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letzter Beitrag von Tricholomopsis am

Die Schuderbachswiese bei Oberhof - erstklassiges Bergwiesen-FND mit wertvollem Saftlings-, Orchideen- und Arnika-Beständen soll zur Wiedereinrichtung eines GOLFPLATZES vernichtet werden

  • Guten Tag, liebe Pilz- und Naturfreunde,

    ich mache Euch hiermit auf einen drohenden Naturschutzskandal aufmerksam.

    Näheres findet Ihr auf der Internetseite des Arbeitskreises Heimische Orchideen (AHO)Thüringen e.V. hier: Aktuelles – AHO Thüringen

    Als Mitglied dieses Vereins kenne diese ca. 5 ha große Wiese selbst und bin durch andere Mitglieder über den Bestand an typischen wertgebenden Arten informiert. Dort wächst z.B. ein Mehrfaches an Individuen der Orchideenart Grüne Hohlzunge (Dactylorhiza viride) wie noch in ganz Sachsen oder Sachsen-Anhalt zu finden ist. Darüber hinaus ist die Wiese bedeutender Lebensraum von Saftlingen und Arnika. Alles Charakterarten des FFH-Lebensraumtyps Berg-Mähwiese (LRT_Code: 6520).

    In der ersten Hälfte des 20. Jh. waren Teile der Wiese ein Golfplatz gewesen; das alte Golfhotel steht heute noch total verlottert oberhalb der Wiese. Die Wiese soll durch Land/Bund nicht als FFH-Biotop an die EU gemeldet worden sein; und dies trotz allerbester Artenausstattung.

    Vor einigen Jahren hat sich der Herzogliche Golfclub Oberhof (Herzoglicher Golf-Club Oberhof: Hickory Golf und mehr), dessen Mitglieder überwiegend Personen aus Wirtschaft und Politik sein sollen, zum Ziel gesetzt, diesen Golfplatz wiederzuerrichten. Grundlage soll ein Bebauungsplan nach BauGB sein, dessen Erstellung wohl der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen übertragen ist. Ein Ort begeisternder Artenvielfalt würde durch einen artenarmen Golfrasen abgelöst werden.

    Neben dem AHO Thüringen e.V. sind der NaBu und der BUND Thüringen e.V. sowie Einzelpersonen aktiv geworden. Ich persönlich habe in 02/2018 eine Petition beim Thüringer Landtag eingereicht, welche dort sogar angenommen wurde. Irgendwann soll eine Anhörung im Landtag stattfinden, wo auch ich hinzugeladen werden soll.

    Die z.B bei "Fridays for Future" aktiven jungen Leute scheint das Thema nicht zu interessieren, obwohl gerade die täglichen weltweiten Flächeninanspruchnahmen, die Organisation von Aktivitäten für Brot und Spiele sowie die Intensiv-Landwirtschaft (auch für den Export) u.a. Stück für Stück unsere Lebensgrundlagen vernichten.

    Beschämend an dieser Angelegenheit ist, dass der Golfclub, obwohl dessen Aktivitäten nicht die Merkmale eines überwiegenden Gemeinwohlbelangs aufweisen, starke Unterstützung durch dem ehemaligen, derzeit amtierenden und wohl auch künftigen thüringischen Ministerpräsidenten Ramelow fanden und weiterhin finden werden. Auch Herr Tiefensee als Wirtschaftsminister legte sich dafür wohl sehr ins Zeug. Die grüne Umweltministerin scheint über die Entwicklung nicht beunruhigt zu sein.

    Es ist jedenfalls ein Trauerspiel, wie ich es bisher noch nicht erlebt habe.

    Anbei Fotos vom Wiesenaspekt und einem Blütenstand der Grünen Hohlzunge:

  • Hallo Kauz,

    sehr gut, dass du hier über den geplanten Frevel informierst.

    Könntest du bitte auch weiterhin über die laufenden Entwicklungen berichten, vor allem, wenn z.B. erneut Unterschriftenaktionen geplant sind, oder sonstige Möglichkeiten für die einzelnen Bürger/innen bestehen.

    Viele Grüße

    Thomas

  • Hallo Kauz,

    sehr gut, dass du hier über den geplanten Frevel informierst.

