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letzter Beitrag von boccaccio am

Landschaftspark Duisburg 08.12.2018

  • Hallo zusammen,


    am Samstag ging es für mich mal wieder in den Duisburger Landschaftspark. Nachdem es hier in NRW die letzten Tage ganz ordentlich geregnet hat und auch gleichzeitig noch relativ warm war, erhoffte ich mir den einen oder anderen Pilzfund. Und die Hoffnung wurde auch nicht enttäuscht:


    1. Eine rotmilchende Mycena. Die Lamellenschneiden waren rötlich, so daß hier auch potentiell H. sanguinolenta in Frage kommt. Aber so richtig schlüssig ist das für mich alles nicht. Die Huthaut war für mich leider wenig aussagekräftig und wie spitz oder rund die Zystiden nun sind, ist ohne direkten Vergleich auch irgendwie nur schwer zu beurteilen. Als Substrat dienten wohl alte, im Boden verborgene Holzbohlen von Eisenbahnschienen.

    Huthaut

    Lamellenschneide



    2. Entoloma sericeum, den ich ja auch die Woche zuvor schon dort gefunden habe.



    3. Das sieht mir nach einer Geopora aus. Die Sporen haben mich sehr beeindruckt, die wirkten, als wären sie mit einer lichtbrechenden Flüssigkeit gefüllt. Sporengröße:

    23.6x13.2 Tropfendurchmesser 11.1

    22.7x12.2 Tropfendurchmesser 10.5

    22.2x14.8 Tropfendurchmesser 12.3

    23.0x12.2 Tropfendurchmesser 11.2

    23.0x13.7 Tropfendurchmesser 11.8

    Hat da jemand einen guten Schlüssel für?



    4. Es wird Herbst: Helvella crispa



    5. Clitocybe fragans


    6. Tubaria furfuracea s.l.



    7. Amanita muscaria



    8. Pleurotus ostreatus



    9. Calocera cornea an Birke



    10. Ebenfalls an Birke. Liege ich hier mit Jackrogersella multiformis richtig? Und was mag der weiße Belag sein?



    11. Ein kleiner weißer Pilz.



    12. Tricholoma sp. Unter Birken auf magerem Boden, Geruch seifig, wohl nicht gelbend (aber ich schau heute Abend noch mal in den Kühlschrank). Update: Auch heute ist da noch nichts gegilbt. Der seifige Geruch ist nicht mehr vorhanden. Wenn man den Pilz in Ruhe läßt, riecht er gar nicht, wenn man ihn etwas drückt, ist ein mehlartiger Geruch vorhanden.



    13. Lachnella alboviolascens





    14. Macrotyphula fistulosa




    15. Drüslinge... aber welche?




    16. Ascocoryne sarcoides



    17. Trametes hirsuta?




    18. Polyporus brumalis



    19. Schizophyllum commune



    20. Xylaria hypoxylon



    21. Crucibulum laeve



    22. Cladonia cf. cariosa



    23. Rickenella fibula



    24. Stäublinge... wobei mit dem Wassergehalt eher Matschlinge


    25. Pseudombrophila hepatica, mit besten Dank an Ra Da für die Bestimmung. Auch hier gab es wieder diese lichtbrechende Erscheinung an den Sporen.





    26. Und zum Abschluß noch ein Helmling



    Björn

  • Hallo Björn


    Ich habe Interesse an deine Mycena nr 1

    Habe früher auch eine Mycena sehr an deine ähnlich gefunden (sieche Bilder) . Ein Pilzkenner hat per Bild mein Fund makroskopisch als M. zephyrus bestimmen - Diese Pilz bei Kälte und Älter kriegt rostige Flecken . Meine das dein und mein Fund gleiche Art sind aber ob das wirklich um M. zephyrus gehet ??? Bin gespannt über weitere Bestimmung .


    -


    -


    -


    -


    Wegen nr 9 , Calocera Cornea an Birke , ich meine das um 2 Arten ein neben andern gehet . Die erste passt C. Cornea und die zweite (kleine Kugelchen) sind Dacrymyces und wahrscheinlich lacrymalis . Habe schon in Natur gleiche fall gesehen und ein PSV hat mir um was genau gehet erklärt .


