Prüfung zum PSV: Gattungen erkennen

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  • Liebe Experten,

    ich plane für Herbst die Prüfung zum PSV. Öfters liest man, dass man nicht alle Pilze bis auf Artebene bestimmen muss, aber die Gattung erkennen sollte. Allerdings finde ich das oft extrem schwierig. Nehmen wir zum Beispiel den rosa Rettichhelmling: wenn ich den nicht sowieso schon gut kennen würde, fände ich es ziemlich schwierig, den zu den Helmlingen zu ordnen (Größe, Stiel, Hutform, …)

    Oder auch Trichterlinge: Etliche sind so gar nicht trichterlingsförmig, haben eventuell sogar aufsteigende Lamellen.

    So etwa 400 Pilze kenne ich einigermaßen, aber wenn dann ein untypisches Exemplar vorliegt!?

    Sehe ich das richtig, dass man dann einfach oft nicht auf die Gattung kommen kann?


    Vielen Dank für eure Hilfe.

    Alex

  • Hallo Alex,


    du musst in einer PSV-Prüfung nicht jeden einzelnen Pilzfruchtkörper (also 100%) einer bestimmten Gattung zuordnen können. Wenn ein oder zwei Pilzfruchtkörper darunter sind, die du gar nicht bestimmen kannst, dann kannst du das auch so kommunizieren (in der praktischen Korbkontrollprüfung). Eine gewisse Gattungskenntnis wird aber definitiv vorausgesetzt. Aber trotzdem gilt aus meiner Sicht: lieber einen Pilz als nicht kenntlich bestimmen, als eine Fehlbestimmung! Relevant sind vor allem die tödlich giftigen Arten und giftigen Arten. Außerdem natürlich eine Reihe von Speisepilzen die du kennen solltest.
    Untypische Exemplare wirst du sehr wahrscheinlich bekommen. Die bekam ich auch damals während der Prüfung. Darunter waren zum Beispiel absichtlich abgeschnittene Amanita-Arten, Gifthäublinge nur mit Hut und ohne Stiel, kleinste Pilzfragmente die nicht mehr zuordbar waren, usw. Es ist auch gut, dass dies so passiert, denn in deiner anschließenden Tätigkeit als PSV wird man oft mit solchen bzw. unvorhersehbaren Situationen konfrontiert.

    Speisepilze mit Merkmalsabweichungen würde ich persönlich niemals freigeben. Die PSV-Prüfung setzt auch eine gewisse Erfahrung voraus. Die Prüfer werden das auch merken. Du solltest in die Prüfung sehr gut vorbereitet starten. Unsicherheit kommt auch nicht gut an, denn mit der Prüfung sollst du auch zeigen, dass du Pilze wirklich sicher einschätzen kannst im Hinblick auf ihren Speisewert. Wenn du mal PSV bist und regelmäßige Pilzwanderungen durchführen solltest, dann wird es ständig zu unvorhersehbaren Situationen kommen auf die du adäquat reagieren musst. Ich persönlich wurde auch schon einiges gefragt auf meinen Pilzwanderungen, was ich davor nie in einer Prüfung oder einem Buch gelesen oder recherchiert habe. Dann kommt es auf das verknüpfte und zusammenhängende Wissen an. Bereite dich so gut es geht vor. Gattungen zuzuordnen wirst du mit mehr Erfahrung immer besser lernen können. Ich wünsche dir eine gute Vorbereitung und viel Erfolg.

    LG Martin

  • Sehe ich das richtig, dass man dann einfach oft nicht auf die Gattung kommen kann?

    Hi Alex,


    ja, das siehst Du richtig. Wobei sich durch Erfahrung im Wald doch eine "Gattungs-Intuition" entwickelt, die sich nicht einfach in einen Lehrbuch-Text übersetzen lässt.


    Dann siehst Du einen Pilz und denkst "Das ist kein Butterrübling, aber irgendwie erinnert er mich daran." Weil es eine andere Rhodocollybia ist. Die "harten Merkmale" wie Spp-Farbe musst Du natürlich immer abchecken.


