Frag' einen Forstmensch was :)

Es gibt 93 Antworten in diesem Thema, welches 10.409 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Juergen-M.

  • nochmal ich,


    ich möchte noch ein paar positive Aspekte beleuchten und aber auch warnen: Es gibt seit Jahrzehnten tatsächlich eine nachhaltige Waldwirtschaft, die z.B. mit dem "Trittstein-Prinzip" arbeitet; Hier sind Pflanzenstandorte und Habitat-Baum-Gruppen die kleinste Einheit, alte Bäume, die man einfach wachsen und absterben lässt, dann kommen ausgewiesene größere Areale wie Waldrefugien (meist an Habitatbaum-Gruppen gebunden) und schließlich Schutzkategorien wie Schonwald, Waldbiotope, bis hin zum Bannwald.


    Leider leider ... können solche Kategorien rechtlich ganz leicht ausgehebelt werden: Beispiel aus meiner Heimat: Ein bewaldeter Berg (Juragestein) der sich Fischersberg nennt (im Mochental), der sei ca 50 Jahren nachhaltig bewirtschaftet wird, verliert im Laufe dieses Jahres noch seinen Status, weil eine Kalk-Abbaufirma sich hier einen alternativen Abbau gesichert hat. Die Firma baut lediglich Kalk für Schotter ab (der in unseren Regionen für den Waldwegebau verwendet wird). Dafür wird in den nächsten 40-50 Jahren dieser bewaldete Berg quasi abrasiert;-) ... und Bäume natürlich geerntet, ungeachtet einer Nachhaltigkeit.


    Naturschutz muss sich ein Land auch leisten können. In unsicheren Zeiten, wo z.B. ein friedliches Land sich plötzlich in einer militärischen Aufrüstungsspirale wiederfindet, wird Naturzschutz und nachhaltige Bewirtschaftung prioritär nachrangig (um es mal vorsichtig auszudrücken). Ganz zu schweigen von Kriegen! Sie sind die schlimmsten Umweltzerstörer, die es gibt.

  • N'abend.

    Ein bewaldeter Berg (Juragestein) der sich Fischersberg nennt (im Mochental), der sei ca 50 Jahren nachhaltig bewirtschaftet wird, verliert im Laufe dieses Jahres noch seinen Status, weil eine Kalk-Abbaufirma sich hier einen alternativen Abbau gesichert hat. Die Firma baut lediglich Kalk für Schotter ab (der in unseren Regionen für den Waldwegebau verwendet wird). Dafür wird in den nächsten 40-50 Jahren dieser bewaldete Berg quasi abrasiert;-) ... und Bäume natürlich geerntet, ungeachtet einer Nachhaltigkeit.


    Naturschutz muss sich ein Land auch leisten können. In unsicheren Zeiten, wo z.B. ein friedliches Land sich plötzlich in einer militärischen Aufrüstungsspirale wiederfindet, wird Naturzschutz und nachhaltige Bewirtschaftung prioritär nachrangig...

    Dies ist per se mehr oder weniger ein volkswirtschaftlicher Diskussionsgegenstand. Denn Bergbau und Forstwirtschaft zählen gemäß der Volkswirtschaftslehre zum primären Wirtschaftssektor, also dem Bereich wo Naturprodukte gewonnen und verwertet werden, und die Abwägung wird in solch einem Fall wohl mehr unter ökonomischen als ökologischen Aspekten geschehen. Eine anderweitige Gewichtung wird dabei wohl nur eine untergeordnete Rolle haben bzw. Nebensache sein.


    Und selbst in besseren Zeiten (keine oder nur wenige kriegerische Konflikte, Pandemien o.ä.) wird so vieles nur noch unter diesem Aspekt, nämlich der ökonomischen neoliberalen Blickrichtung behandelt und entschieden.


    Eine Entwicklung bzw. Realität, die man zurecht kritisiert, aber es ist schon seit jeher schwierig, dagegen etwas zu unternehmen.


    Viele Grüße

    -Marcel.