    LG beli

  • Hallo Beli,


    ich glaube nicht, daß meine Nr.1 Mycena zephirus ist. Der wächst wohl im Nadelwald, während es an meiner Fundstelle im Landschaftspark keine Nadelbäume gibt. Außerdem scheint M zephirus auch keine rote Milch zu haben.


    Die Dacrymyces bei Nr. 9 hatte ich auch gesehen, aber gekonnt ignoriert ;) Das ist ja scheinbar auch eine relativ komplizierte Gattung.


    Björn

  • Hallo Björn,


    die Geopora wird wohl G. arenicola sein.

    Eine für meine Begriffe recht brauchbare Arbeit (incl. Schlüssel) der aus Montenegro bekannten Arten kannst Du hier downloaden.

    Da findest Du auch eine interessante Diskussion zu arenicola und arenosa (S. 144).

    Die Arbeit von Benkert (2010) zur Gattung füge ich in schlechter, aber lesbarer Qualität an.

    Geopora in Deutschland_Benkert, 2010.pdf


    Sehr schöne Kollektion von Pseudombrophila hepatica.

    Ich finde die Art idR an Mäusekötteln, ist das Kaninchendung, worauf Du sie hattest?


    Liebe Grüße vom Nobi

    Hier geht es zu meinen Themen.

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    Chips: 88 nach diversen Verlusten - 10 APR 2019 = 78

  • hier noch mal der Artikel von Benkert in fein:

    Super, und vielen, vielen Dank, Stefan!

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  • Servus Björn und alle anderen,


    schöne Funde, besonders gefallen mit natürlich die Helmlinge. :)


    1: Rotmilchende Helmlinge gibt es ja bei uns nur zwei, also ist nur die Auswahl zwischen haematopus und sanguinolenta. Deiner ist haematopus. Für sanguinolenta ist der etwas zu stmmig und der fransige Hutrand ist typisch für die Art, muss aber nicht immer vorhanden sein. Die beiden anhand der Cheilozystiden alleine zu unterscheiden ist schwierig, die von haematopus sind im Mittel größer und etwas breiter als die von sanguinolenta.

    Wenn man eine Kollektion hat, bei der man makroskopisch Zweifel hat, sind die Kaulozystiden das beste Merkmal (haematopus = unregelmäßig mit Knubbeln besetzt, sanguinolenta = zugespitzt, ähnlich den Cheilos).

    Die HDS sollte bei 1000-fach untersucht werden, anders sieht man die feinen Auswüchse kaum. Auch ist die Deckschicht sehr dünn, auf deinem Foto sieht man Zellen der Huttrama und/oder Subcutis.

    Ach ja, Beli, deine sind eindeutig zephirus. Die milchen nicht rot und haben jung nahezu keine Rottöne, nur die Flecken im Alter können die Hüte rot färben. Das kann aber auch schon sehr stark ausfallen, sodass man im ersten Blick nicht auf zephirus kommt, ich musste da auch schon welche mikroskopieren. Deine sind aber absolut typisch. Zephirus hat auch völlig andere Cheilozystiden als die Rotmilcher.


    10: Wie kamst Du hier auf minutella, an Birke wäre ja erst mal J. multiformis naheliegend? Habe damit aber zu wenig Erfahrung um dir hier makroskopisch etwas sicher sagen zu können.

    J. minutella fällt durch sehr kleine Sporen auf. Das weiße könnten austretende Asci sein, es scheint, dass die Masse aus den Ostiolen kommt.


    11: Atheniella flavoalba (= Mycena f.), solche sehr zart gelblich-weißen Farben sind absolut typisch.


    15: Bin kein Drüslingskenner, aber da spricht m.E. nix gegen den Warzigen Drüsling, Exidia plana/nigricans.


    26: Der ist in der Form etwas trickreich zu erkennen, aber das ist ne sehr wenig farbenfrohe Mycena aurantiomarginata.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.

