Gelber Röhrling

Es gibt 27 Antworten in diesem Thema, welches 2.336 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Jürgen.

  • "...dem Wissen, dass es eben keine tödlich giftigen Exemplare in der Gattung der Röhrlinge gibt probiert und davon auch nur ein Stück.."

    Hallo OtesOtum

    bitte lies den letzten Beitrag von Christoph noch einmal gründlich, um dein Wissen bezüglich der Giftigkeit von Röhrlingen zu hinterfragen. Es ist für die Expertinnen und Experten tatsächlich Aufwand, Lebenszeit, d.h. echte Energie zu antworten. Und es ist sehr schade, wenn Christophs wichtiger Einwand unbeachtet bliebe. Vielleicht ist er schlicht untergegangen- das kann passieren.


    Zu deiner Argumentation möchte ich außerdem einige logische Punkte anmerken:

    Du vergleichst strukturelle, systemische Eingriffe (Landnutzung, Forstwirtschaft, Stickstoffeintrag) mit individuellem Verhalten. Das ist ein klassisches ein Relativierungsargument: „Andere Dinge sind schlimmer, also ist mein Beitrag irrelevant.“ Das eine hebt das andere nicht auf. Dass Kahlschlag schlimmer ist, macht die Frage nach individueller Entnahme nicht automatisch bedeutungslos. Wenn man argumentiert, dass Natur- und Artenschutzwichtig ist, aber gleichzeitig sagt, dass die eigene Handlung eher irrelevant ist, entsteht eine gewisse Inkonsistenz zwischen Anspruch und Praxis.


    Ökologisch ist wahrscheinlich eine einzelne Entnahme meist irrelevant – wenn sie wirklich einzeln bleibt. Deine Argumentation bleibt jedoch auf der Einzelfallebene stehen, während Naturschutz auf Populations- und Systemebene denkt. Gerade deshalb weisen Fachleute hier auf potenziell problematisches Verhalten hin – nicht aus Prinzip, sondern aus Verantwortung, um viele Menschen gleichzeitig zu erreichen. Deswegen kann in diesem Forum ungünstiges Verhalten von Einzelnen nicht unkommentiert stehen bleiben.


    Hinzu kommt am Rande, dass oft argumentiert wird, dass der Fruchtkorper nicht das Myzel ist, aber bei sehr seltenen Arten, die selten und kurz fruktifizieren, kann ein fehlender sporender Fruchtkörper durchaus Einfluss auf genetischen Austausch und Populationsdynamik haben – insbesondere in sensiblen Biotopen.


    Und leider ist es auch so, dass das Argument der Naturnähe, also das Kennenlernen von Arten durch Entnahme nicht bei allen Menschen perspektivisch zu einer Schutzmotivation wird- manchmal bleibt es auch bei der unsensiblen Selbstverständlichkeit von Nutzung von Naturgütern stehen.


    Zur Metaebene: Deutliche Kritik wird häufig als unfreundlich erlebt, besonders dann wenn sie die eigene Argumentation infrage stellt. Das betrifft zunächst die emotionale Wirkung, nicht zwingend die Qualität des Austauschs. Der Inhalt sollte meiner Meinung nach, in einem Fachforum in dem es um inhaltliche Präzision geht, daher im Fordergrund stehen.

    Gleichzeitig stimme ich dir zu, dass ein respektvoller und wohlwollender Ton grundsätzlich wünschenswert ist. Für mich wirkt das hier wie eine normale fachliche Korrektur, wie sie in einem Expertenforum üblich ist. Fehler gehören zum fachlichen Austausch dazu – für uns alle. In diesem Sinne weiterhin viel Freude beim Ergründen der Arten.


    Liebe Grüße

    Ria

  • Hallo Ria,



    Zitat

    „Hallo OtesOtum

    bitte lies den letzten Beitrag von Christoph noch einmal gründlich, um dein Wissen bezüglich der Giftigkeit von Röhrlingen zu hinterfragen. Es ist für die Expertinnen und Experten tatsächlich Aufwand, Lebenszeit, d.h. echte Energie zu antworten. Und es ist sehr schade, wenn Christophs wichtiger Einwand unbeachtet bliebe. Vielleicht ist er schlicht untergegangen- das kann passieren.“



    Man kann bei den vielen Antworten von jeweils unterschiedlichen Nutzern leider leicht den Überblick verlieren. Deshalb habe ich das soeben nochmal gemacht und kann mich da größtenteils zur Erklärung eigentlich nur nochmal wiederholen. Ich habe den Pilz für mich zum damaligen Zeitpunkt nach für mich ausgiebiger Recherche vor dem Verzehr als „Gelben Hexenröhrling“ bereits bestimmt gehabt, dieser wird in der Literatur als essbar deklariert. Der einzelne Pilzfruchtkörper wurde also zu diesem Zeitpunkt bereits entnommen. Nichtsdestotrotz habe ich aus Vorsicht vor dem Erstverzehr (was auch bezüglich Verträglichkeit immer empfohlen wird) nur ein einzelnes Stück davon probiert. Würde ich das jemanden zur Nachahmung empfehlen? Eher nicht, für mich war es eine bewusste Entscheidung und Risikoabwägung und eben nochmal zum Verständnis auch mit der Hintergrundinformation vereinbar, dass bei einer Verzehrsmenge von 5g-10g keine tödlich giftigen Röhrlinge in Deutschland bekannt sind. Dabei wurde auch mit einkalkuliert, dass ich noch relativ jung und körperlich fit bin – bezüglich Magen-Darm-Giftigkeit und geschwächtem Immunsystem usw.. Ist das deiner Auffassung nach immer noch problematisch oder fahrlässig? Ich dachte immer, dass ich eher zur Kategorie „Übervorsichtig“ gehöre, jedenfalls wurde ich meistens als solcher wahrgenommen, aber scheinbar ist dem vielleicht nicht so.



