Krempling? Und wenn ja, welcher?

Es gibt 17 Antworten in diesem Thema, welches 4.407 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Tricholomopsis.

  • Hallo Ihr Lieben,


    ich bin komplett aus der Übung was Pilzbestimmung betrifft. Was für ein Pilz ist dies bitte?

    Fundort war am Wegrand im Mischwald (Laub und vorwiegend Nadel), der Boden muss bereits sauer sein da Heidelbeeren, kann aber auch noch kalkhaltig sein, kann auch sandig sein (sorry, ist echt eine total interessante Ecke dort was den Boden betrifft).

    Jedenfalls bin ich über Eure Hilfestellung sehr dankbar.

    Liebe Grüße


    Maria


      

  • Liebe Maria,


    Krempling, ob Kahler oder Erlen hängt vom Substrat ab,


    LG

    Peter

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    27 -10 für APR 2020 = 17 + ein Kerzenstummel

    17 - 10 für APR 2021 = 7 + ein Kerzenstummel

    7 + 13 aus APR 2021 = 20 + ein Kerzenstummel


  • Danke Peter.

    Immerhin habe ich nicht alles verlernt (Krempling)

    Also … dort waren Erlen aber eben nicht überall wo ich den Pilz gefunden habe (kann natürlich sein, dass ich die übersehen habe). Die meisten dieser Pilze wuchsen neben einem kleinen Bach aber es gab auch einige wenige auf der anderen Seite des wirklich breiten Schotterweges und damit ziemlich weit entfernt des kleinen Baches.

    Ich bilde mir ein, dass ich Kahle Kremplinge gesehen habe (früher) und eigentlich kenne. Diese hier fand ich aber irgendwie anders. Aber was weiß ich schon und wie oft habe ich hier in Altmühlfranken z. B. schon Pflanzen gefunden die ganz anders aussahen als in anderen Gegenden.

    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo Maria,

    Für mich makroskopisch eindeutig ein Erlen-Krempling.

    Habe hier ein Habitat , in welchem ich den jedes Jahr finde (bisher leider trockenheitsbedingt noch nicht)

    Gruß Norbert

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    Pilzchips = 100 -5 APR 2015 +12 APR 2016 = 107 -7 Für APR 2017 = 100 + 5 APR 2018 =105 +5 APR 2019 =110+6 APR 2020=116+5+4 APR2021=125

    Pilzbestimmung im Netz ist keine Essfreigabe

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  • Danke Norbert!

    Mmmh - eindeutig? Für mich war und ist dies leider irgendwie nicht eindeutig. Könntest Du mir dies bitte erklären, also woran man dies makroskopisch erkennen kann? Ich wäre dir sehr dankbar.

    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo Maria,

    Tatsächlich kann ich es so nicht erklären.

    Wie ein bekanntes Gesicht halt - die Hutoberfläche , eigentlich nicht geschuppt , aber fast so aussehend , zum Rand hin so fast wie gerieft , was aber von den brauneren Teilen der Huthaut kommt , die Farbe.....

    So mit harten Fakten für mich kaum zu beschreiben.

    Vielleicht kanns jemand hier besser erklären , aber ich sehe hier klar den Erlen-Krempling.

    Auch der Rest des Bildes passt , Fichtennadeln UND Kiefernnadeln Und Klee......was ist das Krautblatt auf Bild 1 unten ? kenn ich nicht , wächst an meiner Fundstelle auch.

    Gruß Norbert

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    Pilzchips = 100 -5 APR 2015 +12 APR 2016 = 107 -7 Für APR 2017 = 100 + 5 APR 2018 =105 +5 APR 2019 =110+6 APR 2020=116+5+4 APR2021=125

    Pilzbestimmung im Netz ist keine Essfreigabe

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  • Danke Norbert


    Ich habe ja auch gesehen, dass diese Pilze irgendwie anders sind als die kahlen Kremplinge die ich früher gesehen hatte - irgendwie intuitiv und ohne sagen zu können warum. Mit Deiner Antwort hast Du mir schon einmal ein Stück weit weiter geholfen.

    Liebe Grüße

    Maria

  • Hallo Maria,


    vielleicht guckt Christoph (Tricholomopsis) ja noch ins Forum und findet Deine Anfrage. Wir meinen, er hat sich sehr ausführlich mit Kremplingen beschäftigt.