  • Hallo Matthias,


    auch von mir vielen Dank für die Helmlingsbestimmung, insbesondere auch für die schöne Erklärung, wie man M. haematopus und M. sanguinolenta am besten unterscheiden kann. Nr. 26 hatte ich übrigens während deine Antwort kam gerade unter dem Mikroskop. Die Huthaut (und diesmal habe ich tatsächlich Huthaut erwischt) war irgendwie schwer zu beurteilen. Da waren schon so kleine, verzweigte Auswüchse, aber irgendwie erschien das alles wie in Gelatine oder so eingelegt und ließ sich nicht richtig fokussieren. Außerdem waren überall dort auch so kleine runde Knubbelchen zu sehen, vllt 1-2 µm im Durchmesser. Bei den Zystiden auf der Lamelle konnte ich dann aber sehr schön ganz kleine "Nubbel" auf den Zystiden erkennen :)


    Bei 10 hätte mein früherer Englischlehrer gesagt: Klarer Fall von gestörter Hand-Hirn-Verbindung ;-) Das werde ich dann gleich mal in multiformis korrigieren.


    Björn

  • Servus Björn,

    Tolle Strecke die du uns da zeigst!

    Das sieht mir nach einer Geopora aus. Die Sporen haben mich sehr beeindruckt, die wirkten, als wären sie mit einer lichtbrechenden Flüssigkeit gefüllt. Sporengröße:

    Diese Guttulen kommen bei vielen Ascomyceten vor.

    Bei Peziza ist das sogar ein Schlüsselpunkt, (mit, ohne,1,2 oder multiguttulat.)


    25. Pseudombrophila hepatica, mit besten Dank an Ra Da für die Bestimmung. Auch hier gab es wieder diese lichtbrechende Erscheinung an den Sporen.

    Hier irrst du dich aber meiner Ansicht nach, denn das was du hier als Guttule interpretierst ist der der Zellkern der Spore.

    Oder hast du was anderes gemeint weil du schreibst " an den Sporen"?




    Das wird oft verkannt und erschwert dadurch auch teilweise die Bestimmung.




    Zur Hypoxylon / Jackrodersiella


    10. Ebenfalls an Birke. Liege ich hier mit Jackrogersella multiformis richtig? Und was mag der weiße Belag sein?

    Das Weiße könnte auch das Anfangsstadium von Polydesmia pruinosa sein.



    Grüße

    Felli

  • Ahoi Björn,


    wieder richtig feine Sachen dabei! Ich ergänze mal:


    2) sieht für mich nicht so recht nach Entoloma sericeum aus. Die deutliche Hutriefung und die helle Farbe stören mich.

    3) Geopora hatte ich keine einzige dieses Jahr. Sehr schön!

    10) J. multiformis passt. Dieses Weiße sieht man öfter mal auf Kernpilzen, ohne dass es Polydesmia pruinosa ist. Das ist dann immer recht unförmig und ich würde es für etwas Anamorphes halten. Mikroskopiert hab ich es bisher nicht.

    12) würde ich für T. scalpturatum halten. Im Zweifel mikroskopieren: Die Sporenbreite unterscheidet sich von T. argyraceum. Wenn man Pech hat, landet man allerdings genau in der Mitte.

    15) Genau, Exidia nigricans.

    17) Man sieht leider nicht, wie striegelig die wirklich sind. Tendenziell sieht die fast wie eine Buckeltramete aus, allerdings hat die ja runde Poren. Ich bin mir nicht sicher, ob sie das ganz jung eventuell darf.

    26) Mega!


    LG, Jan-Arne

                                                                               
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  • Salut!


    17 ist schon Trametes hirsuta (Strieglige Tramete), weil diese Porenform kommt für gibbosa tatsächlich nicht in Frage, auch nicht die deutlch abstehenden Haare.

    12 Ja, mikroskopieren! Denn ich täte da eher an argyraceum denken (blass & kaum gilbend), aber die beiden Arten überschneiden sich in so ziemlich allen Merkmalen.



    LG; Pablo.

