus rubellus, Xerocomellus rubellus usw.), doch sehr ähnelt (bis auf die Hutfarbe...).

    Und es geht um eine dritte Art, die keinen g'scheiten deutschen Namen hat (Blasshütiger... finde ich zu nichtssagend), der aber typischerweise im Hutfleisch rötet und normalerweise die Karottenpunkte nicht zeigt.


    Der Thread dreht sich um die Unterscheidung dieser Arten. Es steckt also nix hochtrabendes dahinter, sondern nur Erfahrungsaustausch. ;-)


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo zusammen!


    Find' ich aber schon auch verständlich, wenn das für Manche zu sehr ins Detail geht.

    Diese Filzröhrlinge sind halt teilweise ganz schön "schwammig" in der Abgrenzung, da muss man sich schon speziell für interessieren, wenn man da die einzelnen Arten "verstehen" will. So geht es mir ja auch, wenn ich in eine ambitionierte Täublingsdiskussion (so als Beispiel) reingucke, und die Gedanken zur Interpretation der Sporenpulverfarben, Sporenornamente, Criens usw. lese. Verstehen tue ich das aber natürlich dann nicht wirklich, weil bei mir eben die Täublinge außerhalb meines Fokus liegen.

    Für mich aber auch ein Umstand, der einen Teil des Reizes der Pilzkunde ausmacht: Es gibt so viel zu entdecken, daß man sich gar nicht mit allem befassen kann, und bei jedem Blick über den persönlichen Horizont deuten sich weitere, unerforschte Wunder an.

    Die Filzröhrlinge sind insofern noch einigermaßen überschaubar, als daß die Artenanzahl vergleichsweise gering ist (ganz im Gegensatz zu Täublingen). Macht es im Einzelnen nicht schwerer oder leichter, aber man sieht schneller mal Land am Ende des Ozeans von Fragen.


    Danke für den Tip mit der Ulme, Uwe! :thumbup:

    Auch wenn ich mich jetzt nicht selbst auf eine Art festlegen kann (es soll ja auch Hybriden geben), so sollte nach ein paar vergleichen zumindest mal die Gattung hier passen.

    Damit wäre "Ulmus spec." der dritte mögliche Mykorrhizapartner für Kollektion 6.



    LG, Pablo.

  • Servus Pablo.

    Bei mir wachsen diese Filzröhrlinge ja immer vor dem Haus. Heuer hatte ich nur einen alten rissigen,welchen ich getrocknet habe, einen guten kleinen, welchen ich getrocknet habe und ein Büschel schöne wurmige Kerle. Das sind aber bei mir eindeutig diese Eichenfilzer,da ich hier eine große Eiche habe und sonst nur Efeu daneben wächst.Solltest du da Vergleichsmaterial benötigen kann ich dir die nächste Ernte zuschicken. Leider soll es nächste Woche immer über 30 Grad haben und da wird kaum etwas wachsen.

    Gruß, Jens


  • Danke Christoph für Deine ausführliche Erklärung. Als durchschnittlich Pilzinteressierte komme ich immer ins Schleudern, wenn Ihr die Pilze so ausdifferenziert. Ab und zu stelle ich fest, dass ich wieder einen Baustein in der Pilzsystematik bzw. Bestimmung verstanden habe und dann kommen Beiträge, bei denen ich wieder wie die berühmte Wutz ins Uhrwerk schaue. Das war bei der Differenzierung von Pablo Filzröhrlingsarten so und es ist so, wenn Ihr von Artenaggregaten sprecht, die

    für mich gefühlt eine Art sind. Damit kann ich auch nicht viel anfangen und ich glaube, dass das vielen so geht, die hier ihre Erstanfrage stellen und denen dann das geballte Expertenwissen entgegenschlägt. Glücklicherweise gibt es ja unter Euch Fachleuten auch etliche, die das Ganze dann wieder so herunterbrechen können, so dass es für alle verständlich wird. Danke!

    Hallo Pablo,

    ach wo! Das Problem ist nicht, dass Ihr zu weit ins Detail geht, sondern dass ich nicht verstanden habe, warum. Bei Täublingen ist mir klar, dass es da zig Arten mit nur ganz schwer erkennbaren Unterschieden gibt. Bei den Filzern war es mir aber eben nicht.

    Mein Ozean von Fragen ist in jeder Richtung unüberschaubar und ich habe das Gefühl, dass es ständig mehr Fragen werden. Kein Land in Sicht, nirgends.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

  • Damit wäre "Ulmus spec." der dritte mögliche Mykorrhizapartner für Kollektion 6.