    Deswegen kann ein PSV-Prüfer an Deinem Umgang mit unbekannten Pilzen mehr ableiten als mit bekannten Arten.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Hallo,


    mein Standpunkt zum Thema als PSV-Prüfer. ==Lehrer

    Es wurde schon vieles gesagt. Eine Sache möchte ich noch ergänzen. Es ist ein hehres Ziel alle Gattungen erkennen zu wollen. Gerade die Trichterlinge z.B. sind ja in diverse kleinere Gattungen zerpflückt worden. Oftmals hat man makroskopisch keine Chance eine Gattung 100%ig genau zu bestimmen ohne Mikromerkmale und ähnliches. Da ist es besser/zielführender aus meiner Sicht, wenn man die Pilze grob in den Verwandtschaftskreis einteilen kann.


    Dabei helfen früher unterschätzte Merkmale, wie z.B. die genaue Velumausprägung, bzw. das Vorhandensein von Velumstrukturen enorm. Ich hatte bisher immer Pilze auf dem Prüfungstablett/Prüfungskorb, die ein PSV-Anwärter nicht kennen muss. In solchen Fällen hat mir dann eine Einschätzung zum Verwandtschaftskreis auch ausgereicht oder die klare Ansage, dass der Prüfling Pilz X nicht kennt.


    Das Bestehen der Prüfung steht und fällt mit der Felderfahrung aus meiner Sicht. Ich war schon Prüfungsbeisitzer, wo der Prüfling die Prüfung nicht bestanden hat, weil er zu wenig Pilzarten in Summe erkannte und auch beim WuBi ins Schwimmen geriet.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo,


    ich war bereits mehrfach als Prüfungsbeisitzer dabei.


    Natürlich landen in so einem Prüfungskorb auch mal ungewöhnliche Pilze. Die Prüfer möchten dabei unter anderem sehen, wie du mit solchen Fällen umgehst.
    Eine solide Gattungs- und Artenkenntnis sollte selbstverständlich vorhanden sein. Wenn du von 40 Prüfungspilzen gleich 15 zur Seite legst, weil du sie nicht kennst – das kommt nicht gut an.

    Die Giftpilze müssen natürlich absolut sicher sitzen.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Hallo Alex,

    ich wünsche dir gute Gelingen bei deinem Vorhaben!

    Mir hat zur Vorbereitung enorm geholfen viele Pilzausstellungen zu besuchen, um Wissenslücken zu schließen und Sicherheit zu gewinnen. Da hab ich dann den Veranstaltenden immer gesagt, dass ich da bin, um mich auf die Prüfung vorzubereiten und Löcher in den Bauch gefragt, besonders zu den untypischen Exemplaren-" Woran erkennt ihr den? Was sind für euch die wichtigen Merkmale. Wie machst du das in der Beratung? Gibst du Mehlräslinge frei?" Die Leute haben wirklich interessante Geschichten erzählt und ich habe auch andere nervöse Prüflinge getroffen. Ich war da recht offensiv und hab viele tolle Leute kennengelernt, die alle hilfsbereit waren und super tolle Tipps gegeben haben. Ich glaube ich hab in Saison vor der Prüfung 6 Ausstellungen besucht 😅? Ich bin dafür auch mal 200 km gefahren. Für mich z.B. war besonders wichtig auch in "saure" Gebiete zu fahren, weil mein Pilzwissen sich eher auf nährstoffreiche, leicht basische Auenwälder bezieht und z.B. keine Ahnung von Fichtenwäldern hatte.


    Liebe Grüße

  • Ria, das ist ja ein toller Tipp!


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Hallo Alex,


    ich habe letzten Herbst erst Prüfung gemacht. Es hat mir sehr geholfen, den F1- und F2-Kurs zu belegen. Vor allem im F1-Kurs geht es ja um Gattungsbestimmung. Oft hat man ein Gefühl, welche Gattung ein Pilz ist, kann es aber schwer artikulieren, warum. Mir hat es geholfen, immer wieder die Merkmale durchzugehen, auch wenn ich den Pilz kenne, den ich da in der Hand hab. Einfach, damit der Stoff sich festsetzt. Es muss auch nicht immer jede Untergattung exakt bestimmt werden. Bei den Cortinarien z.B. reicht die Gattung "Schleierlinge" aus, vor allem, wenn es sich nicht um einen der wenigen leicht bestimmbaren Pilze handelt.