    Für uns aus dem Bauch heraus auch Erlenkremplinge - aber da wir seit gefühlt einem halben Jahr keine Pilze mehr gesehen haben - wir sind mit Sicherheit auch aus der Übung... :grolleyes:


    Liebe Grüße


    Holger und Sabine

  • Servus Maria,


    Kremplingsbestimmung ist in der Tat nicht gerade einfach. Schon "der" Kahle Krempling besteht bei uns aus mindestens vier Arten:

    Paxillus involutus s.str., Paxillus cuprinus, Paxillus validus/ammoniavirescens, Paxillus obscurisporus. Eventuell kann auch Paxillus vernalis bei uns auftreten, wobei ich da die Funde erst glaube, wenn ich Belege untersucht habe (ich habe den Typus von Paxillus vernalis ausführlich analysiert).


    Beim Erlenkrempling dürften es "nur" zwei bei uns sein. Ich hatte mich nicht getraut, die Art in zwei zu spalten - genetisch hat sich das aber bestätigt. Ich weiß nur nicht, inwiefern die genetischen Befunde mit meinen (makroskopischen) Befunden hinsichtlich der Erlenkremplinge korellieren.


    Ich hole nur so weit aus, um Peters Aussage "das Substrat entscheidet, ob Kahler oder Erlenkrempling" zu widersprechen.


    Deine Pilze sehen für mich in der Tat wie Erlenmkremplinge aus - entscheidend sind die teils schön goldgelben Lamellen (der Farbton ist mit enthaltgen, finde ich) und die Textur der HDS. Wobei das nicht so eindeutig ist - auch Paxillus cuprinus kann diese Faserung haben, wächst aber bei Birke an offenen Stellen. Paxillus validus ist kräftiger, zeigt aber auch gerne einen deutlichen Gelbton in den Lamellen (aber mehr zitronengelb, kühler).


    "Den" Erlenkrempling gibt es in klein, kräftig, dickstielig und mehr areolierten Hüten und mit dem basal eher ausdünnendem Stiel und der mehr radial-büschlig-faserigen Huthaut. Dein Fund ist der zweite Typ. Beide haben kleinere Sporen als das Paxillus-involutus-Aggregat. Das ist das beste, härteste Merkmal.


    Kremplinge sind spannend, aber eben nicht gerade einfach. Ich habe daher auch die Rhizomorphen und Sklerotien zur Artunterscheidung mit einbezogen, um mehr Merkmale zu haben.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Maria,


    der Erlenkrempling hat kleinere Sporen als der kahle Krempling und hat als Mykorhizzapartner eben die Erle. Zu beachten wäre eventuell auch, daß beim kahlen Krempling der Hutrand weniger scharf ist und viel länger eingerollt bleibt.


    Beste Grüße

    Stefan F.

  • Servus Stefan,


    wie ich schon schrieb: "der Kahle Krempling" ist ein Artenaggregat und makroskopisch sehr variabel. Ebenso ist "der" Erlenkrempling auch mehr als eine Art. Und Erlenkremplinge gibt es auch mit relativ lang eingerolltem Hutrand (das ist der kleinere, aber stämmigere der beiden Erlenkremplinge, bei dem auch die Stielbasis nicht so ausspitzt und der mehr areoliert aufreißende Huthaut zeigt).


    Das mit den Sporen stimmt natürlich - die sind bei den Erlenkremplingen kleiner (siehe oben). ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Ich hole nur so weit aus, um Peters Aussage "das Substrat entscheidet, ob Kahler oder Erlenkrempling" zu widersprechen.


    Servas Christoph,


    mir wurde 2014 vom einem Mitglied des Nw. Vereines erklärt, wenn Krempling bei Erle = es der Erlenkrempling, ==Gnolm11


    Paxillus rubicundulus P. D. Orton agg.






    Wenn das Substrat nicht entscheidend ist, wie kommt dieser Pilz zu seinem deutschen Namen? Rubicundulus ---> rötlich ist für mich nicht hilfreich. Worauf fruktiziert er?


    Gemeckert und beinahe gewettet wurde im Beitrag St. Margarethen in Kärnten, Teil 2 , zum Erlen-Krempling gab es keine Einwände.