    Servus Pablo,


    nein, Ulmus bildet Arbuskuläre Mykorrhizen, lebt also mit Glomeromycota in Symbiose. Die Gattung fällt als Partner für eine ektotrophe Art weg. Einzige Ausnahme wären die eher parasitischen Rötlinge, die Rosaceae sowas ähnliches wie eine Ektomykorrhiza aufzwingen - in Bezug auf den Ulmenrötling (bei dem diese Verbindung meines Wissens noch nicht ausgegraben wurde) wäre das noch denkbar, nicht aber eine Verbindung mit einem normalen Ektomykorrhizabildner.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Salve!


    Aha, also Ulmus in der Hinsicht ähnlich wie Acer, Pseudocastaneus und einige weitere. Gut zu wissen. Dennoch schön, mal bewusst so einen Baum gesehen zu haben (steht auch nach wie vor an Ort und Stelle, leider derzeit ohne Röhrlinge in der Umgebung), wo Ulmen doch anscheinend ziemlich selten geworden sind.
    Also wieder einiges dazugelernt, das ist immer gut. :thumbup:

    Auf dem HFF in Mannheim gibt's übrigens noch eine weitere Stelle, wo sehr ähnliche Filzröhrlinge wuchsen, wo als Mykorrhizapartner ebenfalls kaum was Anderes als Kiefer und Eibe in Frage kommt. Was dann schon wieder einigermaßen wunderlich wäre, da Hortiboletus bubalinus und Hortiboletus engelii zwar einigermaßen variabel sein sollen, aber bisher habe ich keine Hinweise auf mykorrhiza mit Nadelbäumen gefunden.

    Jens, wenn dein "Gartenröhrling" mal wieder frische Fruchtkörper bildet, lohnt es sich sicher, die mal etwas ausfürhlicher anzugucken.

    Ob ich aber viel bei der Bestimmung helfen kann, ist fraglich. Erst recht bei einer Untersuchung von Herbarmaterial. Ich versuche ja selbst erst die Ansätze zu verstehen, und verstehe noch nicht gerade besonders viel.

    Wass ich aber schon ziemlcih sicher sagen kann: Daß eiche der Mykorrhizapartner ist, bedeutet bestimmungstechnisch nicht wirklich etwas. Hortiboletus engelii kann auch mit diversen anderen laubbäumen (vielleicht auch mit eibe und Kiefer) und Hortiboletus bubalinus kann auch mit Eiche. Sowie mit diversen anderen Laubbäumen (vielleicht auch mit Eibe und / oder Kiefer). ;)


    Und selbstverständlich ist es völlig in Ordnung, wenn man für sich selbst das alles unter einem "sensu - lato - namen" zusammenfasst. Man kaann dann sogar auch den Blutroten (Hortiboletus rubellus) mit einbeziehen. Der kann den beiden weiter oben diskutierten Arten auch sehr ähnlich sehen, zumal die beide auch mehr oder weniger rot sein können. Und rubellus (Blutroter Filzröhrling) kann auch ausblassen, wenn er alt und trocken ist, dann wird's diffus.
    Momentan bestimme ich für mich selbst nur solche Funde als Hortiboletus rubellus, die wirklich deutlich (auch jung) arg rot an Hut und Stiel sind - und das Hutrot vor allem nicht vermischt / teilweise überlagert von braunen Pigmenten.

    Also sowas wäre für mich Hortiboletus rubellus s.str.:











    ... und das würde ich schon für eine eigene Art halten, womit man dann bei den Gartenröhrlingen im strengen sinne bei drei Arten für Mitteleuropa wäre. Nach derzeitigem Kenntnisstand jedenfalls. Zwar überschaubar, aber eben in der Abgrenzung gegeneinander mit einigen Punkten, die ich selbst noch nicht wirklich verstehe.
    Darum eben auch dieses Thema.



    LG, Pablo.

  • Hallo Zusammen,


    habe eine Offtopic-Frage, die aber mit dem aktuellen Thread zusammenhängt. Ihr könnt aber gerne einen separaten Pfad aufmachen.


    Beim Beitrag von Wildschwaiger erscheint Werbung. Und zwar innerhalb des Beitrags!


    Ist das Werbung, die von Wildschwaiger (oder mit seinem Wissen) eingefügt wird? Oder "passiert" das ohne seine Zustimmung?


    Ich finde Reklame nervig. Aber ich akzeptiere Reklame, solange sie sich an Regeln hält. Aber innerhalb eines Beitrages!!!!!!!

    Am Anfang, am Ende, oder zwischen Beiträgen von Usern: A pain in the ass, aber nicht zu ändern. Aber nochmal: innerhalb eines Beitrages?

    Damit steht der Poster (scheinbar) in direktem Zusammenhang mit dem Werbetreibenden?