    Meiner Meinung nach ist sicheres Auftreten in der Prüfung noch wichtiger als die Artenkenntnis.


    Und Du kannst natürlich selbst in der Prüfung Fragen stellen. Wenn Du z.B. die Sporenpulver-Farbe nicht siehst oder eine Verfärbung im Fleisch nur durch einen Schnitt sichtbar wäre, nach Dir aber noch Prüflinge dran sind und Du den Pilz nicht zerlegen kannst oder auch nicht die Zeit für einen Sporenabwurf hast, dann kann man nach diesen Dingen fragen.


    Ria Pilzausstellungen helfen definitiv. Noch besser als Besuchen ist allerdings, an welchen Teil zu nehmen und mit aufzubauen. Da kriegt man Vieles mit einem Mal zu sehen und kann auch besser direkt vergleichen. (Falls Du noch Hilfe mit den Fichtenwäldern brauchst, bist Du im Erzgebirge herzlich willkommen :gzwinkern: ). Wir fahren dafür immer mal im Frühjahr ins Leipziger Umland, um wenigstens ein paar schöne Fotos von Euren Schätzen zu bekommen.


    VG Corne

  • Danke an die unglaublich vielen Antworter mit den sehr hilfreichen Tipps! Jetzt hätte ich doch noch eine Frage zur Korbkontrolle: Es heißt immer, wenn auch nur ein tödlich giftiger Pilz drin war, muss die ganze Sammlung als nicht essbar verworfen werden.(Der Sinn erschließt sich mir zwar nicht so ganz, denn nur weil ein kahler Krempling neben meinem Steinpilz lag, ist der ja nicht gleich gefährlich, aber sei's drum.)

    Wenn ich aber im Korb etliche Stockschwämmchen finde und nur bei einem einzigen der Stil abgerissen neben einem stiellosen Hut liegt, hätte man ja schon keine 100-prozentige Sicherheit mehr. Oder man findet ein Stück Amanita-Stiel im Korb, das man nicht eindeutig einer Art zuordnen kann. Alles wegschmeißen? (In der Prüfung Grundsatzdiskussionen anzufangen kommt ja ziemlich sicher nicht gut an😉)

  • Hallo Freupilz g:-)


    Tatsächlich ist das eine Vorgabe der DGfM. Sobald ein tödlich giftiger Pilz im Korb liegt, wird der Korb verworfen.

    Jetzt kann der Prüfling natürlich sich als erstes den giftigen rausziehen und dann wäre er ja fertig. In der Prüfung muss das mit dem Verwerfen gesagt werden, danach wird aber normal weiterkontrolliert (und auch freigegeben).

    Wie Du das dann in Deiner Berater-Tätigkeit handhabst, ist dann Deine Sache.

    Wenn sich Fragmente / Hüte von vermeintlichen Stockschwämmchen im Korb befinden, die sich aber aufgrund des fehlenden Stieles nicht mehr zuordnen lassen, dann macht das schon Sinn, den Korb zu verwerfen. Vom Gifthäubling reichen schon sehr geringe Mengen für einen dauerhaften Leberschaden!

    Stockschwämmchen nur freigeben, wenn Du sie eindeutig zuorndnen kannst (Schüppchen) und sonst keine ähnlichen Bruchstücke oder Pilze darunter befinden.

    Aber das sind genau solche Fragen, die man prima auf einem Pilzkurs stellen kann. Vor allem, wenn der Kurs beim zukünftigen Prüfer statt findet. Dann kann man sich nämlich genau erklären lassen, was der Prüfer an der Stelle hören möchte. Da gibt es so einige Fragen :gpfeiffen:


    VG corne

  • Hallo zusammen,

    Wenn sich Fragmente / Hüte von vermeintlichen Stockschwämmchen im Korb befinden, die sich aber aufgrund des fehlenden Stieles nicht mehr zuordnen lassen, dann macht das schon Sinn, den Korb zu verwerfen. Vom Gifthäubling reichen schon sehr geringe Mengen für einen dauerhaften Leberschaden!

