Bitte dringend um Hilfe beim Artenschutz - Hygrocybe auf Privatgrundstück

Es gibt 47 Antworten in diesem Thema, welches 2.956 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Wutzi.

  • Danke für den kleinen Ausflug in die fachliche Terminologie, faria. Du hast zweifellos Recht, dass der richtige Gebrauch der Begriffe maßgeblich dafür ist, ob man von Behörden ernst genommen wird.

    Gibt es auf der Fläche vielleicht noch schützenswerte (RL-/BArtSchV-/FFH-relevante) Pflanzenbestände, mit denen Naturschutzverbände zusätzlich überzeugt werden könnten?

    Leider nicht. Die Vegetation ist völlig unspektakulär, aber typisch für Saftlingswiesen: Habichtskraut, Runzelbrudermoos, Witwenblumen und solche Sachen. Da gibts kein seltenes Bonuspflänzchen.


    Dass mir keine Klagebefugnis zusteht hatte ich schon erwartet, danke für die Einordnung Kauz . Ich bin ja nicht rechtlich beteiligt das ist etwas für die, die zur Verbandsklage berechtigten. Ich werde mich kümmern.


    Nach meiner Kenntnis bin ich die einzige, die in Thüringen im Rahmen von Natura 2000 oder für den Landschaftspflegeverband Vorträge über Saftlinge und andere seltene Wiesenpilze macht. Irgendwie ändert sich gerade ein Bisschen was in der Wahrnehmung der Bedeutung der Funga insbesondere für die Biodiversität. Es gibt ein Flrderprogramm für Bergwiesen. Aber für das Thema Pilze gibt es wenig Kompetenzen und die kleine isolierte Wiese scheint nicht in das Raster der Maßnahmen zu passen, bei der sich eine Förderung lohnen würde. Ich hatte das Thema bereits vor einiger Zeit ohne Ergebnis

    mit Leuten vom Landschaftspflegeverband diskutiert.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Runzelbrudermoos

    Hi,


    das ist zumindest in Sachsen geschützt. Leider weiß ich nicht, ob das auf Landesrecht oder Bundesrecht fußt...


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Ich habe einen Screenshot der von mir erfassten Arten und deren Rote-Liste-Status gemacht. Demnach sind mindestens drei vom Aussterben bedrohte Arten dort vertreten, 4 Arten sind in der Kategorie 2.

    Von H. aurantiosplendens gab es 2024 mehr als 100 Exemplare auf der kleinen Wiesenfläche. Karl W und andere Pilzexperten sind begeistert gewesen.


    Hallo Claudia,

    vielleicht kannst Du das als gesicherten Nachweis aufführen

    Hygrocybe aurantiosplendens
    16.10.24 Katzhütte Oelserstr.

    leg: Hämmerling, Claudia

    det: Wehr, Karl (mikroskopisch bestätigt)

    Standortaufnahme vom 16.10.24


    Karl Wehr


    Landeskoordinator für Pilzkartierung in NRW

    Landeskoordinatoren für Pilzkartierung - www.dgfm-ev.de/de/


    LG Karl

  • Danke, lieber Karl. Das hilft schon mal.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


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  • Hi,


    mir geht die Sache auch nicht aus dem Kopf. Ich werde einem Pilzfreund anschreiben, der rein zufällig in der sächsischen Naturschutzlandesstelle arbeitet. Vielleicht hat er noch eine Idee.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


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  • Hallo Wutzi,


    einen ganz ähnlichen Kampf hat vor Kurzem unser Forumsmitglied Botschafter ausgefochten - und leider verloren.

    Dennoch interessant reinzulesen, was er alles versucht hat u wie es ausging. Weiß nicht, ob du es damals verfolgt hattest? Das Ganze fand hier in unserer Nähe statt.

    Hier: Saftlings-Wiese soll überbaut werden

    Besonders dieser Post ist sehr aufschlussreich:

    Pilzige Grüße,

    Grüni/Kagi ==12


    117 Pilzchips


    (120PC Stand 07.01.24 -15PC Einsatz APR 2024 = 105PC +4PC Platz 9 APR 2024 +3PC Gnolmhessisch-Bonus +3PC für Sozialphahl= 115PC Stand 05.01.2025 -15PC Einsatz APR 2025 = 100PC +3PC 1. Rätzler über die Mitte +3PC Am nächsten an Schnapspunktzahl 222 +2PC 1500. Beitrag im Rätzelthread +3PC Selbsteinschätzung +3PC Bonus Bunte Gratulations-Lobhudelei +3PC Sondierungsphahl Salate = 117PC Stand 10.01.2026)


    –––––•~•–––––•~•–––––•~•–––––•~•–––––•~•–––––•~•–––––•~•–––––•~•–––––•~•–––––


    Meine Zeichnungen und Fotos sind außerhalb dieses Forums
    nicht ohne meine vorherige Genehmigung zu verwenden!