    Könntest du bitte auch weiterhin über die laufenden Entwicklungen berichten, vor allem, wenn z.B. erneut Unterschriftenaktionen geplant sind, oder sonstige Möglichkeiten für die einzelnen Bürger/innen bestehen.

    Viele Grüße

    Thomas

    Danke für das Interesse. Ich bleibe am Ball und werde darüber berichten, wie die Sache weitergeht. Jetzt, nachdem Ramelow abgewählt ist, ist alles offener geworden. Mal sehen, ob jetzt irgendeine politische Richtung uns Naturschützern Unterstützung gibt.

  • Liebe Pilzfreunde,


    wer in Oberhof bei Andreas Gminder beim Pilzkurs war kennt die Wiese. Es ist die große Wiese direkt am AWO-Sano.

    Ich bin gespannt, wie das Ganze mal ausgehen wird. Die Wiese bietet ja so Einiges, auch an Pilzen.

    Danke Kauz für das Thematisieren.


    Beste Grüße

    Stefan

  • Halllo Kauz,


    bin ganz bei Dir, Golfplätze sind kein Naturidyll. Egel wo die gebaut (oder restauriert) werden. Warum jetzt gerade ein FDP-MP Orchideen retten soll, kann ich grad nicht verstehen. Magst Du das erklären?


    Wer kann denn FFH Gebiete melden? Muss das die Landesregierung sein?


    Sorry, ich bin mir nicht sicher, ob immer die Politik schuld sein muss. Ist es nicht eher die lokale Wirtschaft, die die Verwüstungen anrichtet?


    Doppelsorry: komme aus Bayern, wo die Wirtschaft den Politikern die Welt erklärt. Vielleicht ist Gut und Böse bei Euch ja sauber getrennt?


    Grüßle

    RudiS

  • Ohne hier vom Thema all zu weit abzuweichen und schon gar nicht eine Diskussion zu entfachen, schreibe ich ohne Fortsetzung "nur" Folgendes: Golfplätze gibt es nun wahrlich genug. Noch schlimmer sieht es - um mich dem obigen Schreiber als Bayer anzuschließen- mit Skigebieten aus. Skifahren ist schön, aber es gibt inzwischen endlos, ja fast unendlich viele Skigebiete, so dass man jeden Tag jahrelang woanders Skifahren könnte. Da muss doch nicht jedes Jahr wieder irgendeine bzw. mehrere Gemeinden ihren eigenen Skilift und Skizirkus bauen und die bereits erschreckend beschädigte Alpennatur noch weiter kaputt machen.

    Viele Grüße

    Thomas.

  • Hallo, wo habe ich denn geschrieben, dass ich mir etwas von einem FDP-Politiker erhoffe?.

    Ich wollte mit der vorangegangenen Antwort nur zum Ausdruck bringen, dass es nach meinem Empfinden für die Wiese vielleicht doch noch Rettung gibt, da der Golfclubvorstand nun vorerst keinen Ministerpräsidenten mehr als Befürworter für sein Projekt hat, Der SPD-Tiefensee ist ja nun anscheinend auch aus dem Rennen. Falls sich der neue FDP-Ministerpräsident nach einer eventuellen erfolgreichen Kabinettsbildung tatsächlich richtig ins Zeug legt, hat er in Thüringen demnächst wahrlich Wichtigeres zu tun, als sich gleich von Golfclub-Leuten wegen ihrer verantwortungslosen Vorhaben die Zeit stehlen zu lassen. Allerdings bin ich mir im Klaren, dass wir Naturschützer in dieser Sache ebenfalls kaum etwas von der Politik zu erwarten haben.

    Sollte die zuständige Stelle jemals einen Bebauungsplan für den Golfplatz erlassen, steht den anerkannten ehrenamtlichen Naturschutzvereinigungen der Rechtsweg offen. Dann wird eben mit Unterstützung versierter Rechtsanwälte geklagt; und dieses Verfahren dauert dann bis den Golfclublern lange Bärte gewachsen sind. In das Können unserer Justiz habe ich immer noch ziemliches Vertrauen.

  • Hi,


    äähm nur mal ganz kurz 2 Anmerkungen/Erinnerungen:


    1. Wir haben hier Regeln; eine davon besagt, dass politische Diskussionen außerhalb von naturschutzrelevanten Dingen hier nicht gestattet sind. :) Ich bin auch aufgrund der Gesamtmengelage in Thüringen auch sehr mitgenommen und unzufrieden, das könnt ihr mir glauben; trotzdem gehört das nicht hier ins Forum. Ich würde euch sehr bitten hier nur auf das Thema zum Schutz der Wiese zu beschränken, was mir auch sehr am Herzen liegt.