    Ich persönlich differenziere da.


    Ich würde die restlichen vermeintlichen Stockschwämmchen, die noch die Stiele haben, vermutlich nicht freigeben, und auch nicht irgendwelchen Schlonz mit klebrigen Hüten, wo sich Kleinzeug vielleicht anhaften könnte.


    Aber weshalb ich den hypothetischen Steinpilz, dem man gut ansehen kann, ob da ein nennenswertes Stück Fremdpilz dranhängt, nicht freigeben sollte, hat sich mir noch nie erschlossen (und das kommuniziere ich gegenüber Prüfer*innen auch so - weiß aber nicht mehr, ob das in der Prüfung auch Thema war, und wenn man sicher gehen möchte, nicht wegen solcher Diskussionen durchzufallen, ist das vielleicht auch nicht schlau - aber ich bin bei sowas eher stur als schlau).


    Natürlich empfehle ich bei Pilzwanderungen trotzdem immer, fremde Pilze getrennt von den bekannten Speisepilzen zu transportieren.


    Wie das mit den "sehr geringen Mengen" ist, stelle ich auch so ein bisschen in Frage. Beim Verhältnis von Giftgehalt von Gifthäubling vs. Grüner Knolli gibt es schwankende Aussagen (mal soll der eine eine höhere Konzentration haben, mal der andere), aber meines Wissens ist nirgends die Rede davon, dass der Gifthäubling z. B. 10x so konzentriertes Gift hat.


    Bei einem Giftnotruf-Fall letztes Jahr hat einer, der glaubte, ein Daumensegment-großes Stück Knolli roh gegessen zu haben, vom Giftnotruf gesagt bekommen, dass das nicht behandlungsbedürftig sei (es war ein erwachsener großgewachsener gesunder Mann - bei einem Kind oder einer Person mit Vorerkrankung wäre das vielleicht noch mal was anderes gewesen).


    Dementsprechend würde ich erwarten, dass ein Stück Gifthäubling, das so klein ist, dass ich es auf einem Steinpilz, den ich extra daraufhin kontrolliere, übersehen kann, nicht zu einem Leberschaden führen würde.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Hallo Sabine,


    das wird wohl in der Praxis immer eine Ermessensfrage bleiben. Und letzten Endes macht das jeder Berater ja dann auch "wie er denkt". Den Steinpilz würde ich wahrscheinlich auch nicht aussortieren, zumal das ein Pilz ist, bei dem man anhaftende Fremdkörper aussen drauf gut sieht :gzwinkern:


    Hier liegt der Schwerpunkt aber auf der Prüfung und da gibt es klare Aussagen der DGfM. Die wohl genau an diesem Streitpunkt auch nochmal "nachgeschärft" haben, zumindest hat das mein Prüfer uns vorher im Kurs extra nochmal gesagt (also das die DGfM das so hören und prüfen möchte). Wenn man sich in der Prüfung mit dem Prüfer anlegen will, braucht man schon gute Argumente und sollte auf sicherem Grund stehen. Da bringt einem Sturheit nur bedingt Punkte :gzwinkern:


    VG Corne

  • Aber weshalb ich den hypothetischen Steinpilz, dem man gut ansehen kann, ob da ein nennenswertes Stück Fremdpilz dranhängt, nicht freigeben sollte, hat sich mir noch nie erschlossen

    Moin Sabine, mir auch nicht. Aber wir haben das schon hin und wieder diskutiert und ich glaube mich zu erinnern, dass das Verwerfen des gesamten Pilzkorbes nicht nur wegen befürchteter Kontaminationen durch Giftpilzteile, sondern auch auch aus pädagogischen Erwägungen heraus erfolgen sollte. Das würde die Forderung, den Korb insgesamt zu verwerfen, erklären.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Liebe Claudia,


    dass das mit den pädagogischen Erwägungen gut zieht, kann ich mir höchstens für einen überschaubaren Personenkreis vorstellen.