    Grünis/Kagis verrückte Pilzwerkstatt

    Pilze an ungewöhnlichen Orten finden!

  • Danke Stefan und Grüni,

    an den Beitrag von Botschafter habe ich mich auch sofort erinnert, Grüni/Kagi. Aber da liegen die Dinge anders. Gemeinsames Problem ist nur, dass die Saftlingswiese zerstört wird. Bei meiner Wiese geschieht es rechtswidrig. Eine Abwägung zwischen öffentlichem Interesse und Naturschutz ist nicht nötig, weil es hier ja nur das private Interesse eines Einzelnen gibt.


    Heute hatte ich Kontakt mit der UNB. Sie hatte bereits an die Gemeinde geschrieben, das Schreiben hat offensichtlich noch nicht erreicht. Sie will sich kümmern. Ich bin gespannt.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


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  • Hallo Wutzi, achso ja, die Sache liegt ist dann doch ein bißchen anders als bei Botschafter.

    Dann hoffe ich mal, daß dein Kampf erfolgreich sein wird und vor Allem, daß dein Engagement noch rechtzeitig kommt!

    Pilzige Grüße,

    Grüni/Kagi ==12


    117 Pilzchips


    (120PC Stand 07.01.24 -15PC Einsatz APR 2024 = 105PC +4PC Platz 9 APR 2024 +3PC Gnolmhessisch-Bonus +3PC für Sozialphahl= 115PC Stand 05.01.2025 -15PC Einsatz APR 2025 = 100PC +3PC 1. Rätzler über die Mitte +3PC Am nächsten an Schnapspunktzahl 222 +2PC 1500. Beitrag im Rätzelthread +3PC Selbsteinschätzung +3PC Bonus Bunte Gratulations-Lobhudelei +3PC Sondierungsphahl Salate = 117PC Stand 10.01.2026)


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    Pilze an ungewöhnlichen Orten finden!

  • Heute hatte ich Kontakt mit der UNB. Sie hatte bereits an die Gemeinde geschrieben, das Schreiben hat offensichtlich noch nicht erreicht. Sie will sich kümmern.

    Das klingt ja dann anscheinend doch ein bisschen bemühter als anfangs gedacht, oder bringe ich da was durcheinander?


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Hallo allerseits,


    also ein Kernpunkt der ganzen Sache ist schon so wie beim Botschafter - aktiv zu werden bevor die Kacke am Dampfen ist. Jeder weiß, dass kleinteilige Landwirtschaft sich nicht rentiert und mit mehr oder weniger aktiver Mithilfe der Politik in Berlin und Brüssel verdrängt wird. Womit das Schicksal einer Saftlingswiese am seidenen Faden hängt, im günstigten Fall gehört die einem traditionellen Landwirt, der sogar einen Erben für seinen Hof hat. Ähnlich günstig wäre Eigentum oder langfristige Pacht durch einen Naturschutz- oder Heimatverein. In allen anderen Fällen ist es eine Frage der Zeit, bis das Ding zugebaut, verbuscht oder umgepflügt ist. Gesetze und NSG-Status und EU-Richtlinien schützen keine Natur, sie können höchstens versuchen, Menschen dazu zu beauflagen.

    Man hätte auch hier viel früher aktiv werden müssen. Zunächst herausfinden, wem das gehört und von wem das genutzt wird. Selber kaufen, pachten, einen Verein dazu gewinnen, eben dies zu tun.


    LG, Bernd

  • Man hätte auch hier viel früher aktiv werden müssen. Zunächst herausfinden, wem das gehört und von wem das genutzt wird. Selber kaufen, pachten, einen Verein dazu gewinnen, eben dies zu tun.

    Sie hat doch geschrieben, dass es der Gemeinde gehört.


    Und dass die informiert war, was es dort alles gibt, und sich an den Mäharbeiten beteiligt hatte.


    Das klingt in meinen Ohren nicht nach einer Situation, aus der heraus damit zu rechnen ist, dass tags drauf da jemand Bambus hinpflanzt.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Servus Bernd,


    deine Annahmen sind falsch, wie auch Sabine schon anmerkt. Es ist Gemeindegrund, keine landwirtschaftliche Fläche. Die Gemeinde weiß bereits Bescheid. Kaufen oder Pacht wäre eine Möglichkeit, aber erfahrungsgemäß klappt das nicht so oft, denn der Eigentümer kann ja nein sagen. Wenn du die obige Zusammenfassung des Sachverhalts liest, wirst du sehen, dass früh gehandelt wurde. Das Einzige, was vielleicht spät kommt, ist die Meldung von Rote-Liste-Arten. Aber zu spät dürfte es hoffentlich nicht sein.