    2. Zurück zum Thema: Erster Ansprechpartner sollte die lokale untere Naturschutzbehörde sein; also Landratsamt. Nächste Schritte wären dann Naturschutzbeauftragte, die Thüringer Landeskoornidatorin für Pilze, vielleicht gibts auch ein entsprechendes Pendant bei den Pflanzen. Weiterhin habt ihr die Möglichkeit lokale Politiker einzuschalten, bzw. sich mit denen auszutauschen. Nächste Schritte wären dann Kontaktaufnahme zu Landes-, Bundes- und Europäischen Behörden. Wenn auf der Wiese irgendwelche deutsche Verantwortungsarten wachsen, müssen das die entsprechenden Behörden erfahren.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Liebe Pilzfreunde,


    also, die Rot-Rot-Grüne Landesregierung hatte 2019 nichts gegen den Golfplatz, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt würden..


    umwandlung_des_flaechennaturdenkmals_schuderbachswiese_oberhof_in_einen_golfplatz.pdf


    Ich habe aber auch ein gewisses Verständnis für eine winzige Landstadt mit ca 1600 EW, die nur vom Tourismus lebt. Es stossen eben unterschiedliche Interessen aufeinander, die nun gegeneinander abgewogen werden müssen. Es ist nicht dienlich, bei Golfplätzen nur von elitären Clubs mit Abschottung nach Außen auszugehen. Ein wenig Zweifel habe ich aber, ob die Investoren überhaupt die Bedingungen erfüllen könnten. Es liegen ja nicht wirklich belastbare Fakten und Pläne vor. Im Juni habe ich wieder Gelegenheit die Wiese in Augenschein zu nehmen.


    Beste Grüße

    Stefan F.

  • Hallo zusammen,

    die Auffassung, dass ein Golfplatz in Oberhof maßgeblich die Lage der Nation oder auch nur die Wirtschaftskraft der Region verbessern würde, teilen wohl nur die, die sich davon irgendwelche Aufträge erhoffen.

    Wenn man sich die Antwort auf die Parlamentarische Anfrage aufmerksam durchliest - danke Stefan fürs heraussuchen - stellt man fest, dass das eine klare Sowohl-als auch-Antwort ist. Das tun Landesregierungen gern, um nicht anzuecken, denn letztlich ist es eine regionale Entscheidung und da hängen sich Landesregierungen eben ungern aus dem Fenster. Aber dagegen, dass die Sympathie für naturschutzfachlichen Aspekte unter dem gerade gewählten neuen Thüringer Ministerpräsidenten gegenüber der letzten Landesregierung steigen werden, wette ich 10 Euro gegen eine Erdnuss, von mir auch 10 Chips gegen einen. (Mir ist heute übrigens schon von drei Menschen aus Berlin zu dieser Wahl kondoliert worden - Kletter-Stefan, da ich keine Parteien nenne, muss diese Anmerkung, die den Tatsachen entspricht, erlaubt sein).


    Ich bewerte die Chancen gar nicht so schlecht an, dass die Naturschutzbehörden ihr Veto einlegen. Sollte das in der Abwägung bei einem B-Plan weggewogen werden, sehe ich immer noch die Möglichkeit, dass klageberechtigte Verbände aktiv werden. Aber so weit muss man es in der Tat nicht unbedingt kommen lassen, wenn es die Möglichkeit dazu gibt. Deshalb finde ich, dass Kauz schon genau das Richtige tut. Argumente sammeln, die das Golfplatz-Vorhaben ad absurdum führen.

    Davon hab ich auch noch ein paar:







    Ich denke, dass alle Akteure ihr Material zusammentrage sollten. Die Pilze sind über die gesamte Wiese verteilt, dieser Champignon sei bislang in Thüringen erst drei Mal kartiert, meinte Andreas.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • (Mir ist heute übrigens schon von drei Menschen aus Berlin zu dieser Wahl kondoliert worden - Kletter-Stefan, da ich keine Parteien nenne, muss diese Anmerkung, die den Tatsachen entspricht, erlaubt sein).