  • Hallo Marcel,


    ja, da hast Du natürlich Recht. Außer einer volkswirtschaftlichen Abwägung gibts aber leider auch noch - auch in unserem Ländle! - Nepotismus und Korruption;-) Kalk und Sand sind wichtige Rohstoffe (nicht nur in Baden-Württemberg) und Abbaulizenzen haben ein lange Tradition (um es mal wieder vorsichtig auszudrücken;-)


    Grüßle

    Jürgen

  • Homo rapiens

    oder

    die Verdinglichung aller anderen Species,..


    Bei uns wurden mächtige Eichen abgeschlachtet und liegen schon seit Monaten am Boden ohne, daß sie verkauft werden.

    Ich meide diesen Weg, weil es mich traurig stimmt.

    Die schwarzblütigen Akeleien am Waldsaum sind dahin, die Nymphen der Barbitistes serricauda fehlen in diesem Jahr, soviel un-NÖTIGE Zerstörung

    Der Mensch führt Krieg gegen die Natur.

    Alles wird nur mit Nutzen/Schädlingskategorien betrachtet.


    ;(

  • ... bei uns wurden mächtige Eichen abgeschlachtet und liegen schon seit Monaten am Boden ohne, daß sie verkauft werden.


    Das kommt bei uns auch vor. Da liegen Baumstämme und keiner holt sie ab. Hat dann der Besitzer auf Verdacht und ohne Käufer gefällt und dann niemanden gefunden? Oder hat die Stämme jemand gekauft und holt sie (warum auch immer) nur nicht ab. Beides für mich unverständlich.

    Und wenn es letztendlich keiner will, warum gibt man sie dann nicht frei bzw verkauft sie günstig an Kaminofenbesitzer u.ä?

    Etwaige Bestimmungen meinerseits sind mit keiner "Verzehrfreigabe" verbunden. Bitte sucht hierfür einen Sachverständigen auf, der sich die Pilze vor Ort genau ansehen und sie hinsichtlich Verzehr viel besser bestimmen bzw. ihren Zustand bewerten kann.


    100-10(APR2024)+3(APR2024)=93

  • Die gefällten Eichen waren vielleicht Habitat-Bäume, die altern durften, und nun als Totholz liegen bleiben. Am besten ist, da mal nachzufragen. Habitatbäume werden seit jüngstem als Hochstubben stehen gelassen, also wenn man sie fällen muss (meist aus Sicherheitsgründen für Forst und oder Besucher).

  • Habitatbäume werden seit jüngstem als Hochstubben stehen gelassen, also wenn man sie fällen muss (meist aus Sicherheitsgründen für Forst und oder Besucher).

    Die wurden tief unten abgesägt, also eher keine Habitatsbäume.

    Sehen auch im Schnitt überall kerngesund aus.

    Die weit überhängenden Schatten spendenden Äste waren möglicherweise den Forstfahrzeugen im Weg oder es wurde in ihnen ein Sicherheitsrisiko vermutet... Hundegänger und Jogger könnten von einem herabfallenden Ast getroffen werden...oder überschatteten das gegenüberliegende Maisfeld zu sehr?

    Sooo schade, wenn es gestürmt hat, purzelten die kleinen Eichenschrecken auf den Boden, auch damit ist jetzt Schluß

  • Hallo Zusammen,


    ein probates Mittel, um Infos für forstliche Maßnahmen zu erhalten, ist einfach; nachfragen! Man kann die zuständigen Forstbetriebe über das Landratsamt herausbekommen (meist findet man die aber tatsächlich im Internet!). Und dann ruft man da einfach an, oder schickt eine Mail. Die sind nämlich Auskunftspflichtig. Und tatsächlich ist es so, dass die sehr gerne über ihre Aktivitäten berichten ... meine Erfahrung! Wenn Bürger nachfragen, ist dies auch ein Signal an die jeweiligen Behörden, dass hier ein Interesse und ein Fokus besteht.