    In Bayern sucht das Landesamt für Umweltschutz koordinatengenaue Fundpunkte von RL-1 und RL-2-Arten, um von Behördenseite direkt aktiv werden zu können, wenn z.B. Bauanträge gestellt würden. Wie das in Thüringen ausschaut, weiß ich natürlich nicht. Leider wird oft nur im alten MTB-Raster kartiert, nicht punktgenau. Hier ist aber auch das egal, da die Fläche sehr klein ist und die Funde entsprechend zugeordnet werden können.


    Ich drücke jedenfalls fest die Daumen und bin noch zuversichtlich. Bei RL-1-Arten sollten die Behörden und auch die Naturschutzverbände schnell aufmerksam und aktiv werden.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Das ist offensichtlich so, liebe Sabine. Der Amtsschimmel war nur ein bisschen langsamer als der Gärtner.

    Bis so ein Brief von allen EntscheidungsträgerInnen abgesegnet ist, kann das schon mal ne Weile dauern. Und die Post ist auch nicht mehr so fix wie früher. Da braucht es schon mal 3 Wochen bis so ein Brief abgeschickt ist. Blöd gelaufen.


    kruenta, bitte lies doch mal genau von Anfang an. Alles. Dein Rundumschlag passt einfach nicht.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Hallo Christoph,


    welche Annahme, bitte schön, habe ich denn geäußert, die deiner Meinung nach falsch ist?


    Dass es Gemeindeland ist, hat Wutzi erst in diesem Thread offengelegt (ist ja nicht so, dass diese Wiese nicht schon öfter Thema im Forum gewesen wäre) - wobei im Thread kurioserweise von "Privatgrundstück" die Rede ist. Der Umstand, dass es Gemeindeland ist, hat aber erstmal mit der Verwendung als Wald, Parkplatz oder landwirtschaftlicher Fläche nichts zu tun. Alle diese Arten von Land können Eigentum einer Gemeinde sein. Dass es eine Wiese war, deutet aber schon darauf hin, dass diese Fläche landwirtschaftlich genutzt wurde, oder wenigstens landwirtschaftsimitierend. Da eine Gemeinde von sich aus nicht landwirtschaftlich agiert, wird sie eine Wiese entweder zur Pacht vergeben oder als öffentliches Grünland "Rasen" pflegen, zu welchem Zweck auch immer. Dass Gemeinden in Deutschland zumeist bei knapper Kasse sind, ist wohl eine Randbedingung, deren Kenntnis man als allgemein bekannt voraussetzen kann. Aber auch das habe ich nicht als Annahme geäußert.


    Eher steht hier die Annahme im Raum - nicht von mir - dass dieser Wiese ja schon nichts passieren wird, weil sie so toll ist und allerhand EU- und nationales und Landesrecht sie "schützen". Die sich als nicht sonderlich gut begründet herausgestellt hat. Wie ja auch selbst eingeräumt wird

    Zitat

    Also nahm ich an, dass die Fläche gesichert ist.

    Ein Trugschluss.

    Keiner der MdB oder MdEP wird mit Sense anrücken.


    Wutzi, ich lese den Thread von Anfang an mit. Auch da ist mir nicht klar, wo du einen Rundschlag siehst, oder was mir in der Schilderung entgangen wäre, was meiner Sicht entgegenstünde.


    LG, Bernd

  • Servus Bernd,


    dass es sich um Gemeindegrund handelt, steht im Beitrag Nr. 3.

    Man hätte auch hier viel früher aktiv werden müssen. Zunächst herausfinden, wem das gehört und von wem das genutzt wird.

    Diese Annahme ist falsch. Es wurde bereits herausgefunden, wem die Wiese gehört.


    Klar, da gebe ich dir recht: Es wäre viel besser gewesen, wenn sofort nach Entdeckung der RL-1-Arten gehandelt worden wäre. Dem war aber nicht so, weil es eben nur eine kleine Gemeindewiese war, die halt da ist und regelmäßig gemäht (aber nicht genutzt) wurde und eine direkte Bedrohung nicht gesehen wurde. So habe ich es eben verstanden.