    Denn den Leuten ihre Pilze wegnehmen darf ich ja eh nicht. Selbst wenn ich also sage: "Den prächtigen Steinpilz kann ich dir nicht freigeben, weil der neben dem Kahlen Krempling gelegen hat", werden mir die Leute, die den selber kennen und deshalb mitgenommen haben, was husten, und den natürlich trotzdem mitnehmen und essen - Freigabe hin oder her.


    Da versuche ich als Beraterin doch eher mit Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit zu punkten und Vertrauen herzustellen, als dass ich Leuten empfehle, ihre schönen Speisepilze zu entsorgen, aus windigen Gründen, hinter denen ich selber nicht stehe.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Das sehe ich genauso. Aber es geht ja in erster Linie bei der Prüfung darum, sie zu bestehen.

    In der Praxis passt du dann dein Wissen an. Manche Pilzsammler brauchen dezente Hinweise, andere eine deutliche Ansage. 🤓

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


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  • Hallo an alle,

    hier noch einen Hinweis an die Grundsatz-diskutierenden:


    Es ist fast wie in der Führerscheinprüfung.


    Eine durchgezogene Linie darf nicht überfahren werden. Punkt.


    Wer später einen Fahrradfahrer mit dem nötigen Sicherheitsabstand überholen will, kommt fast nicht daran vorbei, mit den beiden linken Rädern etwas über die Linie zu fahren. Wer das in der Prüfung macht, ist halt durchgefallen. Punkt.



    Außerdem:

    Wer mit Pilzsammlern diese Diskussion beginnt, begibt sich jedenfalls auf sehr dünnes Eis. Zwischen einem ganzen Kahlen Krempling zu Lamellensplittern eines Knollis gibt es alle Übergangsformen. Daher gibt die DGfM die einzige Linie vor, die sich klar ziehen lässt.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Bei einem Giftnotruf-Fall letztes Jahr hat einer, der glaubte, ein Daumensegment-großes Stück Knolli roh gegessen zu haben, vom Giftnotruf gesagt bekommen, dass das nicht behandlungsbedürftig sei (es war ein erwachsener großgewachsener gesunder Mann - bei einem Kind oder einer Person mit Vorerkrankung wäre das vielleicht noch mal was anderes gewesen

    Hallo Sabine,

    habe gerade nochmal nachgeschaut, laut Flammer liegt die tödliche Menge für einen Erwachsenen beim Knolli bei 5-40 Gramm Frischpilz, je nach Amanitingehalt. Beim Gifthäubling wurden in Messeungen etwa ein Zehntel der Giftmenge gemessen, demnach bräuchte es da mindestens 50 Gramm. Aber 5 Gramm beim Knolli finde ich schon heftig, beim Erwachsenen. Das heißt für ein Kind könnte tatsächlich etwas Lamellenfragment bereits gefährlich werden, würde ich daher annehmen.

    Beste Grüße Stefan

  • Guten Tag,


    als Argument, den ganzen Korb zu verwerfen, kenne ich auch das Problem der Sporen. Wenn ein tödlich giftiger, organschädigender Pilz im Korb war, würden dessen Sporen bei der Notfalldiagnostik eventuell in großer Zahl gefunden werden, falls der Verzehrer eine Magenverstimmung bekäme. Das könnte dann Weiterungen haben, die man vermeiden will.


    Viele Grüße,

    Benjamin

  • Hallo Benjamin,


    das finde ich einen spannenden Gedanken, habe aber zu wenig eigene Erfahrung mit dem notfalldiagnostischen Mikroskopieren. Das war bisher noch nicht nötig.


    Im Kurs wurde gelehrt, die Speisereste usw. auszuwaschen und die Stücke zu mikroskopieren, und ich war die einzige, die auch mal was von der Spülflüssigkeit unters Mikroskop gelegt hat. Mir schien, das ist keine gängige Vorgehensweise (vielleicht weil man da tatsächlich alles Mögliche findet, das ohne zugehöriges Stück tatsächlich alles Mögliche sein kann). Wie gut und in welchem Ausmaß sich solche "Geistersporen" dann an die fremden Stücke anheften würden und ob man die dann in einem Umfang entdecken würde, dass man sagen würde: Ja holla! - keine Ahnung. Ich glaube, das probiere ich im Herbst mal aus.


