"...dem Wissen, dass es eben keine tödlich giftigen Exemplare in der Gattung der Röhrlinge gibt probiert und davon auch nur ein Stück.."
Hallo OtesOtum
bitte lies den letzten Beitrag von Christoph noch einmal gründlich, um dein Wissen bezüglich der Giftigkeit von Röhrlingen zu hinterfragen. Es ist für die Expertinnen und Experten tatsächlich Aufwand, Lebenszeit, d.h. echte Energie zu antworten. Und es ist sehr schade, wenn Christophs wichtiger Einwand unbeachtet bliebe. Vielleicht ist er schlicht untergegangen- das kann passieren.
Zu deiner Argumentation möchte ich außerdem einige logische Punkte anmerken:
Du vergleichst strukturelle, systemische Eingriffe (Landnutzung, Forstwirtschaft, Stickstoffeintrag) mit individuellem Verhalten. Das ist ein klassisches ein Relativierungsargument: „Andere Dinge sind schlimmer, also ist mein Beitrag irrelevant.“ Das eine hebt das andere nicht auf. Dass Kahlschlag schlimmer ist, macht die Frage nach individueller Entnahme nicht automatisch bedeutungslos. Wenn man argumentiert, dass Natur- und Artenschutzwichtig ist, aber gleichzeitig sagt, dass die eigene Handlung eher irrelevant ist, entsteht eine gewisse Inkonsistenz zwischen Anspruch und Praxis.
Ökologisch ist wahrscheinlich eine einzelne Entnahme meist irrelevant – wenn sie wirklich einzeln bleibt. Deine Argumentation bleibt jedoch auf der Einzelfallebene stehen, während Naturschutz auf Populations- und Systemebene denkt. Gerade deshalb weisen Fachleute hier auf potenziell problematisches Verhalten hin – nicht aus Prinzip, sondern aus Verantwortung, um viele Menschen gleichzeitig zu erreichen. Deswegen kann in diesem Forum ungünstiges Verhalten von Einzelnen nicht unkommentiert stehen bleiben.
Hinzu kommt am Rande, dass oft argumentiert wird, dass der Fruchtkorper nicht das Myzel ist, aber bei sehr seltenen Arten, die selten und kurz fruktifizieren, kann ein fehlender sporender Fruchtkörper durchaus Einfluss auf genetischen Austausch und Populationsdynamik haben – insbesondere in sensiblen Biotopen.
Und leider ist es auch so, dass das Argument der Naturnähe, also das Kennenlernen von Arten durch Entnahme nicht bei allen Menschen perspektivisch zu einer Schutzmotivation wird- manchmal bleibt es auch bei der unsensiblen Selbstverständlichkeit von Nutzung von Naturgütern stehen.
Zur Metaebene: Deutliche Kritik wird häufig als unfreundlich erlebt, besonders dann wenn sie die eigene Argumentation infrage stellt. Das betrifft zunächst die emotionale Wirkung, nicht zwingend die Qualität des Austauschs. Der Inhalt sollte meiner Meinung nach, in einem Fachforum in dem es um inhaltliche Präzision geht, daher im Fordergrund stehen.
Gleichzeitig stimme ich dir zu, dass ein respektvoller und wohlwollender Ton grundsätzlich wünschenswert ist. Für mich wirkt das hier wie eine normale fachliche Korrektur, wie sie in einem Expertenforum üblich ist. Fehler gehören zum fachlichen Austausch dazu – für uns alle. In diesem Sinne weiterhin viel Freude beim Ergründen der Arten.
Liebe Grüße
Ria