    Ich habe nix dagegen und sehe es genau so. :) Der Champi interessiert mich. Weißt du noch, wie er heißt? Danke auch an Stefan F. fürs Raussuchen.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo,


    der Champignon ist Agaricus porphyrocephalus, in der neuen Roten Liste in Kategorie 1 eingestuft.

    Des weiteren kommen dort etliche Saftlinge und Rötlinge vor, auch weitere RL 1 - Arten die teils auch gleichzeitig Verantwortungsarten sind. Natürlich auch einige weitere CHEG-Arten.


    Die von Claudia im letzten Bild gezeigt Entocybe nitida ist aber nicht von der Wiese dort, sondern vermutlich aus dem Siegelbach-Hangquellmoor, nicht wahr?


    beste Grüße,

    Andreas

  • Mensch Andreas, Du musst doch nicht alles lesen und dann auch noch verraten, dass ich den stahlblauen Pilz dazugeschummelt habe.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Jetzt geht es ans Eingemachte, denn die Stadt Oberhof hat nun offiziell das Bebauungsplanverfahren eingeleitet.

    Es liegt erstmal ein Vorentwurf vom März 2020 mit der Bezeichnung "Sondergebiet Golfareal Schuderbachswiese" zur Anhörung vor.

    Auch der "Normalbürger" hat das Recht, hierzu bei der Stadtverwaltung Oberhof (bauamt@stadt-oberhof.de) bis 22.05.2020 Stellung zu nehmen.

    Bei der Darlegung des Themas "Schutzgebiete" unter Pkt. 3.5 dieses Vorentwurfs wird das betroffene Flächennaturdenkmal "Schuderbachswiese" mit 5,8 ha und mit der beunruhigenden Bemerkung "unpräzise Grenzen,... in der Natur schwer nachvollziehbar" benannt. Die Schutzvorschrift aus DDR-Zeiten wurde zur Wendezeit nochmal erweitert, und dies anscheinend ein bischen hektisch.

    Von der Schuderbachswiese sollen "großzügigerweise" ca. 2,2 ha im Zentrum des Golfareals erhalten werden. Wer Lebenserfahrung hat wird wissen, dass solche "Restflächen" nach und nach verkommen und sich die umgebende Nutzung immer mehr hineinfrisst. In diesem Zusammenhang verweise ich auf das vergammelte Zauneidechsen- und Glattnatternhabitat auf dem Landesgartenschaugelände Oelsnitz/E.. Schon die Golfplatzbaumaßnahmen werden zu ersten Beeinträchtigungen führen. Beim späteren Betrieb werden. immer wieder Golfbälle auf der Naturschutzwiese landen, die sich die Golfer unter Verursachung vieler kleiner Schäden natürlich herausholen werden. Kontrollen, sowohl behördlich als auch durch Ehrenamtler, werden schwierig, weil Golfplätze abgeschirmt sind. Bei dem Gebiet haben wir es mit einer komplizierten Gemengelage aus mehreren Naturschutzvorschriften zu tun, da spielen auch noch der Schutz von Biotopen nach den nationalen und den EU-Vorschriften sowie der Artenschutz eine Rolle. Glasklar ist nur die naturschutzfachliche Würdigung des Gebiets, die einen sehr hohen Ausstattungswert bescheinigt. Da braucht man, um in Gegnerschaft zu einem Bauprojekt was in der Hand zu haben, nicht erst die Sichtung eines Schwarzstorches ins Feld zu führen. So führt u.a. an der rechtlichen Gewichtung der nach der BArtSchV besonders geschützten Saftlingsarten kein Weg vorbei. Für sehr anspruchsvoll halte ich die für eine sachgerechte Abwägung erforderliche Gewichtung des konkreten Baubelangs. Denn diesen betreffend ist Vieles unsicher. Da wird im Vorentwurf Folgendes zu einer "Landesinitiative Oberhof 2023" ausgeführt:

    Pkt. 2.3 Landesinitiative Oberhof 2023
    Die Region Oberhof bildet das sportliche und touristische Zentrum im Thüringer Wald. Die Ausrichtung sowohl der Biathlon- als auch der Rennrodel-Weltmeisterschaft im Jahr 2023 wird erneut den Blick eines Millionen-Publikums auf den Sport- und Tourismusstandort Oberhof richten. Um dieser Bedeutung gerecht werden zu können werden im Rahmen der Landesinitiative „Oberhof 2023“ Investitionen in Modernisierung und Umbau von Sport- und Freizeitanlagen, in öffentliche Infrastruktur als auch zur Unterstützung touristisch relevanter privater Investitionsvorhaben in Form von Leitprojekten initiiert und koordiniert." Markige Worte wenn man bedenkt, dass wir bereits voll in eine Weltwirtschaftskrise schlittern.