    Ich kann es auch ein Stück nachvollziehen. Ich weiß nicht, ob du im Naturschutz Erfahrung hast. Ich kenne das Problem, entscheiden zu müssen, ob man etwas publik macht oder unter dem radar belässt. Manchmal ist es besser, abzuwarten. Meldet man erste Ergebnisse, kann es auch passieren, dass sofort die Fläche zerstört wird, um keine Auflagen zu riskieren. Bei Privatgrund ist das meist eher der Fall. Hier in Bayern haben mal vor ein paar Jahren Grundbesitzer in Panik alte Obstbäume von Streuobstwiesen gefällt und die Wiesen gedüngt, damit sie nicht als wertvoll eingestuft werden (da ging es um eine staatliche Bestandsaufnahme). Oft braucht man Fingerspitzengefühl, denn diese Einstellung "bevor mir jemand in meine Flächen reinredet, mache ich sie lieber kaputt" gibt es leider. Ich habe genau dieses Problem aktuell bei einem dringenden Schutzbedarf einer Fläche. Da haben wir nach langer Diskussion auch beschlossen (wie meint BMG und LBV), dass das Vorkommen nicht publik gemacht wird und kein Pacht- oder Kaufangebot gemacht wird. Pauschal lässt sich schnell raten, früher aktiv zu werden. Im konkreten Einzelfall ist es nicht so einfach.


    Es ist in meinen Augen also immer eine Abwägungssache, ob man den Wert bekannt gibt und versucht, zu pachten oder abzukaufen oder es beim Status Quo lässt. In Bezug auf Thüringen und den Landesbehörden dort kenne ich mich nicht aus, wie ich schon angemerkt habe. Vielleicht gibt es da auch eine Behörde, die punktgenaue Daten von gefährdeten Arten sammelt. Wäre da was im Vorfeld gemeldet worden, könnte man vielleicht schneller aktiv werden, wenn eine Nutzungsänderung ansteht. Das sind aber viele Wenns und Abers.


    Es wäre schade, wenn es zu spät wäre. Ich drücke aber lieber die Daumen, dass es was wird und würde lieber – idealerweise im positiven Fall – dann für die Zukunft diskutieren, was man im Vorfeld hätte besser machen können. Jetzt in diesem speziellen Fall hilft das aber nicht weiter.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo allerseits,


    falls das falsch rübergekommen ist, es ging mir überhaupt nicht darum, Wutzi oder irgendwen anders zu kritisieren, weil sie zu spät angefangen hat, sich Sorgen zu machen. Mein Punkt war eher, dass solche Biotope im Allgemeinen gefährdet sind und es ganz sicher weniger werden, weil sie einfach nicht zu der wirtschaftlichen Entwicklung passen. So wie man nunmehr relativ selten Radmacher oder Stellmacher oder Böttcher findet.


    Von Landwirtschaft gehen solche Biotope über zu einer musealen Existenz. Die kostet.


    dass es sich um Gemeindegrund handelt, steht im Beitrag Nr. 3.

    Da auch, aber es steht auch in Beitrag Nr. 1. Aber wie gesagt, diese Wiese war schon früher Thema im Forum.



    Ich weiß nicht, ob du im Naturschutz Erfahrung hast. Ich kenne das Problem, entscheiden zu müssen, ob man etwas publik macht oder unter dem radar belässt. Manchmal ist es besser, abzuwarten. Meldet man erste Ergebnisse, kann es auch passieren, dass sofort die Fläche zerstört wird, um keine Auflagen zu riskieren. Bei Privatgrund ist das meist eher der Fall.

    Im Gegensatz zu den meisten hier, habe ich in der Sache auch Erfahrung aus der Sicht des Landwirts/Eigentümers. In den meisten Fällen ist es ja so, dass, wenn auf einem Grundstück etwas gefunden wird, dies i.A. zu Lasten des Eigentümers geht. Nein, man kommt nicht auf die Idee, den Besitzer/Nutzer zu belohnen, weil er es geschafft hat, diese seltene Art bisher zu erhalten und zu schlussfolgern, dass er bisher alles richtig gemacht hat - und folglich megakompetent hinsichtlich der weiteren Behandlung der Sache ist. Nein, es wird getan, als käme die Art vom Himmel, der Bauer doof und jetzt kommt der Fachmann (oft genug nur bambiökologischer Ornithologe) und erklärt die Welt. Einschränkungen, Auflagen, Ignoranz, Kosten, Wertverlust von Grundstücken - Entschädigungen bestenfalls symbolischer Natur. Am einschneidensten ist wohl der mangelnde Respekt und die Gängelung. Das wird als Bestrafung empfunden, offensichtlich dafür, dass man es nicht geschafft hat, alle zu schützenden Arten rechtzeitig zu beseitigen.


    Christoph, wie oft hast du dich bisher mit dem Besitzer/Nutzer beraten, bevor du eine Entscheidung getroffen hast, ob "publik oder unter dem Radar"? Das dürfte bei 0 liegen.


    LG, Bernd

  • Lieber Bernd,

    Christoph, wie oft hast du dich bisher mit dem Besitzer/Nutzer beraten, bevor du eine Entscheidung getroffen hast, ob "publik oder unter dem Radar"? Das dürfte bei 0 liegen.

    Ich weiß nicht, wie Christophs Antwort ausfallen wird, aber ich beobachte hier ein Phänomen, das ich in einem anderen Zusammenhang aus einem Elternforum kenne, in dem ich unterwegs bin. Elterntypisch sind dort auch Schule und insbesondere Lehrkräfte und deren Fehlverhalten häufig Thema. In dem Forum sind auch viele Eltern unterwegs, die selbst Lehrkräfte sind.


    Die fühlen sich von solcher Kritik, die an einzelne Lehrkräfte adressiert ist, oder auch Ängsten/vorsichtigem Verhalten von Eltern in Erwartung von Problemen in der Schule oft verunglimpft.


    Und das zu Recht - in dem Forum dreht sich viel um Respekt, auch und insbesondere gegenüber Kindern. Ich bin mir sicher: Alle Lehrkräfte, die dort mitschreiben, geben ihr Bestes, um den Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden, gehen respektvoll mit ihnen um und sind ihnen gegenüber wohlwollend eingestellt. Die Einzelfälle, die unterirdische Aktionen bringen, mit denen man als Elternteil nicht vernünftig reden kann, und wo man sich auf die Hinterbeine stellt und die Krallen ausfährt, sind im Forum nicht vertreten.


    Ähnlich sehe ich das hier. Ich bin mir sehr sicher, dass du selbst auch im Rahmen deiner Arbeit den Naturschutz gut im Blick hast und im Traum nicht auf die Idee kämest, auf eine deiner Flächen Gülle zu kippen, damit sie ja keinen Schutzstatus er-/behält.


    Aber die Erfahrungen, dass es auch "die anderen" gibt, die genau sowas machen, wie von Christoph für die Streuobstwiesen beschrieben, sind ja auch real (ich erinnere mich an einen Fall, über den in der Zeitung berichtet wurde aus meinem früheren Wohnort: Da war über einen Zeitraum von einigen Jahren ein Orchideen-Biotop herangepäppelt worden (Schutzstatus und Besitzverhältnisse weiß ich nicht mehr), und eines Tages war die ganze Fläche gegüllt. Zum Zeitpunkt der Artikelerstellung war noch nicht klar, wer das gemacht hatte, und ich habe das nicht verfolgt.


    Ich sehe hier jedenfalls das Problem: Wenn man vorher weiß, wie der/die Besitzer*in drauf ist, kann man einschätzen, was der bessere Weg ist - der optimalerweise natürlich so aussieht, dass alle gemeinsam an einem Strang ziehen und auf Augenhöhe kommunizieren. Wenn man aber falsch liegt und das Thema anspricht, kann das der Auslöser sein, der ihn oder sie dazu treibt, aktiv zu werden, und das nicht im guten Sinn.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Hallo Sabine,


    kennst du Fälle, in denen der Besitzer/Bauer einer Fläche, auf der seltene Arten gefunden wurden, entsprechend gewürdigt wurde und ggf. sogar besser gestellt wurde (die Wiese ist ja nun "wertvoller" mit der tollen Art) - ist sie das auch für den Besitzer? [wenn ich beim zu-schnell-Fahren erwischt werde, muss ich Strafe bezahlen, werde also ökonomisch schlechter gestellt - wenn schützenswerte Arten auf meiner Wiese entdeckt und den Behörden verraten werden, werde ich ökonomisch schlechter gestellt - das ist eine andere Formulierung für "Strafe"] Solange diese Kausalität nicht überwunden wird, nicht nur im Einzelfall sondern allgemein im öffentlichen Verständnis, wird man solches prophylaktische Gülle verkippen haben. Es ist halt so, dass der Gesetzgeber sich (fast) nie Gedanken darum macht, welche Ausweichreaktionen eine Verordnung etc. pp. haben wird.


    Man kann auch das Gegenteil erreichen. In Lettland gab es Fälle, dass Wiesenbeseitzer recht gute Naturschutzzahlungen erhielten, wenn bestimmte Arten dort nachgewiesen wurde. Was unter anderem dazu führte, dass einige Leute diese Arten von bekannten Vorkommen in NSG auf ihre Wiesen verpflanzten. Sicher auch keine gute Lösung.


    Trotzdem ist es doch so, dass man Naturschutz nur gemeinsam betreiben kann, nicht gegen die Landwirte.


    LG, Bernd

  • Lieber Bernd,


    ich bin voll bei dir, dass für "öffentliche Interessen" auch die Öffentlichkeit aufkommen sollte - anders ausgedrückt: In solchen Fällen der/die Besitzer*in entschädigt/entlohnt werden sollte.


    Ich war auch baff, als ich erfuhr, dass für einen 4-Jahres-Baustopp wegen archäologischer Ausgrabungen anscheinend der/die Besitzer*in zahlt.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Moin, vielleicht hab ich ja irgendwas in den falschen Hals bekommen, oder dir fehlen noch ein paar Informationen, Bernd. Ich fasse noch mal die Eckdaten zusammen.


