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letzter Beitrag von Craterelle am

Aus der Praxis der Pilzsachverständigen

  • Hallo Pilzprofis,


    beim Durcharbeiten der Prüfungsfragen in unserer Lerngruppe hat sich ein Problem herauskristallisiert, das die Praxis bei der Pilzkorbkontrolle betrifft. Und das wird uns vermutlich noch häufiger begegnen, deshalb der Thread dazu.


    Ich nenne mal ein Beispiel. Es gibt eine Frage nach der Pilzkontrolle von 3kg Trompetenpfifferlingen. Sie ist beim Artenschutz angesiedelt, was der Prüfling aber nicht weiß.


    Die Frage lautet so:

    Ein Ratsuchender legt ihnen in der Pilzberatung ca. 3 Kilogramm Trompetenpfifferlinge (Cantharellus tubaeformis) vor. Wie verhalten Sie sich?


    Vermutlich ist die richtige Antwort - belehren, dass der Pilz unter Artenschutz steht und maximal 1 kg gesammelt werden darf. (und den Rest selber essen==Gnolm7- natürlich nicht, Pilzberater dürfen keine Pilze einbehalten, sind ja auch keine Ordnungsämter, die Strafen verhängen können)


    ABER: Ich habe die Frage sofort - und da geht es sicher um meine falsche Lesart - so interpretiert, dass ich den Korb eigentlich nach Gallertkäppchen durchsuchen sollte. 3 kg Trompetenpfifferlinge! Dass ein Einzelner solche Mengen so viele sammelt ist sehr unwahrscheinlich. Aber falls das doch passieren sollte, da hört der Spaß für mich wirklich auf. Wir haben das eine Weile diskutiert und Craterelle hat die pädagogisch sinnvolle und salomonische Lösung vorgeschlagen, nach der Belehrung über die Mengenbegrenzung auf die Verwechslungsgefahr mit dem Gallertkäppchen hinzuweisen und einen kleinen Teil der Pilze gemeinsam mit dem Ratsuchenden zu sortieren und die Merkmale dabei genau zu erklären. Dann wird nur dieser Teil freigegeben.


    Meine Fragen:

    Was würdet Ihr tun?

    Wie verhaltet Ihr Euch, wenn ein Einzelner mit 2 Körben und einem Rucksack voll Pilze (übertrieben) zur Kontrolle kommt, obwohl bei Euch nur 1 kg erlaubt ist. Kontrolliert Ihr das alles?

    Was tut Ihr, wenn jemand Unmengen Pilze sammelt, quasi alles, was im Wald steht, und Euch das Sammelsurium zur Auslese bringt (ich glaube Nobi hat mal von so einem Fall berichtet)?

    Wie häufig sind solche Extremfälle?


    Es geht ja nicht nur um Regeln und Verbote sondern auch darum, Einfluss auf das Sammelverhalten zu nehmen. Deshalb wäre es schön, wenn Ihr ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern würdet.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

  • Über die zulässigen Mengenbegrenzungen kläre ich kurz auf, mehr nicht. Wenn jemand große Mengen bringt, z.B. mehrere Körbe Hallimasch, verlange ich einen Stundenlohn für die Durchsicht.
    Wenn jemand mit einem Sammelsurium kommt, sehe ich die Pilze durch und erkläre sie. Dann weise ich darauf hin, dass derjenige sich an eine Pilzgruppe anschließen oder an Führungen teilnehmen soll und nur solche sammelt von denen er weiß oder stark vermutet, dass sie eßbar sind. Von ihm unbekannten Pilzen kann er gerne ein oder zwei Exemplare mitbringen. Er bekommt außerdem gesagt, dass ich wahllos gesammelten Pilze nicht ein zweites mal kontrolliere.
    Für mich ganz wichtig:
    Wer mir Pilze zur Bestimmung der eßbarkeit vorlegt muss sich vorher damit einverstanden erklären, dass alle von mir nicht freigegebenen Pilze bei mir verbleiben. Er kann gerne zusehen, wenn ich diese Pilze auf dem Kompost zermatsche. Ich möchte nicht in die Verlegenheit kommen, dass jemand nicht freigegeben Pilze trotzdem isst und nachher behauptet, ich hätte sie freigegeben.