    Zitat

    „Ökologisch ist wahrscheinlich eine einzelne Entnahme meist irrelevant – wenn sie wirklich einzeln bleibt. Deine Argumentation bleibt jedoch auf der Einzelfallebene stehen, während Naturschutz auf Populations- und Systemebene denkt. Gerade deshalb weisen Fachleute hier auf potenziell problematisches Verhalten hin – nicht aus Prinzip, sondern aus Verantwortung, um viele Menschen gleichzeitig zu erreichen. Deswegen kann in diesem Forum ungünstiges Verhalten von Einzelnen nicht unkommentiert stehen bleiben.

    Hinzu kommt am Rande, dass oft argumentiert wird, dass der Fruchtkorper nicht das Myzel ist, aber bei sehr seltenen Arten, die selten und kurz fruktifizieren, kann ein fehlender sporender Fruchtkörper durchaus Einfluss auf genetischen Austausch und Populationsdynamik haben – insbesondere in sensiblen Biotopen.“



    Bei diesem Punkt stimme ich dir grundsätzlich zu, jedoch mit Abstrichen. Ich persönlich sehe kein Problem dahinter für meinen persönlichen Fortschritt (einzelne und noch nicht bekannte!) Pilzfruchtkörper zur Bestimmung zu entnehmen, vor allem wenn ich nicht die Möglichkeit erkenne diesen vor Ort gemäß aller Kriterien sicher bestimmen zu können (Hutunterseite etc.). Für mich beschreibt dieses Vorgehen keine Inkonsistenz, jedoch meine persönlich und moralisch vertretbare Leitlinie. Hypothetisch gesehen dürfte man, wenn man den Gedanken verfolgt und mal gezielt darüber nachdenkt nicht mal die befestigten Wege verlassen, da man beispielsweise durch das Zertrampeln mit dem eigenen Schuhwerk super viele Kleinstlebewesen, winzige Pilze etc., welche auf makroskopischer Ebene kaum erkennbar sind zerstören. Die Frage ist dahingehend fast immer eine Abwägung und Kompromiss. Wo fange ich an und wo höre ich auf? Oder wie siehst du das?



    Zitat

    „Und leider ist es auch so, dass das Argument der Naturnähe, also das Kennenlernen von Arten durch Entnahme nicht bei allen Menschen perspektivisch zu einer Schutzmotivation wird- manchmal bleibt es auch bei der unsensiblen Selbstverständlichkeit von Nutzung von Naturgütern stehen.“


    Das kann sicherlich sein, für mich ist dem nicht so, ich versuche wie gesagt diesbezüglich die Waage zu halten und durch Informationen, Austausch und das Anhören verschiedener Perspektiven meinem eigenen moralischen und ökologischen Kompass zu folgen.



    Zitat

    „Zur Metaebene: Deutliche Kritik wird häufig als unfreundlich erlebt, besonders dann wenn sie die eigene Argumentation infrage stellt. Das betrifft zunächst die emotionale Wirkung, nicht zwingend die Qualität des Austauschs. Der Inhalt sollte meiner Meinung nach, in einem Fachforum in dem es um inhaltliche Präzision geht, daher im Fordergrund stehen.

    Gleichzeitig stimme ich dir zu, dass ein respektvoller und wohlwollender Ton grundsätzlich wünschenswert ist. Für mich wirkt das hier wie eine normale fachliche Korrektur, wie sie in einem Expertenforum üblich ist. Fehler gehören zum fachlichen Austausch dazu – für uns alle. In diesem Sinne weiterhin viel Freude beim Ergründen der Arten.“



    Abschließend nochmal, es geht mir nicht um Kritik per se, sondern um die Grundlagen der Kommunikation und das Verständnis dafür, dass man zwei gleiche Aussagen komplett unterschiedlich formulieren kann und diese letztendlich dadurch auch auf unterschiedliche Weise beim Empfänger ankommen. Die beispielhafte Gegenüberstellung habe ich ja ausgiebig dargestellt. Ich wollte das Thema eigentlich auch nicht so dermaßen aufblähen, aber es war mir einfach mal ein Anliegen auch für die kommenden mykologisch Interessierten etwas Positives zu hinterlassen.

  • Da der Pilz so selten ist und man nicht mal gesichert weiß, ob es eine eigene Art ist, besteht zumindest theoretisch die Gefahr, dass es ein Giftpilz sein könnte, und dass der Lehrsatz "es gibt keine tödlich giftigen Röhrlinge" umgeschrieben werden muss

    Hallo Oehrling,


    weil 's gar so gut passt, hier eine (zugegeben kryptische) Literaturstelle bei den Altvorderen: Michael/Hennig, Handbuch für Pilzfreunde, Band 2, 1971, S. 228, geben für den Speisewert des "Narzissengelben Röhrlings" bzw. "Falschen Schwefel-Röhrlings" (Boletus junquilleus Quél bzw. B. pseudosulphureus Kallenbach) folgendes an:


    "Eßbar, als Seltenheit zu schonen!"


    um dann aber zu konstatieren:


    "In Amerika öfter tödlich giftig"


    Nicht dass ich jemanden erschrecken will...


    Grüße, Jürgen