  • Hallo zusammen,


    Felli

    Mit der lichtbrechenden Flüssigkeit meinte ich weder die Guttulen noch den Kern (wobei ich aber nicht wußte, daß das bei Pseudombrophila ein Kern ist, also wieder was gelernt). Mir ging es eher darum, daß die Sporen im Mikroskop nicht gleichmäßig hell waren, sondern an der oberen Kante heller leuchteten, ganz so wie man es von einer Kugel, die mit einer stark lichtbrechenden Flüssigkeit gefüllt ist, erwarten würde. Auf den Fotos sieht man das nicht ganz so gut, weil die ja statisch sind und sich dieser helle Schein beim Bewegen des Kopfes nicht mehr verschiebt. Ich kann mir aber vorstellen, daß dieser Effekt gar nicht so selten ist bei Sporen, weil die ja letztenendes mit Wasser+Öl gefüllt sind.


    jan-arne

    Zur Entoloma: Die ist auf dem Foto schon etwas heller geraten als in der Realität - bei ganz hell und ganz dunkel macht der Fotoapparat ja oft komische Dinge. Der Pilz hatte auf jeden Fall den charakteristischen Mehl/Gurken-Geruch. Ansonsten habe ich ihn gerade aber auch noch unterm Mikro gehabt. Die Sporen sehen für mich schon subisodiametrisch aus und die Hutdeckschicht hat inkrustiniertes Pigment:




    jan-arne und Pablo

    So ich hab mal ein paar Sporenfotos gemacht und werde mich gleich mal ans Ausmessen begeben. Kann man sowas auch irgendwie automatisieren???



    Björn

  • Hallo, Björn!


    Wtf?!? Ich merke gerade, ich habe von scalpturatum keine Sporenbilder im Archiv?!?
    Muss bei Gelegenheit dringend nachgeholt werden.
    Ob die reinen Maße alleine so aussagekräftig sind, da bin ich nicht ganz sicher. Aber im Grunde ist es schon an der Form erkennbar: scalpturatum deutlich elliptisch bis ovoid; argyraceum mehr zylindrisch (also Seitenwände oft +/- parallel im Mittelteil).
    Bei deinen Aufnahmen wurde ich sagen: Zylindrisch ---> argyraceum


    Von argyraceum habe ich Kollektionen mit Sporenbildern, Folgende passt ganz gut zu deinem Fund:




    Das Messen mache ich eigentlich immer direkt am Okular. Manchmal etwas mühsam, wenn die Sporen mit hoher kinetischer Energie ausgesattet sind, ist aber dafür relativ sicher und hält einen auch davon ab, Werte im 0,1 - µm - Bereich zu messen, was schon durch die gegebene Unschärfe des Objektivs auch bei voll geöffnetem Kondensor eigentlich optisch gar nicht möglich ist. :gzwinkern:



    LG, Pablo.

  • Hi Pablo,


    gut, dann werde ich den Fund mal unter T. argyraceum ablegen. Das mit der kinetischen Energe hielt sich hier tatsächlich in Grenzen, die Unschärfe kommt eher von der kinetischen Energie der Kamera - ich warte immer noch auf meinen T2-Adapter-Ring. Und wahrscheinlich hast du Recht, daß man das besser am Okular mißt, aber ich dokumentiere die Dinge halt gerne fotografisch und dachte, daß ich dann auch da gescheit messen kann - idealerweise automatisiert und mit großer Statistik. Aber das Mykologenleben ist offenbar kein Wunschkonzert ;)


    Björn

  • Hallo, Björn!


    Doch, das geht schon auch. Irgendwo gab's auch im Forum schon ein Thema, wo verschiedene Programme dazu vorgestellt wurden... nur find' ich's gerade nicht auf Anhieb.

    Je nach dem, ob man die Kamera fest am Mikro installiert, und immer mit gleichem Fokus und Auflösung fotografiert, kann man entweder eine automatische Voreinstellung einrichten, oder muss halt die Skala vom Messokular mitfotigrafieren und dann bei jedem Bild neu eichen.
    Wobei ich's mal probiert habe, und auch bei meinen freihändigen Mikroaufnahmen durch's Okular sind die Abweichungen so im Bereich nicht messbar bis 0,05µm. Also irrelevant.
    Randnotiz: Wenn es nur um die morphologische Bestimmung von Pilzen geht, sind bei den Sporenmaßen Werte im 0,1 - µm - Bereich nicht mehr zielführend und auch nicht relevant. Es reicht völlig auf 0,5 µm oder im Extremfall 0,25 µm zu runden, auch das ist eigentlich schon übertrieben, weil die Sporenmaße ja schon innerhalb einzelner Fruchtkörper generell im Bereich mehrerer µm schwanken.