  • Ich denke das Vorgehen von Ralf klingt vernünftig.

    Auf jeden Fall sollten die Sammler über die Sammelbegrenzungen aufgeklärt werden. Die meisten wissen es wirklich nicht. Das ist ein wichtiger Punkt.

    Falls jemand seine giftigen Pilze nicht "abgeben" will, dann muss man das auf jedenfall dokumentieren.

    Ich denke es gibt eher Probleme, wenn man probiert zu alte Pilze auszusortieren. Da kann man dann eher hören "die gehen doch noch!"


    Gruß Nosozia

  • Ich denke es gibt eher Probleme, wenn man probiert zu alte Pilze auszusortieren. Da kann man dann eher hören "die gehen doch noch!"

    Ja, das höre ich manchmal. Aber weil vorher vereinbart wurde, dass nicht freigegeben Pilze bei mir verbleiben ist das Endergebnis klar. Probleme hatte ich dabi noch nicht.

  • Hi,


    also ich hatte bister nur einen Fall, mir Leute Waschkörbeweise Pilze gebracht haben. Zum Glück war die Sache recht übersichtlich, denn ein Waschkorb enthielt H. fasciculare und der andere G. junonius. Ich hab die Pilze nicht zum Verzehr freigegeben, habe die Leute sensibilisiert, dass sie nicht maßlos irgendwelche Pilze waschkörbeweise sammeln sollten, haben ihnen gesagt, dass 2-3 Fruchtkörper pro Art für eine Beratung ausreicht und sie belehrt, dass es Sammelmengenbeschränkungen gibt und fertig.


    Zu der konkreten Prüfungsfrage oben:


    1. stammt die nicht aus dem Bereich Naturschutz, sondern aus der Kategorie PSV-Praxis. :)

    2. wäre es angbracht nicht zu viel in solche Sachen reinzuinterpretieren. Ihr denkt viel zu kompliziert.


    Es ist richtig auf Sammelmengenbeschränkungen für bestimmte, geschützte Arten hinzuweisen. Bei den Pfifferlingen ist es ja so, dass 1-2 kg Frischpilze pro Tag und Person ja möglich sind, wobei es sich bei den konkreten Zahlen "nur" um Regelungen handelt, die von bestimmten Landkreisen ausgegeben worden sind. (Bei 3 kg würde ich ehrlich gesagt noch gar nix sagen; in der Praxis. Bei deutlich über 5 kg aber dann schon.) Es gelten ansonsten diesbezüglich die Gesetze der jeweiligen Bundesländer. Auf Verwechslungsmöglichkeiten kann man hinweisen, sowie an die Leute apellieren, zukünftig bedachtsamer mit der Natur umzugehen und zu bitten, dass die Sammler zukünftig bitte die Sammelbeschränkungen einhalten.


    Die Fragen sind deswegen so offen gestellt, weil die Prüflinge auch kategorieübergreifend denken und handelns sollten. Dazu sind solche Fragen aus meiner Sicht ein geeigneten Prüfmittel.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Bei den Pfifferlingen ist es ja so, dass 1-2 kg Frischpilze pro Tag und Person ja möglich sind, wobei es sich bei den konkreten Zahlen "nur" um Regelungen handelt, die von bestimmten Landkreisen ausgegeben worden sind. (Bei 3 kg würde ich ehrlich gesagt noch gar nix sagen; in der Praxis. Bei deutlich über 5 kg aber dann schon.) Es gelten ansonsten diesbezüglich die Gesetze der jeweiligen Bundesländer. Auf Verwechslungsmöglichkeiten kann man hinweisen, sowie an die Leute apellieren, zukünftig bedachtsamer mit der Natur umzugehen und zu bitten, dass die Sammler zukünftig bitte die Sammelbeschränkungen einhalten.

    Hallo Stefan, gerade habe ich gelernt, dass Pfifferlinge nach dem Bundesartenschutzgesetz geschützt sind und maximal ein kg gesammelt werden darf.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

  • Hallo Stefan, gerade habe ich gelernt, dass Pfifferlinge nach dem Bundesartenschutzgesetz geschützt sind und maximal ein kg gesammelt werden darf.

    Hast du auch eine entsprechende Gesetzesquelle dazu? Ich wage mal die Behauptung, dass du keine finden wirst. In der Bundesartenschutzverordnung wird nur von "geringen Mengen zum Eigenbedarf" gesprochen. Eine Formulierung die sehr viel Interpretationsspielraum zulässt.

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Davon abgesehen, dass der von Claudia beschriebene Fall rein spekulativ ist und im wahren Leben sicher nicht vorkommt, tauchen natürlich immer wieder Ratsuchende bei der Pilzberatung auf, die die Körbe übervoll haben. Bei solchen Zeitgenossen tut natürlich die schon angesprochene Aufklärung not, auf der anderen Seite zeigen meine Erfahrungen, dass meistens bei diesen Vielsammlern so gut wie keine Kenntnis vorhanden ist ("Ich habe gelesen, es gibt eine Pilzberatung, da bin ich mal in den Wald gegangen...") und dass der Korbinhalt entsprechend ist, also 90% Ausschuss. Die anderen 10% werden dann eigentlich auch verworfen, weil " das lohnt ja nicht mehr". Meistens hören solche Leute auch nicht zu, denen ist egal, wie die Pilze heißen und es ist nur die Einteilung in essbar oder nicht essbar erwünscht. Das sind dann aber auch Leute, die meistens nur einmal und nie wieder auftauchen, weil sie dann vielleicht doch irgendwie mitkriegen, dass die Materie zu komplex ist.

    Ernsthafte Pilzsammler kommen und haben schon Meinungen und dann auch ein Pilzbuch dabei und schreiben sich auf, was erzählt wird.


    Diese Übervoll-Körbe-Sammler sind zum Glück nicht allzu häufig, kommen aber immer wieder mal reingeschneit. Man Rat ist dann immer: Wenn ihr Pilze essen wollt, dann geht in den Supermarkt und kauft euch eine Schale Champignons, dann seid ihr auf der sicheren Seite.


    Beste Grüße

    Harald

  • Davon abgesehen, dass der von Claudia beschriebene Fall rein spekulativ ist und im wahren Leben sicher nicht vorkommt...

    Hallo Harald,


    ähm, vielleicht doch... Auf einer Pilzexkursion letztes Jahr gerieten wir mit 20 Leuten ins Trompi-Wunderland.:D

    Ok, wir kannten die und auch der Exk.-Leiter. Könnte ja aber sein, dass ein Einzelner dieser Gruppe auf dem Weg vom Wald zum Treffpunkt (zur Verköstigung) nochmal kurz Zwischenstopp beim PSV macht, zwecks 200%iger Absicherung. Es gibt ja übervorsichtige Anfänger...der kommt alleine dann mit 3 Kg oder mehr und erzählt Euch die Geschichte von der Exkursion.... die ihr natürlich glaubt :cool:


    Das sind ja so typische Ausnahmen/Extrem-Szenarios, die einem in diversen Prüfungen aller Studienrichtungen gerne zusammen gebaut werden. Standardfälle? Nö, zu einfach.


    Grüsse aus dem Moseltal

    Marco
    ----------------------------------------------------------------------------
    Wenn das Leben Dir einen Korb gibt... geh Pilze sammeln. ==18

  • Für mich ganz wichtig:
    Wer mir Pilze zur Bestimmung der eßbarkeit vorlegt muss sich vorher damit einverstanden erklären, dass alle von mir nicht freigegebenen Pilze bei mir verbleiben. Er kann gerne zusehen, wenn ich diese Pilze auf dem Kompost zermatsche. Ich möchte nicht in die Verlegenheit kommen, dass jemand nicht freigegeben Pilze trotzdem isst und nachher behauptet, ich hätte sie freigegeben.

    Das halte ich für vorbildlich.

    Zwar sind wir - auch als PSV - nicht berechtigt, jemandem Pilze abzunehmen,

    seien sie noch so gefährlich. Das wäre dann wohl ein Eigentumsdelikt.

    Wenn es aber vorher vereinbart ist (notfalls schriftlich), geht das in Ordnung.

    Es muss ja niemand zustimmen. Aber ich muss auch nichts kontrollieren.