    Die Wiese hat ca. 500 Quadratmeter und gehört der Gemeinde. Sie kann nicht überbaut werden, weil ein Bach drunter durchfließt. In den letzten 6 Jahrzehnten war sie von der einen Nachbarin für einen symbolischen Euro gepachtet worden, die sie gemäht hat, damit die Samen nicht zu ihr aufs Grundstück geweht werden.

    Aus Altersgründen hat die über 80jährige vor drei Jahren die Wiese an die Gemeinde zurückgegeben.

    Vor fünf Jahren habe ich erkannt, dass dort seltene Wiesenpilze wachsen und begonnen, zu kartieren.

    2022 ist der Boletus-Artikel über die Wiese erschienen. Den habe ich der Bürgermeisterin mit dem Hinweis geschickt, dass es sich um eine einmalige Wiese mit zig geschützten Pilzarten handelt und darum gebeten, die Wiese 1-2 mal im Jahr zu mähen und das Schnittgut zu beseitigen.

    Das hat dann auch ganz gut geklappt.


    Im Zusammenhang mit der Zerstörung eines anderen Saftlingshabitats, wo einiges bei der Abstimmung der Behörden schief gelaufen war, hatte ich vor 2 Jahren Kontakt zur UNB und sie in Kenntnis über die kleine Wiese gesetzt. Diese hat sich daraufhin vorsorglich bei der Gemeine über die kleinen Wiese erkundigt und die Auskunft bekommen, dass die Gemeinde nicht vor hat, die Wiese anderweitig zu nutzen.


    Im Rahmen meiner Wiesenpilzvorträge beim hiesigen Landschaftspflegeverband und dem Beirat von Natura 2000 habe ich selbstverständlich sondiert, ob es die Chance zur Übernahme der Wiese durch NGOs oder in irgendwelche Programme gibt. Aus mehreren Gründen, aber vor allem weil die Fläche so winzig ist, hat sich da keine Möglichkeit ergeben.


    Wenn ich 20 Jahre jünger wäre, hätte ich

    sie gepachtet oder gekauft und Zeit eine langfristige Lösung zu suchen. Unabhängig davon ist Fakt, dass jemand gefunden erden muss, der sich dauerhaft kümmert. Wenn ein Nutzungsönderungsstopp verfügt wird, werde ich auf die hiesigen Umweltverbände zugehen. Allerdings male ich mir keine großen Chancen aus. Thüringen ist ein kleines, bevölkerungsarmes Land mit großartigen Orchideenbeständen. Da sind die Ressourcen begrenzt und der Fokus liegt nicht unbedingt auf Wiesenpilzen.

    Warum ich vor Ort nicht unbedingt die Werbetrommel für die Fläche rühren will, hat Christoph schon angerissen. Nicht alle Menschen finden es sinnvoll, dass die Wiese nicht gärtnerisch genutzt werden soll. Für die meisten hier ist Naturschutz nur relevant, wenn es darum geht, die Windmühlen der Schande zu verhindern.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

    Einmal editiert, zuletzt von Wutzi ()

  • Trotzdem ist es doch so, dass man Naturschutz nur gemeinsam betreiben kann, nicht gegen die Landwirte.

    Servus Bernd,


    ich denke, das bestreitet hier niemand. Die Rechtslage ist etwas, was wir nur sehr indirekt ändern können. Was die individuelle Vergütung angeht, wenn man als Landwirt eine wertvolle Fläche besitzt und sie deshalb wertvoll ist, weil man sie entweder selbst aus der Nutzug genommen hat oder die Nutzung so betreibt, dass sie schützenswert wurde oder zumindest blieb, kann man sicher vieles Verbessern. Da verstehe ich deinen Punkt selbstredend.

    Es gibt Subventionen, wenn man Intensiväcker mal für ein oder zwei Jahre brach fallen lässt, um sie später dann doch wieder intensiv zu nutzen. Andernorts fehlt Geld, um Besitzer wertvoller Flächen zu belohnen. Das ist aber alles höhere Politik und die in einem Pilzforum zu diskutieren, führt oft genug zu politischen Lagerkämpfen. Wir haben eine starke Landwirtschaftslobby. Dass sich die in erster Linie für Großbetriebe einsetzt, ist eben auch unabhängig von dem akuten Problem hier mit dem kleinen Wiesenfleckerl im Dorf.


    Nein, es wird getan, als käme die Art vom Himmel, der Bauer doof und jetzt kommt der Fachmann (oft genug nur bambiökologischer Ornithologe) und erklärt die Welt.