    Hat schon seinen Grund, dass ich zu deinem Seminar nach Wien gefahren bin und in Windischgarsten aufschlagen werde. Darüber schwätzen wir bei einem Bierchen,


    LG

    Peter

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    27 -10 für APR 2020 = 17 + ein Kerzenstummel

    17 - 10 für APR 2021 = 7 + ein Kerzenstummel

    7 + 13 aus APR 2021 = 20 + ein Kerzenstummel


  • Servus Peter,


    neben der Erle steht ja auch gerne mal eine Fichte oder eine Birke - wie kannst du sicher den Symbiosepartner erkennen, wenn man nicht die Mykorrhiza ausgräbt. Daher bevorzuge ich es, wenn man den Pilz anhand der Fruchtkörper bestimmt und die Ökologie als Hilfsmerkmal heranzieht. War beispielsweise keine Erle weit und breit, so würde es mich wundern, wenn die Bestimmung anhand des Fruchtkörpers ein Erlenkrempling wäre. Umgekehrt geht es leider nicht, es sei denn, man wäre in einem Erlenreinbestand.


    Ich bezog mich aber mehr darauf, dass du nur zwei Kremplingsarten herangezogen hast: "den" Erlenkrempling vs. "den" Kahlen Krempling. ;)


    Liebe Grüße und auf bald in Windischgarsten,

    Christoph

  • Ich bezog mich aber mehr darauf, dass du nur zwei Kremplingsarten herangezogen hast: "den" Erlenkrempling vs. "den" Kahlen Krempling. ;)

    Jo mei,


    mehr habe ich nicht auf'm Schirm gehabt, totaler Amateur halt. Des Hobby mit den Briefmarken wird langsam zu einer überlegenswerten Alternative, ==Gnolm10


    LG

    Peter

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    27 -10 für APR 2020 = 17 + ein Kerzenstummel

    17 - 10 für APR 2021 = 7 + ein Kerzenstummel

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  • Griass di Peter,


    Amateur bin I aa. ;) Und ibahabts - drum bist do da herin, in dem Forum, damid'st mehra auf dei Schiam kriagst - is do supa, mia lerna oiwei a bisserl wos dazua. Und so sois do aa sei.

    Briafmarknsommeln, ah, geh weida, wos soi etz der Schmarrn? Des waar zu faad - die Natur is so spannend, beiß di eini, werst scho seng, s'lohnt si imma.


    An scheenan Gruaß,

    Christoph

  • Guter Versuch, Christoph. Aber über das Stöckchen springe ich nicht (mehr). Die Natur ist hier buchstäblich verbrannt. Da ist lange nichts mehr spannend. Es tut weh, das zu sehen.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Servus Claudia,


    du meinst die Dürre? Für den Klimawandel sind wir ja alle miteinander (als Menschheit) mit schuld - trotzdem für mich jedenfalls kein Grund zu resignieren. Hier wird es aber auch spannend - sorry, der Biologe kann da nicht aus seiner Haut - wie ändert sich die Biozönose? Welche Arten verschwinden, welche kommen neu dazu?


    Bei mir meine ich zu erkennen, dass der Satanspilz immer öfter gefunden wird. Auch der Silberöhrling mag hier die trockenen Sommer. Zudem verschiebt sich die Saison, sie fällt ja nicht völlig aus. Für mich jetzt eher unpraktisch, da ich nur im Sommer Dauerferien habe und Zeit hätte. Aber dann eben im November (unsere Herbstferien, eine Woche)...


    Wäre für mich die Natur nicht mehr spannend, dann würde ich vermutlich nur noch vor mich hin vegetieren. Finde ich keine Großpilze, schaue ich Kleinpilze an. Und wäre nicht auch der letzte Frühsommer so trocken und heiß geworden, hätte ich nicht einen Zweitfund weltweit machen können (Capronia suijae in Rothschwaig) - ich habe die Flechtenparasiten nur wegen "Pilzmangels" gesammelt und untersucht.


    Hier ging es aber mehr um die Artenvielfalt der Kremplinge - das hat ja nichts mit der Trockenheit und Stöckchen zu tun, die ich hinhalte. Und springen musst du sowieso nicht. Ich habe nur sehr intensiv an Kremplingen geforscht und hatte die Gattung revidiert. Daher habe ich eine besondere Beziehung zu diesen Röhrlingsverwandten und werde gerne immer wieder darauf hinweisen, dass "der Kahle Krempling" ein Artenaggregat ist, das aber zum Glück bestimmbar ist. Es ist nur manchmal etwas mühevoll, aber es geht ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph