Welcher Riesenschirmling?

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema, welches 502 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Tricholomopsis.

  • Hallo Forum,


    ich habe hier einen Riesenschirmling, bin mir bei der Artbestimmung aber unsicher. Ich schreibe im Folgenden mal meine Überlegungen dazu. Ich habe mir schon Einiges angesehen, was an Arten in Frage kommen könnte, bin mir aber unsicher bei der Einordnung bzw. "Gewichtung" der Merkmale. Wäre super, wenn Kundige mir da ein bisschen helfen könnten, möglichst nicht nur "Ist diese oder jene Art", sondern auch an welcher Stelle ich richtig liege oder wo ich falsch abgebogen bin...


    Vorneweg: Gefunden vor ein paar Tagen im nördlichen Niedersachsen in einem Laubmischwald. Nicht am Waldrand und auch nicht direkt am Weg. Der Ring ist klar verschiebbar, Riesenschirmlinge sollte also passen.


    (a) Den Gemeinen Riesenschirmling (Macrolepiota procera) würde ich ausschließen. Wuchsort und schächtige Erscheinung sprechen schon ein bisschen dagegen. Klar dagegen spricht nach meinem Verständnis das, wenn auch nur leichte, Röten der Stielrinde im Schnittbild, siehe Bild (5). Ist das bisschen Röten schon ausreichend? Weiterhin würde ich die Stieloberfäche (Bild 4) zwar als genattert interpretieren, aber viel feiner als ich das von M. procera kenne.


    (b) Safranschirmling würde ich ausschließen, weil nach meinem Verständnis nicht nur die Stielrinde, sondern auch das Fleisch röten müsste, was es nicht tut. Also scheidet die gesamte Gattung Chlorophyllum aus...


    (c) ...und ich lande bei Macrolepiota. Der Zitzen-Riesenschirmling (M. mastoidea) könnte ein Kandidat sein, oder vielleicht der Sternschuppige Riesenschirmling (M. rhodosperma). Aber eine ausgeprägte Zitze sehe ich auf Bild 1 eher nicht. Und eine ausgeprägte große und Sternförmige Schuppe? Naja... Leicht ablösbare Schuppen, ja, die gibt's, das würde zumindest halbwegs passen.


    Und dann lese ich noch über Eigenschaften und Ausprägungen des Rings, aber da komme ich mit den Beschreibungen/Unterscheidungen nicht wirklich zurecht.


    So, jetzt würde ich mich sehr über eure Kommentare und Hilfestellungen freuen. Danke!

    mik.


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  • Hallo mik, ich kann dir leider nichts Näheres zur Art deines Fundes sagen (da kennst du dich besser aus als ich), nur, daß ich deinen Ansatz vorbildlich finde. So fundierte und gut vorrecherchierte Anfragen gibt es nicht immer...

    Pilzige Grüße,

    Grüni/Kagi ==12


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  • Servus mik,


    Macrolepiota definitiv. Macrolepiota procera aber definitiv nicht (Ring nicht dick genug, Fleisch rötet zu stark). Bei Riesenschirmlingen ist die Sporenpulverfarbe ein wichtiges Merkmal. Ich denke hier aber auch ohne die Bestätigung durch die Sporenpulverfarbe, dass es Macrolepiota rhodosperma sein müsste. Der Ring ist komplex, aber dünner als bei M. procera, der Fruchtkörper an sich schmächtiger und die Schuppen auf dem Hut würden auch passen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Vielen Dank für die sehr hilfreichen Antworten! Die Sporenpulverfarbe war mir als Kennzeichen durchgerutscht, weil ja doch die meisten Riesenschirmlinge weißes Sporenpulver haben. Aber halt nur die meisten, danke Tricholomopsis für den Hinweis. Vielleicht kann ich die Farbe noch nachliefern. Auch wenn Macrolepiota rhodosperma auch so schon konsens zu sein scheint.

    mik.

  • Hallo mik,


    da hast Du Dir für den Start eine harte Nuss ausgesucht.


    Ich halte rhodosperma für denkbar, aber keineswegs als gesichert.

    Nicht zu rhodosperma passt die Hutdeckschicht, die bis in die Hutmitte zu kleinen Flöckchen zerreißt.