    Unabhängig von deinen persönlichen Erfahrungen ist diese Verallgemeinrung – sorry – polemisch. Wenn man es allgemeiner formuliert, ohne eine Seite herabzuwürdigen, verstehe ich deinen Punkt ebenfalls. Es ist der immer wieder autretende Konflikt zwischen Praxis und akademischer Meinung. Oft gibt es hier einfach nur Kommunikationsprobleme, die beiden Seiten verstehen sich nicht. Wir leben zudem in einer Gesellschaft, in der ein "Studierter" abgewertet wird, weil man es selber immer besser weiß. Auf der anderen Seite gibt es auch unglaublich sture Landwirte. Meine Erfahrung ist aber, dass, wenn man miteinander redet, manche Sturheit nur ein Abblocken war. Wirklich "stur" sind wohl eher große Betriebe, die rein betriebswirtschaftlich denken und denen der Wert einer Fläche egal ist. Wie auch immer, hier kann man viele Gemeinplätze austauschen, ohne dass es viel bringen wird. Sowas muss man direkt an einem gemütlichen Abend besprechen und nicht in einem Forum schriftlich machen. Bringt meist wenig, ist meine Erfahrung.


    Christoph, wie oft hast du dich bisher mit dem Besitzer/Nutzer beraten, bevor du eine Entscheidung getroffen hast, ob "publik oder unter dem Radar"? Das dürfte bei 0 liegen.

    Da du mich konkret ansprichst und gleich eine Antwort selbst gibst... Du hast vielleicht ein falsches Bild von mir. Ich bin Biologe, bin Vorstand der BMG und engagiere mich seit vielen Jahren für die Pilzkunde. Ich habe im Bereich Pilzökologie promoviert und habe meine Dissertation über den Einfluss verschiedener Waldnutzungsformen auf die Funga im Bayerischen Wald geschrieben. Durch meine Ausbildung sehe ich mich in der Lage, auch im Namen der BMG, Gutachten zu erstellen, wenn es um Naturschutz geht. Oft passiert das nicht, da Pilzschutz wenig im Fokus steht.


    Beispiel: Nationalkpark Bayerischer Wald – Interessenskonflikt Loipen durch ein Urwaldgebiet (Tourismus) und Erhalt des Urwaldgebiets (Nazurschutz). Ist einige Jahre her. Es war angedacht, im Urwald Wegesicherung auszuführen (Bäume zu fällen, Totholz zu entfernen), damit die Loipe weiter genutzt werden kann. Alternative: Verlegung der Loipe. Ergebnis: die Loipe wurde verlegt.


    Oder das Beispiel der Stromtrasse durch einen wertvollen Waldbestand. Ich kann in so einem Fall das Pilzvorkommen bewerten und meine Meinung äußern. Die Entscheidung kommt dann vom Eigentümer und/oder einem Gericht, falls jemand klagt.


    Ich bin aber niemand, der auf privaten Flächen gezielt nach Rote-Liste-Arten sucht, um dann dem Besitzer seine Fläche zu "entwerten". Ich habe einen Vollzeitjob, ich bestimme gerne Pilze, ich bin Präsident der BMG, ich habe gar nicht die Zeit. Aber ja, ich rede gerne mit Grundbesitzern, wenn ich sie denn treffe. Sonst erfahre ich es ja nicht. Mich hat mal ein Waldbesitzer "verfolgt", als ich mit Stativ und Kamera in seinen Wald ging. War nach erster Unfreundlichkeit seinerseits (Verdacht, ich wolle sonstwas tun) ein sehr nettes Gespräch. Ich habe ihm seltene Arten genannt, die dort vorkommen und er fand das toll. Er nutzt auch nur extensiv, weil er den Betsand eh schützen will. Ideal sowas.


    Was mein Beispiel mit "unter dem Radar" betrifft, ging es um einen potentiellen Flächenankauf. Und da berät man sich erst unter der Hand, kennt wer den Beitzer, wie ist der so drauf? Lohnt es sich zu fragen oder nicht? In dem Fall haben wir uns entschieden, es unter dem Radar laufen zu lassen. Mit "publik" machen, meinte ich, mit dem Besitzer verhandeln, abkaufen und dann die Fläche zu schützen und das dann publik zu machen.


    Mein Eindruck ist, dass die Agrarlobby weit mehr Einfluss hat als die Umweltschutzlobby. Aber das ist erstmal völlig unabhängig von solchen Einzelfällen. Polemik hilft aber nicht weiter. Weder auf der einen Seite noch auf der anderen. Besser wäre es, es gäbe keine Seiten, aber die Welt ist nicht ideal. Wenn es um Geld vs. Schutz geht, hat man immer einen Interessenskonflikt und damit zwei Seiten. Und das meine ich wertneutral. Es ist halt so. Hier konkret bin ich für den Erhalt der kleinen Wiese, bin aber nicht direkt involviert.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Grüß euch,


    also ich kenne ja beide Sichtweisen sehr gut, sowohl als Landwirt und Flächenbewirtschafter als auch aus Sicht desjenigen der versucht Grundeigentümer davon zu überzeugen ihre ökologisch hochwertigen Flächen weiter zu erhalten. Ich werd jetzt nicht großartig auf Details eingehen, weil das Thema derartig vielschichtig ist, dass eine sinnvolle Auseinandersetzung meinen persönlichen zeitlichen Rahmen sprengen würde.