    Soweit so gut; sollen sie erstmal machen. Solch ein Verfahren braucht seine Zeit. Wenn einem Bebauungsplan ernsthafte materielle Naturschutzvorschriften entgegenstehen, machen die Bau- und die beteiligten Naturschutzbehörden immer öfter rechtliche Fehler. Das Bundesverwaltungsgericht kann ein Lied davon singen.

  • Es schadet vielleicht trotzdem nicht sich mal mit NABU oder BUND abzustimmen. Und es schadet keinesfalls dort lebende Tiere und Pflanzen mit in die Waagschale zu werfen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei Pilzen die Politik nicht sonderlich interessiert ist; bei Orchideen oder seltenen Vögeln allerdings sehr wohl. Was ich nun nicht ganz verstanden habe. Brüten nun dort Schwarzstörche oder nicht?


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Es schadet vielleicht trotzdem nicht sich mal mit NABU oder BUND abzustimmen. Und es schadet keinesfalls dort lebende Tiere und Pflanzen mit in die Waagschale zu werfen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei Pilzen die Politik nicht sonderlich interessiert ist; bei Orchideen oder seltenen Vögeln allerdings sehr wohl. Was ich nun nicht ganz verstanden habe. Brüten nun dort Schwarzstörche oder nicht?


    l.g.

    Stefan

    Es gibt eine naturschutzfachliche Bewertung der Wiese durch das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz. Da wurden nach Hinweisen von Bekannten alle Register gezogen. Das mit den Saftlingen habe ich nur erwähnt, weil wir halt im Pilzforum sind.

    MfG

  • Hallo Ihr,


    dieses Mail erhielt ich gerade zugesandt. Auch von mir: Bitte aktiv werden!


    Liebe Grüße


    Maria



    Liebe AHO-Mitglieder,

    seit 30.03.2020 hat die Stadt Oberhof auf Ihrer Web-Seite


    Bebauungspläne der Stadt Oberhof | Oberhof


    einen 'Vorentwurf' für den Bebauungsplan 'Sondergebiet „Golfareal Schuderbachswiese“' veröffentlicht und in einer Bekanntmachung im Sinne einer 'frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit' gem. BauGB §3 mitgeteilt, dass "für jedermann die Möglichkeit (besteht), die Unterlagen einzusehen und sich über die planerischen Absichten, die auf Wunsch erläutert werden, zu informieren. Jedermann kann dazu Äußerungen und Anregungen abgeben."


    Trotz aller bisherigen Proteste, Resolutionen, Beschlüsse von Naturschutzbeiräten und der vorjährigen Petition an den Landtag hat die Stadt Oberhof mit Unterstützung von Landesbehörden (Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen) das Bauleitverfahren mit diesem Vorentwurf eröffnet und das trotz des Vorliegens des Gutachtens der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG), nach der die Schuderbachswiese eine der naturschutzfachlich wertvollsten Bergwiesen Thüringens und darüber hinaus ist. Wichtigste Ergebnisse der Studie sind bekanntlich:

    - 5,2 ha der Wiese betreffen den prioritären FFH-LRT 6230* "Artenreiche montane Borstgrasrasen auf Silikatböden“

    - größtes Arnika-Vorkommen Thüringens mit mehreren 1.000 Exemplaren

    - größtes Vorkommen der Orchideenart 'Grüne Hohlzunge' in Thüringen (gegenwärtig >600 Ex.)

    - Existenz weiterer meist stark gefährdeter Rote-Liste-Arten (>10 Arten)


    Dem Textteil des Vorentwurfes ist eine Planzeichnung mit der Lage der Golfbahnen beigefügt, aus dem jetzt schon das ganze Ausmaß der Flächeninanspruchnahme ersichtlich ist (s. beiliegendes Luftbild, auch Textteil und Planzeichnung liegen dieser E-Mail bei). Von der ca. 8 ha großen FND-Fläche sollen für den Naturschutz lediglich ca. 2,4 ha vorbehalten bleiben. Allein von der Fläche des prioritären FFH-LRT 6230* wäre darin nicht einmal die Hälfte mehr enthalten.