    Der selten genannte Doppelgänger wäre dann die "echte konradii", die genetisch aber in den mastoidea-Komplex gehört.


    Leider hilft die Sporenpulverfarbe auch nicht unbedingt, weil nicht alle Funde von rhodosperma wirklich rosa SPP haben, sondern in einem Bereich von cremeweiß bis schweinchenrosa ist alles drin. Die "echten konradii", die ich bisher genetisch überprüft habe, hatten weißes bis cremeweißes SPP.


    Wenn Du ein Stück sorgfältig getrocknet hast, würde ich das für Dich sequenzieren.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Hallo Christoph und Wolfgang,


    hatte diese Kollektion damals als M. rhodosperma bestimmt. Was meint ihr beiden dann dazu? Daten kann ich nachliefern. Nur mal so jetzt als Gesamteindruck. Ehrlich gesagt, hab ich mir die Sporenpulverfarbe überhaupt nicht angeschaut.


    Grüßle

    Jürgen

  • Hallo zusammen,

    Sehr interessante Besprechung,


    Ich hätte (mich) auch gefragt ob ein Rhodosperma überhaupt so viele kleine Hutschuppen haben kann / darf.


    Es ist manchmal gar nicht einfach zwischen den Riesenschirmlingen zu unterscheiden.


    Hinzu kommt noch, daß es bei M. Procera auch diese rußbraune Variante gibt, die einfach zu bestimmen ist, aber eben auch die weißliche helle Variante.

    Da wäre meine konnexe Frage, sorry falls das off-topic sein sollte, ob der rußbraune (auch genetisch) zur gleichen Art M. Procera als Variante, oder ob der rußbraune und der weißliche zwei unterschiedliche Arten sind.


    Schöne Grüße,

  • Hallo Albus,

    Ja, die rußbraune Form ist auf den üblichen Loci genetisch nicht abtrennbar.

    Ob da noch was kommt? Könnte schon sein, dass mit sich rasch weiter entwickelnden genetischen Methoden nochmal neue Trennverfahren in Mode kommen. Aktuell muss es auf Basis der gesicherten Fakten "procera f. fuliginosa" heißen.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Ich halte rhodosperma für denkbar, aber keineswegs als gesichert.

    Nicht zu rhodosperma passt die Hutdeckschicht, die bis in die Hutmitte zu kleinen Flöckchen zerreißt.

    Der selten genannte Doppelgänger wäre dann die "echte konradii", die genetisch aber in den mastoidea-Komplex gehört.

    Servus Wolfgang,


    gesichert ist eine Bildbestimmung in einem Forum ohnehin selten. Wenn du den Fund sequenzieren lässt, würde sich das natürlich klären. Mir paast halt der Ring nicht zu Macrolepiota procera s.l. und auch nicht zu M. konradii s.str. (der hat ja nur den sehr dünnen, einfachen Ring, während ich hier einen doppelten Ring sehe, bei dem es zwischen der Abrisskante des Velum universale und dem Velum partiale einen kleinen Zwischenraum, die ominöse Laufrille, gibt - ich meine, sie auf einem Foto sehen zu können). Ich gehe mehr nach dem Ring als nach den Hutschuppen, was nicht heißen muss, dass diese Gewichtung dann stimmen muss. Gut, dass zumindest M. rhodosperma molekular abtrennbar ist.


    Kurz zum M. procera-Formenkreis. Selbst Macrolepiota (procera f.) permixta, die wirklich sowas von anders aussieht (siehe Typisierung), lässt sich in der ITS nicht von M. procera abtrennen. Ich vermute da, dass der/die Marker in der Artengruppe nicht greifen. M. (procera f.) fuliginosa empfinde ich auch als makroskopisch gut greifbar, aber auch da, wie du schreibst, hat man noch keinen passenden Locus für eine molekulare Trennung (jedenfalls auch meines Wissens nach). Mich würde dennoch wundern, wenn all das das Gleiche sein sollte. Mal schauen, was man in Zukunft da noch rausfinden wird.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Servus Wolfgang,


    oh, das ist ja wirklich spannend! Danke für die Info!


    Liebe Grüße,

    Christoph