    Kurz zusammengefasst ist dieser Konflikt mMn systemischer Natur und und die größten Probleme sehe ich nicht nur in der Finanzierung der Flächenpflege. Aus persönlicher Erfahrung sind es vA überbordende Bürokratie, praxisferne Naturschutz-Fördersysteme und fehlendes Verständnis, sowohl für den gesellschaftlichen Wert biodiversitätsfördernder Landwirtschaft als auch von anderer Seite für die Schwierigkeiten und den Arbeitsaufwand welche mit einer biodiversitätsfördernden Landwirtschaft einhergehen.

    Leider kann ich den Frust und die negative Haltung vieler Landwirte gegenüber "Naturschutz" und "de Studierdn de ka Ahung vom hackln habn" durchaus nachvollziehen, auch wenn ich selbst ein großer Befürworter, sowohl von Naturschutzmaßnahmen als auch von Bildung bin. Oft genug musste ich mich selbst schon über Personen ärgern, welche zwar sicherlich fachlich in ihrem Gebiet ein großes Wissen haben, jedoch selbst nie auf die Idee kommen würden sich beispielsweise an den heissesten Sommertagenandenen "normale" Leute baden gehen, von Montag bis Sonntag, vom Morgengrauen bis zur Abenddämerung, in der prallen Sonne um die mahd und pflege der schönen Orchideenwiesen zu kümmern über die man sich dann beim spazierengehen erfreuen kann.


    Ich werd euch in nächster Zeit mal ein kleines Projekt vorstellen, welches ich gerade durchführe und anhand dieses Praxisbeispiels einige der Probleme ansprechen, welche sich gerade bei der Restaurierung und Erhaltung von ökologisch wertvollen, landwirtschaftlichen Flächen ergeben.



    Aber jetzt mal zum eigentlichen Thema, weil ich auch Erfahrungen mit öffentlichen Flächen habe. Zumindest hier in der Region, aber ich denke das wird auf die meisten ländlichen Regionen zutreffen, sind Gemeindebudgets oft recht knapp und finanzielle Mittel für lokalen Naturschutz sind darin nicht vorgesehen. Gerade die Pflege von kleinen Wiesenflächen in Gemeindebesitz, von Straßenböschungen oder Wegrändern sind ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor für ländliche Kommunen. Nach meiner Erfahrung ist es daher meist sehr schwierig mit Argumenten wie "bitte räumt doch das Mähgut aus der Fläche damit sie schön mager und ökologisch hochwertig bleibt" durchzudringen. Meist werden solche Flächen lediglich als Belastung fürs Kommunalbudget betrachtet, was jedoch auch zur Folge hat, dass es oft recht einfach ist die zuständigen Personen davon zu überzeugen die Flächen abzugeben, wenn man eine Lösung findet welche den Arbeitsaufwand für die Gemeinde reduziert.

    Ich hatte bisher nie Probleme die Gemeinde zu überzeugen eine Böschung nicht mehr zu schlögeln, wenn ich als Alternative angebeoten habe diese Fläche selbst zu mähen und die Verantwortung für die Pflege übernommen habe. Meist sind Gemeinden froh über jeden Quadratmeter Wiese um welchen sie sich selbst nicht mehr kümmern müssen, was wohl auch der Grund für das konkrete Problem ist.

    Wie du, Claudia, ja selbst schreibst hatten sie vorher jemanden der die Mahd übernommen hat und waren wsl. einfach nur froh jemanden zu finden der sich zukünftig um diese Fläche kümmert, die Form der Nutzung ist da wohl eher nebensächlich und leider fällt die Abwägung zwischen "naturschutzgerechte Bewirtschaftung" und "budgetschonende Bewirtschaftung" in den meisten Fällen recht leicht.

    Mein Fazit ist daher so simpel wie frustrierend... "selber machen, dann kann man sich wenigstens drauf verlassen, dass es auch ordentlich gemacht wird".


    Liebe Grüße

  • Mein Fazit ist daher so simpel wie frustrierend... "selber machen, dann kann man sich wenigstens drauf verlassen, dass es auch ordentlich gemacht wird".

    Das ist einer meiner Lieblingssprüche, Florian. Der hat hier nur einen Haken. Du musst gesundheitlich in der Lage sein. Eine dauerhafte Lösung ist das nicht.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


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