    Muss das sein? Kann das sein? Ist da ein Zufallsgenerator dahinter? Wer steuert diesen Werbeschrott? Weiß der Betreiber, wann und wo, welche Reklame abgesondert wird?


    Grüssel

    RudiS

  • Hallo, Rudi!


    Ich sehe bei dem Beitrag ehrlich gesagt auch nichts (jedenfalls keine Werbung).

    Bearbeitet wurde der beitrag bisher nicht, ich sehe auch im von Jens geschriebenen Text keine "versteckten" Zeilen.

    Es kann möglicherweise am Adblocker liegen: Interessant wäre (wenn du das machen kannst) ein Screenshot von der Werbung im beitrag, sowie du sie siehst.



    LG, Pablo.

  • Ab und zu stelle ich fest, dass ich wieder einen Baustein in der Pilzsystematik bzw. Bestimmung verstanden habe und dann kommen Beiträge, bei denen ich wieder wie die berühmte Wutz ins Uhrwerk schaue. Das war bei der Differenzierung von Pablo Filzröhrlingsarten so und es ist so, wenn Ihr von Artenaggregaten sprecht, die

    für mich gefühlt eine Art sind.


    Mein Ozean von Fragen ist in jeder Richtung unüberschaubar und ich habe das Gefühl, dass es ständig mehr Fragen werden. Kein Land in Sicht, nirgends.

    Hallo Claudia,

    es kann für dich viel einfacher sein. Du sollst ja gar nicht eine Übersicht über alle Hortiboleten und am besten gleich noch über alle Xerocomen, Xerocomellen und Rheubarbariboleten im Kopf haben und ähnlich einem Schulwissen referieren können. Du sollst eigentlich nur, wenn du einen Filzröhrling im Wald vor dir hast, dir angewöhnen, ihn vorsichtig auszugraben statt abzurupfen, damit du die Farbe des Basismyzels prüfen kannst. Und du solltest dir angewöhnen, einen frischen Fruchtkörper der Länge nach, d. h. bis zur äußersten Basis durchzuschneiden, ein paar Minuten liegen zu lassen, und dann schauen, welche Farben wo auf der Schnittfläche zu sehen sind. Und anschließend solltest du mithilfe von Fachliteratur (empfehlen kann ich da z. B. KIBBY, British Boletes, das gab es früher mal im Myko-Shop für wenig Geld, vielleicht jetzt auch noch?) prüfen, was das hier aufgrund der sichtbaren Merkmale denn sein kann. Entweder macht dir das Spaß und du findest es spannend, dann machst du mit Filzröhrlingen weiter und kriegst nach zwei bis drei Jahren da einen Überblick und kannst mit einem Pablo mitschwätzen, oder du findest das nicht spannend, dann lässt du Filzröhrlinge halt links liegen und schaust andere Gattungen an und verschaffst dir da einen Überblick. Gib dir einfach Zeit.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • N'Abend!


    Eine Kollektion von letzter Woche, auf saurem, sandigem Boden, relativ trocken, potentielle Mykorrhizapartner wären Rotbuche, Hainbuche und Kiefer.




    Makroskopisch auch ein sehr eindeutiger Fall von Hortiboletus bubalinus.
    Mikroskopisch geht das auch in Ordnung nach meiner Sicht. In dieser Kollektion auch sehr deutlich die oft ziemlich gedrungenen (kurz und breit) Zellen der Huthaut, und zwar oft die obersten drei Elemente. Auch diesen einen kleinen Kegel als Endzelle auf einem dicken, teils fast isodiametrischen vorletzten Element beobachte ich bisher recht regelmäßig bei bubalinus - Kollektionen.


    Interessant bei den Sporen: Das ist ein Abwurf von dem großen, alten fruchtkörper. Hier meinte ich schon recht deutlich, zwei getrennte Sporenpopulationen zu beobachten. Eine kurzsporige und eine langsporige (freilich beide mit Variationsbreite). Das ist möglicherweise dahingehend interessant, daß einige bubalinus - Kollektionen mit zu kurzen Sporen im mittleren Quotienten mich doch verwirrt hatten.


    Ergo Arbeitsauftrag an mich selbst: Mehr Hymenium untersuchen. Wenn sich das mit den zwei Sporenpopulationen bestätigen sollte, finden sich vielleicht auch zwei unterschiedliche Basidientypen (Sterigmenzahl), und davon ausgehend, welcher Typ dominiert, müsste man natürlich auch die Sache mit dem mittleren Quotienten in anderem Licht betrachten.
    Ist abe nur so eine vage Überlegung bisher.



    LG, Pablo.

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