    LG

  • Ich finde die Idee hat was. Allerdings hätte ich dann um so mehr Schwierigkeiten, etwas einfach nur deshalb zu verwerfen, weil es mir zu viel zum Durchsehen ist. In der Lerngruppe hatte jemand die Stategie beschrieben, Ratsuchende mit großen Mengen Sammelgut nicht wegzuschicken, sondern "in die Ecke", bzw. dies zumindest anzubieten. Also so, dass sie wilde Mischungen nach ihren Möglichkeiten in Gruppen sortieren, oder im Beispiel der Trompetenpfifferlinge z.B. alle mit dem Stiel nach oben nebeneinander auslegen, so dass der PSV schneller prüfen kann, ob sich ein Gallertkäppchen darunter befindet.


    Was haltet ihr davon?

  • Apropos Gallertkläppchen,

    ich habe mal abends unterwegs in der Nähe eines Parkplatzes Tompeten gefunden und eingesammelt.

    Beim Putzen habe ich dann Hautköpfe aussortiert!

    Nicht mehr ganz nachvollziehbar wie das zuging, aber die müssen schon durcheinander gewachsen sein und bei gutem Licht Pilze sammeln ist definitiv besser.

    Ich hatte bisher noch keine nennenswerte Probleme mit Ratsuchenden. Und wer den Ausschuss entsorgt, entscheidet sich von Fall zu Fall.

    Im Zweifelsfall ist das Vorgehen von Rada eine gute Idee.


    viele Grüße

    Alis


    Ergänzung:

    Gallertköpfchen muss man doch nicht aussortieren, die hüpfen doch von selbst aus der Pfanne.

    Zitat Walter Pätzold: "Selbstsortierende Pilzpfanne".

    Hab ich übrigens schon mal probiert, das geht! Naja, vielleicht finden ja nicht alle aus der Pfanne, aber hüpfen tun sie.

  • Wer mir Pilze zur Bestimmung der eßbarkeit vorlegt muss sich vorher damit einverstanden erklären, dass alle von mir nicht freigegebenen Pilze bei mir verbleiben. Er kann gerne zusehen, wenn ich diese Pilze auf dem Kompost zermatsche. Ich möchte nicht in die Verlegenheit kommen, dass jemand nicht freigegeben Pilze trotzdem isst und nachher behauptet, ich hätte sie freigegeben.

    Servus Rada,


    im Prinzip versuche ich das auch, nur kann man es auch im Nachhinein nicht erzeingen. Zudem kann es auch sein, dass jemand einen Pilz wieder mitnehmen will, weil er die Bestimmung daheim nochmal nachvollziehen will, den Fruchtkörper nochmal genau ansehen will usw.


    In dem Fall lasse ich mir per Unterschrift bestätigen, dass Pilze, die ich als nicht verzehrbar (oder gar als gifitg) deklariert habe, wieder mitgenommen wurden. Damit bin ich aus dem Schneider, wenn mit denen etwas passieren sollte.


    Sammler mit großen Mengen bekommen ich kaum zu Gesicht. Das passierte mir, als ich mal über die Gemeinde eine feste Pilzberaterstunde eingerichtet hatte - das kommt manchen dann wie eine Dienstleistung der Gemeinde vor, entsprechend mit Anspruchsdenken mit gegenüber. Seit ich Pilzberatung privat per vorheriger telefonischer Vereinbarung mache, kommt das praktisch nicht mehr vor.


    Sollte jemand einen ganzen Korb voll unbekannter Pilze mitbringen, um dann die essbaren aussortiert zu bekommen, kläre ich ihn über den "Frevel", dass die meisten unnötig gesammelt wurden und jetzt weggeschmissen werden müssten, auf. Das alles immer höflich, den nur dann kann man etwas bewirken. Beim Erstebesuch bespreche ich dann auch die Arten - für zukünftige Versuche bitte ich dann, entweder unbekannte komplett einzeln zu verpacken und mitzubringen (Dose, Schachtel, notfalls Alufolie) und die Pilzberatung, was kulinarische Dinge angeht, nur als Überprüfung der eigenen Bestimmung anzusehen.


    Das klappt meist sehr gut. Ich habe seit vielen Jahren keine negativen Erfahrungen mehr gemacht.


    Liebe Grüße,

    Christoph

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