    Um der Forderung der Naturschutzverbände AHO, BUND und NABU, die Planungen aus Naturschutzgründen nicht weiter zu verfolgen, noch mehr Nachdruck zu verleihen, bitten wir alle Mitglieder, sich in persönlichen Schreiben und Bekundungen gegen die Zerstörung der Schuderbachswiese zu wenden, mit dem Hinweis, dass es sich hier um eine der für den botanischen Lebensraum- und Artenschutz in Thüringen (und in Deutschland) bedeutsamsten Bergwiesen handelt (die detaillierte Stellungnahme des AHO wird nach Abgabe auf unserer Internet-Seite veröffentlicht).

    Zu richten sind diese Bekundungen bis spätestens 22.05.2020 an

    - eMail:
    bauamt@stadt-oberhof.de


    - schriftlich: Stadtverwaltung Oberhof, Bauamt, Zellaer Str. 10, 98559 Oberhof

    Wer möchte, kann seine Einwendung in Kopie an die Geschäftsstelle des AHO senden:


    AHO Thüringen e.V.
    Geschäftsstelle
    Auenstr. 31,
    99880 Mechterstädt

    aho.thueringenGS@t-online.de



    Es wäre für uns in der nächsten Phase des Planungsverfahrens (in der die 'Öffentlichkeit' nicht mehr beteiligt wird) wichtig zu wissen, wie viele besorgte Bürger sich gegen das Bauvorhaben geäußert haben. Wie wir erfahren haben, sollen diese Stellungnahmen für die Anhörung im Landtag, die bezüglich der vorjährigen Petition noch aussteht, ausgewertet werden. Auch in dieser Hinsicht wäre Ihre/Eure Meinungsäußerung gegen das Golfplatzvorhaben für uns von großer Hilfe.
    Beste Grüße und herzlichen Dank für Ihre/Eure Unterstützung

    gez.


    Otmar Töpfer Volker Kögler



    AHO Thüringen e.V.

    Geschäftsstelle

    Auenstr. 31


    99880 Mechterstädt


    Tel. 03622-2004440

    www.aho-thueringen.de



    lb_pl20V.pdf

    Bebauungsplan+SO+Schuderbachswiese+Vorentwurf+März+2020.pdf

    B-Plan+SO+Schuderbachswiese+VE+Erläuterung.pdf

  • Hallo, Maria, da sind wir ja schon zu zweit gegen das Wahnsinnsprojekt.

    Ich habe der Stadt meine Stellungnahme geschickt. Hoffentlich tun das noch viele, damit die ordentlich zu tun bekommen.

    Gruß aus dem Erzgebirgsvorland.

  • Hallo, Maria, da sind wir ja schon zu zweit gegen das Wahnsinnsprojekt.

    Ich habe der Stadt meine Stellungnahme geschickt. Hoffentlich tun das noch viele, damit die ordentlich zu tun bekommen.

    Gruß aus dem Erzgebirgsvorland.

    Hallo Kauz,


    da sind nicht nur wir zwei :) Ich habe es über Mitglieder der AHO Bayern erhalten. Hoffen wir, dass viele Einspruch erheben / reagieren und eben auch von den Pilzlern.


    Liebe Grüße


    Maria

  • Die Petitionen verschiedener Naturschutz-Vereinigungen und Privatpersonen aus 2018-2020 zum Golfplatzvorhaben hat der Thüringer Landtag zur (Gesamt-)Petition E-806/18 zusammengefasst. Anfang Juli 2020 wurde dazu im LT mit einem Teil der Petenten, der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen, der Stadt Oberhof, Fachleuten und Abgeordneten verschiedener Parteien eine Erörterung durchgeführt. Trotz einer anders lautendern schriftlichen Ankündigung hatte man mich nicht eingeladen und dies mit der Corona-Gefahr begründet. Corona wird wahrscheinlich auch noch die kommenden Jahre bequem herhalten, um unbequeme Zeitgenossen aus normalen demokratischen Diskursen herauszuhalten.