    Und die natürlichen Messfehler kommen so oder so dazu. Ich meine, egal mit welchem LM du beobachtest, und egal in welchem Medium, hat eigentlich jede Spore immer einen unscharfen Rand, dieser Unschärfebereich alleine bewegt sich schon im Bereich um 0,1µm. Insofern muss man da nicht allzu päbstlich sein. :gzwinkern:



    LG, Pablo.

  • Hallo zusammen,


    also für mich ist das wieder einer der gehassten Zwischenfälle. 5,1 x 3,1 passen nicht überzeugend zu T. scalpturatum (average 4,9-5,2 x 3,2-3.8 - Werte nach FNE4), aber auch nicht vollends überzeugend zu T. argyraceum (average: 4,7-5,6 x 2,6-3,2 - Werte nach FNE4). Natürlich kommt es jetzt darauf an, wie viele Sporen Björn gemessen hat, aber Werte finde ich - weil messbar - dann doch aussagekräftiger als der Eindruck, dass die Sporen zylindrisch sind oder eben nicht. Deshalb tu ich mich mit den beiden - auch mit dem Mikro - häufiger schwer. Der Quotient (bzw. die Form - average: 1,40-1,54 vs. 1,65-1,98 - Werte nach FNE4) passt hier übrigens, wenn man pingelig ist, ebenfalls nicht, denn der läge bei 1,645 und würde nur aufgerundet gerade so passen.


    LG, Jan-Arne

                                                                               
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  • Hallo, Jan-Arne!


    Klar, solche "harten Zahlen" sind verführerisch - aber eben längst nicht so "exakt" wie man das gerne hätte.

    Um einen sinnvollen Qm zu ermitteln, sollte man schon mindestens 15-20 Sporen messen, und zwar aus dem Abwurf eines voll aufgeschirmten, aber noch nicht überalterten Fruchtkörpers, dabei unbedingt in Leitungswasser (oder KOH3%), auf keinen Fall in anderen Medien oder Reagenzien oder gar Färbemitteln, außerdem ausschließlich Sporen messen, die in einer Ebene und auf der Seite liegen (siehe Position des Apikulus). Ansonsten (falls eines davon nicht zutrifft) kannst du die Werte bei so feinen Unterschieden vergessen.

    Keine Ahnung, ob das hier alles so eingehalten wurde.


    Was die Sporenformen betrifft, ein kleines Beispiel.

    D oder O ?
    Die beiden Großbuchstaben sind zwei verschiedene Sporen. Nehmen wir mal an, die sind ausgemessen und haben nun beide exakt die gleiche Länge, auch exakt die gleiche Breite (also auch identischen Qotient), aber irgendwie sind sie trotzdem nicht so wirklich gleich, oder? Soll heißen: Der Quotient sagt schon was über die Form aus, aber eben viel weniger, als man beim Gesamteindruck der Spore visuell wahrnehmen kann. :gzwinkern:

    Ist aber auch nicht konstant bei den beiden Arten, natürlich variiert auch die optische Form der Sporen innerhalb jeder Art.

    Darum zählt nachher eh immer wieder das Gesamtbild, der eindruck aus allen verfügbaren makroskopischen, mikroskopischen und ökologischen Merkmalen.



    LG; Pablo.

  • Hallo Pablo,

    Was die Sporenformen betrifft, ein kleines Beispiel.

    D oder O ?
    Die beiden Großbuchstaben sind zwei verschiedene Sporen. Nehmen wir mal an, die sind ausgemessen und haben nun beide exakt die gleiche Länge, auch exakt die gleiche Breite (also auch identischen Qotient), aber irgendwie sind sie trotzdem nicht so wirklich gleich, oder? Soll heißen: Der Quotient sagt sc

    Ist alles korrekt, was du sagst, aber für mich stimmt die Ausgangslage nicht. Der Vergleich hinkt insofern, als dass wir es ja keineswegs mit beispielsweise ellipsoiden vs. allantoiden Sporen zutun haben. Die sind beide symmetrisch und deshalb kann man sich hier schon eher auf die Sporenwerte verlassen als auf den nicht-messbaren Eindruck.