    Aber hier gibt es ja Leute, die das besser wissen, vielleicht mag von denen jemand was dazu sagen.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Hallo miteinander

    Darunter waren zum Beispiel absichtlich abgeschnittene Amanita-Arten, Gifthäublinge nur mit Hut und ohne Stiel, kleinste Pilzfragmente die nicht mehr zuordbar waren, usw.


    Interessant. Das kenne ich in dieser Art eigentlich nur von der BMG. Von der DGfM war ich auch schon Prüfungs-Beisitzer. Nur gab es da sogar die Direktive, die Pilze NICHT zu manipulieren. Auch in meiner PSV-Prüfung waren keine veränderten Pilze dabei.


    Aber ehrlich gesagt, finde ich es richtig - und wichtig, dass gefährliche Giftpilze schon allein an Fragmenten erkannt werden müssen. Dazu gibt es in der Praxis leider immer wieder mal Fälle, in denen das tatsächlich notwendig ist.


    Liebe Grüße Matthias

    98 Chips vor APR '25

    ./. 10 Chips Anmeldegebühr

    + 3 Chips wegen dem Weihnachtsbezug

    + 2 Chips füa drittechnellster Joker-Verballerer

    + 2 Chips Überbrückungsrätzel von Pixie

    + 3 Chips Falschphal fürn Fichtenzapfenhelmling

    + 3 Chips Sozial-Phal

    = 101 Chips



    Ohne den Pilz selbst in der Hand gehabt zu haben, ist eine 100%ige Bestimmung nie möglich. Keine Verzehrfreigabe übers Internet. Die gibt es nur beim Pilzsachverständigen/-berater/-kontrolleur vor Ort.

  • Bei meinen letzten PSV-Prüfungen habe ich Grünen Knollis über das komplette "Sammelgut" zerbröselt und die erkennbaren/bestimmbaren Reste der FK in den Prüfungskorb gelegt.

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Interessant. Das kenne ich in dieser Art eigentlich nur von der BMG. Von der DGfM war ich auch schon Prüfungs-Beisitzer. Nur gab es da sogar die Direktive, die Pilze NICHT zu manipulieren. Auch in meiner PSV-Prüfung waren keine veränderten Pilze dabei.

    In meiner ersten PSV-Prüfung (bei der ich durchgefallen bin) war ein Stück von einem Knolli-Stiel im Korb. Das war nicht der Grund für mein Durchfallen, aber ein paar andere Prüflinge hat es wohl erwischt.


    Das war allerdings schon 2003. Keine Ahnung, ob danach die Vorgaben geändert wurden. Bzgl. meiner bestandenen Prüfung kann ich mich zumindest nicht konkret an Pilz-Teile erinnern.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Hallo,

    Also ich hatte schöne Sachen in meinem Prüfungskorb: einen Riesenbovist mit ca. 5cm Durchmesser, einen roten Fliegenpilz noch ganz klein mit geschlossenem Velum, einen Perlpilz ohne Fuß, die weiße Form des gelben Knollis, den kleinen Hut (3cm) eines fuchsigen Röteltrichterlings, eine perfekte große Flockenhexe mit komplett gelbem Stiel, die Leiche eines Mehlräslings (so ein richtiger stinkiger Lappen), einen dunkelgrauen Ackerschirmling, den ich noch nie gesehen hatte, einen „flaumigen Birkenmilchling“ mit gelber Milch und Birnenkompottgeruch (Lactarius aquizonatus), einen fast schwarzen Riesenschirmpilz (ganz jung aber schon groß, die schwarze Schicht kaum aufgerissen), ein Stielfragment eines Reizkers (vermutlich vom vorhergehenden Prüfling) und so weiter … alles Sachen, die einen in der Prüfung so richtig auf Touren bringen g:D


    VG corne