  • Das kann ich nur bekräftigen, ich habe vor einer Weile mal eine Anfrage an die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg bezüglich Waldkalkungen und deren Auswirkungen auf azidophile Mykorrhizapilze gestellt und eine sehr ausführliche und freundliche Antwort von einem Prof. Dr. Soundso erhalten, die meine Bedenken zwar nicht völlig ausgeräumt, aber mir eine neue Sichtweise auf das Thema gegeben haben. Die Problematik ist durchaus präsent und der nette Herr wirkte auch ziemlich fachkundig, was Pilze betrifft.


    LG Suillus

  • Das kann ich nur bekräftigen, ich habe vor einer Weile mal eine Anfrage an die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg bezüglich Waldkalkungen und deren Auswirkungen auf azidophile Mykorrhizapilze gestellt und eine sehr ausführliche und freundliche Antwort von einem Prof. Dr. Soundso erhalten, die meine Bedenken zwar nicht völlig ausgeräumt, aber mir eine neue Sichtweise auf das Thema gegeben haben. Die Problematik ist durchaus präsent und der nette Herr wirkte auch ziemlich fachkundig, was Pilze betrifft.


    LG Suillus

    Hallo Suillus

    Die Antwort von dem Professor wäre sehr interessant, finde ich. Darfst du die hier veröffentlichten? Du könntest sie ja anonymisieren.

    LG Andreas

  • Ein Fach-Artikel über Waldkalkung gibt es hier:

    https://www.afsv.de/images/download/literatur/waldoekologie-online/waldoekologie-online_heft-14-2.pdf


    allgemein kann man aber sagen, dass die Kalkung eher dem Zustand der Bäume zusagt, um sie z.b. an ungünstigen oder extrem-Standorten (versauerter Boden) noch gewinnbringend abernten zu können, weniger der Gesamtökologie. Das Ausbringen der dolomitischen Kalkmehle kostet ja was ... das muss sich irgendwie rechnen;-) Sobald man irgendwo kalken "muss", bedeutet das, das hier schon die Vorraussetzungen nicht mehr gut sind, und da von Anfang an schon nicht richtig "forstgewirtschaftet" wurde;-)

  • Hallo Inge,

    da wartet die ganze Nation schon drauf, dass diese mal wieder funktioniert.

    Grüße Axel

    "Das Artensterben ist der neue Klimawandel. Der Verlust der Biodiversität ist die wahre Krise des 21. Jahrhunderts"

    aus Glaubrecht: "Das Ende der Evolution"

  • Hallo Inge,


    zumindest weiß ich jetzt wer die besten Wettanbieter im Jahr 2026 sind. Das ist doch auch etwas.


    VG Jörg

  • Hallo zusammen,

    die Seite (Server des Anbieters) wurde gehackt, es kam zu ausfällen und Löschungen, und ich hatte da anschließend auch Auseinandersetzungen mit diesem Anbieter. Die Domain lief aus und die hat sich irgendein Werbefuzzi geschnappt, ohne dass ich da noch die Chance hatte, das zu verhindern. Die Seite wird noch dieses Jahr - etwas modernisiert - und unter einer anderen Domain veröffentlicht.


    Ich habe versucht, den Link hier zu löschen, ist mir aber in meinem Profil-Menü bis jetzt nicht gelungen. Veilleicht kann mir da jemand helfen.

  • Die Domain lief aus und die hat sich irgendein Werbefuzzi geschnappt, ohne dass ich da noch die Chance hatte, das zu verhindern. Die Seite wird noch dieses Jahr - etwas modernisiert - und unter einer anderen Domain veröffentlicht.

    Halo Jürgen,

    der Begriff "Pilzflora" ist eh von vorgestern, was will da ein Werbefuzzi mit anfangen?

    Gutes Gelingen für die neue Seite!

    inge

  • Hallo Inge,


    die Seite (Domain) hatte wohl einen guten Traffic, und der Käufer rechnete vielleicht damit, dass ich sie zurückkaufen will. Ich hab aber eine bessere Domain für meine Seiten;-) Lasst euch da mal überraschen.


    Grüßle

    Jürgen