    Ich vertraue natürlich deiner Erfahrung, was die Bestimmung angeht - versteh das nicht falsch. Aber ich würde diesen tendenziell eher darauf beziehen, dass du anhand der Übersichtsbilder die Sporen als insgesamt eher zylindrisch erkennst. Wenn Björn also mehr Sporen gemessen hätte, hätten sich die Werte eindeutiger in Richtung T. argyraceum (Sporen tendenziell schmaler, Sporenquotient tendenziell größer) bewegen müssen, um den subjektiven, auf deiner Erfahrung beruhenden Eindruck messbar zu machen.


    LG, Jan-Arne

                                                                               
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  • Hej.


    Das ist vielleicht auch eine etwas andere Herangehensweise. Ich bin ein eher visueller Typ, so daß (nach einigen Kollektionen) das Beurteilen der Form recht leicht fällt - sofern die denn konstant ist innerhalb einer Art. Wobei ich da auch schon auf Fälle gestoßen bin, wo ich eine Einteilung nicht nachvollziehen kann.
    Zylindrisch bedeutet für mich eben, daß da zumindest für eine gewisse Strecke die Seitenwände einer Spore in Seitenlage +/- parallel sein müssen. Die Enden können dann wieder abgerundet sein, aber die Seitenwände eben beidseitig für ein Stückchen gerade und nicht gekrümmt.

    Was die Maße betrifft: Ich fürchte, daß das bei Ritterlingen ähnlich problematisch ist, wie bei diversen Röhrlingsgattungen: Nämlich stark abhängig vom Alter eines Fruchtkörpers bei der Entnahme vom Mycel.

    So als Beispiel mal hier Sporen von Suillellus mendax:


    Wenn du Lust hast, kannst du es ja nachmessen, aber da kommt man beim besten willen nicht zu einem Qm von > 2,6.

    Weil der Fruchtkörper, von dem der Sporenabwurf stammt, halt so aussieht:


    ...also der rechts natürlich. Offenbar viel zu jung, der Abwurf so dünn und blass, daß es mir nichtmal ein Foto wert war, und die notgereiften Sporen eben konstant zu kurz (bei normaler Breite). Diverse Porlinge und Krusten können das auch, solche zu knapp geratenen Sporen bei zu jung entommenen Fruchtkörpern.

    Bei dem Mendax - Beispiel hätte man aber wieder eine kleine Chance durch die Form: Nämlich anhand der ziemlich konstant deutlich ausgeprägten Hilardepression.
    Die gibt es zwar bei Bletus luridus auch, aber in der Regel schwäccher und bei weniger Sporen ausgeprägt. Hier Suillellus luridus zum Vergleich, allerdings von vollreifem Fruchtkörper:


    Den Unterschiedlichen Qm bei diesem Beispiel würde ich übrigens nur so auf Sicht auch nicht mehr wahrnehmen können.
    Darum gehört Messen natürlich so oder so immer dazu.

    Wie immer ist dann halt auch der Gesamteindruck wichtig, denn eine Bestimmung nur auf ein einzelnes Merkmal zurückzuführen, ist immer recht heikel.



    LG; Pablo.

  • Hi Pablo,


    danke für die Darstellung! Jetzt weiß ich tatsächlich genauer, was du meinst. Und diese nicht immer ganz klaren Fälle gibt's nun mal in der Pilzwelt. Ob nun zu jung oder zu alt oder etwa durch andere Einflüsse beeinträchtigt wie etwa Frost (?) - sie, also die Pilze, wollen es uns nicht zu leicht machen. :)


    LG, Jan-Arne

                                                                               
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  • Hallo Björn,

    25. Pseudombrophila hepatica, mit besten Dank an Ra Da für die Bestimmung. Auch hier gab es wieder diese lichtbrechende Erscheinung an den Sporen.

    ?thumbnail=1


    ?thumbnail=1

    Der Parasit könnte in Richtung Didymopsis cf. helvellae gehen.

    Ich hatte damals einen ähnlichen Befall bei einer Neottiella albocincta finden können (Siehe hier).


    VG : Thorben

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