    Von der Erörterung erhielt ich wenigstens einen Teil des Protokolls. Ich zolle den vertretenen Naturschützern und Fachleuten ein großes Lob für die tiefgründig und fachlich fundiert vorgetragenen Beiträge, die den besonderen rechtlichen Status der Naturschutzgüter untermauern. U.a. war zuvor kartiert worden und man hat wieder zahlreiche wertvolle Pflanzen (u.a. ca. 1100 Grüne Hohlzungen) nachweisen können. Die Argumente der Gegenseite sehen demgegenüber lau aus. Wie nicht anders zu erwarten, trieb die Diskussion auch Stilblüten. Eine Abgeordnete (Partei mir gegenwärtig nicht bekannt) schien zwar begriffen zu haben, welche bedeutenden Naturwerte in Gefahr sind. Die Schönheit der vorgestellten Landschaft animierte sie aber zu der Frage, ob man diese unter touristischen Gesichtspunkten nicht anderweitig erlebbar machen könnte (wohl am besten ein verzeigtes Wegenetz in der Wiese bauen oder...???). Leute, ich bin einfach nur sprachlos! Wie mir zugetragen wurde, habe sich die CDU nicht für den Golfplatz eingesetzt.

    Seit letzter Woche bin ich wieder ein wenig aufgebaut, da der Naturschutzverband Sachsen e.V. vor einem Monat nach Klage vor dem Sächsischen Oberverwaltungsgericht Bautzen einen in meiner Nähe liegenden Eigenheim-Bebauungsplan vernichtet hat. Die Planer der Stadt Hartenstein hatten bei der Anwendung des FFH-Rechts gepfuscht.

  • Hallo Kauz,

    besten Dank für deinen ausführlichen und informativen Bericht zur Lage. Hoffentlich geht die Sache für die Natur und deren Lebewesen gut aus . Dir ein schönes Wochenende.

    Viele Grüße

    Thomas

  • Servus beinand,


    ich sehe den Thread erst jetzt, da ich in dessen Anfangszeit hier inaktiv war. Die Pilzvorkommen alleine sollten ausreichen, den Bebauungsplan zu kippen.

    Wir haben doch einen deutschlandweit aktiven Pilzverein, der sich offiziell auch für Naturschutz einsetzt. Weiß jemand, ob sich dieser Verein aktiv einbringt und die Petition unterstützt? Präsidiumsmitglieder dieses Vereins wissen ja von den Plänen... da könnte der Verein was sinnvolles tun, zusammen mit der ThAM?!


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo, Thomas und Christoph,

    Mit der Erörterung der Petition ist der wesentlichste Schritt in diesem Verfahren erledigt. Als letztes wird es wohl ein Votum an die Trägerin der Bauleitplanung, die Stadt Oberhof, geben (Darüber werde ich informiert). Sicherlich könnte der Landtag, wenn er von einer Unüberwindbarkeit der Naturschutzbelange rechtlich überzeugt wäre, z.B dem Innenministerium als oberster Baubehörde die dringende Empfehlung geben, für eine Einstellung des Bauleitplanverfahrens zu sorgen und keine weiteren kommunalen Gelder hierfür zu verschwenden. Soweit wird es nach meinem Empfinden aber nicht kommen, z.B. da der Ministerpräsident Ramelow ein Befürworter des Golfplatzes ist. Deshalb werden die anerkannten Naturschutzvereine sicherlich von ihrem Verbandsklagerecht Gebrauch machen. Die naturschutzfachlichen und -rechtlichen Fakten müssen dann sauber aufbereitet dem Thüringer Oberverwaltungsgericht vorgetragen werden. Dabei spielen nachgewiesene besonders geschützte Pilze, die zugleich auch den Wert der gesetzlich besonders geschützten Biotope und des Flächennaturdenkmals erheblich steigern, ebenfalls eine sehr wichtige Rolle.

  • Lieber Christoph,


    selbstverständlich ist der deutschlandweit aktive Verein, Du darfst gern die DGfM beim Namen nennen unterstützend mit beteiligt. Hier die Ergebnisse einer Untersuchung von Andreas Gminder.


    Schuderbachwiese_Rote-Liste-Arten.pdf


    In meinem Bericht über einen Pilzkurs, dort vor Ort, wird in den nächsten DGfM-Mitteilungen ebenfalls auf diese Problematik hingewiesen.


    Beste Grüße

    Stefan F.

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